Überwachung

Geheimes Projekt „ABSINTH“: Der BND arbeitet an einer erheblichen Erweiterung seiner Satelliten-Überwachung (Update)

Der BND investiert viele Millionen Euro, um seine Massen-Überwachung von Satelliten-Kommunikation auszubauen. Das geht aus geheimen Dokumenten hervor, die wir veröffentlichen. Im Schleppnetz der Erfassung landen auch Journalisten und Hilfsorganisationen. Diese befürchten Gefahren für Leib und Leben.

Satelliten-Abhör-Anlage des BND in Schöningen, Niedersachsen.
Bild: Christine und Hagen Graf. Lizenz: Creative Commons BY 2.0.

Auf hoher See, im Flugzeug-Cockpit, in Krisengebieten, entlegenen Gegenden oder nach Naturkatastrophen: In vielen Situationen gibt es keinen herkömmlichen Mobilfunk-Empfang. Um trotzdem kommunizieren zu können, greift man dann zu Satelliten-Telefonen. Diese funktionieren ähnlich wie andere Mobiltelefone, senden und empfangen aber über Satelliten statt Funkmasten.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Der deutsche Auslandsgeheimdienst baut jetzt seine Überwachung dieser Satelliten-Kommunikation aus. Für „eine erhebliche Erweiterung der Erfassung“ gibt der BND sechs Millionen Euro aus, den Großteil davon in diesem Jahr. Die Spione haben mehrere Mobilfunk-Anbieter im Visier, darunter auch die Anbieter Inmarsat und Thuraya.

Satelliten-Überwachung als Geheimdienst-Kerngeschäft

Astronaut nach der Landung in Kasachstan nutzt Satelliten-Telefon. Hört der BND mit?
Bild: NASA. Lizenz: Creative Commons BY-NC-ND 2.0.

Schon lange wird die weltweite Satelliten-Kommunikation von unterschiedlichen Geheimdiensten überwacht. Bereits 2001 belegte das Europäische Parlament „die Existenz eines globalen Abhörsystems für private und wirtschaftliche Kommunikation“ mit dem Namen Echelon. Mit der Ausbreitung des Internets hat sich die geheimdienstliche „Fernmeldeaufklärung“ (SIGINT) auf die Überwachung von Glasfasern und Netz-Knoten verlagert – ohne jedoch klassische Telefon- und Satelliten-Kommunikation aus den Augen zu verlieren.

Der BND schreibt sogar auf seiner Webseite:

Der Bundesnachrichtendienst hat zum Beispiel eine Reihe von Außenstellen in Deutschland, in denen Satelliten-Kommunikation erfasst wird.

Mehr als das will der Geheimdienst aber nicht öffentlich sagen. In einem geheimen BND-Papier, das uns vorliegt, stehen genauere Informationen, wo welche Anbieter abgehört werden:

In Schöningen werden hauptsächlich Verkehre mobiler Satelliten-Kommunikationsdienste wie z.B. Thuraya erfasst, die verstärkt in Krisenregionen genutzt werden.

In Rheinhausen werden hauptsächlich ausländische Satelliten-Strecken erfasst, mit dem Schwerpunkt regional eingegrenzter Ausstrahlungen in die Regionen entsprechend dem Aufklärungsauftrag des BND.

220 Millionen Metadaten pro Tag

Satellitentelefone von Inmarsat, Iridium und Thuraya.
Bild: Klaus Därr. Lizenz: Creative Commons BY-SA 3.0.

Diese Überwachung des BND beschränkt sich nicht auf Terroristen, sondern passiert massenhaft. Schon im Jahr 2006, also vor über zehn Jahren, sammelte der BND allein in Schöningen eine halbe Millionen Kommunikations-Inhalte aus Satelliten-Funk – jeden Tag. Das geht aus einem Snowden-Dokument hervor, das der Spiegel vor zwei Jahren veröffentlicht hat:

Die Mitarbeiter in Schöningen konzentrieren sich auf die Entwicklung und Produktion von Stimm- und Faxverkehr aus Thuraya, Inmarsat und GSM. Schöningen sammelt pro Tag über 400.000 Thuraya-Mitschnitte, 14.000 Inmarsat-Mitschnitte und 6.000 GSM-Mitschnitte von sowohl dem [geschwärzt] Netzwerk. E-Mails werden an diesem Standort ebenfalls abgefangen, durchschnittlich 62.000 am Tag.

