Kultur

PR-Desaster bei Shell

Shell kündigt Ölbohrungen in der Arktis an – und schlittert in PR-Fiasko


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Alles begann mit einem Video auf Youtube: Ein Handymitschnitt von einem PR-Event von Shell auf der Space Needle in Seattle geht mächtig in die Hose. Das Video machte als #ShellFAIL die Runde und wurde in kürzester Zeit 500’000 mal angesehen.

Journalisten, die darüber berichten wollten, bekamen daraufhin eine E-Mail, die das Video für einen Hoax erklärte und sie auf eine neue Webseite des Shell-Konzerns verwies, auf dem dieser seine Arktis Pläne genauer beschreibt: arcticready.com. Auf der Webseite, die der globalen Shell-Internetpräsenz sehr stark nachempfunden ist, kann man sich, ganz im Stile der Social-Media, sein eigenes Shell Werbebanner zusammenklicken. Die Texte auf der Webseite und die Werbebanner sollten einen allerdings stutzig machen:

That’s why we at Shell are committed to not only recognize the challenges that climate change brings, but to take advantage of its tremendous opportunities. And what’s the biggest opportunity we’ve got today? The melting Arctic.

Kurze Zeit später nahm sich das Shell Social Media Team via Twitter @shellisprepared dem Problem an und schrieb viele Twitter-Nutzer mit Sätzen wie diesem an:

Our team is working overtime to remove inappropriate ads. Please stop sharing them

Alles Fake – The Yes Men lassen grüßen

Das alles war Teil des Hoax, der von Greenpeace, The Yes Men und Occupy Seattle organisiert worden war. Reihenweise fielen Medien und Blogs darauf herein und berichteten über die Machenschaften von Shell.

Um ganz sicher zu gehen, distanzierte sich Shell auch offiziell von allem. Von ihren Plänen in der Arktis nahmen sie leider keinen Abstand…

Just in case there is any remaining doubt, Shell did not host, nor participate in an event at the Space Needle. The video does not involve Shell or any of its employees. The advertising contest is not associated with Shell, and neither is the site it’s on. And Shell did not file legal action in this matter.

32 Kommentare
  1. „PR-Desaster bei Shell“ als Titel ist albern. Shell selbst hat ja kommunikativ nichts falsch gemacht, sondern wurde Opfer einer Greenpeace-Kampagne.

    Wie wäre in diesem Blog denn die Reaktion, wenn es genau anders herum liefe? Wenn Shell Greenpeace mit so einer Fake-Aktion bloß stellte? Wäre das dann ein „PRßDesaster“ für Greenpeace? Wirklich? Gelegenheit gäbe es ja genug.

    Nichts gegen Kritik an den Arktisplänen von Shell, aber Wahrhaftigkeit muss immer gewahrt bleiben. Die gefühlte Greenpeace-Wahrheit ist mir durch und durch unsympathisch. Wahrhaftigkeit ist gerade bei Netzpolitik kein Wert an sich, sondern bestenfalls opportunistisch gebrauchtes Mittel zum Zweck.

    1. @Daniel:

      Vor allem handelt es sich ja eher um ein Desaster für die Medien, die auf so etwas hereinfallen. Das Journalisten und Medien ein Interesse dies nicht als eigene Blamage, sondern als die Blamage desjenigen darzustellen, der Opfer einer gefälschten Kampagne in seinem Namen wurde, ist schon klar. Sollte man aber nicht drauf reinfallen.

    2. Die Überschrift soll bewusst in die irre führen und den Hoax reproduzieren. Dieser wird im Verlauf des Artikels erst nach und nach aufgedeckt. Würde in der Überschrift Hoax stehen, würde der Artikel nicht funktionieren…
      Für die PR-Abteilung dürfte die Aktion sogar ein „Unglück mit verhängnisvollen Folgen“ (Desaster) gewesen sein – allerdings wird hier, wie schon beschrieben, bewusst der Eindruck erweckt es wäre ein Faux Pas seitens Shell, um die Story nacherzählen zu können.

