Demokratie

Facebook: Datenabgriff von 87 Millionen Nutzern ist nur Spitze des Eisberges

Facebook musste jetzt die Zahl der Betroffenen im Cambridge-Analytica-Datenskandal fast verdoppeln. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges: Das Unternehmen erklärt jetzt, dass durch ähnliche Datenabgriffe wohl fast alle zwei Milliarden Nutzer betroffen sein können.

Running Gag: Wieviele mögliche Rechtsbrüche muss Zuckerberg jetzt noch entschuldigen? CC-BY-ND 2.0 John Adams

Facebook hat nachzählen lassen und kommt jetzt auf bis zu 87 Millionen Nutzer, die vom Datenabgriff durch Cambridge Analytica und seinen Partnern betroffen sein könnten. Rund 310.000 Nutzer davon sollen aus Deutschland kommen. Damit hat sich die Zahl der in diesem Datenskandal Betroffenen fast verdoppelt.

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Was im Zahlen-Bingo untergeht: Facebook bestätigt in einem Blogpost unsere Befürchtung, dass der Datenabgriff durch Cambridge Analytica und Partner (wahrscheinlich) nur die Spitze des Eisberges ist und möglicherweise alle Nutzer (mehrfach) betroffen sind, die nicht von selbst die Datenschutzeinstellungen schärfer gestellt haben. Denn die Funktionen für die Suche nach Nutzern und die Account-Wiederherstellung haben sich leicht missbrauchen lassen – was offenbar in großem Stil geschehen ist.

Böswillige Akteure haben auch diese Features dazu missbraucht, um öffentliche Profilinformationen zu sammeln. Sie gaben Telefonnummern und E-Mail-Adressen, die sie bereits hatten, in die Suche ein oder starteten damit eine Account-Wiederherstellung. Aufgrund des Ausmaßes und der Erfahrenheit der Aktivitäten, die wir gesehen haben, glauben wir, dass die Profilinformationen der meisten Menschen auf Facebook auf diese Art abgesaugt wurden. Deshalb haben wir das Feature nun deaktiviert. Wir ändern auch die Account-Wiederherstellung, um das Absaugrisiko ebenso zu verringern.

However, malicious actors have also abused these features to scrape public profile information by submitting phone numbers or email addresses they already have through search and account recovery. Given the scale and sophistication of the activity we’ve seen, we believe most people on Facebook could have had their public profile scraped in this way. So we have now disabled this feature. We’re also making changes to account recovery to reduce the risk of scraping as well.

Jetzt habe man freundlicherweise die Funktion abgeschaltet.

Übrigens weist Mark Zuckerberg im Gespräch mit Journalisten darauf hin, dass Nutzer, die aktiv ihre Datenschutzeinstellungen verändert haben, besser geschützt waren:

Wir haben uns das angeschaut und haben es in den letzten Tagen, als Teil unserer Überprüfung des ganzen Systems, besser verstanden. Jeder hat eine Einstellung auf Facebook – sie befindet sich direkt in Ihren Privatsphäre-Einstellungen -, die kontrolliert, ob andere mithilfe Ihrer Kontaktinformationen nach Ihnen suchen können. Die meisten haben das angeschaltet, und das ist die Standardeinstellung. Aber viele Menschen haben es auch ausgeschaltet. Es handelt sich also nicht um jeden, aber es gibt natürlich das Potential, dass über die Zeit, seit der es das Feature gibt, Personen in der Lage waren, öffentliche Informationen abzusaugen. Die Information – wenn Sie jemandes Telefonnummer haben, können Sie die eingeben und einen Link zu dem Profil bekommen, das die öffentlichen Informationen herauszieht. Ich denke also zweifellos, dass, wenn Sie die Einstellung aktiviert hatten, jemand in den vergangenen Jahren wahrscheinlich auf diese Art auf Ihre öffentlichen Informationen zugegriffen hat.

Mit anderen Worten: Schön blöd von den Nutzern, sich nicht pro-aktiv darum zu kümmern, seine Daten bei Facebook besser zu schützen. Konnte ja keiner ahnen, dass alle als „öffentlich“ eingestellten Profile auch von Dritten abgesaugt werden.

Wer hat noch welche Daten?

