meine Kolleg:innen Chris und Martin haben lange daran gearbeitet, die Geschichte einer Person zu erzählen, die mit einer Spionage-App gestalkt wurde. Herausgekommen ist ein Text, der mich beim Lesen fassungslos macht. Und der mir mehr als deutlich gemacht hat, wie fließend die Übergänge zwischen Stalking im digitalen und im analogen Raum sind. Auf der einen Seite brauchen die Täter oftmals zunächst physischen Zugriff auf das Gerät ihrer Zielpersonen. Und dann stehen sie plötzlich vor deren Tür, weil sie über ihren Handy-Standort immer wissen, wo sie sind. Und am Ende bleibt kein Ort mehr, an dem sich Betroffene sicher fühlen können. Das ist unerträglich beklemmend.
Habt ein gutes Wochenende! anna
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Die europäische Grenzschutzagentur Frontex entwickelt derzeit eine App mit integriertem Chatbot. Der soll Geflüchtete dabei beraten, wie sie „freiwillig“ in ihr Herkunftsland zurückkehren können. Der Einsatz stelle nach dem AI Act kein hohes Risiko dar, findet die Behörde.
Aikos Ex-Partner verwanzt ihr Handy. Er kann sehen, was sie liest, was sie tippt, wo sie ist. Er lauert ihr immer wieder auf und verfolgt sie bis nach China. Dieser Fall zeigt, wie invasiv und bedrohlich frei verfügbare Spionage-Apps sind.
Mit Spionage-Apps können Menschen tief in das digitale und analoge Leben anderer eindringen. Aber es gibt Möglichkeiten, den Überwachungstools beizukommen. Dafür muss die Bundesregierung endlich handeln. Ein Kommentar.
Daten zu mehr als 700 Personen standen im Netz, weil das Bezirksamt Berlin-Mitte aus Versehen die Vorschlagslisten für die Schöff:innen-Wahl 2024 veröffentlichte. Schöff:innen wurden in der Vergangenheit schon wegen ihres Amts bedroht, sie müssen sich auf den Schutz ihrer Informationen verlassen können.
Der Großkonzern Palantir geht presserechtlich gegen das Schweizer Magazin „Republik“ vor. Das hatte in Recherchen nachgezeichnet, warum die Systeme des Unternehmens problematisch für Staaten und deren Souveränität sind. Das Magazin will sich von der Klage nicht einschüchtern lassen.
Das geplante Polizeigesetz in Sachsen-Anhalt wurde heute vom Innenausschuss beschlossen. Es soll Analysen riesiger Datenmengen bei der Polizei erlauben. Sachverständige hatten den Entwurf wegen der Missachtung von Vorgaben aus Karlsruhe heftig kritisiert. Ob für die Datenanalyse eine Palantir-Software genutzt werden soll, steht noch nicht fest.
Die EU-Kommission hat einen Aktionsplan gegen Cybermobbing unter Minderjährigen vorgelegt. Dazu gehört eine neue Melde-App, die viele Nachrichtenmedien aufgreifen. Bei näherer Betrachtung kratzt der Aktionsplan jedoch nur an der Oberfläche. Eine Analyse.
Fast die Hälfte der Asylverfahren werden mittlerweile mit Hilfe einer Blockchain verwaltet, zumindest von Registrierung bis Anhörung. Immer mehr Bundesländer nutzen das Assistenzsystem des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, die Behörde wird zunehmend zum Software-Anbieter.
Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.
ZDF
Ein Hacker hat sich Zugang zu vermeintlichen Nachrichtenportalen verschafft, über die Desinformation verbreitet wird. Er hat ZDF frontal Einblicke in entsprechende Kampagnen gegeben, noch bevor sie veröffentlicht werden.
The Verge
Amazon Rings Überwachungswerbung zum Superbowl machte Negativschlagzeilen. Nun hat Ring seine Zusammenarbeit mit der Firma Flock Safety beendet, die in den USA private Überwachungskameras mit automatisierter Bilderkennung betreibt und mit Polizeien zusammenarbeitet.
Golem
Der Gesamtbetriebsratschef von DB Regio hat verkündet, man habe den Markt an Bodycams leergekauft. Von denen erhofft man sich mehr Sicherheit für das Zugpersonal. Ein Kollege von DB Sicherheit fordert dagegen mehr eigenes Sicherheitspersonal und bessere Ausbildung.
The Shamblog
Üble Nachrede oder Erpressung sind theoretische Probleme bei KI-Agenten. Nun zeigt ein Software-Entwickler, wie ein KI-Agent eigenmächtig versucht, mit Beschimpfungen und öffentlicher Rufschädigung Zugang zur Software des Entwicklers zu bekommen, nachdem er seine Code-Änderungen abgelehnt hatte.
heise online
Dass deutsche Provider Pornhub und Youporn sperren, ist rechtswidrig, entschied das Verwaltungsgericht Neustadt mit Verweis auf den DSA. Das Urteil stellt die bisherige Praxis der deutschen Medienaufsicht infrage.
Golem
Seit 2020 haben sich die Ausgaben der bayerischen Staatskanzlei für Microsoft-Support um rund 900 Prozent erhöht. Sie gab im vergangenen Jahr insgesamt knapp 250.000 Euro für sogenannte Unified-Support-Verträge aus.
Der Standard
Die EU-Kommission verdächtigt Google, die Werbepreise in Auktionen künstlich zu erhöhen. Das geht aus einem Schreiben der Kommission an Werbekunden hervor.
404 Media
Waymo-Robotertaxis können selbstständig durch die Gegend fahren. Doch wenn ein Kunde die Tür auflässt, sind sie hilflos. Jetzt werden Menschen dafür bezahlt, solche Fahrzeuge aufzusuchen, um die Türen zu schließen.
