Netze

EU-Parlament stimmt gegen Netzneutralität: Freie Datenautobahn für die Deutsche Telekom

Netzbetreiber dürfen nicht zu Türhütern gemacht werden. (Grafik: Digitale Gesellschaft e.V.)

drosselkom_startups_netzneutralität„Der gefundene Kompromiss sei durchaus ausgewogen“ erklärt der Deutsche Telekom Chef Höttges laut Handelsblatt und sagt damit deutlich, dass sich die Telko-Lobby umfassend durchsetzen konnte. Es macht Sinn, sich nochmal in Gedächtnis zu rufen, was die Deutsche Telekom im Sommer 2013 mit den Drosselkom-Plänen angekündigt hat und was seinerzeit zu einer größeren Debatte führte als jetzt, wo die Regeln dafür festgeschrieben wurden. Alles, was seinerzeit die Deutsche Telekom als Idee präsentiert hat, ist jetzt auf EU-Ebene abgesegnet worden.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Im Sommer 2013 erklärte die Deutsche Telekom:

Wir sind offen für Gespräche mit diesen Anbietern, um ihre Angebote in Entertain zu integrieren oder neue Kooperationsmodelle zu finden. Einen Teil dieser Erlöse würden wir dann in den Netzausbau investieren können. Dann ist es auch denkbar, dass die Sendungen nicht das Datenvolumen der Nutzer verbrauchen. Im Mobilfunk machen wir das bereits mit dem Musik-Streamingdienst Spotify. So etwas wäre sowohl mit Marktgrößen wie Youtube als auch mit Newcomern möglich“

Gerade macht aktuell der Handelsblatt-Artikel vor allem wegen der Idee einer Umsatzbeteiligung für das Nutzen einer Überholspur die Runde:

„Gerade Start-ups brauchen Spezialdienste, um mit den großen Internetanbietern überhaupt mithalten zu können.“ Während sich Unternehmen wie Google große Serverparks in der Nähe der Kunden leisten würden, um damit bessere Qualität zu liefern, ist das für kleine Unternehmen zu teuer. Daher bräuchten gerade die jungen Firmen Spezialdienste, die Dienste auf den Markt bringen wollen, bei denen eine gute Übertragungsqualität garantiert sein muss. „Nach unseren Vorstellungen bezahlen sie dafür im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent. Das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Infrastruktur. Und es sorgt für mehr Wettbewerb im Netz“, erklärte Höttges.

Das mag einige jetzt schockieren, ist aber nichts neues. Das wurde auch bereits im Sommer 2013 von Seiten der Deutschen Telekom ins Spiel gebracht und Anfang des Jahres nochmal wiederholt:

Ein beliebtes Argument dagegen lautet: Gesicherte Qualität können sich nur große Internetunternehmen leisten. Die kleinen bleiben auf der Strecke. Dabei könnte sich eine Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent jedes Unternehmen leisten. Und das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Netzinfrastruktur, auf der Internetdienste beruhen. Denn die Netzbetreiber stehen vor einem Dilemma, dass sie Milliarden in die Infrastruktur investieren sollen, ihre Umsätze aber schrumpfen – vor allem weil die Regulierung bisher ihren Schwerpunkt auf günstige Preise gesetzt hat.

Als Startup-Gründer würde ich mich jetzt schon mal in meinem Businessplan damit beschäftigen, welche Stellen denn mit den unterschiedlichen Betreibern die Überholspuren aushandeln sollen und wie viel von meinem Umsatz übrig bleibt, wenn jeder Provider „ein paar Prozent“ vom Umsatz für eine Überholspur haben möchte, damit man gegenüber Konkurrenten nicht benachteiligt wird.

