Der Europäischen Datenschutzausschuss verlangt Antworten von der ungarischen Regierung wegen deren Ankündigung, in der Corona-Pandemie die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) teilweise auszusetzen. Die Vorsitzende des Gremiums aller EU-Datenschutzbehörden, die Österreicherin Andrea Jelinek, ist „persönlich sehr besorgt“ wegen des Schrittes der ungarischen Regierung, sagte sie heute bei der Vorstellung des Jahresberichtes des Ausschusses.
Die ungarische Regierung hat in der Pandemie das Parlament ausgehebelt und regiert gestützt auf Notfalldekrete. Anfang Mai verkündete die Regierung von Premierminister Viktor Orban die Aussetzung der Rechte auf Zugang zu und Löschung persönlicher Daten. Der Start neuer Verfahren wegen Datenschutzverletzungen müsse bis zum Ende des Ausnahmezustands warten.
Die EU-Kommission reagierte verhalten auf die Ankündigung. Kommissionsvizepräsidentin Vera Jourová sagte im EU-Parlament, ihre Behörde beobachte die Lage.
Die Vorsitzende des Datenschutzausschusses betonte heute, ihr Gremium verfolge die Entwicklungen und erhoffe von Ungarn weitere Antworten. Kein anderes EU-Land hat wegen der Pandemie den Datenschutz auf diese Art eingeschränkt.
Jelinek: Vielen Behörden fehlt Personal
Jelinek wiederholte unterdessen ihre frühere Kritik an der schwachen personellen und finanziellen Ausstattung vieler Datenschutzbehörden. Seit Wirksamwerden der DSGVO im Mai 2018 seien zwar die Ressourcen der meisten Behörden aufgestockt worden, es gebe allerdings leider noch Ausnahmen.
Dem Jahresbericht des Ausschuss ist zu entnehmen, dass fünf nationale Behörden von 2018 auf 2019 kein zusätzliches Personal erhielten. Dabei handelt es sich um Italien, Tschechien, Estland, Kroatien und Griechenland, schrieb eine Pressesprecherin des Ausschusses auf Anfrage an netzpolitik.org. Behörden in drei weiteren Ländern – Belgien, Litauen und Lettland – haben sogar weniger Ressourcen als zuvor. Der Bericht soll im Laufe des Tages auf der Website des Datenschutzausschusses veröffentlicht werden.
