Rheinhausen

  • Geheimes Projekt "ABSINTH": Der BND arbeitet an einer erheblichen Erweiterung seiner Satelliten-Überwachung
    Satelliten-Abhör-Anlage des BND in Schöningen, Niedersachsen.<br />Bild: <a href="http://cocoate.com/">Christine und Hagen Graf</a>. Lizenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">BY 2.0</a>.
    Geheimes Projekt "ABSINTH" Der BND arbeitet an einer erheblichen Erweiterung seiner Satelliten-Überwachung

    Der BND investiert viele Millionen Euro, um seine Massen-Überwachung von Satelliten-Kommunikation auszubauen. Das geht aus geheimen Dokumenten hervor, die wir veröffentlichen. Im Schleppnetz der Erfassung landen auch Journalisten und Hilfsorganisationen. Diese befürchten Gefahren für Leib und Leben.

    13. Februar 2017 22
  • : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Bei Bewirtungskosten gab es immer schriftliche Weisungen.“
    Europasaal vor der Sitzung.
    Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Bei Bewirtungskosten gab es immer schriftliche Weisungen.“

    Heute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Die Zeugen R.U., Bad Aibling, und T.P., Rheinhausen, wurden öffentlich vernommen. Es kam ans Licht, dass in Bad Aibling auch Satellitenstrecken aus Europa abgehört wurden. R.U. schien das zum ersten Mal gehört zu haben. Dabei war er selbst Dienststellenleiter.

    10. November 2016 9
  • : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: BND gab massenhaft Inhaltsdaten aus Glasfasern an NSA
    Europasaal vor der Sitzung.
    Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: BND gab massenhaft Inhaltsdaten aus Glasfasern an NSA

    Heute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Der Zeuge diesmal ist Brigadegeneral Dr. Dieter Urmann, Leiter der Abteilung Technische Aufklärung des BND von 2006 bis 2008 und damit Nachfolger von Reinhardt Breitfelder. Wir sitzen wie immer drin und bloggen live.

    Zusammenfassung

    Der Zeuge Brigadegeneral Dr. Dieter Urmann war von Juni 2006 bis Mai 2008 Leiter der BND-Abteilung Technische Aufklärung, die laut Eigendarstellung „Informationsgewinnung mit technischen Mitteln [betreibt]“ und dabei „internationale Kommunikationsströme und elektronische Medien“ auswertet. Sein Vorgänger war Reinhardt Breitfelder, ebenfalls Brigadegeneral, der im Dezember ausgesagt hat. Im April 2008 wurde bekannt, dass der BND die Spiegel-Journalistin Susanne Koelbl überwacht hat, woraufhin Urmann strafversetzt wurde.

    Urmann hatte viele Erinnerungslücken. Vorbereitet hat er sich nur mit Berichten im Internet. Akten hat er nicht angeschaut, es waren ihm zu viele.

    Bei der Operation Eikonal (wurde irgendwann in „Granat“ umbenannt) hat der BND den Internet-Verkehr auf Glasfaser-Leitungen der Deutschen Telekom vollständig abgehört. Urmann bestätigte erstmals offiziell den Süddeutsche-Bericht, dass aus diesen Datenströmen nur Daten Deutscher und US-Amerikaner herausgefiltert wurden (anhand von Selektoren wie IP-Adressen) und der restliche „Routineverkehr“ vollständig vom BND an die NSA gegeben wurde. „Daten von Frankreich, Belgien, Spanien, Polen […] wurden nicht gefiltert.“ Die NSA wollte am liebsten Rohdaten.

    Vor dem Einrichten einer massenhaften Abschnorchelung wird ein „Snapshot“ gemacht, also der komplett Datenverkehr einer Kommunikationsleitung für kurze Zeit auf Festplatte oder CD gespeichert, um die Strecke zu bewerten. Das passiert noch vor der G‑10-Filterung. Ob diese „Snapshots“ aufgehoben oder gelöscht wurden, wusste Urmann nicht mehr. Er konnte nicht ausschließen, dass Daten zu diesem Zeitpunkt an ausländische Geheimdienste gingen.

    Urmann bestätigte ebenfalls erstmals offiziell, dass die NSA bei Eikonal „nach Informationen über EADS, Eurocopter und französische Behörden“ suchen wollte. Der BND hat diese Selektoren abgelehnt, sich aber nicht bei der NSA beschwert, weil die Ausrede erwartet wurde, das das ein bedauerlicher Fehler war.

    Es wurde angedeutet, dass die NSA auch die Auswahl der bei Eikonal angezapften Leitungen beeinflusst hat. Snowden-Dokumente über RAMPART‑A zeigen einen direkten Datenabluss vom Abgriffpunkt des Partnerdiensts in die USA. Urmann kannte diesen Wunsch und konnte nicht ausschließen, dass das ohne Wissen des BND passiert ist.

    Es wurde angedeutet, dass der BND ebenfalls diesen Verdacht hatte und „extra Leute bereit gestellt [hat], die sich mehrere Monate nur damit befasst haben“. Das war „so geheim, dass es nicht einmal Akten gibt“. Eine Projektdokumentation (Schwachstellenbericht) zu Eikonal fand „Schwachstellen an allen Ecken und Enden“. Es wurde angedeutet, dass Urmann im Januar 2006 einen Brief an BND-Präsident Ernst Uhrlau geschrieben hat, in dem er technische und rechtliche Risiken von Eikonal schilderte. Als Ergebnis aus all dem hat der BND Mitte 2007 wohl „diese Strecken ausgetrocknet“, zum Beispiel durch neue Streckenauslegung, ohne das der NSA mitzuteilen. Das konnte dann als Vorwand genutzt werden, um das Projekt einzustellen.

    Bei der Operation Glotaic hat der BND Telefon-Leitungen des US-Unternehmens MCI (2006 von Verizon gekauft) angezapft und Daten daraus an die CIA gegeben. Ohne die Zusammenarbeit mit der CIA hätte der BND „[den Zugriff] sonst nicht bekommen“. Für die Operation hat der BND einen „sechs- bis sieben-stelligen Millionenbereich“ ausgegeben.

    Neben Eikonal und Glotaic gab es weitere, ähnliche Operationen und Projekte, auch mit anderen Geheimdiensten.

    Auf die Frage, ob der BND Daten hat, „mit denen man Killer-Drohnen auf Menschen abfeuern kann“, antwortete Urmann mit einem „glasklaren jain“. Es gibt Ortungsdaten, aber es kommt auf die Präzision an. Nicht-öffentlich wollte erklären, ob man Daten „präziser machen kann“. Urmann ist bekannt, dass die USA „möglichst präzise Standortdaten wollen und Drohnen dort hin steuern“.

    G‑10-Anordnungen haben manchmal „nicht zum Ziel, einen konkreten Verdacht zu erhärten, sondern Türen zu öffnen für ganz andere Massendaten“, so genannte „Routineverkehre“. Das nennt sich BND-intern „G‑10-Legende“.

    Gliederung

    Disclaimer

    Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder umfassende Korrektheit.

    Wer uns unterstützen möchte, darf gerne spenden.

    Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).

    Presse-Statements 1 (11:40)

    [11:30: Schon die nicht-öffentliche Beratungssitzung verzögert sich wegen einer namentlichen Abstimmung im Plenum. Sie soll 12:00 beginnen und wird wohl länger dauern, weil BND-Präsident Gerhard Schindler dabei ist. Erst danach kommt die öffentliche Sitzung.]

    Unter anderem Spiegel Online berichtet: Aufklärung der Spähaffäre: BND gibt Akten-Schluderei zu

    Mehr als hundert Dokumente hat der Bundesnachrichtendienst dem NSA-Ausschuss vorenthalten. Das geht aus einem Schreiben des Kanzleramts an das Gremium hervor.

    Presse-Statement: Linke

    Renner: Erst mit BND-Präsident Schindler auseinander setzen. Vorgang in Medien verärgert uns. Wir haben Akten nicht. Ist keine Petitesse. Zweiter Punkt: BND hatte eine Vollständigkeitserklärung zu diesen Akten vorgelegt. Das ist verfassungsrechtlich ein Unding. Es kann nicht sein, dass die Behörde, die wir untersuchen sollen, über Art und Umfang der Aktenvorlage entscheidet und uns Akten vorenthalten. Weitere Punkte: Schreiben aus Großbritannien mit Bitte, zu relevantem Vorgang Kooperation BND und GCHQ keine Unterlagen zu bekommen. Danach Abteilungsleiter, nochmal zu Operation Eikonal. Soll zu Einrichtung und Einstellung Stellung nehmen.

    Frage: Ist Aktenvorenthaltung Absicht des BND?

    Renner: Spekulation. Wenn es Versehen war, ist es für eine solche Behörde nicht zulässig. Haben klares Aktenvorlagerecht. Erwarten Ernsthaftigkeit. Stellen jetzt alle abgegebenen Vollständigkeitserklärungen in Zweifel. Sind das Original-Akten oder vom BND generierte? Wie können wir Vollständigkeit feststellen?

    Frage: Handy von Sensburg? Auch andere?

    Renner: Vorsichtiger formulieren. Ist nicht erwiesen, das es Spionage oder Abhören gab. Kann auch versuchter Diebstahl gewesen sein oder anderes. Wollen unabhängige Untersuchung. Standen dem immer skeptisch gegenüber. Diese Handys kommen vom BSI, also BMI. Ich habe den Personal Unblocking Key (PUK) nicht, sondern nur das BMI. Verschickung mit DHL ist fragwürdig, warum kommt BSI nicht her. Nicht vorschnell beurteilen.

    Steiner: Über Akten mit Schindler sprechen. Chef des Bundeskanzleramtes Peter Altmaier auch einladen?

    Renner: Wäre zu kurzfristig. Schindler abwarten. Dann auch zweite Runde mit Altmaier und/oder Bundestagspräsident Norbert Lammert, wenn man unsere Rechte nicht respektiert.

    Presse-Statement: Die Grünen

    Notz: Wird ein interessanter Tag. Erstmal Schindler. Vollständigkeitserklärung ohne Vollständigkeit. Eindruck ist, dass das mit Aktenführung im BND zu tun hat. Dann sehr interessanter Zeuge. Hat Kooperation BND mit NSA bei globaler Metadaten- und Inhaltsdaten-Erfassung mit organisiert. Dann Vorsitzenden-Handy, wir halten uns zurück. Hintergründe sind nebelig, Rückschlüsse sind Spekulation. Neue Akten zu Glotaic: Politik des BND, Aufklärung des Ausschusses auszubremsen. Ärgerlich.

    Frage: Bewertung Ausschuss nach fast einem Jahr?

    Notz: Einziger Untersuchungsausschuss zu globalem Überwachungsskandal. Kommt gut voran. Akten nur stückweise und massiv geschwärzt. Trotzdem Operationen, Zahlen, Zusammenhänge, Austausche, Kooperationen sehr aufschlussreich. Helfen uns, Erkenntnisse von Edward Snowden zu erweitern und einzuordnen. Probleme deutscher Dienste aufdecken. Als Parlament Reformbedarf artikulieren. Sind auf gutem Weg, aber optimierbar. Gerade Position des BND. Haben Hoffnung nicht aufgegeben, auch auf spannende Zeugen, auch zu NSA.

    Frage: BND-Leaks: Wasserschaden beim BND-Neubau?

    Notz: Das ist schlecht. Milliardenschwerer Umzug ohnehin kritisch, teuer und unverhältnismäßig. Bestgesicherte Baustelle der Welt oder Republik: Bedrohungslage? Wer kann noch einbrechen und Dinge einbauen? Sachschaden natürlich ärgerlich bei Kosten.

    [12:00: Jetzt wieder Pause für uns. Geht wohl nicht vor 13:00 weiter.]

    Presse-Statements 2 (13:45)

    Presse-Statement: SPD

    Flisek: Äußerst gravierender Vorfall: Unterlagen von Außenstelle nicht an NSAUA gegeben. […] Fragezeichen hinter alle Aussagen. Nicht nur Weiterleitungs-Versehen. Sondern Unterlagen fehlerhaft als „nicht einschlägig“ bewertet. Also nicht nur vergessen. Sondern nach materieller Prüfung gesagt: nicht einschlägig. Gravierender Vorfall damit noch gravierender. Rückwirkend fragen wir: Wurde alles bisher nicht vorgelegte ordnungsgemäß eingestuft? Antrag: komplette Sonderprüfung des BND, alles neu prüfen. Nur so wieder Vertrauen. BND-Präsident hat zugestimmt. Aufwändig, aber notwendig. Gravierender Vorfall. Sonderprüfung ist Preis, den BND zahlen muss.

    Frage: Überhaupt noch Vertrauen in BND?

    Flisek: Habe keine Anhaltspunkte für absichtliche Vorenthaltung. Ist nicht nur Geheimdienst, sondern auch Behörde, wo Menschen arbeiten, die Fehler machen. Haben keine Anhaltspunkte für systematische Vorenthaltung. Haben aber die Unterlagen bisher noch nicht. Erst Bild machen, dann Einordnung.

    Steiner: Rechts- und Fachaufsicht Kanzleramt?

    Flisek: Die müssen darauf vertrauen, dass Arbeit des BND Hand und Fuß hat. Bedeutet aber auch, politische Verantwortung zu haben. Zunächst BND-Präsident. Brauchen neues Verfahren für Vertrauen.

    Frage: Wasserschaden beim BND?

    Flisek: Eine der best-gesichertsten Baustellen in Deutschland und Europa. Überall wird nur mit Wasser gekocht. Auch über GCHQ-Unterlagen geredet: werden nach Treptow-Verfahren in geprüft. Begrüßt SPD. [Zitat BMI 2013 zum NSU: „So konnten beispielsweise die Abgeordneten in den Räumlichkeiten des BfV in Berlin-Treptow Einsicht in die ungeschwärzten V‑Mann-Akten und Akten zu G‑10-Maßnahmen nehmen (sog. ‚Treptow-Verfahren’).“]

    Presse-Statement: Die Grünen

    Notz: GCHQ-Prüfung ist in der Tat Fortschritt. Geheimdienste, die sich parlamentarischer Kontrolle entziehen, verlieren ihre Legitimation. Auch hier. 136 neue Akten: erste Vollständigkeitserklärung, wo danach noch Akten kamen. Bin nur mittelmäßig begeistert vom Verfahren. Ist ja Stopp für bisherige Vollständigkeitserklärungen. Müssen wieder wochenlang warten. Habe erwartet, dass BND erklärt, dass das ein Einzelfall war. Wurde nicht getan. Stattdessen Vorschlag General-Revision. Haben in Akten Anhaltspunkte dafür, dass bestimmte, relevante Informationen nicht in den Akten sind, die wir erhalten. Bin gespannt, was kommt.Nicht gut für Vertrauensbildung. NSAUA und BND/Kanzleramt haben von Beginn an über Informierung des Ausschusses gestritten. Umfängliche Information war nicht erwünscht, man hatte keinen Bock. Solche Fälle untergraben Vertrauen. Können wir erst nach Akteneinsicht bewerten.

    Presse-Statement: CDU/CSU

    Warken: Nehme mit, dass wir nun Einblick erhalten. Treptow-Verfahren mit europäischen Five-Eyes-Dienst. Gutes Signal. Nicht-Vorlage war Versehen laut Schindler. Wird jetzt repariert. Nochmal neue Überprüfung. Vorgang damit erst mal vom Tisch. Gibt keine Anhaltspunkte für weitere Nichtvorlagen.

    Steiner: GCHQ-Unterlagen: GCHQ will Zusammenarbeit einstellen? Schindler dazu gesagt?

    Warken: […]

    Frage: Wasserschaden?

    Warken: Ärgerlich.

    Presse-Statement: Linke

    Renner: Aktenversehen: möchte mich an Vorredner/innen anschließen. Wenn die Akten einschlägig sind und neue Informationen haben, müssen wir erwägen, Zeugen neu einzuladen. Enger Zeugenplan kommt dann durcheinander. Das wäre Behinderung unserer Arbeit. Hoffentlich bleibt das bei diese einen Fall. Haben BND gefragt, mit welchen Aufgaben Kiesewetter mit NSAUA-Aufgaben vertraut war. Sensburg-Handy: Sachkundige Verwaltung. Müssen das nachvollziehen können. Einvernehmen bei GCHQ-Unterlagen. Ist gut, durch alle Fraktionen beschlossen. Abstufung von Protokollen geheimer Sitzungen: Auch Fragen von Abgeordneten sollen geschwärzt werden. Regierung darf Protokolle von Parlament nicht schwärzen.

    Frage: Wasserschaden und Vertrauen?

    Renner: Hintergründe unklar, ob Sabotage oder nicht. Besonders geschützte Baustelle. Abwarten.

    [14:05: Jetzt wieder namentliche Abstimmung im Plenum.]

    Einleitung: Vorsitzender (15:30)

    $Begrüßung

    $Formalitäten

    Ton- und Bild-Aufnahmen sind zulässig. [Ist aber wohl nur ein Versprecher.]

    Zeuge 1: Dr. Urmann, Leiter der Technischen Aufklärung des BND

    Rechtsbeistand ist Dr. Stefanie Schork.

    Urmann, pensionierter Berufssoldat, 63 Jahre alt, über BND erreichbar.

    Eingangsstatement nicht gewünscht.

    Fragerunde 1: Vorsitzender

    Sensburg: Werdegang?

    Urmann: Bundeswehr, Heer 1971 bis 2013, 43 Dienstjahre. Offiziersausbildung, Elektrotechnik studiert, Offizier in der Truppe, zurück an Uni, Maschinenbau promoviert, Kompaniechef, Leiter Heeresinstandsetzungswerk, Materialamt, 2001 zum BND, dort verschiedene Verwendungen.

    Sensburg: Elektrotechnik, Maschinenbau, Materialprüfung. Kein typischer Informationstechnik-Hintergrund, richtig?

    Urmann: Richtig.

    Sensburg: Mit Informationstechnik beschäftigt bei Bundeswehr?

    Urmann: Nicht unmittelbar. War bei Elektronikinstandsetzung, Fernmeldegerät. Danach zum BND.

    Sensburg: 2001 zum BND?

    Urmann: Ja.

    Sensburg: Welche Funktion?

    Urmann: Referatsleiter Technische Unterstützung.

    Sensburg: Intern?

    Urmann: Ja.

    Sensburg: Wie weiter?

    Urmann: 2003 Technische Aufklärung, Abteilung 2. Dann Unterabteilungsleiter Nachrichtengewinnung. Nach Pension von Reinhardt Breitfelder sein Amt übernommen. Danach noch verschiedene andere Abteilungen.

    Sensburg: Auch für Sonderprojekte zuständig?

    Urmann: Was verstehen sie darunter?

    Sensburg: Was verstehen sie darunter?

    Urmann: Sagt mir nichts.

    Sensburg: Nachfolger von Breitfelder. Zusammenarbeit mit NSA. Absichten, Intentionen mit NSA?

    Urmann: Grundlage für Tätigkeit ist Auftragsprofil der Bundesregierung. Wenn das mit AND passiert, muss man rechtliches und Verhältnismäßigkeit prüfen.

    Sensburg: Auftragsprofil ist Kooperation mit AND?

    Urmann: Nein, Ziele erreichen.

    Sensburg: Dafür Kooperation notwendig?

    Urmann: Ja.

    Sensburg: Kennen sie Eikonal und Glo…?

    Urmann: Ja.

    Sensburg: Beschreibung von Eikonal?

    Urmann: [Pause.] Abgriff von ursprünglich leitungsvermittelter Verkehr, dann sehr schnell paketvermittelt umgeswitcht. G‑10-Abgriff, auch Routineverkehre.

    Sensburg: Wie technisch?

    Urmann: Ingenieure fragen. Splitter ansetzen, Weiche zur Dopplung, dann Selektion. Dann Prüfungen unterzogen, G‑10- usw. Dann Auswertung.

    Sensburg: Geräte aus Deutschland, von BND? Oder AND?

    Urmann: Ist sehr verschieden. Gibt solche und solche Situationen. Gibt für manche Teile auch einen Markt.

    Sensburg: Teilweise handelsübliche Router. Komplex, sonst könnte es jeder?

    Urmann: Möglicherweise.

    Sensburg: Gründe und Erwartungen bei Kooperation. Welche der NSA? Welche Erwartungen des BND?

    Urmann: USA wollte Zugang zu Verkehren, die auch BND-Auftragsprofil entsprechen und sie selbst nicht rankommen. BND wollte technologischen Sprung machen und Technik von USA erhalten.

    Sensburg: Nachvollziehbar. BND bei Human Intelligence (HUMINT) gut und bei SIGINT Luft nach oben, in dieser Zeit?

    Urmann: Für HUMINT war ich nicht zuständig, keine Bewertung. Bei SIGINT werden sie das selbst beobachten. Alle Monate gibt es neue Technologie. Wir müssen technologisch hinterher kommen. Andere Dienste mit x‑fachem an Personal haben andere Möglichkeiten.

    Sensburg: NSA wollte Verkehre, die sie so nicht hätten kriegen können. Ich denke, die können wahnsinnig viel und haben eh alles. Was hatten die nicht, wir schon?

    Urmann: Spekulation. Sieht man erst hinterher, ob man das schon hat oder noch nicht. Bei Kabel ist Frage, wie wird Information weltweit geroutet. Routing ist ja nicht logische nach Landkarte, sondern Least Cost Routing und ähnliches. Durch Hinsehen nicht Vorhersehbar. USA wollte Einblick.

    Sensburg: Hätten die das nicht selbst gekonnt? Gibt ja viele Knoten.

    Urmann: Kann nicht beurteilen, wie viele Kabel-Ansätze die haben.

    Sensburg: Umso mehr, desto besser?

    Urmann: Die Menge macht’s. Man muss es nur noch auswerten können.

    Sensburg: War das für USA erfolgreich? Erwartungen erfüllt?

    Urmann: Projekt schnell beendet und abgebrochen. USA waren unzufrieden. Wenn ich mich richtig erinnere – ist zehn Jahre her – waren die unzufrieden, in Besprechungen auch relativ ungehalten.

    Sensburg: Delegation aus USA oder Vor-Ort-Mitarbeiter die sagen: Kommt mal in die Puschen? Wie drückt sich Ungehaltenheit aus?

    Urmann: Kamen Ergebnisse auf den Tisch. Wenn die nicht befriedigend sind, wird man unzufrieden. Ob Mitarbeiter aus USA oder Deutschland weiß ich nicht mehr. Wohl beides.

    Sensburg: Optimieren? Oder: die Deutschen kriegen es nicht hin?

    Urmann: Etliche Filter-Mechanismen, um G‑10-Verkehre auszusortieren. Streckenauswahl. Nicht so ergiebig, wie man sich das vorgestellt hat. Gemengelage.

    Sensburg: Wie oft Sitzungen?

    Urmann: Ist zehn Jahre her, keine Ahnung (KA).

    Sensburg: Grob? Zwei in gesamter Laufzeit?

    Urmann: Weiß ich nicht mehr.

    Sensburg: Breitfelder hat hier gesagt: „Zeigt, dass wir doch einen Nerv getroffen haben. NSA hoffte, dass wir gegen deutsches Recht ihre Geräte eingesetzt haben, da, wo wir sie nicht haben wollten.“ Was meinte er?

    Urmann: Weiß ich nicht genau. Die haben Geräte zur Verfügung gestellt. Manches haben wir nur mit unserem Equipment gemacht.

    Sensburg: Nicht nur Equipment, auch Rechtsgrundlage. G‑10 oder anderes?

    Urmann: Anderer Strang. Rechtsgrundlage war uns klar.

    Sensburg: Welche war es?

    Urmann: G‑10.

    Sensburg: Von Anfang an klar?

    Urmann: G‑10-Verkehre werden nur so behandelt, wie sie zu behandeln sind.

    Sensburg: Grund für Nicht-Effektivität, wie sich NSA das vorgestellt hat?

    Urmann: Möglicherweise war das auch ein Grund.

    Sensburg: Wussten die, das wir G‑10-Filterung haben?

    Urmann: Vor meiner Zeit, zu ersten Gesprächen, weiß ich das nicht. Zu meiner Zeit war G‑10 immer klar auf dem Tisch. Gab auch Besprechungen, was G‑10 genau ist und was US-Bestimmungen sind.

    Sensburg: NSA schon darauf hingewiesen, das man „Hahn voll aufdreht, aber nicht so viel raus kommt“, Anspielung auf Breitfelder?

    Urmann: Ja.

    Sensburg: Warum dann so enttäuscht? Hätten das ja wissen können.

    Urmann: Kann ich nicht beurteilen, nur spekulieren, das ist müßig.

    Sensburg: Breitfelder sagte von Gespräch mit ihnen zu Ende von Eikonal. „Wir müssen da jetzt nochmal genau rein gucken, ob das Risiko – auch rechtlich – das Wert ist, in den Ergebnissen“. Welche Risiken im rechtlichen Bereich?

    Urmann: Weiß nicht, was er gemeint hat. Haben in Gesamtprojekt mehrmals rein geguckt. Damals darauf hinaus gelaufen, dass das Projekt wieder platt gemacht wird.

    Sensburg: Könnten auch ihre Gedanken gewesen sein?

    Urmann: Haben uns sehr eng abgestimmt.

    Sensburg: USA wollen viel, geht rechtlich nicht, muss man ihnen trotzdem erklären. Die hätten die Erwartungen doch nie haben dürfen?

    Urmann: Vielleicht im stillen doch gehofft, dass mehr geht. Am Ende konnten wir nicht beurteilen, was übrig bleibt. Hatten keine Glaskugel. Mussten Abgriff machen und gucken, was raus kommt.

    Sensburg: Wussten nicht, was übrig bleibt?

    Urmann: Ja.

    Sensburg: Anteil G‑10 zu Nicht-G-10 war nicht klar?

    Urmann: Bekommt Prognose von Provider. Aber bei Routing weiß man das nie, kann sich in 24 Stunden komplett verändern. Kann auch 40 % zu fünf Prozent G‑10 oder umgekehrt sein.

    Sensburg: Wenn USA von G‑10-Filterung wussten, konnten sie ja keine deutschen Verkehre erwarten. Kein Missverständnis der USA?

    Urmann: Aus meiner Sicht nicht.

    Sensburg: USA sind davon ausgegangen, sie kriegen keine deutschen Verkehre?

    Urmann: Aus meiner Sicht war das klar.

    Sensburg: Müssen andere nachfragen. Würden das ausschließen?

    Urmann: So lange technische Möglichkeiten das ausschließen, schließe ich das aus. Nicht 100%, sondern 99, X.

    Sensburg: Sagt ihnen Schwachstellenbericht zu Eikonal etwas?

    Urmann: Der, den ich in Auftrag gegeben hat?

    Sensburg: Der von K. L.

    Urmann: Ist möglicherweise der. Komme aus Militär. Schließt am mit Kontrolle. Habe den in Auftrag gegeben. Geht zu Ende damit, haben wir was drin, das man verbessern könnte oder ist es gut so?

    Sensburg: Zeugin K. L. sagte: „Habe im Februar 2007 vom Abteilungsleiter der TA Auftrag erhalten, Projektdokumentation (Schwachstellenbericht) zu verfassen. August 2007 eingereicht.“ Haben sie den Auftrag erteilt?

    Urmann: Vom Zeitablauf her muss ich das gewesen sein.

    Sensburg: Warum Aufwand? Wenn eh Projekt zu Ende?

    Urmann: Habe immer wieder das Element Kontrolle eingebaut. Auch so einzuordnen. Ob 2007 klar war, dass das Projekt den Bach herunter geht, …. Vielleicht dachten wir auch an andere Streckenauswahl. Nach meiner Zeit Projekt abgegeben erstes Halbjahr 2008.

    Sensburg: Erinnern sie sich an Inhalte des Berichts?

    Urmann: Nein.

    Sensburg: Hätte ja auch „Projektdokumentation“ heißen können. Wissen nicht Intention?

    Urmann: KA. Wenn es spektakulär war, wüsste ich es.

    Sensburg: Schwachstellen an allen Ecken und Enden.

    Urmann: War auch mein Eindruck. Deckt sich mit dem, was ich gesagt habe.

    Sensburg: Weil nichts heraus kam? Oder weil technische und rechtliche Probleme bei Durchführung?

    Urmann: Korrekte Abwicklung hat Output begrenzt, dass Interesse verloren gegangen ist.

    Sensburg: Folgen des Berichts?

    Urmann: Mein Stab hat ausgearbeitet, was zu tun ist.

    Sensburg: Für Frau K. L. war das mit Abgabe erledigt, keine Rückmeldung. Welche Konsequenz?

    Urmann: Nachdem der Bericht unsere Meinung bestärkt hat, hat Bericht Projektende gestützt.

    Sensburg: Meinung schon vorher, durch Projektdokumentation/Schwachstellenbericht gestärkt?

    Urmann: Wird so gewesen sein.

    Sensburg: Hoffen wir. Sagt ihnen „Snapshots“ was?

    Urmann: Ja.

    Sensburg: Was ist das?

    Urmann: Von unbekannter Datenquelle Probeaufzeichnung machen. Snapshot kurz, oder auch lang. In diesem Fall sehr kurze Aufzeichnung, war wohl auch Frage des Datenvolumens.

    Sensburg: Welchen Umfang haben Snapshots? Welche Technik?

    Urmann: Verkehr spiegeln, auf Festplatte oder CD. Dauer der Aufzeichnung sehr kurz.

    Sensburg: Dann Inhalte auf Festplatte angucken und Strecke bewerten?

    Urmann: Ja. Bei G‑10 sofort verwerten.

    Sensburg: Nie in größerem Umfang? Abgreifen von größeren Datenmengen?

    Urmann: Keine nachrichtendienstliche Erfassung. Ausschließlich technische Zwecke.

    Sensburg: Snapshots nach Analyse und Streckenbewertung aufgehoben oder gelöscht?

    Urmann: KA.

    Sensburg: Wie macht man das sichtbar? Mit Viewer?

    Urmann: KA.

    Sensburg: Haben sie das gesehen?

    Urmann: Nein.

    Sensburg: In welcher Phase wird Snapshot erstellt?

    Urmann: Ganz am Beginn einer Erfassungsmaßnahme, um zu sehen was drauf ist. Oder bei Wechsel des Kabels.

    Sensburg: Noch vor Filterung?

    Urmann: Ja.

    Sensburg: Welches Gerät? Von wem? Deutsch?

    Urmann: Kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Gefühlt nicht leicht mit nicht-deutschen Geräten.

    Sensburg: Auch G‑10-Daten noch drauf?

    Urmann: Ja.

    Sensburg: Können sie ausschließen, dass Snapshots zu irgendeinem Zeitpunkt an AND der Five Eyes weitergeleitet wurden?

    Urmann: Bin der Meinung, dass das nicht passiert ist. War aber nicht vor Ort. Kann das nicht unterschreiben. Weisung war: nein.

    Sensburg: Welche Router an Snapshot-Stelle?

    Urmann: KA.

    Sensburg: Wenn Cisco: Beunruhigt?

    Urmann: Rechner des BND dazu. Kein Vergleichbares deutsches Produkt.

    Sensburg: Snapshots mit Vielzahl von Daten, Abgriff von Dritten ist sensibel.

    Urmann: In jedem Fall. Gehe nicht davon aus, dass wir Cisco für Snapshot eingebaut haben. Wenn, dann war der schon da.

    Sensburg: Wenn doch, dann unklug?