    1. Wieso ein Desaster für Shell? In fremdem Namen Unsinn zu verbreiten ist leicht. Dies dann auch noch als gerechtfertigtes Desaster für denjenigen zu betrachten, der Opfer gefälschter Äußerungen in seinem Namen wurde ist albern.

      WIe würden Sie sich fühlen, wenn jemand anderes in ihrem Namen – sagen wir – rechtsradikale Parolen verbreiten würde? Eine Blamage für Sie? Sind Sie dann der Depp? Was hätten Sie machen sollen?

      Es ist angenehm sich als Aktivist auf „der Seite des Guten“ zu sehen, oder? Da muss man ja seine Handlungen nicht mehr hinterfragen.

      Nicht das man mich missversteht: Das Problem ist nicht die Fake-Kampagne selber, zumindest nicht bei einem internationalen Großkonzern. Der muss, im Gegensatz zu Privatpersonen, schon einiges aushalten können. Bedenklich stimmt mich die Arroganz, die auf eine solche Aktion von Seiten der Aktivisten und Unterstützern der Aktivisten aufblüht, und die Mentalität, die eine solche Arroganz auch noch als gerechtfertigt ansieht.

      1. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Greenpeace und Co einen genialen Marketing-Schachzug gemacht hat.

        Zuerst fallen alle Blogger und Content-Agenturen darauf herein und veröffentlichen „kostenlos“ Artikel und kurbeln dadurch die Plattform noch weiter an, die sich durch die originellen Sprüche sowieso schon selbständig verbreitet.

        Ich bin gespannt wie Shell, als grosser Konzern, auf diese Massnahme der Aktivisten reagiert. Ich hoffe überlegt.

        Natürlich ist es nicht korrekt was die „Aktivisten“ machen, doch es zeigt einmal mehr die Kraft der sozialen Medien und deren Nutzer die das ganze viral verbreiten. Greenpeace hat die Tools gekonnt genutzt und gekonnt darauf aufmerksam gemacht, was Shell klangheimlich umsetzen wollte.

      2. Natürlich ist die Kampagne ein Desaster (=“Unglück mit verhängnisvollen Folgen”, siehe Moritz Beitrag weiter oben) für Shell.
        Zum Einen werden nämlich deutlich weniger weniger Menschen die Auflösung der ganzen Sache erfahren, zum Anderen muss Shell sich jetzt doppelt ins Zeug legen, den Vertrauensverlust in die Marke zu neutralisieren.

    2. @Librarian:

      Aber wo ist der Wert hinter einer Diffamierungskampagne? Im fremden Namen unsinn verbreiten ist eigentlich keine Kunst.

      Oder ist es gar nicht als Argument, sondern als Kampfmittelg gemeint? Shell und Greenpeace als Kriegsparteien? Stillisiert man sich bei Greenpeace tatsächlich so soch und hält sich für so moralisch Einwandsfrei, dass der Zweck die Mittel heiligt?

  2. Die Kampagne ist schlecht. Es gibt ja so viel echtes, über das man sich aufregen muss. Da etwas zu inszenieren, das ist einfach nicht hilfreich, und es bringt die Verursacher eher in Misskredit. Vor allem macht Shell ja eine verdammt gute Figur.

  3. Wo ist jetzt das Desaster?
    Ein Hoax/Fake und ein unternehmen das darauf per Hinweis reagiert.

    Könnte ja sein das es einem Blog welches sich mit Internet, Social Media und der weltweiten Vernetzung beschäftigt nicht bekannt ist, aber solche Fake Accounts sind heute normal. Und jeder internetnutzer kennt mindestens einen Hoax.

    Also beruhigt euch und nehmt etwas Nachhilfe.
    Shell hat souverän und angemessen reagiert.
    Das einzige Desaster sehe ich bei der. Berichterstattung dieses Blogs.

