Corona-Warn-AppWas tun bei einer roten Warnung?

Viele Menschen bekommen derzeit rote Warnungen über die Corona-Warn-App und sind verunsichert: Was bedeutet die Warnung? Wie verschwindet sie wieder? Und wo kommt man an einen PCR-Test? Wir beantworten einige der drängendsten Fragen.

Rote Warnung Corona Warn App
Was tun bei einer roten Warnung in der Corona-Warn-App? – Alle Rechte vorbehalten Imago / Rüdiger Wolk

Die Zahl der Corona-Infektionen explodiert und damit auch die Zahl der Warnungen via Corona-Warn-App. Allein in der Woche ab dem 15. November wurden laut Entwickler:innen mehr als 400.000 rote Warnungen über die Anwendung verschickt. Wie sehr das viele Menschen verunsichert, wissen wir aus unserer Recherche zum Kommunikationschaos rund um das Recht auf PCR-Tests.

Bis heute erhalten wir viele Fragen von Leser:innen zu den roten Warnungen. Ein paar davon wollen wir an dieser Stelle beantworten. Viele Infos finden sich auch in den offiziellen FAQ der Corona-Warn-App und auf der Website der Bundesregierung.

Was bedeutet eine rote Warnung in der Corona-Warn-App?

Eine rote Warnung bedeutet nicht automatisch, dass man sich mit Covid-19 infiziert hat. Die App warnt lediglich vor einem erhöhten Ansteckungsrisiko. Wie hoch das Risiko war, dass man sich in einer Situation wirklich angesteckt hat, hängt von vielen Faktoren ab: Haben alle Menschen Maske getragen? Fand die Begegnung an der frischen Luft, in einem geschlossenen Raum oder bei geöffnetem Fenster statt? Die Warn-App soll nur eine Hilfestellung geben, um rechtzeitig andere Maßnahmen ergreifen zu können. Für die Risikoermittlung gibt es verschiedene Szenarien:

  • Warnung nach einem Check-In: An vielen Orten wird die Corona-Warn-App zum Check-In bei Veranstaltungen mit QR-Code genutzt. Die Warnung über die App erfolgt zum Beispiel, wenn ein anderer Mensch, der bei der Veranstaltung eingecheckt war, positiv auf Corona getestet wurde und dann eine Warnung via App verschickt. Alternativ können auch die Veranstalter:innen eine Warnung verschicken, wenn ein Gast sie über eine nachgewiesene Infektion informiert hat.
  • Warnung wegen eines Kontakts mit erhöhtem Risiko: Die Corona-Warn-App tauscht via Bluetooth mit anderen Smartphones in der Umgebung pseudonyme Schlüssel aus. Wenn eine Person ihre nachgewiesene Infektion über die App bekanntgibt, warnt die Anwendung alle Menschen, die sich für eine bestimmte Dauer in der Nähe dieser Person aufgehalten und mit ihrem Smartphone Schlüssel ausgetauscht haben. Der Schwellenwert hierfür liegt aktuell bei neun Minuten und einem Abstand von unter 1,5 Metern. Abstände bis zu 2,5 Metern werden ebenfalls in die Berechnung einbezogen, wenn auch mit geringerer Gewichtung.

    Achtung: Das Bluetooth-Signal geht durch Wände, sodass man in seltenen Fällen auch eine Warnung erhalten kann, wenn man sich mit der erkrankten Person gar nicht in einem Raum aufgehalten hat.

  • Warnung wegen mehrerer Kontakte mit geringem Risiko: Die Corona-Warn-App zählt zudem die Minuten von Risikobegegnungen zusammen. Hier warnt die App nicht, weil man länger in der Nähe einer positiv getesteten Person war, sondern wegen mehrerer „Begegnungen mit geringem Risiko“. Diese werden in der App normalerweise grün angezeigt und entstehen, wenn man einer positiv getesteten Person zwar begegnet ist, jedoch nicht für einen längeren Zeitraum. Mehrfach geringes Risiko ergibt zusammen also erhöhtes Risiko.

Sollte ich jetzt in Quarantäne?

