Nach einem Bericht des Wall Street Journals geben eBooks tiefe Einblicke in ihre Leserschaft. Welche Teile eines Buches interessieren einen Leser besonders, welche überspringt er? Wie lange braucht der Durchschnittsleser um ein bestimmtes Buch zu lesen? Welche Stellen wurden darin am häufigsten markiert? Kauft er das nächste Buch? Diese und ähnliche Fragen können mit eBooks gelüftet werden.
Amazon, Barnes & Noble, Apple und Google schauen ihren Lesern beim Schmökern über die Schulter. Entweder die Apps der Pads und Handys spionieren den eBook-Lesern hinterher oder die Geräte selbst, wie beispielsweise der Amazon Kindle. Gespeichert werden nicht nur Daten über die Bücher, sondern auch wann die Programme aufgerufen, wie lange sie benutzt und welche Suchbegriffe verwendet werden.
Dass Amazon mit seinem eBook-Reader Kindle seine Kunden überwacht ist kein Geheimnis. Um Kindle nutzen zu können müssen die Kunden darin einwilligen, dass Amazon Daten über das Leseverhalten erhebt. Gespeichert und ausgewertet werden die Lesezeichen, die Markierungen, Anmerkungen und Notizen, sowie die letzte Seite die gelesen wurde. Auf dem Kindle kann man sich anzeigen lassen, welche Stellen andere Nutzer hervorgehoben haben – auf der Amazon Webseite kann man sich die am häufigsten markierten Stellen ansehen. Was sie sonst noch alles mit den Daten anstellen verrät Amazon nicht.
Begründet wird der Wissensdurst damit, dass über die Leserschaft von Büchern bisher sehr wenig bekannt sei und man über die Auswertung des leseverhaltens die Bücher verbessern könne – und bessere Bücher seien schließlich ein Gewinn für alle. Kein Wort von Marketing oder Werbung und der Weitergabe von Daten an Dritte.
Die amerikanische Bürgerrechtsorganisation EFF (Electronic Frontier Foundation) hat den „E‑Book Buyer’s Guide to E‑Book Privacy“ veröffentlicht – dort findet sich ein Geräte und App-Vergleich.