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OpenStreetMap: Lizenzänderung könnte Lücke reißen

Am 1. April 2012 wird das Projekt OpenStreetMap die Lizenz ändern. Damit dies passieren kann, holte man die Zustimmung einer großen Mehrheit der Mapper ein – doch noch immer fehlen viele Einwilligungen, was dazu führen könnte, dass bei der Lizenzumstellung Bestandteile gelöscht werden müssen. Die genauen Details sind leider teilweise noch unklar. Ein Überblick darüber, welche Fälle unproblematisch sind, findet sich im Wiki. Eine Verlängerung der Frist gilt als unwahrscheinlich, die Foundation wird wohl am Zeitplan festhalten.


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Die bisherige Lizenz – Creative Commons BY-SA – hat sich als nicht geeignet für den Anwendungszweck herausgestellt. Deswegen soll die für Datenbanken konzipierte Open Data Commons Open Database License (ODbL) genutzt werden.

Die große Mehrheit der aktivsten Beitragenden hat der Umstellung zwar zugestimmt, doch je geringer die Beitragszahl (und damit wohl auch die Communityanbindung und damit das Wissen um den Vorgang), desto geringer ist die Zustimmungsrate. Auch wer nur wenige Korrekturen gemacht hat, ist daher aufgerufen, der Lizenzumstellung zuzustimmen. Vor allem in Polen und Montenegro, aber auch in Teilen Deutschlands wird sonst ein Teil des Datenwerks verloren gehen.

In einem ähnlichen Fall hat vor einigen Jahren die Wikipedia-Community die Erfahrung gemacht, dass die ursprüngliche Lizenz suboptimal ist; die Lizenzierung wurde in einem nicht ganz unkomplizierten Prozess umgestellt. Wie diese Beispiele zeigen, sollten sich neue Projekte zur Generierung freier Inhalte möglichst früh möglichst viele Gedanken darüber machen, was die verwendete Lizenz leisten soll und welche Fallstricke sie bereit halten könnte.

OpenStreetMap wird unterdessen in immer mehr Dienste eingebunden. Auch auf Grund der Änderung der Nutzungsbedingungen von Google Maps, das für besonders viel genutzte Angebote kostenpflichtig wird, haben u.a. Foursquare und Apple (interessanter Weise mit fehlender Urheber-Nennung) OSM in Produkte eingebunden.

22 Kommentare
  1. Also ich verstehe nicht wie man nur so doof sein kann bei einem solchen Projekt mitzumachen.

    Wenn die Karten erst mal gut genug sind dann kommen Google, Apple, Microsoft die Navi hersteller und verwenden das für ihre Zwecke und machen damit millionen wenn nicht milliarden an Profit während die Mapper leer ausgehen. Wie man nur so *Piep* sein kann für gratis für die kapitalistischen Großkonzerne zu arbeiten kapier ich nicht.

    Das gleiche bei freier Software, warum solle ich BSD entwickeln wenn es dann Apple zu Milliardenprofiten verhilt ? Oder Linux mit dem dann Google und Facebook kostenlos seine Rechenzentren betreien können wärhend die Idealistischen Entwickler von den Einnahmen nichts sehen ?

    Nö, das lass ich lieber bleiben obwohl ich Zeit massig hätte. Gratis für die Kapitalisten arbeiten ick bin doch net blöde…

    Also versteht mich nicht falsch, ich würde so ein Projekt schon liebend gerne unterstützen aber nur dann wenn es unter einer non Commercial Lizenz läuft welche die Kommerz Kacker fern hält bzw diesen den Zurgriff nur gegen Geld erlaubt welches dann unter der Community aufgeteilt wird. Wer für die Kapitalisen arbeitet sollte dafür einen gerechten Lohn einfordern alles andere ist doch selbstausbeutung.

