Öffentlichkeit

Interview: Sascha Pallenberg über Schleichwerbung in Blogs

Update: Die Auflösung ist: Basicthinking, Onlinekosten GmbH und der Keyword-Spam.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Sascha Pallenberg vom Netbooknews-Blog hat vergangene Woche auf Twitter die Aufdeckung eines Schleichwerbeskandal in deutschsprachigen Blogs angekündigt, der einen „ultimativen Tsunami“ nach sich ziehen würde. Ich hab ihm ein paar Fragen gestellt, die er mir dazu beantwortet hat. Wenn er die Story online bringt, gibt es hier dann auch mehr Infos zu dem Fall. Auf der kommenden re:publica werden wir dazu wahrscheinlich auch eine Diskussion organisieren.

netzpolitik.org: Du hast vergangene Woche einen „Tsunami“ in der deutschen Blogosphäre wegen eines Schleichwerbeskandals angekündigt. Worum gehts?

Sascha Pallenberg: Ich habe Dokumente, Verträge und Emails von einem Werbenetzwerk zugespielt bekommen, welches Links fuer bestimmte Keywords in deutschen Blogs platziert, die dann auf Seiten von u.a. Base, Conrad oder die Hannoversche Leben führen. Die Blogger erhalten zwischen 25 und 70 Euro pro Link und es wird in den Anwerbe-Emails von mehr als 100 deutschen Blogs gesprochen, die sich bereits in dem Netzwerk befinden. Es handelt sich dabei nicht um die üblichen Spam-Mails, die wir alle bekommen. Also kein „Uns ist deine Seite aufgefallen und wenn du einen Artikel über unser Produkt mit folgenden Links schreibst, zahlen wir dir X-Euro“. Hier geht es um eine bekannte deutsche Internetpublishing-Firma.

netzpolitik.org: Wie lange existiert dieses Netzwerk schon?

Sascha Pallenberg: Ich gehe schwer davon aus, dass es seit mehr als einem Jahr existiert. Meine Infos von involvierten Bloggern reichen bis in den Sommer 2010 zurück.

netzpolitik.org: Um welche Blogs handelt es sich dabei?

Sascha Pallenberg: Es gibt hier keine speziellen Themen-Blogs. Der Vermarkter hat quer durch den Garten Blogger angeschrieben. Es sind aber generell Nischen-Blogs. Ich bin mir sicher, dass der Vermarkter nicht riskieren wollte, ein bekanntes Blog zu kontaktieren, denn dann wäre die Geschichte umgehend aufgeflogen. Ein kleines Nischenblog mit ein paar hundert Besuchern am Tag ist auch weitaus eher bereit, Links für ein paar Euro zu verkaufen. Wer nebenbei 100 oder 200 Euro im Monat mit seinem Hobby machen kann, freut sich über solche Angebote. Es sind kaum professionelle Blogs darunter.

netzpolitik.org: Nun gibt es unmengen Blogs im deutschsprachigen Raum und Du berichtest von rund 100 kleinen Nischenblogs und keinem bekannten Blog. Wie können wir uns denn da einen Tsunami vorstellen?

Sascha Pallenberg: Das liegt vor allen Dingen an dem Netzwerk, welches dahinter steht und an einem ihrer Online-Auftritte, den in der deutschen Blogosphäre jeder kennt.

netzpolitik.org: Welches Netzwerk meinst Du jetzt wieder, dieses Werbenetzwerk oder die dahinter stehende Firma?

Sascha Pallenberg: Die dahinter stehende Firma, also der Vermarkter. Die involvierten Firmen sind sowieso jedem bekannt, also die Werbenden.

netzpolitik.org: Und was war das Ziel des Werbenetzwerkes?

Sascha Pallenberg: Die reine Werbung war sekundär. Primär geht es um Keyword-Spamming im grossen Stil um die Seiten der Partner-Unternehmen im Google Ranking zu pushen. Das ist eine beliebte Strategie der SEO-Industrie.

netzpolitik.org: Du hast auf Twitter angekündigt, die Geschichte demnächst zu veröffentlichen. Warum bringst Du nicht die fertige Geschichte?

Sascha Pallenberg: Uns sind noch einige Emails von weiteren Bloggern zugespielt worden. Es handelt sich hier nicht um irgendein neues Netbook oder Tablet, über das ich berichte. Eine derartige News „zimmer“ ich in 15 Minuten zusammen, denn das ist mein täglicher Job. Hier geht es um eine richtig brisante Story und ich muss Quellen weitaus ausführlicher pruefen, Dokumente sichten und mich absichern, zumal hier einige bekannte Namen involviert sind Ich hätte natürlich auch die Klappe halten und erst die komplette Story veröffentlichen können. Durch die Teaser auf Twitter und in Interviews bekomme ich aber zusätzliche Infos von involvierten Bloggern und die benötige ich.

netzpolitik.org: Für andere Medien gibt es Regelungen gegen Schleichwerbung. Brauchen wir sowas auch für Blogs oder was wünschst Du Dir als Reaktion auf die kommende Geschichte?

