Fake Likes bei Facebook

„Don’t trust anyone“

450 Euro im Monat verdienen manche sogenannte Clickworker:innen mit dem bezahlten Liken. Damit sind sie sicherlich nicht die, die am meisten vom Geschäft mit den bezahlten Likes profitieren. Wer das sein könnte, darüber haben Svea Eckert, Dennis Tatang und Philip Kreißler auf dem Hackerkongress 36c3 gesprochen.

Eine Brille mit geklebtem Steg liegt auf einer orangenen Unterlage. Durch die Brillengläser sieht man das Wort FAKE, gelegt aus Scrabbel-Steinen.
Svea Eckert, Dennis Tatang und Philip Kreißler haben so genau hingesehen, dass sie keinem Like mehr glauben können [Symbolbild] – Alle Rechte vorbehalten Carlos Cuesta

Mit Likes, Kommentaren und Abos lässt sich viel Geld machen. Trotzdem sagen sie nichts mehr darüber aus, wie viel Mehrwert Inhalte im Netz tatsächlich haben. Zu diesem Fazit kommen Svea Eckert, Philip Kreißel und Dennis Tatang, als sie auf dem 36c3 ihre Recherchen zu sogenannten Fake Like Factories vorstellen. Ein besonders eindrückliches Beispiel, das sie anführen, ist die vermeintliche Begeisterung für einen kleinen deutschen Gartenmöbelhändler, dessen Facebook-Seite über eine Million Abonnent:innen hat.

„Don’t trust anyone“, sagt Eckert – ihr Vertrauen in Likes ist dahin. Sie ist freiberufliche Investigativjournalistin und arbeitet vor allem für den NDR, Tatang ist Wissenschaftler an der Ruhr-Universität Bochum, Kreißel studiert an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Alle drei haben sich mit der Glaubwürdigkeit von Likes auf Facebook beschäftigt. Kreißel und Tatang haben Webcrawler geschrieben, mit deren Hilfe sie eine Liste von Fanpages erstellen konnten, für die jemand Likes eingekauft hatte. Darunter waren Influencer:innen, Unternehmen, Seiten von Vertreter:innen großer politischer Parteien.

Das ist doch kein Betrug

Mit einer Lokalpolitikerin hat Eckert sich getroffen. Die FDP-Frau hatte Likes gekauft, weil sie mit der Reichweite ihrer Facebook-Seite unzufrieden war. Sie habe demnach gesagt: „Warum Betrug? Das ist es doch nur, wenn die Anzahl von Likes ein Maß für Beliebtheit in unserer Gesellschaft ist.“ Auch das Unternehmen PaidLikes fände all das total unproblematisch – die sogenannten Clickworker:innen bekämen zwar bis zu sechs Cent pro Like, aber ob sie klickten oder nicht, sei ja ihre freiwillige Entscheidung. Eckert, Tatang und Kreißler verdeutlichen eindrücklich, welche Probleme es gibt, stellen zum Ende ihres Talks aber auch Lösungsansätze vor.

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4 Ergänzungen
  1. Vielen Dank für den interessanten Artikel! Ich vertraue schon längst keiner Bewertung durch FB-Likes mehr. Man hört immer öfters, dass Leute beauftragt werden, Beiträge zu liken, um mehr Beitragsinteraktion zu erzeugen. Somit bekommen die Anbieter u.U. günstigere Werbekosten pro Beitrag.
    LG, Daniel

  2. Öfter mal etwas suchen, liken, kommentieren, was man eigentlich gar nicht mag.
    Natürlich alles im positiven Stil, ganz klar. Und wenn dies ganz viele Leute im Internet machen würden. Eine sehr Interessante Vorstellung. Das Geschäftsmodell ist quasi so gar nicht darauf vorbereitet.
    Aber darum geht es sicherlich nicht. Ich möchte natürlich erreichen, das meine Filterblase etwas
    erweitert wird.

    Zusammengefasst: Fake likes umsonst.

  3. Als Info: Philip Kreißel kommt, wie er im Talk auch bei 01:37 sagt, von der Uni Bamberg statt wie im Text behauptet auch von der RUB. Das wurde glaube ich auch beim Logbuch Netzpolitik in der Besprechung des Talks falsch behauptet.

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