Wer sich fragt, wo Günther Oettinger das mit den Taliban abgekupfert hat, findet auch bei Höttges den passenden Zitatgeber:

Darin erklärt er zunächst, die Verordnung sei ein Kompromiss zwischen den Positionen der „teilweise fundamentalistischen Netzaktivisten“, Internetunternehmen, „die fürchten, stärker zur Kasse gebeten zu werden“ und Telekommunikationsunternehmen, „die um die Refinanzierung ihrer milliardenschweren Investitionen in die Breitbandinfrastruktur fürchten.“

Da hat Oettinger wahrscheinlich auch das mit den Autos her. Apropos Oettinger. Der erzählt ja gerne, dass Spezialdienste laut Verordnung nur bei „Diensten im Allgemeinen Interesse“ erlaubt sein sollten (was der Gesetzestext im Gegensatz zu Oettingers Versprechen nicht her gibt). Die Deutsche Telekom erklärt, was sie darunter versteht:

Weiter führt er aus, warum er glaubt, dass diese Spezialdienste nötig sind: „Das fängt bei Videokonferenzen und Online-Gaming an und geht über Telemedizin, die automatisierte Verkehrssteuerung und selbststeuernde Autos bis zu vernetzten Produktionsprozessen der Industrie.“

Keine weiteren Fragen. Schade nur, dass viele drauf reinfallen, wenn ihnen Politiker einfach irgendwas erzählen können.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
37 Kommentare
  1. Der letzte Satz passt leider nicht.
    Es sind nicht die Politiker die uns etwas einreden.
    Dafür gab es genug Protest und Wiederstand aus allen Bereichen.
    Es sind die Politiker die sich von den Telkos kaufen/einreden lassen, was uns dann als Argumente vorgelegt werden sollen.

    Bei einem offensichtliche Betrug an den Bürgern der EU, den man auch im Eiltempo durchgepeischt hat, kann man die EU nicht mehr ernst nehmen.
    Die Liberalen und Neokons sind heute die moderne Pest.
    Mit allem was sie in Berührung kommen, muss dran glauben.
    Die bringen uns VDS und anderen Total Überwachungsmist den kein Bürger fordert und der auch keinen Präventiven Nutzen hat.
    Eigentlich müsste man sich fragen ob es nicht mal langsam Zeit für einen EU weiten Putsch wird.
    Mit den demokratischen Mitteln scheint man sich auch bald nicht mehr helfen können, wenn der EuGH und bei uns die Verfassungsgerichte bald nur noch Pro Neokon Richter sitzen.

    Martin

    1. Bei der Büffeljagt ist es von Entscheidend, das der Leitbulle zuerst erschossen wird!
      Erschießt man hingegen den Falschen, geht die Ganze Herde durch!
      Totalüberwachung und VDS hat nun welchen Zweck?
      Genau! Den/die Leitbullen zu ermitteln und mit Ihnen entsprechend den Erfordernissen zu verfahren!

  2. „Als Startup-Gründer würde ich mich jetzt schon mal in meinem Businessplan damit beschäftigen, welche Stellen denn mit den unterschiedlichen Betreibern die Überholspuren aushandeln sollen und wie viel von meinem Umsatz übrig bleibt, wenn jeder Provider „ein paar Prozent“ vom Umsatz für eine Überholspur haben möchte, damit man gegenüber Konkurrenten nicht benachteiligt wird.“ – ja genau, aber wo ist denn das problem? ich sehe in diesem artikel leider keine guten gründe gegen die abschaffung der netzneutralität. außer vielleicht dass es politiker sind, die uns die netzneutralität ausreden wollen, was zwar grundsätzlich fast schon ein argument ist, aber natürlich keine inhaltliche auskunft gibt. also: was spricht denn eigentlich gegen fast lanes, nicht nur für spezialdienste? der telkom-markt sollte, wie alle anderen märkte frei sein, und in solchen märkten entscheiden die teilnehmer über die preise für güter und dienstleistungen. und jeder teilnehmer muss dann eben die preise in seine kalkulation einbeziehen (siehe zitat). preise sind ja nichts schlechtes, im gegenteil: sie zeigen an, wo es bedarfe gibt, wie ressourcen und präferenzen verteilt sind und geben schließlich dadurch den marktteilnehmern wichtige informationen bzgl. ihres einsatzes von ressourcen. darüber hinaus ist die entscheidung des ep ja nicht einfach eine gegen netzneutralität, sondern ein kompromiss, der sich in teilen ja sehr viel für netzneutralität ausspricht. ich frage mich vielmehr wohet politiker das recht nehmen, derart in die ökonomischen austausch von personen einzugreifen. warum lassen wir die marktteilnehmer nicht einfach machen?

