Demokratie
Digitale Demokratie, politische Kommunikation, e‑Government, Wahlen & Wahlkampf, Lobbyismus, Campaigning, soziale Bewegungen & Protest.
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: So geht uns das Klima ins Netz
: So geht uns das Klima ins Netz Ein Gast-Posting von Ole Seidenberg und Daniel Kruse über „So geht uns das Klima ins Netz“.
Morgen wollen Bürger in rund 170 Ländern mit über 4000 Aktionen zeigen, dass ihnen das Thema Klimawandel nicht egal ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die von der Initiative „350“ organisierte Massenmobilisierung die größte Demo der Welt. In Berlin wählen die Klimapiraten und die Kampagne „Klimakanzlerin gesucht“ aus 350 verkleideten Angela Merkels die wahre „Klimakanzlerin“. 350 stumme Raver angeführt von Dr. Motte werden mit der Silent Climate Parade durch Berlins Mitte ziehen und auf das „unsichtbare“ Problem hinweisen.
Ohne das Netz wäre eine derartige Aktivierung von Menschenmengen undenkbar. Alle drei Tage schickt die US-Zentrale von 350 in den letzten Tagen Updates, Hilfestellungen für lokale Organisatoren und Motivation per Newsletter: „Ladet eure Bilder online hoch, wir dürfen sie auf dem Times Square zeigen!“. Natürlich hält man die global verstreuten Aktivisten auch per Facebook und Twitter auf dem Laufenden. Der Hashtag #350 bewährt sich und für den internationalen Zusammenschluss der NGOs macht sich das Twibbon der übergeordneten Kampagne „tcktcktck“ bemerkbar.
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: OpenData Network gegründet
: OpenData Network gegründet Gestern wurde in Berlin das OpenData Network in die Rechtsform eines Vereins gegossen. Aus der Selbstbeschreibung:
Das OpenData Network ist ein offenes zivilgesellschaftliches Netzwerk, welches die Themen Opendata, Openaccess, Opengovernment, Transparenz und Partizipation auf die politische Agenda setzen möchte. Ziel des Netzwerkes ist es den freien und ungehinderten Zugang aller Bürgerinnen und Bürger zu allen Daten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft zu ermöglichen und zu fördern. Wir wollen neue basisdemokratische Formen und Methoden für Kollaboration und Partizipation erforschen und entwickeln und so einen Beitrag dazu leisten Politik und Verwaltung offen, transparent und bürgernah zu gestalten.
Neben den hiesigen Co-Autoren Daniel Dietrich (Vorsitzender) und Markus Beckedahl (stellvertretender Vorsitzender) waren unter den gut 20 Gründungsmitgliedern auch Mitglieder von sechs politischen Parteien. Ganz transparent finden sich Satzung, Protokoll und der Vorstand online.
Als quasi erste Amtshandlung findet nächsten Mittwoch, den 28.10.09 um 19 Uhr ebenfalls im Newthinking Store ein offenes Treffen mit dem Titel Eine Demokratie-API für alle Daten aus Politik und Verwaltung statt. Dabei geht es neben einem Kennenlernen um folgende Fragestellungen:
Wie bekommen wir das Thema Transparenz und Opendata auf die politische Agenda?
Welche konkreten Projekte gibt es bereits?
Welche politischen Strategien gibt es?
Welche Strategien und Pilotprojekte können wir gemeinsam entwickeln um dem Ziel des freien Zugangs zu Daten aus Politik und Verwaltung näher zu kommen?Das Network betreibt auch einen interessanten Blog sowie Podcast-Feed zum Thema. Natürlich gibt es ebenfalls eine Mailingliste sowie Twitter- und identi.ca-Accounts. Der Verein ist offen (*g*) zum Mitmachen und sucht weitere Engagierte, also macht mit!
politik-digital.de und annalist haben auch berichtet.
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: Die Macht des Internets
: Die Macht des Internets Vorgestern hat die WDR-Sendung Quarks & Co über „Die Macht des Internets“ berichtet. In dem Beitrag „Online-Macht für Bürger – Über das Internet mehr Demokratie wagen?“ kommt auch netzpolitik.org vor.
Jeder kennt es, (fast) jeder braucht es: das Internet. 40 Jahre nach seiner „Geburt“ ist es nicht mehr weg zu denken. Und nie zuvor war die Menschheit so abhängig von einem technischen Netzwerk wie heute. Quarks & Co hakt nach: Wie hat das Internet unsere Gesellschaft verändert, und wie funktioniert es überhaupt?
Die Sendung gibt es auch im Podcast (100 MB) zu finden.
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: Britische Regierung startet Daten-API
: Britische Regierung startet Daten-API In Großbritannien startet im Dezember eine von Tim Berners-Lee und Professor Nigel Shadbolt entwickelte Daten-API in die Beta-Phase, berichtet die BBC. Data.gov.uk lehnt sich an die amerikanische Seite Data.gov an. Diese stellt seit Mai sowohl Rohdaten als auch Werkzeuge zur Erstellung von Diagrammen und Karten zur Verfügung.
Data.gov.uk wird wie das amerikanische Vorbild anonymisierte öffentliche Daten enthalten. Als Beispiele für Informationen, die zugänglich gemacht werden sollen, nennt Professor Shadbolt Zensus-Daten und Grundbucheinträge.
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: Koalitionsvereinbarung: Keine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität, dafür mehr Open Source und Absage an Internetüberwachung
: Koalitionsvereinbarung: Keine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität, dafür mehr Open Source und Absage an Internetüberwachung Union und FDP haben sich auf eine Reihe von internetpolitischen Positionen geeinigt:
Die Breitbandversorgung soll flächen- und leistungsmäßig weiterhin gesteigert werden. Dabei sollen freiwerdende Fernsehrundfunk-Frequenzen in Form der „digitalen Dividende“ genutzt werde, um kurzfristig Versorgungslücken in der Fläche zu schließen.
