Kultur

Mediendialog in Vietnam

In der vergangenen Wochen hatte ich die Chance, im Rahmen des 2. Deutsch-Vietnamesischer Mediendialog für ein paar Tage in Hanoi, der Hauptstadt von Vietnam zu verbringen. Eingeladen hatten das Goethe Institut in Hanoi und das Auswärtige Amt. Zusammen mit fünf anderen deutschen Journalisten trafen wir auf 14 vietnamesische Journalisten.


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IMG_20131007_034627Spannend waren die Diskussionen, wenn es um konkrete Unterschiede ging. Vietnam lebt immer noch mit einem Bein im Sozialismus, während das zweite Bein der Kapitalismus ist. Man hatte manchmal das Gefühl, als ob das Land etwas Pech hat und eher die negativen Seiten von beidem, zumindest im Medienbereich, abbekommt. Auf der einen Seite ein Einparteiensystem und Medienkontrolle, auf der anderen Seite eine Durchökonomisierung. Deutlich wurde das z.B. bei einer Diskussion über Presseausweise. Während ein Presseausweis in Deutschland, salopp gesagt, eher ein praktisches Gimmeck ist, um Rabatte zu bekommen (natürlich kommt man mit einem Presseausweis auch aus einem Kessel bei Demonstrationen raus…, aber ich kann auch ohne Presseausweis gut arbeiten), ist eine Presselizenz in Vietnam Bedingung, um als Journalist richtig arbeiten zu können. Einen Presseausweis muss man sich dort verdienen, durch Ausbildung und sicher auch Angepasstheit. Erst mit einem Presseausweis darf man sich Journalist nennen, hat man Zugang zu Pressekonferenzen und erhält irgendwie Informationen von Behörden. Auch soll ein Presseausweis weniger Probleme und Bürokratie bei Autounfällen bedeuten, ob das ein Witz war oder Realität, kann ich natürlich nicht bewerten. Blogger brauchen keinen Presseausweis. Noch.

Starke Medienkontrolle in Vietnam

IMG_20131007_090647Das Medienwesen ist in Vietnam noch sehr kontrolliert, wenn man überhaupt von Vietnam als einem Staat reden kann. Es gibt wohl deutliche Unterschiede zwischen Süd- und Nordvietnam, ich habe vor allem Journalisten aus Nordvietnam getroffen. Große Medien bekommen in der Regel einen Chefredakteur vom Staat spendiert. Dieser „Vater“ kümmert sich um die Kommunikation mit den Behörden, was denn nun wie kommuniziert werden darf und ist zugleich oberster Zensur im Medium.

Blogger haben diese Begrenzungen nicht. Ein Teilnehmer berichtete vom Tod des vietnamesischen Generals und Volkshelden Võ Nguyên Giáp, der vergangene Woche gestorben ist. Dessen Tod habe sich in sozialen Medien schnell rumgesprochen, aber es habe fast 24 Stunden gedauert, bis in den staatlich kontrollierten Medien die Nachricht verifiziert wurde. Anscheinend wusste die Regierung nicht genau, in welchem Spin sie die Nachricht verpackt, weil der General beliebt aber auch als Kritiker bekannt war. Die Menschenrechtsbilanz von Vietnam ist sehr schlecht. Reporter ohne Grenzen erklärte das Land dieses Jahr zu den „Fünf staatlichen Feinden des Internets“.

Urheberrecht? Legal, illegal, scheißegal

IMG_20131009_114354Interessant war auch die Diskussion über eine „Copy & Paste Kultur“ in vietnamesischen Medien. Die kopieren einfach alles mögliche voneinander und noch lieber von ausländischen Medien. Während in Deutschland vor allem Online-Medien sich noch die Mühe machen, alle Informationen derselben Quelle mit eigenen Worten neu zu schreiben, werden in Vietnam oftmals die kompletten Artikel übernommen. Ein Unrechtsbewusstsein in Form einer Urheberrechtsverletzung war nicht wirklich spürbar. Als Dankeschön gibt es oft einen Link zur Originalquelle. „Wir sind ein armes Land“ rechtfertigte eine Journalistin erfrischend offen die Praxis, einfach viele Artikel bei ausländischen Medien zu kopieren. Andere begründeten die Praxis mit einem ökonomischen Druck. Wenn von einer kleinen Online-Redaktion erwartet wird, dass diese 200 Artikel pro Tag online stellen soll, dann können diese die Artikel ja auch nicht einfach backen.

