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eBooks: Wer liest, der wird gelesen

Constanze Kurz hat in der FAZ nochmal zusammen geschrieben, was die unerwünschten Nebenwirkungen von vielen eBook-Systemen sind: Der gläserne Leser – Wer liest, der wird gelesen. Im Gegensatz zu einem gedruckten Buch kann bei eBook-Readern gespeichert werden, z.B. was man wann und wo wie lange liest:


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Wie wir lesen, verrät viel über unseren Lebensstil: Werden abends noch kurz ein paar Seiten gelesen, die halbe Nacht durchgeschmökert oder zu typischen Pendlerzeiten Kurzgeschichten im Nahverkehr genossen? Nicht nur über Vorlieben, sexuelle Präferenzen, familiäre Verhältnisse oder Profession, auch über Intelligenz, Sprachkenntnisse und Auffassungsgabe lassen sich Rückschlüsse ziehen. Und elektronische Bücher halten auch in Schule und Universitäten Einzug. Natürlich bieten die ersten Hersteller nun Werkzeuge an, mit denen das Leseverhalten elektronischer Unterrichtsmaterialien erfasst und ausgewertet wird. Und natürlich soll das primär der Optimierung des Lesestoffes dienen und nicht der Beobachtung der Schüler, Studenten und Forscher, sagen die Anbieter. Wie lange solche Versprechen halten, hat sich schon an anderen Beispielen erwiesen: Sobald die Daten vorliegen, werden sie auch in jeder denkbaren Weise genutzt.

Mal eine Frage an Leser zum Thema: Wenn ich ein eBook veröffentlichen will und eigentlich nur eine Infrastruktur benötige, wo der Verkauf drüber abgewickelt wird, wo geht man denn da hin (um auch möglichst viele Menschen zu erreichen und es nicht zu kompliziert zu machen)?

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35 Kommentare
  1. tipp: mal ne mail an cory doctorow schreiben. Der hat das thema wiederholt diskutiert und kennt sicher erfahrene kolleginnen und kollegen aus unterschiedlichen szenen.

    .~.

  2. Ich würd’s über Amazon abwickeln, da dürften zumindest viele Leser bequem erreicht werden. Vor allem das Bezahlen ist sehr bequem, wenn das Konto sowieso vorhanden ist.
    Außerdem können die Bücher über viele verschiedene Gerätetypen gelesen werden.

  3. Danke für den Hinweis, an so was habe ich noch gar nicht gedacht.
    Bei mir gibts also keinen Kindle zu Weihnachten – echt nicht.
    Da freut sich mein Bücherregal, darf es stehen bleiben.

  4. Finde ich toll, so können die Aufsichtspersonen an den Universitäten endlich kontrollieren ob die Studenten auch wie aufgetragen ihre Texte gelesen haben. Mehr Disziplin hat noch nie geschadet, deshalb ist mehr kontrolle immer gut.

  5. Naja nichts neues halt. Kundentracking wird gemacht so lange es nicht verboten wird. Büchereien haben übrigens auch Statistiken, wenn auch anonymisiert …

    Markus hat aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten:

    1) Dem Nutzer vertrauen und ihm die Wahl lassen. Da reicht eine normale Homepage und ein PDF mit CC und Hinweis, dass man sich über Geld freut aus. Löst bei mir meist eher einen geben wollen Impuls aus.

    2) Sich mit den Amazon und Apple herumschlagen und deren DRM nutzen. Nervt mich und ich nutze auch deren Hardware nicht. Ich als Kunde wäre dann nicht mehr dabei.

    Ich persönlich finde: „Buy now on paper or download pdf file for free and give me money if you like it“ am sympathischsten.

