Überwachung

Überwachen, überwacht werden, zusammenarbeiten: NSA und israelischer Geheimdienst zeigen Widersprüchlichkeit des Spähapparates

Standort der israelischen Geheimdiensteinheit Unit 8200 (CC BY-SA 2.0 via wikimedia)

 


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The Intercept hat neue SnowdenDokumente veröffentlicht, die Einblick in das Verhältnis der NSA zum der dem Militärgeheimdienst unterstellten israelischen Fernmeldeaufklärungseinheit „Unit 8200“ geben. Deren Aufgaben sind mit denen der NSA vergleichbar. Aus den Dokumenten geht hervor, dass der US-Geheimdienst maßgeblich zur Durchführung israelischer Militärschläge beiträgt.

Im letzten September war bereits bekannt geworden, dass es regen Datenaustausch zwischen den Geheimdiensten Amerikas und Israels gibt. Man unterstützt sich gegenseitig beim Überwachen von den Regionen Nordafrika, dem Mittleren Osten, dem Persischen Golf, Südasien und den islamischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Laut den neuen Informationen geht es weiterhin auch um finanzielle Unterstützung und „weitreichende technische und analytische Partnerschaft mit der israelischen Geheimdiensteinheit, die das Teilen von Informationen zu Zugriff, Abhörung, Zielen, Sprache, Analyse und Berichten beinhaltet“. Darüber hinaus profitiert Israel von der technischen Expertise der NSA und bekommt günstige Konditionen beim Erwerb von amerikanischer Technik.

sig2Auch explizit dotierte Geldbeträge von mindestens zwei Mal 500.000 US-Dollar, die im April 2004 von US-amerikanischer Seite nach Israel geflossen sind, werden in von The Intercept veröffentlichten Quittungen belegt. Israel hatte jedoch im Vorfeld noch weit mehr, nämlich „hunderte Millionen Dollar“ als Teil eines Kooperationsprogramms namens Gladiator gefordert.

Neben der NSA sind auch der britische Dienst GCHQ sowie der kanadische CSEC in die Zusammenarbeit mit Unit 8200 involviert. Mit der britischen Behörde wurde Zugriff auf das Satellitensystem COMSAT vereinbart und Israel habe GCHQ mehrfach um die Überwachung konkreter Mailadressen und Telefonnummern gebeten und sich dafür „wieder und wieder bedankt“.

Im speziellen Interesse von Israel steht seit jeher Palästina im immerwährenden Nahost-Konflikt. In diesem Jahr ist die Situation im Gazastreifen abermals eskaliert:  Am 8. Juli startete eine Militäroperation der israelischen Verteidigungsstreitkräfte, da die Hamas und andere militante palästinensische Gruppen den Raketenbeschuss auf Israel intensivierten. Glenn Greenwald von The Intercept beurteilt die Zusammenarbeit folgendermaßen:

Die neuen Snowden-Dokumente zeigen etwas Entscheidendes: Die israelische Provokation wäre ohne die stetige, großzügige Unterstützung und den Schutz der US-Regierung nicht möglich, die in diesen Angriffen alles andere als eine neutrale, friedensvermittelnde Rolle spielt.

Die Zusammenarbeit mit Israel demonstriert nicht nur, wie die NSA und andere Geheimdienste dazu beitragen, militärische Konflikte und Angriffe zu ermöglichen, die von offiziellen Vertretern der Länder verurteilt werden. Sie zeigt auch, wie wenig sich die Handlungen der NSA daran ausrichten, ob der Partner als Freund oder Feind gesehen wird. Israel wird in Berichten der Geheimdienstbehörde an mehreren Stellen als Gefahr aufgeführt und steht auf deren Überwachungsprioritäten-Liste weit oben. Auch GCHQ nennt das Land eine Gefährdung für eine friedliche Übereinkunft mit dem Iran. Alleinige Zusammenarbeitsgrundlage ist daher der Informationsvorteil, moralische Erwägungen finden augenscheinlich an keiner Stelle statt.

Selbiges gilt aber auch umgekehrt: Der aktuelle SPIEGEL berichtet davon, wie US-Außenminister John Kerry während Vermittlungen zwischen Israel, Palästinensern und weiteren arabischen Staaten von Israel abgehört wurde. Es bleibt ein ständiges Hin und Her zwischen überwachen, überwacht werden und der Maximierung des eigenen Erkenntnisvorteils. Das sollte auch die Bundesregierung einsehen und aufhören, von Partnerschaften und guten Beziehungen zu reden.