    1. Schon mal was von „öffentlicher Daseinsvorsorge“ gehört? Oder „öffentlicher Infrastruktur“? Da kann man ja auch gleich eine Sonderabgabe für das Nutzen der Überholspur auf Autobahnen fordern!

      1. mit diesem argument hat man aber nicht netzneutralität gerettet, sondern ein staatlich beteitgestelltes netz. wollen wir das? zudem: öffentliche daseinsvorsorge ist ja nichts anderes als die idee, dass bestimmte dinge enorm wichtig sind. aber das sagt noch nichts über den bereitsteller aus. und überdies muss das ganze ja finanziert werden, und da wären dann wieder alle beteiligt, nur eben üner zwang. wenn wir jedoch nur über regulierung sprechen (es fließt also kein geld, nehmen wir mal an), dann frag ich mich woher die autorität kommt, regulierend eingreifen zu dürfen. wir sollten bei überwachung wachsam und kritisch dem staat gegenüber sein, ebenso aber bei anderen bereichen der netzpolitik.

    2. ja genau, aber wo ist denn das problem?
      Kommunikationswege haben Infrastrukturcharakter. Sind eher langsamer im Aufbau, haben nicht verschwindende Betriebskosten, sind nicht einfach zu erweitern usw. Deshalb wäre es schön, wenn mein Infrastuktur anbieter einen möglichst neutralen Kanal/Weg anbietet, auf Basis dessen dann die Dienste einen Markt bilden. Unschönerweise werden die Kosten für die Infrastuktur dem EndKunden auferlegt und das noch nicht mal kostendeckend und zZ tragen die Dienstanbieter das Geld raus.

      1. Die Kosten für die Infrastruktur werden dem Endkunden auferlegt – ist das denn in anderen Bereichen anders? Nehmen wir Straßen: Die fallen ja auch nicht vom Himmel, sondern werden gebaut, und zwar aus Steuermitteln. Das heißt: Auch hier werden die Endkunden zur Kasse gebeten (sogar auch diejenigen, die gar kein Auto fahren, das ist also sogar ungerecht). Oder nehmen wir irgendein anderes Produkt aus dem nicht-öffentlichen Bereich, z.B. eine Zeitung: Auch diese benötigt eine interne Infrastruktur zur Bereitstellung ihrer Inhalte und zum Vertrieb etc. Diese muss sie erhalten und dazu wird sie Geld ausgeben, und das wird sie wiederum im Preis für die einzelne Zeitung integrieren. Freilich bleibt die Frage, wie die eher auf Monopolstruktur angelegte Netzbereitstellung zum Nutzen aller bewerkstelligt werden kann. Aber hier würde ich meinen, dass gerade finanzielle Anreize aus der Möglichkeit von Überholspuren etc., also gerade aus Netz-Aneutralität, für Innovation sorgen. Also: Nicht „kein Markt als Voraussetzung für Markt“, sondern „Märkte zur Schaffung von anderen Märkten“.

      2. @Andreas, du hast dich offensichtlich noch nicht so viel mit dem Thema beschäftigt…

        Strassen sind genau das klassische Beispiel für Infrastruktur. Es wird der Bau nicht von den Endkunden bezahlt sondern als Gemeinschaftsausgabe (müsste theoretisch nicht Steuern sein). Wenn die Strasse dann existiert, kann jeder entscheiden, wie oder ob er am Strassenverkehr teilnehmen möchte. Der Gewinn für die Allgemeinheit die Infrastruktur Strasse zu haben überwiegt die Investition be Weitem.