Die Netzneutralität soll vorerst nicht gesetzlich verankert werden. Hier setzt sich die FDP Position durch: „Wir vertrauen darauf, dass der bestehende Wettbewerb die neutrale Datenübermittlung im Internet und anderen neuen Medien sicherstellt“. Allerdings werde man die Entwicklung „sorgfältig beobachten und nötigenfalls mit dem Ziel der Wahrung der Netzneutralität gegensteuern“.
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: Treffen der eDemokratie-Projekte: BerlinInOctober
: Treffen der eDemokratie-Projekte: BerlinInOctober Am 15. und 16. Oktober trafen sich zum dritten Mal die Macher diverser eDemokratie-Projekte in Berlin, um Erfahrungen auszutauschen und Anregungen für neue Services zu sammeln.
Ein großer Teil der Zeit war daher auch für das Vorstellen einzelner Projekte freigehalten. Viele Portale widmen sich der Aufgabe, mehr Transparenz in die Arbeit der Abgeordneten zu bringen. Angebote wie OpenParlamento aus Italien und NosDéputés aus Frankreich analysieren die Aktivitäten der Parlamentarier.
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: Bürgerrechte sind keine Verhandlungsmasse!
: Bürgerrechte sind keine Verhandlungsmasse! Foebud und Campact haben einen „offenen Brief an Frau Leutheusser-Schnarrenberger“ online gestellt, der von allen unterzeichnet werden kann. Damit wollen sie Einfluss auf die Koalitionsverhandlungen nehmen und die FDP daran erinnern, dass Bürgerrechte keine Verhandlungsmasse sind.
Das kann man unterzeichnen:
Sehr geehrte Frau Leutheusser-Schnarrenberger,
im Wahlkampf hat sich die FDP als Bürgerrechtspartei präsentiert. Ich
erwarte deshalb von Ihnen: Beweisen Sie in den Koalitionsverhandlungen
mit der Union, dass es der FDP mit der Verteidigung von Freiheit und
Bürgerrechten wirklich ernst ist. Insbesondere fordere ich:- Stoppen Sie die flächendeckende Protokollierung aller Telefon- und
Internetverbindungen und ‑standorte (Vorratsdatenspeicherung).- Verbieten Sie Schnüffelchips (RFID) in Reisepässen und
Personalausweisen, auf denen unsere biometrischen Daten gespeichert
und per Funk auslesbar gemacht werden.- Stoppen Sie das Gesetz zu Internet-Sperren. Es ebnet den Weg zu
einer systematischen Zensur des Internets, ist aber wirkungslos gegen
Straftäter und Straftaten.- Schaffen Sie ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz, das den Schutz vor
Bespitzelung am Arbeitsplatz sicher stellt.Bürgerrechte sind keine Verhandlungsmasse. Lösen Sie Ihr
Wahlversprechen ein: Stoppen Sie den Überwachungswahn von Staat und
Wirtschaft!Mit freundlichen Grüßen
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: Stockholm-Programm: Debatte über innere Sicherheit in der EU spitzt sich zu
: Stockholm-Programm: Debatte über innere Sicherheit in der EU spitzt sich zu In Brüssel spitzt sich diesen Herbst die Diskussion über die Zukunft der europäischen Innen- und Justizpolitik zu. Während die Innenminister im Rat immer weitere Befugnisse wollen, regt sich im Parlament mittlerweile Widerstand gegen eine Europäische Überwachungsunion.
Aufrüstung der Inneren Sicherheit in 5‑Jahres-Schritten
Die Europäische Union macht seit 1999 immer fünf-Jahres-Pläne für den Bereich der Polizei- und Justiz-Zusammenarbeit. Daraus werden dann Aktionsprogramme entwickelt, die in konkreten Richtlinien und Projekten münden. In den letzten Jahren gehörten dazu unter anderem die Vorratsdatenspeicherung, die EURODAC-Datenbank mit Fingerabdrücken von Asylbewerbern, das Schengen-Informationssystem II, die biometrischen Reisepässe und ähnliche Projekte. Das derzeit geltende „Haager Programm“ läuft Ende des Jahres aus.
Ab 2010 soll dann bis 2014 das „Stockholm-Programm“ gelten, das derzeit von der schwedischen Präsidentschaft mit den anderen Regierungen verhandelt wird. Die Kommission hat im Juni eine Vorlage dafür gemacht, und die Vorarbeiten liefen im Rahmen der berüchtigten „Future Group“, einer informellen Arbeitsgruppe der Innenminister, die Wolfgang Schäuble unter der deutschen Ratspräsidentschaft eingerichtet hatte. Endgültig verabschiedet werden soll das Stockholm-Programm auf dem EU-Gipfeltreffen Anfang Dezember in Brüssel.
Auf dem Weg zur Europäischen Überwachungsunion?
Neben einigen sinnvollen Ideen wie einer besseren Harmonisierung des europäischen Familienrechts besteht das Stockholm-Programm derzeit aus einem Sammelsurium von Überwachung und Grenzabschottung. Auf den ersten Blick wird zwar betont, dass der Bürger und seine Rechte im Zentrum der Erwägungen stehen müssen, aber bei genauerem Hinsehen merkt man schnell, dass er vor allem in Zentrum der Überwachung stehen soll.