Hans-Christian Ströbele, dienstältestes Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums, kommentiert gegenüber netzpolitik.org:

Bei den Zahlen aus Snowdens Dokumenten wird es nicht geblieben sein. Wenn die Erfassung ausgebaut ist, muss es ja wohl mehr sein.

Und das sind nur Inhalts-Daten: Metadaten speichert der BND 220 Millionen – jeden Tag.

Wie massiv die Überwachung ist, berichtete Stefan Braun in der Süddeutschen:

Dahinter steht die Praxis des BND, in Krisenregionen wie Afghanistan oder Nordafrika jegliche Kommunikation aufzuzeichnen, die er abfängt.

Diese Daten gibt der BND auch an die NSA, wofür sich diese bei einem Besuch bedankte:

Auch die NSA profitiert von dieser Sammlung, insbesondere von den Thuraya-Erhebungen aus [geschwärzt], die der BND täglich aktualisiert zur Verfügung stellt.

Genutzt von Piloten, Journalisten und Hilfsorganisationen

EU-Wahlbeobachter in Mosambik nutzt Satelliten-Telefon. Hört der BND mit?
Bild: Erik Cleves Kristensen. Lizenz: Creative Commons BY 2.0.

Thuraya und Inmarsat sind zwei der kommerziellen Anbieter von Satelliten-Kommunikation. Thuraya hat seinen Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten und deckt mit drei Satelliten vor allem Europa, Nordafrika und Asien ab. Im Jahr 2008 brachte Thuraya seinen dritten Satelliten in die Erdumlaufbahn, mit Ausrichtung auf Asien-Pazifik und neuer Technik. Schon als Reaktion darauf investierte der BND sechs Millionen Euro für das Projekt „Paketorientierter Ausbau und Neue Dienste in der Thuraya-Erfassung“, das 2015 vollendet wurde.

Inmarsat hingegen steht für „Internationale Seefunksatelliten-Organisation“ und wurde ursprünglich von den Vereinten Nationen gegründet, um Seenot- und Sicherheitsfunk für die Schifffahrt zu verbessern. Laut internationalem Abkommen wird die Organisation „nur für friedliche Zwecke tätig“. Seit 1999 ist Inmarsat ein britisches Unternehmen und wird nicht mehr nur von Handelsschiffen eingesetzt, sondern auch von „Regierungen, Fluggesellschaften, Rundfunk, Öl- und Gasindustrie, Bergbau, Baugewerbe und humanitären Hilfsorganisationen“.

Inmarsat betreibt derzeit zwölf Satelliten, die einen Großteil der Erde abdecken. Schon seit Mitte der Neunziger Jahre laufen die Satelliten der dritten Generation, seit 2005 werden sie von der vierten und seit 2013 von der fünften Generation ersetzt. Um auch auch diese aktuellen Systeme abhören zu können, erneuert der BND seine Inmarsat-Technik mit dem Projekt „Ausbau bestehender Systeme Inmarsat an neue technische Herausforderungen“ (ABSINTH).

Projekt ABSINTH: Überwachung erheblich erweitern

Zentrale des Satellitenfunk-Anbieters Inmarsat in London.
Bild: Matt Biddulph. Lizenz: Creative Commons BY-SA 2.0.

Das steht im „geheim“ eingestuften Haushaltsposten für das neue Projekt „ABSINTH“, den wir an dieser Stelle in Volltext veröffentlichen. Darin heißt es:

Um [einem Rückgang der Meldungen] entgegenzutreten, sollen mit dem Vorhaben ABSINTH die nachrichtendienstlich relevanten Dienste der neuen Satelliten-Generation verfügbar gemacht werden. Dies umfasst neue Dienste im Bereich der etablierten und sicheren L-Band-Kommunikation sowie neue breitbandige Dienste über das Ka-Band.

