KI-Arbeiter in Kenia„Die Arbeitsbedingungen sind erbärmlich“

Kenianische Arbeitnehmer säubern für weniger als zwei US-Dollar pro Stunde Trainingsdaten für Unternehmen wie OpenAI. Das hat sich nicht verbessert, seit es vor einem Jahr publik wurde. Mophat Okinyi, Menschenrechtsaktivist und Gewerkschafter, beklagt im Interview katastrophale Arbeitsbedingungen trotz Milliardenumsätzen der westlichen Unternehmen.

Wie sich eine KI Inhalte-Moderation vorstellt (Diffusion Bee)

Etwa ein Jahr ist es her, als Time Magazine aufdeckte, dass OpenAI kenianische Arbeiter für weniger als zwei Dollar pro Stunde anmietete, um das eigene Glamourprodukt ChatGPT etwas weniger toxisch erscheinen zu lassen. Bevor die populären Chatbots im letzten Jahr auf das hocherregte Publikum losgelassen wurden, mussten sich also Menschen in Kenia jeden Tag stundenlang damit beschäftigen, widerwärtigste Inhalte händisch aus dem Trainingsmaterial zu entfernen.

Die Aufgabe der Beschäftigten hatte seit November 2021 darin bestanden, Textfragmente auf gefährliche oder schädliche Inhalte hin durchzusehen und je nach Ergebnis zu markieren, um ChatGPT dadurch zu optimieren. Die Vergütung dafür war so gering, dass von einer Kompensation kaum gesprochen werden kann. Hinzu kamen schlimmste Arbeitsbedingungen.

Wir wollten wissen, wie die Arbeitsbedingungen heute in Kenia sind. Die Technologiezentren in der Nähe von Kenias Hauptstadt Nairobi werden Silicon Savannah genannt, ein Wortspiel, das an das Silicon Valley in den Vereinigten Staaten erinnert, aber die afrikanische Savanne mit aufnimmt. Hat sich für die Beschäftigten dort etwas zum Positiven verändert?

Mophat Okinyi aus Nairobi war einer der Content-Moderatoren, welche ChatGPT trainiert haben. Er ist Menschenrechtsaktivist, Gewerkschafter und setzt sich für die faire Behandlung und die Rechte von Tech-Mitarbeitern und Datentrainern ein. Zugleich ist er Gründer und Geschäftsführer der Techworker Community Africa, die Tech-Worker befähigt, informiert und unterstützt und dafür sorgt, dass ihre Rechte geschützt werden. Er berichtet morgen auf den Cyberfestspielen am Bodensee über digitalen Kolonialismus, die Arbeitsbedingungen in Kenia und die Geschäftspraktiken der Tech-Konzerne. Wir haben ihn zu den aktuellen Bedingungen der Datenarbeiter in Kenia gefragt.

Ausbeuterisch und unmenschlich

Mophat Okinyi
Mophat Okinyi.

netzpolitik.org: Wie viele kenianische Arbeitnehmer sind aktuell für westliche Unternehmen wie OpenAI tätig, um Dienste wie ChatGPT zu säubern?

Mophat Okinyi: Mir liegen zwar keine Echtzeitdaten über die Zahl der kenianischen Arbeitnehmer vor, die derzeit von westlichen Unternehmen wie OpenAI für Aufgaben der Inhaltsmoderation beschäftigt werden. Ich weiß jedoch, dass es eine signifikante Anzahl von solchen Arbeitskräften gibt, da große Tech-Unternehmen wie Meta und ByteDance und andere ihre Inhaltemoderations- und/oder Datenetikettierungsaufgaben hier in Kenia von Unternehmen wie Teleperformance und Samasource und anderen Outsourcing-Unternehmen erledigen lassen.

netzpolitik.org: Was denken Sie, wenn Sie das verbreitete Mantra lesen, dass durch KI alles automatisiert werde?

