Öffentlichkeit

Ironiebefreit: Youtube löscht Arte-Video über digitale Zensoren

Der Alltag von menschlichen Content-Moderatoren in sozialen Netzwerken ist wirklich schockierend. Zu diesem Schluss kam Youtube und löschte einen Arte-Trailer über seine Zensoren kurzerhand von seiner Plattform. Das kommt leider häufiger vor, klagt der deutsch-französische Kultursender.

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Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Youtube löschte einen Trailer des Kultursenders Arte. Und zwar nicht irgendeinen Trailer, sondern den für den Dokumentarfilm „The Cleaners“, der von den harschen Arbeitsbedingungen philippinischer Content-Moderatoren im Auftrag von Youtube und Facebook handelt. Grund dafür sei angeblich schockierendes Bildmaterial in dem eigens für die Verbreitung auf sozialen Medien hergestellten Clip, heißt es in einer E-Mail des Absenders adwords-noreply@google.com an Arte, über das der Sender auf seiner Webseite berichtet.


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Haben also die selben überforderten Niedriglohnkräfte, von denen die Dokumentation handelt, mal wieder zu schnell auf den Knopf gedrückt? Oder war es eine automatisiertes System, das den Trailer aussortierte? Wir wissen es schlicht nicht, schrieb ein Sprecher von Arte auf Anfrage an netzpolitik.org.

Auf YouTube werden Videos regelmäßig ohne Begründung für Minderjährige gesperrt, auch auf Facebook werden alle zwei bis drei Wochen Videos gesperrt, vor allem, wenn wir sie sponsern wollen. Es gibt zwar Möglichkeiten zum Einspruch, da es aber nie eine Reaktion von Facebook bzw. Youtube/Google gab, besteht diese Option lediglich auf dem Papier und die Videos bleiben gesperrt bzw. die Postings gelöscht.

Der Sender hat bisher keine weitere Rückmeldung von Youtube über die Löschung erhalten. Ein typischer Fall: Immer wieder löscht Youtube Videos von Nutzerinnen und Nutzern wegen vermeintlich problematischen Inhalten oder angeblichen Urheberrechtsverletzungen, ohne dass sich die Betroffenen wirklich dagegen wehren können oder auch nur eine Antwort auf ihre Einsprüche erhalten. Auch im Fall von Arte und „The Cleaners“ haben wir bei Youtube angefragt, aber zunächst keine Antwort erhalten.

Update, 3. September: Ein Youtube-Sprecher betont auf Anfrage, dass Youtube das Video nicht gesperrt habe. Arte selbst hätte den Trailer auf „nicht gelistet“ gestellt. Dabei bleibt der Inhalt weiterhin abrufbar, aber nur für diejenigen, die den direkten Link kennen. Sehr wohl habe es Youtube aber abgelehnt, den Trailer aufgrund des schockierenden Bildmaterials als (bezahltes) Werbevideo zu akzeptieren. Für solche Inhalte würden andere Regeln gelten als für normale Videos. „Es gibt Videos, die im Rahmen unserer Inhalterichtlinien erlaubt und deshalb auf YouTube verfügbar gemacht werden. Dennoch können dieselben Videos durchaus als Werbevideos im Rahmen unserer Werberichtlinien abgelehnt werden“, sagt der Sprecher.

Arte hat mittlerweile ebenfalls seine Meldung aktualisiert.

Wie schockierend das Bildmaterial des Arte-Trailers ist, können unsere Leserinnen und Leser gerne selbst beurteilen:

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18 Kommentare
  1. „Wenn dir Youtube net passt, dann geh doch woanders hin“ ;)
    Ach ja… Da war ja ein Problem hinter dem Symptom, dass Unternehmen – getrieben von der öffentlichen Meinung lieber überblocken.

    Youtube, Facebook, Google, das sind Unternehmen, Nicht-Staat-Unternehmen, noch dazu global und außerhalb unseres Rechtsystem.

    Vergleichen wir das mal mit Taxiservices (ohne das globale). Nur dass es neben dem Taxiservice oder Limousinen Service auch noch (neben dem eigenen Fahrrad/Auto) ÖPNV gibt.

    Sehr starke Regulierung oder gar Verstaatlichung ist ein zweischneidiges Schwert, es mag helfen, „Kurzfrist-Sozial-Gerechtigkeit“ herzustellen (Wobei ich jeglichen Zusatz zu Gerechtigkeit rein sarkastisch verwende – Gerechtigkeit sollte für sich selbst stehen!). Aber es wird Menschen demotivieren, 100% Leistung zu geben, wenn es für sie nicht/nichts mehr bringt. Vgl. Mietpreisbremse, warum sollte ich das finanzielle Risiko zu bauen eingehen, aber dann nicht mein Eigentum so teuer vermieten dürfen, wie es mir passt. Dann investiert man lieber im Ausland – was dort dann für aberwitzige Preise sorgt (Toronto z.B. aus persönlicher Erfahrung).

    Wie mit dem sozialen Wohnungsbau auf freiem Bauland könnte hier im Neuland vielleicht ein ähnlicher Ansatz helfen: Alternativen schaffen – so wie ÖR schon seit bald einem halben Jahrhundert parallel existier, dem private (und nicht durch Regierungsförderung oder -forderung beeinflusste) Alternativen folgten.

    TL;DR
    Staat/Gesellschaft sollte Alternativen schaffen, anstatt dass wir uns über global private player beschweren.