    Urmann: Kann ich nicht unterschreiben. Vielleicht kann er auch nichts wegschicken. Differenzieren.

    Sensburg: War es Cisco?

    Urmann: KA.

    Sensburg: Wenn Cisco: kein Problem, weil der nichts raus schicken kann?

    Urmann: Nehme das an.

    Sensburg: Keine Fragen gestellt?

    Urmann: Wurde immer diskutiert. Aber deutscher Markt hat wenige Produkte.

    Sensburg: Kennen sie Software für Snapshots?

    Urmann: Nein.

    Sensburg: Muss ja eine gegeben haben.

    Urmann: Splitter für Datenzugang, dann Abspeichern auf Medium.

    Sensburg: Software diskutiert?

    Urmann: Nicht in meinen Kreisen.

    Fragerunde 1: Linke (16:15)

    Renner: Sonderprojekte. Sie waren 1.6.2004–30.6.2006 Unterabteilungsleiter Sonderprojekt. War in ihrer Dienstbezeichnung.

    Urmann: Folgt organisatorischen Grundsätzen. Posten heißt so oder so. Unterabteilungsleiter sind oft organisatorische Grundsätze. Ausstattungsfragen.

    Renner: Überzeugt mich nicht. Sie können sie nicht genau erinnern. Haben sie sich vorbereitet?

    Urmann: Ich habe mir ab und zu im Internet angeschaut, was hier besprochen wurde.

    Renner: Mit Akten?

    Urmann: Hätte Möglichkeit gehabt.

    Renner: Haben es nicht gemacht?

    Urmann: Habe gefragt wie viele es sind und es dann nicht getan.

    Renner: Eikonal. G‑10-Anordnung für Routineverkehre. Von Beginn an für alle Abgriffe G‑10-Anordnung?

    Urmann: Wenn ich mich richtig erinnere G‑10 erst später. Ersten paar Wochen, wo ich da war, war noch Diskussion, ob das ohne geht. Dann kam Diskussion mit G‑10 auf.

    Renner: Welche Grundlage vorher?

    Urmann: Fand ja keine statt. War nur Diskussion.

    Renner: Datenerfassung erst mit G‑10-Anordnung?

    Urmann: Ja.

    Renner: Routineverkehre oder alle?

    Urmann: Gab keine zwei Erfassungen.

    Renner: Telekom. Als sie Aufgabe übernommen, wurden keine Daten erfasst?

    Urmann: Als ich in die Abteilung kam, noch keine Daten erfasst. Als ich kam, Diskussion über G‑10.

    Renner: Zeitlich einordnen?

    Urmann: Im Stab Unterabteilung 2 ab Herbst 2003, erste Probeerfassung/Snapshots 2004 oder 2005. Im Herbst 2003 hingekommen, ist nicht gleich gelaufen. Mindestens 2004.

    Renner: Ab 2004 lagen G‑10-Anordnungen vor, um Daten zu erheben?

    Urmann: Daten erst mit G‑10-Anforderung erhoben.

    Renner: Weichen meiner Frage aus. Probeerhebung?

    Urmann: Mit G‑10-Anordnung erste Probeerfassungen.

    Renner: 2004 oder 2005?

    Urmann: Irgend so etwas.

    Renner: Wer war bei Diskussionen über G‑10-Anordnung?

    Urmann: Der Abteilungsleiter, ich als Stabsleiter, die Unterabteilungsleiter, die G‑10-Juristen der Abteilung.

    Renner: Bundeskanzleramt?

    Urmann: An Diskussionen nicht, erst später bei Erstellung der G‑10-Anordnung, .

    Renner: Wer erstellte die?

    Urmann: Kann ich nicht nach Personen herunter brechen. Prozedere.

    Renner: Wer machen Prozedere?

    Urmann: Antrag, G‑10-Kommission, Abnickung.

    Renner: In G‑10-Anordnung Konkrete Gebiete identifiziert und Strecken beschrieben. Wer hat diese Informationen geliefert?

    Urmann: In der Regel in/nach Gesprächen mit Provider.

    Renner: Information des Providers und Profil. Wer bestimmt Profil im BND, was man wünscht?

    Urmann: leitet sich ab vom Auftragsprofil.

    Renner: Wünsche vom AND berücksichtigt?

    Urmann: KA, denke nicht. AND ging es nur um Profile (Terror), nicht um Strecken. Eher bei uns.

    Renner: Unlogisch. Joint Venture. Wollen Daten, an die sie sonst nicht kommen. BND will Honigtopf. Strecken wird unabhängig von AND entschieden. Wie dann Wunsch erfüllen?

    Urmann: Nicht unlogisch. AND hatte Interesse Terrorismus und Proliferation. Nicht diametral.

    Renner: Warum die nicht selbst bedient?

    Urmann: Müssen sie Partner fragen.

    Renner: Hatten sie Diskussionen mit AND über Strecken?

    Urmann: Hatte Gespräche, aber nicht darüber.

    Renner: Kosten für AND?

    Urmann: KA.

    Renner: Hausnummer?

    Urmann: Spekulation.

    Renner: Kleiner oder größer?

    Urmann: Spekuliere nicht.

    Renner: Bei größerer Summe wäre nicht egal, was Partner macht?

    Urmann: Ja.

    Renner: Worum ging es in Gesprächen? Mit wem?

    Urmann: In der Regel Unterabteilungsleiter mit Unterabteilungsleiter, Abteilungsleiter mit Abteilungsleiter. In der Regel: wie kommen wir voran? Wann können wir Daten haben?

    Renner: Welche Daten wollten die? Meldungen, Rohdaten?

    Urmann: Am liebsten Rohdaten. Aber ging ja nicht. Haben nur das bekommen, was durch Filter ging.

    Renner: Was war das? Metadaten, Meldungen, Inhalte?

    Urmann: Meldungen nicht.

    Renner: Also Metadaten oder Inhaltsdaten?

    Urmann: Ich denke Metadaten, möglicherweise Inhaltsdaten. Ist zehn Jahre her.

    Renner: Deswegen sitzen wir hier schon Monate.

    Fragerunde 1: SPD (16:28)

    Flisek: Befremden, dass sich andere BND-Mitarbeiter vorbereiten und sie nicht. Höherer Dienst als Abteilungsleiter. Befremdet mich. Hoffe, das zieht sich nicht durch. Kennen sie Projekt Glo…?

    Urmann: Ja.

    Flisek: Zeitlich einordnen?

    Urmann: Auch so um die Ecke 2004 oder so. Nicht ganz sicher.

    Flisek: Mehrere Jahre?

    Urmann: Ja, vielleicht zwei Jahre. Hat aber überhaupt gar nichts gebracht.

    Flisek: Von wem Initiative?

    Urmann: Wenn ich mich richtig erinnere Partnerdienst.

    Flisek: Schriftliche Belege, Urkunden, Vereinbarungen?

    Urmann: KA.

    Flisek: Wissen sie nicht oder nicht erinnern?

    Urmann: Nicht erinnern.

    Flisek: Welche Rolle hatten sie?

    Urmann: Projekt war in meinem Bereich. Ausschließlich Auslandsverkehre. Partner hatte Informationen nur nach Positiv-Selektions-Liste bekommen, klein.

    Flisek: Warum hat BND mitgemacht?

    Urmann: Mehrere Aspekte. Technologisch weiterkommen. Zugriff, den wir sonst nicht bekommen hätten. Zusammenarbeit mit Partner.

    Flisek: Tausch Zugriff gegen Technik. Partnerdienst hat nicht so viele SIGINT-Fähigkeit. Nicht überzeugend.

    Urmann: War auch interessant zu gucken, was Partnerdienst hat.

    Flisek: Zugriff, den BND sonst nicht bekommen hätte. Ausführen?

    Wolff: Details nicht-öffentlich ().

    Flisek: Abstrakt?

    Wolff: Wenn Zeuge das abstrakt kann.

    Flisek: Mal sehen, ob er sich überhaupt erinnert.

    Urmann: Frage nochmal?

    Flisek: Zugriff, den BND sonst nicht bekommen hätte. Ausführen?

    Urmann: Auftrag erfüllen. Wo muss ich da hin. Wenn sie dann neue interessante Möglichkeiten haben, fremder Provider, dann interessant.

    Flisek: Brille des anderen Dienstes. BND kommt nicht ran. Anderer Dienst legt Zugang. BND hat keine Vorteile. Warum arbeitet AND dann mit BND zusammen und macht es nicht selbst?

    Urmann: Technisch von uns geschehen, nicht anders herum. Alles andere Spekulation. .

    Flisek: AND hat technische Kompetenz des BND genutzt?

    Urmann: Ja.

    Flisek: BND sonst warum nicht ran gekommen? War ja in Deutschland.

    Urmann: Brauchen immer zwei. Einer, der das will und einer der das gibt.

    Flisek: War ja in Deutschland.

    Urmann: Ja.

    Flisek: Woran scheiterte dann Zugang?

    Urmann: Weil wir das vorher nicht versucht hatten. Hatten das auch nicht auf unserer Liste.

    Flisek: Kann es sein, dass es absolut keine Rechtsgrundlage gab?

    Urmann: Reiner Auslandsverkehr.

    Flisek: Für Auslandsverkehr braucht man keine Rechtsgrundlage?

    Urmann: Doch, BND-Gesetz.

    Flisek: Wo?

    Urmann: Juristen fragen.

    Flisek: Von ihnen?

    Urmann: BND beschafft Informationen über Ausland.

    Flisek: Konkrete Rechtsgrundlage? BND-Gesetz reichlich pauschal.

    Urmann: Habe gesprochen.

    Flisek: Ich vermute, es gab keine Rechtsgrundlage. Sie konnten mich nicht überzeugen.

    Urmann: Ich sehe das anders.

    Flisek: Warum Zugang sonst nicht bekommen? Rechtsgrundlage? Brauchten Partner?

    Urmann: Lag nicht an Rechtsgrundlage. Liegt an Methoden. .

    Flisek: Methoden?

    Urmann: Wie man es machen muss.

    Flisek: Interessant.

    Urmann: Kann jetzt hier nicht sagen, welche Verhandlungspartner man dann braucht. .

    Flisek: Wer hat entschieden, das Projekt durchgeführt wird?

    Urmann: Üblicherweise Besprechung. Dann Führungsgremien, Leitungsvorlage, Leitung entscheidet.

    Flisek: BND-Präsident?

    Urmann: In der Regel ja.

    Flisek: In diesem Konkreten Fall?

    Urmann: KA. Aber kaum Projekte, die das nicht haben.

    Flisek: Gewöhnlich Präsident?

    Urmann: Ja.

    Flisek: Bundeskanzleramt beteiligt?

    Urmann: Ist Sache der Leitung.

    Flisek: Kriegen sie nicht mit?

    Urmann: Nein.

    Flisek: Gibt es Sitzungen?

    Urmann: Ja.

    Flisek: Risiken erörtert? Und unermessliche Chancen?

    Urmann: Kann mich nicht erinnern. Aber immer Chancen und Risiken abgewogen. Setzen ja keine Steuergelder in den Sand.

    Flisek: Aber können sie nicht an spezifische Sitzung über Risiken erinnern?

    Urmann: Nein, nach zehn Jahren.

    Flisek: Andere Zeugen konnten sich erinnern. Auch Daten Deutscher abgegriffen?

    Urmann: War weder Auftrag noch in Streckenauswahl. War ja Positivselektion, ging nur nach bestimmten Rufnummern. Durch uns analysiert, keine deutschen dabei.

    Flisek: Keine dabei, also keine Filterung?

    Urmann: Bei Positiv-Selektion nur bestimmte genommen.

    Flisek: Dann gar keine G‑10-relevante Erfassung?

    Urmann: Ja.

    Flisek: Dann auch kein Filter?

    Urmann: Filterung passiert ja durch Selektion. Wenn sie fünf Rufnummern vom Feuerland einstellen, erhalten sie nur die, sonst nichts.

    Flisek: Auch nicht ausgeschlossen, dass Deutsche die Nummer nutzen?

    Urmann: Ja, kenne das Beispiel.

    Flisek: Beispiel absurd?

    Urmann: Haben gefiltert, was möglich war.

    Flisek: Wie wurde gewährleistet, dass kein G‑10-Verkehr erfasst wurde?

    Urmann: Gab Liste mit fünf Telefonnummer, die alle nicht deutsch und nicht amerikanisch war und nur die Gespräche dieser Nummern wurden ausgeleitet, alle anderen gar nicht betrachtet.

    Flisek: Die Telefonnummer kamen von AND?

    Wolff: Details .

    Flisek: Prüfung von Relevanz bei Übergabe von Selektoren?

    Wolff: .

    Flisek: Daten von Bürgern des AND?

    Urmann: Bei Kooperation immer Bürger von beiden ausgenommen.

    Flisek: Gab es Pannen?

    Urmann: Keine bekannt.

    Flisek: Weitergegebene Produkte? Meldungen, Rohdaten?

    Urmann: Weiß ich nicht mehr.

    Flisek: Warum beendet?

    Urmann: Nichts gebracht. Kein Gewinn.

    Flisek: Wer hat Herrschaft bei Zugriff? BND oder AND?

    Urmann: Technisch wir. Kann mir nicht vorstellen, wie AND hätte zugreifen sollen.

    Fragerunde 1: Die Grünen (16:47)

    Notz: 30.6.2006 Abteilungsleiter Nachrichtengewinnung geworden. Wer war Vorgänger?

    Urmann: Inzwischen verstorben.

    Notz: Herr Dr. M.?

    Urmann: ja.

    Notz: Inzwischen verstorben oder damals?

    Urmann: Ein Jahr nach Ausscheiden.

    Notz: April 2008 Abteilungsleiter gewechselt. Hintergrund?

    Urmann: Wurde versetzt.

    Notz: Strafversetzung?

    Urmann: Ihre Interpretation.

    Notz: Eikonal und Glo…. Rangfolge? Was war zuerst, was war wichtiger?

    Urmann: Alles relativ. Wahrscheinlich Eikonal wichtiger.

    Notz: Zuerst?

    Urmann: Möglicherweise einigermaßen zeitgleich. Beide waren irgendwo grob in der Tüte, bevor ich kam.

    Notz: Bei Glo… anfangen, abstrakt Herr Wolff. Welchen Sinn hatte das Projekt für BND und AND? Sechs- bis sieben-stelliger Millionenbereich für BND. Warum getan?

    Urmann: Entsprechenden Benefit versprochen.

    Notz: Was?

    Urmann: Meldungen im Auftragsprofi.

    Notz: In Deutschland, warum US-Kooperationspartner? Warum nicht BND alleine?

    Urmann: .

    Notz: Gibt Antwort?

    Urmann: Ja, hat aber Hauch an Spekulation.

    Notz: Nur deutsche Software eingesetzt bei diesen Projekten?

    Urmann: Habe ich nicht gesagt.

    Notz: Anders gesagt?

    Urmann: Haben da wo es ging, deutsche Geräte und Software benutzt. Gibt aber auch noch andere.

    Notz: Gab Bereiche, wo es nicht anders ging?

    Urmann: Wird so gewesen sein.

    Notz: Konkrete Erinnerung an Technik aus Ausland?

    Urmann: Ja.

    Notz: Nämlich?

    Urmann: Erfassungsgeräte von europäischen Firmen, die Standard sind.

    Sensburg: Geht nicht darum, was es gibt. Was wurde eingesetzt? Bitte konkret antworten. Haben nur bis 24 Uhr Stenografen, werde heute dafür sorgen, dass die länger da sind.

    Schork: Pause?

    Notz: Klar.

    Urmann: [Schorck redet mit Urmann.] Antwort auf Geräte und Technik .

    Notz: Snowden: XKeyscore. Gehört?

    Urmann: Aus der Presse.

    Notz: Aber kennen sie?

    Urmann: Nach meiner Zeit.

    Notz: Wirklich?

    Urmann: Ja.

    Notz: Werden ihnen Akten vorhalten. Von Juggernaut gehört?

    Urmann: Nein.

    Notz: Moses?

    Urmann: Kommt mir bisschen bekannt vor. Was?

    Notz: Erfassungs-Software-Programm zum Durchrastern.

    Urmann: Könnte sein.

    Notz: Lopers?

    Urmann: Nein.

    Notz: Matrix?

    Urmann: Hadere. Kommt überall vor.

    Notz: Zeige ihnen Dokument in -Sitzung. Nur zwei Nationalitäten ausgefiltert?

    Urmann: Üblicherweise bei solchen Projekten.

    Notz: Daten aus Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland nicht gefiltert?

    Urmann: Bei Glo… Positivselektion.

    Wolff: Details .

    Notz: Positiv-Selektion: MAC-Adressen, IP-Adressen, Telefonnummern. Sehr viele. Überprüfung nach Nationalitäten ist starke These.

    Urmann: Nein, nur leitungsvermittelt, nur Telefonnummern.

    Notz: Selektoren alle einzeln überprüft?

    Urmann: Ja.

    Fragerunde 1: CDU/CSU (16:59)

    Warken: 2003 Heer Stabsleiter, seit wann Abteilungsleiter der Abteilung Technische Aufklärung?

    Urmann: Bis Ende Mai 2004.

    Warken: Juni 2004 Unterabteilung. Bis 2006?

    Urmann: Bis Juni 2006. Dann Abteilung übernommen, bis Mai 2008. Dann Fall Susanne Koelbl.

    Warken: Aufgaben bei Eikonal?

    Urmann: Als Stabsleiter Projekte begleitet. Formale Prüfung, erwartete Ergebnisse, Haushaltsmittel. Kooperation mit AND. Als Unterabteilungsleiter zuständig für technische Durchführung und Weitergabe an andere Abteilungen. Als Abteilungsleiter eine Ebene höher, Kontrolle.

    Warken: Leitungsrunden?

    Urmann: Kurz. […] Strategische Fragen.

    Warken: Kontakt mit Kanzleramt?

    Urmann: Ich nicht.

    Warken: Kontakt zu AND? Dienstreisen?

    Urmann: Natürlich. Immer wieder.

    Warken: Gesprächsinhalte?

    Urmann: Was ist erwarteter Benefit? Kosten. Am Ende Probleme, wie G‑10-Filter.

    Warken: Haben sicherlich berichtet. Wem?

    Urmann: In der Regel nächster Vorgesetzter. Oder Dienstreisebericht. Oder beides.

    Warken: Süddeutsche Oktober 2014 Eikonal Entscheidung von Steinmeier und Hanning: Codewort Eikonal – der Albtraum der Bundesregierung „Einen direkten Zugriff der NSA wollte Steinmeier in keinem Fall gestatten. Aber es ging auch so: Der BND zapfte Frankfurt an, dann ging es per Datenleitungen nach Pullach und von dort in die Rechner der Mangfall-Kaserne in Bad Aibling.“ Kenntnis über Entscheidung?

    Urmann: Kenne das aus Presse und vorher bei uns darüber gesprochen. Aber vor meiner Zeit.

    Warken: Was genau wurde wann vom Kanzleramt entschieden?

    Urmann: Weiß ich nicht, nur aus Presse.

    Warken: Zusammenarbeit durch Memorandum of Agreement (MoA) von 2002. Sie mit Verhandlung und Umsetzung beteiligt?

    Urmann: Verhandlung gar nicht, erst März 2003 in die Abteilung gekommen. Danach fragen, was drin steht.

    Warken: Sie sollten MoA umsetzen?

    Urmann: Ja.

    Warken: Rechtscharakter und Regelungsinhalt des MoA?

    Urmann: .

    Warken: Vermerk 13.11.2003: „JSA – Schlussprüfung der Annexe“ [MAT A BND-18a_1, Blatt 62] Sie waren federführend für Verhandlung der Annexe des MoA und hatten Kontakt zu Special US Liaison Activity Germany (SUSLAG)-Leitung. Worum ging es da?

    Urmann: Muss erst lesen. [Liest.] Geht um Antennen in Bad Aibling. USA war stationiert und ist dann abgezogen. Antennen an Eigentum des BND übergegangen. Kosten, wer macht was.

    Warken: Sie waren Verfasser?

    Urmann: Ja.

    Warken: Zielsetzung bei Gesprächen?

    Urmann: Bei Antennen-Geschichten war klar, dass BND die übernimmt. Ging um praktisches Handling. Ersatzteile, Wartung. Leitungen waren in US-Liegenschaft, wie die Leitungen umlegen.

    Warken: Einvernehmen oder Unterschiede?

    Urmann: Geht immer um Geld: wer bezahlt was. Gab am Ende Einvernehmen. War reinbungslos. Eine Antenne nicht übernommen oder so. War eine ganze Anzahl.

    Warken: Gab es Forderungen?

    Urmann: Wenn ich mich richtig erinnere nein. Ging um Geld.

    Warken: Verhandlungen um MoA und Annexe wann abgeschlossen?

    Urmann: Wenn ich mich richtig erinnere zu meinem Beginn war MoA und meiste Annexe fertig. Dieser und ggf. ein weiterer noch offenen. Gefühlt bis Mitte 2004 abgeschlossen.

    Warken: Danach direkt Umsetzung? Oder wie weiter?

    Urmann: Das hier ist eine Geschichte, die mit Eikonal und so nichts zu tun hat. MoA ist mehr Gesamtzusammenarbeit mit USA, Bad Aibling war ein Bestandteil.

    Warken: Zeitlicher Rahmen?

    Urmann: Zweite Hälfte 2004 vielleicht.

    Warken: Begann dann auch Eikonal und Erfassung von Telekommunikations-Verkehr? Welche Art von Verkehrt? Transit-Verkehre, Routineverkehr, leitungsvermittelt?

    Urmann: Praktisch paketvermittelt, am Anfang technische Probleme.

    Warken: Unterschied Probe- und Wirkbetrieb? Eikonal nur Probe- oder auch Wirkbetrieb?

    Urmann: Irgendwann auch Normalbetrieb.

    Warken: Wirkbetrieb?

    Urmann: KA, was sie darunter verstehen. Am Anfang ist Snapshot. Dann Test-/Probebetrieb mit Filtern. Dann Entscheidung, dass alles funktioniert, dann normaler Betrieb, oder Wirkbetrieb wie sie es nennen.

    Warken: Zweite Hälfte 2004 erst Probebetrieb? Wie lange Probe?

    Urmann: Kann kein Datum sagen. Probebetrieb war sehr lang, technologisch nicht einfach.

    Warken: Monate?

    Urmann: Dreiviertel Jahr.

    Warken: Probebetrieb mit echten Daten?

    Urmann: Immer erst Labordaten, dann mit echten Daten. Dann nochmal händische Auswertung, bis sie sicher sind, dass Maschinen funktionieren.

    Warken: Unterschied Leitungs- und Paketvermittelt?

    Urmann: Technologisch ja.

    Warken: Im Probebetrieb gleich behandelt?

    Urmann: Eikonal war nie leitungsvermittelt, auch nicht im Probebetrieb. Nur am Anfang diskutiert, machte keinen Sinn.

    Warken: Wann erstmals Daten aus Erfassung an AND gegeben?

    Urmann: Weiß ich nicht.

    Warken: Nach Wirkbetrieb?

    Urmann: Natürlich.

    Warken: Welche Größenordnung hatten AND-Mitarbeiter Zugriff auf Daten?

    Urmann: Datenvolumen? Mitarbeiter?

    Warken: Volumen?

    Urmann: Weiß ich nicht.

    Warken: Süddeutsche Oktober 2014 Codewort Eikonal – der Albtraum der Bundesregierung „2005 fiel auf, dass die Amerikaner die gemeinsame Arbeit dazu missbrauchten, um nach Informationen über EADS, Eurocopter und französische Behörden zu suchen.“ Bekannt?

    Urmann: Ja, ist in Liste an Selektoren aufgefallen. Prüfen immer, einmal aufgefallen, wurden natürlich gelöscht.

    Warken: Konsequenzen?

    Urmann: Partner darauf angesprochen. Das übliche.

    Warken: Wie reagiert?

    Urmann: Wahrscheinlich Versehen.

    Warken: Wurde ihnen gesagt. 2006 als Abteilungsleiter umfangreiche Finanzen für Bad Aibling beantragt. Februar 2007 K. L. Auftrag für Projektdokumentation, Mitte 2007 fertig. Danach Ende von Eikonal. Warum Analyse, Auslöser?

    Urmann: Habe schon gesagt: Kontrolle. Ergebnisse waren nicht überwältigend. Unbeteiligte drüber schauen lassen.

    Warken: Wer hat Bericht bekommen? Gab es Diskussion?

    Urmann: Im Stab bearbeitet, üblicher Weg. Stab trägt es dann vor. Hat mich in Meinung gefestigt, das Projekt auslaufen zu lassen.

    Warken: Wer traf Entscheidung für Ende?

    Urmann: Mein Nachfolger.

    Warken: Diese Gründe oder andere?

    Urmann: War an der Zeit, wurde versetzt, war so.

    Warken: Zeitpunkt für Ende der Erfassung?

    Urmann: Nach meiner Verantwortung.

    Warken: Was nach Ende der Erfassung? Ohne AND alleine weiter?

    Urmann: Habe keine Kenntnis. Ist im Haus nicht üblich, dass man sich da informiert, bekommt auch keine Auskunft.

    Warken: Was passierte mich Technik?

    Urmann: Ab da, wo ich raus war, weiß ich nichts mehr.

    Warken: Nach Eikonal Kooperation mit AND in Bad Aibling gänzlich eingestellt? Nachfolgeprojekte?

    Urmann: KA. Hab Leute aus Bad Aibling getroffen. Wie weiter, KA.

    Warken: Resümee Eikonal: Erfolg oder Misserfolg?

    Urmann: Technologischer Gewinn. Erfahrungen gesammelt, wie man es besser oder anders machen kann. Für Partner kein Gewinn.

    Wendt: Wie vorbereitet?

    Urmann: Unterlagen gelesen, die man mir gegeben hat. Und recherchiert, entsprechende Veröffentlichungen gelesen.

    Wendt: Verträge mit Telekommunikations-Anbieter zu Eikonal. Rechtliche Bedenken der Telekom zu Eikonal bekannt?

    Urmann: Am Anfang gab es Diskussion, ob G‑10-Anordnung. Nur mit G‑10.

    Wendt: Trotzdem Kooperation und Vertrag. Warum hat Telekom trotz Bedenken kooperiert?

    Urmann: Bedenken ausgeräumt. Telekom hat auch Hausjuristen.

    Wendt: Kein Material von ihnen an Hausjuristen der Telekom?

    Urmann: Würde sich Telekom verbieten.

    Wendt: Vertrag Transit. Erinnern sie sich?

    Urmann: Nein, was ist das?

    Wendt: Transit-Vertrag mit Telekom zu Eikonal. Haben den auch eingesehen. Erinnern sie sich an Transit-Vertrag?

    Urmann: Weiß, dass es einen gab.

    Wendt: Keinen Inhalt?

    Urmann: Nein.

    Fragerunde 2: Linke (17:28)

    Renner: Eikonal: Waren sie bei Abgriffsort der Telekom?

    Urmann: Ja, einmal, am Anfang.

    Renner: Mit wem von Telekom gesprochen?

    Urmann: Dem Zuständige.

    Renner: Wer war das?

    Urmann: Der, der uns rein gelassen hat.

    Renner: Wer hat sie begleitet?

    Urmann: Referatsleiter, der schon hier war.

    Renner: Initialen?

    Urmann: W. L.?

    Renner: Sie zu zweit?

    Urmann: Ja.

    Renner: Und Telekom?

    Urmann: KA. War einer da.

    Renner: War da BND-Technik schon da?

    Urmann: Nein, ging um Einbau.

    Renner: Wann war der Termin?

    Urmann: Erstes Halbjahr 2004.

    Renner: Was besprochen?

    Urmann: Equipment von Telekom auch angeguckt.

    Renner: Betriebsräume der Telekom angeguckt?

    Urmann: Auch, und dann nach nebenan in Betriebsraum.

    Renner: Auch Technik des BND im Telekom-Betriebsraum verbaut?

    Urmann: KA. Splitter kamen von Telekom.

    Renner: Protokoll zu Besuch angefertigt?

    Urmann: Ich nicht.

    Renner: Aber?

    Urmann: Möglicherweise der Kollege.

    Renner: Kontakt per Telefon oder E‑Mail?

    Urmann: Nein.

    Renner: Einziger Kontakt mit Telekom?

    Urmann: Ja.

    Renner: Bad Aibling angeguckt?

    Urmann: Regelmäßig da.

    Renner: Waren sie in Blechdose?

    Urmann: Auch, ja.

    Renner: Wo erfolgte Datenübergabe?

    Urmann: Auf CD.

    Renner: In Joint SIGINT Activity (JSA)?

    Urmann: In unserem Bereich.

    Renner: Täglich, wöchentlich, monatlich?

    Urmann: KA.

    Renner: Metadaten und Inhaltsdaten übergeben. Hat auf CD gepasst?

    Urmann: War ja selektiert. War ja nicht die ganze Leitung, nur das gefilterte, interessante. Ist nicht so viel.

    Renner: In JSA auch als Paar zusammen gearbeitet. Wir Datenaustausch ausgeschlossen?

    Urmann: Technisch andere Rechner, keine Verbindung.

    Renner: USA nur an deutschen Rechnern?

    Urmann: Zusammen angeschaut.

    Renner: Ginge da Daten-Ausleitung?

    Urmann: Kann ich so nicht sagen. Theoretisch immer. War so nicht hergerichtet, konnte nicht funktionieren.

    Renner: Kontakt mit BSI?

    Urmann: Erfassungsgeräte sind BSI-zertifiziert.

    Renner: Hatten sie Kontakt?

    Urmann: Nein.

    Renner: Kontakt zur Regulierungsbehörde?

    Urmann: Nur schriftlich.

    Renner: Muss Einvernehmen erteilen?

    Urmann: Ja.

    Renner: Einvernehmen ging über ihren Schreibtisch?

    Urmann: Ja.

    Renner: Regulierungsbehörde Geräte in Echtbetrieb angeguckt?

    Urmann: KA.

    Renner: Wie wären Vorschriften?

    Urmann: KA.

    Renner: Mit BND-Datenschutzbeauftragter Kontakt?

    Urmann: Ja.

    Renner: Wann, wozu?

    Urmann: Als ich Abteilungsleiter wurde, wurden alle Dateien nach Dateianordnungen überprüft. Dazu.

    Fragerunde 2: CDU/CSU (17:38)

    Warken: Glo…. Wann das erste Mal damit befasst?

    Urmann: Als ich Stabsleiter war. Herbst 2003/Frühjahr 2004.

    Warken: Ziel?

    Urmann: Informationen zum Auftrag bekommen. Technologische Errungenschaften.

    Warken: Leitungs- oder verkehrsvermittelt?

    Urmann: Leitungsvermittelt.

    Warken: Telefonie, Fax, E‑Mail?

    Urmann: In der Regel Telefonie.

    Warken: Und Fax?

    Urmann: Ja.

    Warken: Welche Daten an AND gegeben?

    Urmann: Nur Positivselektion.

    Warken: Inhaltsdaten?

    Urmann: Ja.

    Warken: Von wann bis wann?

    Urmann: Ungefähr zwei Jahre.

    Warken: Ab 2003 zwei Jahre?

    Urmann: Ja.

    Warken: Vorlauf? Vorgespräche?

    Urmann: Vorlauf Standard. War nur peripher eingebunden. War relativ einfaches Projekt, leitungsvermittelt und Positivselektion.

    Warken: Persönlich Kontakt zu Provider?

