Liebe Leser*innen,

in der Mythologie hat der Titan Atlas einen starken Rücken: Er trägt das Himmelsgewölbe. Anders ist das beim Datenatlas der Bundesdruckerei: Der hat sich nun das Genick gebrochen.

Ursprünglich sollte das Metadatenportal Behörden und Ministerien dabei helfen, Daten der Verwaltung besser zu finden. Aber die Mängel waren offenbar zu gravierend, berichtet meine Kollegin Esther. Der Datenatlas ist jetzt offline.

Ein großes Projekt schultern soll bald auch die Europäische Union: Das EU-Parlament verlangt die Loslösung von US-Tech-Riesen, Stichwort: technologische Souveränität. Mehr zu dieser sicher nicht leicht zu stemmenden Aufgabe lest ihr in Annas Bericht.

Kommt gut ins Wochenende
Sebastian

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Unsere Artikel des Tages

Tickermeldungen

Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Ars Technica
Kürzlich hatte die Schattenbibliothek Anna's Archive ihre .org-Domain verloren. Anders als zunächst angenommen steckte dahinter doch eine Klage de Musik-Industrie (Spotify, Sony, Warner, Universal Music Group), berichtet Ars Technica mit Verweis auf Gerichtsdokumente.
Biometric Update
Irlands Kommunikations-Minister Patrick O’Donovan will verpflichtende Alterskontrollen über eine staatliche App für alle Social-Media-Nutzenden: "Wenn Erwachsene sich weigern, können sie nicht mehr auf ihre Accounts zugreifen." Die Vereinbarkeit mit EU-Recht ist fraglich.
Ars Technica
Wikipedia-Editor:innen haben jahrelang Merkmale gesammelt, um von Sprachmodellen generierte Texte zu erkennen. Nun gibt es ein Open-Source-Plugin auf dieser Basis. Es macht dem KI-Assistenten Claude Code Vorgaben, damit dieser nicht mehr wie ein KI-Modell schreibt.
Rest of World
Die aktuellen Internet-Sperren durch das iranische Regime seien ein Test für langfristige Zensur, berichtet Rest of World. Geplant sind demnach dauerhafte Einschränkungen für die Bevölkerung, während Zugang zum globalen Netz das Privileg ausgewählter Personen sein soll.
heise online
Laut einer weltweiten Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC ist es nur 12 Prozent der befragten Spitzenmanager:innen gelungen, mit dem Einsatz sogenannter Künstlicher Intelligenz sowohl mehr Umsatz zu generieren als auch Kosten zu sparen.
heise online
Mit einer Mehrheit von EVP, Sozialdemokrat*innen, Liberalen und Grünen hat das EU-Parlament für eine Entschließung zur "technologischen Souveränität Europas" gestimmt. Im Kern geht es um die "Loslösung von US-Tech-Riesen", fasst heise online es zusammen.
Want my MTV Rewind
Anfang Januar wurde das Aus von MTV verkündet. Wer dennoch weiterhin in die Welt des Musikfernsehens abtauchen möchte, kann dies im Internet tun. 21 Kanäle mit insgesamt rund 51.000 Videos stehen hier zur Auswahl.
ARD
ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutsche Welle haben sich auf einen gemeinsamen Kodex für den Einsatz von sogenannter Künstlicher Intelligenz geeinigt. Die publizistische Verantwortung liege weiterhin "beim Menschen, nicht bei dem System".
Golem.de
Russland entwickelt ein KI-Tool, das VPN-Traffic aufspüren soll, um das Umgehen von Netzsperren zu verhindern. Täglich landen dort 5.500 Seiten auf der Blockliste.
ZenDiS
Die deutschen Sozialversicherungen testen die Open-Source-Office-Lösung openDesk. Damit rüsteten sie sich "für den Krisenfall", wie das Zentrum für digitale Souveränität mitteilt, das die Software entwickelt hat.
LfDI MV