Während das Haager Programm das „Prinzip der Verfügbarkeit“ einführte, nach dem den Strafverfolgern in ganz Europa die Daten ihrer Kollegen grundsätzlich verfügbar gemacht werden sollen, geht man nun einen Schritt weiter zum „Prinzip des Zugriffs“. Damit soll der Zugriff in Teilen automatisiert geschehen, und viele Datenbanken, die ursprünglich für ganz andere Zwecke aufgebaut wurden (Asylanträge, Visa und Reisen, Zollkooperation und anderes), sollen für EUROPOL und die nationalen Polizeibehörden offenstehen. Auch im Zuge der SWIFT-Verhandlungen mit den USA wird derzeit hinter verschlossenen Türen diskutiert, ob die EU nicht auch selber sämtliche Banküberweisungen in Europa überwachen und auswerten soll. Für all das sollen auch gemeinsame IT-Standards entwickelt werden, damit die Rasterfahndung und der automatische Abgleich noch ungebremster von statten gehen können. EUROPOL soll zu einer zentralen Informationssammel- und auswertebehörde ausgebaut werden. Auch mit Drittstaaten soll Europol Abkommen schließen können, die den Austausch personenbezogener Daten beinhalten.
Eine Reihe der im Entwurf der Kommission noch grob skizzierten Maßnahmen ist bereits vor der Verabschiedung des Stockholm-Programms in konkrete Gesetzgebungsvorschläge übersetzt worden und wird derzeit schon in Brüssel verhandelt. Dazu gehört unter anderem die IT-Agentur für den Betrieb der ganzen Datenhalden, der Zugriff von EUROPOL auf diverse andere Datenbanken wie die EURODAC-Fingerabdrücke oder die Zolldaten, der Datenaustausch zwischen EUROPOL und mit Drittstaaten (die aktuelle Liste umfasst neben der Schweiz, Norwegen, den USA und Kanada auch Länder wie Marokko, Kolumbien, Russland oder China!) und einiges mehr. Die Sperrung von Webseiten, die Kinderpornografie enthalten, ist auch bereits in der Mache.
Warum diese Eile? Warum wartet man nicht, bis im Dezember die Staats- und Regierungschefs der EU das Stockholm-Programm endgültig abgesegnet haben und dann in Ruhe ein Aktionsprogramm daraus entwickelt wurde? Diese Eile liegt am Lissabon-Vertrag, dessen baldiges Inkrafttreten mit dem irischen „ja“ vor einer Woche so gut wie sicher ist und für Anfang 2010 erwartet wird. Dann nämlich hat das Europäische Parlament endlich auch ein Veto-Recht im Bereich Justiz- und Polizeizusammenarbeit. Dieser Bereich war bisher den Regierungen vorbehalten, das Parlament wurde nur konsultiert.
Welches Europa wollen wir?
Die Europa-Abgeordneten sind traditionell etwas bürgerrechtsfreundlicher als der Rat der Regierungen, weil in letzterem vor allem die Innenminister den Ton angeben. Und sie sind im Vorgriff auf den Lissabon-Vertrag deutlich selbstbewusster geworden und verlangen schon jetzt Mitspracherechte oder ein Vertagen der Überwachungsvorhaben, bis das Parlament mit darüber bestimmen darf. Die Debatten im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) seit der Sommerpause über die oben genannten Vorhaben zeigen bereits, dass eine wachsende Zahl der Abgeordneten ein deutliches Unbehagen gegenüber noch mehr Überwachung und Datensammlung verspürt. Dies gilt übrigens nicht nur für die Grünen oder Liberalen, sondern man hört skeptische Stimmen auch von Sozialdemokraten und sogar Konservativen.
Die Vorsitzenden der Ausschüsse für bürgerliche Freiheiten, für Recht und für Verfassungsangelegenheiten haben diese Woche nun den Entwurf einer Resolution des Europaparlaments zum Stockholm-Programm vorgelegt, der am Donnerstag gemeinsam mit Vertretern der nationalen Parlamente diskutiert wurde. Der Text ist etwas weniger überwachungsfreundlich als der Entwurf aus der Kommission, hat aber immer noch merkwürdige Stellen drin. So wird immer noch davon geredet, dass Sicherheit und Freiheit „ausbalanciert“ werden sollten – als gäbe es keinen Kernbereich von Grundrechten, die solchen Abwägungen nicht zugänglich sein dürfen, und als würde Sicherheit immer notwendigerweise mit Freiheitsbeschränkungen hegergestellt werden müssen. Viele Abgeordnete haben daher auch Änderungsanträge angekündigt.
Hier wird sich in den nächsten Wochen daher die Diskussion über die Frage zuspitzen, die bereits durch die ganzen Einzelmaßnahmen in der Luft liegt: Welches Europa wollen wir? Eines von Überwachung und Misstrauen, von Generalverdacht und flächendeckender Speicherung und Auswertung harmloser und legaler Aktivitäten, eines in dem die Sicherheitsbehörden immer mehr Wissen und damit Macht bekommen? Oder ein Europa, das die Bürger- und Menschenrechte in den Mittelpunkt stellt, Grundrechtsbeschränkungen nur im Einzelfall nach richterlicher Überprüfung erlaubt, und generell von Offenheit und Vertrauen gekennzeichnet ist?
NGOs und Aktivisten mischen sich ein
Dass diese Debatte von großer Bedeutung ist, sieht man auch daran, wie sich die Zivilgesellschaft hier einmischt. Während beim Haager Programm vor fünf Jahren nur ganz wenige Expertenvereine Stellungnahmen eingereicht haben, wird man beim Stockholm-Programm förmlich erschlagen von Hintergrundpapieren, Kommentaren und anderen Interventionen. Von amnesty international über die Europäische Menschenrechtsliga und diverse Flüchtlingsverbände, den Deutschen Anwaltverein, die britische Rechtsvereinigung, bis hin zum Deutschen Industrie- und Handelskammertag findet man teils knappe und zugespitzte Kommentare, teils längere Hintergrundpapiere. Auch diverse nationale Parlamente, der Europäische Datenschutzbeauftragte und die EU-Grundrechteagentur haben sich zum Thema geäußert. Überwiegend gehen die Dokumente in Richtung „mehr Rechtsstaat, weniger Überwachung“. (Update: Auf Telepolis gab es vor ein paar Wochen einen Artikel dazu, der u.a. die wichtigsten Stellungnahmen kurz zusammenfasst.)