    Urmann: Nein.

    Warken: Wer?

    Urmann: Zuständiger Referatsleiter.

    Warken: Welches Referat?

    Urmann: Wahrscheinlich W. K.

    Warken: Wer bei Provider wusste über Zusammenarbeite?

    Urmann: KA.

    Warken: Glo… nur Rheinhausen?

    Urmann: Auswertung ja.

    Warken: Ähnliche Projekte mit anderen Stellen zeitgleich?

    Urmann: Ähnlich nein.

    Warken: Und unähnlich?

    Urmann: Gab unterschiedliche Operationen. .

    Warken: Vertrag BND/AND und Provider?

    Urmann: Gab Vertrag. War fertig, eh ich kam.

    Warken: BND und AND oder BND und Provider?

    Urmann: BND und AND.

    Warken: Die kennen sie nicht?

    Urmann: Kann sein, dass ich die in der Hand hatte.

    Warken: Wer beteiligt?

    Urmann: Arbeitsebene, Abteilung, Verwaltung oder Präsident.

    Warken: Ihre Abteilung?

    Urmann: Selbstverständlich.

    Warken: Warum nicht NSA, sondern anderer USA-Geheimdienst?

    Urmann: Immer eine Frage der Gelegenheiten.

    Warken: Motivation des AND?

    Wolff: .

    Warken: AND-Mitarbeiter in Auswertung eingebunden?

    Urmann: Haben Daten nach Selektoren erhalten.

    Warken: Auswertung bei BND?

    Urmann: Ja.

    Warken: An Auswertung keine AND beteiligt?

    Urmann: Nein.

    Wolff: Weitere Details .

    Warken: Welcher Ort technischer Zugriff?

    Urmann: KA.

    Wendt: Zeuge „J. F.“ sagte am 05.02.2014: „Rheinhausen Glo… 2004–2006.“ Gab Vorlauf. Wann Planungsbeginn?

    Urmann: Als ich bei Abteilungsleiter2 angefangen habe, waren Planungen auf dem Tisch.

    Wendt: Zeit?

    Urmann: September/Oktober 2003 war schon Thema.

    Wendt: Sie wie eingebunden?

    Urmann: Vorgespräche waren gelaufen. Dann Techniker umsetzen.

    Wendt: Wann Ende?

    Urmann: Gefühlt zwei Jahre, so 2006.

    Wendt: Danach Daten von Rheinhausen an Five Eyes-AND gegeben? Andere Projekte?

    Urmann: Gab Projekte, aber keine zum Untersuchungsgegenstand.

    Wendt: Keine Datenweitergabe an AND oder Five Eyes?

    Frau auf Tribüne: Ich werde seit 2005 abgehört, meine Daten werden missbraucht. Ich würde gerne aussagen!

    Sensburg: Nicht aussagen. Polizei rufen. Schreiben sie mir. Ich lese das.

    [Frau wird von Polizei abgeführt.]

    Wendt: Datenweitergabe an AND?

    Urmann: Nicht zu meiner Zeit, danach KA.

    Wendt: Gespräche des AND, Selektoren zu verändern?

    Wolff: Gespräche zu Operation .

    Marschall: Unterschied technischer und betrieblicher Probebetrieb?

    Urmann: Technisch: funktioniert Technik? Betrieblich: funktionierten Menschen und Abläufe.

    Marschall: Voraussetzungen für Wirkbetrieb?

    Urmann: Hängt von Größe des Projekts ab. Abteilungsleiter.

    Marschall: Daten an AND nur in Wirkbetrieb, oder schon Probebetrieb?

    Urmann: KA, aber Probe wäre nicht gut.

    Marschall: Probe-Daten?

    Urmann: Verworfen.

    Marschall: Wer entscheidet Datenweitergabe?

    Urmann: BND-Personal sichtet das. Dann Freigabe.

    Sensburg: 2011–2013 Abteilungsleiter Abteilung Auslandsgebiete?

    Urmann: Ja.

    Sensburg: Aufgabe?

    Urmann: Führung, Personalführung aller BND-Außenstellen auf der Welt. Koordination der BND-Aktivitäten in Bundeswehr-Einsatz-Ländern: Afghanistan, Kosovo, Balkan.

    Sensburg: Dann Hard- und Software zum Abgriff mitbekommen?

    Urmann: Nein.

    Sensburg: Warum? Breitfelder war das nicht so wichtig.

    Urmann: Der hat sich gekümmert. Ich wurde stafversezt. Gibt bestimmte Möglichkeiten, das zu bewältigen. Habe mit Fernmeldeaufklärung abgeschlossen.

    Marschall: Wer entschied Datenweitergabe im konkreten Projekt?

    Urmann: Selektoren angeschlagen, keine Deutsche, keine Targeting-Daten, dann Weitergabe.

    Marschall: Sind Voraussetzungen. Wer trifft Entscheidung?

    Urmann: Mitarbeiter.

    Marschall: Sachbearbeiter?

    Urmann: Kann sein.

    Fragerunde 2: Die Grünen (17:57)

    Ströbele: Süddeutsche Oktober 2014 Codewort Eikonal – der Albtraum der Bundesregierung „2005 fiel auf, dass die Amerikaner die gemeinsame Arbeit dazu missbrauchten, um nach Informationen über EADS, Eurocopter und französische Behörden zu suchen.“ Erinnern sich daran?

    Urmann: Ja.

    Ströbele: Diese drei konkreten?

    Urmann: Ja, solche.

    Ströbele: Wie viele Selektoren bekommen sie ungefähr?

    Urmann: KA.

    Ströbele: 100, 1.000, 100.000?

    Urmann: War händisch bearbeitbar.

    Ströbele: Wie bearbeitet?

    Urmann: Von Person vor Eingabe kontrolliert.

    Ströbele: Vermerk darüber?

    Urmann: Damals regulär behandelt. Wurde gemeldet.

    Ströbele: Jemanden angerufen? Oder Vermerk gemacht?

    Urmann: KA. Ist nicht außergewöhnlich.

    Ströbele: Häufiger?

    Urmann: Nein, aber gibt jeden Tag Ereignisse.

    Ströbele: Warum aussortiert?

    Urmann: Deutsche durften nicht ausgewählt werden. War Vereinbarung. Hätten das auch nicht zugelassen.

    Ströbele: Ging um Terror. EADS?

    Urmann: Nicht nur Terror. Auch Proliferation und Waffenhandel.

    Ströbele: Französische Behörden darin verwickelt?

    Urmann: KA, wie das kam.

    Ströbele: Ernstes Wort mit AND geredet?

    Urmann: Dann kommt übliche Ausrede: War Fehler.

    Ströbele: Gemacht?

    Urmann: Nein.

    Ströbele: Hab das in Akten nicht gefunden. Warum?

    Urmann: KA.

    Ströbele: Aber erinnern sich an Sache?

    Urmann: Ja.

    Ströbele: Tausende oder zehntausende Selektoren. Oder mehr, siehe . Misstrauen entwickelt?

    Urmann: Zusammenarbeit mit Partnern .

    Ströbele: Waren in USA. Treffen mit höheren Chargen in NSA? Fernsehstar Herr Hayden anwesend?

    Urmann: War ich dabei.

    Ströbele: Worum ging es?

    Urmann: Zusammenarbeit allgemein.

    Ströbele: Was heißt das?

    Urmann: Weltweite Zusammenarbeit. Anforderungen.

    Ströbele: Welches Jahr?

    Urmann: 2005.

    Ströbele: Hab den häufiger im Fernsehen gesehen. Hat er schon damals gesagt, dass man alles abgreifen sollte, was man kriegen kann?

    Urmann: Kann ich nicht bestätigen. Sind ein Stück offensiver in ihrer Vorgehensweise.

    Ströbele: Wir laden ihn ein. Waren sie in G‑10-Kommission?

    Urmann: Ja.

    Ströbele: Was getan?

    Urmann: Ergebnisse vorgestellt. Erfassungsansatz vorgestellt.

    Ströbele: G‑10-Kommission informiert, was sie machen? Für G‑10-Anordnung?

    Urmann: Nein. Hatte spezielle Themen vorzutragen. Wie funktioniert irgendetwas technisch. Begriffe.

    Wolff: Konkrete Inhalte von G‑10-Sitzungen .

    Fragerunde 2: SPD (18:07)

    Flisek: Hat BND Daten, mit denen man Killer-Drohnen auf Menschen abfeuern kann?

    Urmann: [Pause.] Ist nicht so einfach zu beantworten. Gibt Ansätze, Ortungsdaten aufzunehmen. Ist Frage der Präzision. Im Grundsatz hat BND Möglichkeit, Ortungsdaten zu erfassen. Bin nicht up-to-date.

    Flisek: Gab es damals solche Daten, die so präzise waren?

    Urmann: [Guckt zu Wolff.]

    Wolff: .

    Flisek: Ja oder nein?

    Urmann: [Guckt zu Wolff.] Jain. Präzision spielt erhebliche Rolle. Damals Radien der Genauigkeit vielleicht für Glückstreffer.

    Flisek: Glückstreffer. Glasklares Jain. Ja oder nein. Präzision damals?

    Urmann: .

    Flisek: Was wissen sie zu US-Programm zur Tötung Terrorverdächtiger mit Drohnen?

    Urmann: Weiß, dass sie möglichst präzise Standortdaten wollen und Drohnen dort hin steuern.

    Flisek: Wissen sie aus beruflicher Praxis, nicht Medien?

    Urmann: Muss nachdenken. Auf jeden Fall aus Medien. KA.

    Flisek: Für United States Africa Command (AFRICOM): Datenaustausch mit NSA?

    Urmann: Relativ spät eingerichtet, nicht zu meiner Zeit.

    Flisek: Wissen nichts?

    Urmann: Gab Einrichtung.

    Flisek: Gibt der BND Daten, die dafür geeignet sein könnten, an AND?

    Urmann: Damals nicht.

    Flisek: Kategorisch ausschließen?

    Urmann: Ja.

    Flisek: Und Daten, die man präziser machen kann?

    Urmann: .

    Flisek: Daten werden weitergegeben?

    Urmann: Ja.

    Flisek: Warum?

    Urmann: Zum Schutz der eigenen Truppe.

    Flisek: Wie ausgelegt?

    Urmann: Restriktiv.

    Flisek: Glo…. Nur Positivselektion des AND. BND auch nur eigene Positiv-Selektoren?

    Urmann: Muss nachdenken. Wenn ich mich richtig erinnere hatten wir Informationen, haben Selektoren der anderen drüber, wir könnten den Rest nach G‑10-Filterung sehen.

    Flisek: Auf Rest konnten sie blicken?

    Urmann: Ja.

    Flisek: Eigene Positiv-Selektoren?

    Urmann: KA.

    Flisek: An AND nur Daten mit seinen Positiv-Selektoren?

    Urmann: Ja.

    Flisek: Auch keine Meldungen aus Rest?

    Urmann: Hausintern.

    Flisek: Keine Weitergabe?

    Urmann: Normalerweise nicht.

    Flisek: Was heißt normalerweise?

    Urmann: Wir haben Daten im Normalfall nicht weitergegeben. Kann nicht absolut sagen.

    Flisek: Ihre eigenen Erkenntnisse?

    Urmann: Weiß nichts davon.

    Flisek: Habe das Gefühl, dass wir zu Interessantem nur kommen. Mehr Fleisch als bisher.

    Fragerunde 3: Linke (18:18)

    Renner: Waren sie bei Glo… an Abgriffstelle?

    Urmann: Nein.

    Renner: BND-Mitarbeiter?

    Urmann: Musste ja Equipment einrichten.

    Renner: Ihr Verantwortungsbereich?

    Urmann: Später ja.

    Renner: Später?

    Urmann: Als Stabsleiter nein, als Unterabteilungsleiter ja.

    Renner: War BND dort als BND?

    Wolff: .

    Renner: Waren sie zu Glo… in Rheinhausen?

    Urmann: Mehrfach. Musste aber auch anderes tun dort, andere Themen.

    Renner: Wie Daten von Rheinhausen an CIA?

    Urmann: KA.

    Renner: Auf CD?

    Urmann: KA.

    Renner: Art der Daten?

    Urmann: Leitungsvermittelt.

    Renner: Rohdaten, Inhalte, Metadaten?

    Urmann: Aufzeichnungen.

    Renner: Inhaltsdaten?

    Urmann: Weiß ich nicht, vermute es.

    Renner: Schwierig. Waren verantwortlich. Wissen das nicht? Bäcker weiß nichts von Torten oder Brote, vielleicht auch Würste?

    Urmann: Abteilungsleiter hat knapp 1.300 Mitarbeiter. Abteilung führen, Beurteilungen, Neuigkeiten, Haushalt. Als Abteilungsleiter halbe Stunde pro Woche dafür. Sie haben alle Akten gelesen.

    Renner: Besondere, besonders abgeschirmte Operation, nicht wie jede andere. US-Provider, wie sichergestellt, dass keine US-Daten weitergegeben?

    Wolff: .

    Urmann: Schon zweimal erklärt.

    Wolff: Grundsätzlich ja, konkret .

    Renner: G‑10-Anträge über ihren Tisch?

    Urmann: Als Abteilungsleiter ja.

    Renner: MAT A BSI 16, 18, 16, Seiten 03 ff.

    Urmann: [Liest Akte.]

    Renner: Kennen sie diese Anlage zum Schreiben des BND an G‑10-Kommission?

    Urmann: Wozu gehört das?

    Renner: Eikonal.

    Urmann: Habe ich unterschrieben?

    Renner: Nein. Aber ging ja über ihren Schreibtisch.

    Urmann: Welches Datum?

    Renner: Steht vorne auf der Übersicht.

    Wolff: Eingestuftes Material.

    Sensburg: Ja, ist geheim.

    Urmann: Frage?

    Renner: Wer sagte, welche Strecken man haben will? Wie kommen die in G‑10-Anordnung?

    Urmann: Abgeleitet aus Auftragsprofil, herunter gebrochen. Rest nur .

    Renner: können sie?

    Urmann: Grundsätzlich, konkret KA.

    Renner: Strecke mit Endpunkt in USA oder Europa: Wie Schutz von EU- und US-Bürgern?

    Urmann: Diskussion, was G‑10 ist. Bei G‑10-Ordnung nur G‑10-relevante Daten ausgeschlossen.

    Renner: Sonst nichts?

    Urmann: Ja.

    Renner: Bei Eikonal aus US-Bürger ausgefiltert?

    Urmann: Ist Standard.

    Renner: Gab es neben Eikonal und Glo… weitere Operationen zu Abgriff an Kabel im Inland mit Five Eyes-Partner?

    Urmann: Keine bekannt.

    Fragerunde 3: CDU/CSU (18:20)

    Ostermann: Ringtausch. Gab MoA Ringtausch her?

    Urmann: Meiner Meinung nach nein.

    Ostermann: Süddeutsche zu Eikonal 2014: Codewort Eikonal – der Albtraum der Bundesregierung „Als der Abteilungsleiter der Technischen Aufklärung beim BND im Juli 2008 ein Resümee der Operation zog, räumte er ein, dass der Filter, der die Rechte der Deutschen sichern sollte, nie richtig funktionierte.“ Bestätigen?

    Urmann: So nicht.

    Ostermann: Zu technischer auch noch händische Filterung?

    Urmann: Immer begleitende mindestens stichprobenartige händische Prüfungen. Manche Operationen nur händisch, manche maschinell mit händischen Stichproben.

    Ostermann: Eikonal letzteres?

    Urmann: [Ja?]

    Fragerunde 3: Die Grünen (18:31)

    Notz: Inhaltsdaten? Oder auch Verkehrs-/Metadaten?

    Urmann: Kommt auf Operation an.

    Notz: Eikonal. Auch alle Metadaten händisch sortiert?

    Urmann: Habe ich nicht gesagt. Je nach Projekt…

    Notz: …Eikonal. Auch Meta- und Verkehrsdaten händisch durchgeguckt?

    Urmann: Eindruck habe ich nicht vermittelt. Bei Eikonal nur stichprobenartig.

    Notz: Warum?

    Urmann: Datenvolumen.

    Notz: Welche Volumina?

    Urmann: KA.

    Notz: Selektive Erinnerung. Bei Glo… wissen sie genau, dass es nur leitungsvermittelt war. Kniffelige Dinge wissen sie nicht mehr. Wie viele Datenmengen bei Eikonal täglich, ungefähr?

    Urmann: KA.

    Notz: 17, 70, 7 Millionen, 7 Millionen?

    Urmann: KA.

    Notz: Vollkommen unglaubwürdig. Unfassbar. Gibt Zahlen in den Akten. Völlig unglaubwürdig.

    Sensburg: Geben sie ihm Zeit, zu antworten.

    Notz: Antwortet ja nicht. Wie auf EADS, Eurocopter, französische Behörden reagiert? Stichwort Kontrollsystem? Gibt Beweisantrag.

    Urmann: Konkretisieren? Welches?

    Notz: Direkt am Abgriffpunkt.

    Urmann: Kenne ich, ja.

    Notz: Gab es Unterlagen?

    Urmann: Nein, zu kleiner Kreis.

    Notz: Projekt ohne Akte, kleiner Kreis?

    Urmann: Kein Projekt.

    Wolff: .

    Notz: Hat Geld gekostet. Ohne Akten. Was kam raus?

    Urmann: gab keine Auffälligkeiten am Kontrollsystem.

    Notz: Woraus bestand das?

    Wolff: .

    Notz: Sie kennen XKeyscore nicht. In Bad Aibling seit 2007 eingesetzt. Sie waren für Beschaffung zuständig. Kann das sein?

    Urmann: Kann sei, dass das unter anderen Begriff lief.

    Notz: Tat es das?

    Urmann: KA.

    Notz: Schwachstellenbericht war übliches Controlling?

    Urmann: Maßnahme zur Kontrolle.

    Notz: Sagten „üblich“. Soweit ich weiss, extra Leute bereit gestellt, die sich mehrere Monate nur damit befasst haben. Üblich oder unüblich?

    Urmann: Unüblich von Umfang und Auftrag. Weil Projekt holprig lief.

    Notz: Warum holprig?

    Urmann: Weil Partner mehr Daten wollte.

    Notz: Was überprüft?

    Urmann: Ob Ansätze technologisch richtig sind.

    Notz: Haben sie Schwachstellenbericht gelesen?

    Urmann: Wahrscheinlich.

    Notz: Mit Zuständiger darüber geredet?

    Urmann: Einmal, zur Abgabe.

    Notz: Warum nicht nochmal, bei solchen frappierenden Ergebnissen?

    Urmann: Geht an Stab, wird ausgewertet, wenn alles verständlich ist, muss man nicht mehr reden.

    Notz: Bericht hat ihre kritische Haltung bestärkt. Welche Bedenken? Was lief vor ihnen nicht korrekt?

    Urmann: .

    Notz: Knackpunkt. Diskussion ist ja auch in Öffentlichkeit. Abstrakt?

    Urmann: Hatte Beigeschmack, brachte nicht das, was sie wollten.

    Notz: Beigeschmack. Hatten sie Partner misstraut?

    Urmann: KA.

    Notz: Muss ihnen Widersprechen. Sie wissen von XKeyscore, das kaufe ich ihnen nicht ab.

    Urmann: Lange her.

    Notz: Es wurde massenhaft US-Technik eingesetzt.

    Urmann: Unsere Technik eingesetzt, vorher geprüft. Waren der Meinung, dass das funktioniert. KA, aus welchem Land. Haben das im Keller ausprobiert, keine Blackbox.

    RAMPART-A-3Notz: Mitarbeiterin von Schwachstellenbericht hat Begrifflichkeit verwendet: Site A (Erfassung), Site B (Räumlichkeiten), Site C (Bad Aibling), Site D (Amerikaner). Aufbau Schwachstellenbericht. Findet sich so in Snowden-Dokumenten. Angeguckt?

    Urmann: Nein, aber woanders gesehen.

    Notz: Site B, Räumlichkeiten bei Telekommunikations-Provider: direkter Datenabfluss in die USA. Gesehen?
    Urmann: Ja, war wohl Wunsch.

    Notz: In Snowden-Dokumenten stand auch, dass NSA bewusst Kooperationen macht und Partnerdienst hintergeht.

    Urmann: Wusste das nicht bewusst.

    Notz: Schließen sie es aus?

    Urmann: Was soll man schon ausschließen? Waren hier akribisch.

    Fragerunde 4: Linke (18:45)

    Renner: Eikonal: Kontrollberichte sind übliches Verfahren. Wie war Kontrolle bei Glo…?

    Urmann: Kontrolle ist Teil des Führungsprogramms. Wie läuft ein Projekt? Glo… war so einfach, einfach zu kontrollieren.

    Renner: Gab es Kontrolle?

    Urmann: Regelmäßig für jedes Projekt. Zahlen ausgewertet und vorgelegt.

    Renner: Aktenlage zu Glo… ist deutlich dünner als Eikonal. Zugang beim Provider war nicht dauerhaft, sondern einmalig. Erschließt sich für uns nicht.

    Urmann: War deutlich kleinere Operation, und Positivselektion.

    Renner: Daten für Glo… von Abfassungsort direkt in Außenstelle Rheinhausen?

    Wolff: .

    Renner: Können sie dazu was sagen?

    Urmann: .

    Renner: Probleme bei Paketvermittlung, Zuordnung IP-Adressen zu Staatsbürgern. Gab es einen Verdacht, warum man so akribisch war?

    Urmann: Fast ausschließlich wegen schlechtem Output.

    Renner: Finde unüblich, dass man keine Daten für Kontrolle produziert. Hatten sie irgendwann einen Verdacht, dass Daten ausgeleitet werden sollen, jenseits der übergebenen CD in Bad Aibling?

    Urmann: Kein Verdacht.

    Renner: Bei anderen Operationen gab es Diskussionen zu Backdoors, manipulierten Routern?

    Urmann: Selbstverständlich. Handwerkszeug eines Nachrichtendiensts. Aber in diesem konkreten Fall nicht darüber hinaus besonders misstrauisch.

    Renner: Kompensationsprojekt, nachdem AND not amused war?

    Urmann: [Zuckt Achsel.] Damals gab es mehrere Kooperationen. Bereich Afghanistan, Schutz der Truppe.

    Renner: Würde über Datenweitergabe über Bundeswehr an AND gesprochen?

    Urmann: Nein. Aber verstehe Hintergrund der Frage nicht.

    Renner: BND gibt auch Daten an Bundeswehr. Wissen sie davon?

    Urmann: [Guckt zu Wolff.]

    Wolff: .

    Urmann: Gibt Datenweitergabe von BND an Bundeswehr.

    Renner: Und von Bundeswehr an USA?

    Urmann: KA, fragen sie Bundeswehr.

    Renner: War auch nicht Thema bei Zusammenarbeit mit Bundeswehr?

    Urmann: Habe abschließend geantwortet. Punkt.

    Renner: Bundeswehr, NSA, CIA. Datenweitergabe an weitere Dienste der Five Eyes? Im Rahmen von Kabelerfassung bei Providern?

    Urmann: Mit Konkretisierung: Nein.

    Renner: Keine Zusammenarbeit mit GCHQ?

    Urmann: Mit dieser Konkretisierung, dann nein.

    Renner: Sie kennen ja Untersuchungsgegenstand. Auch für die anderen Erfassugsansätze keine Datenweitergabe?

    Urmann: Satellit?

    Renner: Ja. Bad Aibling. GCHQ?

    Urmann: Bei Satellitengestützten Verkehren nicht.

    Fragerunde 4: Die Grünen (18:59)

    Ströbele: G‑10-Anordnung für Eikonal: üblich oder etwas besonderes?

    Urmann: Nichts besonderes.

    Ströbele: Ergebnisse an G‑10-Kommission gemeldet?

    Urmann: Selbstverständlich.

    Ströbele: Gab es Treffer?

    Urmann: KA.

    Ströbele: Kam jemals was raus für die G‑10-Anordnung?

    Urmann: Kein spektakuläres Ergebnis bekannt.

    Ströbele: Unspektakulär?

    Urmann: Routine-Sachen.

    Ströbele: G‑10-Anordnung bringt dafür nichts?

    Urmann: Wenn nichts gebracht, dann beendet. Haben das auch hin und wieder getan.

    Ströbele: Ging ja nicht um Konkretes, sondern paketvermittelte Massendaten. Mit G‑10-Anordnung zu tun?

    Urmann: Ja, sonst bekommen sie ja keine G‑10-Anordnung durch.

    Ströbele: Verdacht: G‑10-Anordnung hat nicht zum Ziel, konkreten Verdacht zu erhärten, sondern Türen öffnen für ganz andere Massendaten.

    Urmann: Kann ich nicht zustimmen.

    Ströbele: Seien sie ehrlich. Gesetzliche Grundlage für Eikonal. G‑10-Anordnung könnte Sinn machen. Einfach mit G‑10-Anordnung gemacht?

    Urmann: [Schüttelt Kopf.] Nein. Haben das so gemacht, wie sie erforderlich erschienen.

    Ströbele: Obwohl nichts heraus kam?

    Urmann: Sieht man erst hinterher.

    Ströbele: Erst nach zwei Jahren?

    Urmann: Eikonal war ja unser erster paketvermittelter Ansatz. Da waren wir technisch noch in Kinderschuhen.

    Ströbele: Rechtlich auch.

    Urmann: Da wollten wir etwas länger schauen.

    Ströbele: Haben sie mal Unterrichtung für BND-Präsident geschrieben, mit Risiken von Eikonal?

    Urmann: KA.

    Ströbele: So häufig an BND-Präsident geschrieben, dass sie das nicht mehr wissen?

    Sensburg: Legen sie ihm Akte vor.

    Ströbele: Hieß die Operation Granat?

    Urmann: Und weiter?

    Ströbele: Nur Granat.

    Urmann: Soweit reicht meine Erinnerung.

    Ströbele: Granat und Eikonal war unterschiedlich?

    Urmann: War das selbe, Name wurde gewechselt.

    Ströbele: Januar 2006?

    Urmann: Soll ich geschrieben haben?

    Ströbele: Ja.

    Urmann: Kann ich den sehen? Dann vielleicht.

    Ströbele: Haben Akte nicht hier. Nachher.

    Urmann: 2006 war ich Unterabteilungsleiter.

    [Einmal Rundenwechsel, die anderen haben keine Fragen mehr. (19:06)]

    Notz: Herbst 2006 Freibrief. Sagt ihnen das etwas?

    Urmann: Sagt mir nichts.

    Notz: Kein gängiger Begriff im BND?

    Urmann: Nein.

    Notz: Telekommunikations-Anbieter wurde erläutert, dass man auf eine bestimmte Strecke zugreifen will. Diskussionen 2003, 2004. Erinnern sie sich?

    Urmann: Klar.

    Notz: Erinnern sie sich, dass Kanzleramt interveniert hat?

    Urmann: Ja.

    Notz: Wie?

    Urmann: Gab Schreiben.

    Notz: Was war damit?

    Urmann: Führte zu Zugang.

    Notz: Erklären sie mir den Zaubertrick. Telekom und BND haben Bedenken. Wie kann Brief an Kanzleramt dazu führen, dass das möglich wird?

    Urmann: KA, habe ich nicht gemacht.

    Notz: Haben sie den Brief gesehen?

    Urmann: Glaube nicht.

    Notz: Wissen sie, wo er geschrieben wurde?

    Urmann: Nein.

    Notz: Nicht im Kanzleramt. Nach Brief Vorgang zurück an BND. Haben sie darum gebeten?

    Urmann: Wollte das Kanzleramt oder BND?

    Notz: BND.

    Urmann: Sagt mir nichts.

    Notz: Ungewöhnlich? Oder gab es das mehrmals?

    Urmann: Ungewöhnlich.

    Notz: Bin mir gar nicht mehr sicher. Kontrollsystem ist so geheim, dass es nicht einmal Akten gibt. Hier Akten wieder eingesammelt. Aber keine Erinnerung?

    Notz: Frühjahr 2004, Routineverkehre („Rest“) per G‑10-Maßnahme erhalten. Diskussion über Legitimität. Teilgenommen?

    Urmann: Ja. Diskussion war: Wenn man G‑10-Anordnung hat, ob man Routineverkehr nutzen darf.

    Notz: Also G‑10-Anordnung kein Cover für Rest?

    Urmann: Nein.

    Notz: War ein harter Streit, laut Akten. Sie hatten eine juristisch rechtschaffene Position. Aber USA hatten mir Streckenauswahl nichts zu tun?

    Urmann: Streckenauswahl richtet sich nach Auftragsprofil. Kann mich nicht erinnern, dass USA konkrete Strecke wollten. Ging um Themen.

    Notz: Bei Glo… Positivselektor? Bei Eikonal nicht? Alles?

    Urmann: Routineverkehre nach G‑10-Filterung genommen.

    Notz: Und weitergeleitet?

    Urmann: Muss ich nachdenken. Wurde G‑10-gefiltert, dann amerikanisches G‑10, dann angeschaut.

    Notz: Und zur JSA gegeben?

    Urmann: Ja.

    Notz: Von USA und Deutschland angeschaut?

    Urmann: Ja.

    Notz: Auch Daten von Frankreich, Belgien, Spanien, Polen?

    Urmann: Ja.

    Notz: Wurden nicht gefiltert?

    Urmann: Wurden nicht gefiltert.

    Notz: G‑10-Legende?

    Urmann: Kann mir vorstellen, was sie meinen.

    Notz: Ist eine BND-Begrifflichkeit.

    Ströbele: Ihr Laden.

    Notz: Was könnte das sein?

    Urmann: G‑10 vorschieben, um Routine zu bekommen.

    Notz: Können sie vorstellen, dass man so etwas gemacht hat?

    Urmann: Ich spreche nur für meine Zeit.

    Notz: Andere?

    Urmann: KA.

    Notz: „Ihre Zeit“ Abteilungsleiter oder auch Unterabteilungsleiter?

    Urmann: Auch Unterabteilungsleiter.

    [Runden-Wechsel. (19:15)]

    Ströbele: Berichte über Fehler und Risiken. Waren ihnen welche bewusst?

    Urmann: Nichts ist ohne Risiko.

    Ströbele: Risiko?

    Wolff: Zitieren sie aus geheimen Schreiben?

    Ströbele: Will Zeuge bei Erinnerung nachhelfen.

    Sensburg: Können die Akte auch vorlegen.

    Ströbele: Stichwort „politisch“?

    Urmann: Kann ohne Papier nichts dazu sagen. Aber immer: Haushaltsmittel, juristisch alles richtig. Aber konkret kann ich nichts sagen.

    Notz: Wie Streckenauswahl bei Eikonal? Wer benannte die? Pullach? Bad Aibling? Andere Außenstelle? Bundeskanzleramt?

    Urmann: [Guckt zu Wolff.] .

    Notz: Aha.

    Urmann: Methodik.

    Notz: Tun so, als wäre es abwegig, dass USA mit Streckenauswahl zu tun hat. Bei konkreter Frage sagen sie .

    Urmann: Habe ich vorhin schon gesagt. USA bringen Interessenprofil ein.

    Notz: Streckenauswahl?

    Urmann: Streckenauswahl war Teil des Interessenprofils.

    Notz: Sie brauchen G‑10-Maßnahmen und sie suchen Strecken anhand von Maßnahmen der USA?

    Urmann: Haben Strecken nach unseren Kriterien ausgesucht. Interessen der Länder dieser Welt unterscheiden sich nicht wesentlich.

