Brasilien: Regierung lässt abhörsicheren Mailservice entwickeln

Die brasilianische Regierung hat die staatliche Post Correios aufgefordert, einen nationalen Mailservice zu entwickeln. Der Dienst soll als abhörsichere Alternative zu weit verbreiteten Mailprovidern wie Gmail und Hotmail entstehen. Eine Bereitstellung des neuen Dienstes ist für die zweite Hälfte des nächsten Jahres geplant.

Nachdem wir erst gestern berichteten, dass die indische Regierung die Nutzung von US-amerikanischen Mailprovidern zur Kommunikation seiner Mitarbeiter verbieten will, legt nun Brasilien nach, indem sie einen eigenen nationalen Mailservice entwickeln will. Das berichtet die brasilianische Zeitung Folha de S.Paulo unter Berufung auf den brasilianischen Kommunikationsminister Paulo Bernardo. Dieser sagte gegenüber der Zeitung:

When I send you an email and I want nobody to snoop. Last year, the U.S. made 311 requests (to companies). They aren’t working in the retail market. It’s necessary to encourage a safer email service.


Wie Folha de S.Paulo berichtet, arbeite die brasilianische Post Correios schon länger an einem eigenen Mailservice, welcher für „kommerzielle Zwecke“ gedacht war. Nach den Enthüllungen rund um die Spionagetätigkeiten der USA, habe Kommunikationsminister Bernardo die Behörde aber angewiesen, den Mailservice zu einem nationalen Dienst auszuweiten. Wichtigstes Merkmal des neuen Maildienstes soll eine standardmäßige Verschlüsselung des Mailverkehrs sein. Außerdem sollen die anfallenden Daten nur in Brasilien gespeichert werden.

Zur Zeit scheinen sich die Regierung und Correios noch nicht über ein Geschäftsmodell einig zu sein. Es sei geplant gewesen, dass der neue Mailservice eine Gebühr kosten solle. Nachdem er sich nun aber gegen Gmail und Hotmail, die beiden meistgenutzten Mailanbieter in Brasilien, durchsetzen soll, ist eine Finanzierung des Mailservices noch zu klären.

Dennoch sind Indien und Brasilien mit ihren (staatlichen) Vorstößen US-amerikanische Mailprovider zu meiden und eigene Lösungen zu erarbeiten, einen Schritt weiter als unsere Regierung in Deutschland. Genau genommen, wird jeglicher Handlungsbedarf von unserer Regierung gnadenlos geleugnet, die NSA-Affäre ist schließlich auch längst beendet. Den einzigen Vorstoß unternahmen die Deutsche Telekom, GMX und web.de mir ihrer Initiative „E-Mail made in Germany“. Hierbei handelte es sich allerdings um eine reine Marketingaktion, ohne erkennbaren Nutzen für die Kunden. Es bleibt nur zu Hoffen, dass sich die brasilianische Post nicht an einem Nachbau von De-Mail versucht.

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