Öffentlichkeit

CSU-Poltiker Geis fordert „Porno-Filter“ auch für Deutschland

Es war wohl nur eine Frage der Zeit. Nachdem David Cameron vor rund zwei Wochen den „Porno-Filter“ für Großbritannien ankündigte, hat die Idee bereits erste Nachahmer gefunden – nun auch in Deutschland. Der CSU-Poltiker Norbert Geis (74) foderte in der Bild, dass der Zugang zu Online-Pornografie in Deutschland stark eingeschränkt werden müsse.

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Kinder und Jugendliche müssen vor der Pornografie im Internet besser geschützt werden. Dafür brauchen wir jetzt dringend spezielle Filter und verbindliche Altersbeschränkungen, sodass man sich für die Nutzung von pornografischen Inhalten im Netz persönlich anmelden muss.

Genau wie David Cameron versucht Geis seinen Vorstoß mit einem besseren Schutz der Jugend zu begründen. Nach Informationen von Golem distanziert sich die Pressestelle der CSU jedoch bereits von den Aussagen von Herrn Geis:

Ich gehe davon aus, dass die Zitate so stimmen, das lief nicht über die Pressestelle der Landesgruppe, das ist über Herrn Geis direkt gelaufen. Er ist eher ein Rechtspolitiker. Es ist ein Vorschlag von Cameron, ich nehme an, die Bild-Zeitung hat sich gedacht, wer sagt uns etwas dazu, und dann hat sich Herr Geis angeboten.


Was vom Einsatz jeglicher Filtertechnologien im Internet zu halten ist, zeigte sich bereits eine Woche nach Bekanntwerden der britische Pläne. Damals deckte die Open Rights Group auf, dass es bereits Pläne gibt, den „Porno-Filter“ auch auf andere Inhalte im Internet auszuweiten, darunter Esoterik, Alkohol, Rauchen und Web-Foren.

Das der Zugang zu Pornografie durch das Internet erleichtert wird und so auch Jugendliche bereits früh mit Pornografie in Kontakt kommen können, ist sicherlich ein Fakt. Eine Zensur des Internets ist aber sicherlich nicht der Weg, dieses Problem zu lösen. Cindy Gallop beispielsweise möchte mir ihrer Webseite MakeLoveNotPorn.com (sie stellte das Projekt auch auf der re:publica 2012 vor) sensibilisieren und aufzeigen, dass Pornos kein „real world sex“ sind. Sie möchte dafür sorgen, dass wieder über Sex geredet wird und so auch Jugendlichen ein anderen Verständnis für Pornografie und Sex geben, wie sie der Huffington Post sagte:

My entire message with MakeLoveNotPorn boils down to one thing: talk about it. Talk about sex. Talk about it generally, openly, publicly, but also personally, intimately.

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29 Kommentare
  1. „Das der Zugang zu Pornografie durch das Internet erleichtert wird und so auch Jugendliche bereits früh mit Pornografie in Kontakt kommen können, ist sicherlich ein Fakt.“

    Und vor dem bösen Internet gab es ja zum Glück keine „Analog-Pornografie“, an die findige Jugendliche, die das wollten rangekommen wären. Aber in diesem bösen Internet, da wird man ja überall mit Pornografie belästigt, sobald man nur Google aufruft.
    (Vorsicht, Ironie)

    1. sehe ich auch so, die Ironie der Ahnungslosigkeit. Irre was es für schwachsinnige Ideen gibt, getrieben von in der Zeit stehengebliebene Personen die sich einfach nur wieder wichtig tun wollen.

  2. Ich fordere umgehend einen Filter, der uns zuverlässig vor Artikeln schützt, in denen die Worte „CSU-Poltiker“, „Bild“ und „Online-Pornografie“ vorkommen!

  3. Es liegt doch nichts näher, als einen 74(!) Jährigen CSU Typen zum Thema Internet zu befragen. Mich wundert es ja ein wenig, dass dieser Mensch nicht als „Experte“ vorgestellt wurde.

    1. Der Erfinder von TCP ist 70 Jahre alt. Alter und die Kompetenz mit Computern umzugehen sollte man nicht vermischen. So schließt man auch immer Menschen aus.