Allerdings scheint sich mittlerweile ein Bewusstsein dafür zu bilden, dass diese Copy&Paste Kultur dem vietnamesischen Journalismus auch Schaden könnte, weil irgendwoher müssen ja neue Inhalte kommen und diese müssen ja auch finanziert werden. Gleichzeitig scheint die US-Regierung massiven Druck im Rahmen der Verhandlungen über das Trans-Pacific-Partnership Agreements (TPP) auf die asiatischen Staaten auszuüben, etwas an ihren Urheberrechtsgesetzen zu ändern.

IMG_20131005_135627Die größten Diskussionen drehten sich beim Mediendialog auch um das sogenannte Dekret 72, über das wir mehrfach berichtet haben. Vor allem eine Passage sorgt in dem Gesetz gerade für heftige Debatten. Der Direkter der Abteilung Rundfunk und elektronische Nachrichten im vietnamesischen Ministerium für Nachrichten und Kommunikation, Hoang Vinh Bao, sagte zur Vorstellung des Gesetzes:

Personal electronic sites are only allowed to put news owned by that person, and are not allowed to ‘quote’, ‘gather’ or summarise information from press organisations or government websites

Was das genau bedeutet, sorgt in Vietnam für mehr Rechtsunsicherheit als unser Leistungsschutzrecht. Blogger und Menschenrechtsorganisationen sorgen sich darum, dass zukünftig politische Äußerungen ohne Presselizenz verboten sein könnten, bzw. zumindest einer Willkür ausgesetzt wären, die dafür sorgt, dass man noch weniger seine eigene politische Meinung äußert. Und zwar sowohl in Blogs als auch in sozialen Medien. Denn was macht ein politischer Blogger, sei es in einem Blog oder auf Twitter oder Facebook? Informationen zusammenstellen, aber auch zitieren. Mit einem solchen Gesetz in Deutschland würde unsere Arbeit hier massiv erschwert. Nur dass wir hier nur Geldstrafen zu erwarten hätten, in Vietnam geht es um Haftstrafen und die Existenz. Fast 50 Blogger wurden alleine in diesem Jahr bereits inhaftiert, die meisten wegen Kritik am Einparteiensystem oder an der großen Korruption.

Dekret 72: Mehr Rechtsunsicherheit als bei unserem Leistungsschutzrecht – mit gefährlichen Nebenwirkungen

IMG_20131009_114253In der Diskussion mit den vietnamesischen Journalisten zeigte sich die Rechtsunsicherheit. Niemand konnte genau sagen, was das Dekret 72 bedeutet, selbst diejenigen, die es verteidigten zuckten bei konkreten Nachfragen bezüglich möglicher Anwendungsszenarien mit den Schultern. Ein Journalist berichtete, dass er bei der Vorstellung des Dekretes im Ministerium dabei war und der zuständige Minister nicht genau erklären konnte, was gemeint ist und wer betroffen sein wird. Es ist also das schlimmste zu befürchten.

Apropos Internet!

Internet ist wohl in Vietnam ähnlich weit verbreitet wie in Deutschland. Wie das auf dem Land ist, kann ich nicht sagen, zumindest in Hanoi gibt es schnelleres und günstigeres Internet als in vielen deutschen Städten. Das Straßenbild sah in Bezug auf Internetnutzung auch nicht viel anders aus als bei uns: Überall Menschen mit Tabletts und Smartphones. Bei Facebook, dem meistgenutzten Social Network, sind über 20 Millionen Menschen Mitglied. Meist funktioniert auch der Zugang zu Facebook. Ab und an wird der gesperrt, aber dann wissen die meisten Nutzer, wie sie die noch billigen und einfachen DNS-Sperren leicht umgehen können. Das wird leider nicht so bleiben, die Netzzensur-Infrastrukturen werden leider überall besser. Der Zugang zu Blogs ist teilweise blockiert. Ein Blogger zeigte uns, dass er über seine UMTS-Verbindung nicht auf sein Blog kam, über die Internetverbindung im Goethe-Institut klappte es hingegen prima.

