Verpasste ChanceLaschet sagt Kanzlerkandidaten-Runde mit Rezo und Tilo Jung ab

Mit einem neuen Diskussionsformat wollten Rezo und Tilo Jung den Bundestagswahlkampf zusammen mit der „Zeit“ auf YouTube und Twitch bringen. Doch der Unionskandidat Armin Laschet will nicht teilnehmen. Die Debatte um #LaschetKneift wird die CDU die nächsten Tage beschäftigen.

Armin Laschet will nicht zu Rezo und Jung. (Symbolbild) – Alle Rechte vorbehalten IMAGO / Sven Simon

Bei Twitter trendet seit Donnerstagabend der Hashtag #LaschetKneift. Dahinter steckt, dass der CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet ein Kanzler-Triell mit den Youtubern Rezo und Tilo Jung abgelehnt hat. Sowohl SPD als auch Grüne hätten für die Veranstaltung schon zugesagt – unter der Bedingung, dass auch Armin Laschet dabei wäre.

Geplant war eine 90-minütige Veranstaltung, die Rezo und Tilo Jung in Zusammenarbeit mit Zeit Online moderiert hätten. Laufen sollte das Format wohl auch auf YouTube und Twitch. Das Konzept der Sendung war, tiefer in wenige Themen einzusteigen und sich so von anderen Kanzler-Runden abzusetzen. Im Gegensatz zu den anderen Duell-Formaten sollten diese Themen vorher nicht mit den Kandidat:innen abgeklärt werden. Das wäre vermutlich nicht nur für junge Menschen ein spannendes Format geworden.

Tief in Themen einsteigen

Rezo war der breiten Öffentlichkeit mit dem Video „Die Zerstörung der CDU“ bekannt geworden, das die Partei in tagelange Rechtfertigungsversuche stürzte. Tilo Jung hat sich mit politischen Interviews und als ungewöhnlicher und unbequemer Fragesteller in der Bundespressekonferenz einen Namen gemacht.

Im Mitschnitt eines Livestreams erklärt Rezo die Umstände und die Absage.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Rezo hält Laschets Absage für eine „verpasste Chance“. Es wäre laut Rezo ein gutes Zeichen an die Generationen der unter 30-Jährigen gewesen. „Wenn man sich für diese Generationen […] nicht einmal einen Abend freinimmt für den ganzen Wahlkampf, dann ist das ein schlechtes Zeichen.“ Es sei völlig klar, dass diese Generationen nicht in den alten Medien stattfinden, sondern in erster Linie in den neuen Medien.

Ähnlich sieht das Tilo Jung: „Ich finde die Absage höchst bedauerlich“, sagt der Macher von „Jung & Naiv“ gegenüber netzpolitik.org. „Die Kombination aus Rezo und mir hätte die höchste Reichweite mit politischer Kompetenz für die jungen Leute. Es wäre auch in Armin Laschets Interesse gewesen, sich Fragen aus dem Blickwinkel dieser Generation zu stellen.“

„Gute Ergänzung“

Dies unterstrich auf der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) in einem Blogbeitrag. Rezo und Jung erreichten junge Menschen – auch und gerade solche, die sich ausschließlich über Soziale Medien informieren. „Ein Triell auf Youtube wäre eine gute Ergänzung zu den Fragerunden der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender gewesen“, kommentiert DJV-Sprecher Hendrik Zörner. Journalisten wie Florian Gregorzyk kritisieren die Absage: „Bei so prominenter Platzierung auf den beiden größten Livestream-Plattformen der Welt hätte Armin Laschet Millionen junger Menschen im Netz an einem einzigen Tag erreichen können.“ Jung findet außerdem, dass Armin Laschet die Chance verpasst, „zu zeigen, dass er seine Positionen auch in ungewohnten Diskursformaten erfolgreich vertreten kann“.

Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz erklärt auf Twitter, dass die Absage daran liegen könnte, dass man sich ein Streitgespräch mit neutralen Moderator:innen wünsche. Andere Politiker der CDU kritisieren, dass Rezo sich zum Vertreter der jungen Generation stilisiere.

Ein Sprecher der CDU sagte gegenüber netzpolitik.org: „Ja, es gab eine Einladung. Die CDU hat der Produktionsfirma für das Triell abgesagt. Es gibt eine Vielzahl an Medienanfragen an den Parteivorsitzenden.“ Neben TV- und Radioformaten seien viele digitale Formate für alle Zielgruppen von jung bis alt mit Herrn Laschet geplant.

