Der Internet-Anbieter Kabel Deutschland greift in den Traffic seiner Kunden ein und drosselt bestimmte „Anwendungen“. Darunter fällt jedoch nicht nur BitTorrent, sondern auch Sharehoster und Usenet. Einen Eingriff in Speedtests dementiert der Konzern.
Blogger und CCC-Hacker Felix von Leitner beobachtete gestern komisches Shaping seines Kabel Deutschland Netzes:
Nun soll ja das Shaping angeblich nur Bittorrent betreffen und erst ab 10 GB/Tag für den jeweiligen Rest des Tages, das trifft bei mir beides nicht zu.
Das ist nicht ganz richtig. In den AGB (deren relevanten Teil wir hier mal aus dem PDF befreit haben), definiert man die Begrenzung der Übertragunsgeschwindigkeit als „Qualitätssicherungsmaßnahme“. Das macht man zwar „ausschließlich für File-Sharing-Anwendungen“, aber darunter versteht man „z.B. Peer-to-Peer, One-Click-Hoster und Net-News“. Das kann also auch HTTP sein. Eine genaue Auflistung der Protokolle oder Merkmale will man uns aber nicht geben. Nicht nur verletzt man die Netzneutralität, man verweigert den Kunden auch noch die Transparenz, wie.
In den AGB steht auch, dass man das bei „mehr als 10 GB … Gesamtdatenvolumen … an einem Kalendertag“ mache. Derzeit liege diese Grenze jedoch noch höher:
Derzeit wird diese Regelung für File-Sharing erst ab Erreichen eines Gesamtdatenvolumens von 60 GB pro Tag durchgeführt. Um die Servicequalität für den Großteil der Nutzer langfristig auf hohem Niveau zu halten, behält sich Kabel Deutschland vor, die aktuelle Regelung bei File-Sharing ab 10 GB durchzuführen.
Aktuell sind so bei Kabel Deutschland nur ca. 0,1 Prozent der Kunden von den beschriebenen Maßnahmen bei File-Sharing-Anwendungen betroffen. Im Gegenzug profitieren ca. 99,9 Prozent der Kunden von einer hohen Servicequalität und ‑sicherheit.
Diese Beobachtung von Fefe und Stefan Esser kann man nicht nachvollziehen:
Für mich sieht das aus, als sei Stand der Technik bei ISPs, dass sie Speedtests in ihrer Infrastruktur erkennen, und dann den jeweiligen User „freischalten“ bzw in einem Shared Medium höher priorisieren, solange der Speedtest läuft.
Kabel Deutschland verneint:
Generell nimmt Kabel Deutschland keine Unterscheidung bei Speedtests vor. D.h. Kabel Deutschland behandelt den durch den Speedtest erzeugten Datenverkehr genau so wie jeden anderen Datenverkehr. Es findet an dieser Stelle keine Bevorzugung oder Priorisierung statt. Ebenso greift Kabel Deutschland nicht in Speedtests ein oder ändert deren Bandbreite oder Ergebnisse. Wir haben das beschriebene Szenario im angesprochenen Blog geprüft und selbst getestet und können die Aussagen darin nicht nachvollziehen.
Vielleicht sollte Fefe mal seine Firewall updaten :)
Auch Speedtests hängen von unterschiedlichen Faktoren ab und können an einem Anschluss unterschiedliche Ergebnisse anzeigen. Dazu gehört die Tageszeit, wann der Speedtest durchgeführt wurde, die auf dem genutzten Rechner/PC installierte Software und Firewalls und ob der Speedtest am Rechner/PC oder direkt am Modem durchgeführt wurde.
Inzwischen hat das Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation seine Studie zu aktuellen Verletzungen der Netzneutralität in der EU veröffentlicht. Die Auftraggeberin Neelie Kroes fässt zusammen:
For the first time we know that at least 20%, and potentially up to half of EU mobile broadband users have contracts that allow their Internet service provider (ISP) to restrict services like VOIP (e.g. Skype) or peer-to-peer file sharing.
Around 20% of fixed operators (spread across virtually all EU member states) apply restrictions such as to limit peer-to-peer volumes at peak times. This can affect up to 95% of users in a country.
Und die Kollegen von Logbuch:Netzpolitik haben in ihrer heutigen Ausgabe darauf aufmerksam gemacht, dass die amerikanischen Provider unzufrieden mit den Netzneutralitäts-Regeln der FCC sind. In ihrer Klageschrift behaupten Verizon und MetroPCS, dass eine gesetzliche Netzneutralität ihre Grundrechte auf Meinungsfreiheit und Eigentum eingreift.
Update: Malte Spitz hat ein paar weitere Details von Kabel Deutschland erfahren.