    1. Anarcho Kommunist? Tut mir Leid, aber das hört sich sehr nach „Leistung muss sich wieder lohnen.“ an.
      Der Trick bei open-source ist ganz einfach: Eben, weil es kostenlos ist, macht es wenig Sinn den selben Inhalt gegen Bezahlung anzubieten. Wenn man also open-source (& creative commons, open hardware, open data, und was es alles gibt) konsequent weiterführt landet man irgendwann da, dass fast alles kostenlos und frei ist.
      Und das ist dann Anarchie.

    2. Irgendwie kapierst du es nicht, oder? Ich mache bei Openstreetmap mit, weil ich die Karten für mich brauche und ich sie bei OSM so bekomme, wie ich sie auch haben will.

      Wenn andere die Karten nehmen, schön und gut. Sie sind aber nicht in der Lage, sie aktuell zu halten. Microsoft stellt Openstreetmap Luftbilder zur Verfügung, gibt also etwas zurück, damit die Karten aktuell bleiben können.

      Ich dagegen kann OSM-Karten auf meinen Websites einbinden, ohne Abmahnungen zu riskieren, die ein Mehrfaches meines frei verfügbaren Monatseinkommens ausmachen. Und ich kann sie einbinden, wie ich es will, auch statisch als Graphik, vollkommen gebührenfrei.

      Das ist der Unterschied von OSM zu Google Map Maker: Dort gehören die Daten nur Google. Bei OSM gehören sie allen.

      Das ist ein fairer Deal.

    3. Zustimmung mit Sven.
      Da ist der Herr Anarcho Kommunist doch wohl ein wenig neidisch auf die Vertreter des Kapitals, braucht diese scheinbar für seinen Protest, hat also seine heimliche Bewunderung und Abhängigkeit für diese Klasse noch nicht überwunden.
      Es sind gerade Geschäftsmodelle, die durch solche Projekte ermöglicht werden. Die freien Daten bieten tatsächlich auch neue Gelegenheiten, um Geld zu verdienen. Das sind häufig gerade kleinere, sehr engagierte kleine Projekte und die Leute dahinter, die sich so ein neues Geschäftsfeld erschließen. Wer da so redet wie du ist. der hat das nicht verstanden. Was hier zählt ist die Idee, da ist es niemandem zu verdenken, wenn er damit Geld verdient.
      Also schlaf schön weiter in deiner Entfremdung.

    4. Auch Google entwickelt an Linux mit und Apple auch an BSD. So arbeit z. B. der Hauptentwickler von CUPS (drucken unter Mac und Linux) bei Apple. Dass Linux von Freiwilligen entwickelt wird ist auch nicht korrekt, der meiste Code wird heute von großen Konzernen wie Google, Red Hat oder Intel beigetragen.

      Die Idee ist nämlich eine Community aufzubauen die das Projekt trägt und an der sich alle beteiligen können, vom Individuum bis zum Megakonzern. Der Ausschluss kommerzieller Nutzung würde auch vielen Projekten schaden, da dann wichtige Community Mitglieder wegfallen würden.

    5. Mit deinem puren Hass auf den Kapitalismus solltest du dich wirklich besser aus allen Projekten heraushalten.

      Leute wie du machen in der Regel nur Ärger und kriegen außer Stammtischparolen nichts auf die Reihe.

    1. Nicht nur, dass die CC-Lizenz ungeeignet ist, sondern wahrscheinlich sogar für Datenbank ganz und gar ungültig.
      Somit ist eine Umstellung laut der OSM Foundation rechtlich notwendig, da sonst keine der Werke (wie die gerenderte Karte selber) legal wäre.
      Und das ist definitiv schlimmer, als nun ein „Loch in die Karte“ zu reißen, was gestopft werden kann.