Laschet selbst äußerte sich bislang nicht zur Absage.

Du möchtest mehr kritische Berichterstattung?

Unsere Arbeit bei netzpolitik.org wird fast ausschließlich durch freiwillige Spenden unserer Leserinnen und Leser finanziert. Das ermöglicht uns mit einer Redaktion von derzeit 15 Menschen viele wichtige Themen und Debatten einer digitalen Gesellschaft journalistisch zu bearbeiten. Mit Deiner Unterstützung können wir noch mehr aufklären, viel öfter investigativ recherchieren, mehr Hintergründe liefern - und noch stärker digitale Grundrechte verteidigen!

 

Unterstütze auch Du unsere Arbeit jetzt mit deiner Spende.

31 Ergänzungen

  1. Die Absage ist wahrscheinlich viel aussagekräftiger als das ewige Ausredegeschwurbel und nicht auf die Fragen eingehen. Mit der üblichen Taktik, hätte Laschet nur verlieren können, Baerbock und Scholz übrigens auch. Man möchte eben die Diskussion über bestimmte Themen unter allen Umständen vermeiden.

  2. Sehr bedauerlich! Aber es war zu erwarten.

    Rezo ist – was bei der sogenannten jungen Generation leider selten ist – einer, der mit analytischem Sachverstand und Engagement die Probleme ganz klar beim Namen nennt und sich nicht im Sinne des GroKo-gewollten Polit-Mainstreams konditionieren lässt. Bravo, Rezo!

    Dass das etlichen Köpfen in der Zwangskonsens-geschwängerten CDU nicht passt, lag bzw. liegt auf der Hand. Laschets Absage ist einmal mehr ein Beweis für die Angst der CDU samt GroKo, vom Sockel der Selbstherrlichkeit gestoßen zu werden. Aber gerade das täte ihr gut.

    UND: Wenn sich Rezo angeblich „zum Vertreter der jungen Generation“ stilisiert, was ist dann mit Philipp Amthor? 29 oder 92?

  3. Peinliche Nummer für Laschet. Die vorgeschobenen Gründe sind auch denkbar dünn. Die „Zerstörung“ war seinerzeit bundesweit Thema, ein Schockmoment für CDU/CSU und sich solch einen unbequemen Fragesteller zu stellen, hätte Rückgrat gezeigt. Auch Herr Jung hat oft genug bewiesen, dass er einwandfreien Qualitätsjournalismus produziert.

    Insofern spielt der nette Onkel aus NRW den sicheren Rückpass, bloß kein Risiko eingehen, das Ergebnis stimmt ja bisher. Polit-taktisch vielleicht verständlich, aber bis zur Wahl fließt noch einiges Wasser den Rhein runter.

  4. Das schreibt man ZEIT Online ( oder komplett in Majuskeln)

    Und zu der Runde, da fehlt aber wenigstens noch ein kompetenter Politiker -Sahra Wagenknecht zum Beispiel

  5. ….ich denke, da reicht ein Blick auf die Altersverteilung bei der (pot.) Wählerschaft der CDU/CSU.
    Es sind eben eher ältere Menschen.

    Junge Menschen braucht man dann ja nicht mit Wahlsendungen bedienen…

    Außerdem werden Jungs und Rezos Fragen sehr auf den Zahn fühlend sein, die Blöße und das darauf folgende Medienecho umgeht man lieber gleich durch Nicht-Teilnahme.

  6. Erschreckende Ausführungen über Jung u. Rezo. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum die Akteure Jung u. Rezo dermaßen unkritisch betrachtet werden, noch viel schlimmer, es kommt ja fast Heiligenverehrung dabei heraus.
    Warum es sich jetzt um eine „verpasste Chance“ handelt, ist mir vollkommen unklar angesichts der Vorgänge, welche Jung u. Rezo produziert haben. Wenn es bei einem Post (über Rezo) heißt: „mit analytischem Sachverstand und Engagement die Probleme ganz klar beim Namen nennt und sich nicht im Sinne des GroKo-gewollten Polit-Mainstreams“ und in einem anderem Post (über Jung) es heißt.: „dass er einwandfreien Qualitätsjournalismus produziert“, dann stelle ich unschwer fest, daß es sich nicht ein Problem der Altersklasse handelt, sondern vielmehr um ein Problem mit der Medienkompetenz. Wenn eine kritische Beurteilung über Medienakteure wie Rezo u. Jung dort endet, wo die eigene Meinung sich widerspiegelt, dann ist Medienkompetenz unzureichend ausgebildet.