Mophat Okinyi: Die Vorstellung, dass KI alles automatisiert, vereinfacht die Situation zu sehr. KI kann bei vielen Aufgaben unglaublich intelligent und effizient sein, es fehlt ihr aber an menschlichem Urteilsvermögen und kontextbezogenem Verständnis. Diese Einschränkung bedeutet, dass die Automatisierung allein noch nicht mit der Komplexität und den Nuancen der menschlichen Intelligenz mithalten kann.

Meine größte Sorge ist, dass der momentan notwendige menschliche Input oft auf ausbeuterische und unmenschliche Weise gewonnen wird, besonders in Regionen wie Silicon Savannah hier in Kenia. Der Rückgriff auf menschliche Arbeitskraft zum Training und zur Verfeinerung von KI-Systemen sollte nicht auf Kosten einer fairen Behandlung und grundlegender Menschenrechte gehen. Es ist von entscheidender Bedeutung, diese ethischen Überlegungen anzusprechen, um sicherzustellen, dass der Fortschritt der KI der Menschheit zugute kommt, ohne die Würde und das Wohlergehen der an ihrer Entwicklung Beteiligten zu opfern.

netzpolitik.org: Wie werden die kenianischen Arbeitnehmer heute bezahlt? Wie sind jetzt die Arbeitsbedingungen?

Mophat Okinyi: Die Arbeitsbedingungen sind sehr erbärmlich, und die Arbeitnehmer haben nicht die Möglichkeit, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Sie erhalten oft Kurzzeitverträge von drei Monaten oder weniger, was dazu dient, ihre freie Meinungsäußerung zu unterdrücken und ihre Möglichkeiten einzuschränken, sich für bessere Bedingungen einzusetzen.

Viele dieser Beschäftigten werden weiter als Wegwerfarbeiter eingesetzt. Die Löhne sind außerordentlich niedrig. Bevor meine Kollegen und ich auf die Ausbeutung der Beschäftigten aufmerksam machten, bekamen diese Arbeiter 21.000 Kenia-Shilling (KES) pro Monat, was etwa 0,94 US-Dollar pro Stunde entspricht. Nach der Sensibilisierung der Öffentlichkeit erhöhte das Unternehmen Samasource den Grundlohn auf KES 27.000, was einem Stundenlohn von 1,21 US-Dollar entspricht. Trotz dieser Erhöhung reichen die Löhne nach wie vor nicht aus, um einen angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten, was die dringende Notwendigkeit weiterer Verbesserungen bei der Entlohnung und den Arbeitsbedingungen verdeutlicht.

Trotz unermüdlicher Arbeit im Teufelskreis der Armut gefangen

netzpolitik.org: Manche Menschen im Westen sagen, dass zwei US-Dollar pro Stunde in einem Land wie Kenia viel Geld sind. Was sagen Sie solchen Leuten?

Mophat Okinyi: Diese Beschäftigten bekommen umgerechnet weniger als zwei US-Dollar. Auch wenn zwei US-Dollar pro Stunde in bestimmten Kontexten als beträchtlicher Betrag erscheinen mag, ist es wichtig, die Lebenshaltungskosten und die vorherrschenden wirtschaftlichen Bedingungen in Kenia zu berücksichtigen. Solche Löhne bieten möglicherweise keinen ausreichenden Lebensstandard und entschädigen die Arbeiter nicht angemessen für die Aufgaben und Herausforderungen, denen sie ausgesetzt sind.

Wäre die Entlohnung ausreichend, könnten sich die meisten dieser Beschäftigten das Nötigste leisten, etwa Essen am Arbeitsplatz und Fahrkosten, denn viele haben schon mit diesen grundlegenden Dingen zu kämpfen. Die Wirklichkeit ist: Viele von ihnen sind mit Schulden belastet und trotz ihrer unermüdlichen Arbeit in einem Teufelskreis der Armut gefangen.

