Sascha Lobo wird dieses Jahr keine Rede auf unserer re:publica halten. Als Veranstalter weiß ich das ja schon etwas länger und jetzt erklärt er im Wired-Interview warum das so ist. Der Grund ist vor allem, dass er dachte, dass es „sinnvoll sein“ könnte, „mal eine Pause zu machen. Die Erwartungen auf andere Art zu brechen, als es von mir erwartet wird“. Wer nach Snowden begeistert wie früher weitermache, sei „nicht netzoptimistisch, sondern realitätsfern“. Für ihn sei „der Impuls jetzt aber: Machen! Nicht nur reden.“
WIRED: Sascha Lobo, bei der Berliner Re:publica-Konferenz im Mai 2014 haben Sie eine furiose, aber des-illusionierende Rede gehalten. Die deutsche Internet-Community sei ein kaum engagierter, politisch weitgehend passiver Haufen. Ein Jahr ist vergangen. Hat sich etwas geändert?
Sascha Lobo: Ja, ein wenig. Meine Rückfragen bei den Plattformen und Blogs, die ich in der Rede erwähnt hatte, ergaben, dass es hinterher einen Anstieg bei den Spenden gab. Natürlich wünsche ich mir, dass Institutionen wie netzpolitik.org oder Digitale Gesellschaft ihre Arbeit finanzieren können. Worum es mir vor allem ging: die Lippenbekenntnisse aufs Korn zu nehmen. Leute erzählen, wie wichtig ihnen Privatsphäre im Netz sei, obwohl sie sich über die reine Formulierung des Anspruchs heraus kaum dafür interessieren. Bequemlichkeit ist ihnen viel wichtiger – aber das hört sich halt nicht so geil an. Mich nervt das sehr. Die Aktivisten, die dahin gehen, wo es wehtut, bekommen zum Dank eine rostige Büroklammer zugesteckt. Daran hat sich noch zu wenig geändert.
Wer daran etwas ändern möchte, findet hier eine Möglichkeit.
Wir freuen uns natürlich auch über ein Spenden-Banner mit einer rostigen Büroklammer drauf. Unser Logo findet man bei Wikipedia.
Es kommen trotzdem hunderte Sprecherinnen und Sprecher zur re:publica im Mai. Ein kleiner Teil der Talks ist schon online. Der Rest hängt an unserer Wand.