    Ich bin gerne bereit, meine Ausführungen zu belegen, sollte das Bedürfnis hieran bestehen. Und für Netzpolitik.org wäre eine Öffnung des eigenen Horizontes empfehlenswert. Es ist schon schlimm genug, wenn andere Medien sich einer selbstgeschaffenen Filterblase bewegen.

    1. Ja, bitte erläutern. Auch warum eine kritische Beurteilung nicht stattgefunden haben soll und wie sie das wiederum herausgefunden haben, und warum es keine verpasste Chance ist. Sonst bleibt es irgendwie Quatsch.

  7. Erstaunlich viel Zurückhaltung bei der CDU u. Laschet. Da traut er sich nicht an ein offenes Format mit Scholz u. Baerbock heran. Und das wo eine grosse Plattform von youtube & Twitch für die Wähler genug Stoff geboten hätte, um eine Wahlentscheidung fällen zu können.

    Wird denn von Rezo und Thilo Jung jetzt eine verkleinerte Runde mit Scholz und Baerbock in Betracht gezogen oder kommt wieder maue Kost in Form von ARD und ZDF auf die Leute zu?
    Gibt es hier schon Informationen?

  8. Narra(k)tiv: Bitte, wir brennen darauf, Ihre Darstellungen zu lesen. Nur soviel zu Ihrem Statement:

    Wenn Rezos Rolle in Sachen Medienkompetenz und journalistischer Kompetenz Ihrer Meinung nach so zweifelhaft ist, warum hat dann die CDU soviel Angst vor ihm?

    Roherim-Reiter: Sehe ich auch so. Das Treffen böte doch gerade eine Chance, sich mit Rezos Thesen auseinanderzusetzen – ein Zeichen gelebter Demokratie. Dass Laschet das Treffen absagt, sehe ich auf einer Linie mit der damaligen Absicht Kramp-Karrenbauers, Rezo bzw. anderen Youtubern solche Videos untersagen zu wollen…

    1. @Robert Schmidt
      „Wenn Rezos Rolle in Sachen Medienkompetenz und journalistischer Kompetenz Ihrer Meinung nach so zweifelhaft ist, warum hat dann die CDU soviel Angst vor ihm?“

      Warum fragen Sie nicht direkt bei der CDU nach? Die sollten Ihnen das besser erklären, als wenn ich hier mit Spekulationen beginne. Sie werden Ihre Theorie(n) hierzu haben, ich habe da meine Theorien. Aber letztendlich ist hier die CDU Ihr Ansprechpartner (obwohl ich davon ausgehe, dass es nicht zu einer befriedigenden Stellungsnahme bzw. Antwort kommen wird).

      Zu Rezo 1: der grosse Erstauftritt war die Zerstörung der CDU. Viel Text, viel Selbstdarstellung von Rezo, auch in Bezug auf Gestik u. Minik. Und jede Mengen Quellenangaben. Es obliegt mir nicht, die CDU zu verteidigen (wüßte jetzt auch keinen Grund dafür), aber wenn er sich 55 Minuten mit Umwelt, Klima-
      wandel und der politischen Verantwortung beschäftigt: wann und wo beginnt seine eigene Verantwor-
      tung?

      Wovon lebt das Modell Rezo? Durch Nutzen vom Internet u. Plattformen wie youtube. Nur hat die Digi-
      talisierung auch einen Haken: die Umweltbelastung (Streaming, Onlinekanäle und und und). Zwar ist Rezo so nett und gibt in einem anderen Video Tipps zum Senken vom Energieverbrauch (wie niedrie-
      gere Auflösung, Abschalten vom Bild u.a.), gleichzeitig verdient er Gelder durch Videos wie das aktu-
      elle „Am POOL Google Challenge | mit JULIEN BAM“. Ich habe es bis etwas über vier Minuten ange-
      guckt und kann zumindest seine Aussage aus Minute 3.48: „Wie krank ist diese Welt denn?“ stützen.