      Der Geis war und ist ein konservativer mit manchmal verdeckten und machmal offenem rechten Gedankengut, der sich hinter der Partei versteckt und dann mit wirren Äußerungen umsich wirft:

      „Warum lasst ihr nicht Deutschland den Deutschen?“

      Norbert Geis, rechtspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, in der TV-Sendung des Talkmasters Michel Friedman zur Verteidigung von Edmund Stoibers Warnung vor einer „durchrassten Gesellschaft“.

      „Die Aufdringlichkeit, mit der sich Homosexuelle öffentlich prostituieren, ist nur noch schwer zu ertragen … Der Verlust der sexuellen Scham aber ist immer ein Zeichen von Schwachsinn, wie es Freud formuliert hat.“ http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21411051.html

      1. Es spricht für die Meinungsfreiheit in unserem Land dass auch solche Wirrköpfe offen reden dürfen, aber leider spricht es auch gegen die Medien in unserem Land dass solchen Wirrköpfen immer wieder ein öffentliches Forum geboten wird.

        Nun spricht aber Herr Geis nicht nur für sich allein, sondern ist Mitglied der CDU/CSU Bundestagsfraktion. Daran sollten wir uns alle erinnern, wenn demnächst wieder Wahlen sind.

  4. Politiker gehören spätestens mit 65 Zwangspensioniert. Wenn es nach mir ginge, gäbe es auch keine Berufpolitiker. Maximal zwei Legislaturperioden würde ich denen zugestehen, dann müssten neue Köpfe her. Korruption, private Vorteilnahme und sonstiges Gegüngel würde damit wieder auf ein erträgliches Maß zurückgefahren. Ganz unterbinden läßt es sich nunmal nicht, da Macht korumpiert.

    Dem Herrn G(r)eis geht es wohl nicht nur um das Wohl der Kinder, sondern eher darum, zu Filtern und zwar all das, was nicht in das eigene Weltbild passt. Da passt er prima zum Rest der Truppe H.P. Uhl, H.P. Friedrich, U. von der Layen.

    Mein Abendgebet für heute: Oh, Herr schütze uns vor diesen Internet-Extremisten…

  5. Der Mann ist 74, erzkatholisch (Opus Dei Fanboy) und schreibt für die Junge Freiheit.
    Der sollte im Schaukelstuhl sitzen und seinen Ur-Enkeln Geschichten vorlesen.

    Elektrisches Licht, Protestanten, Computer – alles Teufelszeug.

  6. Sein Wiki-Eintrag offenbart ja auch einen Schenkelklopfer nach dem anderen.

    „Am 2. Mai 2012 erklärte Geis in der Talkshow Anne Will, dass „gottlose Menschen“ als „Tätervolk“ im Rahmen der Menschheitsverbrechen im 20. Jahrhundert bezeichnet werden können.“

    Da fällt einem ja nix mehr ein…

  7. War klar das das von einem 74jährigen CDU`ler kommen musste der wohl mal Großbritanien „abschreiben“ wollte.. mitsamt allen fehlern… hätte er sich doch mal mit dem Thema beschäftigt hätte er gesehen dass sowas technisch garnicht machbar ist :D Und wieder hat sich die CDU ein super Eigentor geleistet indem Sie beweist wie Welt- und Internetfremd die sind… tja, ist halt für manche „Neuland“ in die sie gerne Ihre Flage rammen würden.
    AUßER es wäre ein versuch das GESAMTE Internet zu zensieren… Dann würde außer den sexuellen inhalten bestimmt auch Foren und Komentare, halt solches in deren Augen wohl überflüssige Zeug „weggefiltert“.. ganz besonders wenn es um Kritik an irgendwelchen Politikern ginge.. davor müssen ja alle bürger „geschützt“ werden.

    Wer Kinder hat sollte einfach einsehen dass wenn er kein absoluter internetfachmann ist sich besser von seinem PC verabschiedet und/oder sich einen Laptop besorgt den er in nen Save einschließen kann ;) Denn die Kinder werden immer fitter mit Hard- und Software und umgehen fast jeden Zensurversuch im Handumdrehen!

