Chelsea Manning sitzt derzeit in den Vereinigten Staaten eine 35-jährige Gefängnisstrafe ab, weil sie als Whistleblowerin Rechtsverstöße der US-Administration im Irakkrieg öffentlich machte. Nach einem Suizidversuch am 5. Juli droht ihr nun eine erneute Anklage.
Ihr werden bedrohendes Verhalten, der Besitz verbotener Gegenstände und der Widerstand gegen Gefängnispersonal vorgeworfen. Kommt es zu einer Verurteilung, müssen unbefristete Einzelhaft, Wiedereinstufung auf die höchste Sicherheitsstufe sowie neun zusätzliche Haftjahre ohne die Möglichkeit der Haftaussetzung befürchtet werden.
Die American Civil Liberties Union (ACLU), die auch Mannings Rechtsbeistand organisiert, schreibt hierzu in ihrer Pressemitteilung:
It is deeply troubling that Chelsea is now being subjected to an investigation and possible punishment for her attempt to take her life. The government has long been aware of Chelsea’s distress associated with the denial of medical care related to her gender transition and yet delayed and denied the treatment recognized as necessary.
Der Chaos Computer Club (CCC) fordert die Begnadigung seines Ehrenmitglieds Chelsea Manning und schreibt:
Die unmenschlichen Haftbedingungen haben Chelsea Manning an den Rand des Selbstmords getrieben. Als Strafe für ihren Versuch sollen diese nun noch verschärft werden. Mannings Haftbedingungen wurden schon 2012 vom UN-Berichterstatter als Folter kritisiert. Wir fordern den scheidenden US-Präsidenten Barack Obama auf, Manning zu begnadigen und so den grausamen Bedingungen ein Ende zu bereiten. Das wäre endlich das langersehnte Zeichen für Whistleblower, auf das viele hoffen.
Es gibt auch einen öffentlichen Aufruf an den US-Verteidigungsminister, die neuen Anklagepunkte fallenzulassen. Die Hoffnung besteht, dass Barack Obama in seinen letzten Tagen als Präsident Manning noch begnadigt.