      Mit sinnbefreiten Videos (ist meine Meinung) Geld verdienen ist schön u. gut. Aber gleichzeitig über diesen Weg einen Beitrag zur Erhöhung vom Energieverbrauch beizutragen, das passt ganz und gar nicht zum Panikvideo über den Klimawandel.

      Und eine Übersicht über die Videos auf Rezo ja lol ey zeigt auf, dass es sich um ein profitables Mo-
      dell handelt. Aber wenn neben inhaltslosen Videos noch ein Beitrag zur Klimaveränderung hinzu-
      fügt wird, dann zeigt sich unschwer auf, dass öffentliche Moralisierung nur ein Baustein zum Modell der Einnahmenseite darstellt.

      Und was dann noch in Sachen Medienkritik und Corona-Massnahmen kam, hatte auch seine eigene
      Qualitäten u. Aussagekraft.

      1. „Aber wenn neben inhaltslosen Videos noch ein Beitrag zur Klimaveränderung hinzu-fügt wird, dann zeigt sich unschwer auf, dass öffentliche Moralisierung nur ein Baustein zum Modell der Einnahmenseite darstellt. “

        Das halte ich nicht für zwingend, vor allem nicht für relevant. Auf diesem Paradigma wären alle „Inhaltskanäle“ dauerhaft auf ein Thema registrierbar. Die perfekte Idiotenwelt! Im Gegenteil: es ist hochsinnvoll, dass Menschen und auch Inhalteanbieter sich auch politischen Themen widmen, aus verschiedensten Blickwinkeln, mit welcher Qualität auch immer.

      2. „Erstauftritt“ nach dem er über Jahre dort etabliert war. Er hat einfach auch politische Themen aufgegriffen, die seine Zuschauer auch betreffen.

        Soll es das möglichst nicht mehr geben? Politisches Interesse, vielleicht noch bei der Jugend, lieber nicht?

        Ansonsten: kommt noch etwas Substantielles als Argument, warum Rezo Kindergartenqualität liefert? Das sind doch alles Allgemeinplätze zweifelhafter Güte. Z.B. Stromverbrauch… stattdessen mit dem Roller ins Kino zum Marktschreier? Wenn Internetvideos weniger Saft ziehen soll, verbietet einfach zu hohe Auflösungen, oder rechnet aus, welche Sorte Strom+Hardwareverschleiß usw. da reinfließen. Das ist eine ganz andere Hausnummer von Problem, ich sehe hier nur Herumwedeln und Whataboutstromrechnung.

        1. Anonymous

          „Soll es das möglichst nicht mehr geben? Politisches Interesse, vielleicht noch bei der Jugend, lieber nicht?“

          Das mag Ihre Interpretation sein, aber nicht meine. Woher Sie diese Ableitung beziehen mag auch Ihr Geheimnis sein und blieben. Ich bin begeistert, von jedem Jugendlichen, welcher sich auf für Politik interessiert – aber es kommt auf die Quelle der Informationen an. Und da ist Rezo nicht als hilfreich zu bewerten, ausser der Info-Konsument interessiert sich dafür, welche Begriffe bei Google am meisten abgefragt werden (siehe diese Pool-Challenge, welche ich oben aufführte).

          Und desweiteren ist auch noch immer die Qualität der Infos der Quantiät vorzuziehen. Und wenn jemand sich als Eröffnungsvideo fast eine Stunde präsentiert und im Anhang Links in sehr grosser Zahl setzt: das mag viele beeindrucken, aber qualitativ nicht schwer, denn es wurde lediglich der fahrende Zug der Klimabewegung erklommen.

          „ich sehe hier nur Herumwedeln und Whataboutstromrechnung“
          Wie wäre es mit fünf Euros ins Phrasenschwein? Diese abgenutzte Floskel whataboutism stellt noch immer eine Kennzeichnung dar, wenn inhaltlich nicht mehr (viel) geboten werden will oder kann.

          „Ansonsten: kommt noch etwas Substantielles als Argument, warum Rezo Kindergartenqualität liefert?“
          Rezo liefert doch selbst die besten Beispiele, wie sein Verriss über die CDU (keine Bange, ich bin kein CDU-Wähler oder Sympathisant) und hier insbesondere über Laschet, als dieser die Saisonalität bei Corona aufwarf. Textausschnitt Rezo (aus der WE): ‚Hier rastet Rezo aus und brüllt: „Nein, hatten wir nicht!“ Niemand habe diese Hoffnung gehabt, weil die Corona-Modelle anderes vorhergesagt haben. „Das ist doch nicht sein scheiß Ernst! Das ist ein Mensch, der will Kanzler werden! Das tut körperlich weh, wie dumm das ist.“‘

          Wie dumm das ist? Rezo beruft sich auf Corona-Modelle, welche sich dermassen als unzutreffend (oder vereinfacht als falsch) bewiesen haben, dass es immer wieder erstaunt, in welchen Windungen sich die Modellierer angesichts der Realität und Nichtzutreffen der eigenen Aussagen winden.