Sascha Pallenberg: Es kommen inzwischen die ersten Stimmen auf, dass ich ja selber z.B. Amazon-Links auf meiner Seite nutze. Na klar mache ich das und es ist eine wichtige Einnahmequelle fuer mich. Der Unterschied ist, diese Links sind entsprechend als Amazon-Links gekennzeichnet und ich benutze diese Art Werbung sehr pro-aktiv, sprich ich weise explizit darauf hin. Nach dem Motto: Kauft über unsere Links und unterstützt uns. Ich würde mir wünschen, wenn Medien generell angeben müssten, wer sie unterstützt. Soweit ich weiss, ist dies für Blogger in den USA seit fast 2 Jahren verpflichtend.

Ich glaube an den Selbstreinigungsprozess der deutschen Blogosphäre und ich glaube auch, dass in der deutschen Internetszene mehr Substanz steckt, als sich nur über SEO und SEM-Glücksritter zu definieren. Wer schon einmal die Internet World in Muenchen besucht hat, weiss wovon ich spreche.

netzpolitik.org: Dann warten wir mal auf den Tsunami und wünschen viel Erfolg beim aufklären. Danke für das Interview.

70 Kommentare
  1. Der Grund warum „die deutsche Internetszene“ insb. der Blogosphäre Substanz fehlt, sind nicht etwa solche „Machenschaften“ sondern egomane Attention-Blogger wie Sascha P. und andere sogenannte Alpha-Blogger, deren Output 90% selbstreferentielle Non-Events sind, die schlicht keine Sau außerhalb ihres eigenen Blogsumpfs interessiert. (Netzpolitik möchte ich gern explizit ausschliessen.)

    Die Verschwörungsshow mit der P. diesen Sturm im Wasserglas feiert, schärft nur sein pathologisches Profil. Jeder der sich vor den Karren dieses Besessenen spannen lässt vernachlässigt meine Meinung nach jegliche kritische Auseinandersetzung mit dem Thema.

  2. Also ich denke das hier eine gesetzliche Regelung (die durch den Tsunami angepeilt wird?) nur kleinen Blogs schadet und den Abmahnanwälten gerade recht kommt. Dann wird es nicht lange dauern und die Gesetze werden auf andere Seiten erweitert. Warum soll ich, wenn ich beispielsweise einen Versicherungsblog habe nicht sagen dürfen das die Hannoversche Leben sehr günstige Risikolebensversicherung anbietet?? *hoppla… Scheichwerbung….Sorry*

  3. Dass das Verbot von Schleichwerbung nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb nicht für Blogger gelte, halte ich für ein Gerücht. (Zum Thema ein Post bei Spreerecht: http://spreerecht.de/abmahnung/2011-01/verschleiert-viral-und-illegal-zur-rechtswidrigkeit-von-schleichwerbung )

    Aus der Perspektive kleiner und kleinster Blogs kann ich sogar nachvollziehen wenn der eine oder andere bei einem solchen Angebot zuschlägt, ohne sich über mögliche Risiken groß Gedanken zu machen. Ein Link zahlt das Hosting für ein Jahr, ein verlockender Deal.

    Sollte die Story von Sascha Pallenberg Hand und Fuß haben und das Einkaufen von verdeckten Links zu Manipulationszwecken sich als richtig herausstellen, sollten die kritischen Fragen m.E. vor allem den Unternehmen gestellt werden, die von so etwas profitieren.

    Die Unternehmen (oder der bislang ungenannte Vermarkter) sind nämlich diejenigen, die die Schleichwerbung veranlasst haben und die sich dann allem Anschein nach rechtswidrig verhalten haben. Die Blogger haben sich zu Erfüllungsgehilfen gemacht – ob wider besseres Wissen oder nicht, wird sich zeigen.

  4. Ich stelle mir gerade vor wie es ist mit einer einzigen Veröffentlichung plötzlich mehr als 250 Feinde zu haben. An ruhiges Schlafen wäre da nicht mehr zu denken.

    Die Story wird viel zu heiß gekocht als sie wirklich ist. Diese Praktiken sind nicht wirklich NEU. So sehr ich Sascha und seine Blogkariere schätze aber gegen „Blog Mitbewerber“ in 007 Manier vorzugehen könnte derbe nach hinten losgehen.