Die Frage lautet nicht mehr, wieviele Daten von Nutzern Cambridge Analytica gezogen hat, sondern wer noch alles und wie oft, wer diese Daten weiterverkauft hat und wo sie jetzt gegen die Nutzer verwendet werden.

Währenddessen ist in der öffentlichen Debatte zumindest der CDU/CSU-Teil der Bundesregierung abgetaucht. Dort arbeitet man im Hintergrund daran, schärfere Regeln gegen Tracking und Datenmissbrauch im Rahmen der ePrivacy-Verordnung auf EU-Ebene zu verhindern. Die Bundesdatenschutzbeauftragte bereitet sich offensichtlich schon auf ihren Ruhestand vor.

Mehr zum Hintergrund dieses Datenskandals:

Cambridge Analytica: Was wir über „das größte Datenleck in der Geschichte von Facebook“ wissen
Liebe Politiker/innen: Boykottiert PR-Events von Facebook, solange der Konzern Eure Einladungen ablehnt
Facebook-Skandal: Zuckerberg räumt Fehler ein, das Geschäftsmodell bleibt aber unverändert
Facebook: Endlich die bunten Apps rausschmeißen – eine Anleitung
Facebook und die Databroker: Was das Ende der „Partnerkategorien“ wirklich bedeutet
Ob Nutzer oder nicht: Facebook legt Schattenprofile über alle an
Kämpferisch, ignorant, hilflos: Wie die Politik auf den Facebook-Skandal reagiert
Whistleblower: Überwachungskonzern Palantir hat Cambridge Analytica bei illegalen Methoden geholfen

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40 Kommentare
    1. War da nicht was in Davos mit du willst einreisen dann her mit deinen Daten, ansonsten ?

      „Wer in die USA einreisen will, muss womöglich bald seine Passwörter für soziale Netzwerke, wie Facebook und Twitter, preisgeben. Die US-Regierung prüft offenbar eine entsprechende Verschärfung der Sicherheitskontrollen. Auch Deutsche könnten davon betroffen sein.“

      http://www.fr.de/politik/medienbericht-facebook-passwort-fuer-us-einreise-a-1254996

      Od das zusammen hängt, denn das andere ist ja schon lange bekannt ?

  1. Ich weiß immer noch nicht, was hier eigentlich plötzlich der Skandal sein soll.
    Daten sind dass Öl dieses Jahrhunderts, aber wenn es genutzt wird geht das wieder gar nicht.
    Auch dass die erhobenen Daten sagen wir mal eher frei von Beschränkungen förderbar sind, ist auch seit langem bekannt. Vor allem Lesern dieser Seite sollte dies klar sein.
    Und der Rest der ekligen Praktiken von C Analytics ist (soweit ich sie kenne) auch schon lange gängige Praxis.

    1. Tatsächlich fraglich was neu ist, außer dass mal konkrete Zahlen bekannt wurden. NP skandalisiert die Meldungs aber auch nicht, sondern berichtet über den aktuellen Stand.
      Was man Facebook sicher vorwerfen kann:
      – wenig Transparenz (was an Profildaten gesammelt wird)
      – ständiges Ändern der Privacy-Einstellungen mit entstehender Nachsorgepflicht für die Nutzer
      – schamloses netzweites Tracking
      Was APIs und Scraping anbelangt, bin ich mir nicht sicher, was problematischer ist: die Möglichkeit, vorhandene Daten zu nutzen (und sei es nur durch Scraping öffentlicher Profile, denn das wird es immer geben) oder gated community Verhalten, wo jeder Seitenaufruf sofort zum Login-Dialog führt und ich als unregistrierter Nutzer gar nicht prüfen kann, was an Profildaten, Meldungen über mich o.ä. bestehen.

      Daten = Erdöl finde ich eine total dämliche Metapher. Weder Öl noch Daten sind per se wertvoll, unbeschränkt oder ähnliches.

    2. Ja vollkommen richtig. FB kostet nix und ist eines der reichsten Unternehmen der Welt – durch Datenverkauf. Also wo ist der Skandal? Jeder, der einen Account hat, hat den AGBs zugestimmt. Etwa nicht gelesen? tz tz

  2. Frage an die Allgemeinheit: Gibt es einen Weg herauszufinden, ob man betroffen ist? Ich habe diese Umfrage sicher nicht ausgefüllt, aber ich habe viele „Freunde“ aus den USA.