      1. Wenn du nen ordentlichen Reader hast, bringt PDF schon was ;) Ich hab ein 10″-Gerät mit Stift und kann in PDFs — weil’s ein starres Format ist — Anmerkungen malen, Texte unterstreichen, Notizen schreiben etc. Das geht mit ePub & Co. so in der Form nicht ;)

        Deshalb bitte ich quasi darum, jeweils ePub und PDF gleichzeitig zu veröffentlichen, dann kann man sich das ja je nach Anwendungszweck raussuchen. Selbst konvertieren … naja, geht, aber ist nie so schön wie von nem Grafiker in einem Verlag, der das sauber macht.

  6. Also ich finde ja dass man ruhig mal die Kirche im Dorf lassen sollte. Es ist zwar möglich, das Leseverhalten zu erfassen und auszuwerten, aber warum sollte ein Anbieter das tun abgesehen von personalisierter Werbung (wo mMn schon reicht zu wissen WAS man liest)? Das ist so typisch deutsch, man findet in jeder Suppe ein Haar. Wer so paranoid mit neuer Technologie umgeht, bremst den Fortschritt. Man kann E-Reader auch nutzen ohne sich mit einem Contentprovider zu verlinken (Calibre konvertiert alles). Ausserdem gibt es andere Baustellen beim E-Book die man angehen sollte sowie DRM oder (offene) Standards.

    1. @Chris: Ich mach mir ja fast noch eher Gedanken, bei welchen Sicherheitsbehörden solche Daten Begehrlichkeiten wecken, darauf zugreifen zu können.

      Ansonsten klar, eBooks befreien (z.B. mit Calibre) hilft gegen Überwachung und DRM-Gängelung.

      1. @Markus: Die Sicherheitsbehörden in den USA dürften schon eine Stufe früher Zugriff haben, bei Amazon z.B. . Ob und wie ich ein gekauftes Buch lese dürfte für die Behörden nicht so wichtig sein, wie die Tatsache, das ich vorhabe, es zu lesen. Wie das in Deutschland aussieht, weiss ich nicht.
        Und da gibt es ja auch schon öffentliche Sachen (Bewertung/Kritik und Wunschliste z.B.).
        Insofern denke ich auch, das ist eher was für die Verlage, Autoren und die Werbeindustrie.

  7. @Chris, Danke! Genau so ist das, sobald irgendwo verdacht geschöpft werden darf, dann ist man sofort der erste der losschreit. Hat sich die gute Frau darüber informiert, ob und welche Daten konkret dem Anbieter vorliegen? Was kann man denn genau über die Person die das Buch liest nachvollziehen? Es besteht in erster Linie garkeine Verbindung zu dem tatsächlichen Leser und man möchte diese auch garnicht herstellen. Es gibt keinen nennenswerten Markt für privatpersonen ausspionieren, bitte an dieser Stelle die Kirche im Dorf lassen.
    Man sollte einfach bei solchen Themen ganz klar auch von Anbieterseite offener kommunizieren auf welche Daten man Wert legt und wie die Anonymisierung dabei garantiert wird.

    1. Mensch, Mischa, keiner will dir was verbieten, du kannst dich von morgens bis abends tracken lassen. Aber schreib das nicht allen vor. Die Regelung sollte sein, dass du wählen kannst. Mehr schreibt Frau Kurz nicht. Ihr ist ohne Zweifel zuzustimmen.

  8. @Markus: Ja, die sogenannten Sicherheitsbehörden können natürlich irgendwann darauf zugreifen wollen um zum Beispiel ein Profil zu erstellen. Dabei glaube ich aber, dass die Info darüber was ich wann lese nicht so kritisch ist wie zum Beispiel eine politische Aktion bei Facebook zu liken. Im Großen und Ganzen natürlich ein Schritt näher zum Gläsernen Bürger.