          Eine Stimme der Vernunft wer Streek, welcher auf die Saisonalität hingewiesen hat. Was im übrigen auch der Ablauf im letzten Jahr bewiesen hat und was (vereinfacht) Atemwegserkrankungen als Merkmal aufweisen.

          Erstens: Faktenfreies Aufregen von Rezo
          Zweitens: der Auftritt war kurz zusammengefasst unter aller Sau.
          Drittens: wer faktenfrei auftritt und dann noch unsachlich beleidigend auftritt, der sollte sich ganz ganz weit zurückhalten. Am besten erst einmal einen Gang nach Canossa einlegen und sich bei seiner Fangemeinde entschuldigen. Aber da habe ich keine Hoffnung.

          Aber vielleicht stehen Sie ja begeistert hinter dem Rezo´schen Infomodell.

          Fakten und Umgangsformen könnten sich ja (ver-)störend auswirken.

          1. Rezo hat sich in seinen „Politikvideos“ nachgewiesenermaßen recht diligent um Fakten bemüht. Wo sind die Fakten zu Ihrem Beitrag?

            Nehmen wir an, Sie hätten jetzt eine kritikwürdige Stelle gefunden, wo ist die Zweite? Wenn eine Fehlerstelle reicht, können sie ca. 95% aller Beiträge in die Tonne treten, inklusive Funk und Fernsehen.

            Hinzu zwei Vermischungen.
            1. Sie führen einen Beitrag mit einem Pool als Argument im Zusammenhang mit politischem Interesse an, welches sich in einzelnen Videos z.B. zur CDU ausdrückt, nicht in Videos mit Gästen und „Challenges“, soweit ich das richtig zuordne.
            2. Saisonalität als Ausrede für den Herbst 2020? Hoffentlich nicht. Es ist ein Unterschied, ob sie ein Modell oder eher einen denkbaren Aspekt von Modellen („Saisonal“) als Ausrede benutzen, während die Zahlen real so steigen, dass die Wachstumsmodelle offensichtlich zutreffen müssen oder zumindest sehr klar drohen zu können. An so einer Stelle kann man nicht mit „könnte Saisonal bleiben“ kommen, sondern muss den Worst Case mit einbeziehen. Deutschland mit hinterherhinkenden Maßnahmen und Ausstattung, ist ja nicht die Insel der Glückseligen, ein oder zwei schräge Blicke zu den Nachbarn hätten da schon gereicht. Hier bin ich zu faul nachzugucken, worauf genau jener Rezo sich da bezieht, und ob einer von uns beiden das wirklich akkurat zuordnet.

            Ich halte das einfach für nicht so fundierte Kritik. Rezo hat die Clickzahlen, so dass man davon ausgehen kann, dass seine Videos viele Menschen erreichen. Die Videos enthalten auch Aufregung, und es ist sicherlich eine Frage, wie hilfreich das ist, aber es ist eben nicht Rezos Job, irgendein Formideal zu befriedigen. Er macht die Videos wie er will und wie er sein Publikum erreicht.

          2. @Anonymous
            „Rezo hat sich in seinen „Politikvideos“ nachgewiesenermaßen recht diligent um Fakten bemüht. Wo sind die Fakten zu Ihrem Beitrag?“

            Wenn Sie davon überzeugt werden, dass jemand eine Menge Verlinkungen macht und bei seinen Ausführungen die Mittel des Weglassens, des Relativierens u. der Zuspitzung verwendet, dann ist es Ihre Sache.

            Und nochmal: da hatte Rezo seinen Auftritt, verbreitete öffentlich seine Falschaussage (hier will ich mal den Begriff FakeNews vermeiden) und ging dann noch dazu über – unter Berufung auf seine Falschaussage – den Laschet zu beleidigen.