Die Tage in Hanoi waren hochspannend und brachten mir viele Einsichten, wie Journalismus in einer anderen Staatsform funktioniert und vor allem in welchem Luxus wir hier mit unseren Freiheitsrechten leben. Aber sie brachten mir auch viele spannenden Gespräche mit Menschen einer anderen Kultur, die sich ihre Freiheiten allmählich erstreiten und die mutig ihren Weg als Journalisten oder Blogger gehen wollen. Danke an das Goethe-Institut Hanoi und die deutsche Botschaft in Hanoi für diese Erfahrung und Einblicke. Falls sich jemand über Vietnam informieren will, dem sei das BUch „Vietnam 151 – Portrait eines Landes in ständiger Bewegung in 151 Momentaufnahmen“ empfohlen.

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30 Kommentare
  1. „Ein Teilnehmer berichtete vom Tod des vietnamesischen Generals und Volkshelden Võ Nguyên Giáp, der vergangene Woche gestorben ist. Dessen Tod habe sich in sozialen Medien schnell rumgesprochen, aber es habe fast 24 Stunden gedauert, bis in den staatlich kontrollierten Medien die Nachricht verifiziert wurde.“

    Das ist wieder einmal kompletter Unsinn. General Giap verstarb am 4. Oktober kurz nach 18 Uhr. Die erste Meldung über seinen Tod von der staatlich kontrollierten Online-Zeitung VNexpress wurde am selben Abend um 20:42 Uhr veröffentlicht.
    http://vnexpress.net/tin-tuc/xa-hoi/dai-tuong-vo-nguyen-giap-qua-doi-2890338.html

      1. Meine Tochter hat die Meldung vom 4. Oktober am selben Abend gegen 21 Uhr vietnamesischer Zeit bei Facebook verlinkt. Das ist auf ihrer Seite nachprüfbar. Also nichts mit gefälschtem Zeitstempel, sondern nur schlechte Recherche von Herrn Beckedahl.
        https://www.facebook.com/cathrin.karras

        Dazu kommen dann noch das falsche Zitat von Hoang Vinh Bao, sowie durch nichts belegte absurde Vermutungen und Spekulationen, die den Artikel komplett unglaubwürdig erscheinen lassen.
        Im Original hat Hoang Vinh Bao folgendes gesagt:
        „Họ có thể copy một đoạn rồi dẫn link, còn copy cả bài thì không được.“
        Auf gut deutsch heisst das: „Sie koennen einen Absatz zitieren und einen Link setzen, aber der komplette Artikel darf nicht kopiert werden.“
        Nachzulesen hier: http://sohoa.vnexpress.net/tin-tuc/doi-song-so/ly-giai-viec-cac-trang-ca-nhan-khong-duoc-tong-hop-thong-tin-2858858.html

      1. Das war Vietnam-Zeit. Deutsche Normal-Zeit ist GMT +1 oder Sommerzeit GMT +2.
        Das bedeutet, wenn dort 20:42 GMT+7 , also 20:42 „Vietnam-Zeit“ steht, ist es 15:42 deutsche Sommerzeit, oder 14:42 deutsche Winterzeit.
        Falls ich mich geirrt habe, bitte ich um Berichtigung.

    1. [Als Spam markiert von Antispam Bee | Spamgrund: Server IP]
      Vielleicht sollte man mal die Fakten klarstellen, und sich nicht blind auf irgendwelche obskuren Blogs im Internet berufen, die offensichtlich gerne anderen Verfälschung vorwerfen, es mit den Details dann aber selbst nicht ganz so genau nehmen: VNExpress wurde 2001 von der staatlichen Telekommunikationsfirma FPT gegründet, die ein Jahr später privatisiert wurde. Damit wurde auch VNExpress de facto „privat“ (auch wenn das rein juristisch in Vietnam nicht möglich ist), unterlag also völlig anderen Regularien, als beispielsweise Staatszeitungen wie Nhan Dan.