    Meiner Meinung nach wird es nach dieser Schmutzkampagne keine Sieger geben.

  5. Ich glaube an keinen Tsunami.

    Als die Ruhrbarone vor ein paar Jahren über das Bloggerkaufen der Grünen berichtet haben, hat das auch keinen umgehauen. Es gab ein wenig stunk – das war es.

    So wird es hier auch sein.

    Wer die Lippen spitzt sollte pfeiffen.

  6. Wie so häufig wird von selbst ernannten Profi-Bloggern, die eigentlich Möchtegern-Journalisten sind, verkannt, dass ein Weblog in erster Linie ein Tagebuch ist. Das Notizen enthält, die die Welt ursprünglich nicht braucht.
    Solange ich meine Identität nicht verschleiere, kann ich schreiben – worüber und wie ich will. Wen ich verlinke und welches Produkt ich nenne, ist ganz allein meine Sache. Wenn mich meine Leserschaft schert, bin ich allein der verpflichtet.

    Wo ist denn übrigens der informative Mehrwert bei Beiträgen wie „Sony NGP: PSP-Nachfolger mit Quad-Core ARM-CPU & Grafik, PlayStation Suite Spieleplattform für Android-Geräte“ – ist das nicht schlicht Produktwerbung?

  7. Es wird Zeit das die Suchmaschienen endlich ein Ranking entwickeln das nicht mehr auf Backlinks aufsetzen. Dann wäre die Manipulation auch nicht mehr so einfach und das massenweise Link Spamming würde sich nicht mehr lohnen.

    Damit wäre der gesamten Menscheit sehr weitergeholfen.

  8. Die einzige Mail, die ich im letzten Jahr bekommen habe und die mir dubios vorkam (also *noch* dubioser als der übliche SEO-Kram eh immer ist) war von irgendeiner EU-Kampagne wo es um gesunde Ernährung oder sowas ging (Fruitness?). Die Mail war in so einem „Bitte, bitte, nimm unser Geld – wir *müssen* das unbedingt loswerden“-Stil verfasst.

    Ansonsten: klar ist Schleichwerbung Mist, aber viel schlimmer finde ich persönlich Blogger die sich für Artikel über irgendwas bezahlen lassen und dann nichtmal einen entsprechenden Hinweis in den jeweiligen Artikel packen.

  9. Googel sind die einzigen die da einen Riegel vor schieben könnten.
    Leider interessiert das Goggel nicht.
    Link verkauf entspricht nicht den Google Nutzerbedingungen.
    Ich habe z.B. die Firma SEO-Nord bei Google gemeldet, da die Links verkaufen (bei mir als Angebot per Post). Im Internet erklären sie auch von wie vielen Seiten sie Links schalten.
    Google ist das aber egal, SEO-Nord ist immer noch im Index

  10. Für mich z.Zt. das beste Beispiel. Auf dem Blog „ad sinistram“ habe ich lange Zeit gerne gelesen. Seit einiger Zeit wird dort Schleichwerbung für Amazon gemacht. In jedem Artikel sind mindestens zwei Links zu Amazon. Ich finde es einfach nur schlimm.

  11. Ich bin voll bei Tapio. Genau die Debatte hatten wir ja im Rahmen der „Online Richtlinie“ des Deutschen PR-Rates.

    Ich würde den Bloggern keinen Vorwurf machen. Schon gar nicht den kleinen Nischenbloggern (wenn das nrtzpolitik.org machen würde, dann wäre das schon etwas anderes.

    Aber den Werbetreibenden, den gehört ganz tüchtig eines auf den Deckel. Hier gilt aus meiner Sicht klar das Verursacher-Prinzip.

  12. Sascha Pallenberg widerspricht sich in dieser Angelegenheit leider selber.
    Erst twittert er, dass in diese Sache bekannte Blogger und ein deutsches Leitblog involviert wären.
    Im Artikel bei der taz sagt er aber, dass von den großen Blogs niemand betroffen wäre. Was denn nun? Bekannte Blogger und ein deutsches Leitblog, oder keine großen Blogs? Beides geht nicht.

    Weiterhin twitterte er, dass Namen zeitnah genannt werden, während er im taz Artikel sagt, dass die Namen der Blogs unter Verschluss bleiben und nur der Name der Internetfirma genannt werden würde. Was denn nun? Werden Namen genannt oder wird nur ein Name genannt?