    1. Der einfachste Weg wäre wohl, sich bei ihren Freunden in den USA zu erkundigen, ob die besagte App genutzt wurde. Dann wäre die Wahrscheinlichkeit groß, als deutscher „Beifang“ mit ins Netz gegangen zu sein.

    2. „Hessen will Software der US-amerikanischen Firma Palantir einsetzen, um in sozialen Netzwerken und anderen Datenbeständen besser fahnden zu können.“

      „Palantir wurde 2004 unter anderem vom Facebook-Investor Peter Thiel auch mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA gegründet. Das Unternehmen soll im Zuge des Facebook-Datenskandals über Cambridge Analytica auch Zugang zu Facebook-Nutzerdaten gehabt haben. 2011 wurde durch Anonymous aufgedeckt, dass Palantir von der US-Regierung mit einer Analyse beauftragt wurde, wie mit der Veröffentlichung diplomatischer Depeschen durch Wikileaks umzugehen sei. Von 2013 bis 2018 soll Palantir sich Zugang zu polizeilichen Datenbanken in New Orleans verschafft haben, um ein neues System zum Vorhersagen von Straftaten zu testen.“

      Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Hessen-will-mit-Palantir-Software-islamistischen-Terrorismus-und-organisierte-Kriminalitaet-4012382.html

      Ich glaube nicht, daß die hessische Polizei (nur?) an den US-amerikanischen Daten interessiert war.

      Es ist, wie es in der Überschrift hier steht: „Facebook: Datenabgriff von 87 Millionen Nutzern ist nur Spitze des Eisberges“

    1. Mehr als 100% der facebook-Nutzer (https://www.finanzen.net/realtimekurs/facebook) werden betroffen sein, Stichworte: Schattenprofile, Aktionäre, Handelspartner!

      Desweiteren geht gerad‘ etwas unter, daß das privatisierte Unternehmen „Deutsche Post“ (https://www.finanzen.net/aktien/Deutsche_Post-Aktie) ganz ähnliche Dinge abzieht (sicher auch mit bei Facebook gekauften Daten) wie Cambridge Analytica und noch viele andere:

      https://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5398785/Deutsche-Post-verteidigt-DatenGeschaefte-der-Tochter?from=rss

      Sie hat vielleicht nicht so eine dieser lustigen Apps, die einem das Seelentier oder eine magische Zahl oder das Horoskop aus deinem Profil errechnen – aber…
      … hier, die „Deutsche Post“ vermietet sogar ihre Daten und daraus gewonnen statistische Erkenntnisse! xD

      1. Das Targeting-Geschäft der Post-Tochter ist ein alter Hut und wurde vor Jahren mal in einer Reportage beleuchtet.

        Ich glaube, es war folgende mit dem Titel „Wo sind meine Daten?“:

        https://www.youtube.com/watch?v=o7bbDUdxBBs

        Bei einer Vorführung des Systems ließ sich ein Journalist undercover von einem Mitarbeiter dieser Firma alle Single-Frauen unter x Jahren nach PLZ anzeigen – ganz nützlich.

        Ich frage mich bis heute, wie man zu diesen Informationen gelangen konnte.

        1. In dem YT-Video geht es um die Telekom – jo, die sind auch (schon länger) dabei ihre Kunden auszuspionieren. Aber die Post (die Tochter „Deutsche Post Direct“) mit ihrem Mikrotargeting – ergo, Wahlmanipulation für die, die es sich leisten können – und ihrer umfassenden Datensammlung von 34 Mio. Bürgern (in etwa Anzahl der deutschen Facebook-Nutzer!), ist laut Wikipedia erst „nach Presserecherchen vom März 2018 (!)“ bekannt, sie speicherte bisher „mehr als eine Milliarde Einzelinformationen, wie Angaben zu Kaufkraft, Bankverhalten, Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnsituation, Familienstruktur, Wohnumfeld und Pkw-Besitz“!
          Hier wird vielleicht sogar noch das Briefgeheimnis gewahrt, weil die Briefe gar nicht mehr geöffnet werden müssen, um zu Wissen, was auf Grundlage der gesammelten Daten in den Briefen stehen könnte. Die Post ist ja auch noch eine Bank und hat eine Quasi-Monopolstellung im Briefzustellungs-Bereich. Zudem schätze ich, daß sie ähnlich der deutschen Bank und der deutschen Bahn als deutsch-systemrelevantes Unternehmen (Auch Stichwort: Exportweltmeister) unter allen Umständen von Staat und Steuerzahler gerettet würde.

          Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Post_Direkt

          PS: Ich wette, die Post Direct hat auch Daten von Cambridge Analytica gekauft/getauscht und somit inDirect von diesen schon zur Bundestagswahl 2017 profitiert.

          1. Dann war es diese Doku mit Namen: Der gläserne Deutsche.

            https://www.youtube.com/watch?v=zmCBs8EicJc

            Kaufkraft, Bildung und einges mehr ließe sich allein aus der Wohnumgebung abschätzen. Für mehr Granularität würde ich als strebsamer Entscheider die Metadaten des Postverkehrs mir zu Nutze machen.

            Post von Jobcenter und Inkassobüros deuten beispielweise auf instabile finanzielle Verhältnisse hin.

            Bei Briefen von Staatsanwaltschaft und Gerichten ist man entweder Anwalt oder hat es nicht so mit Recht und Gesetz.

            Ein hohes Paketaufkommen korreliert mit hoher Kaufkraft.

            Man könnte sich auch vorstellen, dass bei bei Nutzung der Versand-API an DHL mehr als der minimale Adress-Datensatz abfließt.
            Auf jeden Fall sind die Verkehrsdaten so in bequemer Form auswertbar.

            An die Scan-Zentren, die die Post im Auftrag Dritter betreibt (Briefe öffnen, scannen, ggf. nach Inhalt taggen und übermitteln), möchte ich gar nicht erst denken.
            Zugriff hätte man für Auswertungszwecke. Man versucht darüber hinwegzutäuschen, indem man nicht müde wird zu betonen, dass alle Mitarbeiter eine Sicherheitsprüfung durchlaufen hätten und die Schrifstücke ausschließlich in gesicherten Behältnissen transportiert würden. Das ist aber nicht der Punkt.

          2. In der ZDF „Heute Show“ vom 6.4.2018 ab Minute 17 ist der Gegenstand satirisch thematisiert.

            https://www.zdf.de/comedy/heute-show/heute-show-vom-6-april-2018-100.html

            Ab Minute 21 gehts dann auch um die Post mit dem anschließenden Hinweis, man könne unter folgender eMail-Adresse der Datensammelei „formlos widersprechen“:

            datenschutz@postdirekt.de

            Schließlich geht’s in der Sendung auch noch um die neuen Möglichkeiten der bayrischen Polizei…

    2. Tja, Du bist halt nur [Kommentar-Dude] und kein Medium, das von Reichweite lebt. Es gibt sicher schlimmeres, als NP-Beiträge, die bei Facebook geteilt werden. Immerhin ist die Plattform dann nicht nur voller Katzenbilder und Pegida-Hasspostings.

      Aber was antworte ich. Leute die Begriffe wie „Fratzenbuch“ benutzen, verschließen sich ja schon von vornherein einer ernsthaften Debatte.

      1. Damit würdest du auch zustimmen, dass ein Flugzeug abgeschossen werden darf wenn man vermuten kann, dass ein Terrorist es gekapert hat?

        Auch wenn ich verstehe dass Medien, Bands und andere öffentliche Institutionen FB benutzen (müssen) um ihre Nachrichten zu verbreiten, ist genau das einer der Gründe warum es so viele Menschen _immer noch_ nutzen.

        Wenn von Anfang an Leute diese Spionage-Apps boykottiert hätten, wäre der Andrang gar nicht erst so groß geworden. Das ist eine der schlimmsten soziologischen Beobachtungen unserer „Menschenherde“ – opportunes Mitläufertum (hat im 3. Reich schon funktioniert).

        1. > hat im 3. Reich schon funktioniert
          Hallo Godwin,

          > Wenn von Anfang an Leute diese Spionage-Apps boykottiert hätten, wäre der Andrang gar nicht erst so groß geworden.
          Das ist doch eine Binse. Und auch Quatsch, weil auch FB klein angefangen hat und die gesellschaftliche Rolle ja nicht von Anfang an erkennbar. Genausowenig wie der Trend zur Datenhortung im www. Zudem hat FB geschickt die Eitelkeit vieler Menschen bedient, Wirkungsweisen wie den Gruppenzwang ausgenutzt. Erst als es um die Monetarisierung ging, fing die Plattform an richtig zu müffeln.