Es ist alarmierend, dass die Unternehmen, die diese Menschen beschäftigen, oft Milliardenumsätze machen, aber dennoch ist die Situation dieser Arbeitnehmer nach wie vor katastrophal, wenn sie sich im Laufe der Zeit nicht sogar noch verschlechtert hat. Es besteht ein krasses Missverhältnis zwischen dem Reichtum, den diese Unternehmen erwirtschaften, und den prekären Bedingungen, unter denen ihre Beschäftigten leben. Dies macht deutlich, wie dringend notwendig eine gerechte Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen sind.

netzpolitik.org: Welche Art von hasserfüllten oder negativen Inhalten werden von den Arbeitnehmern beseitigt?

Mophat Okinyi: Wir haben uns mit einer Reihe von schädlichen Inhalten befasst, einschließlich, aber nicht nur sexuelle Inhalte, Hass, Gewalt und Selbstverletzungen. Beispiele für sexuelle Inhalte waren Nekrophilie, Pädophilie und Vergewaltigung. Hassreden umfassten diskriminierende Äußerungen, die sich gegen Menschen oder Gruppen aufgrund von Faktoren wie Ethnie oder Religion richteten. Gewalttätige Inhalte umfassten Darstellungen von körperlicher Gewalt oder Aggressionshandlungen. Zu den selbstverletzenden Inhalten gehörte Material, das Selbstverletzungen oder Selbstmord propagierte oder darstellte.

Wir haben eine entscheidende Rolle bei der Identifizierung und Entfernung solcher Inhalte gespielt, um die Integrität und Sicherheit von ChatGPT zu wahren, und wir mussten einen psychischen und emotionalen Preis dafür zahlen.

Künstliche Intelligenz

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netzpolitik.org: Woher kommen die Inhalte, die von den Arbeitern aussortiert wurden?

Mophat Okinyi: Die Inhalte stammen von verschiedenen Online-Plattformen und -Diensten. Sie sind aus den dunkelsten Ecken des Internets zusammengeklaubt, die meisten von Dating-Seiten, Pornoseiten, privaten Chatseiten, einige von Online-Unterhaltungen mit KI-Chatbots, einige von Kinderhandelsseiten und anderen Webseiten mit illegalen Inhalten.

Regierung in Kenia lobt unethische Praktiken noch

netzpolitik.org: Zusammen mit drei Kollegen haben Sie beim kenianischen Parlament eine Petition eingereicht, um die Arbeitsbedingungen von Tech-Arbeitern in Kenia zu untersuchen. Gibt es eine ernsthafte Untersuchung? Gibt es schon ein Ergebnis?

Mophat Okinyi: Wir haben die Petition am 11. Juli 2023 an das kenianische Parlament gerichtet, um besonders die Arbeitsbedingungen kenianischer Jugendlicher untersuchen zu lassen, die unter ausbeuterischen und unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Trotz unserer Bemühungen bestätigte das kenianische Parlament den Eingang unserer Petition erst am 9. November.

Seitdem haben wir mit politischem Störfeuer zu kämpfen. Erst letzten Monat besuchten hohe Regierungsbeamte, darunter auch der Präsident Kenias, genau das Unternehmen, das unsere Leute ausbeutet. Sie haben das Unternehmen nicht nur besucht, sondern auch gelobt, was zeigt, dass ihnen das Wohlergehen unserer Arbeitnehmer nicht wirklich am Herzen liegt.

Diese Situation spiegelt das wider, was ich als digitale Kolonisierung bezeichne. Die Regierung lobt unethische Praktiken, nur weil sie von westlichen Unternehmen vorangetrieben werden, und missachtet dabei die Würde ihrer eigenen Bevölkerung. Angesichts dieser Entwicklungen gehen wir leider davon aus, dass unsere Petition im Parlament nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit erhält, was die Notlage der betroffenen Arbeitnehmer weiter verschlimmert.

netzpolitik.org: Glauben Sie, dass viele westliche Nutzer inzwischen wissen, dass KI-Systeme, ihre Fähigkeiten und ihre Benutzerfreundlichkeit auch den Arbeitern in Kenia zu verdanken sind?