  13. Sascha Pallenberg hat sein primäres Ziel doch schon erreicht: wir sprechen über ihn. Lächerlich ist allerdings, nur den Vermarkter nennen zu wollen. Das wäre, als würde ich sagen, ich habe Beweise, dass XY in großem Maßstab Ladendiebstähle organisiert habe, ohne die Einzeltäter und die Tatorte zu nennen. Im Übrigen haben sich sie Blogger u.U. doch strafbar gemacht – der Steuerhinterziehung, wenn die Einnahmen hoch genug waren. Nicht strafbar ist hingegen, dass selbst ernst zu nehmende Medien mal wieder auf die Relevanzinszenierung eines einzelnennen reinfallen, weil wir, das Publikum diesen mistigen Klatsch und Tratsch dann doch ganz geil finden. Insofern dank an Sascha Pallemberg, dass er uns wieder mal zeigt, welch armselige Würstchen wir sein können.

  14. @Martin Pfahl:

    Ich stelle mir gerade vor wie es ist mit einer einzigen Veröffentlichung plötzlich mehr als 250 Feinde zu haben. An ruhiges Schlafen wäre da nicht mehr zu denken.

    Ach, man gewöhnt sich dran. Ist wie bei Abmahnungen. Bei der ersten reagiert man evtl. noch panisch, bei den folgenden legt sich das.

    @Holger Günther: Das könnte vielleicht daran gelegen haben, dass die Grünen damals gar keine „Blogger gekauft“ haben.

    Eine Einladung zum Parteitag inkl. Übernahme von Spesen mag zwar eine diskussionswürdige Form der Privilegierung darstellen, ist aber weder ungewöhnlich (Parteitagsbloggen war ja mal ein regelrechter Trend …), noch ein „Skandal“ (drunter geht’s bei den Ruhrbaronen ja selten).

    Zumal die Aktion damals transparent abgelaufen ist und schließlich auch Blogger eingeladen wurden, die gerade nicht aus dem Dunstkreis der Grünen stammen (u.a. Jens vom Pottblog, bekanntlich aktives SPD-Mitglied. Lukas Heinser ist diesbzgl. ja auch eher unverdächtig). Kontrollfrage: Was ist eigentlich mit unbezahlten Partei-/Politikblogger? Dürfen die das?

    @HarryHIII: Ach, nichts. Nur ein bisschen unlauterer Wettbewerb, Leserverarsche und Steuerhinterziehung. Passt scho‘, gell?

    @Beate: Ich habe mir „ad sinistram“ gerade mal angesehen. Den Eindruck, dass Amazon-Links allein gesetzt werden, um Einnahmen zu generieren, habe ich nicht.

    Bei den Beispielen, die ich gesehen habe, handelt es sich um durch den Text legitimierte Hinweise auf Sekundärliteratur. Ob sie zwingend sind, kann man diskutieren (immer), konstruiert wirken sie für mich nicht.

    Nun kann man natürlich darüber streiten, ob es immer Amazon sein muss, oder ob Affiliate-Links deutlicher gekennzeichnet werden sollten (Was ich für eine gute Idee halte! Sascha z.B. ist da auf einem guten Weg). Mit „Schleichwerbung“ hat das imo aber nichts zu tun.

    @Mirko Lange: Ich sehe da jetzt ehrlich gesagt keinen moralischen Unterschied, ob nun Nischenblogger besche*ssen oder bekannte Blogs.

    Ansonsten: Schaun‘ mer mal. „zwischen „25 und 70 Euro pro Link“ für „Nischenblogs“ ist ja eine durchaus amtliche Ansage.

  15. @Sascha Stoltenow: Ach, komm. Gerade du als PR’ler kennst die schmutzigen Spielchen der Branche doch besser als die meisten von uns naiven kleinen Bloggerlein hier ,)

    Und sorry, wenn Sascha Pallenberg eines nicht nötig hat, dann sich mit so einer Nummer zu inszenieren.

    Man muss sein Art nicht mögen, aber wenigstens weiß man bei ihm, woran man ist.

  16. Und? Dann haben Leute halt Links verkauft – ist doch alltäglich. Das machen viele, teilweise wegen dem Pen..äh..Pagerank, wegen der besseren Platzierung oder sonstwas.
    Ist doch den Besitzern der Blogs überlassen, ob und was sie verlinken und ob da Geld eine Rolle spielt oder nicht (wobei es dann nett wäre, es auch als Werbung zu kennzeichnen).
    Manche verkaufen sogar ihren Blog – wie soll man das dann bitte sehn? ;)

    Viel schlimmer finde ich persönlich manche in diesen Breitengraden, die die Kleinen schön nach unten drücken und sich ansonsten nur mit ihrem eigenen Bauchnabel beschäftigen – und dann in alle Welt rausposaunen, welche Farbe die Fussel besitzen, die sie da herausgegraben haben.