      3. @Andreas

        Stell Dir einfach mal folgende Innovation vor: Die A7, A1, A2 – you name it – wird privatisiert, der Investor übernimmt Erweiterung und Instandhaltung und bekommt dafür vom Fahrer Maut.
        Aber er darf Spezialdiensten separat für die Erbringung ihrer Dienstleistungen Geld abnehmen. Sagen wir, die Deutsche Bahn muss 2% vom Konzernumsatz dafür bezahlen, dass ihre Schenker-LKWs eine eigene Spur der Autobahn benutzen dürfen. Außer durch die Teuerung der damit bewegten Produkte kratzt Dich das wahrscheinlich nicht. Dann passiert aber ein Unfall, Du wirst verletzt – und der Autobahnbetreiber kassiert pro Kilometer und Fahrzeug 100 Euro von den Rettungskräften (Polizei, Feuerwehr, Rettungswagen) für die Benutzung einer eigenen Rettungsspur. Die wiederum stellen das der Krankenkasse in Rechnung, die entsprechend die Beiträge erhöhen. Oder die Rettungskräfte kommen halt über die kilometerweit verstaute Maut-Spur – von der gibt’s dummerweise nur eine, denn die anderen Spuren sind für Spezialdienste freigehalten. Warum sollte der Autobahnbetreiber bloß für Maut, die gerade die Kosten deckt, extra Geld ausgeben, um eine zweite Mautspur zu bauen – bringt ja nix ein? Lukrativ sind nur die Spezialspuren, und die müssen erst erweitert werden, wenn sich auf ihnen Stau bildet…
        Klingt das nach Innovation und einem erstrebenswerten Modell?

    3. Weil der Markt schon einen gewaltigen Bias hat: Die Großen fressen die kleinen und nicht die guten Ideen schaffen das schon.
      Und noch etwas: Netzneutralität ist sowas wie schwanger. Entweder es gibt Netzneutralität oder es gibt sie nicht. Ein wenig Netzneutralität ist keine Netzneutralität. Wer bestimmt, welche Services priorisiert werden, hat die Macht und das geht – trotz anders lautender Wortmeldungen von Oettinger&Co – bis hin zu dem Punkt, dass dann niedrig priorisierte Services gar keine Bandbreite mehr abbekommen. Es gibt keinen Anlass mehr für die Provider zu investieren, um ihre Leitungen leistungsfähiger zu machen. Man hat ja das Wichten der Durchleitung als Variationspunkt und dann hat man das aktuelle Quartal halt ordentliche Zahlen für die Börse. Das ist Infrastrukturapokalypse mit Ansage. Nicht gleich morgen, aber sich demnächst. Als Beispiel dient hier die Bahn und deren Privatisierung. Das schaffen Telekom&Co sicher auch.

    4. Ja, freie Märkte sind schon eine tolle Sache. Problematisch wird es nur, wenn es in diesen freien Märkten ein paar riesige Player gibt, die mehr oder weniger machen können, was sie wollen. Wozu gibt es denn sonst Kartell- und Regulierungsbehörden, wenn sich in einem freien Markt sonst alles so wunderbar von alleine regelt…

    5. „Als Startup-Gründer würde ich mich jetzt schon mal in meinem Businessplan damit beschäftigen, welche Stellen denn mit den unterschiedlichen Betreibern die Überholspuren aushandeln sollen und wie viel von meinem Umsatz übrig bleibt, wenn jeder Provider „ein paar Prozent“ vom Umsatz für eine Überholspur haben möchte, damit man gegenüber Konkurrenten nicht benachteiligt wird.“ – ja genau, aber wo ist denn das problem?

