Generell

Was Rick Perry und der Kreml (u.a.) gemein haben

Netzpolitik-fernen Politikern wurde in den letzten Jahren ja gerne beigebracht, dass sie Social-Media-Angebote nutzen müssen um transparent und bürgernah zu wirken. Das kann schnell aufgesetzt und peinlich wirken – andererseits ist genau das ja auch eine Form von Transparenz: Eine weitere einfache Möglichkeit zu haben, einzuschätzen, wie vertrauenswürdig manche Politiker – oder gelegentlich auch ganze Regierungen – wirken.


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Aktuelle Beispiele finden sich genug, die spektakulärsten dürften diese beiden sein: Da ist zum einen der (hoffentlich endgültige) Tiefpunkt des amerikanischen Präsidentschafts-Vorwahlkampfs, Rick Perrys Anti-Schwulen-Wahlwerbespot, der auf YouTube alle Rekorde für das unbeliebteste Video bricht (allerdings bei der Stammkundschaft ganz gut ankommt).[1] Aktionen, die dazu aufrufen, das Video von YouTube zu verbannen, weil es eine Hassbotschaft enthält, haben einen Nachteil: Sie könnten bei Erfolg dem politischen Kalkül hinter dem Video dienen, wenn aus dem Täter ein Opfer der Zensur und Anhänger der Meinungsfreiheit stilisiert werden kann. Dass das Video mittlerweile ausserhalb jeden Zensur-Zugriffs viral verbreitet wurde macht das Ganze noch unsinniger.

Und da ist Russland. Dort fiel zunächst Präsident Medwedjew unangenehm auf, als er (bzw. sein Account) eine Nachricht retweetete, der zufolge ein oppositioneller Blogger Geschlechtsverkehr mit einem Schaf habe. Und als kurze Zeit später bei Protesten gegen die Umstände, unter denen die gerade abgehaltenen Parlamentswahlen stattfanden, der Twitter-Hashtag #триумфальная von Protestierenden genutzt wurde, tauchten plötzlich über 60 Spambots auf, die die regierungskritischen Nachrichten verdrängten. Beides hilft bei der Einschätzung, beides stellt den Verursacher bloß und ist damit so transparent und bürgernah, wie es entfremdete autoritäre Politiker besser nicht sein sollten. Nebenbei bemerkt führen solche Vorfälle sicherlich auch nicht dazu, dass am Samstag, den 10.12.2011 um 17:00 vor der Russischen Botschaft (Unter den Linden 63-65) in Berlin weniger Menschen stehen.

[1] Die Hintergründe des Spots werden ausführlich auf queer.de beleuchtet.

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8 Kommentare
      1. Ist homophob denn jetzt schon das selbe wie rechtsextrem?

        Außerdem finde ich es immer komisch wenn einem Informationen vorenthalten werden. Im Beitrag war das Thema in einen angemessenen Kontext gesetzt und entsprechend kommentiert. Dann hätte man das Video auch gleich verlinken können.

        „Das darf nicht verlinkt werden“ ist eine Vorstufe von „Das darf nicht verfügbar sein“. „Das darf nicht verfügbar sein“ ist eine Vorstufe der (Internet)zensur. Ich bin ein Verfechter der Informationsfreiheit, und ich stehe auch dafür ein wenn es um Informationen geht die ich persönlich inhaltlich ablehne. Ich dachte die Blogmacher sehen das ähnlich. Aber diese werden wohl ihre Gründe haben, anders zu entscheiden.

        Hier ist der Link: http://www.youtube.com/watch?v=0PAJNntoRgA

  1. Ich kann mir des Eindrucks nicht erwehren, dass der verlinkte OU-Artikel eine (schlechte) Satire ist. Aber vielleicht überschätze ich auch amerikanische Journalistikstudenten im zweiten Jahr?
    (Kann man Sätze wie „I didn’t question his portrayal of public schools because I know Perry is a God-fearing man, and consequently he does not believe in lying“ tatsächlich im Ernst schreiben?)

  2. Man kann Russland nicht mit anderen Ländern vergleichen. Ein Land mit neun Zeitzonen und einem Putin, der sich gerne halbnackt auf einem Hengst zeigt, um Stärke zu demonstrieren. Lol. Einige nennen das abgehalftert, aber dort tickt man eben etwas anders. Man stelle sich das in Deutschland vor….

    Doch auch die EU hat seine peinlichen Staatsführer! Nuttenbesteiger und Konsorten. Korrupte Beamte in Griechenland und jetzt auch noch Kroatien rein in die EU! Masse ist klasse???? Schlimmer kann es doch nicht kommen. Immer weiter so!

    Man fragt sich, wie lange die Bürgerschaft für diesen Abschaum noch zwangsbürgt. Ich denke, time will tell und dann knallt es.

  3. „Wladislaw Surkow (Anmerkung des Autors: Derzeit stellvertretender Leiter der russischen Präsidialverwaltung) sagte, dass Putin ohnehin kein enges Verhältnis zur Partei Einiges Russland habe. Ja was ist denn dann ein enges Verhältnis? Sex?“

    Ein Kommentator von Echo Moskwy (Эхо Москвы, dt. Echo Moskaus) am Mittwochmorgen

  4. Also so schlimm finde ich den Spot nun auch wieder nicht. Das ist einfach ein Vergleich, aber doch keine Relativierung/Diskriminierung. Schwer übertrieben, wenn hier was auch immer daraus gedreht wird.

    Disclaimer: Ich mag Perry sowieso nicht und es dürfte schon klar sein, wie er tickt. Aber dafür braucht es nicht diesen Spot und diese Herleitung.

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