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KW 42Die Woche, in der wir uns für Klassiker statt Nachrichtenlage entschieden

Die 42. Kalenderwoche geht zu Ende. Wir haben 19 neue Texte mit insgesamt 110.415 Zeichen veröffentlicht. Willkommen zum netzpolitischen Wochenrückblick.

  • Markus Reuter

Liebe Leser:innen,

es gibt immer wieder Ereignisse, welche die Nachrichtenlage komplett dominieren. Der Terror-Angriff der Hamas auf israelische Zivilist:innen und die Reaktion Israels darauf sind solche Ereignisse. Auch in einer Redaktion, die wie die unsere auf Fachthemen spezialisiert ist, ist das dann Thema. Nicht nur auf der Ebene des Schocks und der Trauer über den menschenverachtenden Angriff der Hamas oder des Entsetzens über den Antisemitismus, der trotz dieses Angriffs aus den Löchern kriecht. Sondern wir sehen auch mit Sorge auf die Lage in Gaza. Auch in so einer Situation gilt: Menschenrechte und Menschenwürde sind unantastbar, sie geben keine Grundlage ab, um zwischen Muslimen und Juden zu unterscheiden.

Und dann diskutieren wir in den Redaktionskonferenzen, was wir zum Thema beisteuern können: Bringen wir einen Artikel über die Nachrichtenlage und wie sich Menschen besser informieren können? Oder einen Kommentar zum Grundrecht auf Versammlungsfreiheit, das in manchen Städten wegen antisemitischer Proteste von Teilen der arabischen Community stark beschnitten wird? Berichten wir über Desinformation auf Twitter/X bezüglich der Auseinandersetzungen – oder konzentrieren wir uns auf die Chatkontrolle und andere Klassiker und haben dann einen seltsame Leerstelle in unserer Berichterstattung?

Wir haben uns dieses Mal für die digitalen Kernthemen entschieden, auch weil Medienlogiken und solche Nachrichtenlagen dazu führen, dass viele andere wichtige Themen unter den Tisch fallen. Das heißt nicht, dass der Konflikt uns kalt lässt. Im Gegenteil.

Im Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, räumen wir unser altes langjähriges Büro und ziehen in das neue ein. Ab nächster Woche wird es unser neues Zuhause sein als Redaktion, und wir alle freuen uns schon darauf. Denn allem Neuen wohnt ein Zauber inne. Und Zauber ist in diesen Zeiten, in denen wir mit der kalten Realität, den Konflikten und Krisen hadern, manchmal ganz schön Mangelware.

Ich wünsche Euch gute Lektüre und ein schönes Herbst-Wochenende

Markus Reuter

Unsere Artikel der Woche

#277 On The RecordWas ist Internet Governance, Wolfgang Kleinwächter?

In Kyoto fand diese Woche das 18. Internet Governance Forum der Vereinten Nationen statt. Aber was ist „Internet Governance“ überhaupt und wo kommt das her? Für unseren Podcast Off/On haben wir darüber mit Wolfgang Kleinwächter gesprochen, der die Debatte seit 30 Jahren verfolgt und aktiv daran teilnimmt.

Social Media selber machenWieviel Aufwand und Kosten entstehen durch eine Mastodon-Instanz?

Das Fediverse ist ein offener, freier und nicht-kommerzieller Gegenentwurf zu den herkömmlichen Plattformen. Doch Server müssen bezahlt, Beiträge moderiert und die Technik am Laufen gehalten werden. Was kostet das eigentlich und wieviel Zeit stecken die Betreiber:innen in ihre Mastodon-Instanzen?

ChatkontrolleKritische Missbrauchsbetroffene werden nicht gehört

Die Befürworter einer Chatkontrolle argumentieren damit, Kinder und Jugendliche vor Missbrauch im Netz schützen zu wollen. Doch was sagen eigentlich Betroffene dazu? Dorothée Hahne vom Verein MOGiS berichtet von ihren Erfahrungen im Kampf gegen das Überwachungsinstrument.

Verbraucherschutz15 Euro Schadensersatz bei zu langsamem Internet gefordert

Für viele Nutzer:innen ist es weiterhin ein steiniger Weg, um zu ihrem Recht auf eine funktionierende Internetleitung zu kommen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert von der Ampel-Koalition nun simple gesetzliche Nachbesserungen.

Neues aus dem Fernsehrat (102)Fusionen sind noch keine Reformen

Sind Fusionen die Antwort auf digitale und andere Herausforderungen für öffentlich-rechtliche Medien? Ein Blick auf die Forschung zu Unternehmensfusionen sollte hier zumindest skeptisch machen. Statt immer neuer Fusionsfantasien bräuchte es demnach moderne Netzwerkansätze, die auf Kooperation und Wettbewerb zugleich setzen.

