Überwachung

Abhörstation auf der britischen Botschaft in Wien entdeckt

Unscheinbare Technik auf der britischen Botschaft. Quelle: N.N./CC BY-SA 2.0

Der österreichische Radiosender FM4 hat einen ausführlichen Artikel veröffentlicht, der den Standort einer weiteren Abhörstation in Wien enthüllt. Die auf die Überwachung von Mobilfunknetzen spezialisierte Anlage befindet sich offenbar auf dem Dach der britischen Botschaft.

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Bisher waren drei amerikanische Abhörstationen in Österreich bekannt geworden (IZD-Tower, „NSA-Villa“, US-Botschaft), die mit Beschreibungen in Snowden-Dokumenten in Übereinstimmung gebracht werden konnten. Die nun entdeckte britische Anlage ist aller Wahrscheinlichkeit nach die noch fehlende vierte, von der in den geleakten Papieren die Rede ist.

Wie der Artikel erläutert, ist insbesondere die Mobilfunküberwachung in Wien von zentralem Interesse für Geheimdienste:

Während der deutsche BND ganz offiziell die Daten-Backbones etwa an der Frankfurter Internet Exchange DE-CIX anzapfen darf, verfügen Österreichs Dienste über keine offizielle Vollmacht, Daten an der Glasfaser hierzulande en gros abzuzapfen. Das ist einer der beiden Gründe, warum der Mobilfunküberwachung in Österreich automatisch ein höherer Stellenwert zukommt. Der zweite Grund ist, dass Wien neben Genf weltweit die größte Dichte an diplomatischem Personal aufweist. Von der OPEC, den UN-Organisationen, IAEA und OSZE angefangen wimmelt es hier von hochkarätigen Abhörzielen.

Darüber hinaus wird gezeigt, wie der in den Dokumenten angesprochene „Special Collection Service“ (ein Joint Venture von CIA und NSA) die britische Abhöranlage aller Wahrscheinlichkeit nach genutzt hat bzw. nutzt. „Network Mapping“ wird als Vorgehensweise beschrieben, „die für einen Angriff essentiellen Parameter des Netzes vorher zu erfassen“. Am Beispiel des Sony-Hacks wird die Strategie dahinter verdeutlicht:

Im Fall des Sony-Hacks waren die Angreifer bereits Monate davor eingedrungen und hatten die Parameter wie IP- und MAC-Adressen aller wichtiger Komponenten, Server- und Firewalltypen usw. erhoben. Der eigentliche Angriff erfolgte erst Wochen später. Es lief deshalb für Sony so verheerend ab, weil die Attacke dadurch schnell und präzise abgewickelt werden konnte. Alle Knackpunkte des Sony-Netzes waren den Angreifern genau bekannt.

Nach der gestrigen Veröffentlichtung des Berichts hat das österreichische Innenministerium die Absicht geäußert, ihn „im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten“, die zur Verfügung stehen, prüfen zu wollen.

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5 Kommentare
  1. Also korrigiert mich da wenn ich falsch liege, aber das auf den Dach der britischen Botschaft eine Abhörstation ist, halte ich jetzt für ziemlich nahe liegend. Mich hätte es eher gewundert, wenn das nicht so wäre.

    1. Hehe, hab ich mir auch gedacht. Wenn ich nach einer Abhörstation suchen würde, dann würde ich als erstes bei den Five Eyes auf den Botschaftdächern schauen. Das Wort „entdecken“ verbinde ich zumeist mit einem Ort, an dem ich etwas nicht erwarte…

    2. Ist es jetzt soweit, dass Abhörstationen als selbstverständlich gelten und akzeptiert werden? Der Mensch gewöhnt sich offenbar an jeden Mist.

  2. In Anlehnung an die Weltraumtheorie fragt man sich natürlich, ob die Verfassung der Republik Alpe Adria Austriensis auch auf Dächern gilt?

    1. Für die Dächer, die unter der Judikatur der RAAA liegen, ja. Die Botschaft des Vereinigten Königreiches fällt nicht unter diese. Damit auch nicht deren Dach.

      Den Rechtsstatus der anderen Gebäude / Räumlichkeiten kenne ich derzeit nicht.
      Sollte die Villa den gleichen Status wie die US-Botschaft haben, gilt auch hier nicht die RAAA – Verfassung. Leider!

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