Mophat Okinyi: Viele westliche Nutzer sind sich der Beiträge von Beschäftigten in Ländern wie Kenia zur Entwicklung und Wartung von KI-Systemen vielleicht nicht ganz bewusst. Es ist wichtig, das Bewusstsein für die menschliche Arbeit hinter den KI-Fortschritten zu schärfen und sich für die Anerkennung und faire Behandlung aller beteiligten Personen einzusetzen.

Oft werden die Endprodukte gefeiert, ohne sich mit ihrer Herkunft zu befassen, und die entscheidende Rolle von Datentrainern und Arbeitern beim maschinellen Lernen wird übersehen. Ohne ihren Beitrag gäbe es aber keine KI-Systeme wie ChatGPT.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Entwicklung von KI in hohem Maße von der Arbeit und dem Fachwissen von Menschen abhängt, die zur Datenverarbeitung, -kommentierung und -verfeinerung beitragen. Ohne sie hätte die Technologie nicht ihre heutige Leistungsfähigkeit erreicht. Wie ich schon immer gesagt habe: Es gibt keine KI ohne Daten, und die Datenarbeiter sollten genauso respektiert werden wie die KI-Ingenieure.

netzpolitik.org: Die Zusammenarbeit mit Samasource, dem von OpenAI beauftragten Unternehmen, wurde vorzeitig abgebrochen. Wer sind nun die Kooperationspartner in Kenia? Hat sich etwas zum Positiven verändert?

Mophat Okinyi: Derzeit ist mir nicht bekannt, welche Partner die Arbeit übernommen haben, die zuvor von Samasource erledigt wurde, da solche Informationen oft vertraulich behandelt werden. Diese Geheimhaltung kann als Strategie dienen, um potentiell unethische Praktiken zu verbergen und sich einer Rechenschaftspflicht für die Behandlung der Beschäftigten zu entziehen. Trotz dieser mangelnden Transparenz bin ich der Überzeugung, dass diese Unternehmen ihren Ansatz nicht grundlegend geändert haben und Menschen weiterhin als Wegwerfarbeiter in der KI-Entwicklung behandeln.

netzpolitik.org: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

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14 Ergänzungen

  1. Was mich interessieren würde ist, wie Arbeiter:innen und Tech-Firmen sich zusammenfinden.
    Bewerben sich die Leute direkt bei den Firmen oder werden sie durch Dritte vermittelt?
    Gibt es Subunternehmer?
    Wer zahlt den Lohn aus?
    Gibt es Korruption? Welcher Art?
    Wie werden vergleichbare Büro-/IT-Arbeiten bezahlt?

  2. „Solche Löhne bieten möglicherweise keinen ausreichenden Lebensstandard und entschädigen die Arbeiter nicht angemessen für die Aufgaben und Herausforderungen, denen sie ausgesetzt sind.“

    Natürlich nicht. Ausbeutung der Arbeiter (egal ob in Kenia oder hier) ist wesentlicher Teil des Kapitalismus.

  3. „Auch wenn zwei US-Dollar pro Stunde in bestimmten Kontexten als beträchtlicher Betrag erscheinen mag[…].“
    Sicher. Das Währungsgefälle ist die Garantie der ehemaligen Kolonisatoren, um weiter Sklaven halten zu können. Das ist der Garant unseres Lebensstandarts. Wenn ich hier 1 Stunde arbeite, kann ich mir dafür eine Menge Arbeitsstunden eines Menschen in einem Land wie Kenia kaufen.

    1. > Wenn ich hier 1 Stunde arbeite, kann ich mir dafür eine Menge Arbeitsstunden eines Menschen in einem Land wie Kenia kaufen.

      Und tun Sie das auch? Oder kommt es Ihnen nur darauf an, hier das Reizwort „Sklaven“ unterzubringen, und Lebensstandard falsch zu schreiben?

      1. „Oder kommt es Ihnen nur darauf an, hier das Reizwort „Sklaven“ unterzubringen“

        https://de.wikipedia.org/wiki/Lohnsklaverei

        So weit weg ist das gar nicht, wenn sich die Arbeiter solchen Löhnen gar nicht entziehen können. Solche sofern „Ein Indikator für Lohnsklaverei ist u. a. die Höhe des Arbeitsentgelts, das bei vollständiger Verausgabung der Arbeitskraft nur ein Leben am Rande des Existenzminimums ermöglicht.“ ungefähr zutrifft.