Auch Aktivistengruppen aus dem Antirepressions- und Flüchtlingsbereich haben sich mit dem Stockholm-Programm intensiv befasst. Gipfelsoli macht seit ungefähr einem Jahr eine Kampagne dazu, das internationale „No-Border“-Camp in Lesbos im August hat zu den Grenzabschottungs-Aspekten (die hier nicht so ausführlich behandelt werden konnten) intensiv gearbeitet, und seit kurzem gibt es ja die Kampagne „Reclaim your Data!“ zu den EU-Datenbanken, zu der netzpolitik.org auch mit aufruft (ein Bericht von der Auftaktveranstaltung am 1. Oktober ist hier). Für den EU-Gipfel zur Verabschiedung des Stockholm-Programmes im Dezember in Brüssel werden bereits Protestaktionen geplant.
Langsam tut sich also die Bürgerrechtsbewegung auch auf europäischer Ebene zusammen. Projektbezogen gibt es das zwar immer mal wieder, aber was noch fehlt, sind festere Strukturen der Zusammenarbeit, die auch kontinuierlich mit Leben gefüllt werden. EDRi oder ECLN haben zwar eine Reihe von Mitgliedern, aber viel mehr als ein Austausch über die einzelnen Aktivitäten auf den nationalen Ebenen läuft da auch noch nicht wirklich (bei EDRi könnte sich das ändern, seit dort wieder jemand in Brüssel fest angestellt ist). Und eine Wissensdatenbank wäre schön, etwa in Form eines Wikis. Statewatch.org sammelt zwar (auf der „unübersichtlichsten Website der Welt“, so Matthias von Gipfelsoli auf der SIGINT) ganz viele offizielle Dokumente zu diesem Bereich, aber es gibt z.B. noch keinen wirklich guten Überblick der gesamten Aktivitäten von Bürgerrechtlern und Aktivisten oder eine Materialsammlung.
Ideen und Energie, etwa hier in den Kommentaren, sind daher sehr gern gesehen. Wer sich regelmäßig informieren will, kann auch das EDRi-Gram bestellen.
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: In der Open-Source-Demokratie wartet man keine Einladung ab
: In der Open-Source-Demokratie wartet man keine Einladung ab Dieses Interview von Jan Engelmann mit dem Medienforscher Axel Bruns ist in einer gekürzten Fassung in der Ausgabe #7 des Halbjahresmagazins POLAR erschienen.
„In der Open-Source-Demokratie wartet man keine Einladung ab“.
Bloß zuschauen war gestern. Im Web 2.0 entwickeln Leute gemeinsam freie Software, redigieren Texte in Wikipedia oder beraten auf Blogs die Sicherheitslücken von Windows. Könnte diese Beteiligungslust auch der Politik zugute kommen? Ja, wenn man die Philosophie der Netzkulturen ernst nimmt und schrittweise in das institutionelle System integriert, sagt der in Australien arbeitende Medienforscher Axel Bruns in einem E‑Mail-Interview mit Jan Engelmann.
Herr Bruns, Sie sprechen von produsage bzw. „Produtzung“ als einer neuen kulturellen und technologischen Disposition. Was sind deren zentralen Merkmale?
Bruns: Das Wort selbst ist eine Kombination aus „Produktion“ und „Nutzung“ und weist darauf hin, dass sich heute gerade online eben nicht mehr nur Medienproduzenten und Medienkonsumenten als große, recht klar definierte Gruppen gegenüberstehen, sondern vielerorts ein sehr viel hybriderer produktiver Nutzungsvorgang stattfindet. Jemand, der z.B. ein paar Verbesserungen auf einer Wikipediaseite macht, ist nicht wirklich Produzent der Wikipedia – aber eben auch schon mehr als nur ein Nutzer. Es handelt sich hier also um eine Form der Inhaltsschaffung, die nicht auf hierarchisch strukturierte und gemanagte Produktionsabläufe aufbaut, sondern auf das Interesse und die Fähigkeit vieler, einen Beitrag zur gemeinsamen Sache zu liefern, sowie diesen Prozess auch gemeinsam – dabei mitunter auch durchaus kontrovers – zu steuern. Es handelt sich hier also nicht um einen anarchischen Vorgang, sondern eher um etwas, was man als „Heterarchie“ bezeichnen könnte. Zwar heißt es bei der Wikipedia z.B. „Anyone can edit“, aber andererseits bedeutet das auch, dass jeder die Arbeit jedes anderen kritisch bewerten und falls nötig weiter verändern kann.
Ist die mit Produtzung angedeutete Orientierung an Modellen kooperativer Wertschöpfung wirklich substanziell etwas Neues? Oder bestand sie schon und hat dann mit dem Internet ein kongeniales Medium gefunden?
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: BundesTagger – Offene Plenarprotokolle
: BundesTagger – Offene Plenarprotokolle Der BundesTagger ist eine kleine und schöne OpenGovernment Idee, wie man kollaborativ die Plenarprotokolle der 16. (und demnächst 17.) Legislaturperiode im Bundestag taggen und Textabschnitte mit Anmerkungen versehen kann.
