Überwachung

Brasilien wehrt sich gegen US amerikanische Überwachung durch eigene Dienste, Server und Unterseekabel

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Dilma Rousseff und Barack Obama

Dilma Rousseff, Präsidentin Brasiliens, nimmt Snowdens Veröffentlichungen sehr ernst – nicht zuletzt, da Dokumente belegen, dass die NSA Rousseffs Mails mitgelesen hat. Da die Beziehungen zwischen beiden Ländern schon seit längerem, wegen Verdacht auf Spionage durch die USA, angespannt sind, hatte die Regierung Anfang des Monats Pläne veröffentlicht, einen brasilianischen Mail-Provider zu betreiben, um nicht mehr von Google und anderen US amerikanischen Firmen abhängig zu sein. Nun folgten weitere Pläne. So hat Rousseff ein Gesetz vorgeschlagen, das Service Provider dazu zwingen würde, Daten brasilianischer Benutzer ausschließlich auf Servern innerhalb Brasiliens zu speichern – Facebook speichert seine Daten momentan z.B. in den USA und Schweden. Außerdem will Rousseff mehr Internet Exchange Points errichten und Glasfaser-Kabel sowohl direkt nach Europa, als auch in alle Süd-Amerikanische Staaten legen. Ziel ist es, sich so gut wie möglich, der US amerikanischen Überwachung zu entziehen.


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Vor allem nach den Enthüllungen, dass die USA das brasilianischen Öl-Unternehmen Petrobras überwacht hat, hatte Rousseff sehr deutlich das Vorgehen der USA verurteilt.

Without doubt, Petrobras is not a threat to the security of any country. [These attempts to steal] data and information are incompatible with democratic co-existence between friends. [Brazil will] take all measures to protect the country, the government and its companies.

Die brasilianische Präsidentin verlangte eine vollständige Aufklärung aller geheimdienstlichen Aktivitäten in Bezug auf Brasilien und erwägt bis dahin auch die Absage des geplanten Besuchs in den USA kommenden Monat. Auch, wenn diese technischen Maßnahmen nur zu einem sehr geringen Teil vor US amerikanischer Überwachung und Spionage schützen, sind sie doch als erstes Zeichen einer grundsätzlichen Angst der verschiedensten Regierungen zu sehen: Aufgabe der Souveränität im digitalen Zeitalter, da das Internet durch die USA dominiert wird – sowohl politisch, als auch wirtschaftlich, als auch ideologisch. So sagt Sascha Meinrath, Direktor des Open Technology Institut (Teil der New America Foundation), dass sich dieser Konflikt in der Zukunft noch verschärfen wird.

The global backlash is only beginning and will get far more severe in coming months. This notion of national privacy sovereignty is going to be an increasingly salient issue around the globe. There’s nothing viable that Brazil can really do to protect its citizenry without changing what the US is doing.

 

21 Kommentare
  1. Mh, warum sollen die von der brasilianischen Regierung angestrebten Veränderung kein Mehr an Schutz bringen? Ein eigener Mail-Provider erschwert Google das Datensammeln über brasilianische Bürger und damit auch das Datensammeln der NSA. Klar, wird mit einem Amerikaner gemailt hat die Daten die NSA, aber zumindest bei der Kommunikation mit Europäern nicht oder?
    Und auch Daten die über brasilianische Glasfaser-Kabel laufen sollten der NSA dann fehlen. Es sei denn natürlich auch diese werden angezapft, aber ich kann mir nicht vorstellen dass die USA SO dreißt sein wird…
    Oder irre ich mich bei dem Sachverhalt gewaltig und es ist eh alles zu spät?

    1. Ach Verdammt, bei den ganzen Sicherheits-Plugins ist man nie Sicher ob das Geschriebene jetzt angekommen ist. Bitte Kommentar 1 und diesen hier löschen… Danke.

    2. Naja, ein eigener Email-Provider bringt nur insoweit was, dass er etwas Sand ins Getriebe der NSA streuen kann (und wenn die Bevölkerung diesen statt Gmail & Co nutzt).