Das kommt drauf an. Die Hotline des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes empfiehlt doppelt geimpften Personen, die keine Symptome und einen negativen Schnelltest haben, zwar vorsichtshalber eine Reduzierung der Kontakte, aber keine Quarantäne. Wer Symptome hat und/oder ungeimpft ist, sollte sich besser isolieren. Am besten ist jedoch, man verschafft sich selbst Klarheit mit einem PCR-Test. Dieser ist mit etwas Beharrlichkeit und Aufwand bei einer roten Warnung grundsätzlich kostenlos zu bekommen.

Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt zudem, sich bei Fragen an einen Arzt zu wenden. Falls das bei der Hausärztin nicht klappt, kann man es an vielen Orten in Praxen mit einer sogenannten Infekt-Sprechstunde versuchen. Alternativ kann vielleicht auch die Hotline des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes unter der Nummer 116117 eine erste Anlaufstelle sein.

Wie komme ich nach einer roten Warnung an einen PCR-Test?

Wer eine rote Warnung hat, hat Anspruch auf einen Corona-Test: Das kann ein Schnelltest oder ein PCR-Test sein. Auf den PCR-Test besteht nur ein „grundsätzlicher“, aber kein „strikter“ Anspruch. In unserer Recherche kam heraus, dass geimpfte Personen, die symptomfrei sind, oftmals in der Hotline oder auch bei Hausärzten nicht auf die Möglichkeit eines kostenlosen PCR-Tests hingewiesen wurden. Der Umgang mit der roten CWA-Warnung wird allerdings sehr unterschiedlich gehandhabt, wir bekamen auch Berichte von Menschen, die geimpft und asymptomatisch sofort einen PCR-Test bekamen.

Zahlreiche Leserinnen und Leser berichten, dass sie mit Beharrlichkeit und Nachdruck oftmals einen PCR-Test bekommen konnten, auch wenn sie keine Symptome hatten und geimpft waren. Laut den geschilderten Erfahrungen ist dies in kommunalen oder landeseigenen Testzentren einfacher möglich. Viele private Testzentren hingegen könnten angeblich den PCR-Test nicht abrechnen und lehnten deswegen einen PCR-Test bei Menschen mit roter Warnung ab. Für alle Geimpften ohne Symptome heißt das, dass sie sich nicht abwimmeln lassen sollten und hartnäckig bleiben müssen, bis ihnen ein PCR-Test gewährt wird.

Wer eine rote Warnung hat und nicht geimpft ist oder wer Symptome und eine rote Warnung hat oder einen positiven Schnelltest vorweisen kann, hat allerdings immer das Recht auf einen PCR-Test.

Wo finde ich mehr Informationen über die Risikobegegnung?

In der Corona-Warn-App gibt es eine Tagebuch-Option. Hier kann man selbstständig festhalten, welche Begegnungen man an einem Tag hatte. Die App speichert hier auch automatisch die Check-Ins bei Veranstaltungen. Wenn man auf den entsprechenden Tag mit der roten Warnung klickt, findet sich hier unter anderem die Info, ob man wegen eines Check-Ins oder wegen der ausgewerteten Begegnungen gewarnt wurde. Genauere Infos zur Uhrzeit der Risikobegegnung findet man in der App nicht, weil man sonst zu leicht darauf schließen könnte, welche Person sich infiziert hat.

In der Google-freien Version der Corona-Warn-App, die man im F-Droid-Store herunterladen kann, lassen sich die Daten exportieren, sodass man mehr Informationen über die Warnung finden kann.

Wann geht die rote Warnung wieder weg?

Viele Leser:innen wollen wissen, was sie tun können, damit die Corona-Warn-App nicht mehr rot leuchtet. Die Antwort ist einfach: gar nichts, außer abwarten. Die rote Warnung bleibt für 14 Tage nach der Risikobegegnung in der App, am 15. Tag ändert sich der Risikostatus automatisch wieder auf grün, sofern es keine neuen Risikobegegnungen gab.

Auch ein negativer Test ändert an dieser Wartezeit nichts. Man kann diesen zwar in der App hochladen, auf den Risikostatus hat dies jedoch keinen Einfluss, da auch ein Test keine absolute Sicherheit bietet.

Warnt die App auch die Kontakte, denen ich begegne, nachdem ich die Warnung rausgeschickt habe?

Nein. Die Corona-Warn-App informiert nur die Personen, denen man bis zum Zeitpunkt der Warnung begegnet ist.


