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Wikipedia, BBC, CNN uvm. auf Microsofts Copyright-Löschlisten

In dem Maße, in dem private Rechtsdurchsetzung durch Entfernung von Suchresultaten bei Google zunimmt, steigt auch die Zahl von fälschlicherweise beantragten Löschungen aus dem Suchindex. Laut Transparenzreport erreichte die Zahl der Löschanfragen vergangenen Monat mit über 12 Millionen URLs einen neuen Höchstwert, Tendenz weiterhin stark steigend.

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Seit kurzem wird in ebendiesem Transparenzreport aber auch angeführt, welchen Löschanfragen nicht entsprochen wird, weil sie fälschlicherweise eingereicht wurden. Für alle Löschanfragen, die in der Regel jeweils mehrere URLs enthalten, werden ab sofort auch jene URLs ausgewiesen, die trotz Löschanfrage nicht aus dem Suchindex entfernt werden.

Auf der Homepage gibt es leider keine komfortable Sortierfunktion, aber Torrentfreak hat eine Löschanfrage von LeakID im Auftrag von Microsoft ausgegraben, in der Seiten von BBC, CNN, Wikipedia und anderen zur Entfernung aus dem Index angefragt wurden. Konkret standen zum Beispiel folgende Seiten auf der Löschliste:

Microsoft, mit ca. 6 Millionen Löschanfragen aktuelle Nummer drei im Ranking der Rechteinhaber mit den meisten Anfragen, dürfte dabei besonders wahllos vorgehen. Während sich Microsofts Anfragen auf ca. 40.000 verschiedene Domains verteilen, folgen NBCUniversal mit knapp 20.000 und Lionsgate mit knapp 9.000 auf den Plätzen 2 und 3 was die Zahl unterschiedlicher Domains betrifft.

Da sämtliche Daten des Transparenzreports als CSV-Download zur Verfügung stehen, lässt sich insgesamt folgender Zwischenstand vermelden:

  • Löschanfragen seit Juli 2011: 49.006.830
  • Davon nicht durchgeführt: 1.181.552 (2,41%)

Das „Outing“ von falschen Löschanfragen durch Google darf wohl auch als Versuch verstanden werden, die Rechteinhaber und deren Dienstleister zu sorgfältigerem Arbeiten zu motivieren. Angesichts der immer noch stark wachsenden Beliebtheit von Rechtsdurchsetzung via Google ist aber nicht davon auszugehen, dass der „Takedown Hall of Shame“ der Electronic Frontier Foundation so schnell die Beispiele ausgehen werden.

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6 Kommentare
  1. Ich vermute, dass auch viele Löschungen durchgeführt wurden, die nicht berechtigt waren. Komisch, dass da nicht mehr Schadensersatzklagen gegen die Antagsteller laufen. Ich persönlich wäre jedenfalls derartig sauer, dass ich das durchziehen würde.
    Und müssen die Antragsteller nicht an Eidesstatt erklären, dass ihr Antrag berechtigt ist? Wieso sitzen die bei so vielen Meineiden längst alle im Knast?

  2. Ist es eigentlich immer noch so, dass man bei Bing noch Links findet, die Microsoft bei Google schon löschen hat lassen? Ich plädiere dafür, dass jede fälschlicherweise abgegebene Anfrage einen fünfstelligen Betrag kostet, dann kontrollieren die Unternehmen die Suchergebnisse ihrer Bots ja vielleicht auch mal.
    Das DMCA-System finde ich an sich ja nicht schlecht, aber das ist, wie so vieles, völlig aus den Fugen geraten.

  3. Die Löschungen werden eben automatisiert durch algorythmen in Auftrag gegeben. So das natürlich sehr viel falsch erkannt wird weil irgendwelche Schlagworte gefunden und dann gefiltert wird. Bald reicht es wohl aus wenn nur das Wort „Torrent“ auf einer seite erwähnt wird um diese danach zu zensieren.

  4. Einfache Lösung: DuckDuckGo (bis auch da das Löschen losgeht) und langfristig Yacy.
    Solange die Suchergebnisse stimmen sind Google und Bing durch das ganze Ökosystem drumherum einfach nicht zu schlagen. Von daher…umso kaputtzensierter Dienste wie Youtube und Google werden umso attraktiver werden freiere Alternativen für die Masse. ;-)

    Was machen diese Firmen eigentlich wenn Google seinen Sitz auf irgendeine Südseeinsel verlegt und die Server in aller Welt verteilt, und nur ein paar wenige als Cache o.Ä in den USA und der EU belässt? Dann kann Google auf den Abmahn- und Zensurwahn pfeifen und wirklich viel dagegen tun kann man nicht. Brechhammer-Methode a la Megaupload ist nicht drin, gegen einen Google-Takedown wären wirkliche Massen auf den Straßen.

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