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In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren

Der Deutschlandfunk hat den innenpolitischen Sprecher der Union, Hans-Peter Uhl, interviewt und einen Mitschnitt (MP3) davon online gestellt. Wenigstens stellt der Moderator mal kritische Fragen, auch wenn das Uhl nicht abhält, weiterhin Phrasen wie diese von sich zu geben:

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Frage: Wie ethisch oder unethisch ist es, den Doppelanschlag von Oslo als politischer Trittbrettfahrer zu nutzen?

Uhl: Ich möchte auf diese Äußerung nicht näher eingehen, das kommt von linker Seite. [….] In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren.[….] Wir sind uns einig, das Internet weiter überwachen zu müssen.[….]

Man kann auch fragen: Warum baut die Bundesregierung viele Programme gegen Rechts ab? Warum wird von Herrn Uhl und seinen Kollegen aus der Union wieder so schnell das Internet als Sündenbock herangezogen, aber die Mitgliedschaft des Attentäters in einem Schützenverein und der legale Besitz mehrerer Waffen wird nicht thematisiert? Warum gehen die betroffenen Norweger so souverän an die Sache heran und betonen den Wert ihrer Offenheit und Freiheit, während in Deutschland sofort weitere Bürgerrechtseinschränkungen gefordert werden?

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76 Kommentare
  1. Auf dem rechten Auge blind …

    Das ist alles so traurig, was Deutschland und die MEPs da gerade veranstalten – während gerade in Skandinavien die Diskussionskultur prinzipiell (und nicht nur im Netz) abgeklopft wird, gebärden sich unsere Biedermänner wieder als Brandstifter.

  2. Die Ermittlungen zu dem Fall sind gerade erst angelaufen und so vieles ist noch unbekannt, aber der Uhl hat schon erkannt, das Internet ist Schuld?

    Ich weiß ja nicht, aber die CDU/CSU sollten mal überlegen ob Hellseher in das Weltbild einer „christlichen“ Partei passen.

  3. Weil es leider in Deutschland bei so vielen Mitbürgern die Tendenz gibt, ganz genau zu wissen, was für alle anderen das Beste ist. Und das muss dann auch noch mit Befehl und Zwang durchgesetzt werden.

  4. Der CSU-Politiker Uhl regt darüber hinaus vor dem Hintergrund kinderpornografischer Angebote im Internet an, Provider per Gesetz zu zwingen, bestimmte Seiten aus dem Netz zu nehmen. Spätestens seit den Olympischen Spielen in Peking wisse man, was möglich sei: „Was die Chinesen können, sollten wir auch können. Da bin ich gern obrigkeitsstaatlich.“

    http://www.focus.de/digital/games/killerspiele-bayern-beharrt-auf-raschem-verbot_aid_329802.html

    seine rechtsstaatliche auslegung der grundrechte ist schon immer bemerkenswert gewesen.

  5. aber die Mitgliedschaft des Attentäters in einem Schützenverein und der legale Besitz mehrerer Waffen wird nicht thematisiert?

    Erinnert mich an folgendes Bild:

    http://saved.im/mtmyotgzawo1/5.jpg

    Aus eigener Erfahrung als ehemaliges lange Jahre aktives CDU-Mitglied (bin wegen Zensursula, Stasi-Schäuble und Copy&Paste-Guttenberg aus der Partei ausgetreten) weiß ich daß ländlich-bodenständige Schützenvereine, aber auch Jäger, zur absoluten Unions-Stammklientel gehören. Dort wird halt traditionelles Brauchtum gepflegt, dort kann man noch auf konservative Wählerstimmen zählen. Diese Klientel kann man nicht einfach so verprellen als um seine Wiederwahl besorgter Politiker. Daher werden nach solchen Amokläufen – von ein paar Ausnahmen abgesehen – Schützenvereine auch stets mit Samthandschuhen angefasst, sowohl was offizielle Stellungnahmen konservativer Politiker angeht, als auch Gesetzesverschärfungen.

    Viel leichter ist es da für die sehr technikferne CDU-Politikergeneration mittleren Alters, „Killerspiele“ zu dämonisieren und der ebenfalls (fast) im Rentenalter befindlichen Stammwählerschaft Angst einzujagen und ihr weiszumachen was für ein Teufelszeug doch Videospiele sind. Man hat sich halt damit abgefunden daß man die junge Generation, welche mit den (garnicht mehr so) „neuen“ Medien aufgewachsen ist, nicht erreichen wird. Und selbst als junger Nachwuchspolitiker in der Union kann man sich dann auch kaum leisten, gegen so ein „von oben“ von den Altvorderen zementiertes Diktum anzugehen. Das schafft regelmäßig böses Blut in den eigenen Reihen und gefährdet die eigene Karriere solcher Emporkömmlinge.