Wie immer gilt: Wir wissen auch nicht alles und manches ändert sich schnell. Sind wir irgendwo nicht auf dem neuesten Stand? Fehlen Infos? Sind noch Fragen offen? Schreibt es gerne in die Ergänzungen unter dem Artikel.

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18 Ergänzungen

  1. > Wer eine rote Warnung hat und nicht geimpft ist […] hat allerdings immer das Recht auf einen PCR-Test.

    Bin ich denn verpflichtet, beim Testzentrum (wahre) Angaben über meinen Impfstatus zu machen wenn ich dort mit einer roten CWA erscheine?

    1. Ich bin bis heute zweimal mit einer roten Warnung bei einem städtischen Testzentrum zum PCR-Test angetreten. In keinem Fall bin ich zu meinem Impfstatus befragt worden.

    1. Nein, da steht „Anspruch auf Testung“, das kann ein Schnelltest oder ein PCR-Test sein. Das hat auch das Bundesgesundheitsministerium gegenüber netzpolitik.org gesagt, nachdem es zuerst sagte, dass es einen Anspruch auf einen PCR-Test gäbe. Es gibt zudem eine Handreichung des RKI, in der Gesundheitsämtern empfohlen wird, was sie mit den unterschiedlichen Personen tun sollen. Es kann sein, dass die Praxis auch darauf zurückzuführen ist: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/WarnApp/Info_Gesundheitsamt.pdf?__blob=publicationFile

  2. Nach meiner heutigen Erfahrung wird der Impfstaus nicht abgefragt. Ich hatte eine CWA-Warnung bekommen und musste im Testzentrum nicht einmal explizit den PCR-Test nachfragen.

    Was mir allerdings negativ aufgefallen ist: Es gab bei der folgenden Prozedur keinen offensichtlichen Weg, ohne digitale Meldeverfahren direkt zum Test zu kommen. Ich nutze z.B. ein altes Smartphone (Lineage OS, leider seit 2019 nicht mehr unterstützt) ausschließlich für die CWA und verwandte Applikationen, es hat keine SIM und darf nur in mein eigenes Netzwerk. Das Prinzip der ständigen Erreichbarkeit auf allen Wegen habe ich abgelegt, zum Telefonieren nutze ich ein simples Mobiltelefon. Auf diesem Wege war es mir nicht auf Anhieb möglich, mich direkt vor Ort zum Test anzumelden. Das erledigte ich dann zu Hause, war rund 20 Minuten später wieder vor Ort und nach weiteren 5 Minuten wieder getestet draußen.

    Wie das ganze Testszenario für den analogen Teil der Bevölkerung gehen soll (z.B. für eine ältere Kontaktperson 1. Grades), ist mir rätselhaft. Und ja, um Kommentaren vorzubeugen: Ich bin digital ganz gut unterwegs, pflege aber meine eigene Paranoia. ;-)

    1. Ergänzung: Es war etwas verzwickt, das heutige negative Testergebnis in die CWA zu kriegen. Über das offizielle Testzentren des Senats bekam ich per Mail zunächst den Link auf ein Zertifikat, das nur für die Luca-App lesbar war (nicht alles ist mittlerweile kompatibel). Erst in den Tiefen der Profileinstellungen auf der Webseite des Prüflabors fand sich dann die Möglichkeit, auch diesen QR-Code mit ausgeben zu lassen. Unbegreiflich, warum das nicht ungefragt mitgeliefert wird, eine Platzfrage für die Papierversion ist es sicherlich nicht.

  3. Guten Tag, ich habe am letzten Freitag mit einem Kollegen im Büro gesessen (wir sassen uns etwa 6 Stunden gegenüber). Am Sonntag hat dieser Kollege dann einen PCR Test gemacht der positiv ausgefallen ist. Das positive Testergebnis wurde vom Kollegen hochgeladen und für das Teilen freigegeben. Ich habe mich nun extra in Quarantäne begeben und warte immer noch auf eine Warnung damit ich einen kostenlosen PCR Test bekomme. Leider ist bis jetzt nichts passiert. Kann es sein dass die App nicht ganz fehlerfrei funktioniert? Ich hatte dem eigentlich sehr viel Vertrauen geschenkt bin aber nun über den aktuell falschen Informationsstand erschrocken.

