Öffentlichkeit

Wikileaks: Mit Selbsterkenntnis auf den Weg der Besserung?

Wo wir gerade bei Leseempfehlungen sind: Bei news.de gibt es – nachdem die Debatte zwischenzeitlich verschwörungstheoretische Höchstwerte erreicht hatte – ein erfrischend nüchternes Interview mit dem deutschen Sprecher von Wikileaks, der unter dem Pseudonym „Daniel Schmitt“ auftritt:

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Wikileaks veröffentlicht geheime Unterlagen und erregt damit sogar den Zorn des Pentagons. Im Interview gesteht Sprecher Daniel Schmitt Fehler bei den Afghanistan-Dokumenten ein distanziert sich von Gerüchten um eine Verleumdungskampagne.

Erfreulich, dass es bei Wikileaks tatsächlich noch Menschen gibt, die um Bodenhaftung bemüht sind. Eine „Distanzierung von Assange“, wie die Überschrift einer Zusammenfassung bei Meedia.de lautet, sehe ich in den Antworten allerdings nicht. Gleichwohl findet Schmitt klare Worte, zum Beispiel für die von Assange in eigener Sache lancierten Verschwörungstheorien:

Schmitt: Wir müssen vermeiden, Sachen hochzubauschen, die faktisch nicht belegbar sind. Denn die Medien machen im Moment aus allem, was zu unserem Projekt auftaucht, gleich eine Story. […]

Sie haben gesagt, Wikileaks wurde vor komischen Tricks gewarnt. Passieren Ihnen im Alltag Dinge, die Sie als seltsam und verdächtig wahrnehmen?

Schmitt: Überhaupt nicht. Deshalb bin ich auch vorsichtig, was solche Vermutungen angeht.

Auch was die aktuelle Arbeit der Plattform betrifft, gesteht Schmitt – im Gegensatz zu Assange – Fehler ein. Fehler, die systemischer Natur sind und an denen Wikileaks in Zukunft arbeiten muss. Idealerweise, bevor durch eine spektakulär inszenierte Veröffentlichung das Leben Dritten gefährdet wird.

In Bezug auf die Veröffentlichung der Afghanistan-Dokumente wurden sie nicht nur vom Pentagon kritisiert, sondern auch von Reporter ohne Grenzen und Amnesty International. Der Vorwurf: Sie würden afghanische Informanten gefährden, weil sie deren Namen nicht anonymisiert hatten. Sehen sie das heute als Fehler?

Schmitt: […] Bei der Vorbereitung des Materials sind hier einige Namen durch das Raster gerutscht, es handelt sich um etwa 100 Namen in 77.000 Dokumenten. […]

Sie sehen es also als Fehler an.

Schmitt: Das ist nicht hundert Prozent glücklich gewesen. Ganz bestimmt nicht. […]

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36 Kommentare
  1. Wieso brauchen wir eigentlich WikiLeaks?
    Der klassische Journalismus hat doch bisher auch recht viele Skandale etc aufgedeckt.

    Hätte man die 77.000 Dokumente nicht auch ohne WikiLeaks Zeitungen geben können?

  2. Philipp: Das Video das auf Wikileaks veröffentlicht wurde war der Presse schon vorher bekannt und sie hatten es schon. Aber keiner hat eine Story daraus gemacht. Warum nicht? Ich denke, Druck und Abhängigkeiten vom Pentagon. Erst durch Wiki Leaks wurde eine Story daraus.

  3. @Philipp:
    So ist das nun mal. Wenn zufällig ein Überwachungsvideo von dir auftaucht indem du jemanden ermordest, ist das auch aus dem Zusammenhang gerissen und wird deinen Motiven nicht gerecht. In unseren Medien würde das auch aufgebauscht werden weil irgendwie heutzutage nur noch das interessant scheint was ausreichend skandalös, eben aufgebauscht, ist.
    Trotzdem zeigt das Video natürlich Dinge, die (wie bei dem „collateral murder“) heutzutage eigentlich nicht passieren sollten.

    Klar kann man wikileaks vorwerfen, dass sie das aus dem Zusammenhang gerissen haben, aber wen interessieren schon stundenlange patrullienflüge. Und das „Aufbauschen“ war, finde ich, der heutigen Zeit, angemessen.

  4. @Philipp
    auch darf man nicht vergessen, keine zeitung wäre in der lage die ganzen dokumente zu veröffentlichen.
    und was hätte eine zeitung gemacht, wenn sie einfach so einen riesigen stapel an dokumenten bekommen hätte? die wenigstan zeitungen können einer hundertschaft an leuten abstellen die alle durchzuackern.

  5. Christof:

    Das Video das auf Wikileaks veröffentlicht wurde war der Presse schon vorher bekannt und sie hatten es schon. Aber keiner hat eine Story daraus gemacht.

    Ernst gemeinte Frage: woher beziehst Du solche Informationen?

    Es war nämlich exakt umgekehrt: Die Presse hatte das Video nicht, war aber an Transkriptionen gelangt. Das Thema war groß in der US-Presse und ein Reporter der Washington Post hat die Geschehnisse sogar ausführlich in einem Bruch namens „The Brave Soldiers“ geschildert.

    Was nicht stimmt: das Video zeigt – so erschütternd es sein mag – keine Kriegsverbrechen. Die Beschossenen hatten einen Granatwerfer dabei, die Journalisten nicht die Westen an, die Sie als Berichterstatter identifizierbar gemacht hätten.

  6. @Andi:

    Klar kann man wikileaks vorwerfen, dass sie das aus dem Zusammenhang gerissen haben, aber wen interessieren schon stundenlange patrullienflüge.

    Wenn ich mich recht erinnere, war das Originalvideo knapp 40 Minuten lang.

    Problematisch war aber nicht die Kürzung als solche, sondern die Art und Weise, wie Wikileaks das Material im Schnitt inszeniert und in der Nachbearbeitung aufgesext (Zeitlupen, Ausschnittvergrößerungen, Kommentarspur mit Interpretation, die wesentliche Informationen – siehe Torsten – aussen vor lässt, usw.) hat.

    Damit hatte Wikileaks die Grenze vom neutralen Informationsvermittler („Da, macht euch selber ein Bild“) zum manipulierenden Player überschritten. Für eine Whistleblower-Plattform ist Parteinahme imo ein ziemlich ernstes Problem.

    Siehe auch https://www.nytimes.com/2010/08/02/business/media/02link.html

    @ralph:

    auch darf man nicht vergessen, keine zeitung wäre in der lage die ganzen dokumente zu veröffentlichen.

    Der Guardian und die NYT haben für das Problem eine recht schöne Lösung gefunden. Bei Thomas Knüwer gibt es eine Zusammenfassung:

    Denn “NYT” und “Guardian” beließen es nicht beim schlichten Berichten und Einordnen in Form von Artikeln. Die “New York Times” legte zum Beispiel offen, warum sie welche Dokumente für besonders wichtig hält. Sie lädt die Leser ein, Fragen an die Autoren zu stellen. Und es gibt eine Auswahl von Dokumenten – und natürlich eine Sonderseite auf der Homepage.

    @ralph:

    und was hätte eine zeitung gemacht, wenn sie einfach so einen riesigen stapel an dokumenten bekommen hätte? die wenigstan zeitungen können einer hundertschaft an leuten abstellen die alle durchzuackern.

    Ziemlich genau das ist aber der Job einer Zeitungsredaktion. Informationen bewerten, zusammenzufassen und für den Leser aufzubereiten. Und es ist auch der Grund, warum Wikileaks den Redaktionen einen zeitlichen Vorsprung einräumt, bevor Material veröffentlicht wird.

    Vor allem aber ist eine Frage von Veranwortung und Legitimation. Wenn ein Whistleblower wie Assange sich anmaßt, über das Leben Dritter zu entscheiden („Er war ein Verräter“), läuft etwas ganz entschieden falsch.

  7. Ich denke mal, dass Wikileaks so um die 100 Namen durch’s Raster hat flutschen lassen, das _ist_ ein Fehler. Andererseits:

    „Wer viel arbeitet, macht viele Fehler. Wer wenig arbeitet, macht wenig Fehler. Wir machen keine Fehler“

    Wikileaks macht eben Fehler. Gut ist, wenn man daraus lernt.

  8. Schaut euch die Pressekonferenzen von Assange mal in voller Länge an, der ist wesentlich bodenständiger als er präsentiert wird. Nicht ganz so nüchtern wie Schmitt, das sei zugegeben. Aber mehr Dünkel als bei durchschnittlichen Journalisten ist auch bei Assange nicht vorhanden.

    Die mögliche Gefährdung afghanischer Informanten ist masslos überschätzt. Das Pentagon lechzt seit einem Monat danach so eine Story präsentieren zu können. Wir haben noch nichts gehört weil nichts passiert ist. In der Zwischenzeit sind aber wieder etliche Zivilisten von Soldaten getötet worden, ganz real.

    Ansonsten können sie es sowieso keinem Recht machen. Entweder es wird kritisiert, dass sie zu viele Infos unkommentiert rauslassen oder aber man fragt sich wie sie es wagen können eigene Meinung hinzu zu fügen wo sie doch nur Informationslieferant sind.
    Bei dem Video hätten sie das unkommentierte besser von Colleteral Murder trennen sollen. So schlimm war das aber auch nicht.

    Ihre Kooperationen mit Medien ist der richtige Weg. Technisch können diese nicht mit dem Quellenschutz von Wikileaks mithalten und Wikileaks braucht die Journalistische Arbeit. Ergänzt sich super.

  9. @David:

    mehr Dünkel als bei durchschnittlichen Journalisten

    Tja, wenn ich nun meine Dünkeltabelle dabei hätte, würde ich das natürlich gleich überprüfen.

    Ach, ich behaupte einfach, dass der „durchschnittliche Journalist“ wenig dünkelhaft ist. Er hat dazu nämlich nur wenig Veranlassung. Ausnahmen in Leuchturm-Ressorts oder ein paar anachronistische Artefakte im Lokalen, die ihr bisschen Macht ausspielen, sind eben dies: Ausnahmen.

    Ansonsten: Ehre, wem Ehre gebührt. Wenn Assange eines beherrscht, dann das Spiel mit den Medien.

    Die mögliche Gefährdung afghanischer Informanten ist masslos überschätzt.

    Auch das ist eine Behauptung, die man leicht in die Kommentarspalte eines Blogs tippen kann. Ein Menschenleben ist am Hindukusch wenig wert. Es interessiert dort genau niemandem, wenn ein Einheimischer verschwindet. Auch die Spindoktoren im Pentagon nicht. DIe vermutlich noch am wenigstens, schließlich gilt es immer auch die eigenen Strukturen zu schützen.

    Daran, dass die Taliban über ein halbwegs funktionierende Medienmonitoring verfügen, habe ich hingegen ebenso wenig Zweifel, wie der deutsche Soldat, der derzeit vor Ort um sein Leben fürchtet, weil er in der Realität den gleichen Namen trägt, wie er zur Verschleierung der Identität eines an einem dieser bedauerlichen Zwischenfälle Beteiligten von der Presse verwendet wird.

    Bei dem Video hätten sie das unkommentierte besser von Colleteral Murder trennen sollen. So schlimm war das aber auch nicht.

    Kontrollfrage: Würdest du das auch von einer Organisation sagen, die nicht behauptet, auf Seiten der Guten zu spielen? Von einer der du ebenso wenig weißt, wie über Wikileaks? Hmm.

    Fakt ist: Wikileaks bedient sich inzwischen exakt der medialen Mechanismen, die sie eigentlich aufbrechen wollen, ist dabei aber deutlich schlechter kontrollierbar und de facto vollkommen intransparent. Ich bleibe dabei: Das ist ein sehr ernstes Problem.

    Ihre Kooperationen mit Medien ist der richtige Weg. […] Ergänzt sich super.

    Entschuldige, wenn ich auch hier den Dagegenschlumpf spiele.

    Thomas Knüwer hat die Instrumentalisierung der Medien im oben verlinkten Text bereits recht schön herausgearbeitet. Wobei ich mich bei SpOn manchmal frage, ob man mit Wikileaks tatsächlich einen „Medienpartner“ hofiert oder ob es sich bei der Auseinandersetzung mit Wikileaks einfach nur um lausigen Journalismus handelt.
    ´
    Eigentlich ist es aber einfach: Wer mit Informationen handelt, ist nicht mehr unabhängig. Wer mit Medienhäusern Deals abschließt, macht sich lächerlich, wenn er behauptet mediale Strukturen aufbrechen zu wollen.

    Wikileaks wird sich entscheiden müssen. Vielleicht hat „Schmitt“ das erkannt, vielleicht ist es auch nur der nächste Level der Inszenierung.

  10. @notabas: Das lässt sich soweit alles recht einfach recherchieren, man muss nur wollen (Und den Mist, den die „Truther“ beider Lager ins Netz kotzen, ignorieren). Das Buch von David Finkel heißt allerdings „The Good Soldiers“.

  11. @ Jörg Olaf

    wie wäre es wenn du auf den gesammten Text antwortest und nicht ständig die Passagen auslässt, die dir und deiner Antwort nicht in den Kram passen

  12. Ich weiß gar nicht was das mit dem Informanten Schutz soll, die brechen dort einen Krieg vom Zaun, vertuschen und betrügen nach Strich und Faden und wenn es rauskommt sollen auch noch weiter vertuscht werden??? Es ist jedem selber überlassen ob er sich in so ein System einspannen lässt ob als Informant oder Soldat… die Konsequenz daraus muss man auch tragen können!

  13. @Philipp

    Hätte man die 77.000 Dokumente nicht auch ohne WikiLeaks Zeitungen geben können?

    Wikileaks hat ein wirksames System zur anonymen Dokumenten-Einreichung, so dass selbst bei Wikileaks keiner weiss, wer der Whistleblower ist.

    Die Zeitungen ruhen sich immer noch aus wie die MAde im Speck. Schau Dir doch an, wie es hierzulande abgeht: gab es einen Aufstand der etablierten Blätter als das BKA-Gesetz beschlossen wurde? Merke: dort wurde die PRessefreiheit beschränkt. Nein, denn alteingesessenen Holzmedien-Journalisten ist Journalismus offenbar egal, Themen fallen einem schon in den Schoß – oder man schreibt bei den verhassten und gerne diffamierten Bloggern ab.

    An wen wende ich mich also, wenn ich Sachen öffentlich machen will und möglichst selber nicht gepackt werden will? An die großen Zeitungen, denen Informatenschutz schnurz zu sein scheint oder an Wikileaks, für die das die Existenzgrundlage ist?

  14. gant: Den etablierten Medien ist Quellenschutz ganz und gar nicht egal.

    Wo Du Sachen öffentlich machen willst, hängt auch davon ab, was Du publizieren willst und was Du damit erreichen willst. Manchmal kann es sinnvoll sein zur Polizei, zum datenschutzbeauftragten, sogar zum Bischof zu gehen. Manchmal auch nicht.

    Bei Wikileaks liegen die Dokumente eine unbestimmte Zeit in der Warteschlange (dieses Jahr hat WL zum Beispiel nur vier Dokumente veröffentlicht). Wenn Du Pech hast, liegt das Dokument dann von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt auf deren Servern herum.

    Wenn Julian Assange aber eine Pressekonferenz zu dem von Dir geleakten dokument gibt, wird das Dokument weltweite Aufmerksamkeit erhalten. Das führt allerdings nicht unbedingt zu nachhaltigen Änderungen. Zum Beispiel mussten sich die Soldaten von „Collateral Murder“ nicht Mal einer Untersuschung stellen.

  15. Lieber Jörg-Olaf Schäfers – schreib doch Deine Behauptungen und Vermutung mal so um das daraus Forderungen oder klare Sätze werden:

    Beispiel:
    – Bessere Trennung von Quelle und Kommentar.
    – Besserer Schutz von Leuten die in den Quellen genannten werden
    – So gut wie möglich finanzielle Transparenz ermöglichen.

    – etc.

    Letztendlich sind diese Kritikpunkte schon lange bekannt. Dein Text ist eher eine Wiederholung, die zusätzlich noch recht wage Behauptungen einbaut oder zumindest für mich keine sinnvollen Quellen dazu nennt. Da kann man gleich JY lesen.

    Für Dich käme also als weitere Aufgabe noch hinzu:

    – Ich mag J. Assange nicht weil (x,y,z, „Er war ein Verräter“) dies zeigt sich in (x1, y2, z3, Quelle?) und die Folgen für Wikileaks zeigen sich in (x2, y2, z2, XXX).

  16. @icke: Vielen Dank für Ihre Beitragsidee. Ich habe allerdings noch ein paar andere, die ich vorher umsetzen möchte.

    Wie wäre es denn, wenn Sie ein eigenes Blog eröffnen, statt mir Ihre Inhalte unterschieben zu wollen? Das ist gar nicht so schwer!

  17. Okay, als siezen. Können Sie für mich das Ziel Ihres Artikels hier in einem oder zwei Sätzen unterbringen?

    Ich versuche es mal – für mich war der Inhalt:

    Der deutschen Sprecher von Wikileaks gäbe in einem Interview Fehler zu und gelobe Verbesserungen – Assange täte dies aber nicht, er sei zudem – so nun Ihr Artikel indirekt durch Zitate ohne Quelle – ein schwierige Persönlichkeit.

    Nun frage ich mich, ob dies von Ihnen so intendiert war. Mehr nicht.

    Inhalte will ich nicht „unterschieben“ ich will Inhalte in Ihrem Artikel hier finden.

    Ich finde es interessant wie Sie J. Assange finden und wo Sie dieses Wissen her haben und wie dies evtl. im Zusammenhang mit der Funktionsweise von Wikilekas steht. Mehr nicht.

    Aber wir brauchen ja nicht diskutieren. War ja nur ein Vorschlag von mir in großer Demut.

    http://print-wuergt.de/2010/08/12/danke-dass-sie-mich-kritisieren/

  18. Assange täte dies aber nicht, er sei zudem – so nun Ihr Artikel indirekt durch Zitate ohne Quelle – ein schwierige Persönlichkeit.

    Nein, von „schwierig“ war nicht die Rede. Ich schrieb „egomanischer Märchenerzähler“ (zumindest letztens hier in den Kommentaren, oben war ich diplomatischer).

    Ich habe den Eindruck, dass Assange/WL in der Vergangenheit mehr an medialen Scoops und der eigenen Legendenbildung gelegen war, als an Aspekten wie Informantenschutz und anderen „Hausaufgaben“. Siehe in diesem Zusammenhang auch http://www.welt.de/politik/ausland/article8677390/Die-Anmassung-des-Wikileaks-Gruenders.html.

    Darum ging es oben aber nicht.

    Die Zitate stammen zum Teil aus im Interview bzw. bei Media verlinkten Quellen und beziehen sich auf Assanges öffentliche Auftritte.

  19. Okay, danke für den Link (Naja, Welt halt. Sven Felix Kellerhoff wird sicherlich mehr über die Stasi als Assange wissen …) und die Hinweise auf die anderen Quellen.

    Nett wären die anderen Links gewesen. Die Zitate (englisch?) habe ich so noch nicht gefunden, glaube aber gerne das es sie gibt. Im Internet sollte man die Möglichkeit zur Quellenangabe nutzen, dies würde die Sache erleichtern.

    Sie schließen sich also der „Analyse“ von JY an: Früher sei Wikileaks mal gut gewesen, jetzt sei es – vor allem durch Assange – zu einer mediengeilen Gelddruckmaschine verkommen?

    Ich will weder Assange noch Wikileaks verteidigen, aber seriöse Quellen würde bei einer Wikileaks-Qualitäts-Debatte wirklich helfen und „Cranktum“ verhindern.

    Danke für die umfangreichere Antwort. Letzte Nachricht von mir zu diesem Artikel hier – Diskussion müssen ja auch mal ein Ende haben.

  20. Okay, danke für den Link (Naja, Welt halt.

    Tja, wir haben da gerade das von mir oben (oder war es letztens in den Kommentaren?) beschriebene Problem, dass Assange/WL einerseits (als Medienpartner) weitgehend unkritisch gefeiert wird, andererseits keiner „der Guten“ kritisch an das „Internetthema“ ran will.

    Warum auch, wenn man über „sensationelle Enthüllungen“ berichten kann (die, so leid es mir tut letztendlich weit weniger sensationell waren, als der Hype versprach).

    Kritische Auseinandersetzungen findet du daher vor allem im Ausland (und auch dort bevorzugt bei den „Falken“). Torsten, der sich oben mal gemeldet hat, dürfte da weit mehr haben. Ich habe selber nicht gesammelt, sondern erinnere mich allenfalls an ein paar Einzelheiten und Hintergrundinfos aus den letzten Monaten, wo ich mit dem Kopf auf die Tischplatte geschlagen bin (Regelmäßig übrigens, wenn der WL-Fanclub hier oder bei Heise im Forum die aberwitzigsten Theorien verteidigt, offenkundig aber nicht einmal geschaut hat, was da z.B. in Schweden gelaufen ist. Stichwort: Assanges Sekretärin).

    Im deutschsprachigen Raum gab es bisher nur vereinzelte Berichte (und dann oft nur so lausiges recherchiertes Zeug wie hier in der SZ oder oberflächliche Kommentare in der taz) bzw. seit ein paar Wochen das, was Detlef Borchers in seiner Wochenschau bei Heise zwischen die Zeilen schreibt (Da sind regelmäßig interessante Links bei).

    Sie schließen sich also der “Analyse” von JY an: Früher sei Wikileaks mal gut gewesen, jetzt sei es – vor allem durch Assange – zu einer mediengeilen Gelddruckmaschine verkommen?

    Nein, überhaupt nicht. Das Problem ist deutlich komplexer. Zunächst einmal: Die Idee/Legende ist natürlich spitze. David gegen Goliath, Internet, Hacker & Helden, Transparenz. Super, auch als Drehbuch. Und einen strahlenden Helden gibt es auch (gerade gefallen).

    Leider kann die Realität da – naturgemäß – kaum mithalten (und ich kann nicht beurteilen, wie sehr es die Unbekannten im Hintergrund tatsächlich versuchen – oder ob die Legende viel mehr schlicht Schutz & Verschleierung sein soll). Die Diskrepanz zwischen Anspruch/Inszenierung und Wirklichkeit jedenfalls ist bei WL zum Teil ziemlich erschreckend. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn es sich bei WL um einen „Detektivclub“ von Kindern aus der Nachbarschaft handeln würde.

    Tut es aber nicht. Gerade Assange gefällt sich offenbar darin, bei den richtig großen Jungs mitzuspielen.

    Tatsächlich überlege ich schon seit Wochen, wo mein Problem liegt. Finde ich es schlimm, dass Staaten morden, unterdrücken und bescheissen? Natürlich. Andererseits haben wir da ein vergleichsweise stabilisiertes System. Das ist kalkulierbar, damit kann ich leben. Nenn mich einen Zyniker.

    Will ich einen selbsternannten Medienhacker, der der Weltgeschichtem durch inszenierte „Enthüllungen“ einen eigenen Spin gibt? Einem Typen, der mit Pech längst auf seiner eigenen Verschwörungstheorie/Rolle hängengeblieben ist? Das Zitat mit den „Verrätern“ ist da ein schönes Beispiel: Wie zum Teufel kann man auf die Frage, wie man damit leben kann, dass durch eine wohl vorschnelle Veröffentlichung von Dokumenten Menschenleben gefährdet werden, anworten:

    „Das sind Verräter an ihrem Volk, das ist ok so“ (nicht wörtlich, aber so in etwa)

    Auf welchem Trip bitte ist der Typ? Was legitimiert diesen Mann über das Schicksal von wohlmöglich dutzenden von Menschen zu entscheiden? Will ich eine Organisation, die mit brisanten Dokumenten zurückhält, mit anderen _dealt_ und offenkundig einen Großteil ihrer Prozesse nicht im Griff hat? Ich glaube, dass man bei WL versucht, etwas zu kontrollieren, was sich im Rahmen eines solchen Projektes nicht kontrollieren lässt.

    Wenn dann noch die falschen Prioritäten gesetzt werden (Öffentlichkeit um jeden Preis) und man die Rolle als neutrale Plattform aufgibt, um selber Politik zu machen, wird es gefährlich.

  21. ich befürworte wikileaks grundsätzlich, wikileaks hat aber Macht und damit auch Verantwortung. daher fordere ich einen ethischen codex, zu dem neben Transparenz auch ein Neutralitätsgebot gehört. Wenn Veröffentlichungen dieser Plattform mit Meinung und Werturteilen vermischt werden ist das völlig inatzeptabel und gegen jede Ethik.

  22. “Das sind Verräter an ihrem Volk, das ist ok so” (nicht wörtlich, aber so in etwa)

    Jeder muss für seine Taten die Verantwortung tragen. Wenn ich mich entschließe mit den Aggressoren in meinem Land zusammenzuarbeiten, muss ich ggf. auch die Konsequenzen tragen (wenn mein Name in irgendwelchen Listen auftaucht).

    Kann echt nicht verstehen, warum dieser Punkt so thematisiert wird.

  23. Hans: Reality check: Wer genau in Afghanistan ist kein Aggressor? Die Taliban? Die Warlords?

    Natürlich ist diese Betonung der potenziellen(!) zivilen Opfer ein Überhöhung. Zum einen passt es der US-Regierung ganz gut ins Konzept, Wikileaks schlechte Arbeit nachzusagen. Aber dahinter steckt auch ein tiefgreifendes Problem. Informationen können in Kriegsgebieten unerwartete und unerwünschte Konsequenzen haben.

    Dass auch innerhalb von Wikileaks diese Diskussion geführt wird, zeigt die Entwicklung. Legte man noch vor einem Jahr Wert darauf fast alles ungefiltert zu publizieren, sucht man nun einen Kompromiss aus Transparenz, Effektivität und Verantwortung.

    Das ist ein verdammt schmaler Grad. Und da kommt man schnell ins Stolpern. Zum Beispiel zeigen die Publikationen von Wikileaks derzeit eine politische Agenda gegen die USA. Von China, von Kuba, von Russland oder von Drittweltländern findet man schon lange nichts mehr auf der Plattform.

  24. @Hans: Mit den Worten von Volker Pispers: „Wenn man weiß, wer der Böse ist, hat der Tag Struktur!“ Hast du überhaupt eine Ahnung, wie die Bevölkerung in dem Land unter der Herrschaft der Taliban gelitten hat? Das die Offensive Profit-gesteuert ist, geschenkt. Aber mit Schwarz-Weiß-Denken zu behaupten, die Invasoren sind die Bösen, die Einheimischen die Guten ist einfach nur falsch. Informiere dich besser über das Thema eh du dem Familienvater, (dessen Tochter von den Taliban vergewaltigt wurde und der nun mit den „bösen Invasoren“ zusammen arbeitet, weil er gern eine Demokratie hätte,) das Recht auf Leben absprichst. Frei nach dem Motto: „Er ist ja selber schuld, wenn er sich mit den Bösen zusammen tut.“ Es gibt nicht nur Einheimische und Invasoren. Es gibt auch einheimische die sich nach Frieden sehnen und welche die das eigene Volk unterdrücken wollen.

    @Torsten: Ernst gemeinte Frage: woher beziehst Du solche Informationen?

    Wer hat gesagt, dass die Reporter in einer Gruppe unterwegs war, die einen Granatwerfer dabei hatte? Wie kann man als Laie auf dem Video erkennen, ob die Reporter bestimmte Westen an hatten oder nicht? Wie sehr kann man der Quelle trauen, die diese zwei Punkte behauptet?

    Und deine Aussage „das Video zeigt – so erschütternd es sein mag – keine Kriegsverbrechen“ ist leider einfach nur falsch. ES IST ein Kriegsverbrechen auf Kampfunfähige zu schießen und ES IST ein Kriegsverbrechen auf unbewaffnete Helfer zu schießen, die Verwundeten helfen wollen (und ES IST ein Kriegsverbrechen auf kleine Mädchen zu schießen. [wobei sie das in dem Moment nicht wissen konnten.])

  25. Torsten, GrauDenker: Ihr glaubt hoffentlich nicht wirklich, dass die NATO wegen der armen Afghanen vor Ort ist?

    Darauf bezieht sich ja genau Pispers Zitat. Wir (die ‚westliche Welt‘) bekommen Feindbild und Zustände frei Haus. Wer kann heute noch sagen, was die Ursachen der jetzigen Situation sind?

    Was man aber sagen kann ist, das wir dort verdammt noch mal nichts verloren haben und uns in Dinge einmischen die uns nichts angehen. Politische Marionetten in fremden Ländern zu installieren ist die Handschrift des CIA, neu ist das die NATO eingebunden wird für eine neue starke westliche Welt (oder wie auch immer der aktuelle Slogan ist).

    Nur ist es eben diese tolle westliche Welt, die für einige Unruhe in der Welt sorgt. Die NATO ist bei weitem die größte Militärmacht weltweit. Den Oberbefehl hat das Pentagon. Der Rest, auch wir Europäer, ziehen anscheinend ohne zu hinterfragen mit was von dort befohlen wird. So ist der aktuelle Einsatz in Afghanistan ja eine direkte Folge des sogenannten ‚Angriffsfalls‘ durch den 9.11. (Stichwort: Die NATO und ihre Geheimarmeen).

    Aus Sicht des Rests der Welt sind wir also („wir“ dieses mal als NATO Staaten) die Agressoren und Bösewichter. Zudem zumindest die USA ja auch für ihre finanzielle Unterstützung lokaler Fanatiker bekannt sind, wenn es ihren Zielen dient.

    Meiner Meinung nach hat also jeder dort, NATO Soldat wie Kollaborateur, seine Verantwortung zu tragen. Ersterer sollte mM lieber zuhause bleiben und etwas sinnvolles anstellen, letzterer nicht seinem Land in den Rücken fallen.

  26. GrauDenker: Zu den Westen kann ich sagen: guck Dir das Video an. Zu den Waffen: es gibt jede Menge Quellen dafür – von den offiziellen Untersuchungsberichten bis zu den Ausschnitten, die im „Collateral Murder“-Video fehlten. Denen kannst Du glauben oder auch nicht.

    Fakt ist jedenfalls: die Ermittlungen gegen die Soldaten wurden nicht wieder aufgenommen. Und die Nachrichtenagentur Reuters, für die die Journalisten arbeiteten und die auf Herausgabe des Videomaterials geklagt hatte, hat sich explizit nicht der „collateral murder“-These angeschlossen.

  27. Hans: „Wer kann heute noch sagen, was die Ursachen der jetzigen Situation sind?“

    Offenbar kannst Du es: NATO böse, Taliban prima, Erschießung von Kollaborateuren OK. Ich teile diese Bewertungen nicht.

  28. Ergänzend: Man könnte sich auch fragen, was das für „Objektive“ sein mögen (die in Frage kommenden Modelle machen im Szenario keinen Sinn), auf die die „Reporter“ sich _aufstützen_ (Aufstützen ist etwas, was Objektive so gar nicht mögen).

    Assange hat zum Thema übrigens auch eine recht eigene Meinung:

    „it’s likely some of the individuals seen in the video were carrying weapons“. He explained, „based upon visual evidence I suspect there probably were AKs and an RPG,* but I’m not sure that means anything … Nearly every Iraqi household has a rifle or an AK. Those guys could have just been protecting their area“.

    In einer früheren Schnittfassung des „Collateral Murder“ war offenbar noch ein entsprechender Hinweis enthalten. Der passte wohl nicht so ganz zum intendierten Spin:

    „A draft version of the video Wikileaks produced made reference to the AK-47s and RPGs, but WikiLeaks said that ultimately they became unsure about the weapons and decided not to point it out in the released version.“

    Unsure, klar. Dann müssen es ja „Objektive“ sein, das macht wenigstens noch weniger Sinn.

    Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Collateral_murder#Commentary_4

    (Ich halte die Wikipedia hier für eine gute Quelle. Die Artikel ist/war derart umkämpft, dass unbelegbare Thesen unmittelbar gelöscht werden)

    *Eine RPG ist eine „Rocket Propelled Grenade“, siehe http://en.wikipedia.org/wiki/RPG-7

  29. @Thorsten Keine Unterstellungen bitte. Zu behaupten, die Lage wäre in irgendeiner Weise schwarz / weiß ist schlicht falsch und lächerlich.

    Ich stelle nicht in Frage, ob es in Afghanistan schlimme Zustände gibt (was zu beweisen wäre), sondern ob ‚wir‘ (also die NATO Staaten) das Recht haben einzugreifen. Ich sage: Nein, haben wir nicht. Wir sollten uns um unsere eigenen Probleme kümmern.

    Es ist meiner Meinung nach eben genau diese westliche Arroganz, die Ursache für viel Übel auf der Welt ist. Diese Haltung ‚Wir haben den Stein der Weisen, alle anderen Länder und Völker müssen ihre Sichtweise der unseren anpassen‘.

    Wer forciert diese Sichtweise? Wer sitzt an der spitze der Pyramide?

  30. Hans: Du kannst gerne den NATO-Einsatz ablehnen, von mir wirst Du da keine Beschwerde hören.

    Wenn Du aber argumentierst, dass der Tod von Leuten in der Kriegszone legitim ist, weil sie ja mit der bösen NATO zusammenarbeiten, dann zeichnest Du ein schwarz-weißes Bild, das ich ablehne.

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