      —-

      1. Stützt man damit die vorhandenen großen Unternehmen, was so viel heißt, wie dass man einem Monopol nachhilft.
      2. Schwächt man damit Startups, da diese mehr Geld aufbringen müssen, damit die ihr Produkt an den Mann/die Frau bringen können. Bei Crowdfunding müssten z.B. mehr Personen spenden, damit diese Idee durchgesetzt wird. Dadurch können einige nützliche Dinge nicht erst in die Realität (von der Idee) umgesetzt werden. Nach meinen Wissen soll es auch viele nützliche Erfindungen (Innovationen) aus Startups entstanden.

    6. Wo das Problem ist?
      Der Netzausbau wird in einigen Regionen mit 50-70% mit Steuergeldern gefördert.
      (Vorsicht, link geht zur Digitalen Agenda: http://www.digitale-agenda.de/Content/DE/Artikel/2015/10/2015-10-21-breitbandausbau.html ) , ebenso werden zu Recht Start-Up-Unternehmen gefördert.
      Es kann doch nicht sein, daß letztendlich der Großteil der Förderungen in der Kasse der Telekom landet, nur weil man künstlich geschaffene Engpäße , Verknappungen und digitale Wegelagerei gesetzlich zementiert hat. DE ist schon rückständig genug. Jetzt auch noch ganz Europa. Der gesellschaftliche Schaden, der durch dieses Gestz entstehen wird, wird enorm sein.

    7. „„Als Startup-Gründer würde ich mich jetzt schon mal in meinem Businessplan damit beschäftigen, welche Stellen denn mit den unterschiedlichen Betreibern die Überholspuren aushandeln sollen und wie viel von meinem Umsatz übrig bleibt, wenn jeder Provider „ein paar Prozent“ vom Umsatz für eine Überholspur haben möchte, damit man gegenüber Konkurrenten nicht benachteiligt wird.“ – ja genau, aber wo ist denn das problem?“

      Wo das Problem ist? Ich weiß jetzt nicht wie viele Provider es in Deutschland gibt aber rechnen wir einfach mal mit 15 Stück die ca. 95% aller deutschen Internetanschlüsse verwalten. Nun möchtest du diesen 95% deine Leistung ohne Einschränkungen und in guter Qualität zu Verfügung stellen.
      Nun verlangen die 15 Provider 3% von deinem Umsatz damit deine Leistung bei deinen Kunden ohne Einschränkungen ankommen. Wenn du also alle Bezahlen möchtest sind 45% deines Umsatzes weg!

      Und DAS soll für dich kein Problem sein?? ich bin Sprachlos

  3. Eigentlich muss man der Telekom ja total dankbar sein. Es bewahrheitet sich alles, was vorhergesagt wurde, was passieren wird. q.e.d

    IT soll wichtig in Deutschland sein? Das hat sich jetzt wohl geklärt. Als Startup, welches tatsächlich Bandbreite und sicheres Internet bis zum Kunden benötigt, würde ich sicher nicht Deutschland als Standort wählen. Da bieten sich andere Länder an.

  4. Ich frage mich, was Spezialdienste mit dem Internet zu tun haben.

    Im Auto ist das Medium das Mobilfunknetz. Hier braucht man kein Internet, wenn es um wichtige Dinge geht.

    TV hat auch nichts mit Internet zu tun. Die Telekom speist TV „auf der letzten Meile“ ein. Da fließt nix über das Internet.

    Start-ups brauchen Spezialdienste? Kommt darauf an, wozu. Im Internet kann man sich Internet-konform verhalten. Reicht das nicht, so kann man eine schnellere Anbindung mieten oder bessere Technik (z.B. p2p) verwenden. Man kann aber nicht andere diskriminieren, nur weil man selbst Profite maximieren will und unfähig ist, Lösungen selbst zu erarbeiten. Wer Spezialdienste will, der soll auch die Infrastruktur bereit stellen. Das hat nichts mit Internet zu tun.