    Notz: Sind ja keine positiven Selektoren, sondern massenhafte Durchkämmung?

    Urmann: Ja.

    Notz: Philosophisch, dass Streckenauswahl völlig unbeeinflusst von Vorgaben der USA passiert.

    Urmann: [Redet mit Schork.] Habe ich nicht gesagt.

    Notz: Also?

    Urmann: Kommentiere das nicht.

    Notz: Ende ist mysteriös, ihre Geschichte unschlüssig. Kam nicht nur wenig raus. Gab Erkenntnisse, das der BND diese Strecken ausgetrocknet hat. Hat der BND das gezielt getan?

    Urmann: Dann hätten wir die Strecken ja steuern können müssen.

    Notz: Exakt. Strecken neu auslegen, ohne es dem AND mitzuteilen.

    Urmann: Folge ihnen nicht.

    Notz: Nicht passiert?

    Urmann: Glaube ich nicht.

    Notz: Wissen sie das?

    Urmann: Kann ich nicht unterschreiben.

    Notz: Mitte 2007?

    Urmann: […]

    Notz: Hat man Strecken zwischendurch einfach mal geschlossen?

    Wolff: Zitieren sie?

    Notz: Nein, ich philosophiere. Wie kann das sein, dass nicht mehr hinten heraus kommt? Entweder Telekom hat entschieden, dem BND nur noch Dreck zu geben? Oder BND hat dafür gesorgt? Oder Zufall?

    Urmann: Wahrscheinlich Zufall.

    Notz: Reden wir nochmal darüber, ich werde ihnen Akten vorhalten. Spiegel über Projekt 6: Datenbank PX: CIA und deutsche Dienste betrieben jahrelang Geheimprojekt. Sagt ihnen das etwas?

    Urmann: Überhaupt nicht.

    Notz: Hat auch nichts hiermit zu tun?

    Urmann: KA.

    Notz: Datenbank PX?

    Urmann: Nein, aber es gibt beliebig viele Datenbanken.

    Notz: Beliebig viele Datenbanken beunruhigt mich, werden wir in Abschlussbericht aufnehmen. Als sie Abteilungsleiter wurden, Auftrag Schwachstellenanalyse Eikonal, Projektgruppe Optimierung Separator. Warum diese zwei Gruppen? Warum kein übliches Controlling zur Streckenauswahl? Oder Arbeitsgruppe Optimierung Software in JSA? Warum das?

    Urmann: Schwachstellenanalyse sagte ich. Separator war Neubau für diesen Zweck. Das erste mal für paketvermittelte Verkehre. Musste technisch optimiert werden.

    Notz: War das eine der ersten Aufgaben, als sie Abteilungsleiter wurden?

    Urmann: Möglicherweise.

    Notz: Warum hat Breitfelder aufgehört?

    Urmann: Ruhestand.

    Notz: Übergabe gemacht?

    Urmann: Eine Art Übergabe. Haben aber vorher eng zusammengearbeitet.

    Notz: Eindruck mit Akten: Breitfelder war ein Möglichmacher, dass das Ding rollt. Mit ihnen Kulturwandel in Abteilung eingezogen?

    Urmann: Nein. Breitfelder und ich haben gut zusammengearbeitet.

    Notz: Er wollte auch schon Schwachstellenanalyse und Separator-Analyse? Fortsetzung seiner Gedanken?

    Urmann: KA.

    Notz: Sie waren kritisch. Ihr Vorgänger auch?

    Urmann: In jedem Fall, sehr kritisch.

    Notz: Sehr gute Gründe.

    Formalitäten: Vorsitzender (19:31)

    Antrag: Ausschluss der Öffentlichkeit. Dafür? Dagegen? [*meld*] Angenommen.

    Danke an die Öffentlichkeit und die, die immer aus der Sitzung berichten.

    [Noch zehn Besucher/innen auf der Tribüne.]

    Presse-Statements 3

    Notz: […] Es gibt keine Akten für das Kontrollsystem. Es muss aber Ergebnisse gegeben haben. Haben Beweisantrag gestellt. Es wird sich herausstellen, dass nicht alle mit offenen Karten gespielt haben. BND und Bundeskanzleramt müssen sich gut überlegen, mit welcher Rolle sie in die Aufklärung gehen wollen. Haben Vollständigkeitserklärung abgeben ohne Vollständigkeit. Das sagen alle Fraktionen, nicht nur Opposition. Würde mich über kulturellen Wandel freuen. Werden im Zweifel klagen. Wirft schlechtes Bild auf deutsche Nachrichtendienste. Geheimdienste müssen Interesse haben, staatlich kontrolliert zu werden, das ist ihre Legitimation.

    Renner: Aufklärung ist schwierig, wenn sich Zeuge nicht erinnern will. Schwammige Antworten. Aber an ein paar Punkten wichtige Aussagen. Inhaltsdaten gehen in großem Umfang an die USA, das wurde sehr deutlich. Haben Details herausgearbeitet über Dimension der Maßnahme. G‑10-Legende: Es wurde deutlich, dass G‑10-Anordnung Türoffner verwendet wurde, um an Routineverkehre zu kommen. Schwachstellenbericht und Kontrollregime, weil es irgendwann Verdachtsmomente gegen ausländischen Partnerdienst gab. Gab es Ausleitungen, die der BND nicht erkannte? Wurden Rohdaten an AND geliefert? Nachrichtendienste haben Verdacht gegen AND. Heute kann sich Zeuge einiges vorstellen und nicht ausschließen, dass es in Technik andere Möglichkeiten gab, als auf dem Beipackzettel stand.

    Ströbele: Zum ersten Mal Bestätigung, dass NSA offensichtlich auch andere Zwecke verfolgte als Kampf gegen Terror. Zeuge hat Selektoren EADS und französische Behörden bestätigt. Gibt Unzahl von Selektoren. Hat eingeräumt, was andere nicht wahr haben wollten. Erste Bestätigung des Süddeutsche-Berichts.

    [Das war’s für heute. Danke für’s lesen. Korrektur und Hübschmachen folgt.]

    5. März 2015 33
  • Operation Glotaic: Hat der BND eine Tarnfirma gegründet, um Milliarden Telefonate von MCI abzuschnorcheln?
    BND-Erfassungsstelle Rheinhausen, früher "Ionosphäreninstitut". Bild: <a href="https://www.bnd.bund.de/DE/_Home/Startseite/Downloads/Umwidmung%20AST/Bild%20Rheinhausen.jpg?__blob=publicationFile">BND</a>.
    Operation Glotaic Hat der BND eine Tarnfirma gegründet, um Milliarden Telefonate von MCI abzuschnorcheln?

    Friedhelm Greis berichtet auf Golem: BND griff Daten offenbar über Tarnfirma ab

    Für die sogenannte Operation Glotaic zwischen 2003 und 2006 wurden im nordrhein-westfälischen Hilden Daten abgegriffen. „Teile von MCI wussten nicht, was dort stattfindet“, sagte die Linke-Ausschussobfrau im NSA-Untersuchungsausschuss, Martina Renner, am Dienstag in Berlin. Um zu verschleiern, dass die Daten zur BND-Außenstelle Rheinhausen weitergeleitet würden, sei offenbar eine Tarnfirma zwischengeschaltet worden, die sich möglicherweise als kommerzieller Provider oder Datenverarbeitungsunternehmen ausgegeben habe.

    Bei Glotaic hat der BND in Rheinhausen jeden Tag rund eine Million Metadaten und hunderttausende Telefongespräche gespeichert und weitergeleitet, unter anderem an die CIA.

    27. Februar 2015 9
  • : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Jeden Tag eine halbe Million Telefonate mitgeschnitten.“
    Europasaal vor der Sitzung.
    Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Jeden Tag eine halbe Million Telefonate mitgeschnitten.“

    Heute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Die Zeugen diesmal sind „E. B.“ und „R. S.“, beide vom Bundesnachrichtendienst. Erster war Leiter der BND-Erfassungsstelle Schöningen, damals noch getarnt als „Bundesstelle für Fernmeldestatistik“. Wir sitzen wie immer drin und bloggen live.

    Kernaussagen

    Die Bundesregierung versucht noch immer, Aufklärung über das Projekt Glotaic zu behindern, bei dem der BND in der Außenstelle Rheinhausen Telefon-Leitungen des US-Unternehmens MCI (2006 von Verizon gekauft) angezapft und Daten daraus an die CIA gegeben hat. Die Abgeordneten dürfen weder den Namen des Projekts („Glotaic“ statt „Glo…“), noch den den Partnerdienst (CIA) nennen, obwohl beide Angaben auch auf bundestag.de stehen. Bei Eikonal waren BND und Regierung offener, auch die SPD findet die unterschiedliche Einstufung „nicht nachvollziehbar“.

    Bei der Operation Glotaic sammelte der BND in der Außenstelle Rheinhausen (früher: „Ionosphäreninstitut“) Metadaten „im knappen Millionenbereich“ und mehre hunderttausend Inhalte von Telefongesprächen – jeden Tag. Diese wurden mit technischen Auswertungssystemen gerastert, um „daraus neue Informationen zu generieren“. Ströbele deutete an, dass der BND vermeiden wollte, dass das Parlamentarische Kontrollgremium von dieser Operation erfährt.

    Auch zur Arbeit des BND in der Außenstelle Schöningen (früher: „Bundesstelle für Fernmeldestatistik“) mauern Bundesregierung und BND. So hat der Ausschuss bisher offiziell nur vier Seiten Papier zur Arbeit der Erfassungsstelle erhalten, genauso viel wie ein Snowden-Dokument von Ende 2006 über zwei Besuche der NSA vor Ort.

    Der Leiter der Erfassungsstelle Schöningen sagte aus, dass dort bereits 2006 „eine Millionen Metadaten pro Tag“ und bis zu 500.000 Mitschnitte von Telefon-Gesprächen gespeichert wurden, was er als „gigantisch klein“ bezeichnete. Diese Daten werden vollständig an die BND-Zentrale in Pullach sowie teilweise an die Bundeswehr weitergeleitet. Zusätzlich scheint es eine Weitergabe an einen anderen Staat zu geben, der nicht Teil der Five Eyes ist.

    In der BND-Zentrale werden die Inhalts- und Metadaten der Außenstellen in Datenbanken wie INBE (Inhaltliche Bearbeitung) und VERAS (Verkehrsananlysesystem) gespeichert und mit anderen Daten verknüpft. Die Speicherdauer scheint sehr lang zu sein, die genaue Frist ist jedoch geheim. Nicht alle dieser Datenbanken haben ein Dateianordnungsverfahren durchlaufen. Erst nach ihrer Vernehmung im Ausschuss war die BND-Datenschutzbeauftragte zu Besuch in den Außenstellen.

    Gliederung

    Disclaimer

    Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder umfassende Korrektheit.

    Wer uns unterstützen möchte, darf gerne spenden.

    Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).

    Einleitung, Vorsitzender (12:00)

    $Begrüßung

    Roderich Kiesewetter ist ausgeschieden. Neues Mitglied ist Nina Warken, neuer Stellvertreter Matern von Marschall.

    $Formalitäten

    Zeuge 1: E. B., BND, Leiter Erfassungsstelle Schöningen (12:05)

    Rechtsbeistand ist Johannes Eisenberg.

    Name ist E. B., Anschrift der Dienststelle ist ihnen bekannt, Alter 55 Jahre. Beruf Soldat.

    Eingangsstatement: Snowden-Dokument von Ende 2006 wurde mir übersandt. Ich kann bestätigen, dass die beiden Besuche in Schöningen Juni und Juli 2006 stattgefunden haben. Erster Besuch war reines Kennenlernen, NSA aus Bad Aibling. Zweiter Besuch im Juli war größer, Vertreter der NSA aus Fort Meade, begleitet durch Kollegen aus Zentrale, einem Kollegen aus Bad Aibling und zwei Fachleuten einer Firma. Haben vorgeführt, wie wir arbeiten. Weitere Kommunikation, Folgegespräche gab es nicht.

    Fragerunde 1: Vorsitzender

    Sensburg: Werdegang?

    E. B.: Aktiver Soldat, kein Reservist. Funk bei Marine, Vier Jahre Kommunikation. Gleich Zeitsoldat. Elektrotechnik/Nachrichtentechnik in Hamburg studiert. Mehrere Verwendungen in Marine-Geschwader. 1996 Wechsel zum BND in München, technische Ausrüstung/Unterstützung. 2001 zur Bedarfsdecker-Seite, seit 2004 Leiter von Schöningen, Erfassung und Bearbeitung von über Satelliten geführten Verkehren.

    Sensburg: Weiterhin Soldat?

    E. B.: Ja, abgestellt zum BND.

    Sensburg: Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr (ZNBw)?

    E. B.: Nein.

    Sensburg: Ausgangsverwendung?

    E. B.: Nein.

    Sensburg: Seit 2004 Schöningen?

    E. B.: Ja.

    Sensburg: Immer noch?

    E. B.: Ja.

    Sensburg: Genauer?

    E. B.: Leitung der Dienststelle, von Anfang bis heute.

    Sensburg: Was dort passiert, ist ihnen bekannt?

    E. B.: Davon bin ich überzeugt.

    Sensburg: Das ist gut. Snowden-Dokument mit Material-Nummer „MAT A Sek 4–1q“. Öfter Besuch von NSA in Schöningen?

    E. B.: Äh…

    Sensburg: Im Kalender verankert?

    E. B.: Nicht verankert. 2006 einmalig, seitdem vielleicht einmal im Jahr, führe kein Tagebuch.

    Sensburg: Und vor 2004 auch nicht?

    E. B.: Davon gehe ich ganz stark aus. Sonst hätte ich das mitbekommen. Gab keine Unterlagen zu früheren Besuchen. Im Dokument steht auch, dass es der erste Besuch war.

    Sensburg: Gibt es Unterlagen von Besuchen?

    E. B.: Besprechungsvermerke.

    Sensburg: Alle Besuche?

    E. B.: Alle Besuche mit Besprechungsergebnis. Erster Besuch Juni 2006 nicht.

    Sensburg: Keine Vorbereitung?

    E. B.: Selbstverständlich. Logistik, Vorführungen, aber nicht in größerem Umfang dokumentiert. Ist ja fast Routine.

    Sensburg: Einmal im Jahr ist Routine?

    E. B.: Haben diverse andere Besuche auch von deutschen Gästen, zeigen Gästen im Wesentlichen immer das Gleiche. Gäste von Bundeswehr. Vorführungen unterscheiden sich nicht.

    Sensburg: Merken die, dass die immer das gleiche gezeigt bekommen?

    E. B.: Ist ja nichts böses.

    Sensburg: Da ist ja die erste Stunde vom Vortrag schon verschenkt. Danach der wesentliche Teil?

    E. B.: Standardmäßig bekommen Besucher Vortag von Dienststellenleiter, durch mich. Geschichte und Auftrag der Dienststelle. Struktur, Personal, Schwerpunkte, Besonderheiten. Irgendwann Überleitung auf Fachteil. Sind normalerweise Arbeitsbesuche. Standardablauf.

    Sensburg: Wird da das präsentiert, was im Snowden-Dokument als Geheimnis aufgeführt wird und brisant ist?

    E. B.: Zum Inhalt des Dokuments kann und will ich nichts öffentlich sagen. Generell antworte ich mit ja.

    Sensburg: Nicht-Öffentlich [] schon?

    E. B.: Ja.

    Sensburg: Können sie was zu Thuraya sagen?

    E. B.: .

    Sensburg: GSM?

    E. B.: .

    Ströbele: Thuraya ist ein Handy. Da muss man doch was sagen dürfen. Das ist doch kein Geheimnis. Der BND-Untersuchungsausschuss hat sich monatelang damit beschäftigt. Dass das ein Handy ist und über Satelliten geht, steht in jeder Zeitung.

    Sensburg: Vielleicht sollte Ströbele Plätze tauschen, wenn er mehr weiß. Welche Daten werden in Schöningen erfasst? Wie kann man die in der Masse messen und einordnen? Wurden Metadaten erfasst?

    E. B.: Ja.

    Sensburg: Welcher Umfang?

    E. B.: Eine Zahl?

    Sensburg: Zahl oder Zeitrahmen. Was haben sie erfasst? Wie viele Metadaten pro Tag oder Woche?

    E. B.: Äh. Ich kann eine Zahl nennen, die ändert sich aber. Ist Zahl von 2006 oder von heute richtiger? Unterschied.

    Sensburg: Nennen sie beide und erklären den Unterschied.

    E. B.: Im Groben waren damals eine Millionen Metadaten pro Tag.

    Sensburg: Was sind Metadaten? Ist gigantisch, Masse. Richtig viel.

    E. B.: Naja. Kann man streiten. Nach meiner Erfahrung ist das gigantisch klein und sehr stark vorselektiert. Daten bestehen aus allen mitgelieferten Informationen: Telefonnummer, Gerätenummer, manchmal Cell-ID, E‑Mail-Adresse. Keine Inhalten. Sind für uns maßgeblich.

    Sensburg: Fünf Minuten Telefonat im Auto: Wie viele Daten entstehen da?

    E. B.: Anrufende Nummer, angerufene Nummer, Geräte, u. U. Funkzelle. Bei manchen Providern Software-Status.

    Sensburg: Pro Telefonat fünf Metadaten?

    E. B.: Fünf oder mehr. Je nach System.

    Sensburg: Uhrzeit? Telefonat-Länge?

    E. B.: Ja, indirekt. Jedes Metadatum hat Zeitbezug.

    Sensburg: Fünf bis zehn Metadaten pro Telefonat.

    E. B.: Ja.

    Sensburg: Also 100.000 Telefonate pro Tag?

    E. B.: Mit einer Million meine ich Metadatensätze. Anrufversuch hat nicht zu Kommunikationsvorgang geführt.

    Sensburg: Ausland-Auslands-Kommunikation? Ausland-Inland? Oder Inland-Inland?

    E. B.: Inland ist Deutschland?

    Sensburg: Ja.

    E. B.: Grundsätzlich Ausland-Ausland. Bis auf wenige Fälle mit Beschränkungsanordnung zu Ausland-Inland. Generell nur Ausland-Ausland.

    Sensburg: Wie stellen sie das sicher?

    E. B.: Grundsätzlich: alle Verfügbaren Metadaten auswerten, dass alles was uns zur Verfügung steht, ausschließt, dass es sich um einen deutschen, äh geschützten Teilnehmer handelt

    Sensburg: Filterung?

    E. B.: Ja.

    Sensburg: Eine Million vor oder nach Filterung?

    E. B.: Unterschied minimal. Konzentrieren uns ja auf Ausland-Ausland. Weit, weit unter ein Prozent.

    Sensburg: Die sind deutsche Verkehre, die rausgefiltert werden müssen?

    E. B.: Nicht nur müssen, sondern werden.

    Sensburg: Zeit Online: BND speichert 220 Millionen Telefondaten – jeden Tag. Zitat: „In den BND-Außenstellen in Schöningen, Rheinhausen, Bad Aibling und Gablingen laufen in aller Welt abgesaugte Metadaten ein, 220 Millionen davon an jedem einzelnen Tag.“ „Sicher ist, dass die Metadaten allein aus ‚ausländischen Wählverkehren’ stammen, also aus Telefonaten und SMS, die über Mobilfunk und Satelliten geführt und verschickt wurden.“ Zahl 220 Millionen: andere Bewertung? Oder nicht nur Schöningen, sondern alle drei Standorte? Woher kommt 220 Millionen? Können sie das erklären?

    E. B.: Nein, Kann ich nicht, erschließt sich mir nicht.

    Sensburg: Weil sie die Zahlen der anderen Standorte nicht kennen?

    E. B.: Kenne die. Kann die Zahl aber überhaupt nicht falsifizieren oder verifizieren.

    Sensburg: Was passiert mit den Daten? Zeit Online: „Zwischen einer Woche und sechs Monaten werden sie dort gespeichert“. Richtig?

    [Eisenberg flüstert mit E. B.]

    E. B.: Werden gespeichert. Zu Speicherdauerhaber, weiß ich nicht, ob ich Aussagegenehmigung im öffentlichen Teil habe.

    [Wolff (Kanzleramt) und E. B. reden.]

    E. B.: .

    Sensburg: Werden gespeichert. In Schöningen? Oder in weiterer Dienststelle?

    E. B.: Grundsätzlich werden unsere Metadaten in aller Regel zentral in München gespeichert. Bauen das aber gerade um, Übergangsphase. Generell auch in die Zentrale.

    Sensburg: Sie separieren sie, filtern sie, dann eine Million Metadaten zu kleinem Teil in Schöningen behalten, der Rest nach München?

    E. B.: Alle nach München.

    Sensburg: Sie behalten nichts?

    E. B.: Doch. Dopplung.

    Sensburg: Gehen Daten außer nach München noch woanders hin?

    E. B.: [Pause] Haben Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Werden von uns sowohl mit Metadaten, als auch mit Inhaltsdaten versorgt. Nach Filterung.

    Sensburg: Rohdaten oder Meldung an Bundeswehr?

    E. B.: Bundeswehr macht analoge Auswertung, wie wir das auch tun. Wenn sie eine Meldung generiert, dann tauschen wir die auch aus, damit es keine Doppelarbeit gibt.

    Sensburg: Bundeswehr macht keine nachrichtendienstliche Bewertung mehr, außer MAD mit anderen Aufgaben. Machen sie im BND nicht die Analyse?

    E. B.: Analyse ist nicht der richtige Begriff. Bei Einsatzland bekommt Bundeswehr die von uns erfassten Verkehre mit Metadaten und bearbeitet die. Darüber hinaus noch Austausch von „Finished Intelligence“. Dazu gibt es Vereinbarung zwischen Bundeswehr und BND.

    Sensburg: Also Force Protection zu Konvois?

    E. B.: Ja.

    Sensburg: Weitergabe auch an AND?

    E. B.: An keinen der Five Eyes Staaten.

    Sensburg: Andere würden mich interessieren, ist aber nicht Untersuchungsgegenstand. Gilt auch für Metadaten?

    E. B.: Bezogen auf Bundeswehr, ja.

    Sensburg: Und Five Eyes?

    E. B.: Zu keinem Zeitpunkt gingen irgendwelche Daten an einen Five Eyes Staat, nie.

    Sensburg: Wie veranstalten sie das technisch. Software im BND selbst entwickelt?

    E. B.: Bei Metadaten ist das Software, die schrittweise durch eine deutsche Firma in Zusammenarbeit mit BND und Bundeswehr entwickelt wurde. Inhaltsdaten ist Software, die beginnend mit Firma und bei unserer Dienststelle entwickelt wurde, jetzt unter Federführung der Zentrale.

    Fragerunde 1: Die Linke (12:39)

    Renner: Wir haben nicht viele Unterlagen aus Schöningen erhalten. Also Snowden-Dokument „MAT A Sek 4–1q“: „Auch die NSA profitiert von dieser Sammlung, insbesondere von den Thuraya-Erhebungen, die der BND täglich [aktualisiert] zur Verfügung stellt.“ Widerspricht ihrer Aussage. Werden Daten in Deutschland weitergegeben?

    E. B.: Ich habe leider nur das Original, nicht die Übersetzung.

    Renner: Fünfter Absatz, erster Satz: „Daten, die der BND täglich zur Verfügung stellt.“

    [E. B. liest Dokument.]

    Wolff: Zeuge darf natürlich sagen, was Thuraya macht. Was der BND damit macht, nur .

    E. B.: Ganz deutlich: Dienststelle Schöningen, die von mir geleitet wird, leitet und hat geleitet keinerlei Dinge an die NSA, die hier gemeint sein können. Kann nur heißen, dass die ausgewählte Daten aus unserer Zentrale bekommen hat. Aber nicht von Schöningen, nie und zu keinem Zeitpunkte.

    Renner: Was wissen sie Über Daten, die von Schöningen an Zentrale gehen?

    E. B.: Nichts, das sehen wir nicht. Die entscheiden, ob Meldung weitergegeben wird. Wir sehen das nicht. In keinem Fall.

    Renner: Aussage „keine Daten an NSA“ relativiert?

    E. B.: Von Schöningen.

    Renner: Daten an Zentrale gegeben. Auch nach Bad Aibling?

    E. B.: Nein.

    Renner: Metadaten an Bundeswehr gegeben. Grundlage der Weitergabe, Vereinbarung, rechtlicher Status?

    E. B.: Gibt eine Einzelvereinbarung zwischen Bundesministerium der Verteidigung und BND, dass BND die Bundeswehr im Rahmen der Einsätze mit Daten, auch Rohdaten, versorgt.

    Wolff: Die Vereinbarung ist eingestuft. Hat nichts mit Untersuchungsgegenstand zu tun. .

    Renner: Kann Bundeswehr Daten weitergeben, an andere Streitkräfte anderer Länder?

    E. B.: Kann ich nicht mit Sicherheit sagen, sehen wir in Schöningen nicht. Werden sensibel behandelt. Aber ausschließen kann ich das definitiv nicht.

    Renner: Aussage „nicht an Five Eyes Staten“ eingeschränkt: Weitergabe via Zentrale oder Bundeswehr. Zweites Zitat aus Dokument, Seite 2, letzter Satz in vorletztem Absatz: „Der BND reagierte positiv auf die Anfrage der NSA nach Kopien der MIRA4- und VERAS-Software und richtete selbst mehrere Anfragen bezüglich Ziel- und Werkzeugentwicklung und ‑daten an die NSA.“ Bekam NSA Kopien von MIRA4 und Verkehrsananlysesystem VERAS?

    E. B.: Ziemlich sicher, dass das nicht so ist. Kann das aber nicht ausschließen.

    Renner: Wer vom BND hat um Bereitstellung gebeten?

    E. B.: Zweiter Besuch Juli 2006 waren NSA-Gäste von unserer Arbeitsweise beeindruckt. Die wurden gebeten, Handbücher und Dokumente ihrer Software zu übermitteln. Ist nie erfolgt.

    Renner: NSA wollte Software. BND wollte „Ziel- und Werkzeugentwicklungsdaten“ von NSA. Haben sie gebeten?

    E. B.: Ja, NSA wurde gebeten, Beschreibungen und Handbücher zu übermitteln. Hat nicht stattgefunden.

    Renner: In Schöningen Software aus USA eingesetzt?

    E. B.: [Überlegt] Sorry, muss fragen.

    [E. B. redet mit Wolff.]

    E. B.: .

    Renner: Firmenvertreter waren anwesend. Software-Entwickler für BND?

    E. B.: Zwei Herren der Firma, die Metadaten-Werkzeug mit BND entwickelt haben. Besuch ging auch über Algorithmen, wie man Dinge finden kann.

    Renner: Waren auch Contractors der NSA dabei?

    E. B.: Nein, nach meinem Kenntnisstand waren alle drei Herren echte Mitarbeiter der NSA.

    Renner: Wie stellt man das fest?

    E. B.: Die werden angemeldet.

    Renner: Ging es auch um Kooperation in Bad Aibling?

    E. B.: Nein.

    Renner: Wurde nicht angesprochen?

    E. B.: Nicht im Juli.

    Renner: Juni?

    E. B.: Die kamen aus Bad Aibling, die waren an Kennenlernen interessiert. Hatte Bezug, aber keine konkreten Inhalte, was da passiert.

    Renner: Arbeit in Bad Aibling wurde nicht vorgestellt?

    E. B.: Nein. Gab eine Einladung nach Bad Aibling, ist nie erfolgt.

    Renner: Waren sie bei NSA in USA?

    E. B.: Nicht seit Schöningen, aber davor.

    Fragerunde 1: SPD (12:51)

    Flisek: Wohin gingen Datenströme von Schöningen? Bundeswehr, Pullach, andere BND-Stellen?

    E. B.: Wir bearbeiten unsere eingehenden Daten soweit wie es geht selber. Datenströme gehen an die Bundeswehr und im Einzelfall Datenverkehre – fast ausschließlich gesprochene Sprache, die wir nicht verstehen – an die BND-Stellen, die entsprechende Ressourcen haben. Die erstellen dann Meldungen, oder auch nicht.

    Flisek: Zwei Abflüsse: nach Pullach und direkt zur Bundeswehr?

    E. B.: Ja.

    Flisek: Bearbeiten die selbst. Auch Meldungen?

    E. B.: Genau.

    Flisek: Die dann weitergeben?

    E. B.: Nach Pullach.

    Flisek: Immer Pullach?

    E. B.: Ja, ist der Standardweg.

    Flisek: Sie wissen nicht, was Pullach damit macht?

    E. B.: Genau.

    Flisek: Bekommen sie kein Feedback?

    E. B.: Eine Bewertung: gut oder nicht. Aber nicht, wer das bekommen hat.

    Flisek: Was sind wertvolle Meldungen?

    E. B.: Schwierig als generelle Aussage. Sachen zu aktuellen Krisen. Aktualität mit das wichtigste.

    Flisek: Terrorismus? Welche Regionen? Was ist Schwerpunkt?

    E. B.: .

    Flisek: Sämtliche Filter-Prozesse auch bei ihnen?

    E. B.: Grundsätzlich schon.

    Flisek: Können sie die darstellen?

    E. B.: [Pause]

    Wolff: Grundsätzlich ja, Einzelheiten in Schöningen .

    E. B.: Schutz Artikel 10 Grundgesetz findet bei uns an zentraler Stelle auf einem Rechner statt, der erkennt „ist das geschützter Verkehr“ und dass dann markiert oder löscht. Bei Genehmigung wird das an juristische Nachrichtenbearbeitung an Zentrale weiter. Standard-Bearbeitung mit Maschine, die wir nicht kontrollieren, haben keinen Einfluss drauf, ist für uns eine Blackbox. Ansonsten machen wir Vorselektion, die versucht, Verkehre thematisch und regional einzusortieren.

    Flisek: Wie kommen sie an Selektoren?

    E. B.: Selektoren?

    Flisek: Filter-Kriterien.

    E. B.: Harter Selektor wie Telefonnummer ist Mischung aus Eigenerkenntnis, Zentrale und dort auch Hinweise von Partnern.

    Flisek: Erfolgsquote bei Filtern in Blackbox? 100 Prozent?

    E. B.: Sehr nahe dran. Kann das gerne erklären. Funktioniert sehr gut. Bei uns.

    Flisek: Filtern ist ja bei USA nicht auf große Gegenliebe gestoßen, siehe Konflikt bei Eikonal. In Schöningen nicht der Fall?

    E. B.: Nein.

    Flisek: Ergebnis trotz Filterung von erheblichem Wert?

    E. B.: Für BND. Und hoffentlich auch für Deutschland.

    Flisek: Und für Partnerdienste. Snowden-Dokument ist Bericht der USA, wo zu Filtern gar kein Wort verloren wird. Ist das unüblich?

    E. B.: Bezogen auf die Besuche bei uns hätte ich das auch nicht erwartet. Da wurde über Arbeitsweise gesprochen. Nicht Mengen. Sondern Werkzeuge. Datenaustausch war kein Thema.

    Flisek: War ja auch Thema in USA für eigene Bürger, nicht darüber geredet?

    E. B.: Nein.

    Flisek: Datenstrom neben Pullach auch an Bundeswehr. Daten oder Meldungen oder beides?

    E. B.: Beides.

    Flisek: Rohdaten und Meldungen?

    E. B.: Ja. Gegen Dopplungen.

    Flisek: Wer war Gegenpart zu ihnen bei Bundeswehr?

    E. B.: Kommando Strategische Aufklärung in Gehlsdorf.

    Flisek: Intensiver Austausch?