    Und ich schätze mal, so ist es am Ende auch bei der Vorratsdatenspeicherung. Hinter den Kulissen will man sie eh für ganz andere Sachen haben, nun hat man wohl offenbar einen neuen Aufhänger wie man glaubt, und es geht Leuten wie Herrn Uhl auch am Arsch vorbei daß (junge) Leute die wirklich was von neuen Medien und digitaler Kommunikation verstehen, reihenweise die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und dagegen Sturm laufen. Man hat in der Union vielleicht immer noch nicht das Internet verstanden, und ich bezweifle daß Leute wie Herr Uhl, Frau von der Leyen oder auch Herr Friedrich dies jemals werden… aber eins hat man schon sehr genau mitbekommen: daß man mit dem „bösen Internet“ der geriatrischen Stammwählerschaft Angst einjagen kann und dort die Wählerstimmen und die moralische Unterstützung bekommt die man braucht um auch die demokratiefeindlichsten Sicherheitsgesetze durchzudrücken.

  6. „aber die Mitgliedschaft des Attentäters in einem Schützenverein und der legale Besitz mehrerer Waffen wird nicht thematisiert?“

    Das erinnert mich an die Debatten zu den Amokläufen hier in Deutschland.
    Einige Schützenvereine/Waffenverbände: „Die Killerspiele sind schuld“.
    Einige Gamer: „Nein die Schützenvereine sind schuld.“
    (CDU/CSU) Politiker: „Ihr seid alle schuld, nur wir nicht.“

    Bitte steigen Sie nicht auch noch auf dumpfe Schuldzuweisungen herab.

    1. Neee. Das ist nicht schade. Herr Uhl trägt solche Ideen mit sich herum, eräußert sie nur offen (in Hoffnung auf Jubelperser) zu solchen Anlässen. Je öfter man sein Demokratie- und Freiheitsverständnis offen diskutieren kann, desto besser.

      Um mir Worte von Jefferson zu borgen: „Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.“ … das mag manchmal wie ein Kampf gegen Windmühlen anmuten.

  7. Das traurigste ist, man kann nichts gegen Leute wie Uhl machen. Er wird immer über die Schicksale vieler Menschen bestimmen. Was und seine Bosse sagen ist Gesetz und wir sind die Sklaven die gehorchen müssen. Ich hol mir nen Strick….

  8. Was dabei interessant ist: Norwegen hat bereits ne Zensurinfrastruktur und seit kurzem ein VDS-Gesetz. Genützt hats … nunja.

    Passenderweise führt Breivik in seinem „Manifest“ sogar lange, lange aus, wie er „normal“ angezogen rumläuft und sich im Internet betont harmlos gibt, um keinen Verdacht zu erregen. Die Überwachung nützt doch genau gar nichts gegen (a) Einzeltäter und (b) jeden, der sich im Bewusstsein um die bereits heute große Überwachungsdichte im Netz auf andere Kommunikationswege verlegt.

    1. Was kaum jemand weiß, die VDS aka DLD (Datalagsdirektivet) wird erst 2012 in Norwegen technisch umgesetzt. (Quelle geistert irgendwo in meiner identi.ca Timeline rum – habe gerade keine Zeit zu suchen :-)

      Ich gebe zu bedenken, dass das Wasser auf die Mühlen der Befürvorter sein könnte.

    2. Ein Gesetz gibts, für die Umsetzung haben die Provider noch Zeit, das stimmt. Ich wollte eher auf den Aspekt raus, dass die „liberalen“ Norweger in vielerlei Hinsicht schon heute nen Schritt restriktiver vorgehn, als es hierzulande der Fall ist. Zu dem Thema kann man sich auch mal den Umgang mit Alkohol anschauen.

      1. So wie (ich glaube, es war) Baden-Württemberg ein Alkohol-Verkaufsverbot nach 22 Uhr verhängt hat (Da will Deutschalnd ja nicht zurückstehen, gell)?