Dem Dokument zufolge will der BND seine Überwachungs-Kapazitäten nicht nur „aufrechterhalten“, sondern plant sogar „eine erhebliche Erweiterung“. Über die neuen Inmarsat-Satelliten werden nämlich nicht mehr nur einfache Dienste wie Sprachtelefonie und SMS geführt, sondern auch Internet-Kommunikation mit IP-Telefonie und E-Mail. Die will der BND auch abhören und erwartet „eine Synergie in der Internet-Erfassung“ – sobald man Internet-Verkehr lesen kann, ist es egal, ob der ursprünglich über Satellit oder Glasfaser übermittelt wurde.

Dazu passt, dass der BND auch hier das berühmt-berüchtigte NSA-Spionage-Tool XKeyscore einsetzt. Das geht aus einem anderen geheimen BND-Dokument hervor, das uns vorliegt:

Auf Grundlage des erfolgreichen Einsatzes in Bad Aibling und in Folge erfolgreicher Testläufe wird XKeyscore seit 2013 auch in den Dienststellen des BND in Schöningen und Rheinhausen für die Funktion „Analyse von Satelliten-Strecken“ und „Suche nach nachrichtendienstlich relevanten Teilnehmern“ in der Satelliten-Aufklärung eingesetzt.

Laut Prüfbericht der Bundesdatenschutzbeauftragten setzt der BND XKeyscore illegal ein und erfasst damit „auch eine Vielzahl personenbezogener Daten unbescholtener Personen“.

Projekte ZERBERUS und VISTA: Weitere 20 Millionen

Journalist in Turkmenistan nutzt Satelliten-Uplink. Liest der BND mit?
Bild: Veni Markovski. Lizenz: Creative Commons BY 2.0.

Den Ausbau der Überwachungs-Kapazitäten treibt der BND auch in zwei weiteren Projekten voran: ZERBERUS und VISTA. Zerberus steht hier nicht für den Höllenhund der griechischen Mythologie, sondern für die „Zukunftsfähige Erweiterung bestehender Erfassungstechnologien und -systeme“. Für 9,5 Millionen Euro will der Geheimdienst bestehende Abhör-Fähigkeiten ausbauen und neue schaffen. Noch in diesem Jahr soll das Projekt abgeschlossen werden.

Dabei geht es nicht nur um Satelliten, sondern auch um Glasfaser-Kabel: Der BND arbeitet an einer „Erweiterung von G-10-Kabelerfassung (Inland) und regionaler Kabelerfassung (Ausland)“.

Weitere 11,5 Millionen Euro investiert der BND in die „Verbesserung der Informationsverarbeitungs- und Selektionsfähigkeit der Technischen Aufklärung“ VISTA. Damit will der Geheimdienst „Massendaten selektieren und verarbeiten“. Besonderes Augenmerk richten die Spione dabei auf Metadaten:

Zusätzlich soll eine Metadatenanalyse paketvermittelter Kommunikation zur Gewinnung geeigneter Filterungsmechanismen durch Analyse von Parametern (z. B. Uhrzeit, Dienst, IP-Adressen, Browser-Einstellungen oder Kontaktlisten sozialer Netzwerke) aufgebaut werden.

Das geht Hand in Hand mit der 300 Millionen teuren „Strategischen Initiative Technik“, mit der der BND seine Internet-Überwachung massiv ausbaut.

Erstmals drei eigene Spionage-Satelliten für den BND

Neben der Überwachung von Telekommunikation, die von Satelliten übertragen wird, nutzt der BND auch Spionage-Satelliten, um hochauflösende Bilder der Erdoberfläche zu erhalten – Fachbegriff Imagery Intelligence (IMINT). Im November berichtete der Rechercheverbund NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung, dass der BND erstmals eigene Spionage-Satelliten bekommt. Nach unseren Informationen handelt es sich dabei um mindestens drei Stück.

Journalist: „Überwachung kann lebensgefährlich sein“

Medienaktivisten im syrischen Idlib streamen eine Demonstration per Satelliten-Uplink.
Hört der BND auch den deutschen Journalist ab, der das Foto schießt?
Bild: Timo Vogt. Lizenz: Alle Rechte vorbehalten.

Klassische Nutzer von Satelliten-Telefonen sind Kriegsberichterstatter. Im Zuge unserer Recherchen haben wir mit einer Reihe an Journalisten gesprochen, die aus Krisengebieten berichten und dabei Telefone von Thuraya und Inmarsat dabei haben, um im Notfall kommunizieren zu können.