    E. B.: Am Anfang ja, inzwischen mehr Routine.

    Flisek: Wie konkret waren weitergegebene Daten?

    Wolff: Inhalte von Datenaustausch mit Bundeswehr ist eingestuft.

    Flisek: Qualität der ausgetauschter Daten? Auch geografische Positionsangaben?

    [E. B. guckt zu Wolff. Wolff guckt zu Thesis, BMVg. Beide reden mit Soldat in Uniform ohne Namensschild in der letzten Reihe.]

    E. B.: .

    Fragerunde 1: Die Grünen (13:05)

    Notz: Sie können zu Technik öffentlich nichts sagen?

    E. B.: Zu Software aus USA.

    Notz: Wir versuchen, nachzuforschen, wo die Daten abfließen können. Hard- und Software ist ja auch eine Möglichkeit. Name vom Projekt Glo… steht zwar auf bundestag.de, darf aber hier nicht gesagt werden. Haben sie „Eikonal“ und „Glo…“ gehört?

    E. B.: Ja, in der Presse, mehr nicht.

    Notz: Was ist ein Datum? Eine Millionen Metadaten pro Tag in Schöningen. Also eine Millionen Metadatensätze?

    E. B.: Ja.

    Notz: Wie viele Daten kann ein Metadatensatz enthalten?

    E. B.: Ist ja eine Frage, was man darunter versteht.

    Notz: Wie viele Daten kann ein Metadatensatz enthalten?

    E. B.: Im besten Fall angerufene und anrufende Nummer, zwei Gerätenummern und Region, also 5.

    Notz: Ist Gerätenummer IMEI?

    E. B.: Ja, ist ja die Abkürzung dafür.

    Notz: Fünf Daten?

    E. B.: Bis zu.

    Notz: Also eine Millionen mal drei, vier, fünf?

    E. B.: Wenn man das einzeln zählen würde, ja. Ist aber nicht sinnvoll.

    Notz: Sehen wir unterschiedlich. Vorsitzender sagte kurze Speicherdauer, ich weiß von einer langen Speicherdauer. Ich zeige ihnen Akte mit sehr, sehr viel längerer Speicherdauer. Ist das so?

    Sensburg: Habe aus Zeit Online zitiert.

    E. B.: [Bekommt Akte: MAT A BND‑1/11m, Tagebuchnummer 89/14 geheim, Anlage 01, Ordner 284, Blatt 0036]

    Notz: Tabelle mit Außenstellen des BND und Speicherdauer. Ist das falsch oder richtig?

    E. B.: Kann’s lesen, werde dazu aber nur aussagen.

    Notz: Ist das falsch, was da steht?

    E. B.: .

    Sensburg: Bleiben sie bei ihrer bisher getätigten Aussage?

    E. B.: Verstehe ich nicht. Habe zu dem Thema keine Aussage gemacht. Eine Woche bis sechs Monate wurde nicht beantwortet.

    Notz: Könnte ja Verzwanzigfachung sein. Werden Daten nach Pullach direkt weitergeleitet?

    E. B.: Mit „direkt“ tue ich mich schwer. Zu Bundeswehr werden die auf einem Server abgelegt und dann über eine Leitung transportiert.

    Notz: Server in Schöningen?

    E. B.: Ja.

    Notz: Werden in Schöningen Inhaltsdaten erfasst, gespeichert und weitergeleitet?

    E. B.: Ja, ist ja Schwerpunkt.

    Notz: Wie viele Mitschnitte pro Tag?

    E. B.: Stark schwankend. Derzeit grob 300.000 bis 400.000.

    Notz: 2006 könnte 500.000 gewesen sein?

    E. B.: Größenordnung stimmt.

    Notz: Gespräche werden inhaltlich mitgeschnitten?

    E. B.: Ja.

    Notz: Wie viele Daten enthält so ein Gespräch?

    E. B.: Das ist ja noch komplizierter. Erfahrungswert ist bei Gesprächen Speicherbedarf von wenigen Megabyte pro Gespräch, im Durchschnitt.

    Notz: Nochmal vier Metadaten zusätzlich für diese 300.000–400.000 oder in der Million enthalten?

    E. B.: Ist mit drin. Erfolglose Anwahlversuche. Geschätzt ungefähr immer mindestens doppelte Menge Metadaten als Inhaltsdaten. Aber darin enthalten, nicht zusätzliche.

    Notz: In Schöningen ausschließlich Satellitendaten?

    E. B.: Bekommen auch von anderen Bereichen Verkehre zugeroutet, die wir nicht erfassen. Details .

    Notz: 500.000 Inhalte und vier Millionen Metadaten plus andere von anderen Stellen? Kann auch Kabel sein?

    E. B.: Kabel: . Zahlen beinhalten die zugerouteten.

    Notz: Nicht nur Satellit? Auch kabelgebunden?

    E. B.: .

    Fragerunde 1: CDU/CSU (13:18)

    Warken: Zeitraum für 400.000 Daten?

    E. B.: Pro Tag.

    Warken: Zweiter NSA-Besuch in Schöningen. Ihr Bericht und Reisebericht der NSA von Snowden: Wurden die Berichte abgestimmt?

    E. B.: Völlig getrennt. Der veröffentlichte Bericht hat uns überrascht, den kannten wir nicht, keine Abstimmung.

    Warken: Spiegel 21.12.1998 über Schöningen: Auf einem Ohr blind. Damals entschied Bundesverfassungsgericht über G‑10-Gesetz. „Mit Hilfe der Station in Schöningen bei Braunschweig hörte Pullach mit, als der bosnische Präsident Alija Izetbegovic während des Kriegs mit den Serben bei seinen Bürgermeistern die Lage abfragte. Izetbegovic benutzte wegen des zerbombten Leitungsnetzes ein Satellitentelefon.“ Seit wann macht BND in Schöningen Auslandsaufklärung?

    E. B.: Sind ja an der innerdeutschen Grenze, früher war DDR auch Auslandsaufklärung. Nicht meine Zeit, keine Details.

    Warken: Immer nur Satellit? Oder auch Kabel?

    E. B.: Kabel-Erfassung geht in Schöningen nicht.

    Warken: Gab es Zusammenarbeit mit AND zu Erfassungsansatz in Schöningen?

    E. B.: Frage nochmal?

    Warken: Gab es eine Kooperation von BND und einem AND zu einem Erfassungsansatz, der in Schöningen oder über Schöningen durchgeführt wurde?

    E. B.: Muss mich umdrehen. [Redet mit Wolff.] Nicht mit Five Eyes Staaten. Alles andere ist nicht Untersuchungsgegenstand.

    Warken: Welche Regionen?

    E. B.: Krisen und Kriegsregionen. Details .

    Warken: Wird XKeyscore eingesetzt? Seit wann?

    E. B.: [Fragt Wolff.] Haben in Schöningen Ende Februar 2013 einen Rechner aufgesetzt, auf dem XKeyscore installiert wurde. Seit Mitte 2013 mit diesem Werkzeug (kein Erfassungssystem, nur Aufarbeitung, Selektion und Durchsuchung) probehalber für Streckenaufklärung eingesetzt, haben es produktiv bei Meldungserstellung nie eingesetzt. Im Moment ist der Stand, das wir das so gut wie gar nicht einsetzen, weil wir andere haben und nutzen. Ist aber noch vorhanden.

    Warken: Mit welche Daten getestet?

    E. B.: Ausgewählte Satellitenstrecken und IP-Bereich.

    Warken: Heimlicher Zugriff von AND durch XKeyscore?

    E. B.: Kann ich für Schöningen ausschließen. Gibt keine Verbindung, über die diese Daten abfließen könnte.

    Warken: Andere Software von AND?

    E. B.: Fällt mir im Moment nichts ein. Ausnahme vorhin: .

    Warken: Keine weiteren Fragen öffentlich.

    Fragerunde 2: Die Linke (12:27)

    Renner: Zitat Snowden-Dokument: „Analysten reichten an ihre Hauptquartiere weiter.“ Warum Plural?

    E. B.: Ist ein Fehler, darf da nicht stehen.

    Wolff: Headquarters, im englischen Singular = Plural.

    Renner: Methode „Call Chain“?

    E. B.: Wenn neben einer auffälligen Person auffällige Verbindungen bestehen.

    Renner: Nur Mitschnitte in Schöningen? Oder die gerouteten damit verkettet zu Call Chaining?

    E. B.: Verkettung von Daten mehrerer Stellen ist fast ausschließlich in Zentrale. Kann im Einzelfall mal sein, aber das ist krasse Ausnahme.

    Renner: Auch Daten aus sozialen Netzwerken?

    E. B.: Was verstehen sie darunter?

    Renner: Facebook.

    E. B.: Definitiv nicht in Schöningen.

    Renner: Bei Call Chaining Software von AND?

    E. B.: Nein.

    Renner: Snowden-Dokument: „Jeder Mobilfunkteilnehmer kann geortet werden.“ Ist das korrekt?

    E. B.: .

    Renner: [BND 1 A8?], Blatt 102: Außenstellen mit Vorläufer-Organisationen. Welche sind das?

    E. B.: Kenne das Blatt nicht. Nehme an, das waren andere Bezeichnungen der Dienststellen.

    Renner: Was war die Bezeichnung der Dienststelle vormals?

    E. B.: [Redet mit Wolff.] Sich verändernde Organisations-Bezeichungen. .

    Renner: Gab es Besuche der BND-Datenschutzbeauftragten?

    E. B.: Ja.

    Renner: Wann? Thema?

    E. B.: Dezember 2014. [Nach der Vernehmung hier.] Kennenlernen.

    Wolff: Kein Untersuchungszeitraum.

    Notz: Beruhigend, dass es irgendwann passiert.

    Renner: Davor andere Kommunikation mit ihr?

    E. B.: Nicht direkt. Haben aber Speicher-Systeme gemeldet. Das ging wohl auch an sie. Weiß ich aber nicht genau.

    Renner: Sie als Leiter keinen Kontakt mit ihr?

    E. B.: Nein.

    Renner: Wie wird ihre Dienst- und Fachaufsicht in Außenstelle realisiert?

    E. B.: Im Normalbetrieb durch mich und meine Vorgesetzten.

    Renner: Welche durch sie abgedeckt?

    E. B.: Verstehe ich nicht. Bin als Leiter für alles Verantwortlich, was in der Dienststelle ist. Hole mir Beistand von zuständigen Stellen.

    Renner: Zertifizierung von Geräten und Software in ihrer Außenstelle?

    E. B.: Kann ich nichts sagen.

    Renner: Deswegen fragte ich vorher. Wer hat sich darum gekümmert?

    E. B.: Kann ich nichts dazu sagen.

    Renner: Hatten sie Kontakt mit Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)?

    E. B.: Nein.

    Renner: Bundesnetzagentur (BNetzA)?

    E. B.: Nein.

    Renner: BSI, BNetzA, Datenschutzbeauftragte: alles nein. Technik-Beschaffung zentral oder durch Außenstelle?

    E. B.: Bei Projekten (mehr als 3,50 Euro) stellt Bedarfsträger eine Bedarfsträgerforderung. Geht an Abteilungsführung, muss das einplanen. Dann zum Bedarfsdecker, leitet Beschaffungsvorhaben ein: Ausschreibung oder freihändige Vergabe.

    Renner: Beide Herren bei Gespräch, Software-Entwickler: Regelmäßiger Kooperationspartner der Außenstelle?

    E. B.: Ja, kannten die gut.

    Fragerunde 2: CDU/CSU (13:38)

    Keine Fragen.

    Fragerunde 2: Die Grünen (13:38)

    Ströbele: Welche Gegenden waren Ziel?

    E. B.: .

    Ströbele: Bad Aibling war Afghanistan. Warum sagen sie das nicht? Afrika?

    E. B.: Ja, Afrika. Mehr .

    Ströbele: Somalia?

    E. B.: .

    Ströbele: Kann man mit Metadaten telefonierende Personen orten?

    E. B.: In manchen Fällen mit Sicherheit. Konkret: .

    Ströbele: Wenn sie Metadaten zur Ortung zu Somalia an Bundeswehr oder via Zentrale an NSA weitergeben: Konnte dann USA/NSA/CIA Killerdrohnen-Einsätze damit machen?

    E. B.: Mit allem, was ich weiß oder glaube zu wissen, bin ich zu tiefst überzeugt, dass solche Daten, selbst wenn sie weitergegeben wären, die dafür eingesetzt wurde. Einerseits sind die Daten veraltet, bis sie dort landen könnten. In Schöningen sind wir sicher, dass die NSA die Daten auch schon hat, kein Mehrwert.

    Ströbele: Warum geben sie die dann weiter?

    E. B.: Tun wir ja nicht. BND gibt Meldungen weiter, keine Positionen. Bin überzeugt: was wir in Schöningen haben, hat die NSA selbst.

    Ströbele: Wurden ja auch Gesprächsinhalte weitergegeben. Ist ja von Mogadischu in Ramstein Air Base von Bedeutung. Sagten, Filter ist Blackbox. Sind das Standardgeräte, die in allen Außenstellen eingesetzt werden?

    E. B.: AFAIK sind das Standardgeräte, die in allen erfassenden Standortungen eingesetzt werden können. Ob und wo das im Einzelnen eingesetzt wird, weiß ich nicht.

    Ströbele: Haben uns mit Filtern befasst, in Bad Aibling und Frankfurt. Da wurden Zweifel deutlich, ob die wirklich sicher funktionieren. Hatten sie auch Zweifel?

    E. B.: Bleibe dabei: bin überzeugt, dass das eingesetzte Standardsystem richtig gut funktioniert, speziell bei unserem Spezialgebiet in Schöningen. Details .

    Ströbele: Warum? Besserer Strom?

    E. B.: Herr Abgeordneter, wir machen ja nicht alle das gleiche. Wir gucken auf unterschiedliche Systeme und Strecken.

    Ströbele: Klar, Afghanistan liegt woanders als Somalia. Aber die Technik ist doch gleich?

    E. B.: Unser Schwerpunkt ist, was das Frontend betrifft, von anderen Standorten abweicht.

    Ströbele: Details?

    E. B.: .

    Fragerunde 2: SPD (13:47)

    Zimmermann: Warum XKeyscore doch nicht eingesetzt?

    E. B.: Bin kein Fachmann dafür. Ist ein sehr, sehr mächtiges Werkzeug. Bezogen auf Schwerpunkte wie IP-Verkehre und Analyse von Strecken und Daten. Unsere Dienststelle hat einen anderen Schwerpunkt, einen Randschwerpunkt, haben Erfahrungen und andere Werkzeuge und kommen gut damit klar. Wenn die Leute mit dem Werkzeug nicht umgehen können, wird da nichts draus. Spielt nicht die Rolle, die es woanders spielen könnten. Ist aber nicht schlecht.

    Zimmermann: Keine weiteren Fragen.

    Fragerunde 3: Linke (13:50)

    Renner: Sagt ihnen „Umweltdatenbank“ etwas?

    E. B.: Habe ich mal gehört.

    Renner: Was war das?

    E. B.: Weiß ich nicht genau.

    Renner: Pullach?

    E. B.: Weiß ich nicht. Geben sie mir einen Tip.

    Renner: Erfassung und Speicherung von Metadaten?

    E. B.: Soll als zeuge nicht spekulieren. Könnte gemeint sein, Dinge wie Ländervorwahlen und IP-Blöcke gespeichert sein. Kann das aber nicht seriös beantworten.

    Renner: Seit wann Daten an Bundeswehr von Schöningen?

    E. B.: Seit ungefähr 2001.

    Renner: Daten-Ausleitung nach Pullach über BND-Netz?

    E. B.: Ja.

    Renner: Und zur Bundeswehr?

    E. B.: Netz bei uns angeschlossen, mit Bundeswehr-Kryptologie, die wir auch einsetzen.

    Wolff: Bundeswehr .

    Renner: Noch ein Netz-Zugang in Außenstelle, außer Bundeswehr- und BND-Netz?

    [Wolff (Bundeskanzleramt), Thiele (BMVg) und Akmann (BMI) diskutieren.]

    [Wolff redet mit E. B, der redet mit Eisenberg.]

    E. B.: Keinerlei Verbindung zu Five Eyes. Andere AND sind nicht Teil des Untersuchungsgegenstands.

    Renner: Nein, geht auch um Netzintegrität. Frage ist zulässig.

    Wolff: Ist nicht einschlägig. Sind keine Leitungssysteme, die irgendetwas mit Five Eyes zu tun haben. Mit der Argumentation könnte ich sämtliche Leitungen in Deutschland zum Untersuchungsgegenstand machen. Halte ich nicht für zulässig.

    Renner: Dann anders. Ist Außenstelle auch an privatrechtliches Netz angeschlossen?

    E. B.: Telekom?

    Renner: Genau.

    E. B.: Natürlich.

    Renner: Provider inländisch?

    E. B.: Ausschließlich inländisches Unternehmen. Aber selbst wenn das nicht so wäre, sämtliche Daten gehen über eine sehr stark verschlüsselte Verbindung. Sehe also kein Risiko.

    Renner: Haben ihre eingesetzten Dateien eine Dateianordnung?

    E. B.: Ich habe einen Kenntnisstand übe den aktuellen Bearbeitungsstand. Bei VERAS läuft in der aktuellen Version, die wir noch nicht richtig im Einsatz haben, noch ein Verfahren, bei INBE auch.

    Renner: Seit wann laufen die?

    E. B.: Nicht genau. Ich weiß, dass im BND seit einigen Jahren erkannt wurde, dass man dort insbesondere bei Metadaten einen anderen Weg gehen muss. Das wurde vor einigen Jahren eingeleitet. Wann genau, weiß ich nicht.

    Renner: Sollte Schöningen an Pullach nach Snowden Erklärungen geben?

    E. B.: Selbstverständlich, zu ihrem Ausschuss. Gibt es Unterlagen, sind die vollständig, Erklärungen abgegeben.

    Renner: Gab es Besprechungen dazu?

    E. B.: Nein.

    Renner: Andere Zeugin wurde ins Kanzleramt eingeladen?

    E. B.: Nein.

    Renner: Hatten sie Akten?

    E. B.: Gestern die, die sie auch haben. Und habe mir damals den von mir unterschriebenen Vermerk angeguckt.

    Renner: Waren sie bei Zusammenstellung der Akten für diesen Ausschuss beteiligt?

    E. B.: Selbstverständlich, bin der Leiter. Haben mir einen Überblick verschafft, dann dafür gesorgt, dass alles, was uns dazu vorliegt, in Kopie an die Zentrale geschickt wurde.

    Renner: Ist Kopie an die Zentrale identisch mit dem, was sie gestern gesehen habe?

    E. B.: Überfordern sie mich, sind diverse Ordner, muss andere BND-Stelle sagen.

    Renner: Anzahl übersandter Ordner identisch mit eingeschickten?

    E. B.: Gestern war mehr als wir an die Zentrale geschickt haben, Pullach hat ja noch mehr.

    Renner: Und das, was sie eingeschickt haben, identisch mit gestern?

    E. B.: Wie soll ich das prüfen?

    Renner: Gibt Erinnerungswissen.

    E. B.: [Redet mit Eisenberg.] Kann das nicht seriös beantwortet. Haben alles, was wir hatten, vorgelegt. Die Menge gestern war größer. Ich weiß auch nicht, ob alles, was wir geschickt haben, Untersuchungsgegenstand ist.

    Fragerunde 3: CDU/CSU(14:03)

    Keine Fragen.

    Fragerunde 3: Die Grünen (14:03)

    Notz: Sie haben alles vorgelegt?

    E. B.: Ja.

    Notz: Darf ich Herrn Wolff fragen, ob wir alles bekommen haben? Unser Aktenbestand aus Schöningen ist sehr schmal.

    Wolff: Davon gehe ich nicht aus. Schöningen als Dienststelle ist nicht Untersuchungsgegenstand. Vor dem Hintergrund gehe ich nicht davon aus, dass alles, was Schöningen vorgelegt hat, auch in die Akten eingegangen ist. Das entscheidet nicht Schöningen.

    Notz: Aber die Akten-Aufforderungen zu unseren Beweisbeschlüssen ging über seinen Schreibtisch. Unsere Aktenlage ist dünn. Wie viele Prozent des Materials von dort haben wir?

    Wolff: Kann ich nicht sagen. Ich habe nicht gesehen, was Schöningen geliefert hat. Die Außenstellen haben die Tendenz, sehr breit vorzulegen. Die Entscheidung treffen aber andere.

    Notz: Die Bundesregierung legt das anders aus. Uns haben nur vier Seiten erreicht.

    Wolff: Inhalte, die nicht den Untersuchungsgegenstand betreffen, geben wir ihnen nicht.

    Sensburg: Ist Gegenstand einer Beratungssitzung.

    Notz: Ist nicht der langweiligste Tag mit Herrn E. B. Eine Milliarde Daten pro Jahr alleine in Schöningen.

    Wolff: Nicht an Five Eyes Staaten, nicht Untersuchungsgegenstand.

    Notz: Bei uns kamen vier dünne Seitchen an. Der Zeuge weiß genau, worum es im Ausschuss geht und antwortet auch so. Wie viele Seiten haben sie geschickt?

    Eisenberg: Ist geheim. Der Zeuge darf keine geheimen Akten vorlegen, also darf er auch nicht darüber berichten.

    [Gelächter bei der Opposition.]

    E. B.: Ein dick gefüllter Ordner.

    Notz: So 300 Seiten?

    E. B.: Ja. War alles, quasi wahlfrei genommen, was sein könnte. Wir hatten keinen juristischen Beistand, zu entscheiden, ob das dazu gehört.

    Notz: Bei uns kam ein Prozent an. Schließen sie aus, dass Daten, die sie an die Bundeswehr leiten, auch in Force Protection Pools landen?

    E. B.: Kann ich nicht ausschließen. Aber Bundeswehr geht sehr sorgfältig damit um.

    Notz: Klar, aber man kooperiert ja auch mit anderen. Gibt da Datenbanken. Datenbanken in Schöningen: Sagen ihnen MIRA4 und VERAS was?

    E. B.: Ja.

    Notz: Sind die bei ihnen?

    E. B.: VERAS ist da, MIRA4 gibt es nicht mehr.

    Notz: Da liegen ja Milliarden Daten drin. Gab es dafür Errichtungsanordnungen?

    E. B.: Begriff sagt mir nichts. Also lautet die richtige Antwort wohl nein.

    Notz: Braucht man, damit Datenbank legal ist.

    E. B.: Dateianordnung?

    Notz: Genau.

    E. B.: Bin bis vor kurzem davon ausgegangen, dass es die gibt.

    Notz: Haben sie die gesehen?

    E. B.: Nein.

    Notz: Glauben sie, dass es die gibt?

    E. B.: Einige werden derzeit vorbereitet. Es wurden Defizite erkannt, die beseitigt werden.

    Notz: Heißt das, dass es in der Vergangenheit keine gab?

    E. B.: Bei einer Datei mit Teilnehmer-Informationen gab es eine, die ich aber nicht gesehen habe. Es gab die Auffassung, dass eine andere Datei mit Teilmenge dieser Daten, keine neue brauchte.

    Notz: Aber die Dateien sind ja bei ihnen in Schöningen. Ist es nicht komisch, dass sie die Anordnung nie gesehen haben?

    E. B.: Heißt nicht zwingend, dass es die nicht gibt. Wurden regelmäßig aufgefordert, Dateien mit personenbezogenen Daten zu melden, haben wir getan.

    Notz: Gab es eine Dateianordnung?

    E. B.: Bis zum Besuch der Datenschutzbeauftragten 2014 hat sich das bei uns niemand angeguckt, aber es gab die gleichen Probleme ja in der Zentrale. Meines Wissens gab es eine für die Ursprungsdatenbank, die ich aber nie gesehen habe.

    Notz: Gibt es mit AND andere Kooperations-Projekte als Eikonal und Glo…?

    E. B.: Bei Nicht-Five-Eyes-Staaten darf ich das nicht sagen.

    Fragerunde 3: SPD

    Keine Fragen.

    Fragerunde 4: Linke (14:17)

    Renner: Wurden Daten von AND verarbeitet?

    E. B.: Rohdaten, Meldungen, nein.

    Renner: Antwort klingt so, als ob es doch einen Bereich gibt.

    E. B.: Verstehe darunter nicht, ob darunter auch Informationen zu einer Frequenz oder Teilnehmer fallen. Das erhalten wir von der Zentrale, manchmal haben die das von AND.

    Renner: Technische Informationen auch über Zielpersonen, die durch AND der Five Eyes identifiziert werden?

    E. B.: Werden so nicht bei uns eingespielt. Was passieren kann, ist dass AND Informationen wir Telefonnummern an Zentrale gibt. Die Zentrale gibt das dann weiter. Wenn es Informationen dazu gibt, erstellen wir eine Meldung und geben die an die Zentrale. Die können das weitergeben, das sehen wir aber nicht.

    Fragerunde 4: CDU/CSU

    Keine Fragen.

    Fragerunde 4: Die Grünen (14:19)

    Ströbele: Unser Auftrag ist auch „geheimer Krieg“ aufzuklären, nicht nur Massendatenerfassung. Laut Snowden-Dokument hat NSA gelobt, dass BND jeden Mobilfunkteilnehmer, der sich in einem ausgewähltem Gebiet – Beispiel Somalia – einige Minuten lang aufhält, orten kann. Ist das so? Haben sie solche Daten gehabt und weitergegeben?

    E. B.: . Wir haben keine Daten an Five Eyes gegeben. Was andere getan haben, kann ich in Schöningen nicht sagen.

    Ströbele: Aber sie haben Daten an Bundeswehr gegeben. Welche Daten?

    E. B.: Selektiert nach vorher getroffenen Absprachen bezüglich Einsätzen der Bundeswehr.

    Ströbele: Wo Bundeswehreinsätze sind, geben sie Daten weiter?

    Wolff: Vereinbarung ist eingestuft.

    Ströbele: Haben sie mit Besuchern darüber gesprochen?

    E. B.: Dieser Teil war Bestandteil von Gesprächen. Alles andere .

    Ströbele: Haben sie nur gesprochen, oder auch was vorgeführt?

    E. B.: Haben sogar überwiegend vorgeführt.

    Ströbele: Waren da auch solche Daten dabei? Gucken sie mal hier, wir können hier alle orten?

    E. B.: .

    Ströbele: Ist nicht zum Lächeln, ist ja nicht nur erfreulich.

    E. B.: Doch. Die haben keine Daten bekommen, sondern nur gezeigt bekommen, wie wir arbeiten.

    Ströbele: Ihnen wurden andere Daten „zugeroutet“. Woher kamen die? Bad Aibling, Frankfurt? Düsseldorf?

    E. B.: .

    Ströbele: Welche Zeit war die Zuroutung?

    E. B.: Gibt ja alle möglichen Varianten. . Pauschal ohne Unterscheidung: seit einigen Jahren.

    Ströbele: 2003, 2004, folgende.

    E. B.: Damals noch nichts groß (oder gar nicht) zugeroutet. Wenn ich mich richtig erinnere: erste größere Dinge von Außen erst danach.

    Ströbele: Wussten sie, wo die herkamen?

    E. B.: Ja.

    Ströbele: Leitungs- oder paketvermittelt?

    E. B.: Ja, sehen sie ja am Verkehr.

    Ströbele: Können sie das genannten Aufnahmeorten zuordnen? Die anderen machen ja nicht Antennen, sondern Glasfasern.

    E. B.: Können erkennen, welche Daten das sind und wo sie herkommen. Alles andere .

    Ströbele: Umfang? Paar Millionen?

    E. B.: . Sehr gering im Verhältnis zu dem, was wir haben.

    Ströbele: Auch Metadaten und Inhalte?

    Notz: XKeyscore zur Streckenabklärung eingesetzt. Was bedeutet das?

    E. B.: Auf Satelliten haben sie Unterscheidung von Strecken, auch Frequenzen. Übertragende Dinge sehr unterschiedlich: Fernsehen, Radio, Firmennetze, Internet-Provider. Unser Kerngeschäft: Daten reduzieren, im Gegensatz zur NSA. Gucken Strecken an, gucken paar Tage rein, ob das relevant ist.

    Notz: XKeyscore hilft bei Erkennung und Sichtung der Strecken zur Auswahl?

    E. B.: Ist Stärke von XKeyscore. Nutzen das nur für Streckenauswahl, nicht für Produktion.

    Notz: Werden bei ihnen Selektoren eingesetzt?

    E. B.: Ja.

    Notz: Wo kommen die her?

    E. B.: Große Teile eigene Erkenntnisse. Andere gesteuert durch Zentrale.

    Notz: Selektoren von Five Eyes über Zentrale an sie?

    E. B.: Bin mir sicher, dass es Fälle gab, wo man relevante Telefonnummern gegeben hat. Aber nicht mit dem Ziel, dass der BND als langer Arm für die NSA eine Überwachung durchführt. Sondern als Kooperation. Ich bin überzeugt, dass die NSA alle Daten hat, die wir in Schöningen haben.

    Ströbele: Die können alles, sagen sie.

    Notz: Was ist „Need to know“?

    E. B.: Lange und intensiv im BND geprägter Begriff: Abschottung, nur die Leute an Informationen beteiligt wurden, die mit dem Vorgang zu tun hatte. Gilt im Grundsatz immer noch, aber heute offener als vor zehn Jahre.

    Notz: Haben sie bei Vorbereitung Dinge gesehen, die sie nicht wussten?

    E. B.: Nein.

    Notz: Haben nur zu Schöningen gelesen?

    E. B.: Ja.

    Ströbele: Warum haben sie die zugerouteten Daten erhalten?

    E. B.: Ganz einfach, aber .

    Formalitäten: Vorsitzender (14:37)

    Beschluss zum Ausschluss der Öffentlichkeit.

    Unterbrechung für namentliche Abstimmung über Bundeswehreinsatz in Mali im Plenum.

    [15:18: Geht weiter.]

    $Formalitäten

    Zeuge 2: R. S., BND (15:21)

    Rechtsbeistand ist Johannes Eisenberg.

    Mein Name ist R. S., Dienststelle ist Rheinhausen. Bin 49 Jahre alt. Diplom-Ingenieur.

    Kein Eingangsstatement.

    Fragerunde 1: Vorsitzender (15:22)

    Sensburg: Studium Physik, danach?

    R. S.: 1992 Referent in Stockdorf, 1993 Wechsel Rheinhausen, Sachgebietsleiter. Seit 19996 zuständig für Betrieb Rheinhausen, danach Leiter der Systemunterstützung.

    Sensburg: Direkt nach Studium zum BND?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Nach Abi Studium? Oder erst Wehrdienst?

    R. S.: W15 Wehrdienst.

    Sensburg: Welche Aufgaben?

    R. S.: Erst reine Signalanalyse, dann Produktion von Daten.

    Sensburg: Algorithmen?

    R. S.: Generierung von Inhalten.

    Sensburg: Händische?

    R. S.: Bin für optimalen Einsatz der vorhandenen Technik verantwortlich.

    Sensburg: Selbst erstellt?

    R. S.: Größtenteils kommerziell, können auch sie kaufen.

    Sensburg: Welche Programme?

    R. S.: Hardware.

    Sensburg: Router?

    R. S.: Auch. Vorher Antenne, Frequenzumsetzung, Demodulation, Generierung der Inhaltsdaten.

    Sensburg: Welcher Zeitraum mit Glo… befasst?