        Passend wäre da aus Deiner Sicht auch noch das schwedische IPRED, was es der ‚GEZ‘ ermöglicht, jeglichen Datenverkehr zwischen Schweden & dem Rest der Welt mittels ‚Deep Packet Inspection‘ nach Inhalten zu filtern – dies hat aber ‚zwangsläufig‘ einen positiven Seiteneffekt – Kryptografie innerhalb der Kommunikation steigt deutlich an – immerhin. :-\

  9. Uhl hat keine Argumente, aber er weiß schon dass es ein überraschendes Ergebnis geben würde, bei der Frage an die Justiz- und Innenminister der Länder wie viele Fälle von Volksverhetzung sie in den letzten Jahren geahndet haben.
    Jedoch wird das Ergebnis für ihn keine Überraschung sein. Uhl sagt (ab Minute 3:15): Und dann werden wir fragen müssen: Was kann der Staat tun um das Strafrecht im Internet tatsächlich umzusetzen.
    Heißt Überwachung. Und zwar massiv. Und das geht nur mit VDS. Die wollen die VDS um alles in der Welt. Die freie Gesellschaft interessiert diese Bande nicht die Bohne. Freiheit war nur zu Zeiten der DDR ein Argument für die „christlichen“ Parteien.

  10. In Freedonia* geht eine Bombe hoch, und als Konsequenz werden hier die Bürgerrechte weiter eingeschränkt.
    Diese Logik soll noch einer verstehen.

    * Freedonia soll jetzt stellvertretend für irgendein Land stehen.

    1. Na, wir könnten doch die nächsten sein, und das willst du doch nicht, oder?
      Also müssen wir uns vor den pöhsen Terroristen schützen, indem wir unsere Bevölkerung rund um die Uhr überwachen, schließlich könnte ein Husten an der Straßenecke schon eine Verabredung zum Attentat sein.

      Aua, jetzt hab ich Kopfschmerzen.

  11. Ich finds echt lustig ..die meisten Leute regen sich auf, dass Killerspiele, etc ein „Über-Ein-Kamm-Scheren“ ist und immer wieder kommt dabei das Bashing von Schützenvereine auf (wobei Mitglieder dieser eh nur die „scheiss“ CDU-Stammwähler sind).
    Mal ehrlich Leute – entweder lernt ihr eure eigenen Regeln oder überlasst das Ganze den Erwachsenen.

    So, das musste mal sein :) Nee, mal ehrlich – es gibt auch unter den Schützen sehr viele netzpolitische Anhänger (und auch Piraten, Nicht-CDUler, politisch Gefrustete) und stellt euch das mit den Waffen nicht zu einfach vor – es ist EXTREM schwierig da ran zu kommen.
    Ob man diese jetzt komplett verbieten sollte oder nicht ..lass ich gelten, aber das dürfte wohl eine Grundsatzdiskussion ohne Ende werden.

    Jedenfalls sollte man bei solchen Themen statt den Verallgemeinerungen mal lieber auf die Probleme selber gehen und dort die Energie investieren – was soll wirklich mit Vorratsdatenspeicherung etc passieren, warum ist es für die höheren Kreise so interessant (nicht nur die offensichtliche Dinge), was kann man dagegen tun.

    *Und für alle nicht qualifizierten Antworten gibts nen Kuschelteddy gratis* ;)

    1. Aber du wirst selbst zugeben, dass man im Schützenverein eher den Umgang mit einer Waffe lernt als am PC, oder?

      Grundsätzlich hast du aber Recht, ein Verbot von (Sport-)Schützenvereinen bringt uns auch nicht weiter. Dann melden sich zukünftige Täter eben bei der Bundeswehr und lassen sich dort ausbilden (dürfte sogar noch effektiver sein).

  12. Den Teddy möchte ich auf alle Fälle.

    Ich denke auch, es geht nicht um Waffen, sondern um deren Besitzer.

    Kampfhunde (auch ein blödes Wort der Dumpfpresse) sind nur so lieb, wie der Besitzer. Messer können auch nicht nur Tomaten schneiden, wenn der Besitzer anderes möchte. Und Knarren ballern auch nicht von alleine. Die Waffe ist der Mensch.

    So einfach ist das.

    Teddy??