Der Landesbeauftragte für Datenschutz Mecklenburg-Vorpommern warnt Behörden vor Datenabgriffen durch Social Engineering. Offenbar rufen immer wieder Kriminelle an, geben sich als Strafverfolger oder ähnliches aus und erfragen so gezielt private Daten.
Gizmodo
KI gefährdet keine Jobs, sondern verstärkt in bestimmten Bereichen sogar die Nachfrage, glaubt Nvidia-Chef Jensen Huang. Klempner*innen und Elektriker*innen würden zahlreich zum Bau von Rechenzentren gebraucht.
The Irish Times
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos warnte Microsoft-Boss Satya Nadella vor einem Ende des KI-Hypes. Wenn die Technologie nicht weiter verbreitet werde und weltweit Mehrwert schaffe, könnte sich der Boom als Blase erweisen und platzen.
EU-Kommission
Die EU-Kommission hat ein Paket zur Stärkung der IT-Sicherheit vorgelegt, darunter ein Vorschlag für eine Novelle der Cybersicherheitsverordnung. Neu geschaffen werden sollen Wege, nicht vertrauenswürdige Lieferanten aus dem Ausland auszuschließen.
The Guardian
32 fossile Brennstoffunternehmen sind für die Hälfte der globalen CO₂-Emissionen im Jahr 2024 verantwortlich. Saudi Aramco ist der größte staatlich kontrollierte, ExxonMobil der größte privatwirtschaftliche Emittent.
Euractiv
Das Oberhaus des britischen Parlaments hat für ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige gestimmt. Die Regierung hat jedoch bereits angekündigt, zuerst eine Konsultation abzuwarten. Noch seien mehrere Ansätze auf dem Tisch.
AOK
Mehrere gesetzliche Krankenkassen und Kassenverbände fordern vom Gesundheitsministerium "klare Spielregeln und definierte Verantwortlichkeiten" für Gematik sowie mehr Mitbestimmung in der Digitalagentur, da sie auch einen Großteil der Kosten aufbrächten.
Der Standard
US-Tech-Konzerne bauen vermehrt Kontakte zu Rechtsradikalen und Rechtsextremen im EU-Parlament auf. So ist die Zahl der Treffen zwischen Abgeordneten und Lobbyist*innen von etwa Meta und Google sprunghaft angestiegen.
Correctiv
Videoüberwachung ist weitgehend nutzlos, konstatiert das Kriminologische Institut Niedersachsen. Correctiv hat Zahlen zu den Kameras erhoben, die in den Bundesländern den öffentlichen Raum filmen.
tagesschau.de
Das Kanzleramt will die Kompetenzen des ihm unterstellten Auslandsgeheimdiensts BND auch für militärische Aufklärung ausweiten. Das Verteidigungsministerium wolle das nicht mittragen, berichtet tagesschau.de mit Verweis auf interne Kommunikation.
Wired
Mit Pfefferspray, willkürlichen Festnahmen und Drohungen terrorisieren ICE-Beamte die Bevölkerung der US-Stadt Minneapolis. Die wehrt sich mit Zivilcourage und Vernetzung. WIRED über das Leben in einer "besetzten Stadt".
taz
Der Programmierer Turbodriver hat eine Modifikation für "Sims 4" veröffentlicht, in der die Figuren auch Sex haben und menstruieren können. "Wer eine Lebenssimulation spielt, will, dass diese möglichst realistisch ist", sagt er im taz-Interview.
BMFTR
Mit einem Forschungsdatengesetz will die Bundesregierung den Zugang zu Daten öffentlicher Stellen für Forschende erleichtern. Die zuständige Stelle soll ein neues Deutsches Zentrum für Mikrodaten (DZM) sein. Nun liegt der Referentenentwurf vor.
The Guardian
Geht es Minderjährigen messbar besser, wenn sie weniger Social Media nutzen? Das wollen britische Forschende nun in einer Studie mit 4.000 Proband*innen untersuchen. Hintergrund sind Pläne für eine schärfere Regulierung.
Der Spiegel
ChatGPT schätzt künftig, wie alt seine Nutzer*innen sind. Je nachdem werden dann Inhalte zu Themen wie Gewalt und Sex ausgegeben – oder nicht.