Einer davon ist der Journalist Timo Vogt, der unter anderem über die Kriege in Afghanistan, Syrien und der Ukraine berichtet hat. Dafür recherchiert er zwangsläufig über radikale Islamisten und nationalistische Kämpfer. Das bringt ihn in den Fokus des BND. Gegenüber netzpolitik.org kommentiert er:

Es ist mir völlig bewusst, dass meine journalistischen Aktivitäten zu sensiblen Themen ausgespäht werden. Oft frage ich mich, ob ich meine Recherchen hinbekomme, ohne Spuren zu hinterlassen, die mich scheinbar verdächtig machen. Das ist eine Schere im Kopf – ein unhaltbarer Zustand für Journalisten.

Doch es geht nicht nur um mich: noch gefährlicher ist es für die Protagonisten meiner Reportagen, Gesprächspartner und Helfer. Auch sie geraten in den Fokus der Geheimdienste, die Informationen untereinander austauschen. Das vergrault nicht nur potentielle Informanten, sondern kann auch lebensgefährlich für meine lokalen Mitarbeiter werden.

Seenotretter: „Überwachung könnte zu Toten führen“

Lebensretter auf dem Mittelmeer mit Satelliten-Anlagen. Hört der BND mit?
Bild: Fabian Melber. Lizenz: Alle Rechte vorbehalten.

Die Organisation Sea-Watch rettet im Mittelmeer schiffbrüchige Flüchtende. Dafür nutzen sie auch Satelliten-Telefone von Thuraya und Immarsat. Weil der Verein und die Freiwilligen von politischen Gegnern potentiell als „Schleuser“ verleumdet werden könnten, darf der BND sie abhören – auch wenn es deutsche Staatsbürger sind. Damit sind Retter und Flüchtende unmittelbar betroffen von dieser neuen BND-Überwachung.

Ruben Neugebauer, Sprecher von Sea-Watch, kommentiert gegenüber netzpolitik.org:

Inmarsat Satellitensysteme werden von vielen Schiffen der zivilen Rettungsflotte eingesetzt. Dass der BND diese nun überwachen möchte, ist für uns extrem beunruhigend. Wir befürchten eine Kriminalisierung der Seenotretter. Die Rettungsleitstelle kann schon jetzt auf Positionsdaten von Satellitentelefonen zugreifen, um nötigenfalls eine Rettung einzuleiten – der Geheimdienst wird hier nicht gebraucht. Im Gegenteil: Die Überwachung könnte sogar zu Toten führen, wenn Flüchtende aus Angst vor Überwachung einen Notruf nicht oder erst zu spät absetzen.

Kein Kommentar von BND und Inmarsat

Der BND wollte unsere Fragen leider nicht beantworten:

Zu operativen Aspekten seiner Arbeit berichtet der BND grundsätzlich nur der Bundesregierung und den zuständigen Gremien des Deutschen Bundestages.

Auch der britische Satellitenfunk-Betreiber Inmarsat sowie Politiker von Union, SPD und Linkspartei haben auf unsere Anfrage nicht reagiert.

Linke: „Anordnungen des Kanzleramtes über ganze Netze“

Update: Martina Renner, Obfrau der Linken im Geheimndienst-Untersuchungsausschuss, kommentiert gegenüber netzpolitik.org:

Der BND verwandelt nun die Vorlage, die die Koalition mit dem BND-Gesetz geliefert hat. Leidtragende dieses massiven Eingriffs werden insbesondere Journalisten, Diplomaten und internationale NGOs sein.

Da Anordnungen des Kanzleramtes zur Auslandsaufklärung sich künftig auf ganze Netze wie bspw. Thuraya oder Inmarsat erstrecken könnten, ist es naheliegend, wenn die Fähigkeiten auch in diesem Bereich erheblich ausgebaut werden sollen. Dies wird vermutlich insbesondere zu Lasten derer gehen, die in ihrer Arbeit auf Satellitenkommunikation angewiesen sind.