    1. War zwar nicht unqualifiziert, aber nen Ehrenteddy hast ;)

      Aber hast recht – wir hatten mal nen Dobermann (mit Ohren und Schwanz) und das war ne Planschkuh der vor Knöchelbeißern geflüchtet ist – soviel zu Kampfhund.
      Und keiner hat gefordert Flugzeuge abzuschaffen, weil das WTC damit platt gemacht wurde – Airbus musste auch keine Strafzahlungen leisten bzw. vorsichtshalber alle ihrer Telefonate irgendeiner staatlichen Stelle überlassen.

      Logisch denken ftw ;)

  13. Die Sache mit den Schützenvereinen (und der Kommentar von Andreas dazu) erinnern mich extrem an „Bowling for Columbine“ von Michael Moore, wo er in dieses Haus von dem Waffenfritzen läuft… Das mit den Wählerstimmen durch die Schützenvereine ist also genau das gleiche wie die finanzielle Unterstützung der Amerikanischen Regierung durch die Waffenlobby!

    Ich habe von einem Kumpel, der regelmäßig in Norwegen ist, Fotos aus einem norwegischen Supermarkt gesehen. Da hängen genau wie in den USA die Waffen einfach so rum, teilweise auch direkt zum Ausprobieren, und die Magazine kann man da auch einfach so kaufen.

    Ich begrüße die offene und soziale Politik Norwegens total, aber bei Schusswaffen sollte in jedem Land die Offenheit aufhören!!!

    1. Da ist schon noch ein kleiner Unterschied, ob man Munition im 100er Pack gleich um die Ecke im Supermarkt kaufen kann (natürlich ohne Identifikation, nicht mal Altersnachweis) oder ob da Kontrollinstanzen eine größere Hürde schaffen. Im Schützenverein z.B. wäre es toll, wenn alle ihre Waffen dort sicher verwahren könnten/müssten. Dann gibt es zu Hause auch keine Probleme.
      Als Pazifist lehne ich Waffen gänzlich ab, aber jeder denkt anders. Und das ist auch eine Bereicherung.

  14. :-) Danke!

    Ich denke, man muß, wie jedes Mal, die hysterische Zeit „danach“ wieder abwarten. Vorher ist erfahrungsgemäß keine sachliche Diskussion über irgendwas mehr möglich. Das zeigen alle Fälle der so genannten Amokläufe. Ein Wort übrigens, das ich wie die Pest hasse. Denn es sind eben keine Amokläufer. Aber ich habe keine Lust mehr, den üblichen Pressefuzzis das zu erklären. Amok macht eben mehr her. Sie brauchen diesen Begriff für ihre Auflage.

    Ich gehe jetzt erstmal in den Garten zu den Harten. Meine zwei Kampfdackel nehme ich mit.

    ;-)

  15. Als internetaffines, computerspielespielendes Schützenvereinsmitglied, der trotz dieser scheinbar miserablen Sozialisationsumgebung wider Erwarten Gewalt irgendwie nicht mag, möchte ich bemerken, dass der hier gemachte Fingerzeig auf die Schützenvereine für eine mit Schützenvereinen vertraute Person ungefähr den gleichen Charakter hat wie Uhls Fingerzeig auf das Internet für jemanden, der mit dem Internet vertraut ist. Es offenbart Ahnungslosigkeit.

    Als allererstes sollte man zwischen zwei Dingen unterscheiden: den traditionellen Schützenvereinen (die in grünen und grauen Uniformen), die es überhaupt nur im deutschsprachigen bzw. von deutscher Kultur beeinflussten Raum gibt, und auf der anderen Seite den Klubs, die mit der Tradition der Schützenvereine nichts am Hut haben und sich tendenziell eher aus Waffenfreunden rekrutieren (wobei ich nicht sagen will, dass diese zweite Gruppe grundsätzlich aus Waffennarren besteht, nur einen Gegensatz zur ersteren Gruppe) und tendenziell „potentere“ Waffen verwenden.

    Breivik war in einem Klub der zweiteren Gruppe, ebenso der Amokläufer in den Niederlanden Anfang des Jahres und auch der Amokläufer von Winnenden hat im Schützenverein mit einer Magnum geschossen, während die grünberockten Schützenvereine in der Regel mit Luftgewehren und Kleinkaliber-Gewehren schießen. Waffen, die sicher für eine Gewalttat oder einen Suizid missbraucht werden können, aber vollkommen ungeeignet sind, einen Amoklauf zu begehen.

    Wer sich für verschärfte Waffengesetze einsetzen möchte, möge sich dieser unterschiedlichen Gruppen bewusst sein und sich darauf konzentrieren, zum Massenmord geeignete Waffen einzuschränken.