      1. @Hanswurst: Die CCPL ist nicht ungeeignet für Daten, sondern enthält einen kompletten Verzicht auf das (von EU-Technokraten erdachte) sog. „Sui generis Datenbankenrecht“, siehe §§ 87b ff. Urheberrechtsgesetz. Zwar hat sich gezeigt, dass dieses Leistungsschutzrecht für Datenbankenhersteller Innovationen und neue Nutzungsformen eher bremst (das ist alles in den USA entstanden, wo es dieses Recht nicht gibt), aber dennoch denken viele bei der OSM Foundation, dass es besser wäre, sich dieses Recht irgendwie vorzubehalten. Das soll Google oder andere davon abhalten, OSM-Daten einfach so zu übernehmen. In Wirklichkeit geht es also um eine „gefühlte Angst“ vor Big Business. Dafür wurde nun extra für OSM die ODbL entwickelt, die _sehr_ viele Fallstricke enthält. Ich bin gespannt, ob sich die OSM Community da wirklich einen Gefallen tut. In jedem Falle macht sie das schwachsinnige Datenbankenrecht über die Verwendung der ODbL salonfähig.

    2. Es gibt unter anderem hier eine Betrachtung der Hintergründe: http://www.osmfoundation.org/wiki/License/Why_CC_BY-SA_is_Unsuitable

      Vor allem bestehen also Bedenken, ob sich die CC BY-SA auf Datenbanken wirksam anwenden lässt. Auch ihre Share-Alike-Bestimmung ist unbefriedigend, denn CC BY-SA ist zwar eine freie Lizenz, aber keine Open-Source-Lizenz: Man muss nur das Endprodukt unter dieser Lizenz freigeben – das ist so, als ob man beim Ändern eines GPL-Programms Nutzern zwar die kostenlose Verwendung und Weiterverbreitung gestatten müsste, aber den Quellcode unter Verschluss halten könnte. Die ODbL verlangt dagegen gezielt eine Freigabe veränderter Versionen der Datenbank, so dass Verbesserungen an den Daten zu OSM zurückfließen können.

      Daneben werden mit dem Lizenzwechsel noch einige weitere Probleme angegangen. So hätte man bei der bisherigen Lizenzregelung streng genommen (wirklich so gemacht wurde das aus nachvollziehbaren Gründen nie) die Namen aller Beitragenden aufzählen müssen, wenn man eine OSM-Karte weiterverbreitet. Das ist bei einem künstlerischen Werk von einigen wenigen Autoren ok, aber steht bei einer Datenbank mit hunderttausenden Beitragenden dem Ziel entgegen, dass OSM für jeden leicht nutzbar sein soll.

  2. Die Lizenzänderung dürfte auch eine ganze Reihe postitiver Effekte haben.
    Derzeit darf man z.B. keine NC lizensierten Höhendaten (ASTER, CGIAR-SRTM,…) mit OSM Daten mischen.

    Mit der neuen Lizenz wird das gehen

    Gruss

    Sven aka giggls@osm

  3. Anarcho-Kommunist schrieb:

    “Also ich verstehe nicht wie man nur so doof sein kann bei einem solchen Projekt mitzumachen.”

    Wer schon fragen muss, wird es niemals verstehen.

  4. Ich habe die neuen Bedingungen abgelehnt. Denn es würde eine Verschlechterung meiner Rechtsstellung hinsichtlich der Durchsetzung meiner Rechte bedeuten, wenn nun ein Dritter zwischen mich und den/die Verwender tritt. Das hätte man vielleicht klären können, aber die Befürworter der Lizenzumstellung sind erst spät und soweit ich sehe auch erst auf Druck der Skeptiker darauf eingegangen, einen Dialog mit uns Beitragenden, also den Urhebern, einzugehen. Es kam mir halbherzig vor; zu diesem Zeitpunkt waren die wichtigen Entscheidungen schon gefasst und die dazwischenliegenden ca. 1,5 Jahre Ungewissheit haben bei mir ohnehin dazu geführt, kaum noch etwas zu OSM beizutragen. Ich empfand den Dialog auch nicht als gleichberechtigt; die Befürworter haben lange ihre Möglichkeit ausgenutzt, die einzelnen Beitragenden mit den allein von ihnen formulierten Informationen und Bitten um Lizenzzustimmung zu beeinflussen. Vieles was da an Argumenten vorgebracht wurde war nicht schlüssig, nicht zwingend und aus rechtlicher Sicht auch nicht sinnvoll. Auch diese fehlende Fairness hat mich darin bestärkt, im Projekt nicht wieder aktiv zu werden. Ich werde jetzt nur noch darauf achten, dass die von mir beigesteuerten Inhalte nicht entgegen der Lizenz, unter der ich ihre Verwendung genehmigt habe, verwendet werden. Schade eigentlich, die Idee hinter OSM war eigentlich super. Vielleicht macht ja irgendwer einen Fork unter der bisherigen Lizenz, dann würde ich es mir auch nochmal überlegen.

