Linkschleuder

Netzneutralität: Netflix kämpft gegen Transfervolumen

Der Videoanbieter Netflix möchte nicht, dass sein Geschäftsmodell durch unnötige Transferbeschränkungen zerfranst wird.
CC BY-SA 2.0, via flickr/Ross Catrow

Mangelnder Wettbewerb auf Breitbandmärkten führt, wie die USA abschreckend vorführen, zu hohen Preisen für Verbraucher, niedrigen Investitionen in Infrastruktur, schlechter Servicequalität – und zu Begrenzungen beim Datentransfervolumen, die mit der heutigen Lebensrealität nicht Schritt halten können.


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Gegen letzteres versucht sich nun der Videoanbieter Netflix zu wehren und appelliert in einem Brief an die Regulierungsbehörde FCC (Federal Communications Commission), die derzeitige Praxis zu überdenken und Volumensgrenzen am besten ganz abzuschaffen. Aus Sicht von Netflix würden solche Beschränkungen Konsumenten davon abschrecken, ihren Breitbandanschluss auch tatsächlich auszureizen und ihn so zu verwenden, wie sie es gerne hätten, also beispielsweise 4K-Videos ansehen. Aus der Stellungnahme (PDF), unsere Übersetzung:

Volumensbeschränkungen in fixen, verkabelten Netzen scheinen keinen legitimen Nutzen zu haben: Sie sind ein ineffektives Werkzeug zum Netzwerk-Management. (…) Volumensbeschränkungen und am Datenverbrauch orientierte Modelle heben die Kosten für die Nutzung der Internetverbindung, für die die Verbraucher bezahlt haben. Das macht Fernsehkonsum über das Internet teurer. Die FCC sollte anerkennen, dass solche Beschränkungen in kabelgebundenen Netzen eine unnötige Einschränkung von fortgeschrittenem Telekommunikations-Potenzial darstellen.

Auch in Europa erlauben die Regeln zur Netzneutralität grundsätzlich Beschränkungen des Transfervolumens, auch wenn sie, zumindest derzeit, vorrangig im Mobilfunkbereich anzutreffen sind. Im Zuge der hiesigen Netzneutralitäts-Debatte wurde rasch klar, dass sich Netzbetreiber schwache Regeln mit Ausnahmen wie freizügig regulierten Spezialdiensten erhofft haben, um so Zusatzeinnahmen einstreifen zu können. Da ihnen die EU aber zum größten Teil einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, muss man nun genau beobachten, wie sie die verbliebenen Schlupflöcher ausnutzen werden. Das gilt für uns Verbraucher genauso wie für die europäischen Regulierer, die notfalls einschreiten können.

/via DSLReports

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7 Kommentare
  1. Toll, dass es solche gemeinnützig-selbtlose Bürgerrechts – Organisationen wie Netflix , Electronic Frontier Foundation oder EDRI gibt. Die denken nicht an eigene Gewinne, sondern setzen sich für die Freiheit aller Nutzer ein.

    1. Ich kann den Frust von Anbietern nachvollziehen, die ihre Inhalte nicht an ihre Kunden ausliefern können, obwohl letztere für einen vollwertigen Internetzugang bezahlt haben. Oder keine neuen Kunden gewinnen können, weil sich diese vor hohen Nachzahlungen fürchten, wenn sie „zu viele“ Videos gucken oder regelmäßig Spieledemos ausprobieren.

      Volumensbegrenzungen schrecken ab und machen das Ökosystem Internet kaputt.

      1. BTW, was ist am Internet ÖKO? Die Lieferfahrzeuge der Paketzusteller ? Oder der Stromverbrauch der Netzindustrie, der zwischenzeitlich die Stahl Industrie als Wirtschaftsbrereich mit den höchsten Energie Verbrauch weit überholt hat . Die Digital Industrie mag vieles sein, ÖKO ist diese aber ganz bestimmt nicht, sondern das krasse gegenteil davon. Ab und an sollte man mit eigenen Intellekt Buzzwörter der Lobbyisten Speechzettel einfach mal hinterfragen.

      2. Die Kritik von @Janinchen ist mehr als berechtigt.
        Ich muss auch weinen,wenn Netflix jammert,weil er die Konsumenten mit dusseligen Unterhaltungsvideos nicht zuscheissen kann,ein altruistischer Kulturauftrag ist es sicherlich nicht ,was Netflix verbreitet.
        Die Konsumenten sollen für den Mist ordentlich bezahlen, wenn sie Videos glotzen und Spieldemos konsumieren und weiter verblöden möchten.
        Netflix ist eine herkömmliche Kommerzklitsche ohne Wenn und Aber und seit wann tritt man bei Netzpolitik offen für die Belange von Unternehmen der Wirtschaft ein und mutiert zum billigen Lobbyisten,mehr als ein kostenloses Abo wird für Sie als Namenloser Nichtpromi sowieso nicht herausspringen,wenn Sie sich hier zum Büttel von Netflix degradieren.

        1. Netflix sollte einfach für die notwendige CDN Infrastruktur zahlen und aufhören zu weinen.

          Ein „normaler“ Internetanschluss ist halt nunmal keine Mietleitung mit definierter QOS und Bandbreite „nach überall“ hin. Das war noch nie so.

        2. Prinzipiell schließe ich mich Grauhut an.
          Es ist schon lustig, wenn schon vor Inkrafttreten der „Überholspuren“ bzw. des zwei Klasseninternets, einigen Kommerziellen Anbietern auffällt, das es zu Ungunsten ihres Geschäftsmodells ausgelegt wird … Wegezoll für Highspeed Datenübermittlung!
          Das ist es doch … Maut für die Datenautobahn, so wie es sich Dobrindt wünscht und seine Taschen gleich mal aufhält …
          Zynischer Weise kann man auch schreiben, das sich dann wieder eine Webseiten Kultur entwickelt, die mit einer 56k Bandbreite auskommt bzw. auskommen muss!
          Ich sehe da neuartige Komprimierungsmöglichkeiten!
          Wie? Nun Opera bietet soetwas schon an … ein solches System im Webserver und Browser … und schon kann man 80% Datenvolumen einsparen!
          Hey, das mit Opera ist ein Beispiel!

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