    Der Anteil der zu Gewalttaten bereiten Personen unter den 1,5 Millionen Mitgliedern des Deutschen Schützenbundes dürfte sich nicht signifikant von dem in der Gesamtbevölkerung unterscheiden. Wer also den Besitz von Automatikwaffen oder ähnlichem einschränken will, der hat meinen Segen. Aber derjenige soll sich bitte bewusst sein, dass die meisten der ach so gefährlichen Schützenvereine mit Luftgewehren schießen, die Geschossenergien haben, um auf zehn Meter Entfernung fünf Millimeter große Löcher in Papierscheiben zu reißen und bei denen jeder einzelne Schuss separat nachgeladen werden muss.

    Ich finde es sehr unangenehm als Mitglied eines Schützenvereins für das Benutzen einer solchen Waffe mit Amokläufern assoziiert zu werden, ähnlich wie ich es sehr unangenehm finde, als Verfechter eines freien Internets mit Kinderpornografen assoziiert zu werden.

    1. Es hat, soweit ich das gelesen habe, niemand Schützenvereine als alleinige Verursacher bezeichnet. Nur eben das komplette fehlen jeglicher Kritik an SV und dazu die völlig überzogene Kritik an 1st Person Shootern ist halt völlig unangebracht.

      1. >Es hat, soweit ich das gelesen habe, niemand Schützenvereine als alleinige Verursacher bezeichnet.

        Das habe ich auch nicht so aufgefasst oder dargestellt.

        >Nur eben das komplette fehlen jeglicher Kritik an SV und dazu die völlig überzogene Kritik an 1st Person Shootern ist halt völlig unangebracht.

        Das ist jetzt selektive Wahrnehmung. Die Schützenvereine kriegen jede Menge Kritik und Polemik übergekübelt und im Gegensatz zu Computerspielen, bei denen sich die Gesetzeslage in den letzten Jahren trotz aller Novellierungsansätze kaum geändert hat, wurden die Reglementierungen bei den Schützenvereinen wiederholt verschärft. Teils sinnvoll, teils weniger sinnvoll.

    1. Bisher haben nur Taris und ich irgendwas „Rechtfertigendes“ über Schützenvereine gesagt. Daher antworte ich mal, obwohl ich mich nicht als „Waffenfreund“ zähle.

      Wenn man Schützenvereine pauschal kritisiert oder andeutet, dass diese in irgendeiner Form „Ursprung“ von Gewalttaten seien, dann handelt man in exakt der selben Weise wie Hans-Peter Uhl und vergleichbare CDU-Figuren. Uhl hat vermutlich nur eine grobe Vorstellung davon, was das Internet ist und wie vielfältig seine Ausdrucksformen sind. Aber er sieht, dass sich in diesem Internet Kinderschänder an Kinder heranmachen, politische Spinner sich in ihren radikalen Meinungen gegenseitig aufschaukeln und Manifeste kompilieren etc. pp. In Uhls Augen braut Böses im Internet und Uhl meint daher, dass dieses Internet unter Kontrolle gebracht und stärker reglementiert werden muss. Als Menschen, die mit dem Internet vertrauter sind als Uhl wissen wir dagegen, dass Uhl das Internet verkennt und seine geplanten Maßnahmen dem Internet schaden werden, ohne die Ziele zu erreichen, die er erreichen will.

      Und genauso geht es mir, der ich mit Schützenvereinen vertraut bin, mit der Kritik an den Schützenvereinen. Diejenigen, die mit dem Finger zeigen, wissen in der Regel nicht, wie es in Schützenvereinen zugeht. Sie sehen nur, dass ab und zu Leute Amok laufen, die vorher in Schützenvereinen Mitglied waren. Böses braut in den Schützenvereinen! denken sie. Aber man kann Schützenvereinen ebensowenig pauschal Schuld zuweisen, wie man dem Internet pauschal Schuld zuweisen kann oder Computerspielen pauschal Schuld zuweisen kann.

      Wer also sagt „Breivik war im Schützenverein, Schützenvereine sollten schärfer reguliert werden!“ handelt genauso blind und dumm wie jemand, der sagt „Breivik war im Internet aktiv, das Internet sollte schärfer reguliert werden!“

      Breivik war im WWW aktiv, aber dass heißt nicht, dass das Internet stärker reguliert werden muss, sondern dass zum Beispiel die Foren der Radikalen stärker beobachtet werden müssen. Ebenso war Breivik im Pistolklubb, aber dass heißt nicht, dass Schützenvereine generell stärker reguliert werden müssen, sondern dass zum Beispiel Automatik- und Semiautomatik-Waffen nicht in Privathand gehören.

