Wikileaks: Mit Selbsterkenntnis auf den Weg der Besserung?

Wo wir gerade bei Leseempfehlungen sind: Bei news.de gibt es – nachdem die Debatte zwischenzeitlich verschwörungstheoretische Höchstwerte erreicht hatte – ein erfrischend nüchternes Interview mit dem deutschen Sprecher von Wikileaks, der unter dem Pseudonym „Daniel Schmitt“ auftritt:

Wikileaks veröffentlicht geheime Unterlagen und erregt damit sogar den Zorn des Pentagons. Im Interview gesteht Sprecher Daniel Schmitt Fehler bei den Afghanistan-Dokumenten ein distanziert sich von Gerüchten um eine Verleumdungskampagne.

Erfreulich, dass es bei Wikileaks tatsächlich noch Menschen gibt, die um Bodenhaftung bemüht sind. Eine „Distanzierung von Assange“, wie die Überschrift einer Zusammenfassung bei Meedia.de lautet, sehe ich in den Antworten allerdings nicht. Gleichwohl findet Schmitt klare Worte, zum Beispiel für die von Assange in eigener Sache lancierten Verschwörungstheorien:

Schmitt: Wir müssen vermeiden, Sachen hochzubauschen, die faktisch nicht belegbar sind. Denn die Medien machen im Moment aus allem, was zu unserem Projekt auftaucht, gleich eine Story. […]

Sie haben gesagt, Wikileaks wurde vor komischen Tricks gewarnt. Passieren Ihnen im Alltag Dinge, die Sie als seltsam und verdächtig wahrnehmen?

Schmitt: Überhaupt nicht. Deshalb bin ich auch vorsichtig, was solche Vermutungen angeht.

Auch was die aktuelle Arbeit der Plattform betrifft, gesteht Schmitt – im Gegensatz zu Assange – Fehler ein. Fehler, die systemischer Natur sind und an denen Wikileaks in Zukunft arbeiten muss. Idealerweise, bevor durch eine spektakulär inszenierte Veröffentlichung das Leben Dritten gefährdet wird.

In Bezug auf die Veröffentlichung der Afghanistan-Dokumente wurden sie nicht nur vom Pentagon kritisiert, sondern auch von Reporter ohne Grenzen und Amnesty International. Der Vorwurf: Sie würden afghanische Informanten gefährden, weil sie deren Namen nicht anonymisiert hatten. Sehen sie das heute als Fehler?

Schmitt: […] Bei der Vorbereitung des Materials sind hier einige Namen durch das Raster gerutscht, es handelt sich um etwa 100 Namen in 77.000 Dokumenten. […]

Sie sehen es also als Fehler an.

Schmitt: Das ist nicht hundert Prozent glücklich gewesen. Ganz bestimmt nicht. […]

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