    1. kannst du deine vorbehalte etwas detaillierter erklären?

      ich kann mir nicht richtig vorstellen was so fundamental problematisch sein kann, beim wechsel von einer freien zu einer anderen freien lizenz .
      es wäre lehrreich wenn du das etwas umreissen könntest.

      1. Du scheinst von der gleichen – verkürzten – Sichtweise auszugehen wie die meisten der an der Lizenzumstellung Beteiligten: der Sicht der Verwender. Für die Verwender ist es ziemlich egal, unter welcher der freien Lizenzen sie die von uns zusammengetragenen Daten verwenden. Aber für mich als einer derer, die diese Daten zur Verfügung gestellt haben, ergeben sich durch die Umstellung Probleme und Unsicherheiten z.B. in dem Fall, dass jemand Karten, an denen ich beteiligt war, lizenzwidrig verwendet werden (was leider recht oft vorkommt, meist durch Verwendung ohne Nennung der Lizenz oder der Urheber): Derzeit gibt es nur zwei Beteiligte: mich und den Verwender. Ich kann mich bei Lizenzverletzungen direkt an den Verletzer wenden und ihn auffordern, entweder die lizenzwidrige Nutzung zu beenden oder aber die Daten lizenzkonform zu nutzen. Wenn jetzt noch die OSM Foundation dazwischentritt weiß ich nicht ohne Weiteres, unter welcher Lizenz sie meine Daten unterlizenziert hat. Wenn ich also jemanden auf eine lizenzwidrige Nutzung meiner Daten hinweise, ohne zu wissen, ob und unter welcher Lizenz die Daten von der Foundation unterlizenziert wurden, tätige ich eventuell eine zumindest in teilen unberechtigte Schutzwarnung und setze mich damit der Gefahr aus, dass der darauf Hingewiesene nun seinerseits mich auf Unterlassung in Anspruch nimmt. Wenn ich das Risiko vermeiden will, müsste ich nach dem neuen Lizenzierungsmodell nun nicht nur den Verletzer kontaktieren (was schon nerven- und zeitaufwändig genug ist), sondern jedes Mal auch die Foundation, um abzuklären, welche Lizenzierung vorliegt. Wer soll das noch bewältigen? Warum sollte ich einem Lizenzmodell zustimmen, dass für mich entweder größeres Risiko, oder aber mehr Arbeits- und Zeitaufwand bedeutet? Und ob der Lizenzwechsel für mich einen anderweitigen Zuwachs an Rechtssicherheit mit sich bringt, der das aufwiegen könnte, ist nicht mal klar. Leider hat die Community bzw. haben die administrativ Zuständigen es versäumt, von Anfang an einen echten Dialog mit uns Beitragenden zu führen, sonst hätte man das sicherlich noch klären können.
        Ob also die Daten unter der bisherigen freien Lizenz stehen oder unter die neue freie Lizenz gestellt werden mag für Verwender in der Tat egal und – wovon du ja auszugehen scheinst – unproblematisch sein, für mich ist das dagegen mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.

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