    Die ganze Telekom-Argumentation hat nur einen Zweck. Im Mittelalter hätte man von Raubrittern geredet, wenn man in prominenter Position (seiner Burg) Durchgangszölle erpresst. Ihr möchtet, dass Startups bei Euch bezahlen, als wärt ihr das Netz. Wenn nun jeder Netzbetreiber das so sieht, dann zahlt das Startup x mal an jeden Netzbetreiber. Das skaliert nicht. Ihr lügt mir „billige“ Preise vor und meint, ich als Kunde wüsste nicht, dass ich da jeden Cent doppelt zahlen muss? Verarscht jemanden Anderes.

    Liebe Telekom, es ist ganz einfach. Ihr habt Verträge mit denen, die sich mit Euch verbinden. Verträge über Leistungen wie Bandbreite, Volumen, Latenz und so weiter. Was zum Teufel geht es Euch an, welche Daten transportiert werden, woher die Inhalte kommen und wer sie empfängt oder sendet?

    Wenn ihr das nicht kapiert, dann droht früher oder später eine zwangsweise Aufspaltung des Konzerns in Inhalteanbieter und Infrastrukturbetreiber. Denn ihr stützt Startups nicht. Ihr versucht Konkurrenz auszuschalten oder zu assimilieren.

  5. Jupp, Joachim … die „Internetautobahn“, der Staat würde gern Mautgebühren kassieren, Rahmenbedingungen für Ordnungswidrigkeiten schaffen und den Internetführerschein einführen, damit nur derjenige den Rechtsfreien Raum betreten darf, der sich auch Identifizieren lässt!
    Identitätsdiebstahl?
    Ach was … doch nicht bei einem „Regionet“ Anbieter!

  6. 1.) Das zig-Klassen Internet wird Realität (Bisher weitestgehend unabhängig vom Geldbeutel, wird es in Zukunft nur noch um die Tiefe eines Geldbeutels gehen.)
    2.) Das Internet wird dünner, da viele Dienste hier in Europa nicht mehr angeboten werden (oder glaubt jemand, dass sich noch irgendein Start-Up rentiert, bei den Zusatzkosten? Oder Google & Co. wirklich einen Teil ihrer Gewinne an die Telekom & Co. abgibt?)
    3.) Kauft mehr Stifte und Papier, damit wir wieder Briefe schreiben können. Nicht zu vergessen: Brieftauben züchten
    4.) Informationsfreiheit wird beerdigt und der Frust der Menschen auf Politik und Konzerne wird zu nehmen (inklusive extreme Gruppierungen, die immer mehr Stimmen erhalten werden – leider!!!)

    Tipp für alle Start-Ups – egal aus welchem Teil der Welt :

    Kommt nicht nach Europa. Wir wollen euch nicht. Internet ist etwas Schlimmes, etwas Gruseliges und überfordert uns Europäer.

    Falls ich etwas vergessen haben sollte, dann liegt es daran, dass ich parallel nach genügend Vorrat an Stiften und Papier suche. Und natürlich noch die restliche „freie“ Internetzeit nutze um mich über die Zucht von Brieftauben zu informieren.

    Fliegende Grüße

    Markus

  7. Wen wunders. Die Telekom hat Ausweise um direkt in den Bundestag zu laufen und mit den Abgeordneten eine kleines Gespräch (natürlich ohne Gefälligkeiten) zu führen.
    Da der Stammwähler der CDU/CSU aber über 60 Jahre alt ist und wenig bis gar kein Internet nutzt, wird es diese Wähler auch nicht stören. Die Rente muss steigen und dieses Bedürfnis wird bedient.