          > Auch wenn ich verstehe dass Medien, Bands und andere öffentliche Institutionen FB benutzen (müssen) um ihre Nachrichten zu verbreiten, ist genau das einer der Gründe warum es so viele Menschen _immer noch_ nutzen.
          Jein. Diesen Vorwurf kannst Du allen größeren Playern im Netz machen. Jede Online-Zeitung, Google, Twitter, Webmailer mit angeschlossenem „Webportal“ – alle versuchen Besucher möglichst lange auf Ihrer Plattform zu halten. Bei FB heißt das Stream, bei Zeitschriften wirst Du mit Videoteasern, Klickstrecken und „Neuigkeiten auf der Startseite“ bei Laune gehalten, woanders gibts Klickbait und Promiklatsch, selbst die Google-Suche präsentiert „Textschnipsel“ von Newsmeldungen (hallo LSR!) und Youtube.. naja, wir alle kennen die nichtendenwollenden Youtube-Abende, wo man sich am Ende fragt, wie man zu diesen Videos gelangt ist.
          Es ist nicht so leicht, sich der Wirkung von Medien zu entziehen, das gilt für tagesaktuelle Nachrichten, für Unteraltung, für Gossip. Erst recht für Push-Nachrichten auf mobile Endgeräte und noch mehr für Generationen, die mit dem www aufgewachsen sind.

          Eine Verweigerung von Plattformen und Technologien bedeutet heute immer noch den eigenen Ausschluss aus bestimmten Gesellschaftsschichten (mit all seinen Folgen). Das Ziel muss also nicht Boykott sein, sondern zuerst die persönliche, charakterliche Festigung, „Digitalbewusstsein“ und ja, auch die Stärkung von „Offline“-Lebensbereichen. Wie das in Zeiten, wo das neueste Digitalgadget und der schnellste Mobilfunkvertrag zum wichtigsten Statussymbol avanciert ist, zu meistern ist, dürfte einiges Gehirnschmalz erfordern. Ich persönlich wäre ja aus diversen Gründen für eine weitreichende Reglementierung der Werbewirtschaft auf allen Ausspielwegen.

          1. Ach ja, offene, fair und ethisch handelnde Plattformen wären natürlich auch ein wichtiges Ziel. Die müssen attraktiv sein (also vieles können, was andere auch können), inklusiv (also niemanden ausschließen), vielleicht auch finanziell gefördert (damit die Finanzierungsfrage keine seltsamen Blüten treibt), gleichzeitig aber politisch unabhängig und vertrauenswürdig.

        2. Ich glaube es geht eher darum, die verlorenen Schafe aus ihren Filterblasen zu ziehen. Damit meine ich Personen, die gar nicht anders zu erreichen sind. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn man gleichzeitig eine Alternative offerieren könnte, diese existiert aber (noch) nicht.

          Schafe sind Herdentiere: Überzeugen sie die Leitschafe und die Masse wird folgen. NP hat auf FB sicher nicht die Reichweite, um durch ein Boykott Wirkung zu entfalten.
          Die Tagesschau hingegen schon. Hier hätte ich den Verantwortlichen mehr Eier in der Hose gewünscht. Aber an der Social-Media-Präsenz hängen eben auch viele Arbeitsplätze inzwischen. Man muss die „Entwöhnung“ langfristig angehen. Eine neue Weide zu schaffen braucht Zeit.

  3. 87Millionen Nutzer sind die Spitze des Eisberges .Die Übersetzung hierfür lautet, fast aunahmslos jeder war bei Facebook Freiwild für Datenjäger,wohl dem, der noch nicht bei Facebook ist.
    Mit der Salamitaktik wird der Benutzer abgelenkt und sediert,das ist die übliche Vorgehensweise ,wenn jemand „leicht“ über die Stränge geschlagen hat.
    Datenschutz als Schulfach wäre die Pflicht der Schulen bzw. Ministerien.

  4. @NK

    Den Begriff Fratzenbuch verwende ich nie.