Torrentfreak
Anna's Archive hat Millionen Spotify-Tracks als Torrent veröffentlicht, trotz einer einstweiligen Verfügung. Insgesamt sind es knapp drei Millionen Dateien, darunter sechs Terabyte Musik und Metadaten.
bff
Oberflächliche Risiko-Analysen, holprige Meldewege: Plattformen schützen Betroffene geschlechtsspezifischer Gewalt nicht gut genug, warnt der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe. EU-Vorgaben des DSA würden unzureichend umgesetzt.
The Guardian
Therapiesitzungen in Nigeria sind teuer, deshalb suchen zunehmend mehr Menschen Unterstützung in den Antworten großer Sprachmodelle. Eine Nutzerin sagt dazu: "Um 2 Uhr morgens habe ich das Gefühl, dass jemand für mich da ist. Und das reicht mir, um weiterzumachen."
Meduza
Russland hat kürzlich seine Netzsperren ausgeweitet und blockiert nun YouTube, WhatsApp und andere Dienste auf DNS-Ebene. Meduza ordnet die Sperren kurz auf Englisch ein, die Langfassung gibt es auf Russisch.
techcrunch
ChatGPT soll bald einen sexualisierten „Erwachsenenmodus“ bekommen. Eine OpenAI-Managerin hatte Bedenken angemeldet und wurde daraufhin gefeuert. Einem WSJ-Bericht (€) zufolge soll sich ein männlicher Kollege über „sexuelle Diskriminierung“ beschwert haben.
Mint Secure
Ein Sicherheitsforscher, der schon mehrmals Probleme bei der Domainverwaltung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) fand, hat wieder eines entdeckt und konnte Passwörter zurücksetzen - dabei hatte er die Behörde vor einem Jahr genau darauf hingewiesen.
ZDF
45 Prozent aller 2025 versendeten E-Mails waren Spam. Das ergab eine Analyse des Sicherheitsunternehmens Kaspersky.
Biometric Update
In den USA verhandeln Abgeordnete weiter über den "Kids Off Social Media Act" (KOSMA). Er verlangt das Verbot sozialer Medien für unter 13-Jährige und das Verbot algorithmisch sortierter Feeds für unter 17-Jährige.
Wired
Der US-amerikanische Grenzschutz will offenbar rund 225.000 US-Dollar im Jahr für Clearview AI ausgeben. Mit Hilfe der biometrischen Gesichter-Suchmaschine lassen sich Menschen identifizieren. Grundlage ist eine Datenbank biometrischer Profile von Milliarden Fotos aus dem Netz.
Der Spiegel
Im Prozess in Los Angeles über die Folgen sozialer Medien auf die psychische Gesundheit hat Instagram-Chef Adam Mosseri offenbar versucht, den Vorwürfen auszuweichen. Demnach sollen soziale Medien nicht "klinisch süchtig" machen.
taz
Die australische NGO Digital Rights Watch kritisiert das dortige Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Kinder und Jugendliche, die in abgelegenen Gegenden wohnen oder vulnerablen Gruppen angehören, könnten von Gleichgesinnten abgeschnitten werden.
EDPB
"Erhebliche Bedenken": In einer Stellungnahme warnen Europäischer Datenschutzausschuss (EDSA) und Europäischer Datenschutzbeauftragte (EDSB) vor dem als "Digitalen Omnibus" bezeichneten Deregulierungspaket der EU-Kommission.
taz
Debanking geht weiter: Die Postbank hat das Konto des Berliner Landesverbandes der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten gekündigt.
bitkom
Der Branchenverband bitkom hat bei Unternehmen gefragt, wie gut sie ohne Internet arbeiten könnten. Das Ergebnis: Im Schnitt wäre nach 20 Stunden ein Betrieb nicht mehr möglich. Der Verband fordert, "die Resilienz von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft" hochzufahren.
Bundesgesundheitsministerium
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat ein Update der Digitalisierungsstrategie ihres Hauses vorgelegt. Die ePA agiert demnach weiter als "Dreh- und Angelpunkt" in der Versorgung, während Forschungsdaten und KI den "Innovationsmotor" antreiben sollen.
rbb24
Der Jugendclub am Heimathafen Neukölln hat ein Theaterstück inszeniert, das die Frage stellt, was passiert, wenn ein KI-Chatbot zum Begleiter wird. Die Abendschau war bei der Generalprobe dabei.
Liebe Leser:innen, ich warte darauf, dass sich Gil Ofarim auch noch zum Social-Media-Verbot für Jugendliche äußert. Dann hätten wohl alle mal ihren Senf dazugegeben. Seit Tagen kocht die Debatte hoch – und zwar weitgehend losgelöst von jeder Faktenlage, wie das Interview meines Kollegen Sebastian mit dem Medienrechtler Stephan Dreyer sehr schön zeigt. Ob ein Verbot […]
Liebe Leser*innen, seit ich mir vergangenes Jahr die KI-gestützte Videoüberwachung in Mannheim angeschaut habe, lässt sie mich nicht mehr los. Zu wichtig ist das, was dort geschieht, für die ganze Republik. Denn immer mehr Bundesländer nehmen sich das Mannheimer Modell zum Vorbild. Deshalb hat mich interessiert, ob denn überall, wo in Mannheim Videoüberwachung stattfindet, auch […]
Liebe Leser*innen, seit mehreren Wochen lässt das Bundesjustizministerium Krümel fallen. Anlass ist ein geplantes digitales Gewaltschutzgesetz. In Form von Interviews droppt die Justizministerin Eckpunkte. Etwas mit Deepfakes. Etwas mit Accountsperren. Medien schnappen diese Krümel auf und nehmen sie in den Fokus. Mich nervt das. Weil es so verkürzt ist. Es gibt da draußen so viel […]
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