Amazon RingNachbarschaftsmeldungen landen in den USA direkt bei der Polizei

Allein in Los Angeles hat die Nachbarschafts-App von Amazon Ring in zwei Jahren mehr als 13.000 Meldungen an die Polizei weitergeleitet. Eine Recherche zeigt: Viele dieser Meldungen haben gar nichts mit Kriminalität zu tun, sondern spiegeln die Paranoia und die rassistischen Vorurteile der Ring-Nutzer.

Kurz vor BetriebsratswahlFlink entlässt Freiburger Fahrer:innen

Das deutsche Lieferunternehmen entlässt 50 Angestellte in seiner Freiburger Niederlassung. Offizielle Begründung sind betriebliche Schwierigkeiten. Eine Gruppe an Arbeiter:innen sieht den Grund eher in anstehenden Betriebsratswahlen.

Umfrage zur ChatkontrolleWie Kinderschützer*innen Verwirrung stiften

Auf den letzten Metern der Chatkontrolle-Verhandlungen im EU-Rat mobilisieren Kinderschützer*innen mit einer Umfrage. Demnach soll eine Mehrheit die Überwachung privater Nachrichten befürworten. Das Ergebnis ist zweifelhaft, denn die Fragen sind sehr manipulativ formuliert.

Moderator:innen in KeniaVermittlungsgespräche mit Meta gescheitert

Moderator:innen für Facebook in Kenia klagen gegen den Mutterkonzern Meta und zwei weitere Subunternehmen. Sie glauben zu Unrecht entlassen worden zu sein. Die Versuche, eine Einigung zu erzielen, sind nun gescheitert. Der Fall geht jetzt erneut vor Gericht.

Rat der EUChatkontrolle-Abstimmung zum zweiten Mal vertagt

Mehrere Länder lehnen die Chatkontrolle im EU-Ministerrat offenbar weiterhin ab. Eine geplante Abstimmung über die Ratsposition am Donnerstag ist vertagt. Solange die Mitgliedstaaten sich nicht einigen, können die finalen Verhandlungen zum Gesetzesvorschlag nicht beginnen.

HalbzeitkritikDiese vier Vorhaben muss die Ampel endlich anpacken

Nach zwei Regierungsjahren muss die Ampel zentrale Versprechen aus dem Koalitionsvertrag endlich angehen. Das digitalpolitische Bündnis F5 kommentiert, dass es trotz erster Fortschritte bei der Verwaltungsmodernisierung, Sicherheitsgesetzen und der Beteiligung von zivilgesellschaftlichen Organisationen langsam knapp wird.

Künstliche IntelligenzMit Wasserzeichen gegen die babylonische Verwirrung

Viele KI-generierte Bilder lassen sich kaum noch als solche erkennen. Mehrere Konzerne setzen daher auf Wasserzeichen, die sie in die Bilder einbetten. Doch es gibt erhebliche Zweifel, ob der technische Ansatz funktioniert. Im Gespräch mit netzpolitik.org empfehlen Fachleute gesellschaftliche Lösungen.

Medienzirkus um TwitterHau doch einfach ab!

Ein Rückzug von Twitter aus Europa? Das Gerücht über eine angebliche Drohung von Elon Musk hat jüngst reihenweise Nachrichtenmedien beschäftigt, nun hat der Milliardär das dementiert. Doch Twitter ist mittlerweile so kaputtgespielt und rechtsradikal abgeschmiert, dass der Abgang ein Gewinn für alle wäre. Ein Kommentar.

Autoplay, Infinite Scrolling & Co.Süchtig machende Designs

Online-Plattformen wie TikTok, YouTube oder Instagram versuchen mit Design-Tricks, Nutzer:innen permanent zu beschäftigen. Das ist gut für ihr Geschäft, kann aber schlecht für die Gesundheit der Menschen sein, sagt eine EU-Abgeordnete. Sie will die Kommission dazu bringen, neue Regeln zu erlassen.

FAQ zum EHDSWas die EU mit unseren Gesundheitsdaten vorhat

Die Europäische Kommission will die Gesundheitsdaten aller EU-Bürger:innen in einem gewaltigen „Datenraum“ speichern. Was sehen die Pläne vor? Welchen Nutzen soll das für Patient:innen, Behandelnde und die Forschung haben? Und welche Risiken birgt das Projekt für die Versicherten?

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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