USA: Comcast bricht Netzneutralität und erhebt Mautgebühren

Comcast did it again. Der US-Provider sorgte vor Jahren für Aufsehen, weil er für die eigenen Kunden p2p-Verkehr drosselte und damit zu einem der anschaulichen Fälle der US-Debatte rund um Netzneutralität wurde. Kritisiert wurde u.a., dass Comcast damit den eigenen Video on Demand Service eine bevorzugte Behandlung gewährte und Konkurrenz diskriminierte, die mit p2p-Technologien arbeitet. Jetzt fällt Comcast wieder negativ in der Netzneutralitätsdebatte auf, weil man Mautgebühren erhebt. Der Backbone-Provider Level3 macht darauf in einer Pressemitteilung aufmerksam: Level 3 Communications Issues Statement Concerning Comcast’s Actions.


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On November 19, 2010, Comcast informed Level 3 that, for the first time, it will demand a recurring fee from Level 3 to transmit Internet online movies and other content to Comcast’s customers who request such content. By taking this action, Comcast is effectively putting up a toll booth at the borders of its broadband Internet access network, enabling it to unilaterally decide how much to charge for content which competes with its own cable TV and Xfinity delivered content. This action by Comcast threatens the open Internet and is a clear abuse of the dominant control that Comcast exerts in broadband access markets as the nation’s largest cable provider.

Über den ersten Comcast-Fall haben wir im Netzpolitik-Podcast Folge 88 mit dem US-Netzneutralitätsexperten Marvin Ammori geredet, der als rechtlicher Berater die Klage gegen Comcast vor der US-Regulierungsbehörde FCC mitgeführt hat.

13 Kommentare
  1. Finde ich gut so, die Firmen sollten selber entscheiden dürfen welchen traffic sie durcheiten und welchen nicht. Genauso wie sie die Bedingungen dafür frei und ohne staatliche Regulierungen aushandeln dürfen.

    Schliesslich leben wir glücklicherweise nicht mehr im Sozialismus der die Freiheit der Wirtschaft einschränkt.

    Wenn Level3 das Angebot von Comcast nicht passt ddann müssen sie es eben ablehnen. Dann können Comcastkunden eben nicht mehr auf Level3 Angebote zurückreifen und würden dann sofern diese Angebote wichtig für sie sind eben zu einem anderen Provider wechseln.

    1. @FDP Wähler

      ironischerweise merken auch die anderen Verfechter Deiner Position nicht, wie wirtschaftsfeindlich und negativ für den freien Markt solche Geschäftsgebaren sind!

      Wenn ein einzelner Marktteilnehmer ein natürliches Monopol bekommt, wird damit der gesamte freie Markt zerstört! Und landgebundene Netz-/Telekommunikationszugänge sind ja meist ein natürliches Monopol oder maximal ein sehr begrenztes Oligopol.

      Als Beispiel aus unseren Breiten kann man ja leicht den Strommarkt heranziehen, in dem die Infrastruktur einer Handvoll Unternehmen gehört, die nur durch eine Regulierungsbehörde(!)dazu gezwungen werden, einen echten freien Markt für die Kunden zu ermöglichen!
      Darum ist imho auch die Privatisierung des Gleisnetzes wirtschaftsfeindlich, da damit die Infrastruktur und der grösste Wettbewerber zusammenfallen – wenn nur die Bahn privatisiert würde, müsste sie wie alle Mitbewerber um Infrastruktur und Kunden gerecht (i.e. mit gleichen Marktmechanismen) sich bemühen.

      Aber leider sind Neo-Liberale wie Kommunisten ähnlich blind für den freien Markt und bevorzugen halt Monopole/Oligopole – nur jeweils mit unterschiedlichen politischen Begründungen!

  2. Comcast erhebt keine Mautgebühren.
    Comcast verletzt nicht die Netzneutralität.

    Comcast wehrt sich dagegen, ein kostenfreies Peering weiterzuführen, das erheblich asymmetrisch geworden ist. Der Nutzen von kostenfreien Peerings sollten für beide Seiten ähnlich sein.