    @Mischa: Wenn ich richtig interpretiere, hast du ein Problem mit der Nörgelei der „Datenschützer“. Da kann ich dir teilweise wirklich zustimmen: C.Kurz, aber auch P.Schaar oder T.Weichert sind wirklich immer am nörgeln ohne wirkliche Alternativen zu liefern oder zu einer echten Diskussion anzuregen. Wir verändern uns halt zu einer offenen, mehr transparenten Gesellschaft wo der Datenschutz notgedrungen eingeschränkt wird. Dabei bin ich kein Post-Privacy Vertreter, finde es aber dennoch wichtig alle Seiten der Medallie zu betrachten.

    Zusammengefasst: Wer die Vorteile von E-Books genießen will, muss (als Otto-Normal-User) Einschnitte in Punkto Datenschutz hinnehmen. Ob sich das lohnt muss jeder für sich wissen.

    PS: Markus, als Publisher würde ich streuen. Mach es in verschiedenen Stores verfügbar. Meines Wissens ist das als Rechteinhaber möglich.

    1. Was Chris nörgeln nennt, heißt sonst kritische Haltung. Vorteile und Nachteile kommen eben zur Sprache. Und wer lesen kann, zum Beispiel den FAZ-Artikel, ist klar im Vorteil. Wer sich aber eine gesunde Skepsis generell bewahrt: Win-Win. :)

    2. Wer die Vorteile von E-Books genießen will, muss (als Otto-Normal-User) Einschnitte in Punkto Datenschutz hinnehmen

      Und warum muss man das? Weil es technisch nicht anders geht, oder wegen der Intentionen der Anbieter, die sich zurecht kritisieren ließen?

  9. Ich weiß schon, warum ich Bücher aus richtigen Papier liebe ;-) – allerdings habe ich auch die Kindle-App auf meinem Handy, weil Amazon ja ab und zu mal E-Books verschenkt. Dass man daraus soviel herausholen kann, war mir bisher aber nicht bewusst. Wobei die Rückschlüsse auf die Intelligenz mich schon verwundern, weil ja nur die Art der Lektüre darüber noch nicht viel aussagt.

  10. Man kann natürlich auch versuchen, das Problem technisch zu lösen, z.B. mit dem Betriebssystem, d.h. man verbietet der Reader-Applikation Verbindungen zum Internet herzustellen.

  11. Ein technisches Verbot ist nicht die richtige maßnahme, greift bei tatsächlichem spionieren oder schnüffeln deutlich zu kurz. Jede digitale restriktion lässt sich umgehen, und diejenigen, die wirklich an euren personenbezogenen daten interesse haben, werden an diese daten auch kommen.
    Was ich sagen möchte: man sollte der analyse nicht im wege stehen, sondern in einer geregelten form erlauben. Gegen das ausspionieren und nachvollziehen persönlicher inhalte, die man nicht weitergeben möchte, sollte man anderweitig durch strengere kontrolle unterbinden.
    Heutzutage fehlt einfach das verständnis, für das was im hintergrund abläuft. Wenn in der bibliothek eine statistike geführt wird welche bücher welches genres zu welcher zeit am stärksten nachgefragt ist, dann ist uns das völlig wumpe. Die bibliothek hat durch unsere mitgliedschaft personenbezogene daten. Sie kann nachvollziehen welche person welche bücher favorisiert. Hat man dabei datenschutzbedenken? Niemand. Hier liegen die karten offen auf dem tisch und wir können leichter nachvollziehen was genau auswertbar ist.
    Es sollte viel mehr aufklärungsarbeit von seiten der anbieter passieren. An personenbezogenen daten ist man nicht interessiert. Damit kann man kein geld verdienen (nicht legal).
    Zur klarstellung: ich arbeite im umfeld digitale analyse und entwickle eben solche systeme. Ich finde sie notwendig um neue medien besser nutzen zu können und branchen, wie dem journalismus (ich arbeite bei gruner+jahr, wo die FTD diesen freitag geschlossen wurde), neue perspektiven aufzuzeigen. Dazu wird es notwendig sein offen zu kommunizieren und viel mehr mit offenen karten zu spielen.
    In keiner auswertung ist man an personenbezogenen daten interessiert. Es ist schon mit den vorhandenen daten schwer genug relevante erkenntnisse zu gewinnen, die einen wettbewerbsvorteil ausmachen können.

