Auf den PunktSo ein Schlupfloch ist doch was Feines.

  • Chris Köver

Liebe Leser*innen,

im Bundesinnenministerium muss der Wunsch nach einer Fotofahndung im Internet wirklich stark gewesen sein. So stark, dass er sogar über mehrere Legislaturperioden und Parteizugehörigkeiten hinweg reichte. Jetzt ist es nicht mehr die ehemalige Innenministerin Nancy Faeser (SPD), die den Entwurf für eine solche Erlaubnis vorlegt, sondern ihr Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU), gemeinsam mit der Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD).

Es ist damit schon der zweite Anlauf einer Bundesregierung, diese Fahndungsmöglichkeit einzuführen, und es sieht so aus, als würde das Haus von Dobrindt diesmal bekommen, was es sich wünscht: Polizeibehörden, auf Landes- wie Bundesebene, sollen mit Fahndungsfotos nach Verdächtigen im Internet suchen und dafür alle im Internet verfügbaren Bilder biometrisch abgleichen dürfen.

Was das für Grundrechte bedeuten würde, darüber hatten wir schon an anderer Stelle geschrieben. Es geht um eine Neujustierung des Verhältnisses von Staat und Bürger*innen – zu Ungunsten der Letzteren.

Warum es in der EU rechtlich eigentlich nicht erlaubt ist, darüber hatten wir auch schon berichtet. Im Bundesjusitzministerium ist man jedoch anderer Auffassung. Mein Kollege Daniel Leisegang und ich haben uns angeschaut, was die neuen Pläne vorsehen und durch welche Löcher die Bundesregierung dabei zu schlüpfen plant.

Viele Grüße

Chris

Unsere Artikel des Tages

Recht auf BreitbandGefangen in Elon Musks Sicherungsnetz

Seit einigen Jahren gibt es ein Recht auf einen halbwegs zeitgemäßen Internetanschluss. Der Bedarf ist groß, doch der Prozess ist langwierig und kompliziert. Nur wenige kommen zu ihrem Recht. Ausgerechnet Starlink von Elon Musk füllt eine Lücke.

Gesetzentwurf zur Stärkung der CybersicherheitGefährliche Offensive

Bundespolizei und BKA sollen bei Angriffen auf IT-Systeme in manchen Fällen zurückhacken und infizierte Systeme ausschalten dürfen, wünscht sich das Innenministerium. Fachleute warnen vor Kollateralschäden und Eingriffen, die eigentlich eine Grundgesetzdebatte bräuchten.

Tickermeldungen

Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Ticker-News von The Guardian vom 16. 03. 2026

Bei den US-Midterm-Wahlen versucht die Crypto-Branche ihren Erfolg von der letzten Kongress-Wahl zu wiederholen: Mit einem Budget von 200 Millionen Dollar unterstützt sie vor allem republikanische Kandidierende, die sich gegen Regulierung digitaler Währungen aussprechen.

Ticker-News von vzbv vom 16. 03. 2026

Nach zehn Jahren Rechtsstreit kann der Verbraucherzentrale Bundesverband einen wichtigen Sieg gegen Meta feiern: Wegen ungültiger Einwilligungen darf der Konzern Daten aus den Adressbüchern von WhatsApp-Nutzer:innen nicht an Facebook weitergeben.

Ticker-News von T‑Online vom 16. 03. 2026

Von Sponsoren finanzierte YouTube-Videos müssen besser gekennzeichnet werden als mit einem zehnsekündigen Hinweis. Das entschied das Landgericht Bamberg nach einer Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zum Video eines Fin-Fluencers.

Ticker-News von Der Standard vom 16. 03. 2026

Beim Einsatz von Datenanalysen nach Palantir-Art in Ermittlungsbehörden wird in einer Black Box entschieden, welche Verdächtigen die Ermittler*innen präsentiert bekommen. GFF-Juristin Franziska Görlitz sieht eine Tendenz zum grundrechtsverletzenden „predicitive policing“.

Ticker-News von The Guardian vom 16. 03. 2026

Bei modernen militärischen Operationen wählt Software die Ziele aus. Für Kollateralschäden wie Treffer in einer Mädchenschule ist niemand verantwortlich. Der Guardian erzählt in einem bewegenden Text, wie Big Tech den Krieg völlig entmenschlicht.

Über die Autor:innen

  • Chris Köver
    Darja Preuss

    Chris Köver recherchiert und schreibt über Migration, biometrische Überwachung, digitale Gewalt und Jugendschutz. Recherche-Anregungen und -Hinweise gerne per Mail oder via Signal (ckoever.24). Seit 2018 bei netzpolitik.org. Hat Kulturwissenschaften studiert und bei Zeit Online mit dem Schreiben begonnen, später das Missy Magazine mitgegründet und geleitet. Ihre Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Journalistenpreis Informatik, dem Grimme-Online-Award und dem Rainer-Reichert-Preis zum Tag der Pressefreiheit.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), BlueSky, Mastodon, Signal: ckoever.24


Veröffentlicht

Kategorie

Schlagwörter

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Schreibe eine Ergänzung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert