Generell

Gekaufte redaktionelle Beiträge bei Zeitungen

Wenn man sich mit Menschen aus der PR-Branche unterhält, erhält man immer wieder Informationen, welche Zeitungen käuflich sind. In der Regel kann man das aber nicht verwenden, weil die Beweise fehlen. Aber trotzdem ist es interessant, um zu erfahren, wie das Mediengeschäft funktioniert. Sebastian Heiser von der Taz hat jetzt mal investigativ recherchiert und als vermeintliche PR-Firma bei einzelnen Zeitungen angefragt, ob redaktionelle Beiträge käuflich sind. Dabei hat er vier schwarze Schafe gefunden. Die Gewinner sind: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Märkische Allgemeine Zeitung und Neues Deutschland.


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In einer Vorabmeldung berichtet die taz: Zeitungen verkaufen Einfluss auf Berichterstattung.

Der taz-Reporter war an zehn deutsche Verlagshäuser herangetreten. Er hatte erklärt, er berate Firmen bei der Entscheidung, in welchen Medien sie Anzeigen schalten. Dabei habe er sich darauf spezialisiert, ein „geeignetes Umfeld“ zu finden. Dies gilt in der Branche als ein Codewort für Schleichwerbung. Wenn eine bezahlte Veröffentlichung nicht schon durch ihr Layout als Anzeige zu erkennen ist, muss sie nach den Landespressegesetzen mit dem Wort „Anzeige“ gekennzeichnet werden. Die drei genannten Zeitungen wollten die fraglichen Seiten mit Begriffen wie „Verlagssonderveröffentlichung“, „Anzeigensonderveröffentlichung“ und „Beilage“ kennzeichnen.

Sehr interessant ist die Zusammenfassung von Sebastian Heiser zur rechtlichen Lage im Taz-Rechercheblog. Die kompletten Ergebnisse zu den einzelnen Medien finden sich ebenfalls im Rechercheblog.

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18 Kommentare
  1. 4 Schwarze Schafe? Ist ja unglaublich!! Vielleicht sollten wir diese nicht mehr lesen und unsere Welt ist dann in bester Ordnung!!

    Gute Lösung!
    Oder noch besser! Vielleicht sollten wir nur noch die Bild lesen. Dann sind wir wenigstens alle der gleichen Meinung :-)

    Ach ja: Die dafür verantwortliche Droge heißt Geld und dieselbe funktioniert bei allen Zeitungen gleich. Die „großen“ machen Politik, die „kleinen“ versuchen zu überleben. Das ist so seit es Zeitungen gibt und es wird sich auch nicht ändern.

    1. Tut mir leid, aber für Schleichwerbung in einem angeblich objektiven Organ habe ich kein Verständnis. Das stinkt zum Himmel. Um mehr Geld zu verdienen, müssen die „kleinen“ eben andere Erlösmodelle entwickeln oder sich noch schlanker aufstellen. So ist das einfach nur „Beschiss“ am Kunden, dem Leser und das wird sich rächen.

  2. 4 Verhandlungswillige bei 10 Befragten ist durchaus ein signifikanter Anteil. Allzu überraschend ist es aber aus systemischen Gründen unerfreulicherweise nicht.

  3. Berechtigter Einwand!
    Ist es denn wirklich besser, vertrauenswürdiger und \ehrlicher\, wenn eine Zeitung Nachrichten und Meldungen von sich aus bereits redaktionell manipuliert und beeinlußt?

    Wenn z.B. BILD einseitigen Wahlkampf macht:
    http://www.bildblog.de/6836/bild-als-wahlkaempfer-das-beispiel-2002/
    politische Meinungsmache betreibt:
    http://www.bildblog.de/ressort/politisches/page/39/
    über Politiker nur einseitig berichtet:
    http://www.bildblog.de/tag/bild-und-die-guttenbergs/
    oder Volksverhetzung betreibt:
    http://www.bildblog.de/18326/leitfaden-wie-hetze-ich-gegen-ein-land-auf/
    Ist das alles besser?

    Das Problem ist auch, dass es eben nur selten so auffällig und bekannt ist wie im Falle der BILD-Zeitung, genauso betreibt z.B. auch der angeblich seriöse FOCUS regelmäßig eine gezielte und genauso einseitige Meinungsmache.

    War schon im Falle Guttenberg nachweisbar, dass der FOCUS sogar noch einseitiger positiv die Guttenbergs berichtet hat als die BILD:
    http://www.buchmesse.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/der-liebling-der-medien/
    und ist auch im Falle von Themen wie z.B. Globale Erwärmung und Atomkraftwerke hat sich der FOCUS schon immer damit hervorgetan praktisch als verlängerter Arm der CDU zu polemisieren:
    http://www.klima-luegendetektor.de/tag/focus/

    Also sind diese Zeitungen und Magazine nun wirklich besser und angeblich unabhängiger, wenn sie nicht direkt Meinungsmache an Anzeigenkunden verkaufen, sondern Meinungsmache im Sinne einer bestimmten Partei?

  4. Jeder Mensch hat seinen Preis …

    Ausnahmen kenne ich keine ;)

    Die meisten Menschen verkaufen sich dieser Tage nur ziemlich billig und damit oft nicht nur sich selbst, sondern gleich einen Haufen anderer mit.

    Nothing new so far.

    Aber ehrlich, wer hätte denn gedacht, das _sowas_ in den „““Qualitätsmedien“““ passiert? Also ich nicht!!!!11elf

    sarcasm tags – waste of time

  5. Hmm, die Zeit kommt mit ihren von PR-Agenturen geschriebenen Texten aber auch nicht gerade gut weg, warum wird die nicht unter den „schwarzen Schafen“ erwähnt?

    …Ach richtig, der neue Arbeitgeber ;)

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