    1. Das Desaster für Shell ist, dass die still und heimlich in der Arktis bohren wollten und jetzt die Welt genau hinsieht. Das dürfte die Kosten in die Höhe treiben, da man jetzt besonders auf Sicherheit achten muss ;) und vielleicht lohnt es sich nicht mehr da zu bohren ;)

    2. Sehe ich genauso, die Kampagne zeigt eindrucksvoll wie man virales Marketing nutzen kann. Aber hier das PR Desaster bei Shell zu sehen ist wirklich fraglich.
      Es ist ein Desaster für Shell, ja! Aber keines der PR Abteilung.

  4. Klingt eher nach einem Desaster für jene „Medien und Blogs“, die völlig unreflektiert darüber berichtet haben.

    Shells Reaktion (einfaches schriftliches Statement anstatt eine Horde Anwälte loszuschicken) ist durchaus schlau, da sie die Aufmerksamkeit für die Aktion nicht unnötig verlängert.

    1. 1) Es ist nicht Null-Öl, doch ich habe bewusst kein Auto, sondern ein Rad, und beim Umzug die Bude in Fußnähe zur Arbeitsstätte gesucht. Einfach ‚mal ausprobieren, wenn möglich: es könnte die Lebensqualität enorm steigern.
      2) Doch. Auch Autonutzer dürften sich über Naturzerstörung aufregen, natürlich.
      3) Diese erwähnte Kampagne freilich finde ich ein bisschen esoterisch/ in den eigenen Zirkeln verbleibend/ auf die eigenen Schenkel klopfend.

  5. Ist doch echt interesant wie schnell hier die Aktion von den Nutzern hier in frage gestellt wird. Man könnte ja glauben dass da hinter System oder sogar ein Marktwirtschaftliches Modell steht?

    Neben aller berechtigten Kritik an solchen PR Aktionen der Aktivisten und der Medien/Blogs, es ist auffällig wenn hier nur noch probiert wird über den ja ach so peinlichem Blog-Beitrag zu reden. Sollte das doch irgendwie durch eine PR-Agentur veranlasst sein kann ich nur sagen: „Duschgefallen, 6 Setzen“.

    Zur Sache selbst kann ich nur soviel sagen. Ich bin kein freund von Hoaxes. Ich finde es nicht OK wenn Tatsachen verdreht werden und insbesondere wenn man sich als jemand ausgibt der man nicht ist. Natürlich weiß ich das es hier nur um Aufmerksamkeit geht und dieses Ziel ist erreicht worden. Dennoch steht zu bezweifeln das die Aufmerksamkeit andauert, da der Hoax ja nun erkannt wurde und nur noch über ihn geredet wird. Die eigentliche Sachlage ist nun nicht mehr im Fokus.

    1. Und nach einer gewissen Zeit die Abschottungsreaktion:

      Wir sind die Guten (die Aktivisten), wer uns kritisiert muss böse sein, also von Lobbyisten geschmiert…

      Mit dieser Abschottungstaktik kann man natürlich jeden Unsinn verbreiten und Kritik ignorieren. Klappt auch bei Handystrahlenparanoikern. Zum Glück erhalten diese nicht so viel Unterstützung durch Journalisten.

      Es ist nun einmal billig, sein eigenes Desaster (nicht richtig nachgeforscht zu haben, wie man es von Medien erwartet) dann auf das Opfer gefäschter Äußerungen unter seinem Namen abzuwälzen. Egal wie sehr man sich als den Guten zugehörig fühlt, die jedes Recht haben jeden anderen (den Bösen) zum Zwecke des eigenen Zusammengehörigkeitsgefühls herablassend zu verhönen.

      Nicht nur Gier ist ein primitiver Instinkt, auch dieser Jagd- und Rudelinstinkt der Aktivisten ist es.

      1. Ja ja, Angriff ist halt besser als Verteidigung. Daher greif ruhig weiter alle an! Ich bleibe dabei das es auffällig ist. Da ich aber kein zugriff auf die logs des Servers habe unterstelle ich nichts, sondern stell lediglich fest dass solch ein verhalten üblich ist bei Agenturen für PR.