      Erst 2009 wurde VNExpress wieder offiziell unter das Dach des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie geholt. Nach wie vor laufen aber alle geschäftlichen Abläufe über FPT. VNExpress ist damit unabhängiger als viele andere (Online-)Zeitungen. Wer sich mit Journalisten von VNExpress unterhält, wird dies auch mehr oder weniger offen oder unter der Hand bestätigt bekommen. Das ist der Grund, warum VNExpress die Meldung über den Tod von Giap deutlich früher brachte als andere Online-Zeitungen und Zeitungen.

      Ich nehme an, das war gemeint, wenn Herr Beckedahl von „staatlich kontrollierten Zeitungen“ spricht. Ganz sauber war es in der Tat nicht formuliert, aber das Gegenargument mit VNExpress ist ein Scheinargument. Tatsache ist, dass in den wichtigsten Zeitungen des Landes wie Nhan Dan der Tod erst mit 1-2 Tagen Verspätung gemeldet wurde. Das geben auch alle staatlichen Journalisten offen zu, dass es da Sperrfristen gibt. Gibt es ja, wohlgemerkt, in Deutschland auch. Man wartet ab, bis ein Tod offiziell bestätigt wurde. Die Frage ist eben, warum es seltsamerweise so lange dauerte.

      1. „nicht ganz sauber formuliert“ ist aber eine nette und verharmlosende Umschreibung für das Verbreiten einer Unwahrheit. Von einem professionellen Schreiberling wie Beckedahl erwarte ich einfach mehr Objektivität. Und Sätze wie diese ziehen denn auch noch den kompletten Text ins Lächerliche:
        “ wenn man überhaupt von Vietnam als einem Staat reden kann. Es gibt wohl deutliche Unterschiede zwischen Süd- und Nordvietnam,“

        Kann man eigentlich von Deutschland als einem Staat reden? Es soll da wohl deutliche Unterschiede zwischen Süd- und Nordostdeutschland geben.

      2. Vom Thema ablenken beantwortet aber die Frage nicht, warum die überwiegende Zahl der staatlichen Zeitungen und deren Online-Sektionen den Tod erst 1-2 Tage später gemeldet haben, obwohl er über internationale Presse, Blogs und einige Online-Medien schon längst vermeldet wurde. Wenn Sie diese Tatsache bestreiten wollen, dann beschaffen Sie mir doch bitte den korrekten Zeitstempel von, z.B., Nhan Dan, der nach eigener Auffassung wichtigsten Zeitung des Landes.

        Und wenn der ganze Aufruhr mit „kompletter Unsinn!“, „falsches Zitat!“, „ideologische Brille!“ sich am Ende nur noch darauf beschränkt, dass jemand schreibt „ich habe gehört, da gibt es einige Unterschiede zwischen Nord und Süd“, dann frag ich mich, wer da die falsche Brille auf hat.

        Die ganze Rhetorik ist doch völlig durchschaubar. Es wird laut über Lügen und Unwahrheiten geschrien, ohne selbst auch nur im Geringsten ein Mindestmaß an Recherche zugrunde zu legen. Sowas nennt man Polemik. Hauptsache das Feindbild des unwissenden Deutschen steht.

      3. Noch ein kleiner Nachtrag.
        Bei VietnamNet gingen am 4. Oktober zwischen 20 Uhr und 22 Uhr gleich drei Artikel online, um General Giap zu würdigen.
        http://vietnamnet.vn/vn/tim-kiem/0/a/V%C3%B5%20Nguy%C3%AAn%20Gi%C3%A1p/trang9/

        Die Zeitung Thanh Nien brachte die Meldung über Giaps Tod am 4. Oktober um 20:45 Uhr.
        http://www.thanhnien.com.vn/pages/20131004/dai-tuong-vo-nguyen-giap-tu-tran.aspx

        Das Fernsehen berichtete spätestens am 5. Oktober in den Mittagsnachrichten um 12 Uhr erstmalig darüber.
        https://www.youtube.com/watch?v=LJEmLGOhsP8
        Ob es auch früher schon Meldungen über Giap gab, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Aber auch diese Uhrzeit widerlegt Ihre Behauptung, dass der Tod Giaps erst mit einem oder zwei Tagen Verspätung gemeldet wurde.