  17. @Jens: Wenn man Saschas Ausführungen Glauben schenken mag, steht ein großes „Leitblog“ im Zentrum des Netzwerks.

    Im Artikel bei der taz sagt er aber, dass von den großen Blogs niemand betroffen wäre. Was denn nun?

    Soweit ich die Geschichte überblicke, wurde – aus durchaus nachvollziehbaren Gründen – keine bekannten Blogger angesprochen.

    Was denn nun? Werden Namen genannt oder wird nur ein Name genannt?

    Wir werden sehen. Ganz persönlich wüsste ich schon gerne, wer das alles die Beine breit gemacht hat. Letztendlich wird sich Sascha sicher gut überlegen, welche Details ohne juristisches Nachspiel veröffentlicht werden können.

  18. @Kiri:

    Ist doch den Besitzern der Blogs überlassen, ob und was sie verlinken und ob da Geld eine Rolle spielt oder nicht

    Das sieht nicht nur das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb anders.

    Ganz ehrlich, bei solchen Beiträgen frage ich mich, wie kaputt und korrupt diese Gesellschaft wirklich ist.

  19. @ Jörg-Olaf: Ich habe ja drunter geschrieben, dass es nett wäre, dies dann auch als Werbung zu kennzeichnen ;) Mir sind die gesetzlichen Beschränkungen durchaus bekannt.

  20. Also ich halte das schon für ne Sauerei von beiden Seiten. Ne kleine Sauerei von Seiten der Blogger, da Werbung nunmal eindeutig gekennzeichnet gehört, auch wenn es sich nur um irgend welche versteckten Links handelt. Eventuell ist das sogar wettbewerbsrechtlich relevant, aber das dürfen die Juristen entscheiden.
    Und ne mittlere Sauerei ist es von Seiten des Werbenetzwerkes, da die Zahlung an die Blogger in keinerlei Verhältnis zu der angedrohten Vertragsstrafe steht.

    Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, dass sich hier und auch drüben bei netbooknews viele Kommentatoren mit „das macht doch jeder“ äußern. Mit der kurzsichtigen Einstellung ramponiert man ganz schnell das Image sämtlicher Blogger.

  21. @Kiri: Es geht nicht darum, ob etwas „nett wäre“.

    Wir reden hier nicht über den Nettigkeiten, sondern über so unnette Dinge wie Schleichwerbung, unlauteren Wettbewerb und Steuerhinterziehung.

    Über gekennzeichnete Werbung müssten wir ja auch nicht diskutieren, oder? Also, mal abseits von einer moralischen Selbstüberhöhung auf Blumenbloggerkinderniveau.

    Und ja, es k*tzt mich an, wenn ich als Journalist und Blogger permanent rechtfertigen muss, weil ich wg. solcher A*schlöcher quasi unter Generalverdacht stehe, käuflich zu sein.

    Aber scheinbar scheinen Käuflichkeit und Korruption für einige hier ja der Normalfall zu sein. Meiner ist es nicht.

  22. @Mithos: Ich hoffe ja noch, dass das irgendwelche Nachblähungen einer großmäuligen „Wir haben es doch immer schon gewusst“-Selbstsuggestion sind.

    Ich befürchte allerdings, dass weite Teile der Gesellschaft wirklich so kaputt sind. Ich mein‘, wenn man sich nur lange genug einredet, dass alle anderen auch die Hand aufhalten, muss man selber auch keine Skrupel haben.

  23. @Jens-Olaf:
    Ich betrachte das ja nicht unter dem Begriff Korruption oder Käuflichkeit – die meisten der Betroffenen (oder der hier Korrupten, wenn dir das genehmer ist) werden sich einfach nur gefreut haben, dass sich ihr Hobby etwas auszahlt und sie damit eventuell ihre Hostingkosten reinbekommen.

    Dass Werbung betreiben gewerblich ist, dürfte denen nicht unbedingt bekannt sein, es ging ja größtenteils eher um die „Kleinen“. Und das ist für mich bei dem Problem hier der Normalfall. Ebenso dürfte nicht jeder über Wettbewerbsrecht u.ä. bescheid wissen.

    Eventuell ist meine Sichtweise auch einfach nur etwas zu gutmütig, denn ich bewerte eine Gruppe („Bloosphäre“ ich zähl mich da übrigens nur noch teilweise dazu) nicht aufgrund der Verhalten Einzelner („Blogger“).

    Für mich persönlich sind Käuflichkeit oder Korruption natürlich auch kein Normalfall, Gott bewahre – aber ich denke, man kann jemanden, dem angeboten wird „Komm, setzt einen Link dahin, du kriegst dafür auch ein paar Kröten von mir“ nicht mit jemanden gleichsetzen, der aktiv die Hand aufhält und sein Bakschisch erwartet um im Gegenzug Vorstandsposten und ähnliches zu verteilen.
    Da besteht mMn dann doch eine kleine Unterschiedlichkeit – und die meisten dürften wohl bei den Themen Käuflichkeit und Korruption daran denken.

