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Russland: Rechteinhaber fordern die Einführung einer Whitelist für urheberrechtlich geschützte Inhalte

russsopaRechteinhaber in Russland haben einen weiteren Vorstoß zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzung gewagt. Sie fordern die Einführung einer Whitelist auf der alle in Russland legal erhältlichen Inhalte aufgeführt werden. Suchmaschinen, aber auch alle anderen Webseiten, müssten diese Whitelist bei Suchanfragen berücksichtigen und die Inhalte bevorzugt behandeln. Der Vorschlag soll dabei helfen, die illegale Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem einzudämmen. Die Suchmaschinen Google und Yandex zeigten sich von dem Vorschlag sehr besorgt.

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Vor rund einem Monat ist das „russische SOPA“ in Kraft getreten. Das neue Gesetz räumt Rechteinhabern die Möglichkeit ein, beim Moskauer Gericht Beschwerde gegen Content Provider und Plattformen einzureichen, wenn diese urheberrechtlich geschütztes Material bereitstellen. Sollten die Rechteinhaber nachweisen können, dass sie die Rechte an den Inhalten besitzen, fordert das Gericht die Internetprovider auf den Zugang zu den Webseiten zu sperren. Hierzu wird eine nationale Blacklist geführt.

Bislang ist das „russische SOPA“ nur für Filme und TV-Serien gültig, es gibt aber bereits erste Bemühungen das Gesetz auch auf die Bereiche Musik, Fotos, “andere Bilder” sowie textbasierte Inhalte auszuweiten. Und erst in der letzten Woche wurde bekannt, dass die russische Regierung die Einführung von Strafzahlungen einführen will, wenn die Internetprovider den Sperrungen zu spät oder gar nicht nachkommen.

Wie Torrentfreak nun berichtet gehen diese Schritte den Rechteinhabern aber scheinbar noch nicht weit genug. Nach Informationen der russischen Tageszeitung Wedomosti, fordern die Rechteinhaber nun die Einführung von Whitelists. Torrentfreak fasst zusammen:

The proposed amendments center around the creation of a national registry listing all music, software and books. This database will then be made available to search engines and site owners who will be required to consult it before servicing their users with links or content.

For example, if a user searches for a particular song using Google, in the background the search engine would be required to carry out a search on the national database to see if the song is listed. If the track is present then Google would be obliged to list official sources for the content in the first pages of results while automatically relegating other sites.

Zusätzlich fordern die Rechteinhaber, dass die Inhalte auf der Blacklist, die durch das „russische SOPA“ eingeführt wurde, komplett aus den Suchergebnissen entfernt werden sollen. Die großen Suchmaschinen in Russland, allen voran Google und Yandex, zeigen sich von diesen Vorstößen sehr besorgt. Eine Sprecher von Google sagte:

The company can not take on the role of the courts to determine whether someone’s rights have been violated. A proposal to artificially rank links in search results does not take into account the technical characteristics of search engines and would lower the quality of the search.

Auch Yandex zeigt sei von dem Vorschlag nicht begeistert, wie ein Sprecher gegenüber Wedomosti sagte:

First, in itself the assignment of resources to legal or illegal is extremely controversial. Secondly, items affected by copyright and related rights can be used in some circumstances without gaining permission from copyright holders, there is a wide range of exceptions. For example, if you thoroughly follow the amendments, a search engine will not be able to provide links to works containing the quotes that users type into the query string.

Yandex hebt außerdem hevor, dass die Einführung einer Whitelist nicht nur enorme Folgen für die Nutzer und Anbieter im Internet hätte (Stichwort: Chilling-Effects), sondern die Umsetzung auch schlicht unmöglich sei:

[If the amendments go through], rightsholders will switch the entire Internet into pre-moderation mode, because sites can not accommodate any comment without full verification of all the materials located on the link in this comment. For the bulk of services, this task is impossible.

Bereits im Februar diesen Jahres berichtete Techdirt über die Einführung einer Whitelist in einer Region in Russland. Der Vorschlag ist also keineswegs neu. Dennoch ist der Vorschlag besorgniserregend, besonders da die russische Regierung empfänglich für solche extremen Maßnahmen scheint.

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5 Kommentare
  1. HAHAHAHAAHAHAHAHAAHAHAHA!

    So eine Volksverdummung. Jeder halbwegs durchdachte Foreneintrag ist urheberrechtlich geschützt. Wie sollte so etwas umsetzbar sein?

    Wie dämlich seid ihr Politiker eigentlich? Wie dämlich ist das Volk, dass sich so eine Verdummung bieten lässt?

    Die Dämmerung ist schon weit fortgeschritten. Ich hoffe wir schaffen das Unmögliche und drehen die Erde ein Stück zurück, damit wir nochmal diesen wunderschönen Sonnenuntergang sehen können! Ich habe Angst vor der Nacht!

    1. Korrektur:

      Wie dreist seid ihr Politiker eigentlich? Wie dämlich ist das Volk, dass sich so eine Verdummung bieten lässt?

      Lasst Euch nicht verarschen! Spitzt die Ohren und legt Euch auf die Lauer! Hier sieht man eine Vorbereitung – für was? Leider geheim, aber alternativlos.

  2. Wenn die das in Russland durchkriegen, ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Forderung hier auch aufkommt.

    Ich sehe dabei aber ein wichtiges Problem, neben den technischen Schwierigkeiten: Wenn nur noch solche Seiten zugelassen sind, die auf dieser Whitelist stehen, müsste sich in Zukunft jeder Autor/Musiker/sonstiger Künstler mit seinem Werk dort eintragen lassen, um im Netz noch gefunden zu werden.
    Diese Liste wird dann vermutlich von der Content-Industrie betrieben, d.h. es kommen nur Künstler darauf, an denen die Content-Industrie verdient.

    Das ist auch genau das worum es geht: Mir hat mal auf einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Urheberrecht ein Vertreter der Medienindustrie gesagt, dass man am liebsten alle freien und independent Inhalte verbieten würde, und jeden der Musik macht, gesetzlich zwingen in die GEMA einzutreten. Die haben nämlich vor erfolgreichen CC und Indie Künstlern mindestens genauso viel Angst wie vor den sog. „Raubkopierern“.

    1. Auf die Liste kommen bestimmt nur Künstler, auf die bestimmte Kriterien zutreffen (beispielweise „arisch/rein sein“).
      Alle anderen Künstler sind schlecht für die Jugend und das Allgemeinwohl, und man kann sie als „entartet“ bezeichnen.
      Wer diese Art von Kunst (sei es Musik, Film, Bild oder Ähnliches) weiterhin konsumiert, ist natürlich auch eine Gefährdung für die Allgemeinheit, und kann dem (ehemaligen) Moskauer Bürgermeisterkandidaten Nawalny und den Mitglieder von Pussy Riot im Arbeitslager Gesellschaft leisten.

      Ach, das kommt einem alles irgendwie bekannt vor? Na so ein Zufall aber auch…

  3. Hmm also was mich interessiert ist – VPN TOR & Co. ist ja verboten in RuSSland. Aber warum haben dennoch soviele VPN Anbieter ihre Server in Russland und können sie ohne Probleme betreiben ? Oder ist es was anderes weil das ja nur ein an sich gemieteter Server ist und wofür er benutzt wird ist egal. Und wie ist es wenn es doch rauskommt dass die Server für die Anonymisierung benutzt werden – werden die dann gesperrt oder wie ? Wer weiß mehr ?

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