404 Media
Rund um Einrichtungen und Fahrzeuge der US-Abschiebebehörde ICE dürfen keine Drohnen mehr fliegen. Zuvor waren immer wieder Einsätze mit ferngesteuerten Flugkörpern gefilmt worden.
heise online
Ein Katzenfutterautomat mit Videokamera und Mikrofon ist kein illegales Überwachungsinstrument. Weil er aussieht wie ein Roboter, könne man damit rechnen, dass er seine Umwelt aufnimmt, urteilt das VG Köln.
iceout.tech
Angestellte von Tech-Konzernen wie Amazon und Google fordern von ihren Bossen, dass sie zum Telefon greifen und den US-Präsidenten anrufen. Die Forderung: Rückzug der bewaffneten, vermummten Beamt*innen der US-Abschiebebehörde ICE.
Reuters
Ukraines Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow sieht die von der ukrainischen Armee im Krieg gesammelten Daten als Joker in Verhandlungen mit anderen Nationen, berichtet Reuters. Alliierte könnten diese Daten zum Training sogenannter KI-Systeme erhalten.
GFF
Die Gesellschaft für Freiheitsrechte hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg Beschwerde gegen staatliches Hacking durch deutsche Geheimdienste erhoben. Anlass ist eine im Herbst vom Bundesverfassungsgericht abgelehnte Beschwerde.
GOV.UK
Kinder, Handys und soziale Medien: Hierzu hat das Vereinigte Königreich eine Konsultation gestartet. Auf dem Tisch seien Einschränkungen für süchtigmachende Features, Alterskontrollen und ein Social-Media-Verbot. Vor letzterem warnt die Open Rights Group.
heise online
Gerichtsdokumenten zufolge soll US-Konzern Nvidia die Schattenbibliothek Anna's Archive kontaktiert haben. Der aktuell wertvollste Konzern der Welt wollte demnach fürs KI-Training kostensparenden Zugang zu den Büchern erhalten.
Reuters
Meta akzeptiert Werbeanzeigen illegaler Anbieter von Online-Glücksspielen, kritisiert der Chef der britischen Gambling Commission, Tim Miller. Es entstehe der Eindruck, Meta nehme das Geld Krimineller gern entgegen, sagte er in einer Rede.
The Guardian
„KI ist eine Blase, und sie wird platzen“, schreibt Science-Fiction-Autor Cory Doctorow in einem lesenswerten Essay auf Englisch. Die meisten Unternehmen würden scheitern, die meisten Rechenzentren dichtmachen. „Was wird also übrig bleiben?“
SWR
Mehr Journalismus ins Fediverse: Das ist der Tenor eines 60-seitigen Whitepapers von unter anderem Media Lab Bayern und SWR, das im Fediverse eine Perspektive sieht, sich „von der Einflussnahme der großen Social-Media-Player zu befreien“.
Golem.de
Das Bundesinnenministerium warnt vor vernetzten Autos aus China. Die könnten als Spionageinstrumente genutzt werden.
404 Media
Die US-Abschiebebehörde ICE nutzt eine App mit Gesichtserkennung, um Menschen zu identifizieren. Bei einer Frau soll die App zwei verschiedene Namen ausgespuckt haben – beide falsch. Der Fall zeigt die mangelnde Verlässlichkeit der Technologie.
taz
Wie problematisch ist es, wenn ein Zombie sechs Finger an einer Hand hat? In der Games-Branche wird KI-Einsatz besonders heiß diskutiert.
Der Standard
Ein Vorstoß aus Dänemark könnte die Überwachung von Reisenden in der EU ausweiten. Betroffen wären nicht nur Flugreisen, sondern auch Schiff und Auto. Ein Anlass: Migrationskontrolle. Der Standard fasst das von der NGO Statewatch veröffentlichte Papier zusammen.
Golem
Starlink sammelt Nutzer*innendaten für das Training von KI-Modellen. Den neuen SpaceX-Datenschutzbestimungen zufolge ist die Erlaubnis dazu voreingestellt.

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