Die transatlantische „Mauer der Feindseligkeit“

Im Economist erschien heute ein lesenswertes Stück mit dem Titel „Not-so-private lives“, das sich mit den unterschiedlichen Sichtweisen der Kontinentaleuropäer und US-Amerikaner in Datenfragen und den Auswirkungen der Snowden-Skandale beidseits des Atlantik beschäftigt. Die aktuell strittigen Fragen um „Safe Harbour“, die Flugpassagierdaten, TTIP, die sog. „Crypto Wars“ und das Urteil des EuGH in Sachen Google-Suche werden kommentiert, aber auch der Anti-Amerikanismus in Deutschland und Österreich in der Nach-Snowden-Ära thematisiert.

Der Economist diagnostiziert eine „wall of hostility faced by America’s politicians and diplomats“ (Mauer der Feindseligkeit gegenüber amerikanischen Politikern und Diplomaten) und nimmt auch nicht an, dass dies in naher Zukunft besser wird:

Yet the transatlantic data divide will not close soon. Europeans are right to be wary of today’s unprecedented data-hoovering, particularly by internet giants: public policy has failed to keep up.

Eine schöne neue Wortschöpfung sind übrigens die „securocrats“, wofür vielleicht „Sekurokraten“ nur eine ganz lausige Übersetzung ist. Hat da wer eine bessere Idee?

Der Artikel ist auf den 4. April 2015 datiert, vermutlich ein Tippfehler. Vielleicht mache ich aber auch Zeitreisen.

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8 Ergänzungen

  1. Securocrats würde ja bedeuten, dass jemand mit Sicherheit(svorkehrungen) regiert.

    Wenn man korrekt sein wollte, wären diese vermeintlichen Sicherheitsvorkehrungen vermutlich nur Alibimaßnamen, oder?

    Sekurokraten wäre jedoch eine angemessene Übersetzung, wenn man das außer Acht ließe.

  2. Securocrats bedeutet auch Hardliner. Alternativ könnte man das auch als Kontrollfreaks oder Sicherheitsfanatiker übersetzen.

  3. Dort heißt es auch: „It would be easier for America and Europe to negotiate over this if their tech firms were of comparable size. But the field is dominated by Americans. Europeans have done badly at building internet firms whose services they like using.“

    Und ich meine, wir sollten langsam auch einmal die These probieren, dass die US-Regierung ganz systematisch – wie etwa beim europ. GPS-System Galileo oder bei der Spionage gegen Airbus und Enercon – High Tech-Entwicklungen außerhalb der USA sabotiert.
    Immerhin belegen die Snowden-Unterlagen, dass die USA mit der „Intensitätsstufe 4“ im Bereich „Neue Technologien“ gegen Deutschland spionieren.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/nsa-fuehrt-deutschland-als-spionageziel-a-915871.html

    Wenn’s mal aufflog, wurde natürlich eine „edle“ Begründung nachgeschoben:

    http://www.zeit.de/2000/14/200014.spionieren_.xml

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/fruehaufsteher/weitere-nachrichten-ehemaliger-nsa-technikchef-bestaetigt-amerikanische-industriespionage-12938496.html

  4. @ Constanze

    „Anti-Amerikanismus in Deutschland und Österreich“

    Anti-Amerikanismus? Jemand, der die US-Regierungspolitik kritisiert, ist sofort Anti-Amerikaner?
    ———————
    Sekurokraten = Sicherheitsideologen
    ———————
    „Vielleicht mache ich aber auch Zeitreisen.“

    Pauschal oder individuell? Low cost oder premium?
    Hast Du auch das neue Modell 2000? Das ist das Facelift von Modell 1984.
    Im 2000er gibt es sogar Fast Forward Technology 4.0 mit Cooling Readiness und Blurry Correction.
    Der Prototyp für die nächste Generation 2084 wird dem Vernehmen nach Dual Reality Simulation an Bord haben. Damit kannst Du dann gleichzeitig in die Zukunft und in die Vergangenheit reisen. Für hinreichende Quantenstabilität muss man aber derzeit noch einen Liquid Squeezing Protector tragen.

  5. security + bureaucrats = securocrats
    wörtliche Übersetzung:
    Sicherheit + Büroktaten = Sicherokraten
    bzw. Sicherheitokraten wrr’s länger mag…

  6. Es ist schon bezeichnend, dass auf der einen Seite von „europäischer Datenschutzhysterie“ in puncto Snowdenenthüllungen geredet wird und auf der anderen Seite die Schutzstandards für Daten amerikanischer Bürger (ggü US-amerikanischen Behörden) zumindest juristisch deutlich höher sind als die, die US-amerikanische Behörden nicht-US-Bürgern zugestehen.

  7. Also ich hätte ja eher bei den Amerikanern „Hysterie“ diagnostiziert… Eine psychische Erkrankung, die es kaum noch gibt seit der „sexuellen Revolution“…

  8. Geschädigte, Fanatiker, Hysteriker, Neider und Antiamerikaner. Bei einer so verzerrten Wahrnehmung als Bürger des tollsten und besten Landes der Welt wundert es irgendwie kaum, dass man in keiner Weise selbstkritisch und ohne jede Empathie an die Sache herangeht. Oh, aber moment mal – habe ich da etwa gerade die Ursache der transatlantischen Beziehungsprobleme und des aufblühenden Antiamerikanismus angesprochen? Wow, selbst in den Kommentarspalten von Netzpolitik.org kann der Durchschnittsamerikaner extrem viel lernen. Education for free … you earned it, champ.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, daher sind die Ergänzungen geschlossen.