Hier das Dokument in Volltext:


Projekt ABSINTH: Ausbau bestehender Systeme Inmarsat an neue technische Herausforderungen

Gesamtausgaben des Bundes Verausgabt bis 2015 Bewilligt 2016 Ausgabereste 2016 Veranschlagt 2017 Vorbehalten für 2018 ff.
6.000.000 356.000 1.600.000 829.000 2.100.000 1.115.000

Ziel des Projekts

Mit dem Vorhaben soll dem anstehenden Update der Inmarsat-Satellitentechnologie gefolgt werden. Bestehende Erfassungsfähigkeiten sollen aufrechterhalten und neue nachrichtendienstlich relevante Kommunikationsverkehre erschlossen werden.

Beschreibung

Durch ein zurzeit beginnendes Technologie-Update werden etablierte Inmarsat-Dienste und die hierfür verwendeten Satelliten der dritten Generation in den nächsten Jahren abgeschaltet und gleichzeitig neue kompensierende Dienste auf den Satelliten der vierten und fünften Generation gestartet. Da über die Hälfte der derzeitig erfassten nachrichtendienstlich relevanten Inmarsat-Meldungen aus den abgekündigten Diensten hervorgehen, ist mit einem erheblichen Rückgang der nachrichtendienstlich relevanten Meldungen zu rechnen.

Um diesem entgegenzutreten, sollen mit dem Vorhaben ABSINTH die nachrichtendienstlich relevanten Dienste der neuen Satelliten-Generation verfügbar gemacht werden. Dies umfasst neue Dienste im Bereich der etablierten und sicheren L-Band Kommunikation sowie neue breitbandige Dienste über das Ka-Band.

Der BND erwartet mit ABSINTH aber nicht nur eine geeignete Gegenmaßnahme zu zurückgehenden Meldungen, sondern eine erhebliche Erweiterung der Erfassung und Meldungserstellung durch die zu erwartende Verwendung standardisierter Internet-Dienste wie VoIP und E-Mail. Es ist eine Synergie in der Internet-Erfassung zu erwarten, da Entwicklungsleistungen aus Satelliten- sowie Kabelansätzen beidseitig verwendet werden können.


Projekt ZERBERUS: Zukunftsfähige Erweiterung bestehender Erfassungstechnologien und -systeme

Gesamtausgaben des Bundes Verausgabt bis 2015 Bewilligt 2016 Ausgabereste 2016 Veranschlagt 2017 Vorbehalten für 2018 ff.
9.500.000 7.075.000 1.750.000 675.000

Ziel des Projekts

Ziel des Vorhabens ist es, neue Fähigkeiten in der Satellitenaufklärung zu schaffen und bestehende Fähigkeiten der Satelliten-, Kabel und Kurzwellenaufklärung auf dem Stand der Technik zu halten und bedarfsgerecht auszubauen, um angesichts des schnellen technologischen Fortschritts auch künftig in moderne Telekommunikationssysteme eindringen zu können.

Beschreibung

Die Satelliten-, Kabel und Kurzwellenerfassung der Abteilung Technische Aufklärung ist eine wesentliche Erkenntnisquelle das BND. Diese vitalen Erfassungsanlagen der Abteilung müssen in ihrer Gänze kontinuierlich an technische Neuerungen angepasst werden, um weiterhin erfolgreich eingesetzt werden zu können.

Wesentlich für die Zukunftsfähigkeit der bestehenden Erfassungsansätze sind dabei:

  • die Anpassung und Erweiterung der Inhaltserfassungssysteme und Zugangstechniken,
  • die Erweiterung von G-10-Kabelerfassung (Inland) und regionaler Kabelerfassung (Ausland),
  • die Implementierung moderner Modulations- und Dekompressionstechnik für die Satellitenerfassung und damit die Sicherung der Eindringfähigkeit in moderne Satellitensignale
  • der weitere Ausbau der Komponenten zur Metadatenerfassung, sowohl für Internet- als auch klassische leitungsvermittelte Verkehre.

Zusätzlich sind erkannte Fähigkeitslücken zu schließen:

Im Bereich der VSAT-Aufklärung können gegenwärtig VSAT-Übertragungen (Satellitenkommunikationsanlagen, die alle gängigen Kommunikationsmöglichkeiten unabhängig von örtlicher Infrastruktur bieten) durch die Technische Aufklärung teilweise erkannt und mit Laborsystemen punktuell inhaltlich erfasst werden. Da die daraus gewonnenen Meldungen überwiegend sehr gute Bewertungen erzielen, ist die Erstellung eines VSAT-Produktionssystems geplant, um angesichts des schnell wachsenden VSAT-Marktes die für den BND interessanten Netze systematisch aufklären zu können.

