Transparenzbericht Februar 2021Unsere Einnahmen und Ausgaben und ein Splitter

Ein Splitter tut weh, am Anfang noch wenig und später immer mehr. Auch wir haben einen solchen Splitter, es ist die Frage nach dem, was netzpolitik.org ist. Ganz viele Menschen haben bei netzpolitik.org Spuren hinterlassen. Nun ist es an der Zeit, die gemeinsame Basis wieder stärker in den Blick zu nehmen, von der der Splitter abgebrochen ist.

Ballerinas, die auf einer Bühne tanzen
Konformität oder Individualität? Manchmal gehören vermeintliche Gegenteile näher zusammen als man denkt. CC public domainEdgar Degas

Erinnert sich noch irgendwer an den Februar? Einiges war schlechter als jetzt – Tageslänge und frostige Temperaturen –, einiges war besser – die Corona-Inzidenzwerte zum Beispiel. Vielleicht sind die Neujahrsvorsätze schon ein wenig eingeschlafen und wie bei der Pandemiepolitik zeigt sich: Es bringt nichts, ein Problem vor sich herzuschieben. Egal, wie sehr es schmerzt, das Problem zu lösen – nichts schmerzt so sehr wie der tägliche Gedanke daran und das Wissen, dass es morgen genauso oder sogar größer aufwartet.

Ein Splitter ist ein Splitter ist ein Splitter

Unentschlossenheit und unklare Ziele gibt es jeden Tag zu beobachten. Auch bei uns gibt es so etwas. Schon bei einer kleinen Gruppengröße wird der Moment kommen, an dem Vorstellungen auseinandergehen. Am Anfang ist es nur wie ein Splitter, der bei bestimmten Bewegungen zwickt. Später entzündet sich der Splitter. Er tut nicht mehr nur bei bestimmten Bewegungen weh, sondern immer öfter. Am Ende ist die Wunde viel größer als der Splitter selbst und ihn zu entfernen, wird mit jedem Tag schmerzhafter.

Bei uns ist dieser Splitter die Frage, was netzpolitik.org sein will. Wir haben dieses Thema in den vergangenen Jahren stets auf unseren Klausurtagungen besprochen. Da hatten wir Zeit, zwei Tage und eine Nacht. Nichts schlägt leichter eine Brücke als ein gemeinsamer Blick auf die untergehende Sonne am See, den Sternenhimmel, den Waschbär in der Küche.

Dass dieser und anderer Austausch nun schon anderthalb Jahre fehlen, schmerzt immer mehr. Nicht nur im Zuge der Klausurtagungen, sondern auch bei Gesprächen auf Veranstaltungen, in einer geselligen Runde in der Bar oder bei Fachgesprächen können wir aus dem eigenen Dunstkreis ausbrechen und uns neu kalibrieren. Allein Zuhause versinken wir eher immer tiefer in das, was wir sowieso schon dachten und entfernen uns gleichzeitg von den Gedanken der anderen.

In Redaktionsmeetings, bei der Wochenthemenplanung, bei der Frage, welches Thema höchste Priorität hat – immer wieder dann blitzen die Pole auf. Was ist netzpolitik.org? Was wollen wir sein? Und wie kommen wir dahin? Wer schon einmal mit einem solchen Prozess konfrontiert war, weiß, dass es dafür einen Blick von außen braucht. Auf diesem Weg erhalten wir nun also etwas Unterstützung und im Feburar begannen dafür die Vorbereitungen. Die gesamte Redaktion kann es kaum abwarten, all unsere Vorstellungen, Ideen, Wünsche zusammenzubringen. Einige unserer Überlegungen könnt ihr hier nachlesen. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, was aus ihnen wird.

Bis dahin freuen wir uns auf eure Meinung, was für euch netzpolitik.org ausmacht. Am Ende finden wir vielleicht heraus, dass unser Splitter nicht nur ein schmerzhaftes Ärgnernis war, sondern der winzige Teil von etwas Größerem, das uns verbindet.

Unser Team
Unser Team - CC-BY-NC-SA 4.0 owieole

Die harten Zahlen

Die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben im Februar wirkt auf den ersten Blick ein bisschen brutal. Den Ausgaben in Höhe von 78.243 Euro stehen Spenden in Höhe von 46.346 Euro gegenüber. Es gibt natürlich ein Aber und eine Einordnung. Der Februar ist immer einer der spendenschwächsten Monate und im Februar gab es viele einmalige Kosten.

Wir haben uns im Januar entschieden, im Februar den zweiten Teil der sogenannten Corona-Prämie auszuzahlen. So erhielt die gesamte Belegschaft pro Person 500 Euro, die alle dafür verwenden können, sich die Home-Office-Situation so zu gestalten, dass ein Arbeitstag möglichst gute Startbedingungen mitbringt. Stärker als sonst fielen im Februar die sogenannten Fremdleistungen ins Gewicht. Üblicherweise verbirgt sich hier die externe Buchhaltung sowie unsere Steuerberatung.

Dazu kommt in diesem Monat die Abrechnung unserer juristischen Beratung für rechtliche Aspekte unserer Berichterstattung. Eine weitere Neuerung soll euch nicht vorenthalten bleiben: Wir arbeiten seit dem Februar verstärkt mit freien Journalist:innen zusammen. Auch hier wollen wir mehr Input von außen bekommen, mehr thematische Abwechslung bieten und uns von Geschichten und Perspektiven inspirieren lassen. Alles in allem summierten sich die Ausgaben für Fremdleistungen im Februar auf 5.609 Euro.