Aus einer Mail von Stefan Wehrmeyer, der das Projekt entwickelt hat:
Die Seite bietet Zugang zu allen Protokollen des 16. Deutschen Bundestages und sobald der 17. losgeht, werde ich versuchen auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. Protokolle lassen sich mit öffentlichen Anmerkungen versehen und Reden lassen sich taggen. Eine API bietet Zugriff auf einen Großteil der Daten und wird in den kommenden Wochen noch erweitert. Weitere Daten aus den Protokollen (Liste der entschuldigten Abgeordneten, namentliche Abstimmungsergebnisse) werde ich demnächst veröffentlichen und auch über die API zur Verfügung stellen.
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: Kampagne: Hol dir deine Daten zurück!
: Kampagne: Hol dir deine Daten zurück! Unter dem Titel „Nimm dir dein Recht im Europa der Polizeien, hol dir deine Daten zurück!“ startete gestern eine europaweite Kampagne zu Auskunftsersuchen in europäischen Datenbanken:
Europäische InnenministerInnen fordern angesichts einer „immensen Datenflut“ mehr Kompetenzen und die technischen Voraussetzungen zur Nutzbarmachung dieses „Daten-Tsunami“ für die Polizeibehörden. „Datamining“-Software soll die Auswertung der Datenbestände vereinfachen und „Entscheidungshilfen“ geben. Personen‑, Sach- und Beziehungsdaten werden von Computern prozessiert, die „Risiken“ frühzeitig erkennen und etwaige Straftaten „vorhersehen“ sollen.
Die Kampagne richtet sich u.a. gegen das Stockholmer Programm, das nächste Fünf-Jahresprogramm der EU zur Inneren Sicherheit, das Anfang Dezember verabschiedet werden soll. Dem Vorgänger Haager Programm haben wir u.a. die Vorratsdatenspeicherung sowie biometrische Daten in Personaldokumenten zu verdanken. Außerdem werden sämtliche digitalen Datenbanken der EU thematisiert, die nach dem Stockholmer Programm weiter „interoperabel“ werden sollen.
Als Antwort auf diese Entwicklungen ruft die Kampagne auf, von seinen Grundrechten Gebrauch zu machen, um etwas Licht in den Datenbank-Dschungel zu bringen:
Wer also wissen will, was die Polizei über sie oder ihn zu wissen glaubt, und wer sie damit beschäftigt sehen möchte, Auskunft über die Speicherungen ihrer bzw. seiner Daten in ihren Datenbanken zu geben, dem empfehlen wir, sogenannte Auskunftsersuchen zu stellen. Die Antworten werden Hinweise über das Ausmaß des polizeilichen Zugriffs auf die Bevölkerung geben und können Ausgangspunkt für individuelle Anträge auf Löschung und politischen Widerspruch sein.
Unterstützer der Kampagne sind derzeit 28 Organisationen aus ganz Europa, u.a. Statewatch, Privacy International, Humanistische Union, FIfF, Internationale Liga für Menschenrechte, RAV, AK Vorrat und netzpolitik.org.
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: recovery.gov: Web 2.0, konjunkturpaket.de: Web 0.2
: recovery.gov: Web 2.0, konjunkturpaket.de: Web 0.2 Sven Böll vergleicht auf Spiegel Online die Webangebote zu den Konjunkturpaketen von Deutschland und den USA: konjunkturpaket.de und recovery.gov. Wenig erstaunlich ist das deutsche Angebot unvollständig, krankt an förderalistischen Zuständigkeitsproblemen und wird schlecht besucht:
Dass das deutsche Pendant nicht annähernd mit dem amerikanischen Vorbild mithalten kann, dürfte nicht nur an der besseren finanziellen Ausstattung des US-Angebots liegen. Wer schon einmal den Versuch unternommen hat, auf der Website eines deutschen Ministeriums annähernd das zu finden, was er sucht, weiß, dass es in der Regierung zwar viele Beauftragte gibt, aber definitiv keinen für intuitive Benutzerführung.
Entsprechend kommt das Gros des Online-Angebots der Regierung ähnlich bemüht daher wie die wöchentliche Videobotschaft der Kanzlerin. Auch hierbei besteht die Interaktivität ja vor allem in den unentwegt Herzen formenden Merkel-Händen.
FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke und Ralph-Peter Rembor, beim Software-Konzern SAP Chart zuständig für staatliche Institutionen, werden dann noch zitiert warum wir Open Government brauchen:
Noch ist der Haushaltsplan des Bundes auf den Seiten des Finanzministeriums eine PDF-Wüste, an die sich kein Finanzwissenschaftler herantraut. „Aus den vorhandenen Informationen ein Tool zu bauen, ist mehr eine Frage des Willens und weniger der Technik.“
Zum Thema Open Data gibt es jetzt auch die Initiative OpenData Network, die am 21.
SeptemberOktober im Newthinking Store in Berlin einen Verein gründen will. -
: ZAPP: Die FDP-Massenmails und der Datenschutz
: ZAPP: Die FDP-Massenmails und der Datenschutz Die NDR-Sendung ZAPP hat gestern über „Die FDP-Massenmails und der Datenschutz“ berichtet. Konkret ging es um die Werbeaktion der FDP am vergangenen Wochenende, wo rund drei Millionen Spam-Mails und 500.000 Spam-SMS an meist unbedarfte Bürger verschickt worden sind. Dazu wurde ich auch interviewt.
Den Beitrag gibt es bei Youtube und in der ZAPP-Mediathek:
Die FDP hat kurz vor der Wahl massenweise Emails und SMS-Botschaften verschickt. Wie aber verträgt sich das eigentlich mit einem der Hauptziele und Wahlkampfthemen der Partei nach mehr Datenschutz?
