Die Landesanstalt für Medien NRW will Jugendlichen in Deutschland den Zugang zu Pornos im Internet erheblich erschweren. „Je schwerer der Verstoß gegen den Jugendschutz, desto höher muss die Hürde zum Zugang sein“, sagt ihr Direktor Tobias Schmid.
Zukünftig sollen Nutzer:innen zunächst nachweisen, dass sie volljährig sind, bevor sie auf beliebte Porno-Portale wie etwa xHamster und Pornhub zugreifen können. Unter-18-Jährigen darf in Deutschland Pornografie nicht zugänglich gemacht werden. Diese Regelung soll nun härter durchgesetzt werden.
Ab Sommer könnten Porno-Seiten gesperrt werden
Die Medienwächter drohen mit Sperrung von Porno-Seiten, sollten die Betreiber nicht bis spätestens Juni 2020 das Geburtsjahr aller Zuschauer:innen prüfen. Solche Sperren würden nur das Aufrufen der Website aus Deutschland verhindern, in anderen europäischen Ländern oder per VPN wäre der Zugriff weiterhin möglich.
In Großbritannien ist ein ähnliches Vorhaben letztes Jahr gescheitert. Bürgerrechtsgruppen hatten gewarnt, dass die Klarnamen und Geburtsdaten von Nutzer:innen mit höchst sensiblen Angaben über ihre sexuelle Vorlieben verknüpft werden könnten. Zudem wurde befürchtet, dass der Einfluss des MindGeek-Konzerns, zu dem Youporn, Pornhub und Redtube gehören, dadurch weiter wachsen könnte.
Medienanstalt setzt dabei lediglich geltende Gesetze durch
„Eine vollständige Abschottung von Jugendlichen vor Pornografie ist natürlich nicht realisierbar“, sagt der Direktor der Landesmedienanstalt. Dennoch müssten die Medienanstalten die von Politiker:innen beschlossenen Gesetze zum Jugendschutz umsetzen. Deshalb wird auch nicht zwischen 17-jährigen Jugendlichen und zwölfjährigen Kindern unterschieden: Minderjährige sollen grundsätzlich vor dem Zugang zu Pornos abgeschirmt werden.
Bereits im November hatte Schmid härteres Durchgreifen angekündigt, nun drohen den Betreibern bald ernste Konsequenzen.
Mit Kreditkarte oder Perso auf Porno-Portalen anmelden
Schmid gibt sich zuversichtlich zur Akzeptanz in der Bevölkerung: „Die Bereitschaft, persönlich Daten für den Porno-Konsum zu teilen, scheint bei vielen Menschen durchaus zu bestehen. Viele Portale finanzieren sich über ihren bezahlten Content und dafür müssen Nutzer ihre Kreditkarten hinterlegen.“
Auf Anfrage, wie die Altersprüfung konkret umgesetzt werden könnten, reagierten Pornhub und xHamster bisher nicht. Die Kommission für den Jugendmedienschutz (KJM) sieht vor, dass die Volljährigkeit durch eine natürliche Person geprüft werden muss. Bereits anerkannt sind etwa die Verfahren Post-Ident, bei der Nutzer:innen in einer Postfiliale ihren Ausweis vorlegen und der Log-in über das Unternehmen Verimi.
Andere Medien hatten wiederholt berichtet, dass entsprechende Altersverifikationen auf den .de-Domains der großen Porno-Portale bereits vorhanden seien. Aktuell ist das nicht der Fall, die Landesmedienanstalt NRW prüft nun.
Pornos dienen nicht der sexuellen Aufklärung
„Die verpflichtende Altersverifikation sendet einfach das falsche Signal: Dass Sex gefährlich ist, und Zensur junge Menschen davor schützt“, sagt die Kulturwissenschaftlerin Madita Oeming gegenüber netzpolitik.org. Oeming forscht seit fünf Jahren zum Thema Pornografie.
Die Forscherin sieht das Problem nicht in der Verfügbarkeit von Pornos an sich, sondern darin, dass Pornos in Ermangelung anderer Quellen im Moment einen großen Teil der Sexualaufklärung übernähmen. „Dafür waren sie nie gemacht. Sie sind Unterhaltung, Fantasie, Fiktion. Pornos haben keinen Bildungsauftrag und sollten auch keinen haben.“ Auf Twitter hat sie ihre Kritik an dem Vorstoß der Medienwächter zusammengefasst:
https://twitter.com/MsOeming/status/1247623025211707398
Über sexuelle Lust informieren statt Pornos verbieten
Oeming bezeichnet die Altersverifikation als „Pseudo-Aktionismus“. Sie fordert die Landesmedienanstalten auf, ihre Ressourcen und Reichweite zu nutzen, um Aufklärung zu betreiben, statt Verbote durchzusetzen. Eine Möglichkeit wäre, alternative Projekte zu fördern:
Gerade Medien verschiedener Art könnten durch ihre leichte und breite Zugänglichkeit, ihren Unterhaltungswert, zum Teil auch durch ihre Anonymität, ein wirkungsvolles Werkzeug sein. Sie sollten genutzt statt verteufelt werden.
In Schweden gibt es bereits staatlich mitfinanzierte feministische Pornos. Die Berliner Sozialdemokrat:innen hatten letztes Jahr Filmförderung für feministische Porno-Produktion ins Gespräch gebracht und bekamen dafür durchaus Zuspruch.
Der Direktor der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt, Tobias Schmid, lehnt das derzeit ab: „Die konkrete Heranführung von Jugendlichen an pornografische Inhalte gehört nicht zu unseren Aufgaben.“