  8. Unter Politikern gilt die Nähe zur Wirtschaft als Kompetenznachweis. Wer sich mit den Wirtschaftsbossen ablichten lässt, suggeriert dem Wähler, er hätte Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen. Das ist der Kern der „Wirtschaftskompetenz“ der CDU/CSU, FDP aber auch der SPD. Erinnern wir uns an Gerhard Schröder, den „Genossen der Bosse“. Nun sind diese Unternehmer und Verbände reine Egoisten. Sie denken Betriebswirtschaftlich, d. h. sie wollen maximale Gewinne bei geringstem Aufwand. Jedes Privileg, das den Wettbewerb behindert oder ganz abschafft, ist für die Gold wert. Die Spezialdienste ermöglichen doppeltes Abkassieren. Das sind zusätzliche Gewinne mit minimalem Aufwand, da an der bestehenden Struktur nichts Geändert werden muss. Ein Geschenk des Gesetzgebers. Das Höttges sich als Sieger fühlt, und hämisch Salz in Wunden der Kritiker streut, ist daher kein Wunder. Seine Lobby hat genügend naive Idioten gefunden, die glauben, dass man die Wirtschaft ankurbelt, wenn man den Unternehmen gibt, was sie haben wollen. Tatsächlich ist das Ergebnis gesamtwirtschaftlich betrachtet schlecht für uns. Die Aufgabe der Netzneutralität kostet Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum. Doch die Hände der Volkswirtschaft kann man vor laufenden Kameras weder schütteln, noch verteilt sie gut dotierte Posten in Beiräten oder weiße, mit Geld gefüllte, Briefumschläge. Daran krankt unsere Wirtschaft seit Jahrzehnten, und generiert kaum noch Wachstum und Arbeitsplätze.

  9. Neue Infrastrukturanbieter müssen her. Fertig. Google (und andere Player) schauen sich das Gehampel doch nicht ewig so an. Spätestens wenn die Telekom „ein paar Prozent“ für youtube-videos von Google haben will, würde ich an deren Stelle anfangen, eigene Glasfaser-Ringe in den Ballungszentren zu verbuddeln. Dann Kampfpreise für die „letzte Meile“ und Angebote für Immobilienbesitzer und Wohnungsbaugesellschaften mit FTTH, und BUMS. DTAG: dicke Backen bitte.
    200GB symmetrisch, plus TV plus VoIP: 100,-/ Monat.
    Ich würde SOFORT ordern. Und sicher nicht nur ich.
    Es braucht nur ein zwei starke Investoren mit einem längeren Atem für die Erst-Investition.

    1. Da bin ich ganz bei dir. Das wird über kurz oder lang kommen. Die großen Contentprovider lassen sich nicht von ISPs das Wasser abgraben (siehe USA). Zudem haben die Contentprovider ein Interesse daran, dass die Kunden möglichst einfachen guten Zugang zum Internet haben, da sie ihr Geld mit Werbung / Content verdienen und möglichst viele zufriedene Besucher brauchen.

      Ich finde auch so Lösungen ganz gut, bei denen Dörfer sich zusammentuen und einfach selbst eine Infrastruktur aufbauen. Entweder über Erdkabel oder über Richtfunkstrecken.. Allerdings ist da oft der Uplink das Problem, der dann wieder bei einem Carrier gemietet werden muss und entsprechend teuer ist.
      So Firmen wie Google haben mit sowas eigentlich gar kein Problem, da sie praktisch mit allen großen AS weltweit private peerings haben und für den Transfer nichts zahlen.
      Als neuer Provider hat man auf dem Markt erstmal extreme Nachteile.
      Contentprovider peeren gerne mit Einem wenn man entsprechend Kunden hat an IX Standorten, ISPs wollen praktisch immer Kohle sehen (Telekom, Telefonica, Vodafone). Die meiste Bandbreite bei Endkunden geht natürlich für Content drauf (YouTube, Facebook u.s.w.). Es ist dann aber der P2P Traffic zu z.B. Telekomkunden der beim ISP dann ordentlich ins Geld gehen kann, z.B. durch Bittorent.
      Will man vertretbare Latenzen zu 90% des Netze in Europa, kommt man leider um ein T-Com Peering nicht wirklich herum :(

  10. Ich empfehle allen mal das Buch „Warum Nationen scheitern“ von Acemoglu und Robinson zu lesen. Da wird ganz klar dargelegt, dass Entscheidungen wie diese der Gesamtwirtschaft langfristig massiv schaden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.