    1. Ist alles ok.

      Nur abmurksen müssen wir uns dann eben doch nicht.
      Da war wohl jemand mit der Gesamtsituation unzufrieden.

      Man kann das auch anders regeln, sofern man die Möglichkeit hat.

  16. Man muss Herrn Uhl schon verstehen.. Dieses böse Internet hat immerhin einen potenziellen Kanzlerkandidaten und göttlich bestätigte Lichtgestalt seiner Partei zum Rücktritt gebracht UND dessen politische Karriere beendet, sowie dessen Doktorarbeit in Frage gestellt. Also so etwas muss doch bekämpft werden. Wo kämen wir hin, wenn Anstand und Moral als Maßstab für Politik gelten sollen, wie stellt ihr euch das vor? ;-)

  17. Selbst in der CSU geht es anders:

    Die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär wandte sich gegen Forderungen nach Einführung der Vorratsdatenspeicherung auch aus ihrer eigenen Partei: „Es ist nicht angemessen, auf dem Rücken junger und unschuldiger Opfer eine Regulierung des Internets zu fordern“, sagte die Vorsitzende des für Internetpolitik zuständigen CSU-Netzrates.

    http://www.faz.net/artikel/S32742/massaker-in-norwegen-polizei-fahndet-nach-breivik-verehrer-30474082.html

    (Bitte um Nachsicht wg. Doppelposting, verursacht durch mangelnde HTML-Kenntnis und nicht verhindert durch fehlende Voransicht o.ä.)

  18. weil die norweger ihre demokratische identität offensichtlich verteidigen und festigen wollen.

    der erfolg des terrorismus wäre die änderung des selbstverständnisses und der alltäglichen praxis der angegriffenen gruppe.

    mit ihrer selbstbewussten haltung entmachten die norweger den angreifer, anstatt die störung der sicherheit für einen rückzug aus ihrer demokratischen identität zu nutzen.

    pathetische wortmeldungen frei nach „die opfer dürfen nicht umsonst gestorben sein“ gehen in die irre. genau das gegenteil ist der fall.

    ihr tod muss unbedingt zwecklos bleiben.

    .~.

  19. Oh man, – der hört sich ja genau wie Schäuble an, – also sind Schäuble, Beckstein & Co – gar keine Schwarzen Schafe, – sondern repräsentieren CDU – Durchschnitt…

    Traurig ist auch, – das wenn die CDU die Verfassung, bzw. das Grundgesetz ändern wollen, – sehen sie sich gar nicht als Verfassungsfeinde…

    – ich denke mal die meisten Menschen die als „Linksextreme“ bezeichnet werden, – wollen die Verfassung höhstens wiederherstellen – bzw die Würde des/der Menschen wiederherstellen, – die grade die CDU mit Füßen tritt… – pöhse Linke…

    – in den 50ern dürfte man Systemkritische Menschen als Verhaltensgestört wegsperren, – Frau und Kinder täglich verprügeln und misshandeln, – oder es hat keine Sau gejuckt… – woher stammt eigentlich Konservatives Gedankengut von Heute ? – Lasst mich raten… – Auf jeden Fall aus einer Ära – vor der den Menschenrechtskonventionen – wahrscheinlich aus der Zeit der Hexenverfolgung – und als Hexe gilt jeder, – der zumindest versteht – oder fühlt, das der Kapitalismus in seiner so existierenden Form nicht mehr weitergehen darf…

    Ich glaube ausserdem das das Problem „Rechter“ immer Hausgemacht ist – wenn wir ein individuelles Schulsystem hätten, – indem z.b. Stark auf die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit – in Form von Individueller Talentförderung wertgelegt werden würde – dann bräuchte sich überhaupt niemand durch Geld oder Ideologien zu identifizieren… – wenn es dann noch jedes Fach in 3 Geschwindigkeiten (A – B – C) gäbe, – die das Kind und Interesse nach eigener Wahl belegen darf, dann kann man dafür sorgen das alle die Schule mit gleichwertigen Bildungsniveau, und Talentbasierter Selbstidentifizierung verlassen – was zu einer Wissens und Kulturrevolution führen würde – aber wenn ich diese Idee habe, – ists sicher schon ein „Alter Hut“ – und haben viele vor mir gedacht, – das das Schulsystem aber eben nicht so ist, beweist das die „Herrschenden“ gar kein Interesse daran haben – lieber zum Großteil Dumme Gewalttätige Menschen „herstellen“ die sich am Besten mit Markenklamotten aus Kinderarbeit ihre Identität geben…
    – und so wird auch stets Menschenverachtenes Gedankengut seinen Weg in die Köpfe finden…