            Und nach so einem Auftritt soll Rezo mit ins Kanzlerduell? Geht es nach Big-Brother, Bauer sucht Frau und anderen Formaten noch tiefer unter RTL2-Niveau?
            Welches Niveau wollen Sie denn bei einer solchen Veranstaltung erzielen?

          3. @Anonymous
            „Es ist ein Unterschied, ob sie ein Modell oder eher einen denkbaren Aspekt von Modellen („Saisonal“) als Ausrede benutzen, während die Zahlen real so steigen, dass die Wachstumsmodelle offensichtlich zutreffen müssen oder zumindest sehr klar drohen zu können. “

            Sie haben eine irreführende Bewertung von den Modellen. Und das obwohl die Modellierer eine gute Quote erzielt haben – was die Fehlerquote betraf. Das beste Beispiel hat Prisemann, welche zahlreiche öffentliche Auftritte hatte. In einem Interview darauf angesprochen, dass das letzte Modell daneben lag führte Prisemann aus: „Dass andere von Priesemann erstellte Modelle weiter steigende Fallzahlen prognostiziert haben, begründet die Physikerin vor allem mit der Systematik ihrer Arbeit und falschen Interpretationen. „Das Modell, das einige Medien aufgegriffen hatten, ist nur eines von 20“, so die 39-Jährige. „Wir untersuchen gerade gemeinsam mit Kolleginnen, ob diese 20 simplen Modelle gemeinsam eine bessere Vorhersage machen können als eines allein.“ (Nachzulesen im Merkur).

            Warum nicht gleichen Karten legen? Oder gar an die Würfelbude gehen?

            Wenn Sie Ihren worst-case suchen: bei sogen. Experten der Marke Prisemann werden Sie sehr schnell fündig.

            Und nochmals zur Saisonalität: bei der Corona-Pandemie handelt es sich vereinfacht ausge-
            führt um eine Erkrankung aus dem Bereich der Erkältung- bzw. Atemwegserkrankung (wie angegeben vereinfacht ausgeführt). Und hier sind die saisonalen Effekte an die Grippe und Influenza-Abläufe angelehnt. Im Sommer geht die Erkrankung zurück.
            Sogar der Dauermedienstar Lauterbach hat dieses zugegeben und ausgeführt, dass Streek mit seiner Ausführung recht hatte.

            Und wenn Sie noch ausführen „aber es ist eben nicht Rezos Job, irgendein Formideal zu befriedigen. Er macht die Videos wie er will und wie er sein Publikum erreicht.“ dann bin ich doch erschrocken.
            Wenn Rezo FakeNews verbreitet und mit Beleidigungen um sich wirft, dann ist dieses abzu- lehnen. Wenn er auf diese Art und Weise Falschnachrichten und abzulehnende Gesellschafts-
            normen (am besten selbst seinen Sermon verfolgen) verbreitet und damit noch sein Publikum erreicht…

          4. Also bei den Modellen möchte ich zwei Punkte festhalten:
            1. Ausruhen auf Saisonalität ist nicht, während die Zahlen steigen, und schlimmer noch, die Zahlen in den Nachbarländern stark steigen. Vielleicht bin ich am falschen Zeitpunkt, aber da treffen dann vielleicht doch eher die „Wachstumsmodelle“ zu, salopp als Umschtreibung für exponentielles Wachstum.
            2. Fake News ist etwas anderes als ein Modell, das sich später als falsch herausstellt.

            Haben sie den gesamten Kontext im Sinn, erhellen Sie das Thema: Worauf hat Rezo sich wo bezogen. Mit Minutenangabe bitte!

          5. >>> Und wenn Sie noch ausführen „aber es ist eben nicht Rezos Job, irgendein Formideal zu befriedigen. Er macht die Videos wie er will und wie er sein Publikum erreicht.“ dann bin ich doch erschrocken.

            Sie verbiegen gerne Sachen so, dass ihre Linie passt. Ein Fehler in einem recht aufwändig recherchierten Beitrag ist nicht die Definition seiner Arbeit, denn auch der „Quatsch“ ist Arbeit.

