Generell

NP10: Zehn (plus eins) Gründe, für netzpolitik.org zu schreiben

Elementarer Teil der Büroeinrichtung.

Leonhard hat vorgelegt und gestern hat auch Kilian Einsichten in seine Motivation gegeben, bei netzpolitik.org dabei zu sein. Heute bin ich an der Reihe und versuche es mit 10+1 Gründen, verpackt in einem Akrostichon.

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Netzpolitik.org

Ich begleite netzpolitik.org erst seit einem Jahr schreibend, aber netzpolitik.org begleitet mich schon seit langem – ungefähr seit 2007. Zu Beginn in Form einer täglichen Portion passiven Nachrichtenkonsums, aber nach und nach als Motivationsmotor, um selbst aktiv zu werden. Dafür bin ich dankbar und deshalb will ich mithelfen, anderen den gleichen Anstoß zu geben und neue Mitstreiter für digitale Bürgerrechte zu begeistern.

Erklärbär

Eines meiner wichtigsten Anliegen ist es, Dinge zu erklären. Ich will euch nicht nur sagen, dass ich Vorratsdatenspeicherung scheiße finde. Ich will dass ihr die Gründe für meine Ansicht kennt, damit ihr euch selbst ein Bild machen und eine eigene Meinung bilden könnt. Ich will, dass ihr nicht nur wisst, dass ihr überwacht werdet, sondern auch, wie das funktioniert und es anderen weitererzählt. Denn wer Bescheid weiß, kann nicht nur meckern sondern machen!

Trolle

„Das erste Mal tat’s noch weh beim zweiten Mal nicht mehr so sehr. Und heut‘ weiß ich daran stirbt man nicht mehr.“ Ich zitiere nur ungern aus Schlagern, aber nichts könnte meine Beziehung zu Trollen besser ausdrücken als diese Zeilen. In den ersten Wochen konnte mir ein Troll noch den Tag vermiesen, dann ist das dicke Fell trotz nahendem Sommer gewachsen und mittlerweile überwiegt manches Mal das Amüsement die Verärgerung. Abhärtung, die auch im analogen Parallelleben hilft.

Zugang

zu Menschen, Informationen (und Freibier). Durch meine Arbeit hier habe ich viele interessante Menschen und deren Meinungen kennengelernt. Mit dem „Journalisten“-Hütchen konnte ich Veranstaltungen besuchen, die mir sonst weder bekannt noch zugänglich gewesen wären, QR-Code-Kekse auf CDU-Pressebriefings essen und Freibier als Teil der Kontaktpflege trinken. Und dabei interessante Hintergrundinformationen bekommen, die mir sonst verborgen geblieben wären.

Pain in the ass

Will man privat an Infos kommen, beißt man oft auf Granit. Wollen wir das, passiert das selbe. Aber immerhin lässt sich der Frust leichter loswerden, denn manchmal hat keine Antwort einen ähnlichen Effekt wie eine Antwort, wenn man darüber berichtet. Und bleibt man hartnäckig, überlegen die betroffenen Stellen irgendwann doch noch mal, ob sie nicht doch nachgeben.

Organisation

Wenn sich ein klassischer Journalist unsere Redaktion anschaut fragt er sich mit großer Wahrscheinlichkeit, warum wir überhaupt funktionieren. Und ob es überhaupt eine Organisation unsrer Arbeitsstruktur gibt. Das ist manchmal anstrengend und erfordert ein hohes Maß an Selbstständigkeit. Aber dafür gewinnt man auch die Freiheit, den eigenen Interessen und dem eigenen Tagesrhytmus nachzugehen und so zu arbeiten, wie man es am besten kann. Ohne tägliche Redaktionssitzung und 8to5-Strukturen. Und am Ende klappt es trotzdem, ziemlich gut sogar.