    Das regt mich echt auf – wenn man in dieser Welt etwas ändern will, – dann braucht man einen Zwangigjahresplan, und beginnt bitte mit monatlichen Pädagogenbesuch/oder Vorstellung (zum Schutz vor Missbrauch) für alle Kinder ab der Geburt bis zum 15ten Lebenjahr – sorgt dafür das jedes die Förderung bekommt die es braucht / möchte – und entlässt es erst aus der Schule wenn das Mindestbildungsnivau (Abi + Ausbildung) erreicht ist… – sehr lernfähige sind dann nach 12 Jahren fertig, andere eben später…
    Und ja: – das ist grade ein Versuch: meine Ansichten als Gedanken in eure Köpfe schwirren zu lassen….

    – Im übrigen, – versucht mal in Norwegen, den Walfang in Frage zu stellen…

  20. „In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren.“

    Vielleicht fällt Hernn Uhl einfach nur nichts besseres ein. Früher hätte man den Teufel als Ursache dieser Tat gesehen. Aber weil es den Teufel ja nicht geben darf, fällt Dieser als Ursache weg.

    Eine weitere, modernere und mit der Idee von Freiheit und Demokratie kompatibele Erklärung wäre dass der Täter geistig krank ist und die Idee seiner Tat ihren Ursprung in seiner Krankheit hat. Norwegische Psychiater meinen jedoch dass der Täter voll zurechnungsfähig ist und eine Geisteskrankheit als Ursache fällt darum ebenfalls weg.

    Woher kam die Idee für diese Tat? Bleibt nur noch das Internet als idealer Sündenbock übrig.

  21. Ich weiss nicht was daran frech oder dumm sein soll. Ich selbst behaupte nicht dass die Tat im Internet geboren wurde, denke aber dass das Internet für Andere als idealer Sündenbock gilt.

    Irgendwo muss die Idee ja her gekommen. Alle Dinge in der Welt sind Teil von Ketten von Ursachen und Folgen. Nichts kommt aus der Luft gefallen. Und in der Reihenfolge der Geschehnisse muss logischerweise eine Ursache für die Tat gewesen sein.

    Obwohl die CDU/CSU das „C“ von „Christlich“ in ihrem Namen tragen kann doch Niemand ernsthaft glauben dass die Parteimitglieder in Gott oder Jesus glauben. Hat Angela Merkel z.B. jemals Gott oder die Bibel als Ausgangspunkt irgendeines Beschlusses genannt? Ist der Begriif „Gott“ auch nur einmal im Bundestag gefallen?

    Götter werden nicht gewählt und Religion und Demokratie sind nun einmal unvereinbar. Demokratie ist der Glaube in den Menschen und nicht in Gott. Wenn es Gott und Teufel, in der meist extremen Bedeutung dieser Begriffe, wirklich gibt haben Wir, wenn Wir nicht in die Hölle kommen wollen, keine andere Wahl als dem Diktat von Gott zu gehorsamen und ist die Idee von Demokratie absurd. Darum darf es Gott nicht wirklich geben. Wer in Gott glaubt darf Dies tun, solange es nicht zu einem verfassungswidrigen Verhalten führt, aber Gott/Religion und Staat müssen getrennt sein und Gott darf nicht als Ausgangspunkt für politische Entscheidungen dienen.

    Wenn Gott oder eine Geisteskrankheit des Täters als Ursache ausfallen, muss es wohl oder übel eine andere Ursache geben. Ich meine dass Politiker dafür das Internet ausgesucht haben. Damit haben Sie eine einfache Erklärung Die bei vielen ihrer Wähler in fruchtbaren Grund fällt und können damit gleichzeitig versuchen ihre politischen Opponenten im Internet mundtot zu machen.

    Aber vielleicht hast Du ja auch noch andere Ideen Die als Ursache in Frage kommen und habe ich etwas übersehen oder vergessen zu erwähnen.

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