    Unsere Reichweite ist durchaus ganz passabel. Auf Klicks von Hackfressenbuch-Biozombies können wir aber gerne verzichten.

    Wenn da Links von den vielfach sehr guten Publikationen von Netzpolitik gestreut werden, und deren Reichweite damit erhöht wird, ist das natürlich erfreulich, bloss opfern all diese Leute, die in diesem Gated-Community-Überwachungsinstrument teilnehmen freiwillig ihre Privatsphäre, und was noch schlimmer ist, diejenige ihrer Freunde und Familie!

    Deshalb ist für mich – und inzwischen auch viele andere Seitenbetreiber (siehe Linkliste im obigen Link von mir) – glasklar, dass es nur noch den Boykott gibt.

    MfG

  5. Scheinbar regt das eher die Menschen auf, die evtl. unterbewusst glauben sie könnten in ihrer Wahlentscheidung beeinflusst werden 0_o.
    Denn zugeben bzw. sich das eingestehen würden die das auch nicht.
    Denn damit wäre man ja beeinflussbar, dumm, ohne eigene Meinung etc..

    Und die Medien skandalisieren, weil sie nicht mehr alleine Einfluss nehmen…
    Kurzer Einwurf: Die Hetze der WDR-Moderatorin gegen Google Street View 3D (nach dem Motto „wir haben es schon damals mit der Perpixelung geschafft, das schaffen wir auch jetzt bei den 3D-Modellen, widerwärtig und moralisch verkommen…).

    Ich würde mir wünschen Facebook böte die Möglichkeit sehr detaillierte Fragebögen zu Interessen, Psychofragen etc. auszufüllen.
    Cambridge Analytics darf da gerne beteiligt sein.
    FB darf mir dafür danach die Möglichkeit bieten andere Menschen mit gleichen Interesse zu finden.
    Klar, „Partnersuche“ ist eine Anwendungsmöglichkeit, für die Meisten evtl. DIE. Aber Ich denke einfach auch an Menschen mit gleichen Interessen etc., auch für einmalige konkrete Aktivitäten, Projekte etc..

    Nun soll FB für Datenweitergabe Opt-In einbauen. Und die Medien fragen dann schoN „wer würde das machen“.
    Aber darf so eine Webseite dann nicht einfach ein Feld anbieten „wenn du den Dienst weiter nutzen willst, stimme der Datenweitergabe zu“? Das ist dann NICHTS anderes als jetzt, außer dass dies nicht mehr nur in den AGB steht die man akzeptieren muss, sondern noch mal gesondert dort heraus gehoben.
    Kann man Facebook oder anderen Seiten etwa vorschreiben dass die jedem den Dienst ohne Einschränkungen oder überhaupt bereit stellen müssen?!?
    Ich meine nein.
    Also könnten sie ganz frech die komplette Weiternutzung mit der Zustimmung per Haken setzen und bestätigen verbinden.
    Ich meine nicht dass das gegen das neue EU-Recht verstoßen würde…
    Eine „Lite“-Version ohne Zustimmung wäre noch denkbar. Nur Lesen, aber nicht schreiben, keine Likes etc..

  6. @Sammy

    „aber google Elemente in die HP einbauen?“

    Du meinst den Translator? Auf alles andere habe ich keinen Einfluss, das liegt an wp.com.
    Ich empfehle hier https://dudeweblog.wordpress.com/links/ allen noscript und weitere Sicherheitstools, und mit dem Translator geht es mir nur darum, dass unser Content auch des Deutschen nicht mächtigen Leuten zugänglich wird.

    Allerdings bekam ich schon mal Kritik wegen diesem Google-Translator. Wenn Du etwas präsziser wirst, kannst Du mich evtl. überzeugen, das Widget wieder rauszunehmen.

    MfG

  7. #deletefacebook ist immer noch ein Thema – auch für Netzpolitik.
    @Netzpolitik: Seit mutiger und undogmatisch und wechselt den Anbieter. Vor ein paar Monaten seit Ihr ja schon z.b. bei Mastodon gewesen – weiter so!
    Gerne noch mal, es ist glaubwürdiger, wenn Ihr Facebook meidet. Ich finde, Ihr solltet Eure soziale Medien Strategie ändern!