          6. Zitat 1: „Saisonalität als Ausrede für den Herbst 2020?“
            Zitat 2: „Und nochmals zur Saisonalität: bei der Corona-Pandemie handelt es sich vereinfacht ausge-führt um eine Erkrankung aus dem Bereich der Erkältung- bzw. Atemwegserkrankung (wie angegeben vereinfacht ausgeführt). Und hier sind die saisonalen Effekte an die Grippe und Influenza-Abläufe angelehnt. Im Sommer geht die Erkrankung zurück. Sogar der Dauermedienstar Lauterbach hat dieses zugegeben und ausgeführt, dass Streek mit seiner Ausführung recht hatte.“

            Sehen sie die zeitliche Frage? Alle gingen davon aus, dass der Sommer einfacher werden kann – ohne Zahlen zu berücksichtigen wären Lockerungen vor Änderung der Zahlen sicherlich frahrlässig gewesen. Im Herbst ging es dann aber an die Wand. Geht es also nur um den schönen Sommer?

          7. „Sie haben eine irreführende Bewertung von den Modellen.“

            Wie das? Reicht es einfach 20 Stück in den Raum zu werfen und dann hat man gewonnen o.ä.?

            Da war von „Ausrede für den Herbst“ die Rede, die Zeitliche Einordnung ist da schon wichtig. Machen Sie doch einfach mal den Sprung ins seriöse, und posten hier den Link des Videos mit Zeitangabe(n), wo die Fehler passieren. Dann begründen Sie bitte, warum diese maßgeblich für den Beitrag oder die Beiträge Rezos sind, und z.B. nicht nur einen Fehler, oder eine Schwäche seiner Darstellungsweise darstellen.

          8. Um nicht mißverstanden zu werden:

            Es geht mir nicht um eine konkrete Apologie für Rezo, sondern darum, dass Kritik in manchen Fällen ein Fundament benötigt. Mir gefällt der Stil auch nicht und mir sträubt sich so einiges, zudem glaube ich nicht alles, und finde manches zu weit vorgelehnt, zudem habe ich nicht alles geguckt, was es gibt – aber was mache ich denn wenn ich Nachrichten „seriöser Quellen“ verarbeite? Alles glauben, nicht übersetzen, nicht vergleichen, nicht filtern, etc.?

            Im Kommunikationsdjungel sollte nicht unterschätzt werden, dass auch mal eine Äußerung wie „nein, überhaupt nicht das“ dazu führen kann, dass der typische Diskurs hinterfragt wird [im Zweifel vor Festnahme durch GeStaPo]. Natürlich wird sprachlich alles und vor allem auch disruptives auch demagogisch genutzt, aber das sei mal ein anderes Thema. Kann man sagen, es sei nicht die Aufgabe von Texten, Menschen zu therapieren, oder man sieht es als Sprachsache. Die „Berichterstatter“ definieren in gewisser Weise die Sprache, in der über Politik gesprochen bzw. gedacht wird [,wenn die Menschen nicht aufpassen]. Will man das allen ernstes eigeninteressengetriebenen Aktiengesellschaften überlassen [verkürztes Beispiel]?

            Ansonsten bleibt zu bemerken, dass nach den ersten Aversionen und auch Widersprüchlichkeiten, es mir nicht reicht zu sagen, ich könne den Typen nicht ausstehen, um einen Beitrag oder die Person grundsätzlich abzuqualifizieren. Vielleicht gucke ich mir das dann eben nicht weiter an, aber soll ich meinen Eindruck oder meine eigene Genetik [Kurzfassung] Anhand einer destruktiven [Strohmann-] Beweissuche zu bestätigen suchen?

  9. Ich sehe ihre Aussagen zu Energie hier kritisch – es scheint sich dabei um ein klassichen Fall des „Whataboutism“. Die Aussagen von Rezo in dem ursprünglichen CDU-Video belangten sich hauptsächlich auf die Prodution von Energie, welcher mehr oder weniger die Wurzel des Übels ist. Natürlich kann jede(r) einzeln seinen eigenen Energiekonsum regulieren – jedoch ist dies im Vergleich zum Konsum von Großindustrie eher eine geringe Ersparniss. Daher ist es wichtig, das die Energieproduktion selber „grüner“ wird – welches ein Vorhaben ist welches die CDU insbesondere im Bereich des Abbaus von Braunkohle als Energieträger lange blockiert. Dies war auch etwas was Rezo in seinem ursprünglichen Video stark kritisierte.

    Übrigens – laut eigenen Aussagen ist Google bereits CO2-neutral und will CO2 negativ werden – jedoch ist die Glaubhaftigkeit davon mehr als zweifelbar.