    Im aktuellen Fall hat Level3 Comcast aufgefordert die kostenlose Bereistellung der Übergabekapazitäten drastisch zu erhöhen.

    Comcast verhält sich in dem Fall völlig marktüblich indem sie ein bezahltes Peering anbieten.

    Ironischerweise ist gerade Level3 dafür bekannt, bei der kleinsten Asymmetrie zu deren Ungusten sofort die kostenfreien Peerings zu kündigen (und auch abzuschalten!) wenn nicht Geld für das Peering bezahlt wird.

    1. @FDP Wähler

      iss klar, iss klar :)

      „freie Marktwirtschaft“ so wie in „freier zugang zum Markt“. Hier zum Markt „Internet“.

      Wenn bereits der ZUGANG zum Markt vom eigenen Geldbeutel abhängt, handelt es sich keinesfalls um einen freien Markt.

      Keine Ahnung welcher Partei sie angehören, der FDP wohl nich… Und falls doch, umso schlimmer ;)

  3. »…Alle Wege der Netzneutralitaet fuehren nach Moskau!…«

    @FDP Wähler: Au weia. Bei solchen fundierten Sprüchen fragt man sich ernsthaft, ob der Sozialismus nicht vielleicht doch eine Alternative wäre.

    Der freie, sich selbst regelnde Markt ist ein von den Apologeten dieses Systems selbst aufgebauter Popanz, der ohne Rücksicht so lange wächst und frisst, bis er sich selbst und andere seiner Grundlagen beraubt hat und dann krepiert, wenn er nicht mit Milliardenbeträgen und weiteren protektionistischen Maßnahmen mühsam gestützt und wieder aufgepäppelt wird. Halbwegs genesen geht das Fressen sofort weiter.
    Wem die letzten drei Jahre nicht die Augen hinsichtlich einer dringend notwendigen Regulierung dieser Mechanismen geöffnet haben, dem ist nicht mehr zu helfen.

  4. @Lutz Donnerhacke

    Die Vormachtstellung von Comcast im Endkundengeschäft ergibt für Comcast nunmal ein erhöhtes Aufkommen an Traffic.

    Jetzt durch Veränderungen im Datenangebot auftauchende größere Durchsatzmengen sind also dem geradezu Monopolartigen Erfolg geschuldet und dem User verpflichtet.

    Der User erwartet ein Angebot unabhängig des Datentyps. Das Video dazugehört ist doch keine schlechte Entwicklung, oder doch für dich?

    Das eigene Videoangebot von Comcast und seinen Beteiligungsfirmen wird hier ggf. durch eine Monopolstellung übervorteilt. Auch das gilt es so beachten, gleiche Datentypen werden faktisch unterschiedlich aufgrund ihrer Herkunft (hier: netflix) behandelt

  5. @Jens Best

    Es ist doch noch viel einfacher: Comcast muss nur die Kosten auf die Kunden umlegen und ein neues Angebot machen: Neutrales Netz für 399.99 Dollar.

    1. @Philip Engstrand

      Die Kosten auf die Kunden umlegen ist ganz normal, das macht irgendwie jedes Unternehmen…

      aber das Vorgehen ohne Wettbewerbsverzerrung sieht ja doch eher so aus:
      * günstiger Anschluss = lahmer Datentransport (auch für Comcast, nicht nur für die Konkurrenz)
      * teurer Anschluss = schneller Datentransport (auch für Comcast, nicht nur für die Konkurrenz)

      …und so etwas haben wir ja irgendwie auch schon

  6. Gibt es eigentlich eine Informations-Seite zum Vorgehen vom Comcast, auf welche man Comcast-Kunden verweisen kann, damit ihnen in einfachen Worten erklärt wird, was bei ihrem ISP falsch läuft?

    (Die IP-Blocks vom Comcast sind ja bekannt.)

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