    R. S.: 2004 bis 2006, offizielles Ende.

    Sensburg: Inoffiziell?

    R. S.: Halbes, dreiviertel Jahr vorher kamen keine Daten mehr, Verbindung beendet.

    Sensburg: Was heißt „keine Daten mehr gekommen“?

    R. S.: Die wurden vorher per Leitung angeliefert.

    Sensburg: Von wo?

    R. S.: Der Quelle?

    Sensburg: Wo?

    R. S.: Operation Glo…. Entzieht sich meiner Kenntnis.

    Sensburg: Eigene Leitung?

    R. S.: War nicht zuständig.

    Sensburg: Wo kamen die her?

    R. S.: Einer Quelle, die angezapft wurde.

    Sensburg: Daten direkt von Quelle?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Quelle geografisch wo?

    R. S.: Exakt weiß ich nicht, grob,

    Sensburg: Norddeutschland? Frankfurt?

    R. S.: In Deutschland.

    Sensburg: Sie wissen nicht, wo die gewonnen wurden?

    R. S.: War nicht relevant.

    Sensburg: Sind sie sicher, dass sie das nicht wissen?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Was wissen sie denn?

    R. S.: Irgendwo Mitte. Aber wo genau, weiß ich nicht, Wurde sensibel gehandhabt.

    Sensburg: Wo waren sie damit beschäftigt?

    R. S.: Rheinhausen.

    Sensburg: Auch andere Standorte damit zu tun gehabt?

    R. S.: Meines Wissens nach nicht. Zentrale halt.

    Sensburg: Sagt ihnen „EVINT“ etwas?

    R. S.: Nein.

    Sensburg: Spiegel 10.01.2015 US-Telefonriese ließ BND mithören „Die deutsche Tochter des US-Providers MCI mit Sitz in Dortmund verschaffte dem Bundesnachrichtendienst (BND) Zugang zu seinen Telefonleitungen.“ Bekannt?

    R. S.: Kenne den Artikel.

    Sensburg: „Die Ergebnisse der Auslandsverkehre – jährlich mehrere Hundert Mitteilungen – habe der BND dem US-Geheimdienst CIA zur Verfügung gestellt.“ Über Rheinhausen?

    R. S.: .

    Sensburg: Sind ihnen MCI und Verizon bekannt?

    R. S.: Nur namentlich.

    Sensburg: Dienstlich damit zu tun gehabt?

    R. S.: Zwangsläufig.

    Sensburg: Was machen die Firmen?

    R. S.: Verstehe die Frage nicht.

    Sensburg: Was ist die Aufgabe von MCI und Verizon?

    R. S.: Normaler Telekom-Provider.

    Sensburg: Warum arbeitet BND mit Telekommunikations-Providern zusammen?

    R. S.: Weiß ich nicht, hatte keinen Kontakt.

    Sensburg: Sie müssen sich doch fragen, wo die Daten herkommen. Können das diese Provider gewesen sein?

    R. S.: .

    Sensburg: Projekt Glo… lief von 204 bis 2006?

    R. S.: Ab dem Zeitpunkt hatte ich damit zu tun. Kann sein, dass es vorher schon Verhandlungen in der Zentrale gab.

    Sensburg: Laut einem Dokument 2001 bis 2006. Möglich?

    R. S.: Möglich, hat immer Vorlauf.

    Sensburg: Welche Art Verkehre bei Operation Glo…?

    R. S.: .

    Sensburg: Metadaten?

    R. S.: .

    Sensburg: Verkehrsdaten?

    R. S.: .

    Sensburg: Zeit Online: BND speichert 220 Millionen Telefondaten – jeden Tag. Entspricht das der Realität?

    R. S.: Bei uns sind das keine 220 Millionen am Tag.

    Sensburg: Wie viele pro Tag?

    R. S.: Damals im knappen Millionenbereich.

    Sensburg: Eine Million Daten. Was für Daten? Eine Millionen Telefonate?

    R. S.: Nein, damals hatten wir noch gar nicht den Speicherplatz dafür. Ausschließlich Metadaten.

    Sensburg: Was sind Metadaten?

    R. S.: Rufnummer, TKNs, Zeit, Quelle.

    Sensburg: Quelle ist Funkzelle?

    R. S.: Nein.

    Sensburg: Fünf Metadaten pro Telefonat, plus Inhaltsdaten?

    R. S.: Könnte hinkommen. Man hat nicht immer alle.

    Sensburg: Also Metadaten von 200.000 Telefonaten?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Vor oder nach Filterung?

    R. S.: Speicherung nur nach Filterung?

    Sensburg: Jeden Tag Metadaten von 200.000 Telefonaten gespeichert?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Wie lange gespeichert? Zeit Online: 7 Tage bis halbes Jahr.

    R. S.: .

    Sensburg: In Rheinhausen gespeichert?

    R. S.: Ja, und parallel nach Pullach in die Zentrale.

    Sensburg: Andere Standorte?

    R. S.: Nur Zentrale.

    Sensburg: War in Schöningen anders.

    R. S.: Mag sein.

    Sensburg: Auch an Dritte geleitet, Beispiel NSA?

    R. S.: Nein.

    Sensburg: Können sie ausschließen?

    R. S.: Als ich zuständig war, ja.

    Sensburg: Auch Meldungen erstellt aus Daten?

    R. S.: Nein.

    Sensburg: Woanders?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Wie viel Personal in Rheinhausen? Inhaltlich nichts gemacht damit?

    R. S.: Relevanzprüfung, dann Weiterleitung an Zentrale.

    Sensburg: Wie prüft man pro Tag 200.000 Telefonate auf Relevanz?

    R. S.: Metadaten, 200.000 Telefonate konnten wir nicht aufzeichnen.

    Sensburg: Trotzdem viel.

    R. S.: Nicht einzeln durchgucken. Technische Auswertungssysteme, daraus neue Informationen generieren.

    Sensburg: Zusammenarbeit Rheinhausen mit NSA? Soft- und Hardware?

    R. S.: In diesem Zeitraum nicht.

    Sensburg: Welche Hardware?

    R. S.: Antennen, Radio. .

    Sensburg: Handelsüblich?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Mit bestimmten Eigenentwicklungen?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Handelsübliche Komponenten in Deutschland produziert?

    R. S.: Quer Beet.

    Sensburg: Router von Cisco?

    R. S.: Nicht auszuschließen.

    Sensburg: Mehr ?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Software? Standard, kann ich auch kaufen? Oder BND-Entwicklung? Oder AND?

    R. S.: Von allem etwas.

    Sensburg: Welche AND haben Software-(Komponenten) gegeben?

    R. S.: .

    Sensburg: Erfassung, Filterung, Bearbeitung, Ausleitung nur nach Pullach. Spiegel 10.01.2005 US-Telefonriese ließ BND mithören: „Die Ergebnisse der Auslandsverkehre – jährlich mehrere Hundert Mitteilungen – habe der BND dem US-Geheimdienst CIA zur Verfügung gestellt.“ Nicht in Rheinhausen, weil keine Mitteilungen erstellt?

    R. S.: .

    Sensburg: Nee, nee. Erklären.

    R. S.: Sie haben Recht. Es wurden nach Prüfung Daten in sehr begrenztem Umfang weitergegeben.

    Sensburg: An AND?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Gehören zu Five Eyes?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Weiterleitung von Rheinhausen?

    R. S.: Ja.

    Sensburg: Nach welchen Kriterien wurden Daten weitergegeben?

    R. S.: Selektoren.

    Wolff: Einzelheiten der Operation .

    Sensburg: Habe kein Problem mit . Darf nur keinen Dissens zwischen öffentlich und nicht-öffentlich geben. Push oder Pull?

    R. S.: Die wurden auf einem Server abgelegt und …

    Wolff: .

    Sensburg: Ein oder mehrere AND?

    R. S.: .

    Sensburg: Vergleichbare Operationen neben Glo…?

    R. S.: Ich glaube nicht.

    Sensburg: Sind ihnen komische Selektoren aufgefallen, die sie abgelehnt haben?

    R. S.: Werden immer geprüft.

    Sensburg: Sind welche rausgeflogen?

    R. S.: Kann mich nicht entsinnen.

    Sensburg: Selektor „EADS“?

    R. S.: Sicher nicht.

    Sensburg: Wenn EADS dabei, wäre rausgeflogen?

    R. S.: Ja.

    Fragerunde 1: Linke (15:51)

    Renner: Vorher mit Operation Eikonal beschäftigt. Breitfelder hat Rede und Antwort gestanden. Bei Glo… plus CIA rückwärts. Hier Beweiserhebung schwierig, auch mit ihnen. Warum ist diese Operation, die zehn Jahr her ist, so geheim? Warum gibt uns niemand Auskunft? Warum wird hier gemauert?

    R. S.: [Eisenberg redet mit R. S.] Weiß ich nicht. Kenne Eikonal auch nur namentlich, keine tieferen Details.

    Renner: Was hat man ihnen vor der Sitzung gesagt?

    Eisenberg: Das liegt an der Aussagegenehmigung. Die liegt ihnen vor. Fragen sie die Ersteller, nicht den Beamten.

    Wolff: . Es geht um eine Operation mit einem ausländischen Partner. Das ist sensibel. Öffentliche Aussage hätte erhebliche Auswirkungen auf Kooperation mit ausländischen Partnern. Daher ist das geheim, auch wenn das länger her ist. Umstände der Operation .

    Renner: Kann aber für Ausschuss nicht entscheidend sein, ob CIA empfindlicher ist als NSA. Wir machen unsere Arbeit, unabhängig von Befindlichkeiten über’m Teich. Wir als Ausschuss haben kein Rechtsverhältnis mit der CIA, aber die hindert uns bei unseren Fragen.

    Sensburg: Beratungssitzung.

    Renner: Waren unter ausgeleiteten Daten auch Daten von US-Bürgern?

    R. S.: Amerikanische Nummern waren nicht dabei.

    Renner: US-Bürger mit Nicht-US-Nummern?

    R. S.: Wir können im Ausland nicht jede Nummer überprüfen.

    Renner: Englischsprachige Kommunikationsinhalte?

    R. S.: Überall wird englisch kommuniziert.

    Renner: Waren englischsprachige Inhalte in Kommunikationsdaten?

    R. S.: .

    Renner: Warum?

    R. S.: Warum?

    Renner: Ja, warum ?

    Wolff: Dazu kann der Zeuge Angaben machen.

    R. S.: Ja, natürlich waren englischsprachige Inhalte dabei.

    Renner: Wie wurde sichergestellt, dass keine Daten von US-Bürgern dabei waren?

    R. S.: Waren nicht wir zuständig.

    Fragerunde 1: SPD (15:58)

    Flisek: Von welcher Seite ging Initiative für Glo… aus?

    R. S.: Weiß ich nicht.

    Flisek: Welcher Nutzen?

    R. S.: Nicht besonders groß, deswegen eingestellt.

    Flisek: War das klar?

    R. S.: Nein, sonst hätte man das ja nicht gemacht.

    Flisek: Freundschaftsdienst für USA?

    R. S.: Bin ich falscher Ansprechpartner.

    Flisek: Sie waren verantwortlich.

    R. S.: Dienst ist groß. Was andere Abteilungen machen, weiß ich nicht.

    Flisek: Welche Rechtsgrundlage?

    R. S.: Bin kein Jurist.

    Flisek: Ist kein Persilschein, schon gar nicht in ihrer Tätigkeit.

    R. S.: Gehe davon aus, dass unsere Hausjuristen sich gekümmert haben.

    Flisek: Und die haben ihnen nie Rechtsgrundlage mitgeteilt?

    R. S.:

    Flisek: Welt besteht nicht aus Juristen. Aber sie sind verantwortlich. Ist auch ein Bild, das auf dem BND lastet, und kein positives.

    R. S.: Muss mich auf die Aussagen meiner Vorgesetzten verlassen.

    Flisek: Worauf haben sie sich verlassen?

    R. S.: Dass es rechtmäßig ist.

    Flisek: Sie haben das betrieben.

    R. S.: Aber nicht ausgedacht, aufgesetzt oder Verträge unterschrieben.

    Flisek: Kann das nicht glauben, dass die die Grundlage nicht kennen. Hat sie auch nicht interessiert?

    R. S.: Ich bin Techniker, kein Jurist. Die Juristen verlassen sich auch auf meine Technik. Vertrauensverhältnis.

    Flisek: Ist ein ausländischer Provider verpflichtet, dem BND Informationen über Ausland-Ausland-Kommunikation zu geben?

    R. S.: In Deutschland, … weiß ich nicht. Mag sein. Auf richterliche Anordnung mit Sicherheit.

    Flisek: Geht ja um eine systematische Erfassung, keine individuelle. Systematisch Ausland-Ausland-Datenströme erfasst, ohne Anlass. Glauben sie, dass das so möglich ist?

    R. S.: Gehe davon aus.

    Flisek: Ist das typisch, dass jemand, der Projekt durchführt, sich nicht um diese Fragen kümmert? Diesen Eindruck habe ich.

    R. S.: [Pause.] Ich weiß nicht, was für eine Antwort sie erwarten.

    Flisek: Ist das typisch, dass Techniker, die operativ für Projekte verantwortlich sind, sich um rechtliche Grundlagen nicht kümmern?

    R. S.: Ich weiß nicht, was andere Leute denken.

    Akmann: Der Zeuge wird seit Minuten gefragt, obwohl er nicht antworten kann. Nehmen sie das zur Kenntnis.

    Flisek: Wer hat technische Komponenten zur Umsetzung entwickelt?

    R. S.: .

    Flisek: Beiträge von AND?

    R. S.: .

    Flisek: Hören sie auf damit. Da schließe ich mich der Opposition an. Die Unterscheidung von Eikonal zu Glo… ist nicht nachvollziehbar.

    Wolff: Da kann der Zeuge nichts dafür. Ich kann es nochmal sagen.

    Mittag: Sie haben ein Arbeitsfeld. Alle Umfeldabklärung (Zuständigkeit, Rechtliches) passiert vorher und woanders. Wie können sie feststellen, dass das alles geklärt ist?

    R. S.: Es mag sich seltsam anhören. Aber wenn die Zentrale solche Vereinbarung trifft, muss ich mich drauf verlassen, dass das abgeklärt und gesichert ist. Ich kann ja nicht bei allem Nachfragen.

    Mittag: Wie bekommen sie den Auftrag. Mündlich?

    R. S.: In der Regel gibt’s vorher Besprechungen.

    Mittag: Es muss doch auch Schriftliches geben, sie lernen doch nicht alles auswendig.

    R. S.: Nein.

    Mittag: Sie kriegen nichts Schriftliches?

    R. S.: Nein.

    Mittag: Es gibt keinen Auftrag, keine Frist? Ihr Vorgensetzer sagt ihnen was und sie marschieren los, ohne Nachweis?

    R. S.: Nein, ist meine normale Tätigkeit.

    Wolff: Der Zeuge ist zu tiefst verunsichert. Natürlich gibt es schriftliche Unterlagen, die liegen ja auch vor. Will den Zeugen schützen, der versteht nicht ganz, worauf sie hinaus wollen.

    Sensburg: Kleines Päusschen?

    Eisenberg: Richtiges Päusschen. Zeuge wird vorgeführt. Er ist kein Jurist.

    Sensburg: Wie lange brauchen sie als Pause?

    Eisenberg: Sie können auch hinnehmen, dass er das nicht beantworten kann.

    Sensburg: Beraten sie sich. Wie lange?

    Eisenberg: Ich brauche keine Pause. Wenn ich die Fragen nicht verstehe, sind sie schlecht.

    Mittag: Ich wollte keine Expertise. Ich will Abläufe klären. Regen sie sich nicht auf. Sie haben ihren Arbeitsbereich erklärt. Ich bin auch Beamte. Irgendwann hat man eine Anweisung und weiß, dass alle Vorgaben abgeklärt sind. Gibt es sowas, per Mail, schriftlich? Passiert doch nicht auf Zuruf.

    R. S.: Gibt einschlägige Vorschriften wie G‑10. Bekommen man einmal und weiß es. Thema ist dann austauschbar, Arbeitsstruktur bleibt gleich.

    Mittag: Wenn das bei ihnen ankommt, ist das automatisch abgeklärt?

    R. S.: Ja.

    Mittag: Ist ja auch eine rechtliche Absicherung für sie.

    R. S.: Wusste nicht, dass ich so etwas brauche.

    Fragerunde 1: Die Grünen (16:17)

    Notz: Zwei Bereiche: Glotaic und Rheinhausen an sich?

    R. S.: Ja.

    Notz: Glo…. Wissen sie, mit welchem Dienst das lief?

    R. S.: Ja.

    Notz: Wollen sie das sagen?

    R. S.: .

    Notz: Mit einem Dienst der Five Eyes?

    R. S.: .

    Notz: Wissen sie, wo Daten erfasst wurde?

    R. S.: Kannte den Namen der Firma.

    Notz: Keine deutsche Firma?

    R. S.: .

    Notz: Daten in Rheinhausen bei Projekt Glo… kamen woher?

    R. S.: Über einen Dateneingang bei uns.

    Notz: Deutschland, USA?

    R. S.: Welche Wege die genommen haben, kann ich nicht sagen. Für Datenströme nicht zuständig.

    Notz: Vielleicht nicht direkt von Erfassungsstelle?

    R. S.: .

    Notz: Nicht ausschließen, dass die Daten aus Ausland kamen?

    R. S.: .

    Notz: Nicht-öffentlich nicht ausschließen?

    R. S.:

    Notz: Welche Daten im Projekt?

    R. S.: .

    Notz: Thematik? Waffenexporte?

    R. S.: .

    Notz: bedeutet, nachher erzählen sie was dazu?

    R. S.: Ja.

    Notz: Gab es nach Glotaic ähnliche Projekte, die in Rheinhausen mitbearbeitet wurden?

    R. S.: .

    Notz: Nachdem das so ergiebig war, kommen wir zu Rheinhausen. Wie viele Daten umfasst ein Datensatz?

    R. S.: Unterschiedlich.

    Notz: Durchschnitt eines Telefonats?

    R. S.: Fünf bis sechs.

    Notz: Wie viele pro Tag?

    R. S.: Etwa Millionenbereich.

    Notz: Heute oder 2006?

    R. S.: Damals weniger

    Notz: Will ihnen Akte zeigen: MAT A BND‑1/11m, Tagebuchnummer 89/14 geheim, Anlage 01, Ordner 284, Blatt 0036. Da stehen Zahlen drin. Wollen sie ihre Zahlen anhand dessen korrigieren?

    [Anmerkung: Will uns wer ein Opernglas spenden?]

    R. S.: Von wann sind die Daten?

    Notz: Steht unten rechts.

    R. S.: Bin seit drei Jahren nicht mehr zuständig.

    Notz: Können sie ausschließen, dass das diese Zahlen sind?

    R. S.: Ausschließen nicht. Kommt mir aber viel vor.

    Notz: Warum? Rechtliche Bedenken? Spaß, Herr Eisenberg. Kommt mir auch viel vor. Regelmäßige Treffen mit anderen Außenstellen?

    R. S.: Leiter treffen sich regelmäßig, einmal im Monat.

    Notz: Da koordiniert man Sammlung und Austausch?

    R. S.: Bin nicht dabei, bekommen nur Auszüge von Ergebnissen.

    Notz: Bereiten sie Vorlagen vor?

    R. S.: So gut wie nie. Meistens nicht notwendig.

    Notz: Gibt Koordination. Wenn Schöningen ein Problem hat, kann Rheinhausen unterstützen?

    R. S.: Man unterstützt sich.

    Notz: Nutzen sie die selbe Technik?

    R. S.: Ähnlich.

    Notz: E‑Mails ist klar. Datenbanken? Technisch auf einem Stand?

    R. S.: Davon gehe ich aus.

    Notz: Korrespondierende Systeme? Arbeitet man gemeinsam an Gesamtbild?

    R. S.: Konkreter? Mail-Server kommunizieren natürlich miteinander, Telefone auch.

    Notz: Datenerfassung. Machen mehrere Außenstellen. Macht ja nur Sinn, wenn es ein Gesamt-Ding ist.

    R. S.: Ja.

    Notz: Aufgabenteilung?

    R. S.: Ja.

    Fragerunde 1: CDU/CSU (16:28)

    Warken: Zuständig für technische Datenweitergabe bei Glo… in Rheinhausen?

    R. S.: Technisch stimmt bedingt, organisatorisch ja.

    Warken: Hatte BND Räume bei Provider gemietet?

    R. S.: Weiß ich nicht.

    Warken: Daten von dort direkt nach Rheinhausen? Oder Zwischenstation?

    R. S.: Wenn, dann .

    Warken: Erstmals Zugriff?

    R. S.: .

    Warken: Am 5.2. hatten wir J. F. und W. K.. Die sagten: Im Rahmen von Glo… nur leitungsmittelte Verkehre und ausschließlich Ausland-Ausland.

    R. S.: Wenn schon öffentlich, kann ich das bestätigen.

    Warken: Auch E‑Mails?

    R. S.: Nein.

    Warken: Glo… in Rheinhausen Mitte 2004 bis 2006?

    R. S.: Ja.

    Warken: Wann Datenweitergabe an AND?

    R. S.: Nur innerhalb dieses Zeitraums.

    Warken: Nur Inhaltsdaten an AND, keine Metadaten. Stimmt?

    R. S.: Ja.

    Warken: Was können die damit anfangen? Haben Inhalte ohne Metadaten überhaupt Aussagekraft?

    R. S.: Unterschied reine Metadaten und Inhaltsdaten. Bei Inhaltsdaten sind auch die entsprechenden Metadaten dabei, logischerweise.

    Warken: Also doch?

    R. S.: Gibt ja auch reine Metadatensammlung. Ist etwas anderes.

    Warken: Gesamtes Paket weitergegeben?

    R. S.: Ja.

    Warken: Sachgebiet Nachrichtengewinnung in Rheinhausen hat Vorprodukte, Meldungs-Erstellung aber in Zentrale?

    R. S.: Ja.

    Warken: An AND nur Meldung?

    R. S.: Nur Vorprodukt?

    Warken: Direkt von Rheinhausen an AND? Oder über Zentrale?

    R. S.: .

    Warken: Wie ist die Leitung gegen unberechtigte Zugriffe gesichert?

    R. S.: Gehe davon aus, nicht meine Zuständigkeit.

    Warken: Auf welchem Weg gingen die Daten an AND?

    R. S.: Elektronisch.

    Warken: Wie abgesichert?

    R. S.: Bestens geschützt.

    Warken: Probebetrieb bei Glo…. Was ist technischer und betrieblicher Probebetrieb?

    R. S.: Infrastruktur in Betrieb nehmen, läuft das stabil. Danach Testbetrieb mit Daten und Kontrolle. Inbetriebnahme, erst wenn alles funktioniert.

    Warken: Wer entscheidet das?

    R. S.: Leitung.

    Warken: Daten an AND nur in Wirkbetrieb?

    R. S.: Vor G‑10-Prüfung geschieht überhaupt nichts.

    Warken: Keine Daten von Deutschen und US-Bürgern weitergegeben. Funktionierende G‑10-Filterung. Waren sie mit Einrichtung befasst?

    R. S.: Einrichtung nicht. Wurde aber prüft, ob der richtig funktioniert.

    Warken: Wie wurde das überprüft?

    R. S.: Ausgang anschauen und gucken, ob etwas durchgerutscht ist, um nachzubessern.

    Warken: Stichproben?

    R. S.: Ja.

    Warken: Zu 100 % funktioniert?

    R. S.: Im Prinzip ja. Aber Technik und 100 % gibt’s nicht. 99, 99 %.

    Warken: Nochmal händische Durchsicht vor Weitergabe an AND?

    R. S.: Automatisiert.

    Warken: Wie wird Filterung von US-Bürgern sichergestellt?

    R. S.: Schutz von US-Bürgern ist nicht unser Auftrag.

    Warken: Also weitergegeben?

    R. S.: Nein, waren keine US-Nummern drin. Aber G‑10-Schutz schützt Deutsche.

    Warken: Bei USA nur nach Nummern geguckt?

    R. S.: Ja.

    Fragerunde 2: Die Linke (16:42)

    Renner: Waren sie mal an der Abgriffstelle?

    R. S.: Nein, ich weiß ja nicht wo das ist.

    Renner: Hatten sie mal Besuch von AND?

    R. S.: Nicht in Rheinhausen.

    Renner: Wo dann?

    R. S.: In der Zentrale in München.

    Renner: Wie oft?

    R. S.: Einmal.

    Renner: Wer noch?

    R. S.: [Guckt zu Wolff.] .

    Wolff: Abteilungen darf er sagen.

    R. S.: Unterabteilung und Referate.

    Renner: CIA aus Deutschland oder USA?

    R. S.: Muss ich mutmaßen.

    Renner: Verantwortliche oder Techniker?

    [Eisenberg redet mit R. S.]

    Renner: Waren CIA-Kollegen Techniker oder Verantwortliche?

    R. S.: Weiß nicht, ob die in Deutschland oder USA wohnen.

    Renner: Verantwortliche oder Techniker?

    R. S.: Eher keine Vollbluttechniker.

    Renner: Worum gingen die Gespräche?

    R. S.: Allgemeines, keine technischen Details.

    Renner: Geld?

    R. S.: Nicht, als ich dabei war.

    Renner: War das eine besonders abgeschirmte Operation?

    R. S.: Alle sind abgeschirmt. Besonders, weiß ich nicht.

    Renner: Mal besonders viele G‑10-Verkehre gehabt?

    R. S.: Nein.

    Renner: Warum will ein US-Dienst mit Hilfe des BND an die Leitungen einer US-Firma?

    R. S.: Kann man sich Gedanken machen.

    Renner: Haben sie?

    R. S.: Kann sein, ist zehn Jahre her.

    Renner: Wäre so, also der BND im Ausland mit Hilfe eines AND an deutsche Firma geht, und sich keine Gedanken um G‑10 machen muss?

    R. S.: Muss der Amerikaner selber mit sich ausmachen.,

    Renner: Haben sie vertragliche Grundlagen gesehen?

    R. S.: Vielleicht mal einen, ist lange her.

    Renner: Ging es in München auch um diesen Vertrag bzw. diese Verträge?

    R. S.: Weiß ich nicht.

    Renner: Spielte das in den Gesprächen eine Rolle, dass ein US-Dienst an US-Firma geht?

    R. S.: Verstehe die Frage nicht.

    Renner: Auch US-Dienst darf nicht einfach US-Bürger überwachen.

    R. S.: Weiß nicht mehr, ob das bei diesem einen Gespräch in München Thema war. Vielleicht erwähnt, aber müsste mutmaßen.

    Renner: Erinnern sie sich, ob der Vertrag in München eine Rolle gespielt hat? Sie sagten vielleicht.

    R. S.: Vielleicht. War ein freundschaftliches Treffen mit gemeinsamen Abendessen.

    Renner: Geht um Grundrechtseingriffe. […] Gab es jetzt nochmal Gespräche im BND zu dieser Operation?

    R. S.: Es gab einen Anruf von meinem damaligen Chef, J. F., nochmal zum Abklären.

    Renner: War das vor oder nach ihrer Ladung? Herr Eisenberg weiß, warum ich frage.

    R. S.: Davor. Das war direkt nach seinem Auftritt hier.

    Fragerunde 2: CDU/CSU (16:52)

    Warken: Erwartungen von BND und AND an Glo… nicht erfüllt. Ende 2006 beendet. Warum wurden Datenweitergabe beendet?

    R. S.: Es gab keine mehr, es wurden keine mehr erzeugt, also konnten auch keine weitergegeben werden.

    Warken: Der Provider hat keine mehr geschickt?

    R. S.: Wir haben keine mehr bekommen.

    Warken: Umfang der Datenweitergabe?

    R. S.: Im Hunderterbereich über die ganzen zwei Jahre.

    Warken: Nachfolgeprojekte?

    R. S.: Mir sind keine bekannt.

    Warken: Mehr .

    Fragerunde 2: Die Grünen (16:54)

    Ströbele: Wie viele CIA-Personen waren bei Treffen?

    Wolff: Informationen sind weiterhin geheim, auch wenn sie in der Presse standen.

    Ströbele: Wir können ja im Protokoll nachlesen, in den letzten Minuten wurde CIA viermal genannt.

    Wolff: Trotzdem geheim.

    Ströbele: Dann halt amerikanische Kollegen. Wie viele?

    R. S.: Bei Treffen in München?

    Ströbele: Ja.

    R. S.: Drei, vier.

    Ströbele: Jemand aus Bad Aibling dabei?

    R. S.: Ich glaube nicht.

    Ströbele: Wussten sie, dass da welche sind?

    R. S.: Ja.

    Ströbele: War ja nicht weit weg.

    R. S.: War kein familiärer Smalltalk.

    Ströbele: Sie wussten nicht, ob einer oder mehrere von denen aus Bad Aibling kam?

    R. S.: Nein.

    Ströbele: Waren die zufrieden oder nicht?

    R. S.: Wir waren mittelfristig beide nicht zufrieden, deswegen ja auch eingestellt.

    Ströbele: War das damals klar?

    R. S.: Zu dem Zeitpunkt noch nicht. Das mag ein Grund für das Treffen gewesen sein.

    Ströbele: War das Menge oder Qualität?

    R. S.: Beides.

    Ströbele: Also zu wenig und zu unwichtig?

    R. S.: Ja.

    Ströbele: Direkt von Quelle oder jemand dazwischen?

    R. S.: Wenn ich antworten kann, dann .

    Ströbele: Wissen sie denn, ob etwas dazwischen war?

    Wolff: Bezieht sich auch darauf, ob er es weiß. . Antwort abschließend.

    Ströbele: Sie sagen auch nichts näheres dazu, was ihnen bekannt ist oder bekannt sein konnte?

    Notz: Haben nichts von rechtlichen Grundlagen gesehen. Haben sie etwas von einer G‑10-Legende gehört?

    R. S.: G‑10-Legende?

    Notz: Ja.

    R. S.: Nein.

    Notz: Hätte man so eine Aktion mit einer G‑10-Maßnahme machen können?

    Eisenberg: Kann er nicht sagen.

    R. S.: Kann ich nicht sagen.

    Notz: Was ist der Unterschied von pull und push?

    R. S.: Ziehen und schieben.

    Notz: Welches Verfahren macht der BND?

    R. S.: Intern?

    Notz: Genau, intern erstmal.

    R. S.: In der Regel eher schicken, manchmal auch holen.

    Notz: Was macht man eher?

    R. S.: Kommt auf Daten an.

    Notz: Bei Kooperation mit AND welches Verfahren?

    R. S.: Zentrale Fragen.

    Notz: Sie wissen nicht, wie AND auf ihre Daten(banken) zugreifen?

    R. S.: Nein. Kann mutmaßen, aber nicht meine Zuständigkeit.

    Notz: Bei diesen Datenaufkommen: Haben sich Five Eyes diese Daten gepullt?

    R. S.: Weiß ich nicht.

    Notz: Kann auch sein, dass man die lässt?

    R. S.: Gehe von nein aus.

    Notz: Warum?

    R. S.: Unsinnig und nicht korrekt.

    Notz: Haben sie sich mal gefragt, warum man das macht? Hat ja Geld gekostet.

    R. S.: Klar.

    Notz: Und, warum?

    R. S.: Aus den gleichen Gründen, warum es meinen Arbeitgeber gibt.

    Notz: Hat sich das gelohnt?