  8. Mich wundert, was auf einmal der Skandal sein soll: die Suche auf FB mit Mailadressen oder Telefonnummern. Es geht immerhin um „öffentlich“ gestellte Profile – und öffentlich heißt doch eigentlich: findbar.
    Mit der Google-Suche finde ich auch Telefonnummern, die „öffentlich“ im Web stehen – da scheint das kein Thema zu sein (zu Recht, wie ich finde).
    Was also ist der Unterschied? Kann das mal jemand erklären?

    1. Der Unterschied ist, dass diese Daten eben nicht öffentlich in Facebook stehen. Sondern „nur“ im Rahmen des Anmeldeprozesses erhoben werden. Es handelt sich also um eine Datenfreilegung ohne Zustimmung.

  9. Also ist Facebook das UBOOT für die Schlafschafe, die jetzt danach schreien Ihre Datenhoheit zurück zu bekommen. Auf in die Neue Datensklaverei….

    Der 3 Punkte Plan:

    1. Rükgabe der Daten Souveränität an die Nutzer…

    2. Aufbau einer Neuen Daten kontrollierten Diktatur:

    Bsp.:

    a.: Sie wollen das Land verlassen?

    nur wenn Sie Ihre Daten „freiwillig“ freigeben, dürfen Sie das.

    b.: Sie wollen ein Bankkonto eröffnen?

    Klar… geben Sie bitte Ihre Daten frei…

    c.. Sie wollen arbeiten?.B.
    Gerne… Im Gegenzug wollen wir nur Ihre Daten

    Natürlich bieten wir Ihnen zu allen oben genannten Optionen, die Möglichkeit auch OHNE Datenfreigabe zu Reisen, Bankkonten zu eröffnen, zu Arbeiten… Allerdings werden Ihre Rechte dabei massiv eingeschränkt…

    3. Es gibt keine Möglichkeit mehr am Öffentlichen Leben teilzunehmen ohne Deine Daten vollständig offen zu legen…

    Aber Ihr wolltet doch die TOTALE Daten Souveränität… JETZT habt Ihr Sie…

    So in etwa wird es kommen…

    New (Nazi) World Order… We Analyse YOU…

    Minority Report for the DUMB….

    MFG

    Marcus

  10. Datenhandel mit persönlichen Daten ist das Facebook+Konsorten Geschäftsmodell.Punkt.
    „Soziale Medien“ und Privatsphäre vertragen sich nicht.

    Dieses kleine ABC sollte man auf dem Schirm haben,sonst gibt es böse Erwachen.

  11. Im Presseclub heute kamen gerade die Vorschläge:
    1. „why-me“-Knopf unter allen an mich gerichteten Nachrichten auf FB zur Abfrage aus welchem Input mit welchen Algorhythmen die Nachricht den Weg zur mir gefunden hat (Input+Algorhytmen-Transparenz);
    2. aus 10% der GEZ-Gebühren ‚mal eine ernsthafte Alternative zu FB aufbauen;
    3. FB so lange die Lizenz eintziehen, bis dort nachweisbar (!) die EU-Datenschutzgrundverordnung / zukünftig ePrivacy / nationale Datenschutzgesetze eingehalten werden;
    4. Digitalkompetenz in zwei Hinsichten: Nutzern beibringen, wie sie Datenmissbrauch verhindern können (Technik) und
    journalistische Prüfung ( zweite Quelle aus anderer Gruppe suchen, etc. ).

    Was leider nicht kam war:
    5. Whistleblowerschutz. Ohne Christopher Wylie gäbe es die ganze Diskussion nicht.

    1. P.S. zur Digitalkompetenz:
      hat jemand schon herausgefunden aus welchen Input-Daten und mit welchen verarbeitenden Algorhythmen die Post-direkt (nur Input-Daten?) und die Parteien (Algorhythmen?) für ein Quartier ermitteln, welche Partei-Wähler-Wahrscheinlichkeit dort zu erwarten sei?
      Das „predective“ (Vorurteil, statistisch errechnet) wird mir immer unheimlicher.

      1. Algorithmen, Art und Herkunft Daten dürften ein gut behütetes Geschäftsgeheimnis sein. Siehe Schufa. Wir müssen auf einen Whistleblower hoffen.

        Vielleicht wurden auch Fragebögen an die Postboten verteilt? :D

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