        (Achtung: Wikipedia ist keine wissenschaftliche Quelle. Ich werte auch nicht, ob der Begriff übertrieben ist oder nicht.)

        1. > So weit weg ist das gar nicht, …

          Dann wäre bezüglich des Artikels festzustellen, dass von „Existenzminimum“, „Zwang“ und „Gewalt“ nicht die Rede ist. Der interviewte Menschenrechtsaktivist hätte solche Formulierungen sicherlich benutzt, wenn sie zutreffend gewesen wären.

          Wie kommt es also, dass Begriffe hier angeführt werden, die weit über das hinausgehen, was ein sachkundiger Aktivist vor Ort faktisch nicht beschrieben hat?

          a) ich habe beim Lesen an „Sklaverei“ gedacht.
          b) ich wollte meinen Gedanken hier „loswerden“.
          c) ich habe Lust daran, solche Reizworte zu streuen, wobei mich der Wahrheitsgehalt nicht weiter kümmert.
          d) mal schauen, mit wie wenigen Worten ich Unruhe stiften kann. Überprüfen kann es ja niemand.
          e) ich glaube fest daran, und mir reicht mein Glaube.
          f) Meine ideologische Sicht auf die Welt, lässt keine andere Interpretation zu.
          g) Wenn andere sich über meinen Einzeiler streiten, dann bin ich zufrieden und fühle mich besser.

          1. Na gut, dann nennen wir es eben Kindersoldaten im Geiste, wenn Ihnen das besser Passt. Ich stecke da aber auch nicht drinnen. Ihre Auflistung jedenfalls entbehrt einer Menge Traktion, das ist sicher.

          2. Sind Sie etwa Gewaltfixiert? Der Aktivist ist Gewerkschaftler mit einem Interesse an Verbesserung der Arbeitsqualität, wofür Vorhandensein von Arbeit notwendige Voraussetzung ist.

            Sinngemäß sagt der Gewerkschaftler ja, dass viele Menschen sich kaum die Fahrkarte oder ein Essen in der Nähe der Arbeit leisten können. Zwang ist also durchaus nicht weit weg. Gewalt ist altbacken, nicht mal alle Römischen Sklavenbesitzer haben Gewalt angewandt.

            Man müsste also dem Originalposter die Möglichkeit lassen, die möglicherweise erhellende Perspektive zu erläutern. Eine Pflicht zum Interagieren mit Kurzposts gibt es sicherlich nicht, aber wie viel man sagen kann, ergibt sich z.T. schon aus dem Kontext, wenn jemand das so in den Kontext setzt, und nicht einfach irgendeine Idee formuliert hat (…).

      2. „Und tun Sie das auch?“

        Die allermeißten im Westen tun sowas indirekt: Made in China, Made in Vietnam, Made in Bangladesh, …

        Und wenn es nur der städtische Elektrobus made in China ist. Es gab mal irgendwo eine Studie oder ein lustiges Buch oder so, mit einer Estimation für unseren Lebensstil. Erinnere die Zahl nicht mehr, 50, 500, im Leben oder per Auto, oder per Stunde oder was. In der Autoindustrie tut sich zwar viel, doch sicherlich variiert das wild, je nach Fertiger, Standort und Modell.

        1. Hier ist gemeint, dass im Grunde genommen Menschen mit wenig Ausweichmöglichkeiten bei niedrigerem Versorgungsstand, Arbeitsschutz u.ä., für uns arbeiten. Sicherlich gibt es da einiges an Bandbreite allein schon in China, sicherlich auch allerlei mindestens vordergründiges Win-Win.

          Rein konzeptionell, möglicherweise unabhängig von staatlicher Organisationsform, ist das Prinzip der Ausbeutung, um es eine Stufe kleiner zu formulieren, sehr schwer zu überwinden. Einen allgemeinen anerkannten Plan hat die Menschheit da bisher noch nicht.