ZAPP hat auch einen neuen interaktiven Video-Player, der anscheinend auf DRM-Technologien aufsetzt. In diesem Player gibt es auch das ganze Interview mit mir zu sehen. Wir haben bisher noch keinen Weg gefunden, an das komplette Interview heran zu kommen und es zu befreien. Würde mich freuen, wenn jemand einen Weg findet und mir die Datei zukommen lassen kann. Man kommt über diesen Link darauf. Zu dem Interview mit mir kommt man, wenn man während des Beitrages auf den Pfeil rechts unten in der Ecke klickt.
Update: Danke für die Befreiung. Hier ist das Video:
ZAPP Interview mit Markus Beckedahl from netzpolitik on Vimeo.
Update: In den Kommentaren schreibt SMS.de, dass die Anschuldigungen in ihre Richtung nicht ganz stimmen. Ich hab auch mit einem Vertreter von SMS.de telefoniert. Es kann gut sein, dass sie etwas unschuldiger als die anderen Versender von SMS in diesem Fall sind. Anscheinend hat die FDP nur ein Teilkontingent von 150.000 SMS über SMS.de eingekauft. Die restlichen 350.000 SMS sind wohl über andere Anbieter von der FDP eingekauft worden, die nicht die Herkunft der Daten durch den Absender deklariert wurden. Einige Kommentatoren berichteten über SMS, die über nicht nachvollziehbare Nummern an sie versendet worden sind. In dem ganzen Interview mit mir gehe ich auch nicht auf SMS.de und ihre Praktiken ein, sondern generell auf die Praktiken der Branche und das Problem der fehlenden Medienkompetenz der Verbraucher. Hier brauchen wir bessere Datenschutz-Gesetze mit mehr Rechten für die Verbraucher und hier könnte die FDP ihrer Aufgabe als selbsternannte Datenschutzpartei nachkommen.
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: Zeit für Open Government!
: Zeit für Open Government! Unser Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar, der gleichzeitig auch Beauftragter für Informationsfreiheit ist, hat fordert in seinem Blog im Datenschutzforum mehr Offenheit im Regierungshandeln: Zeit für Open Government!
Vorbildhaft für Deutschland könnte etwa Artikel 100 der norwegischen Verfassung sein:
„Jedermann hat einen Anspruch auf Zugang zu Dokumenten des Staates und der Kommunalverwaltung … Es liegt in der Verantwortung der staatlichen Stellen, die Voraussetzungen für einen offenen und informierten öffentlichen Diskurs zu schaffen.“
Auch in den anderen skandinavischen Staaten, in Großbritannien und in vielen anderen Ländern gibt es vergleichbare Vorgaben. Die USA etwa verfügen über weitaus effektivere – und deshalb von den Bürgerinnen und Bürgern viel stärker in Anspruch genommene – Mechanismen zur Gewährleistung der Öffentlichkeit von Staatshandeln als Deutschland. Die Obama-Administration hat sich vorgenommen, so viele interne Dokumente wie möglich über das Internet verfügbar zu machen. Auch den deutschen Behörden ist es nicht versagt, der Öffentlichkeit sehr viel mehr Informationen zugänglich zu machen als bisher.
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: Netzpolitik-Interview: Die Öffnung von ICANN?
: Netzpolitik-Interview: Die Öffnung von ICANN?
Die US-Regierung hat heute die Unabhängigkeit von ICANN mit der Veröffentlichung eines Joint Project Agreement verkündet. Zu den Hintergründen hab ich die ICANN-Expertin Dr. Jeanette Hofmann vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) für ein Netzpolitik-Interview befragt.netzpolitik.org: Kann man wirklich von einem historischen Tag für das Internet reden?
Jeanette Hofmann: Das würde ich für etwas überzogen halten. Der zweite, für das Internet viel wichtigere Vertrag zwischen dem amerikanischen Department of Commerce und und IANA, der Internet Assigned Numbers Authority, besteht ja weiterhin.
netzpolitik.org: Kann man von einer Öffnung von ICANN sprechen?
Jeanette Hofmann: Ja, das würde ich schon sagen. Begrifflichkeiten wie „fact based policy development“ und „cross community deliberations“ verweisen auf Akteure außerhalb von ICANNs Dunstkreis, deren Urteil offenbar künftig ernster genommen werden muss. Wichtig in diesem Zusammenhang sind auch die neu eingeführen „review teams“, deren Zusammensetzung ja unter anderem von dem Vorsitzenden des Governmental Advisory Committees bestimmt werden. Hier rollt die Obama Verwaltung den seit Jahren über mangelnde Einflussmöglichkeiten klagenden Regierungen einen schmalen roten Läufer aus, der sich womöglich mal in eine internationales Aufsichtsgremium entwickelt. Die offene Frage dabei ist natürlich, ob die zivilgesellschaftlichen Interessengruppen auch mitmachen dürfen oder wieder auf die Zuschauerbank verwiesen werden.
netzpolitik.org: Es wurden vier neue Gremien angekündigt. Was sind ihre Aufgaben?
Jeanette Hofmann: Die neuen „review teams“ treten an die Stelle der Aufsichtsfunktionen, die bislang von der US Regierung wahrgenommen worden. Sie sollen für ICANN’s „accountability“ sorgen. Das heißt, sie sollen sicherstellen, dass ICANN von den verschiedenen Nutzergruppen des Internet zur Rechenschaft für seine politischen Entscheidungen gezogen werden kann. Die US Regierung hat vier Zuständigkeitsbereiche benannt, die im Abstand von drei Jahren zu evaluieren sind. Interessanterweise wird im Rahmen dieser neuen Aufsichtsstrukturen künftig auch die Arbeit des ICANN Direktoriums einer Evaluierung unterzogen.
netzpolitik.org: Wie werden die vier Gremien personell zusammen gesetzt?