        1. Werden diese Informationen eigentlich von der Regierung oder der Botschaft zur Verfügung gestellt oder woher stammt die Motivation, ständig neue Rechercheergebnisse zu liefern um den Eindruck zu erwecken, meine subjektive Zusammenfassung einer Vietnam-Reise wäre vollkommen fehlerhaft?

      4. @Jürgen,

        ich bin kein Journalist und bestimmt in Recherchedingen ziemich unerfahren. Trotzdem habe ich versucht, meine Aussagen so gut es eben ging mit LInks zu untermauern. Sie dagegen haben reihenweise Behauptungen aufgestellt, von denen Sie bis jetzt noch keine einzige belegt haben. Ich werde Ihnen auch ganz sicher nicht die Arbeit abnehmen. Die Aussage über Nhan Dan haben sie getroffen. Also liegt es auch an Ihnen, sie zu beweisen. Tun Sie das doch bitte einfach. Sonst könnte manch aufmerksamer Leser eventuell zu der Schlussfolgerung kommen, diese Aussage wäre frei erfunden.

  2. Vielleicht kopieren ja auch alle das gleiche falsche Zitat. Dann hilft weder hier noch in Vietnam das Urheber oder das Zitierrecht.

    Kann man statt Hoang Vinh Bao evtl. man den Rechtstext hier korrekt zitieren (ggf. ganz), dann gäbe es evtl. ein Problem weniger.

    1. Das falsche Zitat tauchte zum ersten Mal Anfang August in der Bangkok Post auf, wurde dann von Nachrichtenagenturen übernommen und von vielen deutschen Medien ohne eigene Recherche einfach abgeschrieben.
      Den kompletten Text des Dekretes findet man hier:
      http://moj.gov.vn/vbpq/Lists/Vn%20bn%20php%20lut/View_Detail.aspx?ItemID=28618
      Für die Nutzer sozialer Netzwerke sind die Artikel 25 und 26 relevant. Leider reichen meine Vietnamesischkenntnisse nicht aus, um den Text korrekt zu übersetzen und die offizielle englische Version ist kostenpflichtig.
      Ich vertraue aber in dieser Angelegenheit meiner Tochter, die seit 2005 in Hanoi lebt und seit über sechs Jahren selbst ein Blog betreibt, weitaus mehr als diversen mit einer dicken ideologischen Brille behafteten hiesigen sogenannten Journalisten.

      1. [Als Spam markiert von Antispam Bee | Spamgrund: Server IP]
        Das „falsche Zitat“ wurde, wie Herr Beckedahl zurecht schreibt, exakt so auf der Pressekonferenz geäußert und hat auch unter vietnamesischen Journalisten und Internetnutzern für Verwirrung gesorgt. Aus dem Blogeintrag Ihrer Tochter geht aus keiner Zeile hervor, dass sie tatsächlich mit einem einzigen Journalisten über dieses Thema gesprochen hat, geschweige denn, dass sie auf der Pressekonferenz anwesend war sie zitiert ebenfalls nur einen einzelnen Satz des Ministers aus einem Interview mit VNExpress.
        http://cathrinka.blog.de/2013/08/02/deutsche-luegen-verdummungspresse-16283918/

        Von da aus daraus zu folgern, dass das Zitat „falsch“ ist, ist ein ziemlich starker Tobak, der mit seriösem Bloggen aber nun auch überhaupt nichts zu tun hat.

