Generell

Raubstricken? Abmahnungen für Strickforen in Norwegen

Kommissarin Sarah Lund, gespielt von Sofie Gråbøl, trägt in der gleichnamigen Fernsehserie ständig Strickpullover in unterschiedlichen Farben aber mit ähnlichen Mustern. Auch unter Fans der Serie erfreuen sich Sarah-Lund-Pullover wachsender Beliebtheit – und vor allem in Norwegen begannen einige von diesen in Strickforen Anleitungen zum Nachstricken des Pullovers auszutauschen.

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Die dänische Webseite go.tv2.dk (dänisch, englische Version mit Google Translate) berichtet jetzt aber, dass die Designerinnen des Musters „Gudrun og Gudrun“ rechtlich gegen das Tauschen von Anleitungen zum „Raubstricken“ vorgehen und Strickforen abmahnen.

Der Fall ist auch deshalb interessant, weil Mode und Fashion zu jenen Bereichen der Kreativindustrie gehören, in denen Urheberrecht bzw. Copyright eine eher geringe Rolle spielen (für andere Beispiele vgl. den Beitrag von Jeanette Hofmann u.a. in der aktuellen Ausgabe der APuZ). Einen unterhaltsamen TED-Talk zum Thema aus dem Jahr 2010 gibt es von Johanna Blakley: „Lessons from fashion’s free culture„.

PS: Die Satirekampagne gegen unkontrolliert-schneiderische Heimarbeit gibt es ja schon länger:

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32 Kommentare
  1. Die Zeiten als die Oma noch lange für Stricken musste sind also auch Vorbei , sie lässt sich heute einfacher Abmahnen ….
    Auch sollte zur Abschreckung auf jeder jeder Packung Wolle „Warnhinweise“ aufgedrukt werden und Werbespots im Fernsehen laufen in der Oma im Knast sitzt weil sie ihren Enkel einen Pullover Raubgestrickt hat.

  2. Heißt das, wenn ich eine Anleitung veröffentliche, wie man ein Buch (von Hand) abschreibt und den Abschrieb verschenkt, werde ich auch abgemahnt? Vermutlich, ich werde ja auch zur Kasse gebeten, wenn ich einen Hit öffentlich singe. Gott, wie absurd.

  3. Ich meine mich erinnern zu können, dass frühe ‚copyright infringements‘ im Internet in den 90ern Strickmuster waren, finde aber (leider) keinen passenden Link.

    1. Stimmt, da war was mit Strickmustern, sozusagen die Mutter der Abmahnmafia (Burda?), das müssten doch die Mädels wissen, gibt/gab doch nur eine bekannte Strickzeitschrift …

    2. Das war was anderes. Da wurden direkt fertige, medienindustriell entworfene und hergestellte Strickmuster verbreitet. Also quasi der orginale Sourcecode für das Endprodukt.
      In diesem Fall wurde der Pullover quasi „reverse-engineered“ und der daraus entstandene „Sourcecode“ verbreitet.

      Es wird in Zukunft noch sehr interessant werden, wenn sich die 3D-Drucker und Fabs mehr und mehr verbreiten. Bisher haben nur die Medienmultis geschnallt, daß geistiges Eigentum nur so lange existiert, wie die Idee den eigenen Kopf noch nicht durch den Mund oder die Finger verlassen hat.
      Aber langsam und allmählich entwickelt sich eine Äquivalenzbeziehung zwischen Information und Gegenstand. Wie bei obigem Pullover, oder den Dingen, die aus den 3D-Druckern herausfallen.

      Die MegaCons werden früher oder später umdenken müssen. Wohl leider eher später. Viel später.

  4. Manchmal fängt das Problem nicht bei bei den armen „Geschädigten“ der Abmahn- und Rechteindustrie an. Natürlich auch, aber hier fällt besonders auf: Das Wort „raubkopieren“, das auch von harmlosen Bürgern genutzt wird, ist ein Problem – es deklassiert diejenigen, die es tun, zu Räubern. Ist natürlich quatsch, es wird Niemandem etwas weggenommen und damit gibt es jur. gesehen keinen Diebstahl. In der Folge gewinnen Werbespots aber unter dem Motto „Wir beklauen euch doch auch nicht“ Preise! Fazit: Allein das nicht wertend genutzte Wort ist nichts als Propaganda für die pedantischen Abzocker.