    1. Mischa, trotz deines Jobs scheinst Du das Läuten noch nicht gehört zu haben: der Personenbezug wird im Marketing immer wichtiger. Es geht darum, das Individuum gezielt in Bezug auf die individuellen Bedürfnisse, die ermittelt wurden, anzusprechen. Bei der Werbung im Netz ist das bereits Praxis. Schaue ich mir bestimmte Produkte auf Webseite A an, erhalte ich auf den Webseiten B usw. Werbung zu dem Produkt und Anbieter.

      Was im Augenblick eher schwierig ist, das ist das legale Zusammenführen personenbezogener Daten, weil zumindest hier in Deutschland dieses dank Bundesdatenschutzgesetz usw. schlicht verboten ist.

      Aber auch Dein Beispiel mit der Bibliothek hinkt erheblich, denn die Daten, die Du da erwähnst, hat auch jeder Buchhändler. Bei eBooks kommen noch die Daten hinzu, die während des Lesens erhoben werden. Die hat keine Bibliothek.

      Und dann sollte man sich klar machen, dass das nur ein Mosaikstein im Bild einer zunehmenden Überwachung durch Unternehmen ist. Dazu gehören auch die Steine, die über andere Geräte schon heute oder künftig generiert werden: Fernsehen und andere Verbraucher, die heute oder schon bald am Internet hängen, Handy und Navi im Auto, die Payback und EC-Karte, usw. usw. Und wie man solche Daten zusammenführt, diese Frage ist auch schon längst gelöst und Praxis: zentrale Trackingdienstleister. Und ob die am Ende wirklich noch meinen Namen brauchen, wenn sie sowieso schon alles über mich wissen, das ist dann nur noch eine akademische Frage, die von der Praxis dann schon längst beantwortet ist: nein!

    2. @Mischa, erstmal danke für Deinen Einblick. Die Frage ist dabei aber auch — macht es Sinn nur für statistisch erfasste Nachfrage zu produzieren?

      Gossip über das neue iPhone oder wer mit wem rumgemacht hat mag jeder, aber die 10 Seiten Reportage über die verschiedenen Auswirkungen eines Kriegs in den Nachbarländern interessieren die Masse meist nicht wirklich.

      Wohl aber einige wenige die daraus wieder Schlüsse für Ihr handeln ziehen wollen.

      Wenn es jetzt aber in der Redaktion um Geld für Flüge und Hotels geht und man das mit der Klickrate vergleicht ist man schnell bei 100 Android vs iPhone Artikeln pro Reportage. Das ist aber nicht gut auf lange Sicht. Weil dann kann man sich Medien auch sparen.

      Lustigerweise macht die Zeit gerade sowas und der Guardian wohl bald auch, jetzt mit Blau vor Ort …

  12. Ganz einfach: PDF und ePub veröffentlichen, fertig. Meinetwegen den Downloadlink hinter einer Bezahlschranke mit einem brauchbaren Zahlsystem (das bitte nicht Paypal heißt, eher sowas wie Sofortlastschrift oder Rakuten Checkout oder … oder …) Das hat dann auch den Vorteil, dass man den Reader seiner Wahl verwenden kann (meiner bspw. mag keine Amazon-Dateien, hat aber ein 10″-E-Ink-Display und wird garantiert nicht gegen so ein anderes Ding eingetauscht).

    1. Wo hast du die Information her, die Bücher dort wären ohne DRM? Ich les nur was von „Alle eBooks ohne hartes DRM“ — vermutlich haben die also dieses „weiche“ DRM (saudämlicher Euphemismus), was an sich noch deutlich schlimmer/risikoreicher als ein normaler Kopierschutz ist und erst recht keinen hinterm Ofen vorlocken sollte …

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