    PS: bei der „Von der Leine“ hat`s ja auch sooo gut geklappt mit dem Stopschild ;)…. *ironie*

  8. Man kann da nun von unterschiedlichen Punkten rangehen. Mal gesetzt Kindern und Jugendlichen soll, wenn das denn irgendwie so Konsens ist, der Zugang zu bestimmten Bereichen einer Gesellschaft zu ihrem eigenen Schutz, oder dem Schutz der nicht-Kinder, nicht-Jugendlichen überhaupt verwehrt sein. Auch da gibts unterschiedliche Ansichten dazu, ob dies nicht Kinder und Jugendliche auch, oder wie es Praxis ist eben nicht, mitbestimmen sollten, es geht sie ja nun schließlich direkt an.
    Gut, aber zum ersten. Es geht natürlich nicht an, dass eine Verwehrung, die sich am Alter orientiert, individuell ausgesprochen wird, oder dass individuelle Persönlichkeitsrechte missachtet werden. Eine Kontrolle des Alters ist bei Kindern (bei Jugendlichen ggf. weniger) per Augenschein möglich. Eine Identifizierung über Personaldokumente unnötig – solange eine direkte Konforntation möglich ist. Name und andere Daten bleiben außen vor.

    Eine eindeutige Identifizierung, die auch vermittelnden und automatisierten Systemen den ein-eindeutigen Abgleich von Identifizierungsmerkmalen und Person erlauben würde, geht immer einher mit einer eindeutigen Identifizierung der Person. Weicht also damit im Grundsatz voll davon ab, eine allgemeine Regel abzubilden und wird damit zur individualisierten, oder individualisierbaren, Regel.
    Ein automatisiertes System muss sicherstellen, dass nicht etwa weitere, nichtberechtigte Personen parallel Zugang erhalten, oder etwa der Bediener des Systems während einer autorisierten Sitzung wechselt. Technisch vielleicht möglich macht das eine totale, zeitlich unbeschränkte, personalisierte und absolute Überwachung des Zugangs zu den automatisierten Systemen nötig.
    Schwerlich durchsetzbar?

    Der Weg der Argumentation der begangen wird, ist ein anderer. Die Inhalte, die für Teile einer Bevölkerung mit einer Zugangsbehinderung belegt werden sollen, sollen für die Gesamtheit nicht mehr zugänglich sein.
    Bei der Kinderschutz-Argumentation kann so gar nicht angenommen werden, entlang dem, was in unseren Sozietäten so „für Kinderaugen und Ohren“ als nicht gedacht angesehen wird, dass es bei einer Filterung von sexuellen Inhalten bleiben soll. Schließlich geschieht so einiges auf dieser Erde, was Kinder, möglicherweise, schwer verarbeiten können.
    Viele Texte und Bücher wären dazu geeignet Verwirrung zu erzeugen. Berichte über Kriege, Folterungen, Zerstörungen, Arbeitslosigkeit, Sexismus, Ausbeutung, etc. sind für Kinder sicher auch schwer zu verarbeiten.

    Folgt man also der Argumentation hieße dies nichts anderes als zu dem Schluss gelangen zu müssen, dass öffentlich zugängliche Quellen (auch das Internet), keinerlei Inhalte benennen oder zeigen dürfen, die nicht für Kinder geeignet sein könnten.
    Das Kindernet für alle.

    Ich denke das gesagte zeigt, dass der Argumentationsstrang so ins Absurde läuft.

    Man könnte aus einer anderen Sicht versuchern zu benennen, was an Pornografie eventuell als schädlich betrachtet wird. Mir fallen dazu unsäglicher, menschenverachtender, ausbeuterischer und großenteils auch schwer missbräuchlicher Umgang mit den Arbeitern und Arbeiterinnen der Branche ein. Dagegen weitaus weniger relevant finde ich es, dass in unseren Gesellschaften auch Sexualität in voyeuristischer Form existiert und dies bedient wird.

    Unsere Gesellschaft ist so wie sie ist. Ich sehe wenig Anlass den Anblick Kindern zu verwehren. Auseinandersetzen müssen sie sich damit ohnehin, wenn wir wollen, dass sich irgendwann mal was verändert.

    1. Pornographie, Sexarbeiter usw. sind doch eigentlich ein Phänomen, das erst dadurch entsteht, dass einem signifikanten Anteil der Menschen ein gesunder Zugang zu Sexualität verwehrt ist. Stigmatisierung, Tabuisierung, Machtausübung durch Verknappung und Begrenzung des Zugangs. Aspekte einer verklemmten Gesellschaft. Aber natürlich gibt es auch Restaurants, obwohl zu Hause selbst gekocht wird.

  9. „…ich nehme an, die Bild-Zeitung hat sich gedacht, wer sagt uns etwas dazu, und dann hat sich Herr Geis angeboten.“
    Die Aussage klingt plausibel, gerade bei Bild und Konsorten ist Geis immer beliebt, weil man sich auf ’nen ordentliche rechtsaußen-Standpunkt verlassen kann.