  24. Ich glaube in Eurem Interview wird der entscheidende Kernpunkt nicht deutlich oder ich bin blind: Es geht bei der Geschichte nicht um den simplen Verkauf von Links, sondern um den Verkauf von Links in speziell dafür erstellten Posts?!
    Das sind in meinen Augen zwei Paar Schuhe, die man aber auch beim Namen nennen sollte.

  25. @Kiri:

    dass sich ihr Hobby etwas auszahlt

    Nun, so wie es sich im Moment darstellt, dürfte den „Vertragspartnern“ durchaus klar gewesen sein, wofür sie bezahlt werden und was sie dafür zu leisten haben. D.h. die Beteiligten gingen wohl eher davon aus, unter dem Radar durchzurutschen.

    Es geht hier ja nicht darum, dass jemand einen Text über XY schreibt, das der Agentur von XY irgendwann zufällig auffällt und diese anerkennend und vor lauter Rührung ein paar Euros überweist.

    (Ich habe z.B. in meinem privaten Blog mal über eine Notebook-Hülle geschrieben, von der ich wirklich überzeugt war. Ich fand einfach, dass das eine nützliche Information war, falls gerade jemand eine Hülle mit recht speziellen Eigenschaften sucht. Das war einfach nur eine persönliche Empfehlung von mir, ohne weitere Hintergedanken. Ein halbes Jahr später hat sich dann der Produzent gemeldet und sich nach zwei Mails mit einer Kleinigkeit für mein Feedback (u.a. ein Verbesserungsvorschlag) bedankt.)

    Sorry, aber mir ist die Ausrede zu einfach. Spätestens bei Vertragsunterzeichnung dürfte auch dem naivsten Kleinblogger klar geworden sein, worum es geht. Wem seine Integrität dermaßen egal ist, sollte auch keine Problem haben, anschließend mit Katzendreck beworfen zu werden. Falls niemand den ersten Stein werden will, ich tu’s gerne.

    Ich finde es übrigens auch ganz und gar nicht harmlos, wenn es nur „kleine Blogs“ sind. Ganz im Gegenteil!

    Gerade da erwarte ich doch, dass man mich nicht vera*scht, oder? Was ist das denn bitte für eine Welt, wo ich bei jedem Wort, bei jeder Zeile annehmen muss, dass jemand dafür bezahlt hat?

  26. @Olli: Laut Netbooknews geht es um Links und dedizierte Keywords. Bei einem ITK-Blog geht sowas ja auch mehr oder weniger beiläufig im laufenden Betrieb.

    In einem Blogeintrag über die neuen Tarife von XY könnte man zum Beispiel auf die Tarife des Werbepartners hinweisen, bzw. diese herausstellen usw.

  27. Markus, Du fragst am Ende des Interviews: „Für andere Medien gibt es Regelungen gegen Schleichwerbung. Brauchen wir sowas auch für Blogs (…)?“

    Was – erstaunlicherweise – immer wieder verkannt wird: Schleichwerbung verstößt auch in Deutschland schon jetzt gegen das Gesetz. Nach § 4 Nr. 3 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) handelt unlauter, „wer den Werbecharakter von geschäftlichen Handlungen verschleiert“. Und weil als „geschäftliche Handlung“ in § 2 Abs. 1 Nr. 1 UWG „jedes Verhalten einer Person zugunsten des eigenen oder eines fremden Unternehmens“ genannt wird, kann sich unter Umständen sogar derjenige, der die Schleichwerbung platziert (in der Blogosphäre also ein Blogger) und nicht nur der Schleichwerbung Einkaufende angreifbar machen.

    Das gilt für klare Schleichwerbung; ob der reine (!) Linkkauf (bspw. in der Sidebar eines Blogs, schlicht zum Vermitteln von etwas „Link-Juice“) ebenfalls wettbewerbswidrig sein kann, ist dabei dann allerdings nochmal eine andere Frage.

  28. @Jörg-Olaf Schäfers: Echt, mit so einem Kleinscheiß befasse ich mich nicht. Das passt auch gar nicht zu meinem beruflichen Auftrag und Selbstverständnis, intelligente Publika adressieren zu müssen, dürfen und wollen. Es ist hier doch die mechanistische Marketingideologie, die mehr als deutlich durchscheint.

