Schön langsam bietet sich die Einführung einer eigenen Rubrik an zum Thema private Rechtsdurchsetzung via Google. Im vergangenen Monat wurden knapp 6,8 Millionen Ergebnisse wegen (vermeintlicher) Copyright-Verstöße aus Googles Suchergebnissen entfernt (vgl. „Transparenz-Report“ bzw. Abbildung), eine neuerliche Steigerung um 50 Prozent verglichen mit Juli. Wieder stieg die Anzahl der Organisationen, die eine Löschung beantragt haben, nur leicht, von 1.264 auf 1.405.
Zur Löschung von Suchergebnissen kommen offenbar aber inzwischen auch andere Formen der Rechtsdurchsetzung. So berichtet techdirt von der (vorübergehenden) Sperrung des Google-Anzeigenprogramms Adsense auf einem Blog, auf dem der Autor sein eigenes, unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlichtes Buch als Torrent zum Download angeboten hatte. Ursache für die Sperrung war scheinbar, so die Vermutung des Autors Cody Jackson, dass die legalen Torrent-Files seines Python-Programmierhandbuchs auf Servern von The Pirate Bay lagen. Die tatsächliche Ursache der Sperrung herauszufinden bzw. diese rückgängig zu machen erwies sich in der Folge als äußerst zeitaufwändig.
Das Beispiel ist instruktiv aus zwei Gründen:
- Private Rechtsdurchsetzung wird im gesamten Googleversum Einzug halten und sich nicht nur auf die Entfernung von Suchergebnissen beschränken und verschiedenste Formen von Sanktionen – wie eben den Rauswurf aus Googles Adesense-Programm – zur Folge haben.
- Die technologischen Algorithmen zur privaten Rechtsdurchsetzung werden immer auch legale Inhalte betreffen. Umso entscheidender ist eine effektive und schnelle Möglichkeit, solche Sperrungen wieder rückgängig zu machen. Mit der rasant steigenden Zahl an Sperrungen wird die Bedeutung der Freischaltung ebenfalls massiv zunehmen.
Es bleibt jedenfalls spannend, wo in Googles weitverzweigtem Netzwerk als nächstes die Copyright-Schrauben angezogen werden.