        Wie man ja unschwer auch ohne Vietnamesischkenntnisse unter dem von Ihnen geposteten Link sehen kann, ist Dekret 72 sehr umfangreich und beinhaltet sehr viele verschiedene Paragraphen, die mitnichten alle klar und eindeutig sind. Es ist im vietnamesischen Justizwesen üblich, dass zu solchen Gesetzen anschließend noch Erläuterungen und Handreichungen erscheinen. Das ist bei Dekret 72 niemals passiert, so dass die genaue Bedeutung an mehreren Stellen komplett unklar bleibt. Das verschweigt der Blogeintrag Ihrer Tochter ebenfalls, möglicherweise kennt sie sich damit aber auch nicht aus, ihre Ausführungen zum Dekret 72 sind nämlich insgesamt sehr dürftig, auf das Originaldokument geht sie ja auch nicht ein.

        Was nun genau erlaubt oder nicht erlaubt ist, weiß bis heute in Vietnam kein Mensch so richtig, es gibt da von den offiziellen Stellen des Ministeriums haufenweise widersprüchliche Aussagen. Möglicherweise kann das Dekret dazu benutzt werden, um gegen bestimmte Blogs vorzugehen. Möglicherweise ist es auch nur dazu gedacht, um die im Eintrag angesprochenen „copy&paste“-Seiten einzuschränken. Die Tatsache, dass die unklaren Stellen aber bis heute nicht eindeutig juristisch definiert wurden, lassen aber entweder auf ziemlich große Schlamperei schließen, oder auf ein bewusstes Offenhalten, um den Gesetzestext je nach gusto anwenden zu können. Eine Herangehensweise, die unter vietnamesischen Behörden nicht selten ist.

  3. Copyright scheint dort wirklich ein großes Problem zu sein …

    „This website violate „The Vietnam Government Portal © Copyright Notice“. Click OK to Access Vietname Government Portal!“

  4. Zur Info: Cathrin Karras, die Tochter von woma, die seit 2005 in Hanoi lebt, ist eine blühende Anhängerin des Regimes in Hanoi. Ihr Blog betreibt Propaganda für das autoritäre Regime und ist ein Sprachrohr der kommunistischen Partei Vietnams, So viel ich weiß, Karras ist Mitglied der KP Vietnams.
    Übrigens woma zitierte nur regierungsfreundliche website, auch
    einen link zur vietnamesischen Regierung: moj,gov,vn.
    In einem demokratischen Land wie der Bundesrepublik kann Netzpolitik auch Regime-Freunde als Kommentatoren zu Wort kommen lassen. Nur ob wir ihnen Glauben schenken ist eine andere Frage.

  5. Der Journalismus in Vietnam ist von der Partei kontrolliert, das ist klar aber auch nichts Neues. Inzwischen können die Genossen aber auch nicht alles kontrollieren, wie sie wollen. Heute gehört ein großes Teil der Presse in Vietnam den Mafia-Banden, eine Wahrheit, die wohl nicht in dem Mediendialog diskutiert wurde.

    Es gibt seit Jahren schon viele Zeitungen oder Zeitschriften, die dem Staat nur „formal“ gehören. Man kauft irgendeinen großen Parteikader (mit Geld natürlich), dann bekommt man die Lizenz, dann kann man eine Zeitung (besonders Online-Zeitungen) publizieren.

    Es gibt natürlich eine Grenze: die Parteilinie nicht überschritten. Ansonsten kannst du alles publizieren: Tod und Sex, Skandale, Sentationen, alles was Verkaufszahlen, Clikzahlen, kurz, was Geld bringt.

    Die meisten vietnamesischen Journalisten sind kleine Fische, die nichts von dem Geschäft der großen Haien wissen. Überigens gilt das auch für die meisten deutschen Journalisten. Der Unterschied debei ist: die Besserwisserei der deutschen Journalisten.

    NamNguyen

    1. Tod von General Giap:

      Natürlich wollte die Partei die Nachricht kontrollieren. Es gibt dabei nur einen einzigen Grund: die Partei brauchte Zeit, um eine offizielle Nachricht zu erfassen, indem steht: wie schockiert die Partei von seinem Tod war (obwohl er schon über 100 Jahre ist und seit 3 Jahren im Bett liegt), und dann wer Geral Giap ist, was er für Vietnam getan hat usw. Jemand mußte das ja schreiben, jemand mußte das ja prüfen. Viele Sitzungen sollten es ja geben. Und Inzwischen sollen die Zeitungen natürlich warten.