    Und ja, bei Sascha Pallenberg weiß ich jetzt, wo ich dran bin: leicht großmäulig durchaus in der berufsethisch richtigen Richtung unterwegs, aber weder den Punch noch die nötige Konsequenz, um durchzuziehen.

  29. 25 bis 70 Euro für einen Link? Das ist auf einer schwach besuchten Nischenseite schlecht investiertes Geld, und wahrscheinlich steckt unerfahrenes Personal dahinter.

    Bei solchen unterirdischen Aktionen, auch beispielsweise bei Forenspam oder WP-Manipulation, habe ich immer wieder Praktikanten am Werk gesehen, die sich nicht anders zu helfen wussten.

  30. Ich fass das ja nicht, dass sich netzpolitik.org für sowas hergibt. Sascha hat sich nach der letzten re:publica nun wirklich vor jede Kamera gestellt und geprahlt wie toll man doch Blogs monetarisieren kann.

    Und er, der als Kleinunternehmer in Thailand dort von niedrigen Löhnen und Ausbeutung profitiert spielt sich als Moralist auf, der den kleinen Bloggern ihre 25€ missgönnt. Widerlich.

  31. @Jan jawoll! ganz deiner Meinung. Also das ist ja wohl echt das billigste Lockmittel, Sascha Pallenberg ist großmäulig und einfach unsymphatisch.

  32. Kommen wir doch erstmal auf die Ursprünge des Blogs zurück. Tagebuch heißt das. Irgendwelche Leute führen ein Tagebuch zu Themen und stellten es irgendwann online, in der Hoffnung, das Tagebuch könnte noch andere Leute interessieren. Das waren die Anfänge. Ganz harmlos.

    Tagebuch/Blog ist und war schon immer die falsche Bezeichnung. Ein Tagebuch hat man früher für sich geschrieben. Das ging niemanden was an, hatte sogar ein kleines Schloß nebst Schlüssel, damit keiner es lesen konnte. In Papierform.

    Blog ist also falsch, das hat mich schon immer massiv genervt. Tagebuch/Blog, was für eine bescheuerte Bezeichnung. Vielmehr handelt es sich um Webseiten, wo jeder Hammel seine Meinung veröffentlicht, in der Hoffnung, es gibt irgendeinen Traffic.

    Und da Traffic kostet, vor allem, wenn man Leuten die Möglichkeit zur Teilnahme eröffnet, dann werden natürlich Kostenträger gesucht. Ist das so schwer zu verstehen? Das macht jeder Webseitenbetreiber, der ein Forum betreibt. Blogs mit dieser Funktion des Austausches sind nichts anderes. Es sind Foren, keine Blogs, keine Tagebücher, kein gar nichts von alledem.

    Und dann müssen irgendwann Geldgeber her. Je mehr Traffic, desto höher die Kosten, aber desto öfter fragen auch Werber an, wie es denn aussieht mit Verträgen.

    Jeder weiß das. Wo ist das Problem?

    Nur wenige zahlen ihr Angebot noch aus eigener Tasche. Sie sind, wie Wiki, entweder auf Spenden angewiesen, oder binden Werber ein.

    Ich kann daran nichts Übles finden.

    Und um es nochmal zu betonen:

    Plattformen wie dieses sind keine Blogs, sondern Internetforen. Hier wird kein Tagebuch geführt, hier wird diskutiert.

    Ich wünsche, daß Leute die richtigen Bezeichnungen wählen. Und Forenbetreiber wollen Geld verdienen. Denn sie zahlen auch Geld, damit meine Wenigkeit zum Beispiel, hier posten kann.

    1. @Nerd834FD2: Ich sehe zumindest die Einstiegsthese etwas anders. Ein Blog ist ein Werkzeug, analog zu einem Blatt Papier. Daraus kann man ein Tagebuch machen, aber auch alles andere. Insofern gab es Ursprünge, die von klassischen Linklisten bis hin zu Tagebüchern reichten.

  33. @markus

    Was Du hier betreibst, ist ein Forum, kein Blog. Es ist eine politische Plattform.

    Ich weiß, was Traffic kostet, wenn man sowas anbietet.

    Und daher kann ich Kritik an Forenbetreibern bezüglich Werbeverträgen nicht nachvollziehen.

    Ich kenne noch Zeiten, da haben Leute ein Forum solange über Wasser gehalten, bis ENDLICH ein Werber gefunden wurde. Das war eine Auszeichnung. Und auch heute ist es so, daß Werber doch nicht auf Schnarchseiten ihr Interesse richten, sondern auf die hervorragenden Plattformen. Daher empfinde ich es auch heute noch als Auszeichnung, wenn Werber sich von alleine melden und ihr Interesse zeigen.

    Wie dem auch sei. Es steht jedem frei.