    Ich fordere also: Wir sollten erstmal anfangen, statt „raubkopieren“ zutreffendere Begriffe wie „schwarzkopieren“ zu verwenden. Dann kann sich auch die Einstellung der Politiker und auch der geblendeten Bürger zu dieser vermeintlichen Schwerkriminalität viel leichter ändern.

    Oh, ich würde am Liebsten einen ganzen Gastartikel dazu schreiben…

    1. Das Schlimme daran ist das vor 30 Jahren fast jeder damalige “ Kassetten Tape“ Besitzer wohl genauso Geschmunzelt hätte über angebliche „Raupkopie“ Abmahnungen , weil er eine CD oder Platte von einen Bekannten auf Band Überspielt hat.
      Heute lächelt keiner mehr, so weit hat es die Musikindustrie mit der Kriminalisierungs Kampange gebracht.
      Heute lächeln wohl noch viele Rentner oder Hausfrauen über „Raubgestrickte“ Pullover oder „Raubgehäckelte“ Decken?. Wie lange noch?
      Es muss entlich Puplic gemacht werden , das diese Abmahnindustrie, Urheber und Copyright Recht nicht nur jugendliche Hacker bedroht sondern die Gesamte Bevölkerung.
      Wenn das nun auch die Hausfrau im Srick oder Kochforum bemerkt könnte es eng werden für Konservative Politiker und der Urheberrechts Lobby….

      1. Achwas, eng werden. Die RAF hat damals ja auch gemeint, sie könne den Staat herausfordern und dann würden sich die Massen gegen den Unterdrückungs- und Stamokap-Staat wehren.

        Ist es passiert?

    2. Das Problem mit dem Begriff „raubkopieren“ geht sogar noch tiefer, jemandem etwas wegnehmen nennt sich „stehlen“, beim Raub kommt noch die Komponente von angedrohter oder ausgeführter Gewalt hinzu, der „Raubkopierer“ hat also nicht nur dem Rechteinhaber etwas weggenommen, sondern offensichtlich noch mit Gewalt bedroht.

      1. Es ist doch „mühselig“ sich um einen Begriff zu Streiten , auch wenn er Falsch ist, er wird umgangssprachlich nicht so schnell Verschwinden , was aber Geändert werden kann sind die Gesetze welche ihm den „Schrecken“ Verleihen.

  5. Lösen liesse es sich mit einer Herstellerabgabe auf Garne und Stoffe, weil damit geschützte Muster und Schnitte gestrickt, gehäkelt, genäht, geklöppelt werden könnten. Das Geld wird an Karl Lagerfeld, Jette Joop, Harald Glööckler usw. ausgeschüttet.
    Anleitungen und Schnittmuster für nur privat zu tragende Kleidung, also nicht beruflich oder öffentlich, werden unter CC-Lizenz veröffentlicht.
    Für die Wahrung der Schnittmusterrechte wird ein Instanz namens NÄMA eingerichtet.
    Schnittmustergeschützte geschneiderte Kleidung darf für den Privatgebrauch von weiteren 6 Familienmitgliedern oder sehr sehr engen Freunden getragen werden.
    Illegale Tauschkränzchen wie Ravelry.com werden von Handarbeits-Kanzleien überwacht und ggf. abgenäht.
    Nimmt das Raubnähen und Guerillastricken überhand, schliessen sich Designer, der Otto-Katalog, H&M und andere Betroffene zusammen und lancieren einen öffentlichen Brief im Handarbeitsblatt.

    1. Ravelry kann man jetzt aber nich nur als Tauschkränzchen bezeichnen *hüstel* hier gibt es genauso viele Anleitungen die was kosten. Ausgetauscht werden eher Tips und Hilfestellungen etc. ;-)

    2. Es wäre wirklich spannend zu sehen wie ein handgestrickter Schal mit einem Kataklog an AGB und Rechtshinweisen aussieht. So kann dann auch die Etiketten-Industrie noch was dabei rausholen.

      Vielleicht sollte man auch einfach den Kauf von Handarbeitsmaterial erschwerden – z.B. durch eine Abgabemengenbegrenzung oder einer zusätzlichen Steuer.
      Dann wird sich das irgendwann bestimmt von selbst erledigen.