    Aber seine Tage in der großen Politik sind immerhin gezählt: Selbst die CSU hält ihn wohl inzwischen für senil und hat ihn in Zwangsrente geschickt und nicht mehr für den Bundestag aufgestellt…

  10. also, mal ehrlich, der man kann doch gerade mal bis vorgestern denken.

    was soll das also, ihm hier auch noch ne plattform für seinen blödsinn zu geben?

    ich fordere einen „gei-filter“ für’s netz.

    und nu?

  11. Geis hat Narrenfreiheit, er gehört demnext nicht mehr dem Bundestag an. Für den schenkelklopfenden Wahlkampf an den Biertischen dürfte er noch ein paar solcher Sachen in petto haben. Interessanter ist, was seine Nachfolgerin Andrea Leibholz macht. Netzpolitisch habe ich noch nix von ihr gehört.

  12. Ok, wenn die Gesellschaft zum Schluss kommt, dass man das irgendwie regeln sollte …

    Es könnte mal jemand auf die Idee kommen, verschließbare Kästchen zu bauen und zu verkaufen, die man direkt am Haus-/Wohnungsanschluss anbringt und über die die Eltern festlegen können, was reinkommen darf und was nicht, also bestimmte Kategorien nicht, oder alles, die Kategorien legt ein paritätisch besetzter Kreis fest (keine Politiker in Ämtern, keine Beamte ab einer bestimmten Stufe), etwa in Form von Altersgrenzen, die gesetzliche Grundlage für so eine Kategorisierung sollte erreichbar sein. Softwarelösungen am Computer bringen nichts, da diese von den größeren Kids jederzeit unterlaufen werden können ;)

    Wenn man so was will, dann darf es nicht zentral (gesetzlich vorgeschrieben bei den Providern) erfolgen, sondern dezentral selbstbestimmt bei den Verbrauchern.

    Die Absicht der entsprechenden Politiker in ihrem Blick auf das böse Internet ist wirklich leicht durchschaubar, gut dass gerade Wahlkampf ist, sonst wäre der Widerspruch bei den Kollegen sich nicht so laut ausgefallen …

  13. Jugendlichen müssen freiwillig auf Pornos verzichten. Sonst muss man sie 24 Stunden und 7 Tage der Woche überwachen. Ich glaube viele (vermutlich meistens ältere) Politiker finden die Überwachung voll geil und werden drauf erregt!

  14. Ich finde, dass die Diskussion zur Zeit hier etwas einseitig geführt wird. Deswegen melde ich mich zu Wort, mit dem Risiko hier ordentlich Schelte zu bekommen.
    Ich bin Vater von drei Kindern, im Alter von 13, elf und neun Jahren. Damit sind sie für mich in einem „kritischen Alter“. Sie wollen und müssen das Internet nutzen für Spiele, Kommunikation und Hausaufgaben.
    Ich möchte, dass sie sich aufgeklärt durchs Netz bewegen und dennoch weiß ich, dass der Weg zur Pornographie und anderen schwierigen Inhalten nur wenige Klicks entfernt sein kann, auch dann wenn sie gar nicht danach suchen. Ich will meine Kinder schützen. Ich gehe nicht mit ihnen in Kinofilme, die ab 16 sind. Ich habe meinem 13jährigen auf seinem iPhone Apps verwehrt, bei denen er mindestens 14 sein muss. Und: ich habe Safari gesperrt, weil ich momentan nicht besser weiß, wie ich das Problem in den Griff bekommen soll.

    Ich will meine Kinder schützen. ABER: ICH BIN DAGEGEN, DASS DER STAAT ANFÄNGT ZU FILTERN. Das Problem ist komplex und nicht einfach zu lösen. Der Staat hat in anderen Medien bereits gute Regelungen getroffen. Er sollte sich daran orientieren, wenn er sich Regelungen für das Internet überlegt. Entsprechende Maßnahmen gibt es ja auch schon.

    Ich kann mir als einen Weg vorstellen, dass es Community getriebene FSK-Regelungen gibt. Jemand kommt auf eine Seite, die er kritisch findet. Er markiert sie als solche. Damit wird sie bei jemand anderem, der solche Inhalte nicht sehen möchte, nicht mehr angezeigt.

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