    Jeder Seitenbetreiber hat ein Recht darauf, zumindestens seine Kosten wieder reinzuholen.

    Werbung ist nicht immer übel und schändlich.
    Ganz im Gegenteil werbe ich immer gerne für Umweltorganisationen und AI etc..

    Wer eine Plattform betreibt, die sich Werber aussuchen kann, ist natürlich immer auf der sicheren Seite. Es ist aber oftmals nicht so.

    Das eigene Gewissen sollte da wegweisend sein.

  34. leutz, wenn ihr wissen wollt, welche sites da so mitgemacht haben, macht es doch einfach so wie sascha es vorschlägt – die links aus der excel-tabelle nach google kopieren und dort suchen („Link:Url“) . dieser tip von ihm ist hier nachzulesen:
    http://www.netbooknews.de/32977/basicthinking-onlinekosten-gmbh-und-der-keyword-spam/

    dann werdet ihr sehen, wie schon auf „die welt ist scheiße“ geschrieben wurde: es geht hier nicht um blogs. ich weiß gar nicht, wie man diese schrott-sites, die da auftauchen, überhaupt als blogs bezeichnen kann. das sind linkfarmen, werbeseiten etc., lauter zeug wo man sofort sieht die site ist billig, unseriös, uninteressant. „content“ (wenn man das so nennen will) von deppen für deppen. nicht eine einzige der sites kannte ich. ich hab aus jeder rubrik der tabelle (reise, handy etc.) einige links ergoogelt, und erstens so gut wie keine ergebnisse bekommen, zweitens wie gesagt wars nur unbekannter schrott. es ist die art von sites, wo man sofort weiß, der webmaster hat keine ahnung vom netz (schon am layout usw. auf den allerersten blick zu sehen) und hat auch keinerlei content zu bieten, und/oder die art von sites wo man sowieso gekaufte keywords vermutet.

    btw hab ich selbst schon solche texte mit ungekennzeichneten werbe-keywords erstellt, und meiner erfahrung nach sind es immer nur solche sites, die sowas überhaupt buchen: sites die es bitter nötig haben weil kein schwein sie besucht. die rede ist hier nicht von kleinen bloggern, die guten content haben und bekannt werden wollen, sondern die rede ist von sites die so grottig sind daß sie auch in zukunft niemand kennen wird, da praktisch kein content existiert und wo das auch gar nicht vorgesehen ist. es sind sites, die nur gemacht sind um von ober-deppen geld zu generieren. deppen abzuzocken ist keine schande, im gegenteil. dummheit gehört bestraft. wer ernsthaft auf ultimativ grottig gecodeten sites irgendwelche versicherungs-links klickt, gehört einfach abgezockt.

    ach und noch was: wenn ich mir die keywords ansehe die da so vorgegeben wurden – manche keywords sind ja ganz ok, aber insgesamt waren da keine seo-profis am werk… keywords müssen so gestaltet sein, wie sie bei google eingeben werden von leuten die etwas suchen. also hand hoch, wer hat schon mal folgende such-strings eingegeben: „PC Komponenten“, „HTC Handy mit dem Tarif Mein BASE“, „BASE bietet die neuesten Samsung Handys“ , „hier“, „mehr dazu“, „mehr Informationen“… LOL

    nix für ungut, aber – tsunami? erst, wenn ich belegt bekomme, daß *echte sites* in der liga von bildblog, gulli usw. geld von neckermann, conrad etc. genommen haben für nicht-gekennzeichneten keyword-spam – erst dann haben wir einen tsunami, vorher nicht. die tatsache, daß bisher noch niemand von diesem speziellen „netzwerk“ hier wußte, ist kein hinweis auf die brisanz der sache, sondern im gegenteil: da hat noch kein mensch von gehört weil es komplett irrelevant ist für die deutsche blog-szene (und doch, die gibt es, aber – ot).

    liebe leutz, ihr könnt entspannt ins rest-we gehen…

  35. Von Sascha Pallenberg hab ich mal viel gehalten. Ich hab einige Interviews mit ihm gelesen und fand seine Art sehr motivierend. Aber die Schlammschlacht die er da abgezogen hat ist meiner Meinung nach unterste Schublade. Da wurden Leute sogar von ihm per Mail bedroht. Und das alles wegen ein paar sorry scheiß Links und 70 Euro?

    Auch wenn Pallenberg jetzt in Taiwan sitzt, kann man da leider nur sagen „Typisch Deutsch“. Anstatt sich um seinen eigenen Kram zu kümmern, kümmert er sich um den anderer Leute.
    Einfach nur peinlich und sehr enttäuschend, da ich ihn tatsächlich für einen guten Kerl gehalten hab.

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