Überwachung

Fotoserie zu „Vienna Annex“-NSA-Posten in Österreich

Der österreichische Radiosender FM4 hat eine Fotoserie veröffentlicht, die einen „Wartungsaufbau“ auf dem Dach der US-Vertretung bei der UNO im IZD-Tower zeigt. Das von der Straße aus uneinsehbare Häuschen gleicht dem auf der Wiener US-Botschaft, ist durch Stahlgitter abgesperrt und wird von 10 Überwachungskameras beobachtet. Schon im letzten Jahr kam die Vermutung auf, dass sich auf dem IZD-Tower ein NSA-Horchposten befindet, nachdem „konspirative Agenten“ beim Betreten und Verlassen des Gebäudes beobachtet wurden.


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Es gibt nocht weitere Auffälligkeiten, die diese Vermutung untermauern: Der IZD-Tower ist aufwändig mit Glasfaserverkabelung bis unters Dach ausgestattet und es fehlt ein offiziell verzeichneter Zugangs zu dem betreffenden Teil des Dachs. Das Häuschen ist ungewöhnlich solide gebaut und in Richtung der 50 Meter entfernten UNO-City ausgerichtet, einem Gebäudekomplex, der neben UNO-Büros auch andere internationale Organisationen beherbergt. Außerdem befindet sich auf dem Dach eine für US-Vertretungen typische Rundum-Richtantenne mit guter Funklage zur „NSA-Villa“ und der US-Botschaft in Wien.

Rechts der IZD-Tower, links ein Gebäude der UNO-City (Screenshot via Google Maps)
Rechts der IZD-Tower, links ein Gebäude der UNO-City (Screenshot via Google Maps)

Was sich im Innern des vermeintlichen Horch-Häuschens befindet, ist von außen nicht direkt einsehbar. FM4 zitiert Fachleute, die hinter Glasfasermatten liegende Gerätschaften zur passiven Mobilfunkabhörung vermuten. Das erklärte auch die bisweilen auftretenden Netzstörungen im Umfeld des Gebäudes, die weniger ein Effekt der US-Spionage als vielmehr dem Versuch der Verhinderung derselben zuzuschreiben sein dürften.

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Mit der Lage des „NSA Annex“ auf dem IZD-Tower wären neben der „NSA-Villa“ und dem gleich aufgebauten Posten auf dem Dach der US-Botschaft 3 von 4 Erwähnungen von österreichischen Einrichtungen in NSA-Dokumenten erklärt. Die vierte, die Österreich wie auch Deutschland als „Tier B“-Partner erwähnt und damit die Zusammenarbeitsstufe direkt hinter den „Five Eyes“-Partnern markiert, ist noch nicht vollständig nachvollziehbar. FM4 erwähnt, dass damit weniger eine örtliche Niederlassung als vielmehr „Computer Network Operations“ gemeint sein könnten. Der Sender bezieht sich damit auf Duncan Campell, einen investigativen Journalisten, der 1976 die Existenz des GCHQ und 1988 die Existenz von Echelon aufdeckte.

Übrigens: Der IZD-Tower sucht neue Mieter.

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