    R. S.: Nein. Von beiden Seiten nicht befriedigend.

    Notz: Wie kam der AND an die Ergebnisse?

    R. S.: Daten wurden überprüft und nach Freigabe hat er die bekommen.

    Notz: Wurde mal besprochen, dass Weitergabe der Daten von US-Firma an BND gegen US-Recht verstoßen könnte?

    R. S.: Weiß ich nicht, nicht in meinem Beisein.

    Fragerunde 2: SPD

    Keine Fragen.

    Fragerunde 3: Die Linke

    Keine Fragen.

    Fragerunde 3: Grüne (17:06)

    Ströbele: Wurde besprochen, dass es Risiko gibt, dass das rauskommen könnte? Dass es das Parlamentarische Kontrollgremium (PKGr) ärgern könnte?

    R. S.: Das gilt für jede Aktion, dass das nicht öffentlich werden soll.

    Wolff: Zitieren sie aus Akten? Oder hypothetisch?

    Ströbele: Natürlich rein hypothetisch. Nicht öffentlich, sondern parlamentarische Gremien.

    R. S.: Keine Ahnung. Man ist immer bestrebt, dass das im Verborgenen bleibt. Sind ja ein Geheimdienst.

    Notz: Alle Operationen gleich schlimm?

    R. S.: Nicht schlimm, sondern geheim.

    Notz: Ich sag mal was aus den Akten, um Herrn Wolff zu ärgern. Gibt ja Risikobewertungen, unterschiedliche Grade. Diese Operation besonders geheim, weil besonders problematisch?

    R. S.: Keine Ahnung.

    Notz: Operation wie jede andere?

    R. S.: Aus meiner Sicht ja.

    Notz: Push und Pull. Daten wurden auf einen Server gelegt, wo sich AND die pullen konnte?

    R. S.: Wie die das Haus verließen, kann ich nicht sagen. Macht keinen Unterschied. Stichwort Dropbox.

    Notz: Sie haben nichts weitergegeben, sondern nur auf einen Server gelegt?

    R. S.: Gab keinen unkontrollierten Ablauf.

    Notz: Nicht unkontrolliert. Sie können nicht sagen, wo die Daten herkommen?

    R. S.: [Zuckt Achseln.]

    Notz: Ob die vorher an USA gingen, wissen sie nicht?

    R. S.: Genau.

    Notz: In welcher Sprache mit AND kommuniziert?

    R. S.: Englisch, Standard.

    Fragerunde 43: Die Linke (17:13)

    Renner: Dropbox war nur ein Beispiel?

    R. S.: Ja.

    Renner: BND nutzt keine Dropbox?

    R. S.: Meines Wissens nach nein.

    Formalitäten: stellvertretende Vorsitzende (17:14)

    Ausschluss der Öffentlichkeit.

    Erholen sie sich bis zur -Sitzung. Öffentlicher Teil beendet.

    [Danke für’s Lesen.]

    26. Februar 2015 41
  • : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Wir dürfen ja nicht mal den Namen des Projekts Glo… nennen“
    Ausschuss-Saal vor der Anhörung.
    Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Wir dürfen ja nicht mal den Namen des Projekts Glo… nennen“

    Heute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Die Zeugen heute sind Wilfried Karl („W. K.“) und „J. F.“, beide vom Bundesnachrichtendienst. Letzterer war Leiter der BND-Außenstelle Rheinhausen von 2002–2006, damals noch getarnt als „Ionosphäreninstitut“. Wir sitzen wie immer drin und bloggen live.

    Kernaussagen

    Bisher hatte der Ausschuss vor allem das Projekt „Eikonal“ erforscht, bei dem der BND Leitungen der Deutschen Telekom angezapft und Daten daraus an die NSA gegeben hat. Jetzt soll das Projekt „Globe“ (auch „Glotaic“, „Glo…“ oder „Icon“) erforscht werden, bei dem der BND in der Außenstelle Rheinhausen Leitungen des US-Unternehmens MCI (2006 von Verizon gekauft) angezapft und Daten daraus an die CIA gegeben hat. Das scheint die Bundesregierung verhindern zu wollen.

    Die beiden Zeugen vom BND hatten „sehr eng gefasste“ Aussagegenehmigungen, die es ihnen nicht erlauben, „öffentlich zu Operation Globe Stellung zu nehmen“. Nichtmal der Name sollte genannt werden, obwohl der bereits öffentlich ist. Ebenso wurde die Aussage verweigert, ob es (wie bei Eikonal) einen Vertrag mit dem Telekommunikationsunternehmen gibt.

    Linke und Grüne beschweren sich über diese Blockadehaltung, die SPD vermutet einen „Strategiewechsel der Bundesregierung“. Nur die CDU/CSU hat öffentlich gar keine Fragen und lässt sich darauf ein, alles nicht-öffentlich zu besprechen.

    Der BND definiert weiterhin „anlasslose Überwachung“ nur als „nahezu 100 % Abgriff von verfügbaren Daten“. Der Abgriff von 90 % aller verfügbaren Daten ist nach dieser Definition nicht „massenhaft.“ Die absolute Zahl ist zudem komplett irrelevant für den BND.

    Auch „anlasslos“ definiert der BND nicht so, als ob es „probable cause“ gibt, dass der angezapfte Telekommunikationsverkehr verdächtig ist, sondern der Anlass ist die Anordnung „recherchiert zu folgenden Themen“ und der BND wählt dann Telekommunikations-Leitungen aus, die ein Ende in einer bestimmten Weltregion haben, in deren massenhaften Datenverkehren einzelne wenige Verdächtige sein könnten.

    Gliederung

    Disclaimer

    Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder umfassende Korrektheit.

    Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).

    Wer uns unterstützen möchte, darf gerne spenden.

    Update: Auf WikiLeaks gibt’s auch das offizielle stenografische Protokoll als HTML und PDF.

    Nicht-öffentliche Sitzung (11:00)

    Wie immer tagt vor der öffentlichen eine nicht-öffentliche Sitzung des Ausschusses. Heute geht es unter anderem um diesen Focus-Bericht von 08:50: Briten drohen mit Abbruch aller Kontakte zu Deutschland.

    Der britische Geheimdienst droht nach FOCUS-Informationen damit, alle Kontakte zu seinen deutschen Partnern abzubrechen. Grund dafür ist die Angst, dass in einem Untersuchungsausschuss britische Geheimnisse an die Öffentlichkeit kommen könnten.

    Im Moment (11:50) verfasst der Ausschuss einen Brief an den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, in dem er sich über diese Einschüchterung der Ausschuss-Arbeit beschwert. Die öffentliche Sitzung muss daher noch warten.

    Patrick Sensburg, Vorsitzender (12:25)

    $Begrüßung

    $Formalitäten

    Zeuge Wilfried Karl (W. K.) war am 13. November 2014 schon einmal hier.

    Zeuge 1: Wilfried Karl (W. K.), Bundesnachrichtendienst

    Rechtsbeistand ist Frau Dr. Stefanie Schork.

    Name ist Wilfried Karl (W. K.), Anschrift der Dienststelle ist BND in Pullach.

    Kein Eingangsstatement gewünscht. Habe ich letztes Mal getan, habe nichts hinzuzufügen.

    Fragerunde 1: Vorsitzender (12:30)

    Sensburg: Kennen sie Operation „Globe“?

    K.: Ja.

    Sensburg: Was ist das?

    K.: Kann laut Aussagegenehmigung nur nicht-öffentlich [] dazu aussagen.

    Sensburg: Worum geht es da?

    K.: Fernmeldeaufklärung.

    Sensburg: Inland? Ausland?

    K.: Ausland-Ausland.

    Sensburg: BND? Oder Dritte?

    K.: Im Wesentlichen BND. Mittelbare Beteiligung Dritter. Mehr nur .

    Sensburg: Mittelbar?

    K.: Ja. Weiß nicht, ob korrekt, aber habe ich gesagt.

    Sensburg: Was ist mittelbar?

    K.: Wir hatten letztes Mal Eikonal. So etwas war es nicht.

    Sensburg: Sondern?

    K.: Darf ich nicht sagen.

    Sensburg: Telefon, Fax, auch SMS?

    K.: Nein.

    Sensburg: Telefon, Fax, E‑Mail?

    K.: Nein.

    Sensburg: Telefon, Fax?

    K.: Ja.

    Sensburg: Mittelbarer Dienst von Five Eyes?

    K.: Ja.

    Sensburg: Nicht Australien, Neuseeland und Kanada?

    Philipp Wolff, Bundeskanzleramt: Will Zeugen entlasten. Aussagegenehmigung erstreckt sich nicht auf Inhalt der Operation. Zeuge muss jetzt abwägen. Ich würde das unter Inhalt verstehen. Dazu darf der Zeuge nur aussagen.

    Sensburg: Am 2./3. Februar 2002 gab es Besuch von Ausländischem Nachrichtendienst (AND) in Unterabteilung (UA) 25 des BND. Richtig?

    K.: Bin überfragt. Mit Sicherheit. War ja nach 9–11.

    Sensburg: Regelmäßige Besuche damals?

    K.: Einmal im Monat, viele.

    Sensburg: Besuch konkret zu Operation Glo…?

    K.: Mit Sicherheit.

    Sensburg: Welche Dienststelle sinnvoll dafür?

    K.: Natürlich Abteilung Signals Intelligence (SIGINT)/Technische Aufklärung (TA) und Unterabteilung.

    Sensburg: SIGINT wo im Organigramm? Unterabteilung 25?

    K.: Ja.

    Sensburg: Anderer Name der Abteilung?

    K.: Nachrichtengewinnung.

    Sensburg: Noch einer?

    K.: Bin überfordert.

    Sensburg: Wo man BND nicht vermutet?

    K.: Wenn sie Außenstelle meinen, wir hatten ja die Transparenz-Offensive letztes Jahr.

    Sensburg: Operation Glo… andere Namen bei anderen Diensten?

    K.: Kann sein, weiß ich nicht.

    Sensburg: Begriff „Icon“ gehört?

    K.: In diesem Zusammenhang nicht, mir nicht bekannt.

    Sensburg: Bei dieser Operation Hard- oder Software von AND aus Five-Eyes eingesetzt?

    K.: Nein.

    Sensburg: Auch nicht…?

    K.: Nichts. Absolutes Nein. Mehr .

    Sensburg: Keine Software von AND oder dritten Privaten bei Projekt Glo… eingesetzt?

    K.: Von Firmen schon.

    Sensburg: Firma XYZ Software Productions im Silicon Valley?

    K.: Keine Firma aus USA.

    Sensburg: 100 % sicher?

    K.: 100 % sicher. Hab das selbst gemacht.

    Sensburg: Als Such-Tool Bestandteile der Google-Suchmaschine?

    K.: Nein.

    Sensburg: Ganz sicher?

    K.: Ganz sicher.

    Sensburg: Werde ihnen eine Akte zeigen.

    [K. bekommt Akte. MAT A BND 19–1B und 21B, Blatt 59.]

    Sensburg: Vor diesem Hintergrund: Meine Frage nochmal.

    K.: Auch da. Kommt aus gleichem Geldtopf, ist aber etwas völlig anderes, nicht für Fernmeldeaufklärung.

    Sensburg: Freut mich sehr. Mehr ?

    K.: Ja.

    Fragerunde 1: Linke (12:42)

    Martina Renner: Seit wann im Standort Rheinhausen, welche Funktion?

    K.: Um die Jahrtausendwende, Sachgebietsleiter Systemunterstützung.

    Renner: Welche Datentypen in Rheinhausen verarbeitet?

    K.: Insgesamt?

    Renner: Ja.

    K.: Zu der Zeit: Telefonie, Fax, alles was sonst über Telefonleitungen geht, Internet in Kinderschuhen, bin nicht sicher, wenn dann nur E‑Mail.

    Renner: Wo kamen die her?

    K.: Eigenerfassung.

    Renner: Was heißt „zu der Zeit?“

    K.: Bin überfragt.

    Renner: Was wurde dort verarbeitet? Metadaten, Inhaltsdaten, Netzwerkdaten?

    K.: Inhaltsdaten wesentlich. Zu der Zeit wurde man sich bewusst, wie wertvoll Metadaten für bessere Selektion von Strecken sind. Im Wesentlichen Inhaltsdaten, über Jahrzehnte Hauptaufgabe des BND.

    Renner: Metadaten dort verarbeitet oder weitergeleitet?

    K.: Dort.

    Renner: Welche Programme?

    K.: Eigene.

    Renner: Daten in Rheinhausen angefallen. Dann wohin weitergeleitet?

    K.: Rheinhausen Satelliten-Erfassungsstation. Vorverarbeitung, Selektion, für alle zur Verarbeitung.

    Renner: Bei Operation Globe aber nicht dort angefallen. Wie kamen die dahin?

    K.: Über eine Leitung.

    Renner: Was für eine? Musste die beschafft werden?

    K.: Ja.

    Renner: In wessen Besitz?

    K.: BND.

    Renner: Von Provider bis Rheinhausen komplett?

    K.: Ja.

    Renner: Übergabepunkt?

    K.: Beim Provider.

    Renner: Dort BND-Technik?

    K.: Ja. Und Provider-Technik.

    Renner: Hatte Provider Technik eines AND bekommen?

    K.: Nicht nach meiner Kenntnis.

    Wolff: Keine Details.

    Renner: Meta- oder Inhaltsdaten?

    K.: Nur Inhalt.

    Renner: Metadaten aus Rheinhausen an anderen AND?

    K.: Nein.

    Renner: Das ist abschließend?

    K.: Zu der Zeit ja.

    Renner: Zu der Zeit?

    K.: Wir reden über Zeitraum der Operation, die mit Glo… anfängt?

    Renner: Hm. Schwierig für uns. Wollen möglichst viel öffentlich. Wurden auch Netzwerk- und Verkehrsdaten erhoben?

    K.: Nein, keinerlei Metadaten.

    Renner: Was war ihre Funktion?

    K.: Zuständig für Technik und Kooperation mit ausländischem Partner.

    Renner: Wer brachte sie dahin?

    K.: Vorgesetzter.

    Renner: Wie viele Personen insgesamt für diese Operation?

    K.: Zwischen fünf und zehn.

    Renner: Die hatten Zutritt zum Provider?

    K.: Nein. Nicht alle zehn.

    Renner: Wer hatte Zutritt zum Provider?

    K.: Mitarbeiter aus der BND-Zentrale.

    Renner: Waren die auch bei Besprechungen in der Außenstelle?

    K.: Ja.

    Renner: Dritte mit Zugang zum Provider?

    K.: Provider selbst.

    Renner: Hatte der Provider Kenntnis, dass es neben BND weitere Kooperationspartner gibt?

    Wolff: Zeuge darf das nicht öffentlich aussagen.

    K.: Tut mir leid.

    Renner: Werden den Provider ja auch hören.

    Wolff: Der ist aber erst einmal nicht da. Ich habe dem Zeugen gesagt, dass er das nicht sagen darf.

    Renner: Kooperation mit einem oder zwei AND?

    K.: Einem.

    Fragerunde 1: SPD (12:52)

    Christian Flisek: Spiegel 10.01.2015 Operation „Glotaic“. Ist das das?

    Wolff: .

    Flisek: Leitungsvermittelte Kommunikation Ausland-Ausland, nur Inhaltsdaten?

    K.: Ja.

    Flisek: Probe- und Wirkbetrieb?

    K.: Ja, beides. Dann beendet.

    Flisek: Inhaltsdaten deutscher Bürger?

    K.: Nein, weder deutsche noch des anderen beteiligten Landes.

    Flisek: Konnte sichergestellt werden?

    K.: Ja, war vereinbart und sichergestellt.

    Flisek: Aus Eikonal wissen wir einiges über Filtertechniken. Hat das Eikonal-Team mit Projekt Globe-Team kooperiert?

    K.: Damals nicht. Technische Zuständigkeit für beide Bereiche war ja bei mir. Globe war aber etwas völlig anderes als Eikonal. Globe war leitungsbasiert.

    Flisek: Bei Eikonal technisch vorne, hier altbacken und herkömmlich?

    K.: Ja.

    Flisek: Also kein Technik-Austausch?

    K.: Nein.

    Flisek: Also originale, altbackene BND-Technik?

    K.: So schlimm waren wir auch nicht. Aber ja.

    Flisek: Welche Rechtsgrundlage für Projekt?

    K.: Juristen fragen. Habe um 2003 Rechtsprüfung machen lassen. BND-Gesetz im weitesten Sinne. Bin falscher Ansprechpartner für Paragrafen. Keine G‑10-Maßnahme.

    Flisek: Verträge geschlossen? Haben das ja gesehen bei Eikonal.

    K.: Ich meine ja. In der Regel haben wir bei G‑10-Maßnahmen immer Verträge. Kostet ja auch Geld für Strom usw., dafür müssen wir aufkommen

    Flisek: AGB?

    K.: In der Regel Geschäftsbedingungen des Providers. Mit AND Grundlagen der Zusammenarbeit.

    Flisek: Sind kein Jurist. Netzbetreiber in Deutschland kann für Ausland-Ausland-Überwachung nicht gezwungen werden vom BND. Freiwillig.

    K.: So ist es.

    Flisek: Nach 9–11 vielleicht anders, aber wenn ich Netzbetreiber bin, würde ich mir Eingriff in Integrität meiner Netze dreimal überlegen. Ist ja Risiko, siehe Untersuchungsausschuss hier. Vom Image her nicht gut, fragen sie die Kommunikationsabteilung. Was ist dann die Motivation für Netzbetreiber?

    K.: War vielleicht eine andere Zeit. Heute vielleicht anders.

    Flisek: Sie sagten, es wurden keine Daten Deutscher weitergegeben, die wurden gefiltert?

    K.: Ja.

    Flisek: Wie sichergestellt, dass Daten der Bürger des anderen Dienstes auch gefiltert werden können? G‑10-Filter ist ja auf Deutschland zugeschnitten. Kann man das einfach anpassen?

    K.: Technik ist die selbe. Wird ja immer Eindruck erweckt, wir würden alles absaugen. War ja nicht so. War ja eine Positiv-Selektion. Hatten eine Liste mit Zielen, nur das haben wir herausgegriffen. Danach trotzdem nochmal G‑10-Filter.

    Flisek: Positivliste vom BND erstellt?

    K.: BND in Zusammenarbeit mit dem anderen Dienst.

    Flisek: Weiter .

    Fragerunde 1: Die Grünen (13:02)

    Konstantin von Notz: Zeitlicher Rahmen?

    K.: Betrieb seit 2003. Erste Besprechungen 2002. Ende 2006.

    Notz: Anmerkung an Herrn Wolff: Ich kann es kaum verstehen, dass Dinge über eine abgeschlossene Aktion, die in der Zeitung stehen, im Parlament nicht besprochen werden dürfen. Verstehe auch Schwärzungen nicht. Zur Frage von Frau Renner sagten sie, Leitungen gehörten BND: Eigentum des BND?

    K.: Nein, wie DSL-Anschluss heute: Sie zahlen dafür, dann ist das ihrer.

    Notz: Aber Leitungen sind ja lang. So 400 Kilometer zum Beispiel. Das gehört ja nicht BND, sondern gemietet?

    K.: Selbstverständlich.

    Notz: Was tut man für Sicherheit der Leitung?

    K.: Verschlüsselung.

    Notz: Was?

    K.: Zugelassene Verschlüsselung.

    Notz: Kann man kaufen?

    K.: Ja.

    Notz: Nicht in BND entwickelt, sondern gekauft?

    K.: Entwickelt deutsche Firma in Zusammenarbeit mit BND.

    Notz: Anderer Nachrichtendienst als bei Eikonal. Was war Grundlage für Kooperation?

    K.: Generell schon seit Jahrzehnten kooperiert.

    Notz: Sie auch?

    K.: Zum ersten mal bei Projekt Globe, andere kooperierten schon länger mit dem Dienst.

    Notz: War Bundeskanzleramt in Kooperation einbezogen?

    K.: Weiß ich nicht, ging mindestens bis zum Präsidenten. Wen der einbindet, weiß ich nicht.

    Notz: Haben über Freibrief bei Eikonal von Kanzleramt gesprochen. Gab es so etwas auch bei Globe?

    K.: Ja, für BND.

    Notz: Von Treffen dazu wissen sie nichts?

    K.: Nein. Nur BND.

    Notz: Ungeheuer sensibel. Dürfen ja Namen bis heute nicht aussprechen. Kann BND so etwas ohne politische Ebene machen?

    K.: Bin überfragt. Denke nicht.

    Notz: Erkenntnis-Gewinn dieser Operation. Nicht nur Datenauswertung, sondern allgemein. Was hat man noch gelernt?

    K.: Haben eine Methodik entwickelt, die wir heute noch anwenden, die wesentlich ist. Details .

    Notz: Technische Methodik?

    K.: Ja.

    Notz: Hat man auch Methodik, wie man einen Abgriff einspielt?

    K.: Wie bitte?

    Notz: Wie man so etwas durchführt?

    K.: Da gab es nichts zu lernen. Hinterher war man klüger.

    Notz: Warum beendet?

    K.: Ließ sich nicht durchführen, wie wir uns das gedacht haben.

    Notz: BND oder AND?

    K.: Sie haben ja Schriftstück in Akten über Zusammenarbeit und Beendigung.

    Notz: Kosten des Projekts?

    K.: [Fragt Wolff.]

    Wolff: .

    Notz: Kosten-Aufteilung?

    K.: 50–50.

    Notz: 50–50 suggeriert, dass beide gerechten Zugriff auf Daten haben?

    K.: [Ja.]

    Notz: Wenn AND zu Provider seiner Nationalität im Ausland geht: Ist es da nicht wahrscheinlich, dass man von Franzose von Franzose eine Aktion macht, ohne sich groß vom BND ins Handwerk pfuschen zu lassen?

    K.: Telekommunikations-Betreiber sind kommerzielle Firmen. Sind auch auf Geld verdienen im jeweiligen Land angewiesen. Dürfen sich nicht strafbar machen., Man geht zum jeweiligen lokalen Nachrichtendienst. Sonst kommt man ja aus Presse nicht mehr heraus.

    Notz: Aus Presse kommt man vielleicht auch so nicht heraus. Haben AND das in Deutschland mit Providers am BND vorbei gemacht?

    K.: Nicht, dass ich wüsste.

    Fragerunde 1: CDU/CSU (13:13)

    Kiesewetter: Habe großes Interesse an Darstellung. Aber nur . Haben öffentlich keine Fragen.

    Fragerunde 2: Linke (13:13)

    Renner: Waren sie dazu in den USA?

    K.: Mehrmals.

    Renner: Bei wem?

    K.: Dem Partner.

    Renner: Pendant?

    K.: Technische Leute, Projektleute.

    Renner: Waren die auch in Deutschland?

    K.: Ja.

    Renner: Auch beim Provider?

    K.: Nein.

    Renner: Warum nicht?

    K.: Warum sollten sie?

    Renner: Provider aus Herkunftsland des AND. 50 % Partner. Frage nicht abwegig.

    K.: Gewährleistung unterliegt aber uns. G‑10-Schutz auch.

    Renner: Hat BND Kooperation mit Provider mit Mutter-Unternehmen oder deutscher Tochter besprochen?

    K.: Weiß ich nicht.

    Renner: Mit wem wäre es rechtlich geboten?

    K.: Keine Ahnung.

    Renner: Kann es sein, dass man nur der Mutterfirma gesprochen hat?

    K.: Kann sein.

    Renner: Bei G‑10 immer Tochterfirma hier verantwortlich. Was, wenn nur mit Mutterfirma in USA gesprochen?

    K.: Keine Ahnung.

    Renner: Sagten „Im Kern viel harmloser als Eikonal.“ War die Operation abgeschirmt?

    K.: Sind die alle.

    Renner: Was bedeutet das?

    K.: Hat Haushaltsgründe, aus welchem Topf sie ihr Geld bekommen.

    Renner: Zugang zum Provider als Legende verschafft?

    K.: Hat damit nichts zu tun.

    Renner: Abschirmung nur Mittelfrage?

    K.: Ja. Manchmal können wir als BND fast schon mit einem Schild auf dem Kopf auftreten. Aber Legendierung vom Provider trotzdem gewünscht. Hat aber nichts mit Abschirmung zu tun.

    Renner: Abschirmung auch etwas mit Kenntnis im Kanzleramt zu tun?

    K.: Nein.

    Renner: Gab es Fernzugriff beim Provider?

    Wolff: Keine Einzelheiten zur Operation.

    Renner: Kontakt zur Bundesnetzagentur (BNetzA) und BSI?

    K.: Nicht im Zusammenhang mit dieser Operation.

    Renner: Eingesetzte Geräte schon vorab zertifiziert?

    K.: Ja.

    Renner: Auch die Filter?

    K.: Ja.

    Renner: Wurde DAFIS eingesetzt?

    K.: .

    Renner: Rest .

    Fragerunde 2: Die Grünen (13:20)

    Hans-Christian Ströbele: War Provider MCI Communications?

    K.: .

    Ströbele: Kennen sie den?

    K.: Ja, gibt es aber nicht mehr. Wurde verkauft.

    Ströbele: Gab es den damals?

    K.: Ja.

    Ströbele: US-Amerikanischer Konzern?

    K.: Ja.

    Ströbele: Hatte der Niederlassungen hier?

    K.: Garantiert.

    Ströbele: Auch in Berlin und Düsseldorf?

    K.: An allen größeren Knoten.

    Ströbele: Zehn Leute beim BND eingesetzt. Sie hatten zum Provider keinen Kontakt?

    K.: Nicht in dieser Operation.

    Ströbele: Aber andere Kollegen?

    K.: Ja, jemand musste ja die Anlage aufbauen.

    Ströbele: Waren die als BND dort?

    K.: .

    Ströbele: Hatte Betreiber Bedenken, wie Telekom bei Eikonal?

    K.: Nein.

    Wolff: Einzelheiten der Operation, Ablauf der Operation. Wofür ist Geheimhaltung? Organisationen, die mit AND zusammenarbeiten. Werden uns als BRD in Zukunft enorm schwer tun, Partner zu finden, wenn die davon ausgehen müssen, dass das auch mehrere Jahre nach Abschluss der Operation öffentlich wird. Das ist mir ein ernstes Anliegen. Kein Popanz, Herr Notz. Meine Intervention ist geboten, Staatswohl.

    Ströbele: Mag ja sein, wenn man sonst nichts darüber weiß. Steht aber in der Zeitung. Jetzt wollen wir nachfragen, was da dran ist. Wir halten ja keine Akten vor. Vorwürfe könnten ja auch zu unrecht sein.

    Notz: Sage nicht, dass Geheimhaltung ein Popanz ist. Sondern wie Ströbele sagt. Manche Dinge werden ja auch durchgesteckt, wie heute morgen zu beobachten. Für eine parlamentarische Demokratie ist es absurd, dass Abgeordnete nicht fragen dürfen, was in der Zeitung steht.

    Ströbele: Sagt ihnen „Ionosphäreninstitut“ etwas?

    K.: Klar, war Bezeichnung der BND-Außenstelle Rheinhausen. Seit Juni 2013 öffentlich. War echt mal ein Ionosphäreninstitut.

    Ströbele: Wurden Inhaltsverkehre weitergegeben?

    K.: Ausschließlich.

    Ströbele: Welcher Umfang?

    K.: . Verschwindend gering.

    Ströbele: Waren die Informationen für BND oder AND wichtig?

    K.: Region Mittelost großer Schwerpunkt. Hat sich nicht so gefügt.

    Ströbele: Zweck bei Eikonal bei BND war, an NSA-Technik zu kommen. Hier genauso?

    K.: Nein. Auch nicht umgekehrt. Technik fast altbacken, hatte auch keiner Interesse.

    Ströbele: Sie haben Technik und Know-How zur Verfügung gestellt?

    K.: Ja.

    Ströbele: Welches Interesse hatte BND daran?

    K.: Na auch Informationen. Teilung des Aufgabengebiets.

    Ströbele: Anderer Partner als bei Eikonal?

    K.: .

    Ströbele: Anderer Partner hatte andere Interessen als NSA?

    K.: Waren nach 9–11 ähnlich. Afghanistan, Irak.

    Ströbele: Gleiche Daten, die BND und AND wollten?

    K.: Überlappt sich, klar.

    Ströbele: Systeme zur G‑10-Filterung die gleichen wir bei Eikonal?

    K.: Teil davon.

    Ströbele: Wenn bei Eikonal nicht zuverlässig, hier schon?

    K.: Die bei Eikonal auch zuverlässig waren, hier auch. Die, die schon funktioniert haben.

    Ströbele: 100 %?

    K.: Ja.

    Sensburg: Ich habe in der Zeitung gelesen, ich muss mehr auf die Uhr gucken.

    Fragerunde 2: SPD

    Flisek: Keine Fragen.

    Fragerunde 3: Linke

    Renner: Wie wurde Daten-Ausleitung gesichert?

    K.: Sicherheitsvorkehrungen wie bei uns üblich. Nach bestem Wissen und Gewissen. Details .

    Renner: Eigene Räume bei Provider?

    K.: .

    Renner: Besuch in USA: Snapshots diskutiert?

    K.: Nicht in dieser Operation.

    Renner: Generell. Vor- und Nachteile, rechtliche Bewertung?

    K.: Rechtliche Bewertung nicht. Welche Snapshots meinen sie? Kurzzeit-Aufzeichungen?

    Renner: Ja.

    K.: Nein.

    Fragerunde 3: CSU/CSU

    Keine Fragen.

    Fragerunde 3: Die Grünen (13:33)

    Ströbele: Waren sie auf der Delegations-Reise vom BND in die USA vom 30. April bis 01. Mai 2013?

    K.: Selbstverständlich.

    Ströbele: Ein Monat vor Snowden?

    K.: Ja.

    Ströbele: Thema?

    K.: Regelmäßige Besprechungen wie jedes Jahr.

    Ströbele: Spezialprojekte Datenerfassung?

    K.: Immer Datenerfassung, bin ich ja zuständig.

    Ströbele: Konkret?

    K.: Ja.

    Ströbele: Details?

    K.: Nein.

    Ströbele: In Deutschland?

    K.: Nein. Habe Protokoll gelesen, mein Name stand ja in der Presse.

    Ströbele: Neue Projekte oder Probleme bei alten?

    K.: Beides. Source Protection Afghanistan.

    Ströbele: Neue Abgreif-Orte außerhalb Deutschlands?

    K.: Möglicherweise.

    Notz: BND hat mehrere Außenstellen. Werden da insgesamt Daten gesammelt?

    K.: Klar, dafür sind die da.

    Notz: Welche Daten?

    K.: Fernmeldeaufklärungsdaten.

    Notz: Metadaten immer wichtiger?

    K.: Selbstverständlich.

    Notz: Werden da Metadaten gesammelt?

    K.: Auch, ja.

    Notz: Werden die dort gespeichert?

    K.: Wahrscheinlich zwischengespeichert.

    Notz: Werden dort erfasst, gefiltert und gespeichert?

    K.: Ja.

    Notz: Wie lange gespeichert?

    K.: Nicht zuständig.

    Notz: Gibt es Dateianordnungen für diese Dateien?

    K.: Ja, oder wird daran gearbeitet.

    Notz: Wäre gut.

    K.: Thema hatten sie ja, die Datenschutzbeauftragte des BND war ja hier.

    Notz: Mengen überraschen dann doch. Können sie etwas zu den Mengen sagen?

    K.: Welche Mengen?