    1. Dann könnte dir letztlich der Weg über das Gesundheitsamt helfen oder der kostenlose Schnelltest in einem Testzentrum. Ist der positiv, kommt auch der kostenlose PCR in Reichweite.

    2. Ist die Warnung inzwischen angekommen? Und hat der Kollege beim „warnen“ auch alles richtig gemacht? Ich hatte im Freundeskreis einen Fall, da hat jemand gedacht, er hätte die Warnung verschickt, aber er hatte nur das Testergebnis hochgeladen. Wie zuverlässig die App arbeitet, kann ich nicht beurteilen. Das im Artikel beschriebene Bluetooth-Verfahren könnte jedoch auch eine Erklärung sein: Wenn die Telefone mehr als 2,5 Meter entfernt waren, gibt es vermutlich keine Warnung.

  4. 6 Tage nach einem „Kontakt“ ohne Angabe der Zeit: eine rote Warnung….. …. mir fehlt nix, wem bin ich begegnet, wo? Vorigen Samstag, okay, aber der Tag hat 24 Stunden! Mich bringt die Warnung nicht wirklich weiter!

      1. Huch… Das funktioniert auch durch Wände! 😱… Dann weiß ich Bescheid! War an dem Tag bei meinem Sohn, seine Nachbarin ist infiziert, wohnt Wand an Wand. Mein Mann war nicht mit, er ist „grün“. Wir beide getestet, beide negativ! In der Hoffnung, dass das so bleibt… trotz allem eine gemütliche Adventszeit 🎄

  5. Ich habe heute abend über die Corona Warnapp die Information erhalten, dass ich am 22.11.21 eine Risikobegegnung hatte. An diesem Tag war ich tatsächlich nicht in Deutschland.
    Deshalb hat diese Warnung etwas verwirrt.
    Kann mich jemand aufklären, ob die App auch unseren direkten Nachbarnländern gilt?
    Habe ich vielleicht eine fehlerhafte Meldung erhalten?
    Vielen Dank für Eure Info.

  6. Aus Niedersachsen:

    Risikobegegnung, rot, Samstag (wohl 2G-Veranstaltung).

    116117: Anspruch auf PCR-Testung. Schön dass sie das machen wollen, das ist verantwortungsvoll. Aus welchem Bundesland kommen sie denn? -> Wenden sie sich an das Gesundheitsamt oder den Hausarzt.
    Gesundheitsamt: Anspruch auf PCR-Testung, wenden sie sich dafür an den Hausarzt.
    Hausarzt: Wenn sie keine Symptome haben machen wir auch keinen PCR Test. Machen sie Selbsttests.

    (letzteres nur per eMail da ein telefonisches durchkommen schon seit langem wg. der Impfanrufe nicht mehr möglich bzw. reine Glückssache ist). Nochmalige Nachfrage nicht beantwortet.

    Testung in lokalen Testzentren nicht möglich. Alle privat betrieben, bieten PCR-Tests für 75€ an, aber von Testung wg. CWA-Warnung wollen die alle nichts wissen. Ist aber auch eh hinfällig, selbst Termine für Schnelltests auf Tage hinweg ausgebucht.

    Es werden düstere Weihnachtstage.

    1. Nun hier funktioniert das zwar besser, es gibt Testzentren die nicht einmal überlaufen. Die sind aber für mich scheinbar zur Drehtür geworden. War meine erste Begegnung noch an einem ereignisreichen Tag (drei 2G-Veranstaltungen, davon eine mit U-Bahnfahrten hin und zurück), habe ich mir mittlerweile zwei rote Kontakte definitiv im Wartebereich eines Testzentrums eingefangen. Der ist nämlich relativ eng und das Abstandhalten fällt schwer. Der Weg zur Anmeldung führt an der Warteschlange für Schnelltests vorbei und lässt nur wenig Raum. Ich habe mich jetzt wieder testen lassen und warte auf das nunmehr wahrscheinliche „Rotlicht“ der App für die nächste Begegnung. Ich ahne nun, warum mein Hausarzt nur impft und nicht testet.

      1. Danke für den Erfahrungsbericht! Den Hinweis, dass man sich eine rote Warnung auch im Testzentrum einfangen kann, habe ich aus meinem privaten Umfeld auch schon bekommen.

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