        Ich gebe aber auch zu bedenken dass so ein Verhalten auch bei Trolls üblich ist und frage mich daher ob ich genug Fisch habe.

        Zum Thema selber, also der Tatsache das Shell Ölförderungen im arktischem Umfeld vornimmt/vornehmen will nimmst du ja auch keine Stellung. Du schreist lieber das es ja ungehörig sei über diese Aktion auch nur zu berichten. Daher greif weiter an ODER werde mal sachlich.

    2. Hallo kognitive Dissonanz :)

      1) Verschwörungstheorien über kritische Stimmen gegen diese Kampagne erfinden
      2) Selbst kritisch der Kampagne gegenüberstehen

      Finde den Fehler.

      @Topic: Vor der Kampagne hat doch schon kaum jemand was Gutes über Shell sagen können…Jetzt können die Befürworter kritische Stimmen abwehren, in dem sie auf den Hoax hinweisen. Gewinn für die gute Sache?

  6. PR-Disaster vor allem für alle Medien und Blogs, die darauf reingefallen sind.

    Kleines Disaster für Shell (sicher kein PR-Disaster!), weil die Aufmerksamkeit für ihre umstrittenen Projekte jetzt geweckt wurde.

    Kleines Disaster wegen der falschen und reißerischen Überschrift hier bei Netzpolitik.

    Ganz und gar kein Disaster für die PR-Abteilung von Shell, die unaufgeregt reagiert hat und anscheinend recht gute Schadensbegrenzung betreibt.

    1. Aber bitte, Hansbert, wer solche Vergleiche zieht muss von der Ölindustrie geschmiert sein. Da wäre da ja was ganz anderes, da würde es ja unser Rudel treffen, auch bekannt als „Die Guten“ TM.

      Aktionen wie die gegen Shell dienen dagegen der guten Sache, dem Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb unseres Rudels (unser offizieller Name lautet übrigens – habe ich es schon erwähnt? – „Die Guten“ TM). Auch wir haben halt animalische Bedürfnisse, wie sich überlegen fühlen zu können und Erfolg zu haben, den anderen abzuwerten und sich selber damit aufzuwerten.

      Wie eine Katze, die eine andere aus dem Hinterhalt angreift, um ihren Rang zu erhöhen. Und wer hat schon etwas gegen süße Kätzchen, besonders wenn es die eigenen sind?

      1. Troll dich wo anders oder geh inhaltlich auf meinen Beitrag ein!

        Es gibt auch noch Leute in diesem Land, die mit sehenden Augen durch die Welt gehen, und denen „alle Konzerne sind böse“ dann doch etwas zu einseitig und zu undifferenziert ist.

  7. Ein weiteres Beispiel dafür, dass man Greenpeace nie trauen sollte. Lügen für die eigenen Ziele ist dort mittlerweile der Standard, von dem man bei Greenpeace erst mal ausgehen sollte.

  8. Ehrlich gesagt halte ich diese Werbung für einen #Win für Shell.

    Sie haben breitbandig nun die Konkurrenz aus den Medien raus. Alle „schlechten“ Berichte der nächsten Zeit können auf die Greenpeace Aktion abgewiegelt werden und das Beste: Sie mussten dafür nichts tun.

    Social Media mäßig war das sicherlich ein tolles Ding, aber auch nicht mehr.
    Was den Menschen hängen bleiben wird ist das es „Horrorberichte“ gab über Shell, diese aber als Unwahr aufgedeckt wurden.

    Ich wäre an Shells stelle jedenfalls nicht undankbar für diese Aktion ;) – Psychologisch wird hängen bleiben: Shell schadet der Umwelt nicht ;)

  9. Das zeigt wieder einmal mehr, dass Greenpeace als eine weltweit fungierende NGO nicht unterschätzt werden sollte. Vielleicht war das eine Lehre für die Medien beziehungsweise für uns alle, dass in Zukunft kritischer und reflektierter mit solchen Beiträgen umgegangen wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.