Jeanette Hofmann: Hier hält sich die US-Regierung ein wenig bedeckt. Klar festgelegt ist lediglich, wer die Zusammensetzung bestimmt: der Vorsitzende des Regierungsbeirats sowie entweder der Chef (CEO) von ICANN oder der Direktoriumsvorsitzende. Hinzukommen wohl unabhängige Experten und die in ICANN organisierten Interessenvertreter, das sind Repräsentanten der einzelnen Gremien, die Regeln für das Domainnamensystem und den Adressraum formulieren.
netzpolitik.org: Behalten die USA den Zugriff auf die Root-Server?
Jeanette Hofmann: Aber sicher doch!
netzpolitik.org: Wieviel Macht haben die neuen Gremien?
Jeanette Hofmann: Die review teams haben keine Sanktionsmacht. Wir sehen in der internationalen Entwicklung mehr und mehr solche Gremien ohne formale Entscheidungskompetenzen. Niemand weiß, ob es sich hierbei um eine Luftnummer handelt oder um ein kluges Gegenmodell zu mächtigen, aber politisch diskreditierten Organen wie dem UN-Sicherheitsrat.
netzpolitik.org: Vielen dank für das Interview.
Vor zwei Jahren hatte ich Jeanette Hofmann schonmal ausführlich über ICANN und Internet Governance für den Netzpolitik-Podcast 047 interviewt.
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: OpenGovernment in Australien
: OpenGovernment in Australien Eine Initiative für OpenGovernment in Australien kann man bei data.australia.gov.au finden.
data.australia.gov.au is the home of Australian government public information datasets. We encourage you to make government information even more useful by mashing-up the data to create something new and exciting! Make sure you pay attention to the licence attached to the datasets you are interested in using. Each licence should make clear what you can and can’t do with the data. If you’re unsure, please contact the contributing agency.
Das schöne daran: Alle Datensätze stehen unter der CC-BY-Lizenz. Und was haben wir in Deutschland…?
Update: Den offenen Wettbewerb mashupaustralia.org gibts auch noch. Da kann man bis zu 10.000 für das beste MashUp aus öffentlichen Daten gewinnen.
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: Wir stehen am Rande einer Kulturrevolution
: Wir stehen am Rande einer Kulturrevolution Die neue Plattform Philibuster.de hatte Ute Pannen und mich zum Streitgespräch über Politik im Netz eingeladen. Da wir aber bei dem Thema kaum Meinungsverschiedenheiten haben, ist daraus ein nettes Gespräch über den Onlinewahlkampf und Neue Öffentlichkeiten im Netz geworden. Ein Teil davon hat es per Trancript bei Philibuster.de online geschafft: „Wir stehen am Rande einer Kulturrevolution“.
Update:
Der Artikel war schneller Online als der richtige Launch der Plattform. Letzterer ist für heute, 20 Uhr geplant und deswegen kam es die letzten Stunden zu Zugriffsproblemen auf den Artikel. Bald ist er wieder da.Jetzt klappt alles. -
: Breitband: Offene Schnittstellen für die Demokratie
: Breitband: Offene Schnittstellen für die Demokratie Die Deutschlandradio Kultur Sendung Breitband hat am Samstag über Offene Schnittstellen für die Demokratie berichtet: Besprechung – APIs für die Politik.
Am Anfang der Sendung ging es um Digitale Demokratie ganz allgemein. Jetzt geht´s ganz konkret darum, wie Bürger mit ihren Steuergeldern bezahlte Daten abgreifen und nutzen können. Dazu muss man jedoch wissen, was eine API ist. Thomas Reintjes erklärt die Technik am Beispiel der USA. Danach haben wir mit Gregor Hackmack, dem Mitbegründer von Abgeordnetenwatch.de, darüber gesprochen, welche Daten staatliche Stellen in Deutschland erheben und was man mit diesem Material anfangen kann. Außerdem hat er uns erklärt, was das Informationsfreiheitsgesetz bedeutet: Jeder kann zu staatlicher Einrichtung hingehen und Daten erfragen. Trotzdem tun sich die Deutschen damit schwer.
Passend dazu ist mein Kommentar aus der vergangenen Woche: Bundestag.de: Öffnet unsere Daten.
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: Heute Live im Netz: Bundesradio
: Heute Live im Netz: Bundesradio Zwischen 15:30 und 20:30 Uhr läuft im Netz das alternative Bundesradio-Wahlstudio. Philip Banse und Tim Pritlove moderieren die Sendung und dahinter stecken eine Menge Menschen, die Spass und Lust auf ein reines Internetformat zur Bundestagswahl haben.
Darum gehts:
Wir blicken zurück auf den Wahlkampf im Web, schalten in ein Wahllokal und auf Wahlparties der Parteien. Im Studio diskutieren wir mit Bloggern, Politikern und Wissenschaftlern: Wie ist das Abschneiden der Piratenpartei zu beurteilen? Was bedeutet das Wahlergebnis für Themen wie Urheberrecht, Überwachung und Netzneutralität? Wie lässt sich mit Hilfe des Netzes politische Willensbildung organieren – jenseits der Parteien? Wie lassen sich Regeln finden für eine globale Internet-Gesellschaft – jenseits der Nationalstaaten?
Ich bin wohl zwischen 18:15 – 18:50 Uhr eingeplant, um die ersten Wahlergebnisse zu kommentieren und einen Ausblick zu geben, welche Netzpolitik wir in welcher Konsetallation in den nächsten vier Jahren zu erwarten haben.
Das Bundesradio-Wahlstudio kann man wahlweise als Audio- oder Video-Stream anschauen. Dazu gibt es einen IRC-Chat. Man kann auch ins Betahaus kommen und live zuschauen. Da gibts auch Internet.