      Aber warum konnten bestimmte Zeitungen immer noch früher berichten? Wie z.B. VnExpress, 2 Stunden nach seinem Tod?

      Wie gesagt: Die Partei konnte einfach nicht mehr alles kontrollieren. Bestimmte Chefredaktuere riskieren einfach, früher und selbständig zu brichten. Wobei diese Chefredaktuere schlau genug sind, um zu verstehen, das das Risiko dabei nicht zu groß ist.

      Die Presse ist von der Partei kontrolliert, aber sie lebt vom Markt. Wer schlau ist, der hat viele Leser und dann viel Geld. Also hat es schon Sinn, ab und zu zu riskieren. Nur gut aufpassen: die rote Linie nicht überschritten. Sonst bist du tot.

      NamNguyen

      1. Nachrufe werden üblicherweise auf Vorrat noch zu Lebzeiten der künftig zu betrauernden Menschen geschrieben. Gerade in diesem Fall scheint das mehr als nahezuliegen (Alter über 100 Jahre und seit Jahren schon im Krankenhaus gelebt).

      2. So klug ist das stalinistische System leider nicht. Man will immer etwas in der letzten Minute dazu ergänzen. Besonders die Liste der Delegation, die zur offiziellen Trauerfeier kommen, soll sehr sorgfältig sein. Wer an dem ersten Platz steht, wer an der zweiten. Dabei erkennt man die Machtkonstellation im Politbüro. Das ist oft der Hauptgrund, warum Trauermeldung bei den kommunistitschen Regimes immer spät kommt.

  6. Auch ich bin entteuscht von der sehr „objektiven“ Berichterstattung des Herrn Markus Beckedahl, als einem doch typischen Beispiel eines Scheuklappen-Journalisten.
    Man hat eine vorgefasste Meinung zu einem fernen Land, und bevor man sich ein reales und unvoreingenommenes Bild macht, wird gleich mal in das Horn des typisch antikommunistischen Propaganda-Jargons geblasen, damit ja das ach so schlechte Bild rüberkommt. Dieser Staat, diese Kultur kann ja überhaupt nicht freiheitlich demokratisch sein, schließlich ist es ja der böse Kommunist, der uns alle ach so sehr bedroht mit seinen zwei oder drei SS-20 und einigen Mig-24 oder was sonst vielleicht noch da lauern könnte.
    Soweit ich die Artikel nachverfolgen und nachvollziehen konnte, liegt hier eine sehr eindeutige einseitige Polemik vor, ganz im Gegensatz zu den Blogs und Berichten von Cathrin, deren Berichte, politische wie auch aus Wirtschaft und allgemeinem Leben. Ich habe selbst seit über 25 Jahren Erfahrungen mit Vietnamesen und seit 2001 auch direkt aus dem LAnd, und kann Cathrins Artikel nur bestätigen, sehr seriös, objektiv – und realistisch – ohne dabei besondere politische Posittion zu beziehen. Im Gegenteil, obwohl ich ihre Ideologie zu kennen glaube, ist diese aus den Berichten niemals hervorgetreten oder polemisiert worden. Auch Cathrin übt Kritik, wo sie notwendig ist, und hier ist das eindeutig in Bezug auf falsche Recherche zurückzuführen, wenn nicht sogar auf bewusst verfälschte, die man hier als Laie vermuten darf.
    Einen positiven Punkt hat das ganze jedoch auch: Ich werde versuchen, diese Seite hier gelegentlich im Auge zu behalten.
    Übrigens, selbst eine Online-Zeitung wie VNexpress.net ist zwar in Vietnam gut zu erreichen, doch hier in D.-Land wird diese scheinbar von den „Teutschen“ Providern geblockt. Schon seit Monaten kann ich diese Seite nur sehr schwer, und nur über ausländische Server erreichen, was mich bei meiner Arbeit behindert. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

    1. Wow, noch ein Regimefreundlicher Claqueur. Scheint ja um Cathrins Blog ein Nest zu geben. Und warum sollte ausgerechnet eine vietnamesische Newsseite von deutschen Providern gesperrt werden, die sonst nichts sperren? Und wie schaut es mit den konkreten und dokumentierten Sperrungen in Vietnam aus?