Die Bedeutung der Analysefähigkeit für das Eindringen in Telekommunikationssysteme nimmt aufgrund der immer komplexeren Signalübertragungstechnik unterschiedlicher Systemhersteller, der Dynamik in der Verkehrswegeführung und der wachsenden Menge weltweiter Kommunikation und neuer Dienste weiter zu. Um die Vielzahl unbekannter Signale in effizienter Weise auf deren nachrichtendienstliche Relevanz überprüfen zu können, müssen bestehende und neuartige Analysemodule in einem weitgehend zu automatisierenden Analysesystem integriert werden.

Daneben werden zahlreiche passgenaue Einzelmaßnahmen für die Nachrichtengewinnung durchgeführt, z. B. erhält die Kurzwellenaufklärung erstmals einen ferngesteuerten Erfassungskopf in einer Krisenregion.

Mit dem zeitgleich geplanten Vorhaben VISTA sollen die Fähigkeiten für die Abteilung Technische Aufklärung geschaffen werden, Massendaten zu selektieren und zu verarbeiten. Das Vorhaben ZERBERUS setzt davor an und ermöglicht es, diese Daten auch zukünftig zu erheben und den „VISTA-Systemen“ zur weiteren Verarbeitung aufzubereiten. Insoweit gehen beide Vorhaben „Hand in Hand“.


Projekt VISTA: Verbesserung der Informationsverarbeitungs- und Selektionsfähigkeit der Technischen Aufklärung

Gesamtausgaben des Bundes Verausgabt bis 2015 Bewilligt 2016 Ausgabereste 2016 Veranschlagt 2017 Vorbehalten für 2018 ff.
11.500.000 7.038.000 2.250.000 135.000 1.600.000 477.000

Ziel des Projekts

Das Vorhaben hat das Ziel, aus den erfassbaren Kommunikationsverkehren nur die nachrichtendienstlich relevanten Daten in den Bearbeitungsprozess einzusteuern. Gleichzeitig werden bestehende Fähigkeiten im Bereich des Wissensmanagements ausgebaut.

Beschreibung

Die Telekommunikation entwickelt sich mit hoher Geschwindigkeit zu einer immer größer werdenden Vielfalt an paketvermittelten Diensten (z. B. E-Mail, Instant Messenger, Soziale Netzwerke), mit der Zahl der Dienste und der wachsenden Mobilität der Nutzer und Endgeräte explodieren auch die Datenmengen. Zudem unterliegt die weltweite Telekommunikation immer kürzeren Entwicklungszyklen. In schneller Folge werden Übertragungsverfahren und Kommunikationsdienste an die neuesten Möglichkeiten der Technik angepasst. Wegbereiter ist insbesondere die paketvermittelte Kommunikation, welche die klassischen leitungsvermittelten Verbindungen herkömmlicher Kommunikationssysteme ablöst und alle Dienste (z. B. E-Mail, Chat, VoIP, SMS, Fax) nutzbar macht, unabhängig davon, über welche Kommunikationsmedien (z. B. Satellit oder Kabel) die Übertragung erfolgt. Die notwendigen Bandbreiten zur sicheren und qualitativ hochwertigen Übertragung werden kontinuierlich ausgebaut.

Mit dem Projekt VISTA werden bestehende Fähigkeiten der automatisierten Inhaltserschließung und des Wissensmanagements ausgebaut. Gleichzeitig sollen neue Fähigkeiten der Analyse paketvermittelter Kommunikation geschaffen werden, mit dem Ziel, die Datenmengen auf ein Maß zu reduzieren, das mit dem vorhandenen Personalbestand bearbeitet werden kann, ohne wesentliche nachrichtendienstlich relevante Informationen zu verlieren.