(Da ich nach dem Bundesradio noch rüber zur ZDF-Sendung „Wahl im Web“ fahre und dort die letzten vier Jahre Bürgerrechtsabbau im Netz kommentiere, komme ich hier erstmal nicht zum bloggen. Wer aktuelle Nachrichten zur Wahl verfolgen will, ist daher besser mit dem Netzpolitik-Twitter-Kanal bedient.)
Beim Bundesradio gibt es auf jeden Fall eine Lange Liste an Gästen:
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: FDP spammt Wahlwerbung
: FDP spammt Wahlwerbung Die FDP kauft wohl auf dem freien Markt Mailadressen auf und verschickt an diese Wahlwerbung. Eine Mail ist uns zugeschickt worden, die von der Mailadresse „fdp@news-lifestyle.de“ mit dem Namen „Guido Westerwelle“ als HTML-Newsletter verschickt worden ist. In dem HTML-Newsletter gibt es verschiedene Links, die über die Adresse „http://nl.news-lifestyle.de/dispatcher/service?dh=90923095628174545&l=de&o=0&a=90925054516425487“ an „http://freiheit.fdp.de/“ weitergeleitet werden.
Verschickt werden die Mails von der Firma SuperComm Data Marketing GmbH in Bonn. Am Ende steht noch dieser Hinweis:
Sie erhalten diese E‑Mail, da Sie sich auf einem unserer Portale (www.netwerbung.de) oder durch uns gesponserten Projekte angemeldet haben. Die auf den Seiten jeweils hinterlegten AGB fanden Ihre Zustimmung.
Kein Wunder, dass die FDP so vehement in der Novellierung des Bundesdatenschutzgesetzes gegen eine Aufhebung des Listenprivilegs war. Sonst könnte sie nicht so praktisch auf dem Markt die Dienstleistung einkaufen, an die Mailadressen von vielen Bürgern Spam-Werbung zu verschicken.
Das ist übrigens nichts neues. Im letzten Bundestagswahlkampf sind vor allem CDU und CSU damit aufgefallen, im großen Stil Spam-Mails verschickt zu haben. Zufälligerweise sind das die anderen Parteien, die gegen die Abschaffung des Listenprivilegs waren.
Selbstverständlich habe ich die Pressestelle der FDP mit der Bitte angemailt, diese Mail zu verifizieren oder zu dementieren. Mal schauen, wann und ob die antworten.
Wer unaufgefordert ähnliche Mails bekommen hat, kann diese uns gerne schicken, bzw. in den Kommentaren darauf hinweisen.
Update:
Weitere Spam-Aussendungen der FDP wurden über den Dienstleister Schober ausgeliefert, wie Kommentatoren berichten.Anscheinend hat die FDP die Aussendung der Spam-Mails bei der Firma Schober gekauft, die wiederum die SuperComm Data Marketing GmbH als technischen Dienstleister die Mails verschicken ließ. Die FDP hat auf meine Anfrage immer noch nicht geantwortet. In den Kommentaren bestätigen zahlreiche Kommentatoren die Verschickung, und berichten dass sie diese Spam-Mails von der FDP (teilweise mehrfach) bekommen haben.Man sollte auch mal nachfragen, wo die Firma SuperComm Data Marketing GmbH Eure Mailadressen her hat! Die werden vermutlich sagen: Von Schober. Dann fragt mal bei Schober nach, wo die Eure Mailadressen her haben!
Update: Um 17:04 kommt die offizielle Bestätigung von „liberal Verlag GmbH“* als Antwort auf meine Presseanfrage an die FDP-Pressestelle:
Auftragnehmer für die von Ihnen angeführte Emailwerbung ist die Schober Information Group Deutschland GmbH. Die SuperComm Data Marketing ist eine 100% Tochter dieser Fa..
Mehr Hintergrund zur Arbeitsweise der Schober Information Group bietet diese ZDF-Dokumentation über Datenschutz: Der gläserne Deutsche . (Die Dokumentation gibts auch in fünf Teilen bei Youtube)
Update: Heise berichtet nun auch und hat weitere Zusatzinformationen: FDP beendet Wahlkampf per Massenmail.
Eine Sprecherin des für die FDP-Kampagne zuständigen liberal-Verlags gab gegenüber iX an, dass nur die Schober GmbH mit dem Versenden der Werbemails beauftragt worden sei. Die Auswahl der Adressen und das Hinzuziehen eines weiteren Dienstleisters war Schober überlassen. Schober selbst ist anders als SuperComm Mitglied der Certified Senders Alliance des Verbandes der Deutschen Internetwirtschaft eco. Wer CSA-zertifiziert ist, hat es deutlich leichter, seine Adressaten zu erreichen, muss aber auch gewissen Qualitätskriterien genügen. Dass unter anderem die Newsletter-Versandadresse des Heise-Verlags und diverse Spam-Fallen der iX-Redaktion angeschrieben wurden, lässt das in diesem Fall zweifelhaft erscheinen.
Hier gibts schon ein passendes Banner: „Unsere Stärke ist Spammen – Deutschland braucht Spam“. Und hier gibts „Yes we spam“.
Update: Anscheinend lässt die FDP auch unaufgefordert SMS verschicken. Der Twitter-Nutzer Kojote hat uns eine Meldung geschickt, die er am Freitag um 20:31 Uhr von der Nummer 76733 erhalten hat:
Morgen FDP wählen, damit sich Ihre Arbeit wieder lohnt. Für klare Verhältnisse. Zweitstimme FDP. Bitte weitersenden.
In den Kommentaren und auf Twitter häufen sich seit Samstag Mittag die Meldungen, dass zahlreiche Menschen eine Spam-SMS der FDP mit ähnlichen Sprüchen bekommen haben.