          Welche Industrienation kommt derzeit ohne das Konzept günstiger Arbeit (im Ausland) aus?

          Jetzt kommt vielleicht ein noch schlimmerer Systemkampf. Demokratien (irgendwie), mit Autokratien (wie!?). Bei jedem System muss man immer fragen, wie weit weg es davon ist, dass eine Entität mit schlechten Absichten (bzgl. der Menschheit, bereinigt um tatsächliche Wirkung) zu viel Macht an sich reißt. Eine Autokratie kann diesbezüglich durchaus auch irgendwie balanciert sein. Hat man die Basics geklärt, kann es eigentlich keinen allgemeinen Autokratienbund mit Zukunft geben, auch nicht wirtschaftlich de facto o.ä. Insgesamt bestehen krasse Imbalancen auf allerlei Ebenen.
          Aus europäischer Perspektive ist das auch „interessant“: unsere Daten, billige Arbeit aus Kenia, US-KI (Ergebnis: …). Gemeinsame Werte machen offenbar an allerlei Schranken halt, um den Zug der Freiheit vorbeibrausen zu lassen. Ob in Zukunft überhaupt noch irgendein Zug irgendwo halten will?

  4. Also ich finde, daß 2 EUR doch viel sind für kenianische Verhältnisse. Wenn ein keninischer Menschenrechtsaktivist und Gewerkschafter angeblich zu niedrige Löhne durch westliche Unternehmen anprangert, das kann mich nicht verwundern. Welche Löhne zahlen denn einheimische Unternehmen? Und was bitte, soll denn an der Tätigkeit für ChatGPT erbärmlich sein? Eine überflüssige und einseitige Berichterstattung in meinen Augen.

    1. „Also ich finde, daß 2 EUR doch viel sind für kenianische Verhältnisse.“

      1. Woran machen Sie das fest? Daran, dass man Kinderpornographie zu sehen bekommt? Oder eher wegen Kannibalismus? Oder einfach nur Gewalt?
      2. Kenia oder Nairobi? https://de.numbeo.com/lebenshaltungskosten/stadt/Nairobi?displayCurrency=USD

      Egal ob wir jetzt abstimmen wollen, was genug für den Kenianer an sich ist, oder ob wir eine Wertung vornehmen wollen, was unsere Unternehmen für ihre Arbeitnehmer im Ausland bitteschön gerne an Zivilisation bereitzustellen hätten, statt sich an Abwesenheit von Teilen dieser, und den damit einhergehenden niedrigeren Lohnkosten, zu laben, so müssen wir dennoch zuerst mal feststellen, was 2$ pro Stunde bedeuten.

      Naiv gerechnet wären wir bei 8*30*2 = 480 Euro. Steuern wohl ab 25-30%, ein paar Tage vielleicht wieder ab, vielleicht macht auch einer mehr Stunden. Das klingt doch nicht wenig, manche leben von 20$, … auf dem Land. Ach ja, wir sind in der Stadt… Da gab es doch mal ein Wohnungsproblem, was eigentlich eine Einkommens- und Beschäftigungskrise gewesen sein sollte (Nairobi 12/2020). Was z.B. kostet denn jetzt eine Zweizimmerwohnung außerhalb des Stadtkerns im Monat (Nairobi)? Der Mindestlohn ist mal zwischen 135 und 300 Euro im Monat, da fällt das wohl grob überschlagen ans obere Ende des Mindestlohns. Es gibt viel Selbständige Tätigkeit, die ungesichert für Schulbildung und Konsum passiert, aber statistisch nicht erfasst ist. Mitunter Weltengefälle zwischen Land (Hungersnot, 20$ im Monat, überhaupt ein regelmäßiges Einkommen?) und Stadt (auch hier gibt es Armut). Durchschnittseinkommen bei 400$ (nach Steuern?), allerdings setzt man auf Trickle-Down. Inflation vielleicht auch noch bedenken. Usw. usf. So ganz trivial ist das nicht „zu finden“, wir sind hier ja nicht fertig.

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