Leser

Nimmt man die Trolle aus, bekomme ich unaufhörlich unglaublich hilfreiches Feedback von Lesern. Konstruktive Kritik in den Kommentaren hilft, Fehler auszubügeln und die eigene Arbeit zu reflektieren, aus Anmerkungen per Mail haben sich fruchtbare Diskussionen und gute Kontakte entwickelt und natürlich ist auch positives Feedback ein großer Motivationsschub. Und dabei will ich euch noch meine Lieblingsleser-Rückmeldung verraten: Auf einen Artikel zur Mailverschlüsselung bekam ich eine verschlüsselte Mail, in der jemand mich auf einen Tippfehler aufmerksam gemacht hat. Es ist etwas ungewöhnlich, dafür eine extra Mail zu schreiben, aber er gestand, sich einfach darüber gefreut zu haben, endlich mal jemandem eine verschlüsselte Mail schreiben zu können. Daher an euch: Danke, weiter so und mehr davon!

Internet

Das Internet ist mein digitales Wohnzimmer. Hier fühle ich mich (meistens) wohl und netzpolitik.org ermöglicht es mir, diesem Lebensraum etwas zurückzugeben. Was ich auf netzpolitik.org schreibe, erreicht viele Menschen, viel mehr als wenn ich es auf einem eigenen kleinen Blog veröffentlichen würde. Dadurch kann nicht nur Inhalte generieren, sondern hoffentlich auch darauf Einfluss nehmen, dass mein Wohnzimmer in Zukunft wieder etwas gemütlicher wird und die Überwachungskamera in der Ecke verschwindet.

Team

Wie für Leonhard auch ist das NP-Team auch für mich ein guter Faktor, mit Begeisterung dabei zu bleiben. Und das gilt sowohl für die Menschen, mit denen ich hier fast täglich im Büro sitze, als auch die Autoren, die ich in der c-base oder auf anderen Veranstaltungen treffe, als auch für diejenigen, von denen ich bisher nur ihre Artikel kenne – ich hoffe das ändert sich bald!

Inter-*

„kennzeichnet in Bildungen mit Substantiven, Adjektiven oder Verben eine Wechselbeziehung; zwischen zwei oder mehreren …“, sagt der Duden. Diese Wechselbeziehungen machen für mich einen Kern von netzpolitik.org aus. Das bedeutet für mich, dass netzpolitik.org nicht isoliert funktioniert und sich nie auf Bestehendem ausruhen wird, sondern immer in Bewegung bleiben muss. Wir haben nicht nur eine Beobachterrolle, wir sind und wollen nicht neutral aber auch nicht eindimensional sein, wir wollen etwas verändern. In Interaktion mit vielen Menschen mit interdisziplinären Hintergründen Vorkommnisse in der politischen Welt – auch international – zu interpretieren und zu intervenieren, wenn die Interessen der Zivilgesellschaft mal wieder ignoriert werden.

Kaffee

Kein echter Grund, aber definitiv ein relevanter Nebeneffekt ist mein NP-Arbeitsplatz. Der Kaffee im Büro ist großartig und versiegt nie. Das Internet blinkt und die Winkekatze winkt. Das Sofa hilft über die Mittagsträgheit hinweg. Nur eine Diskokugel fehlt zum Glück. Falls noch jemandem die Idee für ein Geburtstagsgeschenk fehlt …

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7 Kommentare
  1. > Nimmt man die Trolle aus, bekomme ich unaufhörlich unglaublich hilfreiches Feedback von Lesern.

    Ach Anna. Vielleicht liegt es daran, dass du eine Frau bist? Der Männer-Überhang hier im Block ist wohl deutlich spürbar. Aber solange es meist Gentlemen sind… ;-)

  2. „Das Internet ist mein digitales Wohnzimmer.“
    Das Telefonnetz ist dein analoges/digitales Schlafzimmer, das Straßennetz dein analoges Klo, das Stromnetz deine elektrische Küche, bla bla bla.
    Deine Schreibe erinnert mich sehr an einen inkompetenten Schwurbler der einmal meinte dein Wohnzimmer wäre kaputt.

    1. Such mal nach „Leuchtreklame Internet“. Wo unser spezielles Internet herkommt, weiß ich nicht, aber die üblichen verdächtigen Onlinehändler bieten sowas an.

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