Da gegenwärtig die Filterungsmechanismen insbesondere nicht auf die Anforderungen paketvermittelter Kommunikation ausgelegt sind, ist die Erstellung eines einheitlichen Filteradministrationssystems geplant, das über Schnittstellen zu den Erfassungssystemen verfügt und eine ausgewogene Reduktion der Daten möglichst nah an der Erfassung ermöglicht. Zusätzlich soll eine Metadatenanalyse paketvermittelter Kommunikation zur Gewinnung geeigneter Filterungsmechanismen durch Analyse von Parametern (z. B. Uhrzeit, Dienst, IP-Adressen, Browser-Einstellungen oder Kontaktlisten sozialer Netzwerke) aufgebaut werden.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
22 Kommentare
    1. Also meine Freunde beim Chinesischen Geheimdienst meinten, dass sie das alles schon längst wissen. Danke für deine patriotische Arbeit, sie war aber leider umsonst. Beim nächsten mal!

  1. Leider fehlt mir praktische Erfahrung im Umgang mit Satellitentelefonie/-kommunikation. Bei den hier vorgestellten Programmen bezieht sich ja ein erheblicher Anteil auf das Abgreifen von Metadaten. Gibt es Möglichkeiten, diese Daten einigermaßen zu schützen?
    Beispielsweise könnte ich mir vorstellen, dass bei paketvermittelter Kommunikation via Satellit die Verwendung von Tor o.Ä. vorteilhaft sein kann, obwohl schlechter (z.B. ggf. Standortleak, kleineres anonymity set) als bei direktem (Kupfer, Glas) Zugang zum Internet. Kommen die gängigen Tools (Tor Browser, Tails) mit der besonderen Hardware zu recht (besondere Treiber für Sat-Uplink Hardware?), oder hat solche Hardware eine simple Sat-eth-bridge und sieht von außen wie ein Router aus, sodass gar keine Anpassung erforderlich ist?
    Falls eine Organisation (Rundfunkanstalt, Verlag, Zeitung, Presseagentur, …) eine/n Journalisten/in in ein Gebiet entsendet, wo er/sie auf Satellitenkommunikation angewiesen ist, könnte die Organisation auch für temporäre Tor-Bridges sorgen (die dann natürlich nicht bei der Organisation gehostset sein dürfen, sondern irgendwo unauffällig; das Schema darf auch langfristig nicht erkennbar sein).
    Das würde natürlich nicht für VoIP o.Ä. helfen und es wäre wiedermal der Versuch einer technischen Lösung für ein politisches Problem, aber ggf. wäre es auch ein Anfang die Situation der Betroffenen zu verbessern — mit relativ geringem Zusatzaufwand.

    1. Es gibt auch Telefone mit Verschlüsselung, der Normale Nutzer telefoniert unverschlüsselt und wird abgehört, Firmen, Attentäter, Geheimdienstler und von der CIA ausgebildete Terroristen wie Taliban und IS telefonieren verschlüsselt, da hier Geld keine Rolle spielt!

      1. Soweit ich weiss, kannst du mit Signal auch verschlüsselt telefonieren. Habs noch nicht ausprobiert, aber den Datenverkehr verschlüsseln ist nicht mehr so schwer wie früher.
        Wenn man die Mixing-Services ausbauen würde, wären die Metadaten auch nicht so wild.
        Dann kann sich der BND seine 300 Mio. sonst wo hinschmieren.

        1. Die Telekom hatte mal einen Internettarif für 90 Mark, Internetflat mit Modem.
          Ich hatte zudem einen Funktelefontarif für das D1 Netz.
          Also habe ich mal etwas ausprobiert, Mobiltelefon + Headset + Akustikkoppler + 56k Modem = Internetflat für Unterwegs, hat wunderbar funktioniert, das 56k Modem hat mit dem Modemserver der Telekom 33.6 ausgehandelt.
          Das lustige an der Angelegenheit war, das die „Gesprächsminuten“ der Mobilfunkverbindung nicht gezählt wurden!
          Flatrate eben!

  2. Kann denn mal jemand anregen, dass ‚Reporter ohne Grenzen‘ bitte mitarbeiten soll bei den Verbesserungsvorschlägen, die dieser Potemkinsche Untersuchungsausschuss erarbeiten wird? Für irgendetwas muss die ganze Riesenarbeit im Zusammenhang mit diesem „Dorfrichter-Adam“-Ausschuss doch gut gewesen sein, => kann man denn wenigstens mal etwas Brauchbares für den Schutz der Journalisten erarbeiten?
    Und für den Quellenschutz !!! Vielleicht hat Hr. Flisek doch ein schlechtes Gewissen, weil er Edward Snowdens Zukunft zerstört hat, dann kann er jetzt mal Whistleblowerschutz erarbeiten, der diesen Namen verdient…

  3. @Andre
    Da bietet sich der Gag an das „ABSINTH“ Wahnvorstellungen,Schwindel,Blindheit,Halluzinationen,Geistiger Verfall ,in puncto Demokratieauffassung bewirkt.

