The Intercept hat neue Snowden-Dokumente veröffentlicht, die Einblick in das Verhältnis der NSA zum der dem Militärgeheimdienst unterstellten israelischen Fernmeldeaufklärungseinheit „Unit 8200″ geben. Deren Aufgaben sind mit denen der NSA vergleichbar. Aus den Dokumenten geht hervor, dass der US-Geheimdienst maßgeblich zur Durchführung israelischer Militärschläge beiträgt.
Im letzten September war bereits bekannt geworden, dass es regen Datenaustausch zwischen den Geheimdiensten Amerikas und Israels gibt. Man unterstützt sich gegenseitig beim Überwachen von den Regionen Nordafrika, dem Mittleren Osten, dem Persischen Golf, Südasien und den islamischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Laut den neuen Informationen geht es weiterhin auch um finanzielle Unterstützung und „weitreichende technische und analytische Partnerschaft mit der israelischen Geheimdiensteinheit, die das Teilen von Informationen zu Zugriff, Abhörung, Zielen, Sprache, Analyse und Berichten beinhaltet“. Darüber hinaus profitiert Israel von der technischen Expertise der NSA und bekommt günstige Konditionen beim Erwerb von amerikanischer Technik.
Auch explizit dotierte Geldbeträge von mindestens zwei Mal 500.000 US-Dollar, die im April 2004 von US-amerikanischer Seite nach Israel geflossen sind, werden in von The Intercept veröffentlichten Quittungen belegt. Israel hatte jedoch im Vorfeld noch weit mehr, nämlich „hunderte Millionen Dollar“ als Teil eines Kooperationsprogramms namens Gladiator gefordert.
Neben der NSA sind auch der britische Dienst GCHQ sowie der kanadische CSEC in die Zusammenarbeit mit Unit 8200 involviert. Mit der britischen Behörde wurde Zugriff auf das Satellitensystem COMSAT vereinbart und Israel habe GCHQ mehrfach um die Überwachung konkreter Mailadressen und Telefonnummern gebeten und sich dafür „wieder und wieder bedankt“.
Im speziellen Interesse von Israel steht seit jeher Palästina im immerwährenden Nahost-Konflikt. In diesem Jahr ist die Situation im Gazastreifen abermals eskaliert: Am 8. Juli startete eine Militäroperation der israelischen Verteidigungsstreitkräfte, da die Hamas und andere militante palästinensische Gruppen den Raketenbeschuss auf Israel intensivierten. Glenn Greenwald von The Intercept beurteilt die Zusammenarbeit folgendermaßen:
Die neuen Snowden-Dokumente zeigen etwas Entscheidendes: Die israelische Provokation wäre ohne die stetige, großzügige Unterstützung und den Schutz der US-Regierung nicht möglich, die in diesen Angriffen alles andere als eine neutrale, friedensvermittelnde Rolle spielt.
Die Zusammenarbeit mit Israel demonstriert nicht nur, wie die NSA und andere Geheimdienste dazu beitragen, militärische Konflikte und Angriffe zu ermöglichen, die von offiziellen Vertretern der Länder verurteilt werden. Sie zeigt auch, wie wenig sich die Handlungen der NSA daran ausrichten, ob der Partner als Freund oder Feind gesehen wird. Israel wird in Berichten der Geheimdienstbehörde an mehreren Stellen als Gefahr aufgeführt und steht auf deren Überwachungsprioritäten-Liste weit oben. Auch GCHQ nennt das Land eine Gefährdung für eine friedliche Übereinkunft mit dem Iran. Alleinige Zusammenarbeitsgrundlage ist daher der Informationsvorteil, moralische Erwägungen finden augenscheinlich an keiner Stelle statt.
Selbiges gilt aber auch umgekehrt: Der aktuelle SPIEGEL berichtet davon, wie US-Außenminister John Kerry während Vermittlungen zwischen Israel, Palästinensern und weiteren arabischen Staaten von Israel abgehört wurde. Es bleibt ein ständiges Hin und Her zwischen überwachen, überwacht werden und der Maximierung des eigenen Erkenntnisvorteils. Das sollte auch die Bundesregierung einsehen und aufhören, von Partnerschaften und guten Beziehungen zu reden.
