Der Videostreamingdienst Netflix plant, mit selbstproduzierten Inhalten in das politische Tagesgeschäft einzugreifen. Laut einem Bericht der New York Times befindet sich Netflix in „fortgeschrittenen Gesprächen“ mit Barack Obama über eine eigene Sendung mit dem früheren US-Präsidenten. Mit der Obama-Show und angekündigten Talk-Formaten versucht Netflix, das mit dem Polit-Thriller „House of Cards“ seinen ersten großen Hit landete, zunehmend selbst die politische Agenda zu setzen.
Unter den Bedingungen des vorgeschlagenen Deals, der noch nicht abgeschlossen ist, bezahlt Netflix Obama und seine Frau Michelle für exklusive Inhalte für den Streamingdienst, der weltweit 118 Millionen Abonnenten hat. Die Zahl der Folgen und das Format für die Sendung sind noch nicht entschieden. […] Eine Idee für die Sendung ist, dass Obama Unterhaltungen über die Themen moderiert, die seine Präsidentschaft dominierten – Gesundheitsversorgung, Wahlrecht, Einwanderung, Außenpolitik und Klimawandel. Alles Themen, die die amerikanische Wählerschaft auch in der Amtszeit von Präsident Trump polarisieren.
Der Streamingdienst bietet Obama damit künftig ein Podium, um wieder in der US-Politik mitzumischen. Dabei könnten Technologie-Themen eine prominente Rolle spielen: Zuletzt hatte sich der frühere US-Präsident in einer nicht zur Veröffentlichung bestimmten Rede an der US-Universität MIT zum Plattform-Kapitalismus geäußert. Firmen wie Google und Facebook, aber auch Twitter, müssten als Teil ihres Geschäftsmodells anerkennen, dass sie kommerzielle Unternehmen seien, aber zugleich ein öffentliches Gut anböten. „Sie sind nicht nur unsichtbare Plattformen, sie formen unsere Kultur in machtvoller Weise.“ Die Worten kamen überraschend für einen Politiker, der in seiner Amtszeit eng mit den Technologiefirmen des Silicon Valley verbunden war.