  4. Der BND spioniert im Ausland -macht das, was praktisch alle Auslandsgeheimdienste so machen -über die Details kann man streiten.
    Dass der BND(=Bundesregierung) allerdings alle Leitungen auf deutschen Boden ausleiten und auswerten darf……………. WTF. Dafür gehören ALLE daran beteiligten in das Gefängnis.
    Mit Einziehung aller Vermögenswerte -das ist das Einzige, was solche Leute verstehen.

    1. Unsinn, wieso Gefängnis? Das Abhören hat 2 Konsequenzen:

      * Der dumme Michel wird schön unter Kontrolle gehalten
      * Die Sicherheitstechnik wird fortentwickelt. Ohne BND/NSA wäre https nicht so weit verbreitet

      Hoffentlich wird noch viel mehr abgehört, ich will ein Internet, das auf Tor basiert.

      1. I have a dream: Vermaschte Netze, gehärtetes Linux, und die totale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Hoffentlich ertrinkt der BND an den Daten.

  5. Das ist doch alles alter Schnee von gestern. Sie haben einfach noch mehr Spielzeug und das muss finanziert werden.

    Was allerdings sauer aufstösst ist die Tatsache, dass Geheimdienste eines bestimmten Landes eigentlich dieses Land durch ihre Tätigkeiten schützen sollten. Bei den Deutschen Diensten ist es aber so, dass die die eigene Bevölkerung an die trumpinierte NSA ausliefern. Nicht sonderlich delikat. Man nennt sowas auch passend Satellitenstaatliche Aktivität ;-)

  6. Metadaten sind Gold. Sie bilden die Organisationsstruktur der beteiligten Kommunikationspartner ab: Wer mit wem in Kontakt steht, wann und wie lange.
    Die zentrale Figur in diesem Mesh-Netzwerk wird dann zur Zielperson im Real-Life. Es folgen Observation, Abhör- und Videoüberwachungsmaßnahmen (Wanze), GPS-Tracker (Peilsender am Auto), Quellen-TKÜ, etc.
    So sprengt man heute einen Ring von Drogenhändlern, Kinderschändern oder investigativen Journalisten oder Regimkritikern – von Innen heraus.

    Der Weltraum ist dabei die rechtliche Legitimation für ein massenhaftes, anlassloses „Abschnorcheln“ – wie Constanze sagen würde.

    Es kommen einige Millionen zusammen. Hätte man mal besser in Bildung + Infrastruktur stecken sollen.

    Guter Beitrag, Andre!

  7. Am besten über SAT einfach nur IP-Dienste nutzen und darüber verschlüsselt telefonieren!
    Beim normalen telefonieren erst ein gateway anrufen welches den Anruf dann weiterleitet (Call-Through).. Sowas kann man sich mit Asterisk o.Ä. auch auf einem V-Server aufsetzen.. Als VoIP Anbieter nimmt man irgend eine Klitsche in einem Nicht-EU Staat!

    1. Angst!
      Unspezifisch definierte Angst!
      Für Berufspolitiker geht der Terror vom Volke aus!
      Alle vier Jahre die selbe Panik „Werde ich meinen Job behalten?“, da ist ein Volk, das man einschätzen und über die Medien „lenken“ kann von Vorteil, um die politischen Verteilungen im Sinne der Berufspolitiker zu „regeln“.

      1. Sekundär will man auch Geschäftsgeheimnisse mitnehmen (Industriespionage und/oder Erpressung) und auch Terroristen (nützliche Idioten) identifizieren, um nach gelungenem Terroranschlag einen Katalog von Forderungen zu präsentieren (mehr Überwachung! weniger Grundrechte!). Leute wie Amri werden von zahlreichen Offiziellen bespitzelt, aber sicherlich nicht aufgehalten. Ab und zu gibts eine Scheinverhaftung, um Tätigkeit zu simulieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.