    1. Die Alternativen gibt es schon. Im Falle von YouTube z.B. BitChute, Dailymotion, Vidme, Vimeo und wie sie alle heißen. Die meisten Nutzer bevorzugen trotz Allem weiterhin YouTube mit seinen Eigenheiten. Das ändert sich jedoch zunehmend. Insbesondere Rechte wechseln schon seit fast zwei Jahren verstärkt zu anderen Plattformen. Nun fängt es langsam an auch den Linken ungemütlich zu werden.

      Es gibt also keinen Grund (meine) Steuergelder zu verschwenden. Insbesondere im Neuland.

    2. Die ÖRs sind doch keine Alternative. Die ÖRs haben soviele gewinnorientierte Privatunternehmen gegründet, dass die nicht gerade unabhängig von der Privatwirtschaft sind, ganz abgesehen davon dass die Öffis auch Werbung schalten. Google sollte vllt einfach mehr Werbung bei ARD und ZDF kaufen, damit die endlich Ruhe geben.

      Die ÖRs haben mehr Geld durch den „Beitrag“ als die gesamten Privatsender zusammen, aber das Geld reicht einfach nicht und wird es auch nie … also dann lieber ganz auf staatliche Einmischung verzichten.

  2. Eine wirklich eindrucksvolle Doku, unbedingt sehenswert. Jemand hat diese wieder auf youtube hochgeladen, mal schauen wie lange diese dort verweilen darf / bis diese gefunden wird. Rein aus Protest gestern auf youtube angeschaut ;-)
    Eine Alternative zu youtube lässt leider immer noch auf sich warten ;-(

  3. YouTube? Ist das nicht die Freiheitsplattform, die mit Unterstützung von Netzpolitik gegen Zensur durch Uploadfiler geschützt werden muss ? Wie jetzt, die setzen die selbst längst ein, wenn den Interessen von Google dient ? Nee oder, dabei könnten die doch eindach mit pauschal Zahlungen die Rechte an privater Nutzung vergüten. Und Arte? Ist das nicht der Sender, der seit Jahren ziemlich fiese Verträge mit Kreativen macht, in denen die Kreativen Ihre Rechte mit „Friß oder stirb“ auch für online Verwertung pauschal abgeben müssen, oder Sie werden von Beauftragungen ausgeschlossen ? Es gibt da einen Sack, da könnten beide hinein. Hat man einen Knüppel und stolpert und der Knüppel trifft aus Versehen den Sack, wird es immerhin nie den falschen treffen.

    1. Arte ist auch der widerliche Esoladen, der für die eigene bessergestellte Zielgruppe wohlfühlgerechte Dokus produziert, die alte Sagen und Mythen der Esoszene bedienen und Serralini-Like Fakenews unterfüttern.

      Von wegen Bildungssender. Korrupte Weltanschauung wird da propagiert, Ideologien in ikonografisch feinjustierten Bildern transportiert für ein zahlungskräftiges Publikum auf Identitätssuche.

      1. Ich bin ja jetzt nicht doof oder so. Aber könnte den Text von Nina mal bitte jemand übersetzen? Warum wird Kritik immer gleich in so viele Fremdwörter verpackt, dass es Normalsterbliche nicht mehr verstehen?

        Danke schön.

  4. Schockierende Bilder: eine Zeichnung des nakten Trump mit kleinem Penis und der Erklärung der Zensorin, ein Mann mit kleinem Penis kann kein starker Führer sein. Dies war für mich ziemlich verstörend.

  5. Bitte keine Medien in die Seite einbauen, die automatisch abgespielt werden. Das ist einfach zu aufdringlich und ein absolutes No-Go. Man sollte sich schon noch aussuchen dürfen, ob man den Play-Knopf drückt oder nicht.

    Opt-In statt Opt-Out, das solltet ihr mit am besten wissen. ;)

  6. Guten Morgen. Die Links zu den Artikeln auf ARTE führen nur noch auf eine 404 Seite. Scheint so, als ob ARTE die Artikel gelöscht hat. Und auf der ARTE Seite nach einem Artikel suchen geht ja leider auch nicht.

      1. PS.: Besser bei programm.ard.de nach dieser Sendung suchen
        oder in den Sender-Mediatheken abrufen,
        damit jene bemerken, welche Sendungen bei den Zuschauern ankommen und ggf. wieder ins Programm aufgenommen werden. ;)

        Das Quälen von Google und YouTube spuckt nur so Daten über den Großen Teich in die Datenbanken der big us-Player und Schnorchler.

    1. Es gibt hoffentlich nicht die letzte Chance :
      Im Schatten der Netzwelt – The Cleaners
      Dokumentarfilm Deutschland 2018
      Wiederholungen
      11.09.2018 | 22:45 Uhr | Das Erste
      und etwas später in derselben Nacht von Dienstag auf Mittwoch,
      12.09.2018 | 02:10 – 03:40 Uhr
      90 Min ebenfalls auf „Das Erste“

      lt. https://programm.ard.de/?sendung=28106844958367&first=1
      oder ggf. noch unter arte.tv
      https://www.arte.tv/de/videos/069881-000-A/im-schatten-der-netzwelt-the-cleaners/

      Verfügbar von 07/09/2018 bis 15/09/2018

      s. auch
      https://netzpolitik.org/2018/aktuell-in-der-arte-mediathek-im-schatten-der-netzwelt-the-cleaners/
      bei den unteren Kommentaren

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