    1. kiffende angie schreibt:

      fuer nicht-„smart“-phone besitzer oder aehnlicher geraete gibts auch decode von bilderdateien und urlhinterlegten daten auch im web

      http://zxing.org/w/decode?u=http%3A%2F%2Fwww.heise.de%2Fct%2Fschlagseite%2F2010%2F21%2Fgross.jpg&full=true

      result:
      Decode Succeeded

      Raw text Angela Merkel zieht sich abends ganz gerne mal ne Tuete rein.
      Raw bytes 43 d4 16 e6 76 56 c6 12 04 d6 57 26 b6 56 c2 07 a6 96 56 87 42 07 36 96 36 82 06 16 26 56 e6 47 32 06 76 16 e7 a2 06 76 57 26 e6 52 06 d6 16 c2 06 e6 52 05 47 56 57 46 52 07 26 56 96 e2 e0 ec 11 ec 11 ec 11 ec 11 ec 11 ec 11 ec 11 ec 11 ec 11 ec 11 ec 11 ec 11 ec
      Barcode format QR_CODE
      Parsed Result Type TEXT
      Parsed Result Angela Merkel zieht sich abends ganz gerne mal ne Tuete rein.

  6. Meines Wissens nach, war wohl nicht das Problem, dass Fans nachgestrickt haben, sondern dass Geschäfte Kits angeboten haben. Also Anleitungen erstellt und zusammen mit der passenden Wolle verkauft haben und damit das Ganze kommerzialisiert haben.

  7. In der Tat geht es in solchen Fällen so gut wie nie um das Urheberrecht, weil regelmäßig stattdessen das Geschmacks- bzw das Gebrauchsmusterrecht anzuwenden ist…

  8. ^^– sTRickMUsTer==MaFiA-/// meets SChnittMusterGängsta.
    Nein im ernst, leider werden erfolgreiche Modelle des Gemeinguts und des diversen Austausch von Ideen, Formen und Farben, von Kapitalistenschw* occupiert, spricht eingehegt und in Urheberrechts und Patentstreitigkeiten gezogen.

    Ich warte schon auf den Tag, das man z.B. „Pichelsteiner Eintopf“ nur noch mit gehnehmigung Kochen darf, weil BMW oder eine Fondgesellschaft die Rechte an 1. dem Namen 2. an dem Rezept hat. Restaurant müssen dan neben GEMA auf Musik noch für Rezepte GEMA-gebühren und Lizenzgebühren etc. bezahlen.

    reclaim the Allmende sag ich nur.

  9. Darf ich als weiteres Beispiel den unglaublich unverschämten Brief benennen, den das USOC (bzw. deren Anwälte) an die Gründer von Ravelry geschrieben hat, als es spitzbekommen hat, dass parallel zu den Olympischen Spielen die Ravellenic Games stattfanden (die sich eigentlich immer als Support für Olympia verstanden …)?

    Sogar in dem US-Städtchen Olympia (!!!) wurden sämtliche Geschäfte und Hotel-/Gastronomiebetriebe vom USOC erfolgreich gezwungen, den Namensteil „Olympic“ zu streichen bzw. zu ersetzen. Und das alles nur, damit die Sponsoren weiter fette Gelder zahlen, um eben diesen Namensteil (oder die Ringe oder gottweißwas noch, was irgendwie mit den Spielen in Bezug steht) nutzen zu dürfen. DAS ist doch echt krank, oder?

  10. Hier auch etwas „lustiges“ zum Thema Urheberrecht „streit“

    Urheberrechtsstreit im Auenland
    Frühmenschen dürfen keine «Hobbits» sein
    „Die Nachlassverwalter des Fantasy-Autors J. R. R. Tolkien haben einem neuseeländischen Forscher verboten, das Wort «Hobbit» in einer Vorlesung zu nutzen. Ob Tolkien das Wort überhaupt erfunden hat, ist aber umstritten.“

    http://www.nzz.ch/aktuell/panorama/unerlaubte-verwendung-von-hobbits-1.17746601

  11. Mal andersrum gesehen: Wenn die Damen schon soviel Wert auf ein abstruses Urheberrecht für strickmuster legen, ist das ganze dann nicht unter dem Thema Schleichwerbung interessant? Nur mal so gedacht…..;-)

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