Anscheinend bekommt die SPD keine ordentliche Onlinekommunikation für ihren Spitzenkandidaten Peer Steinbrück hin, deshalb finanzieren jetzt fünf „herausragende Unternehmerpersönlichkeiten“ (die aus welchem Grund auch immer anonym bleiben wollen, vielleicht haben sie Angst, aufs falsche Pferd zu setzen) ein Peer-Jubel-Blog mit einem, laut Spiegel, sechsstelligen Betrag. Hinter der Redaktion steht zumindest ein Macher von „Wir in NRW“, die im vergangenen NRW-Wahlkampf im Verdacht standen, aus SPD-nahen Kreisen finanziert worden zu sein.
Lustig ist der „Über uns“-Text. Barack Obama, Arabischer Frühling, Peer Steinbrück. Kleiner gehts natürlich nicht.
Die deutsche Politik hat (bisher) nicht begriffen, wie es geht. Zwar nutzen nahezu zwei Drittel aller Bundestagsabgeordneten eine Facebook-Seite, ein Viertel der Bundesminister twittert gar täglich, aber die politischen Gestalter unter der Berliner Reichstagskuppel vernachlässigen die direkte Online-Kommunikation mit den Bürgern. Wir versuchen was. Wir haben was entwickelt. Für den Kandidaten Peer Steinbrück. Peer Steinbrück lässt von seinem SPD-Team twittern – wenn es Zeit hat. Peer Steinbrück war bis Ende Oktober nicht auf Facebook präsent. Er liebt nach wie vor die direkte Begegnung mit dem Bürger. Peer Steinbrück hatte keinen Blog. Bis jetzt. […] Peer Steinbrück hat zugehört und analysiert. Er hat sein OK gegeben, dass wir seinen Namen für diesen Blog nutzen können. Abseits seiner Partei. Hier ist ein Medium entstanden – wie in den USA – das grundlegender und länger angelegt ist, als auf einen kurzfristigen Plakate-Wahlkampf.[…] Wir sind unabhängig. Peer Steinbrück will das so. Dieser Blog wird finanziert von herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten in Deutschland, die Peer Steinbrück, seine politische Kompetenz und seine Persönlichkeit schätzen.
Kann mir mal jemand erklären, was denn da die Message sein soll? Dass die „direkte Online-Kommunikation mit den Bürgern“ für Peer Steinbrück jetzt von der Redaktion dieses Blogs geführt wird, die alles besser machen wird als die ganzen Bundestagsabgeordneten? Und die SPD mit ihrem Onlinewahlkampf? So quasi als externer Dienstleister für Peer Steinbrück, was man im SPD-Jargon auch „Outgesourced“ nennen könnte? Und wie muss man sich das mit dem entstandenen Medium vorstellen, was grundlegender und länger angelegt ist? Läuft die Finanzierung auch über den Wahlkampf hinaus? Also sowohl, wenn Steinbrück scheitert als auch, wenn er Kanzler werden sollte? So quasi als privatfinanziertes Kanzler-Medium? Und wie soll man das „unabhängig“ interpretieren? Wenn die über die Strenge schlagen, hat Steinbrück natürlich nichts damit zu tun? Und was ist dabei die Transparenz-Message der SPD?
(Ich kann mir gerade die Empörung der SPD-Unterstützer vorstellen, wenn herauskommen würde, dass vergleichbares für Spitzenkandidaten von Partei X (Ungleich SPD) von ungeklärten Geldgebern finanziert würde. )
Lustig sind übrigens auch die sonstigen Inhalte des Blogs. Da gibt es einen mäßigen Beitrag über den Obama-Wahlkampf. Der endet mit:
Denkste. Die Deutsche Politik steht dem Internet ratlos gegenüber. Soziale Netzwerke sind den meisten völlig fremd, werden von vielen sogar komplett ignoriert. Und wenn es dann doch mal jemand versucht, so wie hier die CDU zur Landtagswahl in Niedersachsen, dann wird es schnell peinlich. Keine Blogs, vernachlässigte Twitter und Facebook-Seiten – kein Online-Wahlkampf weit und breit. Bisher nicht!
Na zum Glück kommt jetzt Peer Steinbrück mit seinen Bloggern und räumt auf!