Der letzte Posten für die erhöhten Ausgaben im Februar sind die halbjährlichen Gebühren für unseren Zahlungsdienstleister Twingle in Höhe von 3.596 Euro. Wie in jedem Monat fällt nichtdestotrotz der größte und gleichwohl wichtigste Anteil bei den Ausgaben auf Personal (60.223 Euro) und Miete (4.565 Euro).

Unsere Einnahmen und Ausgaben
Unsere Einnahmen und Ausgaben im Februar 2021 - CC-BY-NC-SA 4.0 owieole

Überraschend ist, dass im Februar 2021 kaum mehr gespendet wurde als im Februar 2020. Auch das jährliche Spendenziel ist etwas weiter entfernt als im Februar 2020.

Nach der unglaublichen Steigerung der Unterstützung in den letzten zwölf Monaten sind 46.027 Euro auf der Einnahmenseite nicht ganz erwartungsgemäß, aber kein Grund zum Trübsalblasen. Die Entwicklung von netzpolitik.org zeigt sich nicht nur in diesen Zahlen. Unsere Inhalte werden von immer mehr Menschen gelesen, oft zitiert und lösen häufig Debatten inital aus. Das freut uns ungemein!

Während ich das schreibe, ist der März schon wieder vorbei. In der letzten Woche haben wir über 2.000 Spendenbescheinigungen für 2020 erstellt und verpackt. Es ist der eine Moment im Jahr, an dem wir unseren Spender:innen noch einmal besonders danken können. In diesem Jahr mit einer exklusiven Stickerauswahl, die unser Ole gestaltete. Er saß auch mit mir zwei Tage im Büro, um all diese Spendenquittungen durch die Falz-Kuvertiermaschine zu jagen. Aber das ist eine andere Geschichte, die im nächsten Transparenzbericht erzählt wird.

Danke für Eure Unterstützung!

Wenn ihr uns unterstützen wollt, findet ihr hier alle Möglichkeiten. Am besten ist ein Dauerauftrag. Er ermöglicht uns, langfristig zu planen:

Inhaber: netzpolitik.org e. V.
IBAN: DE62430609671149278400
BIC: GENODEM1GLS
Zweck: Spende netzpolitik.org

Wir freuen uns auch über Spenden via Bitcoin oder Paypal.

Wir sind glücklich, die besten Unterstützerinnen und Unterstützer zu haben.

Unseren Transparenzbericht aus dem Januar findet ihr hier.

2 Ergänzungen

  1. Gibt es eine detaillierte Auflistung der Einnahmen und Ausgaben?

    Bsp.
    1. Was bekommt das Personal (m/w)?
    2. Auflistung der Fremdleistung.
    3. Wer hat wie viel gespendet? ( Personen, Firmen, Vereine, Parteien usw.)
    Also wenn es so etwas gibt, würde ich mir das gerne anschauen und offen für alle.

    Mit freundlichen Grüßen

  2. OK, wenn Ihr schon fragt, was Netzpolitik.org für uns (somit: für mich) ausmacht… Ich nehme Euch als eine Redaktion und Nachrichtenseite wahr, die sich mit Engagement und Expertise den netzpolitischen Themen widmet, die mich interessieren. Auf Euch aufmerksam geworden bin ich, als Ihr damals Ärger mit dem Generalbundesanwalt hattet. Ausgesprochen positiv fallen mir immer wieder Eure Beiträge zu Überwachung auf. Auch so etwas wie die Strafanzeige gegen FinFisher finde ich richtig und wichtig.
    Und auf der anderen Seite gibt es da immer wieder Momente, bei denen ich mich auch plötzlich wieder frage, was Netzpolitik.org denn eigentlich ist. In Erinnerung geblieben ist mir z.B. dieser Bericht über den Mann, der sich angegriffen fühlt, wenn er als Mann angesprochen wird, weil er sich als Frau sieht. Das hatte meines Erachtens überhaupt nichts mit netzpolitischen Themen zu tun. Deshalb stellt sich mir (unabhängig davon, ob das vielleicht ein wichtiges Thema ist) die Frage, warum das bei Netzpolitik.org auftauchte. Auch Eure gendergerechte Sprache, bei denen Ihr Sprache manchmal wirklich ganz schön verwurstet, verursacht bei mir teils Stirnrunzeln und den Eindruck, Ihr wolltet noch politisch korrekter sprechen als ein Berufspolitiker.
    Ganz wie Ihr es in diesem Beitrag oben beschreibt, habe ich auch den Eindruck, dass Meinungen in der Redaktion darüber, was wichtig ist, auseinandergehen. Der Leser merkt das also.
    In der Musik ist das so gelöst: Wenn ein Mitglied einer Band, die sich eine treue Fanbase erarbeitet hat, mal einen ganz anderen Stil verfolgen will, dann wird dieser andere Stil nicht mit der Band verknüpft. Sondern dieser Musiker schließt sich einer zweiten Band an oder gründet gleich sein eigenes Projekt in Form einer neuen Band. Vielleicht wäre das ja auch eine Idee für Mitglieder Eurer Redaktion.

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