Liebe Freund*innen von netzpolitik.org,
gleich drei Artikel in dieser Woche handeln von einem Thema, das, wie ich finde, zu selten in den Blick gerät: Wie hinter den Kulissen der großen Tech-Konzerne lausig bezahlte Arbeiter*innen ein Milliardengeschäft möglich machen.
Wenn ich die Augen schließe und an Amazon, Facebook und Google denke, dann sehe ich da zuerst die Logos der Konzerne. Der schwarze Schriftzug und der gelbe Pfeil bei Amazon; das weiße Facebook-„f“ auf blauem Grund; die bunten Google-Buchstaben. Ich erinnere mich, wie ich durch die Websites scrolle, denke an die unvorstellbar reichen Männer Mark Zuckerberg und Jeff Bezos, und an die vor Reichtum strotzenden Konzern-Zentralen mit Gratis-Restaurants für privilegierte Angestellte. Das ist die polierte Außenseite, die Tech-Konzerne gerne vorzeigen.
Ein anderes Bild geht aus den drei jüngsten Nachrichten hervor. Denn die Abermillionen Amazon-Pakete rollen nicht allein auf fröhlichen Fließbändern durchs Lager; dahinter steckt auch der Knochenjob unzähliger Schicht-Arbeiter*innen. Ende Dezember starb in einem US-amerikanischen Amazon-Lager ein 61-jähriger Mann an Herzversagen. Anna Seikel hat aufgeschrieben, wie die Arbeit im Lagerhaus nach dem Todesfall einfach weiterging.
Zweitens: Die Abermillionen Facebook-Posts werden nicht von einer vollautomatischen Text- und Bild-Erkennung moderiert; dahinter steckt auch die psychisch belastende, teils traumatisierende Arbeit von Content-Moderator*innen. Nun hat eines der in Afrika größten Unternehmen dieser Branche die Zusammenarbeit mit Facebook beendet. Über die Suche nach einer Nachfolge schreibt Tim Wurster.
Und drittens steckt hinter den Ergebnissen der Google-Suche nicht allein ein pfiffiger Algorithmus, sondern die unermüdliche Klickarbeit Tausender Sichter*innen. Für andere Nutzer*innen unsichtbar testen, bewerten und verbessern sie die Ergebnisse. Einer von ihnen bezeichnet sich und seine Kolleg*innen als „Rückgrat der Suchmaschine“. Jetzt haben einige der Arbeiter*innen bessere Löhne erstritten – und mich freut es, dass der Rückblick mit einer guten Nachricht enden kann.
Eine lohngerechte Woche wünscht
Sebastian