      Bei den Glasfaserkabeln: Die dürfen dann nicht über UK laufen ^^

  2. Mh, warum bringen die von der brasilianischen Regierung angestrebten Veränderungen kein mehr an Sicherheit?
    Ein eigener Mail Provider erschwert Google und damit auch der NSA das Datensammeln über brasilianische Bürger. Klar, wenn die dann mit Amerikanern mailen bekommt die NSA die Daten, aber zumindest mit Europäern müsste die Kommunikation dann sicher sein oder?
    Und auch Daten die über brasilianische Untersee-Kabel laufen müssten doch vor der NSA sicher sein solange sie diese nicht direkt anzapft. Und das glaub ich nicht, SO dreißt werden sie, glaube ich, nciht sein.
    Oder schätze ich den Sachverhalt völlig falsch ein?

      1. oglobo.globo.com darf kein rechtsfreier raum sein, die verfolgung ist alternativlos und geschieht nach recht und gesetz. wer oglobo besucht, ist neugotisch desatrös und hat mit sicherheit was zu verbergen. und mehr netto vom brutto gibts auch nicht.

  3. Das ist zumindest ein klarer Standpunkt gegen diese miese Schnuffelei unter „Freunden“ oder klarer mit Spionage zu bezeichnen.
    Solch eine klare Haltung wäre für uns zumindest 200 % Verbesserung.
    Minus 100 % weniger Unterstützung und Verschleierung und plus 100 % Haltung gegen Spionage und Schutz des Bürgers.

  4. „aber zumindest mit Europäern müsste die Kommunikation dann sicher sein oder?“ …ein witz, nicht? dein ernst kann das ja wohl nich tsein.

    ich höre immer noch friedrich die schenkel klopfen „und dann hab ich denen noch erzählt, dass keiner eine überwachung der bevölkerung plant, pruuuuuuuuuuust, grööööööhl“

  5. Warum schließt man die Tür ab, wenn man die Wohnung verlässt? Im Zweifelsfall bringt es nicht viel, wenn sie aufgebrochen wird. Aber der Angreifer kann zumindest nicht einfach reinspazieren – was hingegen auf die Spionage übertragen die Situation in vielen Ländern ist – Hereinspaziert!

    Viele gängige Router haben eine US-Abhörschnittstelle (für „lawful intercept“). Es ist keine Kleinigkeit, dass die meisten Firmen und öffentlichen Einrichtungen in Europa auf diese Art verwanzt sein dürften. Ich kenne nur zwei ! Routerhersteller, die darauf hinweisen, dass sie keine Abhörschnittstellen einbauen. Hier muss mehr passieren.

    Wichtiger ist aber, dass endlich mal eine Regierung klarmacht, dass sie die Spionage nicht einfach so hinnimmt. Brasilien ist da schon wesentlich weiter als die US-Edelkolonien in Europa.

      1. Lancom und Viprinet stellen sehr hochwertige Router her, deren Preise weit über dem liegen, was der normale Privatnutzer zu zahlen bereit ist (oder bezahlen kann). Eine Billig-Alternative für Bastelwillige: ein Router von TP-Link, eigenhändig geflasht mit OpenWrt.

    1. kannst Du deine Behauptung von „Viele gängige Router haben eine US-Abhörschnittstelle“ auch beweisen?

      Insbesondere für die hierzulande am weitesten verbreiteten Geräte von AVM und die Speedport-Serie der Telekom…

      1. @GST

        das ist nichts Neues. In wie weit *jeder* Router diese Möglichkeit bieten muss, oder nur ab einer bestimmten Größe, wenn er in den USA vertrieben wird, weiss ich nicht. Oder ob die Hersteller einfach den Providern entgegenkommen, die verpflichtet sind, mitzuschneiden. Im Ergebnis egal. Ich rede nicht von den kleinen Privatroutern, sondern von den größeren Firmengeräten. Denn es reicht ja, wie Ein Mensch gesagt hat, an die Knotenpunkte ranzukommen.

        Bei Cisco und Juniper bspw findest Du sofort entsprechende Informationen.

  6. Ich finde es sehr gut, das sich immer mehr Staaten (Staatchefs) gegen die Überwachung der USA wehren. Vor allem die BRICS-Staaten müssen eigentlich keine wirtschaftlichen Folgen befürchten. Die USA brauchen Brasilien dingender als umgedreht. Ich finde immer mehr sollten den USA die Stirn bieten und damit eine „rote Linie“ ziehen.

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