  10. @ Robert Schmidt

    Bezüglich der Person Thilo Jung auch noch eine Nachreichung: dieser haut öffentlich heraus, wer Journalismus betreibt u. wer nicht und beweist dem eigenen Publikum, dass er mit Journalismus nicht viel zu tun hat. Den Beweis lieferte er mehrfach in der Folge mit Dieter Nuhr. Drei Stunden, in welchen Jung daran scheiterte Nuhr vorzuführen.

    Das beste Beispiel ist die sogenannte „Politikanalyse“ vom 27.06.: bemühte sich dort Wolfgang M. Schmitt (schon satierisch, wie dieser mit Jackett u. Bücherwand im Hintergrund Seriösität oder ähnliches simulieren will) das Interview mit Nuhr zu analysieren. Ich hätte bereits nach
    der Ausführung „Dieter Nuhr trat defensiv auf“, bereits abstellen sollen (es wurde einfach nur noch schlimmer). Wie hätte Nuhr denn auftreten sollen? Aggressiv? Laut? Schrill?
    Es ist schon bezeichnend, daß über Jung & Naiv verzweifelt versucht wird, das Scheitern von
    Jung gegen Nuhr zu verschleiern, um die Fangemeinde bei Laune zu halten. Der Kommentar-bereich zeigt auf, dass die Jung-Jünger hier begeistert sind.

    Der der absoluten Tiefpunkte bei Jung: als Nuhr die wohlmeinende Medienarbeiten im Print und Öffentlich Rechtlichen Rundfunk darlegt, wo Baerbock keine kritischen Fragen zu erwarten hätte, schaltet Jung in den bekannten Modus: Nuhr bediene das rechte Narrativ mit der gleichgeschalteten Presse.

    Da ist es wieder: anstellte sich mit der berechtigten Kritik (siehe die folgenden Ausführungen von Nuhr zur pressetechnischen Darstellung von Laschet im Vergleich mit Baerbock) zu stellen wird gleich die Rechtskeule herausgeholt.

    Wer hier den Jung noch als qualitativ hochwertigen Journalisten betrachtet, der sollte sich dieses Interview ansehen, die eigene Einstellung erst auf neutral stellen und sich kritisch mit
    Jung beschäftigen. Vielleicht kommen dann bei einigen doch neue Erkenntnisse zutage.

      1. @Anonymous
        „Der Job des Interviewers ist im Allgemeinen nicht, den Gast vorzuführen.“

        Erstaunlich, fusst doch Ihre Fehlinterpretation auf eigenen falschen Rückschlüssen. Ich habe mich nicht in dieser Form geäußert. Zwar sind die Gedanken frei, aber eine Analyse sollte doch treffend sein.

        „Was für ein Blödsinn.“
        Zur Einstufung Ihrer Ausführung: vollste Zustimmung meinerseits.

        Aber noch ein Tip: wenn Sie einen Interviewer sehen wollen, der sich darauf spezialisiert hat, die Methode der Vorführung durchzuführen, dann empfehle ich Ihnen Friedmann. Aber Friedmann war auch nicht mit anderen Moderatoren zu vergleichen.

        Aber vielleicht suchen Sie lieber Kuschel-Pädagogik-Interviews: dann doch lieber Baerbock bei Bunte.de?

        1. Kuschelpädagogik und Vorführen sind unterschiedliche Dinge, die nicht zum Aufspannen eines irgendwie sinnfälligen Bedeutungsraumes hinreichen.

        2. @Anonymous
          „Zitat: „Drei Stunden, in welchen Jung daran scheiterte Nuhr vorzuführen.“
          Sehen Sie da ein Zitat?“

          Was genau wollen Sie mit diesen Ausführungen aussagen?

          1. „Narra(k)tiv“ – Falls hier mehrere unter diesem Nick posten, und sich exklusiv auf die jew. eigenen Posts beziehen, wird es natürlich kompliziert.

            Ansonsten vielleicht mal hochscrollen? Es sieht so aus, als wäre dieses Zitat von einem Beitrag oben eigentlich sprachlich gesehen ungefähr der „Aufhänger“ jenes ganzen Posts, um das hier geht.

    1. „Wer hier den Jung noch als qualitativ hochwertigen Journalisten betrachtet, der sollte sich dieses Interview ansehen“

      Nein. Es sollte heißen: „Wer den Jung für den Journalismusgott hält, …“
      Es gibt über 400 solcher Interviews, wenn ich nicht irre…

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.