9 Kommentare
  1. Interessant:

    1. Cash is king. Das gilt auch für Geheimdienste. 500.000 $ in Cash. Deshalb Entwarnung an alle, die die Abschaffung von Bargeld befürchten. Ihr könnt auch in Zukunft Eure Alltagseinkäufe für Hunderte oder Tausende Euro in bar tätigen. Erst ab ca. 10.000 € seid Ihr als Geldwäscher verdächtig.

    2. Der israelische Geheimdienst sollte nochmal einen Aufbaukurs Englisch besuchen. „Finnance Maneger“ ist nun wirklich unter deren sonst gezeigtem Niveau.

    3.
    @ Anna
    > Das sollte auch die Bundesregierung einsehen und aufhören, von Partnerschaften und guten Beziehungen zu reden.

    Du solltest aufhören, zu glauben, dass wir hinter den Kulissen Vieles anders sehen würden als Ihr. Wir sind uns in der Sache oft genug einig, aber wir müssen die Fassade aufrecht erhalten. Bitte verstehe das. Politik ist ein schmutziges Spiel, oft weitab von Moral und Wahrheit. Würden wir dem Volk immer die Wahrheit sagen, gäbe es noch vor morgen Früh eine Revolution. Nur soviel zur Dimension der Leichen, die noch bei uns im Keller schlummern.

  2. Also wer glaubt das die „Zusammenarbeit mit Israel“ eine wirkliche Zusammenarbeit ist glaubt auch an den Weihnachtsmann. Man schaue sich mal an, wer in den USA im Geheimdienst-Auschuss den Vorsitz(!) hat und dann schaut man mal welche Doppelte Staatsangehörigkeit diese Person hat. Kleiner Tipp Diane Feinstein hat beide Staatsangehörigkeiten der im Artikel genannten „Staaten“.

    Wenn man diese Aufgabe erledigt hat, schaut sich die 39 anderen Abgeordneten/Senatoren an und darf dann staunen das auch diese die Doppelte Staatsangehörigkeit besitzen.

    Wer jetzt noch genug Phantasie hat, weiß wo die Erkenntnise der US-Geheimdienste landen werden.

    Nagut, einige werden hier nicht viel Denken/Nachforschen wollen, daher hier ein paar Videos mit Herr Scheuer von der CIA:
    https://www.youtube.com/watch?v=XHl1JnQoIWQ
    https://www.youtube.com/watch?v=V68OAidcyGY

  3. where is the beef? der kern der snowden-story ist ja eigentlich die totalüberwachung der eigenen bevölkerung. der post beschreibt aber die tätigkeit von geheimdiensten, wie sie in den meisten demokratien ausdrücklich vorgesehen ist.

    der amerikanische und der israelische geheimdienst arbeiten zusammen? die usa unterstützen israel materiell? alles bekannt seit spätestens den sechziger jahren, oder?

    die angeführte einschätzung israels durch den GCHQ hinsichtlich des irans hat übrigens wenig mit dem unterstellten freund-feind-schema zu tun, als vielmehr damit, dass israel eine iranische atombombe niemals akzeptieren wird. logisch, dass es deshalb bei seinen partnern als „gefährdung“ gewisser übereinkünfte mit dem iran gilt.

    wenn also an diesen knochen nichts dran ist, fragt man sich, worauf der artikel eigentlich hinaus will. vielleicht auf das gleiche vorurteil, das Greenwald in der zitierten passage konstruiert?

    1. „[…] dass israel eine iranische atombombe niemals akzeptieren wird.“ Es geht Israel gar nichts an ob Iran eine Atombombe hat oder nicht. Als Pro-Semit hoffe ich natürlich das Iran bald Atombomben haben wird, denn noch nie wurde eine Atommacht direkt angegriffen.

      Besonders wenn man das terroristische Verhalten seitens Israels kennt, hier sei nur an Osirak erinnert:
      https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Osirak&oldid=131846841
      Mal wieder ein toter Europäer(Franzose), da verschenkt Angela Merkel natürlich gerne U-Boote.

      Angela Merkel findet es ja toll das Personen auf EU-Boden (Italien) entführt werden:
      https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mordechai_Vanunu&oldid=131811695

      Der Missbrauch von Urkunden der BRD durch Terror der Israelis/Mossad geh ich mal nicht weiter drauf ein.

  4. An wen die USA ihre eigenen(!) Bürger ausliefern hier der Hinweis: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42445/1.html

    Was sagt der Supreme Court dazu? Nichts? Achso sind ja „nur“ US-Bürgerrechte die dort GEBROCHEN werden. Wann wird in den USA das US-Israel-Regime beseitigt?

    Aber wie vorher schon angemerkt, wenn die USA so komische Leute (Feinstein) als Geheimdienstaufseher haben wundert einen da rein gar nichts.

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