Was vom Tage übrig blieb

Hacken, Hass und Haftung

Datenkonzerne wollen (nur begrenzt) Verantwortung für Inhalte übernehmen, Youtube bietet Anreize für Inhalte von Rechtsaußen und Y-Kollektiv gibt Einblick in die Funktionsweise von Trollarmeen. Die besten Reste des Tages.

Auch bei unseren Nachbarn brennt noch Licht

Tech companies urge EU not to hold them liable for illegal content (Financial Times)
Die Lobbygruppe EDiMA ist die Stimme von Konzernen wie Google, Facebook und Twitter in Brüssel. Der Branchenverband mischt sich nun erstmals öffentlich und lautstark in die Debatte um den geplanten Digital Services Act der neuen EU-Kommission ein. (Wir berichteten.) EDiMA warnt die EU-Entscheidungsträger in einem Schreiben davor, Plattformen direkt für illegale Inhalte von Nutzer:innen (z.B. rechtswidrige Hetze) haftbar zu machen. Stattdessen müssen zwischen „Haftung“ und „Verantwortung“ unterschieden werden, wobei die Plattformen bloß letztere haben sollen. Auch sprechen sich die Tech-Firmen vage für eine neue Watchdog-Agentur aus, die ihren Umgang mit illegalen Inhalten kontrollieren soll. Die neue Kommission will sich indes bisher nicht darauf festlegen, was in dem kommenden Plattformgesetz überhaupt drinstehen soll.

Ten Questions—And Answers—About the California Consumer Privacy Act (EFF)
Kalifornien bekommt demnächst eine neue Datenschutzgesetzgebung. Das wird interessant, weil viele große Player im Silicon Valley sitzen und der CCPA sich an der Europäischen Datenschutzgrundverordnung orientiert. Die Electronic Frontier Foundation hat eine FAQ dazu veröffentlicht.

All of YouTube, Not Just the Algorithm, is a Far-Right Propaganda Machine (Medium)
Bekanntlich trägt der inzwischen berühmt-berüchtigte Empfehlungs-Algorithmus von Youtube dazu bei, Nutzer schrittweise zu radikalisieren. Dieses komplexe Phänomen allein darauf zu reduzieren wäre jedoch fahrlässig, warnt die Medienforscherin Becca Lewis. Seit 2017 erforscht die Wissenschaftlerin die rechtsradikale Youtube-Szene, nun hat sie die Ergebnisse ihrer Studie „Alternative Influence: Broadcasting the Reactionary Right on YouTube“ in einen klaren und sehr gut lesbaren Text gepackt. Ihre Kernthese lautet: Die algorithmisch erstellten Empfehlungen sind nur ein Faktor unter vielen – soziale, ökonomische sowie technische Aspekte und Anreize spielen eine mindestens gleich große Rolle, die nicht übersehen werden darf.

Journalist’s mobile data collected by Belgium’s intelligence services (The Brussels Times)
Ein belgischer Nachrichtendienst hat 2018 rechtswidrig das Handy eine/r Journalist:in ausgelesen, wie erst jetzt bekannt wird. Die Aktion wurde vom zuständigen Aufsichtskomitee gestoppt. Der Vorgang sollte in Belgien, wo allein rund 900 Journalisten aus Europa und anderen Weltgegenden über die EU-Institutionen berichten, allerdings zu Denken geben.

#Infokrieg – Wie die neuen Rechten die Medien „hacken“ (Y-Kollektiv / Funk)
Der Funk-Kanal Y-Kollektiv hat eine einstündige, sehenswerte Youtube-Dokumentation über den rechtsradikalen Infokrieg gemacht. Die Doku gibt einen guten Einblick in die Funktionsweise von deren Trollarmeen und die Denkweise von Akteuren.

Unter Geiern: .org-Fehde entzweit das Netz (Heise)
Bei Heise-Online berichtet die immer gut informierte Monika Ermert über neue Entwicklungen beim geplanten Verkauf der .org-Toplevel-Domain. Über die Debatte rund um den geplanten Verkauf durch die Internet Society hatten wir bereits Ende November berichtet. Mittlerweile gibt es ein zweites Konsortium, das mit einer anderen Herangehensweise die Netzinfrastruktur gemeinwohlorientierter betreiben möchte. Aber auch diese Akteure stehen in der Kritik.

Journalism, Media, and Technology Trends and Predictions 2020 (Reuters Institute)
Das Reuters Institute an der Oxford Universität hat seinen jährlichen Report zum Zustand des Journalismus mit Trends und Voraussagen für 2020 veröffentlicht. Eine Erkenntnis: Google ist in der Verlagsbranche immer noch der beliebteste Tech-Konzern. Wenig überraschend, wie wir finden.

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