      1. Ich bin ja überaus beeindruckt, Herr Beckedahl. Und zwar darüber, wie Sie alles sofort ausschliesslich in Schwarz und Weiss einteilen. Wie klein muss doch der Horizont eines Menschen sein, der Kritiker sofort in Klischees und Schubladen packt. Gibt es für Sie wirklich nur Gut und Böse? Nur die guten Gegner und die bösen Anhänger eines „Regimes“? Und nichts dazwischen? Dann tun Sie mir unendlich leid.

    2. Ach Herr Beckedahl,
      sie müssen Ihre Arroganz und Ignoranz nicht mit jedem Post aufs Neue beweisen. Das haben Sie doch nun schon zur Genüge getan. Nehmen Sie doch ausnahmsweise mal Stellung zu den Vorwürfen, die Ihnen nicht nur von mir gemacht worden sind. Sonst könnte man doch glatt denken, Sie haben keine Argumente.

  7. Werter und doch auch bedauernswerter Herr Beckedahl, ich hätte da noch einen kleinen Tip, bevor Sie sich wieder auf den Ideologischen Gegner stürzen, wie die Maus auf den Speck in der Falle.
    Alle Regierungen sind in irgendeiner Weise auch Regimes, so auch, und in besonderem Maße das deutsche, das britische und das US-amerikanische. Ein Beispiel gefällig?! Hier: Ihnen als moderner Journalist dürfte z.B. der Multi-branchenweite und multinationale Konzern Monsanto ein Begriff sein – hauptsächlich zum Thema Gen-veränderte Nahrung, Gen-verändertes Saatgut und Pestitzide, bis hin übrigens auch zum berühmten Agant Orange.
    Seit vielen Jahren wurden immer wieder Studien zu den Wirkungen durchgeführt, einige vom Konzern selbst, einige von der Konkurrenz oder auch freien Instituten, wie z.B. von einem britischen, in welchem ein Professor sehr kritische Ergebnisse herausfand und veröffentlichte. Kaum bis in verschiedene Redaktionen gelangt, gerieten diese Studienresultate auch in die Hände von Monsanto. Es dauerte noch nicht einen Tag, bis aus der Konzernleitung ein Anruf im Weißen Haus ankam. Der nächste Anruf ging aus dem Weißen Haus in das Oberhaus der britischen Regierung. Sofort anschließend war der nächste Anruf von dort in das betreffende Institut und kam bei dem Institutsleiter an. Der die Studien Herausgebende Professor war am nächsten Tag seinen Job los und selbst dessen Ehefrau wurde nicht von diesen Attacken verschont. Falls Sie dazu Details recherchieren möchten, kann ich Ihnen Hinweise geben. Doch schon dieses Beispiel – ohne Namen von Personen zu nennen – zeigt das wahre Gesicht eines Regimes. Ein anderes Beispiel finden Sie bei Bill Gates´ Vater und einem Inschriften-Stein in Kanada, dessen Herkunft nirgendwo bestätigt wird.
    Und – im Vergleich dazu – wollen Sie den relativen „Zwerg“ Vietnam als Regime bezeichnen? Beschämend!
    Haben Sie übrigens mitverfolgt, dass Obama kurz davor stand, die USA als zahlungsunfähig zu deklarieren. Prüfen Sie doch, in wessen Privatbesitz sich die FED befindet und wer die Zinsen für die Schulden hätte zahlen müssen. Die diversen Schemata sind übrigens auch öffentlich zugänglich und auffindbar. Falls Sie nicht in der Lage sein sollten, ich kann Ihnen notfalls finden helfen, auch wenn ich kein Jounalist bin.
    PS.: Ich bin politisch übrigens Liberal und Neutral, möchte nur zu einer weiteren friedlichen Existenz der Menschheit beitragen.

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