    Notz: Metadaten, die pro Tag in Außenstellen des BND anfallen.

    K.: Würde sagen Millionen.

    Notz: Ich auch. Teilt man die?

    K.: Verschwindend geringer Teil. Braucht man ja. Spielen sie auf den Zeit-Artikel BND speichert 220 Millionen Telefondaten – jeden Tag an?

    Notz: Ja.

    K.: 220 Millionen Metadaten gehen alle in die USA, steht da.

    Notz: Genau.

    K.: Stimmt nicht.

    Notz: Wie viele dann?

    K.: . Promille-Bereich.

    Notz: Bei 220 Millionen ist Promille auch viel.

    K.: .

    Notz: 220 Millionen pro Tag, mal 365 Tage, Promille davon: viel Holz. Bei „“ entsteht falsches Bild in Bevölkerung.

    K.: Kann das relativieren. Gleich oder später.

    Notz: Gleich.

    K.: Beispiel Afghanistan. Zahl wirkt schockierend. Afghanistan hat auch eine BNetzA, die veröffentlichen Zahlen über Mobilfunk-Anschlüsse. 2013: 20 Millionen registrierte Mobilfunk-Anschlüsse, plus Festnetz und Internet. Ein Handy produziert am Tag zwischen 150 und 200 Metadaten und Sachdaten. Konservativ 100. Dann zwei Milliarden Metadaten am Tag, nur von registrierten Handys. 220 Millionen ist unsere gesamte Erfassung, nur Bruchteil davon Afghanistan. 220 Millionen ist nicht viel und nicht anlasslos.

    Notz: Politische Reaktion auf Snowden: „Unfassbar, NSA geht gar nicht, wir armen Unschuldslämmer.“ Ich wusste nicht, was BND macht. Verantwortliche hätten es wissen müssen. Müssen verstehen, ob das schiefe Argumentation war. Argumentation überzeugt mich nicht.

    K.: Muss ich vielleicht öfters kommen.

    Sensburg: Fragen der anderen Fraktionen? Sonst Grüne weiter. [Keine Fragen.] Grüne weiter.

    Notz: Mache es kurz. 220 Millionen Daten. Nur Telefondaten, Wählverkehre?

    K.: Ja.

    Notz: Auch Internet gespeichert?

    K.: Ja, haben wir letztes mal gesprochen.

    Notz: Dann auch jetzt ?

    K.: Genau.

    Formalitäten: Vorsitzender

    Vorschlag: Öffentlichkeit ausschließen. Dafür? Dagegen? [*meld*] Enthaltungen? Beschlossen.

    Jetzt Zeuge „J. F.“ öffentlich, danach „W. K.“ .

    [13:47: Pause bis 14:00.]

    [In der Pause haben alle Obleute gemeinsam der Presse erklärt, dass sie einen Brief an Bundestags-Präsident Lammert geschrieben haben, um sich über den Einschüchterungsversuch von BND-Präsident Schindler zu beschweren. Sie waren empört, dass der Inhalt der gestrigen Sitzung an die Presse gekommen ist.]

    [14:26: Geht weiter.]

    $Formalitäten

    Zeuge 2: J. F., BND, Leiter Rheinhausen 2002–2006 (14:30)

    Rechtsbeistand ist Frau Dr. Stefanie Schork.

    Name ist J. F., 53 Jahre alt, über die Anschrift in Pullach erreichbar, Diplom-Ingenieur Elektrotechnik.

    Eingangsstatement: Vor über 20 Jahren in BND eingetreten, 2002–2006 Leiter Außenstelle Rheinhausen. Ist Bestandteil der Technischen Aufklärung. Aufgabe: Mit technischen Mitteln nachrichtendienstliche Erkenntnisse über Ausland sammeln. Terror, Entführungen und Cyber-Bedrohungen sind Herausforderungen. Anlasslose Erfassung findet nicht statt. Konkrete Auswertungsanforderungen. Implizieren Auswahl, Filter- und Selektionskriterien bei Erfassung, Selektion, Bearbeitung und Berichterstattung. Habe leider eine sehr eng gefasste Aussagegenehmigung. Erlaubt es mir nicht, öffentlich zu Operation Globe Stellung zu nehmen.

    Fragerunde 1: Vorsitzender (14:32)

    Sensburg: Laut Aussagegenehmigung dürfen sie aber sagen, dass es nicht anlasslos ist?

    F.: Ja.

    Sensburg: Begründung aber ?

    F.: Kommt auf Frage an.

    Sensburg: Werdegang?

    F.: Elektro-Technik studiert. Dann Bundeswehr, zwölf Jahre.

    Sensburg: Bei Bundeswehr nicht Militärischer Abschirmdienst ()?

    F.: Nicht und nicht Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr (ZNBw) und nicht Bad Ems.

    Sensburg: Danach direkt BND?

    F.: Ja.

    Sensburg: Wann?

    F.: 1993.

    Sensburg: Welche Funktionen 1993–2002?

    F.: Fünf Jahre lang zuständig für technische Projekte, Planung und Produktion. Danach 1998–2001 Leitung eines Sachgebiets Forschung und Entwicklung. Dann Leiter eines Sachgebiets der EDV. Ab 2002 Leiter der Dienststelle Rheinhausen.

    Sensburg: Bis 2002: Bereich SIGINT beim BND besonders ausgeprägt? Kernstärke? Vorne dabei?

    F.: Schwierig zu bewerten. Kann ich nicht bewerten, sie wollen ja einen Vergleich. In der BRD sind wir für Fernmeldeaufklärung zuständig. Vergleich mit Bundeswehr, sind wir weiter vorne. Mit AND vergleichen: Keine Ahnung, kenne ich nicht.

    Sensburg: Keine Kooperation?

    F.: Teil-Kooperationen. Reicht nicht für umfassende Bewertung.

    Sensburg: Bis 2002 gewisser Nachholbedarf bei SIGINT, Austausch sinnvoll?

    F.: Insgesamt fortschreitende Technologie bis 2002, Nachholbedarf.

    Sensburg: Seit 2002 Rheinhausen, welche Aufgaben?

    F.: Dienststelle geleitet.

    Sensburg: Was beinhaltet das?

    F.: Administrative Aufgaben, Sicherheit, Verantwortlich für Erfassung und Auswertung.

    Sensburg: Wie groß ist Dienststelle Rheinhausen?

    F.: 2002: 75–80 Mitarbeiter.

    Sensburg: Alle bestimmter Bereich oder unterschiedlich?

    F.: Unterschiedlich. Sachgebiete: 1. Verwaltung, 2. EDV, 3. Nachrichtengewinnung, 4. Forschung und Entwicklung.

    Sensburg: Auswertung auch in Rheinhausen?

    F.: Endauswertung heute in Berlin.

    Sensburg: Was aus Rheinhausen weitergegeben? Meldung oder schon Vorprodukt?

    F.: Vorprodukt.

    Sensburg: Keine Meldung erstellt?

    F.: Nein.

    Sensburg: Warum?

    F.: Haben nur kleine Erkenntnis erlangt, noch nicht ausreichend. Zentrale hatte vielleicht zusätzliche Erkenntnisse.

    Sensburg: Was waren ihre Puzzle-Teile, die sie beigetragen haben?

    F.: Einzelfälle aus Fernmeldeaufklärung.

    Sensburg: Telefonat?

    F.: Ja.

    Sensburg: Fax?

    F.: Ja.

    Sensburg: E‑Mail, Internet?

    F.: Sehr rudimentär.

    Sensburg: Soziale Netzwerke damals schon?

    F.: Nein.

    Sensburg: 2002 Facebook nicht im Fokus des BND. Sagt ihnen Glo… etwas?

    F.: Ja.

    Sensburg: Aus Zeitraum oder Zeitung?

    F.: Zeitraum.

    Sensburg: Wann?

    F.: 2004–2006.

    Sensburg: Wie davon erfahren?

    F.: Auftrag aus Zentrale.

    Sensburg: Worum geht es da?

    F.: .

    Sensburg: Auftrag aus Zentrale: Sie als Dienstellen-Leiter alleinige Umsetzung? Oder viele angesprochen?

    F.: .

    Sensburg: Telefon, Fax, leitungsvermittelte Kommunikation?

    F.: .

    Sensburg: Auch Nicht-leitungsvermittelt in ihrer Dienststelle?

    F.: Nein.

    Sensburg: Also denklogisch nur leitungsvermittelt.

    F.: Ist ihre Schlussfolgerung. Gerne .

    Sensburg: In Rheinhausen auch SMS angegriffen?

    F.: Ja.

    Sensburg: 2./3. Februar 2003: Nachrichtendienst der USA hat Unterabteilung (UA) 25 des BND besucht. Da waren sie Leiter. Fiel ihnen das auf?

    F.: Nein.

    Sensburg: Sind in Liegenschaft gekommen und sie haben nichts mitbekommen?

    F.: Welche Liegenschaft?

    Sensburg: Besprechung zu Globe in Rheinhausen.

    F.: Keine Erinnerung.

    Sensburg: Gab es Besuche von AND in Rheinhausen, speziell Five Eyes?

    F.: Kann mich nicht erinnern.

    Sensburg: Weder ja noch nein?

    F.: Nein.

    Sensburg: Wäre ihnen das aufgefallen, wenn auf der Arbeitsebene fünf Techniker von NSA und CIA kommen?

    F.: Wäre sehr wohl aufgefallen.

    Sensburg: Treffen auf Sachgebietsebene zu Globe hätten sie mitbekommen, können sich aber nicht erinnern?

    F.: Ja.

    Sensburg: Sagt ihnen Ionosphäreninstitut etwas?

    F.: Natürlich.

    Sensburg: Was ist das?

    F.: War früher die Liegenschaft. Ende der 40er Jahre nach 2. Weltkrieg diese Aufgabe auch erfüllt. Danach die Legende unserer Liegenschaft.

    Sensburg: Sie kennen ja Globe. Kennen andere Dienste die unter anderem Namen?

    F.: Weiß ich nicht.

    Sensburg: Sagt ihnen Begriff „Icon“ etwas?

    F.: Nein.

    Sensburg: Nie gehört?

    F.: Nein.

    Sensburg: Nur deutsche Soft- und Hardware bei Globe?

    F.: .

    Sensburg: Zeuge eben hat das aber öffentlich so gesagt. Nicht bestätigen?

    F.: .

    Fragerunde 1: Linke (14:47)

    Renner: Jetziger Status? Beamter oder Soldat?

    F.: Beamter.

    Renner: Vorprodukte weitergegeben. Was ist das?

    F.: Relevanz-Prüfung. Sie machen ja nichts ohne Anlass/Auftrag. Müssen Selektiertes überprüfen: ist das nachrichtendienstlich relevant. Nur relevantes weitergegeben.

    Renner: Relevanz-Prüfung in Außenstelle?

    F.: Ja.

    Renner: Sie sagten, nicht anlass-/auftragslos. Zeit: „BND erhebt und speichert täglich 220 Millionen Metadaten. Umfang Metadaten-Verarbeitung bei ihnen?

    F.: Zahl ist mir nicht bekannt. Kenne den Artikel nicht. Metadaten werden erhoben. Wie viele, weiß ich nicht.

    Renner: Wie lange gespeichert?

    F.: Kann ich auch nicht sagen.

    Renner: Doch, bin mir sicher, dass der ehemalige Leiter der Außenstelle das sagen kann.

    F.: Hängt vom Speicherplatz ab,.

    Renner: Sekunden, Tage, Monate, Jahre?

    F.: Irrelevant.

    Renner: Doch relevant. Wo wäre Anlass für jahrelange Speicherung?

    F.: Wird ja nur anlassbezogen erhoben. Vorauswahl bei Strecke. Erheben nur, was wir als relevant vermuten.

    Renner: Heuhaufen/Nadel-Metapher.

    F.: Sie brauchen sie einen Hinweis, wie der Heuhaufen aussieht. Dann suchen sie den Heuhaufen aus vielen Heuhaufen.

    Renner: Aufträge verändern sich ja. Kriege, Krisen, Bundeswehreinsätze kommen und gehen. Ist jahrelange Speicherung anlasslos, wenn Anlass schon weg ist? Oder ist das nicht quasi eine Art Vorratsdatenspeicherung, könnte das ja für neuen Anlass gebrauchen? Speicherung bis zum Gebrauch ist kein Anlass.

    F.: Verstehe ich ja.

    Renner: Könnte die Speicherung jahrelang sein?

    F.: Entzieht sich meiner Kenntnis. Wird in Zentrale gespeichert. Über deren Löschung weiß ich nichts.

    Renner: Sie liefern die Daten über eine Leitung?

    F.: Ja.

    Renner: Sie erhielten kein Feedback mehr/weniger Daten, Kommunikation über Datenmenge?

    F.: Nicht mein Aufgabenbereich. Wären Mutmaßungen.

    Renner: Leitung zum Abgriffpunkt bei Globe war durch BND gesichert?

    F.: .

    Renner: War es eine abgeschirmte Operation?

    F.: Ja.

    Renner: Was bedeutet das?

    F.: Kann ich nicht sagen.

    Renner: Ist ja feststehender Begriff.

    F.: Haushaltsgründe.

    Renner: Gehört dazu auch, wer Kenntnis hat?

    F.: Ja.

    Renner: Wer darf davon nicht wissen?

    F.: Jeder, der nicht damit zu tun hat.

    Renner: Was hat Bundeskanzleramt damit zu tun?

    F.: Ist die vorgesetzte Behörde.

    Renner: Hatten sie Kontakt zu denen?

    F.: Ja.

    Renner: Über laufende Operationen?

    F.: Nein.

    Renner: Was dann?

    F.: Habe präsentiert, wie man selektiert.

    Renner: Was war das?

    F.: Eine Informationsveranstaltung.

    Renner: Im Kanzleramt?

    F.: Ja

    Renner: Wer war da vom Kanzleramt?

    F.: Eine Person aus der Abteilung 6.

    Renner: Was haben sie präsentiert?

    F.: Wie Selektion in verschiedenen Stufen funktioniert.

    Fragerunde 1: SPD (14:56)

    Flisek: Warum haben sie eine so eingeschränkte Aussagegenehmigung?

    F.: Scheint wohl ein schützenswertes Gut zu sein.

    Flisek: Gibt es mehrere Projekte, die mit den Buchstaben Glo… beginnen?

    F.: Nein.

    Flisek: Nur eins bekannt?

    F.: Ja.

    Flisek: Kennen sie den Spiegel-Bericht über Glotaic?

    F.: Habe ich gelesen.

    Flisek: Aber sie bestätigen nichts?

    F.: Richtig.

    Flisek: Warum sprechen sie nicht darüber?

    F.: Habe die Aussagegenehmigung nicht erstellt.

    Wolff: Kann das gerne erklären.

    Flisek: Legen wir großen Wert darauf. Staatswohl-Argument ist kräftig, aber sehr differenziert. Aussage-freundlichere Haltung bei Eikonal. Strategiewechsel der Bundesregierung? Dürfen ja nicht einmal den Namen nennen. Sinn und Zweck von Eikonal?

    F.: .

    Flisek: Muss Wolff erklären. Bei Eikonal ging das.

    Wolff: Machen wir am Anfang der -Sitzung.

    Flisek: Eingangsstatement: „Keine Massendatenüberwachung, keine anlasslose Massenüberwachung.“ Wie definieren sie das? Bin Jurist, gibt keine Legal-Definition, nur in politischer Debatte. Was ist Massendatenüberwachung?

    F.: Nahezu 100 % Abgriff von verfügbaren Daten.

    Flisek: Nach meinem Begriffsverständnis, definierter Bereich mit Masse an Daten. Eine bestimmte Masse erfassen. Ist das Massendatenerfassung?

    F.: Das ist ihre Definition.

    Flisek: Ist das falsch?

    F.: Nein.

    Flisek: Sind ja Fachmann.

    F.: Strecke, 10 GBit/s, IP-Verkehre oder leitungsvermittelt. Leitungsvermittelt ist ja relativ wenig Verkehr. Nehmen 10 von 100 Kanälen: sind 10 Gespräche. Ist das Massendatenerfassung? Wäre ihre Definition.

    Flisek: Begriff taucht immer wieder auf. Wir reden aneinander vorbei. Nach ihrer Definition macht man ja fast nie eine Massendatenerfassung. Zu Anlasslosigkeit sagten sie: sie nehmen Strecken, wo sie vermuten, dass da etwas dahinter stehen könnte. Vermuten kann man viel. Problem bei Anlasslosigkeit ist ja, dass keine Verdachtsmomente zur Verfügung stehen. Auswertung ohne Anlass. „Von Bagdad nach sowieso telefonieren“ als Vermutung ist für mich noch immer ziemlich anlasslos. Wie sehen sie das?

    F.: Sehe ich anders. Wir haben ja einen Aufklärungsauftrag. Sie müssen schauen, wie sie den erfüllen könnten. Für mich wäre „anlasslos“, wenn ich blind alles von links nach rechte erfasse. Sie nehmen Informationen über Leitungen und Strecken und werten aus: wo ist die höchste Wahrscheinlichkeit, dass jemand Verdächtiges darüber kommuniziert. Erhöhung der Erfassungswahrscheinlichkeit. Immer noch nicht 100 % sicher, dass der Terrorist darüber telefoniert. Aber wenn sie wissen, wo das Ausbildungslager ist, erhöhen sie damit zumindest die Wahrscheinlichkeit.

    Flisek: Bei Filter-Technik hieß es ja auch: überwiegender Teil ist „Abfall“. Stellt sich die Frage: wann wird das weggeschmissen?

    F.: Wird gar nicht aufgezeichnet, sondern verworfen. Erst wenn ein Kriterium auftritt, kommt es zur Erfassung.

    Flisek: Filter-Kriterien sind die Vermutungen?

    F.: Erkenntnisse aus der Auswertung, beispielsweise andere Stellen, die dort eingesetzt werden.

    Susanne Mittag: Sie können keine Speicherfristen sagen. Als Leiter werden sie sich ja mit anderen sprechen. Datenvolumen hat sich ja erhöht, kommt man an Grenzen. Fünf Minuten bis zehn Jahre: ist so etwas möglich?

    F.: Rein theoretisch ja.

    Mittag: Nie darüber unterhalten?

    F.: Ein Thema für ein eigenes Projekt, bin aber nicht Bestandteil davon.

    Mittag: Haben doch aber Interesse, zu wissen, ob das noch handlebar ist. Sie unterhalten sich doch.

    F.: Kann nur sagen, dass wir um 2006 manchmal Probleme bei Abfragen hatten. Zeichen für Überlastung.

    Mittag: Nicht genügend Speicherkapazität?

    F.: Wahrscheinlich nicht genügend Kapazität oder Bearbeitungsleistung. System stand in Zentrale.

    Mittag: Haben Juristen etwas zu Fristen bei Speicherung gesagt?

    F.: Lebenslange Speicherung macht keinen Sinn. Bin kein Jurist. Gibt ein eigenes Projekt darüber, bin kein Bestandteil davon.

    Mittag: Bei ihnen gar nichts gespeichert?

    F.: Daten waren nicht in meiner Dienststelle.

    Fragerunde 1: Die Grünen (15:14)

    Notz: Wie viele Außenstellen des BND gibt es in Deutschland?

    F.: Keine Ahnung.

    Notz: Wie viele bei Leiter-Treffen?

    F.: Kenne fünf in der Fernmeldeaufklärung.

    Notz: Machen die alle so etwas wie sie?

    F.: Ja.

    Notz: Sammelten sie viel oder wenig?

    F.: Kenne die anderen nicht im Detail.

    Notz: Grob?

    F.: Alle ungefähr gleich.

    Notz: Sie sagten, sie sammeln nicht massenhaft. Sie mal fünf ist auch nicht massenhaft?

    F.: Nein.

    Notz: Juristische Begriffe im Eingangsstatement, bei Nachfrage aber: „bin kein Jurist“. Als Leiter trugen sie aber Verantwortung. Was braucht es in Rechtsstaat für Datenerhebung des Staates über Individuen?

    F.: Verstehe die Frage nicht.

    Notz: Kann ein Staat einfach so über Menschen Daten sammeln?

    F.: Bin kein Jurist.

    Notz: Sie haben an einem sensiblen Bereich dazu gearbeitet. Was muss es geben, dass ein Staat so etwas darf?

    F.: Ich verstehe es nicht.

    Notz: Es braucht eine Rechtsgrundlage.

    Schork: Keine Frage, keine Rechtsfragen.

    Notz: Was braucht es für einen Grundrechtseingriff, wenn der BND Daten sammeln will?

    Schork: Wir beraten uns.

    Notz: Krass.

    [F. und Schork reden.]

    F.: Kann die Frage nicht beantworten.

    Notz: Eine Rechtsgrundlage. Auf welcher Rechtsgrundlage haben sie ihre Aufgabe ausgeübt?

    F.: BND-Gesetz.

    Notz: Welche Norm?

    F.: Bin ich in einer Rechtsprüfung, oder was?

    Notz: Hätte die Frage nicht gestellt, wenn sie nicht behauptet hätten, dass sie nicht anlasslos sammeln. Anlass ist aber ein Rechtsbegriff. Wenn sie das nicht nennen können, wie können sie das dann behaupten?

    F.: § 2–6 und 8–11 BND-Gesetz.

    Notz: Ungenau. Kennen sie das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung?

    F.: Ja.

    Notz: Vorratsdatenspeicherung für präventive Zwecke verboten. Glauben sie, das das Einfluss auf ihre Arbeit hat?

    F.: Ich glaube nicht.

    Notz: Haben sie sich dazu besprochen? Nach dem Urteil?

    F.: Wir haben die Daten, die wir erheben, gemeldet. Die Juristen im BND haben sich darüber auseinandergesetzt.

    Notz: Sie sagten, in Rheinhausen wurden keine Daten gespeichert, stimmt das?

    F.: Nein, es wurden Daten gespeichert.

    Notz: Wie viel Speicherplatz haben sie in Rheinhausen?

    F.: Terabyte oder was?

    Notz: Ja.

    F.: Keine Ahnung, ist zehn Jahre her.

    Notz: Haben sie alles weitergeleitet, was sie gespeichert haben?

    F.: Damals?

    Notz: Was haben sie weitergeleitet?

    F.: Circuit-Switched (Leitungsvermittelte) Metadaten wurden komplett an Zentrale weitergeleitet.

    Notz: Krass.

    F.: Braucht man zur Auswahl von Leitungen.

    Notz: Kann man noch andere Dinge damit tun. Was denken sie, was die Zentrale damit gemacht hat?

    F.: Fragen sie diesen Bereich.

    Notz: Muss doch Diskussionen gegeben haben, beispielsweise zur Streckenauswahl.

    F.: Streckenauswahl ist Aufgabe der Außenstelle.

    Notz: Machen sie?

    F.: Ja.

    Notz: Können nicht sagen, wie viele Daten gespeichert wurden?

    F.: Ja.

    Notz: Diskussionen mit AND dazu?

    F.: Nein.

    Notz: Nur BND?

    F.: Ja.

    Notz: Wurden sie über Globe informiert?

    F.: .

    Notz: Schon der Umstand?

    F.: Ja.

    Fragerunde 1: CDU/CSU

    Kiesewetter: Gibt es Nachfolgeprojekt zu Globe?

    F.: .

    Kiesewetter: Andere Außenstellen auch mit Globe beschäftigt?

    F.: Nein.

    Fragerunde 2: Linke (15:26)

    Renner: Widerspruch: Metadaten zur Streckenauswahl verwendet, aber Metadaten nicht verarbeitet?

    F.: Was ist Verarbeitung?

    Renner: Nehmen wir den Verarbeitungs-Begriff.

    F.: Dann ja.

    Renner: Wie lange Daten dafür vorgehalten?

    F.: Bis das Ergebnis feststand.

    Renner: Sagt ihnen Begriff „Umweltdatenbank“ etwas?

    F.: Nein.

    Renner: Hatten sie mal Kontakt zu BNetzA?

    F.: Nein.

    Renner: BSI?

    F.: Nein.

    Renner: Waren sie mit Einsatz von technischen Anlagen befasst?

    F.: Konkreter?

    Renner: Wurde ihnen vorgelegt, wenn eine technische Anlage installiert werden sollte?

    F.: In welchem Rahmen?

    Renner: Im Rahmen der Fachaufsicht ihrer Dienststellenaufsicht.

    F.: Wenn das in der Dienststelle verbaut wurde, ja.

    Renner: Haben sie sich vergewissert, dass BNetzA zugestimmt und BSI zertifiziert hat?

    F.: Wenn das notwendig war, ja.

    Renner: Bei Projekt Globe?

    F.: Ja.

    Renner: Waren sie beim Abgriff-Ort am Provider?

    F.: Nein.

    Renner: Kontakt zu Provider?

    F.: Nein.

    Renner: Kenntnis über rechtliche Grundlage? Verträge?

    F.: Nein.

    Renner: Können sie rechtliche Grundlage beschrieben?

    F.: Nein.

    Renner: Das ist ein Problem. Sie machen Grundrechtseingriffe. Polizeibeamter muss mir Rechtsgrundlage nennen können. Als Dienststellenleiter erfassen sie geschützte Kommunikation.

    F.: .

    Renner: War das Ausland-Ausland-Verkehr?

    F.: Ausschließlich.

    Renner: Gab es Vertrag mit Provider dazu?

    F.: .

    Renner: Warum nur als Parlament? Hatten Vertragsunterzeichner zu Eikonal hier. Ob es einen Vertrag gab, kann hier beantwortet werden.

    Wolff: Kann ich gerne sagen.

    Renner: Wenn das noch viel wackeliger ist als Eikonal, werden wir das noch mit den Provider durchdeklinieren müssen. Da hilft -Sitzung nichts.

    Wolff: Eikonal-Vertrag war ja auch eingestuft. Ich kann das gerne darlegen.

    Sensburg: Sollten das so machen.

    Renner: Dann hören wir auf.

    Fragerunde 2: CDU/CSU

    Keine Fragen.

    Fragerunde 2: Die Grünen

    Ströbele: Liegt das daran, dass es bei Eikonal um NSA und Telekom ging und hier um CIA und MCI?

    F.: .

    Ströbele: Das eine ist ausländisch, das andere nicht ganz so.

    F.: .

    Ströbele: Anlasslos. Biete anderen Begriff an: Verdachtslos. Nicht verdachtslos?

    F.: Nein.

    Ströbele: Sie hatten immer einen Verdacht?

    F.: Ja. Sie hatten eine Aufklärungsanforderung, mit Telefonnummern drin.

    Ströbele: Das geht nur leitungsgebunden?

    F.: Kann nur zu meiner Zeit aussagen.

    Ströbele: Sie haben dann nach Namen oder Telefonnummer geguckt?

    F.: Nach mehreren. Filter-Kaskade. Nur das erfassen, was zum Auftrag gehört.

    Ströbele: Gab es eine G‑10-Anordnung?

    F.: Bei Globe?

    Ströbele: Ja.

    F.: Nein.

    Ströbele: Ist diskutiert wurden, ob man das braucht?

    F.: Keine Ahnung.

    Ströbele: Hätte man das gebraucht?

    F.: Nein.

    Ströbele: Warum nicht?

    F.: War Ausland-Ausland.

    Ströbele: Und wenn Deutsche da drin waren?

    F.: Dafür gibt es G‑10-Filter.

    Ströbele: War das so etwas wie bei Eikonal?

    F.: Nein, wobei ich Eikonal nicht genau kenne. Aber unser Filter für Leitungs-Verkehre war sehr ausgereift, über Jahre bei Satelliten-Verkehr.

    Ströbele: Hat funktioniert?

    F.: Ja.

    Ströbele: Wurde das geprüft?

    F.: Ja.

    Ströbele: Von wem?

    F.: Einem Mitarbeiter.

    Ströbele: Für Globe?

    F.: Ja.

    Ströbele: Wie geprüft?

    F.: .

    Ströbele: Wer war das? Initialen?

    F.: Nein.

    Ströbele: Hatten sie mit Provider Kontakt?

    F.: Nein, aber mit W. K. und zwei, drei anderen.

    Ströbele: Wissen sie, was die gemacht haben?

    F.: Ja.

    Ströbele: Was?

    F.: .

    Ströbele: Warum ? Betrifft doch nur Tätigkeit des BND.

    F.: Sie haben zu Globe gefragt.

    Ströbele: Fragte nach Mitarbeitern, nicht Provider oder AND.

    F.: .

    Ströbele: Waren sie bei Entwicklung von Globe beteiligt?

    F.: Nein. Wir haben nur Betrieb gemacht.

    Ströbele: Was war erster Teil?

    Fragerunde 3: Linke

    Renner: War BND-Datenschutzbeauftragte mal in Rheinhausen?

    F.: Kann mich nicht erinnern.

    Renner: Wie sah Zusammenarbeit mit ihr aus?

    F.: Mussten jährlich jede Datenbank mit personenbezogenen Daten melden.

    Renner: Sagt ihnen eine Dateianordnung etwas?

    F.: Ja.

    Renner: Gab es immer Dateianordnugnen?

    F.: Zu einigen. Deswegen haben wir die gemeldet.

    Renner: Wurde Verkehrsananlysesystem (VERAS) eingesetzt?

    F.: [Denkt lang.] Ja.

    Renner: Gab es eine Dateianordnung?

    F.: Bin ich überfragt. Kam nicht von uns, haben wir bekommen.

    Renner: MIRA4?

    F.: Nein.

    Renner: HOMER?

    F.: Nein.

    Renner: XKeyscore?

    F.: Nein.

    Renner: Nicht?

    F.: 2002–2006.

    Fragerunde 3: Die Grünen (15:43)

    Notz: Wie viele Datenbanken gab es denn?

    F.: Keine Ahnung.

    Notz: 20 oder 2000?

    F.: Nein, einstellig.

    Notz: Für wie viele gab es Dateianordnungen?

    F.: Müsste ich nachschlagen.

    Notz: Nicht für alle?

    F.: Ja.

    Notz: Warum nicht?

    F.: Wir hatten das gemeldet.

    Notz: Hauptstelle hat manchmal gesagt: Nee, brauchen wir nicht?

    F.: Ja.

    Notz: War noch nicht in Rheinhausen, ist ja Grenzbereich. Gab es auch Aufklärungsziele in Europa?

    F.: Unser Aufklärungsziel war nicht Europa.

    Notz: Metadaten vor den Selektoren?

    F.: Erste Auswahl ist Auswahl des Satelliten, der hat einen Abstrahlbereich auf der Erde, nur dort gibt es Verbindungen. Noch keine Erfassung.

    Notz: Snapshots auf bei Satelliten?

    F.: Geht auch, ist aber nicht notwendig. Viel kleiner und überschaubarer.

    Notz: Hatten andere Außenstellen vielleicht auch andere Regionen außer Afghanistan und Nahost?

    F.: Keine Ahnung.

    Formalitäten: Vorsitzender (15:48)

    Vorschlag: Öffentlichkeit ausschließen. Dafür? Dagegen? [*meld*] Enthaltungen? Einstimmig beschlossen.

    $Danke

    Danke für die gute Berichterstattung.

    [15:48: Damit ist die öffentliche Sitzung vorbei. Danke für’s Lesen. Korrekturen, Formatierung und Zusammenfassung kommen später.]

    [18:45: Jetzt auch korrigiert, formatiert und zusammengefasst. Weitere Hinweise nehmen wir gerne in den Kommentaren.]

    5. Februar 2015 28