Demokratie

Welt-Aids-Tag: Forderungen an Pharmafirmen

Das ist ein Gastbeitrag von Oliver Moldenhauer von Ärzte ohne Grenzen zum heutigen Welt-Aids-Tag. Direkt zur Aktion von Ärzte ohne Grenzen für günstigere Aids-Medikamente.

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Welt-Aids-Tag: Ärzte ohne Grenzen fordert von Pharmafirmen – Geben Sie Ihre Patente auf HIV/Aids-Medikamente in den Patentpool.

Heute ist Welt-Aids-Tag. Mehr als 33 Millionen Menschen leben mit dem HI-Virus und immer noch sterben jedes Jahr 2 Millionen Menschen an HIV/Aids. Die meisten von Ihnen würden mit einer adäquaten Behandlung noch leben. Mindestens 10 Millionen Menschen in den ärmeren Ländern benötigen heute die sogenannte anti-retrovirale Therapie. Diese Behandlung hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht: Schon 4 Millionen Menschen in den ärmeren Ländern erhalten die antiretrovirale Therapie. – Noch 6 Millionen zu wenig, aber ein vielfaches derjenigen, die sie noch vor wenigen Jahren erhalten haben.

image001-gut-foto-florian-sokollDieser Teilerfolg wurde erst möglich durch kostengünstige Generika (Nachahmerpräperate) der Aids-Medikamente möglich, die meist aus indischer Produktion stammen. Die Preise der älteren Aids-Medikamente konnten dadurch von 10.000 US-Dollar pro Patient und Jahr auf 80 US-Dollar gesenkt werden. – Die gleichen Medikamente kosten in Deutschland immer noch ca. 20.000 US-Dollar. Die Produktion dieser älteren Aids-Medikamente wird in Indien nicht durch Patente verhindert, weil sie vor Gründung der WTO 1995 erfunden wurden und daher deren Patent-Abkommen (TRIPS) noch nicht galt.

Inzwischen brauchen aber immer mehr Patienten neuere Medikamente, da bei ihnen Unverträglichkeiten oder Resistenzen aufgetreten sind. Viele dieser Medikamente sind auch in den ärmeren Ländern patentiert, oder ihre Patentierungsverfahren laufen noch.

Diese Medikamente der sogenannten zweiten Behandlungslinie kosten daher ein Vielfaches der alten Medikamente, so dass der bisherige ohnehin schon nicht ausreichende Erfolg der HIV/Aids-Therapie gefährdet ist. Wir brauchen eine Generika-Produktion auch für diese Medikamente, um den Menschen mit HIV/Aids eine Perspektive zu geben.

Eine Lösung für dieses Problem schlägt die internationale Organisation UNITAID vor: Die Einrichtung eines Patentpools für Aids-Medikamente in den ärmeren Ländern. UNITAID ist eine von 35 Staaten getragene Institution, darunter Frankreich, Großbritanien und Brasilien, die sich für einen besseren Zugang zu Medikamenten für HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria einsetzt.

Dieser Patentpool würde die Patentrechte für Aids-Medikamente sammeln und sie gegen Lizenzgebühren an Generika-Produzenten beispielsweise in Indien weitergeben. – Ein Verfahren, das in der Unterhaltungsindustrie, zum Beispiel zur Produktion von CDs und CD-Playern schon lange üblich ist.

Der Patentpool hat derzeit tatsächlich gute Chancen auf Realisierung: UNITAID ist mit den relevanten Pharmafirmen in Gesprächen über eine Teilnahme am Patentpool. Am 14. und 15. Dezember wird der Verwaltungsrat von UNITAID entscheiden, ob sie für die Einrichtung eines Pools genug Unterstützung hat. Es kommt daher jetzt darauf an, die Unterstützung für dieses Konzept deutlich zu machen. Ärzte ohne Grenzen ruft daher dazu auf, E-Mails an die Chefs der relevanten Pharmafirmen zu schicken und direkt zu unterschreiben.

Der Patentpool ist übrigens nicht die einzige Möglichkeit das Patentproblem zu lösen, so fordert das Aktionsbündnis gegen Aids die Pharmafirmen auf, noch weiter zu gehen und die Patente in Indien gleich ganz zurückzunehmen. – Eine Forderung die leider derzeit weniger Chancen auf Realisierung hat.

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11 Kommentare
  1. Es gäbe noch eine dritte Möglichkeit. Patente sind ja zum Schutz eines bestimmten Produktes, in das ein Unternehmen Entwicklungsarbeit und Forschungsarbeit gesteckt hat. Andere Unternehmen sollen also nicht einfach kopieren sondern selbst forschen. Die großen Pharmakonzerne, die die benötigten Patente besitzen, können also nicht dazu gezwungen werden diese zu verschenken, damit Indische Kopisten etwas daran verdienen. Es könnten aber alle Patienten die entsprechenden Medikamente bekommen. Die Konzerne müssen nur entsprechend billig produzieren und eben auch verkaufen. Dann erhielten sie die Gewinne und den Patienten wäre auch geholfen. Ein Pharmakonzern müsste also nur darauf verzichten das Medikament wegen seiner Alleinstellung zu überteuern (Zumindestens in Ländern in der viele Patienten aber wenig Geld vorhanden sind).

  2. Was schert die Firmen denn die Gesundheit der Menschen?

    Sind doch nur ein paar Millionen, bloß eine Statistik. Ist ja nicht so das ein oder zwei Politiker betroffen wären.

    Man hat doch bei der Schweinegrippe gesehen wie es läuft, schön viel Hype, groß Geld machen und plötzlich ist ja Weihnachten und die Schweinegrippe vergessen und ungefährlich.

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