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Filmreif, aber wirkungslos – Der Fall Edward Snowden

HR2-Der Tag berichtete gestern über „Filmreif, aber wirkungslos – Der Fall Edward Snowden“.

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Jetzt hat also immerhin die amerikanische Filmindustrie indirekt den Whistleblower Edward Snowden geehrt. „Citizenfour“, eine deutsche Koproduktion von NDR und BR über seine Enthüllungen, wurde mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Edward Snowden selber hat davon aber nichts. Er muss weiterhin im russischen Exil leben. In den USA gilt er als Verräter. Und auch in Europa will ihn niemand haben. Was also hat Edward Snowden eigentlich erreicht? Die Datensammelwut von Geheimdiensten ist ungebrochen. Ein europäisches Datenschutzgesetz hängt im EU- Parlament fest. Im Internet geben die meisten Nutzer immer noch blauäugig ihre Daten preis. Und die öffentliche Aufregung? Sie widmet sich längst anderen Skandalen. War das Opfer von Edward Snowden also vergebens?


Davon gibt es eine MP3.

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7 Kommentare
  1. Nein, dass Opfer von Edward Snowden war keineswegs vergebens, denn durch ihn und den Film von Laura Poitras sind viele Menschen aufgewacht, was man in Berlin sehr deutlich an den Besucherzahlen von Cryptopartys feststellen kann. Auch kommen da plötzlich Menschen, die noch vor ein paar Jahren niemals zu solchen Veranstaltungen gegangen wären. Ein weiterer Beweis dafür, dass sich etwas verändert hat ist z.B. der Artikel von Friedemann Karig in der #39 der t3n mit der Headline „Überwachung macht impotent“ der mit den Zeilen endet

    Politischer Wandel funktioniert wie eine Espre~sokanne: Ohne Druck von unten passiert nichts. Wir müssen Druck auf diejenigen ausüben, die unsere überwachung nicht nur decken, sondern vorantreiben. Und wenn es nur eine Mail an einen Abgeordneten ist, in der wir darauf hinweisen, dass genau diese Mail womöglich mitgelesen wird. Dass es ihm oder ihr nicht möglich ist, frei zu
    kommunizieren. Dass wir alle impotent sind. „Darüber müssten eigentlich Regierungen stürzen“, sagte der ehemalige FDP-Innenminister Gerhart Baum. Warum aber der Konjunktiv? Wir sollten in jedem Fall handeln, bevor wirklich tote Hose ist.

  2. Naja, er ist nicht bis nach Berlin durchgekommen, aber Moskau ist schon mal nicht schlecht… Kann ja nicht jeder Amerikaner bei uns vor dem Brandenburger Tor ne Rede halten! Bei aller Freundschaft… ;-)

  3. Ich finde auch nicht das sein Opfer vergebens war. Jeder Politiker, jeder Geheimdienstmitarbeiter hat jetzt keine Ausrede mehr von nichts gewusst zu haben. Die sind alle mitverantwortlich an der Abschaffung der Demokratie, Unterdrückung und z.B. den Drohnenmorden. Das Amerika ungehindert Foltern darf.
    Wenn wir dann mal irgendwann wieder ein funktionierendes Rechtssystem haben, und diese Leute noch Leben können wir den alle vor Gericht stellen und denen die Rente weg nehmen und alles.

    Und wir haben eine super Dokumentation wie es diesmal zum Niedergang kam. Neben den Nazis in einem Land jetzt mal ein Bsp. wie das global passiert. Der Einfluss vom Wirtschaftssystem bzw. die Deregulierung derer, welche Rhetorik genutzt wird. Das Überwachung nichts bringt. Wie wichtig Bildung ist, gerade so Skills wie Rhetorik erkennen, Manipulationen über Emotionen, Desinformation, …
    Wie wichtig Korruptionsbekämpfung ist, Transparenz und Überwachung von Entscheidungsträgern…

    Da kann man soviel von lernen und versuchen es beim nächsten mal besser zu machen. Also vergebens war das auf keinen Fall. Vergebens ist vielleicht der Versuch es besser zu machen. Aber das werden wir nur herausfinden, wenn wir es immer wieder probieren.

  4. Edward Snowden hat sehr viel erreicht. Seine paranoide Botschaft ist glaubwürdig in unseren Gedankenwelten angekommen. Die Bevölkerung akzeptiert die Idee der Totalüberwachung, bevor es sie überhaupt gibt. Widerstand wird aufgeweicht. Kritische Stimmen verstummen. Einer de facto Überwachung der Weltbevölkerung wird der Gegenwind vorweg genommen. Neue Gesetze können nun ungehindert durchgewunken werden, nachdem sie jahrelang abgelehnt oder zurückgenommen worden waren (Vorratsdatenspeicherung).
    http://granaton.com/laura-poitras-citizenfour-edward-snowden-whistleblower-film-endo-critique-transmediale

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